Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 456 (29.4.1920)
- Date
- 1920-04-29
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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9tr. 456 ■ -Mcki-.-Eo u trcr e lafr Wiener Mergenzeitung Jnm ,m,L. 20. April \(m Seite Sv t :•■•".— ■■ ■,'*•> nationalen Studenten, die er «als einen Ht-rk der Reaktion Leze ich nete und forderte die Versammelten tauf, AbwehrmaßnaPnen gegen den Uebermut der .DeutsA . nationalenhiervon der Polizei geschützt werden^ zu. ergreifen. . . Die folgenden Redner erklärten, baß die sozläüstischeu Studenten Jegen die Deutschnationalen in Schutz genommen werden müssen und nicht geduldet werden dürfe, das; der Antisemitismus weiter als. Deckmän^f sür geheime Umtriebe diene. ,,■ Ein Botköwehrmann verlas unter stürmischest Eni:- i'üstungsrusen der Volkswehrleute einen Befehl, Wonach , auf Anordnung des Staatssekretärs Volkswehrmänuer unter keinen Umständen auch nur als Zuseher an den Krawallen nächst der Universität teillrchmen dürfen, und erklärte, die dienstfreien VolkswehrümnNer werden nrcht riur'zusehen, sondern'' sich auch b e L eilige n, damit den. deutschnationalen reaktionären" Studenten jede Lust genommen werde, ihr schamloses Treiben.weiter fort- Knsetzen. lieber-die freie Zeit der Volkswehrwämwr , dürfen andere nicht verfügen. - '// Es.-wurde schließlich beschlossen^ büß heliw \uii D Uhr früh alle dienstfreien Bolkswehrmänner vor der Universität zu einer Demonstration erscheinen," wobei der Ansicht Ausdruck gegeben wnrdt, daß die Polizei, pia sich bisher. als ein 1 Schutz der deütschstationalen Skudestwn erwiesen habe, ihre Haltung ändern werde. ' > Nach der Versammlung bewegte sich ein Demoustratronszng in geschlossenen Reihen vdm Nathans bis zur Botivkirche, wo er sich auflöste. ' ' Einem vor dem 'Rathaus vorLeigelomineMu Lonleürstudeiiten wurde die Kappe vom Kopfe geschlagen. Die Volkswehrlentc erklärten hiebei, daß sie auch mit schärferen Maßregeln gegen die. deutsch Nationalen Studenten, die sie auf dev Straße antreffen, Vorgehen werden, wenn diese in ihrer terroristischen Taktik fort sah reu. ■ s Der Deutsche Hochschulausschutz der Technik gegen Wertere Ausschreitungen. Gegen 1 Uhr wurde mit Bewilligung des Rektorats > folgende -Kundmachung des Deutschen -Hochschulausschusses an den; Tor der Technik befestigt: j „Kommilitonenl Der Deutsche Hochschulausschus;. ersucht im Vollbewußtsem seiner Verantwortung die arische Studentenschaft, mit Rücksicht auf die gegenwärtigen Verhältnisse von weiteren Schritten gegen die Inden, abzui sehen. Der Deutsche Hochschulausschnß, ' Die „Arbeiter-Zeitung". ) Ein. besonderes Wort muß dem sozialderuolratischen Hauptorgan getvidruet werden. Das Blatt hat die schmächv oll-est -Vorgänge' an den ' Wiener Hochschule^' die eine Beleidigung jedweder Freiheitlich beit find? durch mehrere Tage in einer nebensächlichen. Ecke ab---- getan und bagatellisiert'. Die Dimensionen der Exzesse -zwingen sie nun dazu, die Sache mit etwas größerer Aufmerksamkeit zu behandeln. Aber den Jüdischnakio - nalen, die durchaus in der Defensive stehen, - muß' eilt Schimpf zugefügt werden und so wirft ihnen die „Arbeiter-Zeitung" vor, sie hätten scheinbar das , Ausland " zu Hilfe 'gerufen. DaS ist nun natürlich . nicht. wahr. Es ist lediglich der für.' die österreichische' Regierung natürlichpeinliche Fall eittgetretsn,' daß die amerikanische Mission sich mit der Zerstörung der' aus amerikanisch-jüdischen Geldmitteln unterstützten jüdischen Mensa befaßt und eine Anfrage an die Re-' gie-rung gerichwt hat. Daß verletzte Hochschüler fremder Staatszugehörigkeit die Intervention ihrer diploma-. tischen Vertretungen anrnftn, liegt in der Natur dick Sache und hat mit den Jüdischnationalen nichts zu Lun. Für die zerstörte VlonsL s.oLäsm!oa guüaioL. Wir erhielten von Herrn L. Tandes, Bankier,' Kr. 5000.