Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 442 (15.4.1920)
- Date
- 1920-04-15
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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sSeite 2" 'Men. Donnerstag" _~ nun-- n ' Hw., .T». „ jt.).. Inland. Aus der Rat'onalversammlttng. Der Finanz-- und Budgetauö schuß kann erst in der kommenden Wüch? taZe'.l, da gegenwärtig der Oümann Doktor Weiskirchner und der Dl'niannstellvertreter erkrankt sind. In der kommenden Woche wird der Finanzausschuß di.' vom Unterausschuß bereits durchberatene Vsrmögensnogade und sodann die Steucrvorlagen, die Staatssekretär für Finanzen Dr. Reisch im Hause emgebracht hat, in Verhandlung ziehen. In der am Frei ag siattsirdendrn Plenarsitzung tri d über dringendes Berlangen der Christlich sozialen der Antrag Giürtler wegen Einsetzung einer parlamentarischen Untersuchungskomuttssiml zur Prüfung des Gebarens bei den Anstalten der ' Sachdemobi.i,Irrung beraien werden. Die Arrkiunft des SLaatskranzlers Dr. Renner in Wien. Die Ankunft des Staatslanzlers Dr. R e n n e r sowie der Staatssekretäre und Ncicrenim, d'.e ifm aut der Ne-se noch Notn! eei.itet Hai en, erfolgt heute Ml 7 Uhr 15 Minuten früh auf dim Bi^bahutzef. Ter italienische Gesandte in Wien Marchese della T o r r e t t a verbleibt noch einige Tage in Rom. Eiusisllung der Untersuchung gegen den Abgeordneten WuLte. Wie aus Gra; gcm'ldet wud. steht die bei dem dortigen l'.nrdesgeuchre in Strafsachen gegen den Äl-geordneten W ü t t e;-iihtte Untersuchung miniit'eltar vor d m Abschluß. Das Bertahren gegen den Abgeordneten ur^d die anderen Beschuldigten dürfte eingestellt werden. - Die WirLschaftskommisfion über die Fleischversorgung. Gestern ist im StaatSamt für Vylksernahrung die von den Ländern Oesterreichs und der Stadt Wien durch die/Entsendung von je drei Vertretern gebildete Wirtschaftskommission öu ihrer ersten Sitzung zusammengetreten. In der Debatte wurde von den Vertretern der Länder, sowohl den Produzentenals auch den Konsumentendertretern, übereinstimmend der Meinung Ausdruck gegeben, daß eine einheitliche Quote für das ganze Staatsgebiet nicht festgesetzt werden könne. Der Viehstand sei infolge des Kriege? sehr dezimiert und es sei den Ländern nicht möglich, ihren eigenen Konsum aus ihren Viehbeständen zu befriedigen. Es wuHre lremängelt, daß die Absperrung der einzelnen Lander untereinander zur Folge habe, daß der Austausch zwischen Rutz-, Zucht- und Schlachtvieh vollständig unterbunden sei. Daher komme es, daß in dem einen Lande hochwertiges Zuchtvieh geschlachtet werden müsse, während andere Länder Mangel an Zuchtvieh haben, i 'ie Länder seien bereit, Zuchtincl> äbzugeben, doch müsse ihnen dafür die entsprechende Menge von Schlachtvieh gegeben werden. Die Exzesse in Jerusalem. * Vorstellungen vee zionistischen Kommission bei der englischen Regierung. London, 13. April. Laut Mitteilung der zirmiftischen Kommission in Beirut vom 10. April haben sich in Jerusalem am 4., 5. und 6. April ernste Unruhen abgespielt. Juden wurden von den Arabern überfallen, wobei die arabischen Poli-eiteute sich' an den Plünderungen und Gerval tiitiMiien beteiligten. Fünf Juden fanden den Tod, zweihundert Juden trugen Verletzungen davon und selbst drei Frauenschändungen wurden verübt. Die britischen Verwaltungsbehörden vcrhi.llen sich sonderbar.'rwe se passiv, obzwar fie von der zionistische Komnrijs'.on rcchizeitig gewarnt änd auf die befteheliden Gefahren aufmerksam geme?ch'5> worden waren. Selbst das zionistische Anbvt, zum Schutze der Bürger ein Selbstschutzk'orps beizpstellen, wurde abgelehut und einige Mitglieder der für alle Fälle geschasfenen Selhstschntzabteiiung wurden sogar verhaftet. Die zionistische Kommission forderte nunmehr die, strenge Bestrafung der arabischen Aufwiegler, die Ent-' Hebung der kompronliitierken städtischen Funktionäre, ferner rv.'