Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 465 (9.5.1920)
- Date
- 1920-05-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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iVkyelevsmptaN: NM« SS» Heller Tschecho-Slotvakei: Einzeln 44 Heller i. tsch.W Pränumeeationspreise r Wie»: Haw Abdolen tu der Ekxpeditiott. Ä. Bezirk, Tabor« strafte > bis 3, oder in eine; BersidliiUtrllt «Trank: Monatlich . . Kronen S0- Wierteljälirlich .. «O.- Mit Postverfand fitr Wien wrt CeRemiA: Monatlich .. Kronen 30.— Ticht'cho-Tlowakei: Monatlich .. Kronen. V.— «iertelsödrlich „ 31.- iu tschecho°slo»arischerWL!,runi Ungarn: Monatlich . . Kronen SO.- Bierteljäyrltch „ KV.— in ungarischer Wabrung IngoNawien: Monatlich . . Kronen 12.- Vievteljallollch „ in jUMlawischer Währung lener Neels 80 Keller Tschecho-Slowakei: Einzelrr 44HeVev r. tsch. SB- PränuMerLtiovspreisv Pulen; ' Monatlich .. Mark I*.* Bierteljichrlich „ ' ' Deatschlaub: ‘ . Monatlich . . . Mark S.« E,' r-ranlrelch: 1 Monatlich . . Yran» ' ShtlHtt: 1 Monatlich . . . . gfce3.-< Schweis: ‘ i Monatlich. . FpanK S, Rer»aktio»v. LdminiHratio» 8Stea.S.Dez.,rÄ»rftn1-k> Lelehhon« Admintstratt«. 440 r«. Redaktion 4»Stt. ab « Uhr abend« Nr. 1-3« 'Hoftsvarlassentsnto. tAFSö Nr. 465 Wien» Cormtag» den S. Mai 1626 2. Jahrgang Das englische Volk und das Palästina-ManLaL. Bott unserem Loudoner Korrespondenten. London» anfangs Mai/ Die Forderung der Zionisten nach einem jüdischen Palästina unter englischem - Protektorat hatte in England von jeher eine gute Presse. Daß hiebei nicht englische Expansionslust ausschlaggebend ist, beweist die 'Tatsache, daß auch jene Oppositionsblätter, . welche die «Kolo'nialpolitik der Regierung bekämpfen und von einer 'weiteren Belastung des britischen'.Reiches durch neue Holonrcüsorgen durchaus nicht entzückt-sind, dem zionisti- ' schien Projekt das' Wort redeten mib die Regierung aneiserten, den zionistischen'Vorschlägen mit vollem Ernst mäherzutreten. Aber' auch dis notorische Judenfreundlichtest cülein war es nicht, die . dem englischen Volke fast ausnahmslos die Etablierung' einer jüdischen Heimstätte in. Palästina unter der Aegide Englands so. sympathisch erscheinen ließ, denn dann hätte ein solcher Plan, der ja England unter allen Umständen ungeheure Verantwortung auch gegen das Mutterland aufsädt, nicht auch ^die^ Zustimmung jener Presse gesunden die durchaus nicht als judenfreundlich bezeichnet, werden 'kann.' oder gar'jener, die über ihre Judmfeindlichkeit sonst keine 'Zweifel aufkomnien läßt. - - Was: von 'der Presse. gesagtwerden kann, gilt auch von den politischen Parteien, die fast unterschiedslos iür die Anerkennung der zionistischen F^rdNMgsich -gusgeivrocheu , hüben. Wr betonen, hier W)es sich iii allen Phasen der Angelegenheit. gehandelt' und nur von ihr'wgr'die'Äeöe/.wenMüber, die'Neuordnung, in. Palästina englischetsejts verhandelt wurde. Die englische Regierung unddie..