— als Spende für die Mensa Aeademic.i Judaica aus Anlaß der von den deutschnatiottalenantisemitischen Radaubrüdern verübten-Exzesse mit der Bitte, in unserem Blatte eine Rubrik' für weitere Sammlungen zu eröffnen. (Es ist selbstverständlich, daß' wir diesem Ansuchen mit der größten Bereitwilligkeit' willfahren wollen.) In einer zweiten Zuschrift an uns, die uns. von geschätzter Seite znkommt, heißt.es:..„Das Betrübliche, der letzten Ausschreitungen ist leider, daß nunmehr - eine Anzahl der Studenten des Vorteils, welchen ihnen die Mensa bot, verlustig geht. Ich bin daher gerne bereit, für meine Person zwei Studenten, die mir namhaft gewacht werden, bis zur -Ausnahme des Betriebes . der Mensa, bei mir vollkommen^ frei zu verköstigen und bitte Sie frenndlichst um Namhaftmachung solcher, die . Sie wirklich empfehlen können." Die tzorthtzsten in Graz. . , Die Anfrage des Abg. Stricker über die. Vox- ' ^änge an den Grazer Universitäten 'wurde gestern-, in der Nationalversammlung im Druck verteilt. 'Dia. - Anfrage lautet-: * „Art den Grazer Hochschnlelt werden unter dem von den deutfchnatwnal-antisemiti-chen Studenten- , organisationen aus geübten Drucke tschecha-slow-akische, . südslawisches ungarische und polnische Staatsbürger, so- - fern sft Juden sind, zur Justtiptiou nicht zngelasstu, unter anderen auch solche, welche bereits mehrere Sdwester in Graz inskribiert waren. Während nichtjüdische Ausländer ausgenommen werden, weist -nüu Inden unter dem Vorwände des PlatzruangelS, dcr - LebenSmittelnot nsw. ab. In vielen Fällen erhielten r> von d^n Howsckulbebörden den sonderbaren Be» Die Vorgänge an der Universität. Der jüdische Verbandsausschutz versieht den Ordnerdienst. Die Berbandsausschutzwitglieder versammeln sich um halb 9 Uhr früh im Hochschulansfchutz. Ein Aufruf des Jüdischen Hochschutarrsschuffes. Der Jüdische Hochschulauöschuß bittet uns um die Veröffentlichung folgenden Aufrufes: An die jüdischnattonitleu Kommilitonen! Wir erteilten die strikte Weisung, sich auch heute vollständig ruhig zu vermaltem Durch die Sperrung der Universitäten ist vorläuftg der Zustärrd der Rechtsgleichheit wiederhergestellt und wir warten die Ergebnisse unserer Memoranden ab. / ' Die jüdische Studentenschaft bejaht die Republik und ihre Gesetze und ihre Vertreicr werden versuchen, ihr Recht auf dem Wege des Rechtes durchzusetzen. Die jüdischnättonalen Studenten diirfcst morgen nicht in Gruppen sich bei den Hochschulen anshaften und nicht zu Zusainmenftößeit'Anlaß geben.s - Dir gegebenen Weisungen »bleiben in Kraft., Da die jüdisch^oz'kalistischen Studenten bei'uns nicht vertreten futb) ergeht an sie auf diesem Oege die Bitte, stch mich an diese Weisungen gü halten. Die Exzesse der Hovthh--St«dente^. ' Äyr der gesperrten Universität fabelt sich gestern -'vormittags die schändlichen,Exzesse der deutschnationaleN Dtüd-enLenschaft wiederholt. Aber auch in anderen Teilen der. Umgehung der' Universität,. sp in - derLastenstratze und. in' der. .Währipgersiraße. .hat es Szenen gegeben, die dH schärfstö Ahndung verdienen. Die deutsche akadechische Jugend, die, mit Schlagringen und ersmbe'schllägenen Stöcken bewaffnet, auf die Judenjagd' zog, häk'stch -tviederholt an w e h r l o s e n M ädche n vergriffen und alte Leute mißhandelt, die sie für Inden hielt. - In früher Morgenstunde riegelte die Polizei bereits die Zugänge zur Rampe der Universität und die -Freitreppe ab. Gegen 10 Uhr.erschienen die Deutschnationälen in stärken Zügen und ' bummelten auf den Trottoirs rings um die Universität, während in der Gehallee bis zum Liebenberg-Denkmal's o z i a l i ft i s ch e Studenten sich aufhielten. Die Jüdischnationalen hielten sich, der Weisung des Hochschulausschusses