.igeil Schadenersatz und die Einsetzung einer ilntersuchungskommission unter Beziehung der Vcrrreter der Jaden. Des Londoner Jonist-sche Exekutivkomitee hat sofort nach Einlangrn der Berichte bei der britischen Regiertln? osfizielle Vorstellungen erhoben, deren Ergebnis Lelauntgegebea werben wird.. Tie englische Negierung erklärt, daß seit dem 7. Aprii in Jerusalem Ruhe herrsche und kein Anlaß zur Furcht vox einer Wiederholung von Unruhen vor liege. Der Aushau Zsrttraleirr-pas. Eine {v.'nv::aüoiU'lc Hi lfs Konferenz. Berlin, 14, April. Die „Vossifche Zeitung" meldet aus Paris: Noch im Laufe dieses Monats wird eine Konferenz von Vertretern der Vereinigten Staaten, Englands, Italiens, der Schweiz, Hollands, Dänemarks, Schwedens und Norwegens abgehalten werden, um die Frage der Zusammenarbeit bei der Unterstützung des Wiederaufbaues von Zentraleuropa zu nrüfen. Ueber die Umstände und die Art der Unterstützung, welche in Waren und nicht in Geld erfolgen soll, und über den Beitrag eines jeden Staates soll ein Gedankenanotaufch stattsindcn. Wahrscheinlich wird die Konferenz.am 22, d. M„ beginnen. Wiener Moegeuzeilung" ^5 April lS20^ Äfc W Ein englischer Antrag auf Aenderung des österreichischen Friedensvertrages. London, 14. April. (Tel.-Komp.) Laut „Mvrning Post" wird im Nnterhaufe, wenn heute der Friedens- Vertrag mit Oesterreich und Bulgarien aus die TaqcS- ^oxönnng gefetzt wird, eine ernste Opposition erfolgen. Mehrere Mitglieder der Liberalen und Arbeitcrsraktio« werden Vorschlägen, die Friedensbedingungen nicht zn genehmigen. Der ÖppositiouSvorschlyg hat folgenden Wortlaut: * DaS Unterhaus weigert sich in zweiter Lesung, die Gesctzesvorlage zu genehmigen, die Oesterreich ungerechte wirtschaftliche Lasten auferlegt. Hinsicht- V lrch Oesterreichs und Bulgariens wird verlangt, den Grundsatz der Selbstbestimmung zur Anwendung zu bringen» da der Vertrag in seiner jetzige» Form Keime für einen neuen Krieg in der Zukunft enthaltk. Aufdeckung einer geheime« Gesellschaft zur Errichtuug des Zarenreiches. ■* Zievel che Verhaftungen Itt Qtajri*. P ä r lS, 14. April. (Aorr.-Bnr.) Ein ehemaliger Kammerherr des Zaren Nikolaus, Alexis B o z n ohi.schkin, ist Montag früh, als er von Berlin hier ankam, im Nordbahnhof verhaftet worden. Er soll der Verbindungsmann zwischen zwei russischen Organisationen in Berlin nyd Paris gewesen sein, die für die Wiedbraufrichtung des Zarenreiches und für die Unterdrückung der polnischen Republik eintreten sollen. ES scheint, dass die Angelegenheit, die zu zahlreichen Hausdurchsuchungen geführt hat, noch weitere Kreise ziehen wird. Der Verhaftete war Mitglied der letzten russischen Duma.! Der Eisend a^yerstreik in Amerika. Washington, 14. April. (Teli-Komp.) Wilson hat zum erstenmal seit seiner Erkrankung ein^n Kabinettsrat abgehalten, um den Arbeitsrat für die Eisenbahnen zu ernennen, der berechtigt ist. sofort zusammen- »zutreten. Dieser Arbeitsrat besteht aus drei Vertretern der 'Angestellten, drei Vertretern aus den Kreisen der Direktion und drei Vertretern auS dem Publikum. Washington ist inzwischen durch den Eisenbahnerstreik vollständig abgesperrt. .Umdie Lebensmittelzufuhren möglichst groß zu gestalten. Der ganze Veränderen Waren eine Sperre perhängt. Der ganze Verkehr erfolgt durch Autos, die überall requiriert und oft von'Frauen gelenkt werden. Auch die Eisenbahn-TranSportgefellschaften' nehmen bereits' weibliche Kräfte in Anspruch. Manhat beschlössen, die 'Führer. des, ungesetzlichen Streiks gerichtlich zu verurteilen. AmerrLa«;sche H otteurüstungen. Washington, 12. April. Dar RepxäsentantephaüS hat die Ausgaben des Budgetjahres 1920— 21 für die Flotte mit 425 Millionen