öffentliche Meinung sind vollkommen informiert, darüber, daß das zionistische Programmen seiner'Formuliexung und in.der Art, wie feine' Durchführung von den Zionisten gedacht wird, zur Zeit, 'als'-Balfour..seine, historische Deklaration , abgab) durchaus nicht) Gemeingut. aller Juden gewesen'ist >ünp. nochin 'einem späteren 'Stadium - von' einem Teile' des Judentums, der sich sonst auf einen' bedeutenden politischen Einfluß stützen konnte, \ in Mehr oder minder schgrser und anständiger Weise bekämpft wurde. Dennoch hat «die englische -Regierung unter Billigung des -englischen.'Volkes ünb der. öffentlichen Meinung sich bezüglich Palästinas das Zionistische Programm njit jeiner ganzen Terminologie, die geschichtliche, , sanktionierte Begriffe deckt,, zu eigen gemacht.. Bezeichnend hiefür ist erne Szene, die sich in der Unterhausfitzung,.. vom 27. April abgespielt hatte.. 'Oberstleutnant Mälone .richtete an die Regierung die Anfrage, ob und welche Schrüte von der Regierung unternommen wurden, um sich'über'die GefWe .und die Stellungnahme deeinzelnen jüdischem Gemeinden zur Palästina-Frage' Gewißheit^ zu. verschaffen und welches Ergebnis diese Nach? forschun gen. hatten. . , . . Auf/diese offenkundig ' post liberaljüdischer. Seite inspinerte Anfrage antwortete Bönar Law? Regierung hat es nicht fürnotwendig erachtet, sich Gewißheit' über die Gefühle) ünd , Haltung der einzelnen" jüdischen Gelneinden' zu verschaffen, - deren Ansichten .der Regierung Src Majestät wolstbekannt.sind." ^^')BsrsuchLman- 'einen. politiWpsychologischen^Grund -für.dre'HEung'Englands in der Palästina-'Frage zu«konstruiere«^ so wird - man ihn vor allem darin finden, -daß das englische Volk das modernste Volk der Bibel ist, idas'-im Alten Testament 'genau so Bescheid weiß wie ckirr' Neuen, Las durch die Bibel, gelernt hat, die Geschichte) des ältesten, noch ( lebenden Bibelvolkes, der Juden, fast mit dem Gefühle zu begreifen, seine, historischeu Rechte auf fein Palästina zu verstehen. Das englische Volk war von jeher prädisponiert).dazu, dem jüdischen'Volke dazu zu verhelfen, im Lande der Bibel eine.'neue Aera der Propheten ■ zu errichten, die das englische Volk so hoch verehrt.» , - Diese psychologische, Beschaffenheit des. englischen Volkes war aber notwendig, um es sofort erfassenzu lassen, daßes in einer guten- Politik Englands gelegen sei, seinen Einfluß m Palästina zu sichern, und W polnische üormarscb stockt Die Sowjetbehörden nach Kiew zurückgekehrt. Berlin, 8. Mar. (Tch-Komp.) Den Blattermeldungen zufolge stockt der polnische V o rma r f chnach der Ukraine. Die nach Charkow geflüchtete ukrainische Sowjet» Regierung ist n ach K r e w z u r ü ck g e k e h r t. Das bolschewikische Hauptquartier befindet sich immer noch in Kiew. Die Stadt gleicht einem einzigen BeseftigungsLager. V e r sta r k u rt g c -» für die Noten Truppen find im Anmarsch. W^rsch-m, 8. Mai. - (Fuillspruch.)-. Fröntbsricht vorn .7. Mai: Die geschlagenen fein^d sichen. Streitkr.« sie ziehen sich in -eh Ukraine in völliger.Anorduüng zurück. Unsere Panzerzüge haben mit. Unterstützung' von JnfauLerieabteilun^en die Bahustat'ou -W a p n i a r ka besetzt. Die Reste der zwüslen b-o sch"wis,'chen U-mLe 'z i e h"e'n s ich ans Kie-t^..zu-rück, d ssen V r-eidigüng du^cch.frisch ein-ge t.ro.ff'e n e» seind ls che,'Ä r.