entsprechend, vollständig ferne. Gegen 11 Uhr versuchten etwa 600 d e u t s ch n a t i o n a l e T e ch'n r k e r einen Sturm auf die Gegenseite, holten sich aber - blutige Köpfe - und wurden schließlich von der Polizei ausgenommen. Gegen mittags hielten,, zwei deutschnationale Studenten -Awsprachen an die aus der Sträße Angesammelten, in denen sie gögen das I u.d ent u m sprächen und erklärten, die Wiener Universität müsse rein deutsch erhalten bldiben, frei vonr fremden Elementen. Die Reden klangen in Hochrufe auf den Anschluß an die große deutsche Bruderrepublik aus. Andere Redner, die im Namen eines allgeimenen. Studentenausschusses sprachen, richteten an die Studenten die Aufforderung, die Denwnstration nicht äusarten zu lassen, und fügten hinzu, daß „gewichtige Gründe" dies erforderten. Sie konnten sich aber nicht durchsetzen. Wieder kam es zu schweren Zusammenstößen, bei denen die Wache vieleil Leuten die Stöcke wegnabm. Als dann die Hörer der Hochschule für Bodenkultur herankämen, entschloß sich die Polizei zu e n e r g i s ch e m V o r g eh e n. Berittene Wache räumte die ganze Gegend. ’ *• Die D.'wsck'uationnwn und Sozia listen ' zögengegen die Währingerst'-aße hin üb. Unterwegs kam es ununterbrochen zu Konflikten. Als sich da«, die Deutschnationalen wieder formierten,^ um zur/Univ-ersitäL znrückz-ulehren, wurden sie von der Wache aiiseinandergesprengt. AeberMe auf brEde. - Den über die Währ'mgerstraße abziehenden Deutschnationalen begegnete bei der Türkenstroße ein ntälienischer Offizier. Unter Schinrpfworten stürzten sich die Krawallmacher auf den Italiener, schlugen ihn zur Erde und' ließen von ihm erst ab, als Polizei kam, um ihn zu befreien. Herbeigerufene Aerzte der RetLungsgesellschaft leisteten ihm erste Hilfe.' > ' Gegen vorüberfahrende Kraftwagen, in denen sich Mitglieder der in Wien weilenden Missionen befanden, htißßen die Deutschnationalen Schimpf- und Schmäbxrife aus und schwangen gegen die Insassen ihre Holz-' knühpel. y- Ein Mitglied .der Gesellschaft der Freunde aus EnglaftVibei: die Frühstücksaktion besichtigen wollte, wurde - mft Därimstännnen, wtf denen „Jubcnniassage" eingeritzt wär,' veiprügelt. Die Sperrung der Universität. Die gestern ver-lautbarte Sperrltng des Universitätsgebäudes für zwei Lage hat, wie man sieht, keine beruhigende Wirkung gehabt. Eine solche könirte sich nur dann einstellen, weün deck Verlangen der jüdiWit Studentenschaft nach Embürufuttg einer Aussprache zwischen Regierung, Universität und Hschschiiftrn Folge gegeben wird. Eine andere Lösung^ oder gar die Aüs- . fchlietzung der Juden von: Hochschulbetrieb ist undenkbar. Die Technik gesperrt Vor der Technik herrschte vormittags verhültniSrnäßig Ruhe. Nur gegen 9 Uhr kam es beim Eingänge ält Plänkeleien umsckm?lnaebörifl"!! der verskhiedenen Parteien uud der Studentenschast. Um 10 Uhr wurde eine Kundnrachung des Mktors an die Türe geheftet,, hie besagt, daß die Technik bis inklusive 2. Mai geschlossen bleibt. Eine Erklärung des Jüdischen Hüchschnlausschuffes. Der Jüdische..«.HöchschulauSschuß gibt durch die l,Korr. Wilhelm" eina Erklärung aus'l in welcher er sag-ti „Am Dienstag kam"es zu" argen - M iß Hand- Dre f'fitet0nDeMschnaMdnwlen stürzten sich ckus sie und mißhauhelten sie' vhtzr" MEriG-ch' ,deI.. Geschlechtes derart, - daß einige jüdische' StudÄrtimM bhltübexstrümt tveinrud zu den AuSgauM .stürzten, . wählend ihre mmmlichÄr - Kollegen sich .Mar tapfer zur^Whr sehLcu,M<?r -Htz-,'wML^Utt^'S,ch-lEg xiix g u whH L ö ck ckrbWendÄ.UeWmNht Ivelchnl "stiützkm: ' Did Den! schttationaleu b r a che n i n d-i e H v r_f L l c tin und' trieben die jßdlschen Stüdentert vor d e N Am ge u der PrA fe ftsMest aus dem G-ebältde. Auch aus dert Prüfungssälen würden die jüdischen Brüsungtzkandidateir ge w achDaw' Entfernt, sehnliche