Dollar festgesetzt. Für vollständige Durchführung des Bauprogrammes, der Kriegsflotte, das 4916 beschlossen wurde, sind 129 Millionen Dollar angesetzt. Der Bcmannuugsstand dex amerikanischen Flotte wird nach Durchführung dieses Programmes die Zahl von 143.006 Mann erreichen. Arttersuchurry der Pogrome in Polen. Berlin, 14. April. Pie ^Vossische Zeitung" meldet: Zurzeit weilt hier eine aus dem französischen Sozialisten und#Mitarbeiter der „Humanite", Nenaudel, dem englischen Gewerkschaftsführer Shaw und dem holländischen Sozialisten Schab! bestehende internationale Abordnung. Die Delegierten reisen in diesen Tagen nach Warschau, um Hort den Pogrombericht des amerikanischen . Botschafters' Morgen bau nachzuprüfen. Von Darschau begeben sie sich nach der ukrainischen Hüuptstadt. Die Delegation plant, auch Rußland einen Besuch zu machen. Gestern nachmittags wohnte die Abordnung der Sitzung der National- Versammlung bei. Sbürjeirutzland und die Ukraine. s Der Mraimsche. Pressedienst müdes: JJlom Reform a" berichtet auS Moskau: Die Sowj'tirgierung würde die Unabbängigkeit der llkrärne murr folgenden Bedingungen anerkennen: Vernmgnng der Ukrli'ne mit Rußland auf Grund einer engen U n i o.n,, Slchcrstellieng wirtschaftlicher Fnknessen Rußlands m d.r Ukraine,, eine eng? Bereinigung der Ukraine mit Rußland m militärischer Einsicht. Dis Parlamtzntswahlen in Litauen. Wilna. 12. April. (Priv.) Aus Kotvno wird dem »Tog" gemeldet, daß die Vorbereitungen füp die demnächst stattfindenden Wahlen zum litaüsschen GründungS Parlament im ganzen nichtokkupierten Gebiete Litauens in vollem Gange sind. Die Wahlen werden auf Gxund de- ProportionalsystemS erfolgen. .Am 14. März entzete der Termin zur Anmeldung der Kandidatenlisten. Unter der jüdischen Bevölkerung Litauens ist das Interesse sehr rege. Sämtliche jüdisch-bürgerlichen Parteien haben sich auf da- Wahlprogramm der Jüdischen Volksvereinigung geeinigt, deren Liste. folgende Kandidaten aufweist: Advot rt Rosenbäum, Dr. Solowejtsästk, Advokat Finkelstein- Advokat Friedmann, I: Gärfinkcl, Dr. Wolf Mandelbrob, Margolin, Dr. Rabinowitsch, Wolozk und Kamber. PolMscher Gtreik ia Zrland. London,. 14. April. (Renre,'.> In'Iiland^ saürtt dsrr! aligeme ne Auvstan» an. Ti? Ardrirörrchs. in vollüündik-mil i. 2(n>-»nnf ui' von Uificr. Heute fkül) ist IN Dubün->v BoU^ützeam.er getütü woedcu. Abschaffung dbS freien Depisenhaudels in Italien. Jürich, n. April. (Trl-Komp.) Dtk WchtzlNE der italirmschen WbrundürA Pi, italienisch, ttetfwmt ifi einer Reihe von MaSnabmm vösigen. «nter pem« hie MHaW»' dcS freien Dcvisenhandclan erster Stelle stehen wirp. .. El« militärisches BknvntS zwischen Frankreich und Belgien. j Paris, 14. ffprik. Der BoiWaster i» Var!- e, klärte einem Verwetch ,P?1it Journal-, pa§ der Abschluß einer MlitSuschen G»tmt» zwischen BcMN und Frankreich unmitleldar bevmtzehe. AuS dem S. H. S.-Staate. Autzeeordentttcher sozialdemokrertisschsr P«rte Laibach, 18. Avril. kSiidslaw. Preßpnr.) in Marburg ein auükrolden'lick-'r Pattertaa der jftoczitfitt sozialdemokratischen Partefür Slowenien statt, der Wv för die Pereiniaima aller Soüaliüen Jugoüaw'en-, Ar die AbMmmg der Teilnahme der Soüabllen an der Regierung, iitr dev AuSt'itt ans der zweiten und den Eintritt i« die d x it 11 Jniernationale ansiprach. Es wurde ein 20gl,edriGr Ausschuß aemähle, der die ^ewinignng «<t -M sinken toWnunlstiichen Flügel vordrreite« soll. Laibach, IS. April. (Südllaw. Vreßbur.) Vergangenen Sonntag kam es zn großen Kundgebungen m vebrrren jugo" slawische» Städten, wie in Agram. Sarajevo nod Ragusa» für den Anschluß FmmeS an Jngoslawicjk. Eine neue Regierungsreise in Dentfchknnv. Berlin, 14. April. (Tel.