ä ftc'..neuergani- . siert wird. In V rfolguttg des Feindes 'har unsere Kavallerie W ä s Y l ko w besetzt. Auf den übrigen Frontteiren starke Ausklär'uugsML'zkeit. '7. Gesandter Dr. Szarota über die polnischen . •. ) . Z'ele. .' .*./ : . Der Wiener polnische Gesandte Dr. Marcel.'Szarota äußerte sich in 'einem- Gespräch yrtt dem ^Vertrcterder Delegraphen-Kompagnie folgendermaßen: ' sehnlichster Wunsch war es, aus dem Wegefriedlichem Auseinandersetzung' sein Verhältnis zu iRußländ zu regeln. U'sere Ziele Rußland gegenüber» haben sich-nicht geändert- Wir wünschen' einen Friedensschlüß, der uns einen ernsten Friedengavanstört und üns vor weiteren' russischen Ueber'raschungensichert. Ist der Rat der Bolkskommissäre wirklichbereit, einen solchenFrieden' -zu- - schließen, -so kann -er» ihn jederzeit haben. ' ' . Die gegenwärtige militärische Lckge 'ist'-für Polen die denkbar günstigste.-Die Gegenoffensive war erfolgt, weil ein weiteres Zuwarten unserer HLer.eslsitung Gefahren für utzs'ere'.-Armee- -hätte hevaufbefchwören können, da die Zusammenziehung der russischen Truppen bereitsgroße Dimensionen - angenommen hatte. . Aust die .Frage, ob -ein! Pertra'g zwischen der polnischen - und ukrainischen Republik, beziehungsweise zwischen Polen-und der Entente bezüglich des Kampfes gegen das bolschewikische Rußland » bestehe, erwiderteder Gesandte folgendes: Das Uebereinkommrn zwischen Polen-und der Ukraine ist bereits durch die ossiziellen Warschauer Fünksprüche bekanntgemacht würden. Was die Stellungnahme der -Entente anlaugt, so imag der Hinweis auf die Tatsache genügen,: daß ja Polen mit den Ententemächteu wlliierk'ist. Es ist, klar, daß -unier. den gegebenen Umständen es kaum in unserem Jnipresss -liegen, könnte, irgendetwas zu unternehmen, was den ' allgemeinen Richtlinien der Politik unserer AlliiLLten znwiderliese. ' Sine englische Kommission zur Antersuchung der ungarischen A Greuel. a Lon - o n, 8. Mai. (Reuter.) Zu Betzrttrr der nächsten Woche werden sich Mitglieder der Arbeiterpartei und des parlamentarische» Komitees der Trade Union nach Ungar» begeben, um eine Untersuchung zn.ner» a n st a l t e » Wer die Beschuldigungen we^en fanatischer Verfolgung der Arberterklafle und wegen dÄ Derhältniffe r» de» "IWÄniermrgÄkagern. Millerand für den MLKerbuttd. Par's, 7. Mai. (Havas.):Die Jnterparlamvnta-rischi!>- Hanbelsunion hielt heute ihre.Schlußsitzung ab.- einer zur.Amtahme gelangten- Resolution wird; btt\' Wunsch zum Ausdruck gebracht, .daß: an den, ittnJ Friedensvertrag - von Versailles festgesetzten; Wiedergut--; machungen keine Aenderungen vorgsnommen. werden. Die Wiedergutmachungskommission - svN ferner' ersucht werden, die'Ausgabe, von Go ldbs.ns;^ zu gestatten, die unter die Länder, die Schaden.gelitt-euj haben, .verteilt werden sollen. . - In der nachmittags abgehaltenen feierlichen Schlußlchung hielt Ministerpräsident Mi l l er a n d einei Ansprache, worin, er an dste Solidar.it at -d-iert B ö lker appclliertcv Kein Bolk, sagte