Ereignisse gab es auchimt.'dör H'Lch-schule für Nd H andel und an der TechNir. Jyi Gegenäv'ML dckr Bertrüter der tnglischeniG.esellschasb,,Society Vf.Friends" drüngchr DEfchtmtionasen den im Büfett der Universftstk untergebrachtchr.Frjchstücksraum eijs und vertrieben trätz HrMW ' 8er Angehörigen deb „S-oriety" did jüdischen Stüdenten von ihren! Frühl stück. Der Jüdische H^chschula Ns schuß hat an dir S-aats-! kanzlet und an' das Stääisänft für Unterricht'entsprechende Memoranden gerichtet und lehnt jede Verantwortung ab, wenn die Rechtsgleichheit au der Universität nicht üMgestellt wird." Gegen d ie falschen BerichLe der Wiener Presse. Der Jüdische Hochschulausschuß teilt mit, daß bei den gestrigen Schlägereien per der Universität keine Jüdisch m a L j o it a l e n bet.'iftgt waren. Der Jüdische Hochschulansschuß ..hatte angCordnet,. daß die. Jüdischnationalen sich . bis^ zur- Erledigung der an die , StaatAdlEl- Nstd gn das-.Staatsamt für -Unterricht s gerichteten Memoranden p a-s siw -zu - verhalten haben und insbesondere Prügeleken vor' dtzr Univerfttät 'unbedrugt zu vermeiden sind.- '!. Ferner legt der Jüdische Höchschülausschuß Wert auf folgend^ Feststellungen: Wmn die Meldung einiger Blätter richtig sein sollte, daß ein jüdischuatwnaler Siudeut gemeinsam mit ^-mmunistischen Arbeiter- und Soldaten raten bei der Polizei in Angelegenheit der Vorfälle an den -Hochschulen Vorgesprächen hat, der Betreffende-feinet le i M ckn d at zur Vertretung der jüdischen Studenten gehabt hat. Die Exekutive der jüdischen Studentenschast ist der Jtidische Hochschut-- auischuß, der uiemals.gemeinsam mit kommunistifchen Arbeiter- und Soldatenräten bei Behörden vorgesprochen hat. Die Meldung, daß die - Jüdischnatbonalen chisten Sturm auf die deutsche Mens-g versucht; hätten, ist zur Gänze erfunden. Einsolcher Versuch i wurde niemals gemacht, wie überhauptdie jüdische ' Studentenschaft ausschließlich zur Verteidigüng j ihrer R e ch t e und zuin S ch ütz ä ich r e s E.i g'e n L u istß j in Aktion getreten ist. EöSnso ist die Meldung, daß I Vertreter der jüdischen Studentenschaft vom Polizei- . Präsidium die Räumung der "Rampe - der Uttiversität verlangt hätten, zur Gänze Ustrichkig. -Die k-ommissionelle Feststellung des Schadens in der Jüdischen Mestsa durch ausländische Missionen | wurde nicht borst Hochschulausschuß veranlaßt,, sondern! spontan von den 'ausländischen Missionen selbst dnrch- I geführt, weil die. Gelder für die Mensai züm Teile i durch Sammlungen tut neutralen und ehemals feindl lichen Ausland aufgebracht Werden. Die jüdifch-akade-! mischen Verbindungen .'hahen, entgegen. anderweitigen '/Meldungen, nicht beabsichtigt/gestern "in Farben sich; den Zutritt ■ zum Bummel zu erzwingen. Die. Darstellung, daß sich att de'U Börsällcht ans der Universität und an den übrigen' Hochschulen neben sozialdemokratischen die zionistischen Hochschüler beteiligt hätten, ist insofern irrefühmrd, als es sich bei der Austragung der Konflikte an den Hochschulen um die. Wahrung der Lernfreiheit der gesamten ' jüdischen Studesttettschast handelt, wobei allerdings aus seiten der jüdischen Studenten" zunr weitaus irbcrio legenden Teile ebeir die uatiönalbäwußte zionistische Studenteuschaft in Aktion getreten ist'. Die Volksrvehr gegen die deutschnatio,«aLen Mqnarchisten. Beschlüsse einer VolkSmehrversammlung. In der Volkshalle des Rathauses fand gestern eine Volkswchrmäunerv rsanunlung stalt, die als Prolestversaimnlung gegen chie Exzesse der deutschnationalen Studenten cinderusen war. / Zuerst besprach Tvman hie politische Lage, wobei er die Tätigkeit der jetzigen.Regierung, die Koalition, und das Vorgehen gegenüber den Kommunisten äußerst' heftig unter lebhaftern Beifall der Versammlung kritisierte. Melcher wandt? sich gegen die dentsch--