-Komv.) An par1an»eniarsschkn Kreisen kursierte heute da- Gerücht, daß eine Regier «ngsketfr aus* gebrochen sei, hervorgerufen durch eine Rede deS ZentlUMKabge« ordneten Trimborn. Die Auslieferung der deutschen Flotte. \ Berl «, iz.. April. Wir die Blätter Melde», sind Pit deutschen Dorstcllilngen gegen die Ablirirrung des Restes per deutschen Handelsflotte von der Entente abgelehrt worden. Ernste Laqe in Pommetn. Berlin, 14 Avrrl. DaS ^Berliner Tageblatt* meldet: Die, Lage in Pommern wird von zuständiaer Stelle alb lehr etrtfl warnet E ne große Äahl lleinerer Grundbesitzer hält die Lrbenß«! mitiel mrück, was da>a»f hinwerst, daß die Borbereilungen zn elnem neuen Pw'ch bis zn einem geivissen Grade gediehen sind. Alle bisbrr,g-n Ver>uche, General v. Lürtwitz und Major Biichoss zu verhütten, sind erfolglos geblieben. Der Kampf gegen den Nänberhauptmann tzötz. Dresden, 14. April, (ffiolff.) von Hof kommende Truppen besetzten Falkenstein. In verschiedenen Richtung<m wurden teilweise mit Lastkraftwagen Streifunternehmnngen durchgeführt. Um die Bevölkerung von den Hölzschen Banden zu befreien. Hiebei wurde eine Anzahl Hölzscher Personenkraftwagen und Waffen erbeutet. Weitere Truppen sind m der Gegend von Burgstadt sowie südwestlich und östlich pon Chemnitz eingerückt. . DäS Stadtgebiet Po» Chrmnitz wurde nicht besetzt Plaue», 14. April.. (Wolfs.) Wie, auS JägerSgrün berichtet wird, ist dort eine F.liegerautomobilkolonne eingerückt, welche die Verfolgung der in den umliegenden Wälder« , umherftreifenden Roten Garden ausgenommen hat. Es kam zwischen Truppen und Rotgardisten zu Schießereien, wobei einige Rotgardisten verwundet und getötet wurden. Bis Mittag waren 78 Angehörige der Roten Garden gefangeygenommen worden. Unter den Gefangenen befinden sich auch zwei Nüssen. Holz ist aus Falkenstein verschwunden und soll sich nach Gottes berg begeben haben. Ruhr im Nuhrgebiet. Berlin» 14. ^lpril. Das »Berliner Tageblatt" meldet, daß im Rubrgebiet überall die vereinbarten Ueberschichte« gefahren werden. Die Gesamtiölde'.nng bat wieder bie normale TageShohe erreicht. ES herrscht überall, auch in Mülheim und Düsseldorf, Ruhe. Das Christentum kan» nicht weiter tolerant bleibe». Budapest. 14. April. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) An der heutigen Sitzung der Nationalversammlung, der auch Graf APPonhr beiwohnte, wurde die JndemmtätSdebaite fortgesetzt. Abgeordneter H e g e d ü S (Partei der kleinen Landwirte) erklärte, der christliche Kurs dürfe sich nicht in Phrasen offenbaren. Die Hauptaufgabe des christlichen Kurses wüßte in^'der Vernichtung der Macht des Judentums bestehen. Dadurch, daß die Juden in verhältnismäßig großer Zahl in Ungarn leben, hatten sie daS Gewicht einer nationalen Minderheit erlangt. Redner wolle kejne Pogrome, sondern nur eine bessere Moral. Das Christentum könne nicht weiter tolerant bleiben: es sollen jedoch nur gewissenlose Juden getroffen, werden. Einen Staatsbürger, der feine Pflicht erfülle, würde er niemals zum Staatsbürger zweiter Klasse degradieren, Die Behauptung, daß nur die Macht des jüdischen Geistes Ungarn zugrunde gerichtet upd MS Unheil heraufbeschworen habe, sei in dieser Form n i ch't richtig, An dem Unglück trage auch zum großen Teil die ungarische Herrenklasse Schuld. Redner ging sodann zur Besprechung der Partei- Verhältnisse über und erklärte, die Nation habe keine politischen Führer, und es habe den Anschein, als ob niemand altruistisch arbeiten wolle, weshalb aitch der christliche Kurs nicht vorwärtskommen könne. Er sprach sich sodann gegen Fusionen aus, da diese immer das Älifgeben von Idealen auf der einen oder der anderen Seitd bedeuten. Boi der Gegenpartei wollen dtp Christlichsozialen hie Macht behalten; die Landwirte werden jedoch niemals,christ^ichsozial werden. Redner ' sprach sich schließlich für .eine stabile Regierung auS.