er, kvnne leid«n^- o h n e d a ß d i e and e r e rr! i n M i t te idens ch a'f t g e zog e n würden. Das Unglück des einen bedeute das Unglück des anderen. Deshalb müsse die Einigkeit auf finanziellem,^ industriellem und Handels gebiete sowm auch in diplomatischer Hinsicht immer stärker betonir werden., - .'' - daß dieses . Ziel am sichersten, am-vorteilhaftesten, aber auch von allen, anderen Mächten am wenigsten-anfechtbarer Weise dadurch erreicht werden könne,. wenn es- Palästma den Juden zurückgibt, indem es die Juden nach Palästina zurückM-rt. . ' « . . ,^ . Aus diesem Gedankengang v Herairs: ^entstand die Balfoursche Deklatation. Däk. diese Geschichtsauffassung die richtige ist, beweisen ore Ereignisse seit jener j welthlstorischen Erklärung Balfours und die ^Fehler, die! von seiten d-er Entente begangen , wurden.' Alle Welt hatte erwartet, daß die Alliierten die erste Gelegenheit ergreifen würden, die Worte Balfours in die Tat umzusetzeu. ' Zu viel Zeit ließ man verstreichen, zu viel, um nicht auf Seite der Gegner eines jüdischen Palästina Nahrung für ihre Agitation anhäufen zu lassen, zu viel Zeit auch, um den Glauben der, nichtjüdischeu Nationen an die Aufrichtigkeit der -Absichten Englands ins - Wanken zu - bringen. Auf der einen Seite waren die Ereignisse in Syrien und- Palästina die Folge dieser Verzögerung, auf der anderen Seite die aus Amerika in 'die Welt gesetzten Gerüchts England wolle die Balfoursche Erklärung nicht honorieren. Die Feinde Englands jubelten und in den Jubel " stimmten die jüdischen Assimilanten aller Länder ein. ' Da stellte sich wieder, die englische Volksseele in di« Schranken, da brach wieder die englische Bolksstimmuns durch: es galt das Prestige Englands zu retten. - ES durfte nicht zugegeben werden, daß das Schlagwort vom „perfiden Alb ion", das schon so viel U nheil angenchtet hatte und durch unfähige, und unverläßliche Militär^ beamre in Palästina neuerlich an die Oberfläche gezerrt wurde, wieder politisch - gangbare Münze werde. Dazu kam noch, daß die Situation Frankreichs in Syrien auch zu einer schleunigen Klarstellu.'.g der Verhältnisse in des asiatischen Türkei drängte.' Dadurch erhielt^ England, das schon früher eine solche.Klarstellung anstrebte, einen Bundesgenossen für ein rascheres Tempo - in der Erledigung der.syrisch-palästinensischen Frage. . ' . So erklärt es sich., daß. aus'dem ganzen .Komplex der schwierigen, türkischen Friedensfrage . scheinbar,' iß aller Eile die syrisch-palästinensische herausgegriffen und für sie ein Fait accompli geschaffen wurde. Daß dies auch ein Wink nach Rußland sein wollt«, nur. nebenbei. Wie sehr aber diese Erledigung der englischen Volksstimmung entspricht,'-, geht' aus der einmütigen Zustimmung Hervor, die die Beschlüsse, von San Renw in Presse und Parlament gefunden haben. Donnmuig den ir Mai » Z.. to (Ibr vslwiltags« Grosser Dienet sienrektdanz-Zaa! K*Ttcn Ah M-Msg m JSi^nUtiw^R Mm\\> ll.»??, crtSWUb 7 - _ " ■ Heflneri ' ' X' Or. 5ebms jadu Eewln Ä MttgliL« 4e« CBgmn N»isnr»s«itier 4er (0e)ttHM«i*aR9f 0bcrr4DiMnerDr,Z,P.6N|($