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Wiener Morgenzeitung · 1920-04-15 · Heft 442 (15.4.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 442 (15.4.1920)
Date
1920-04-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nrrk« SO Krllrr rschech»-Sl»W«»«r: Einzeln 44 Heller t, tsch. rv. PeL«»«erattoy»prrise: Ati»«:' A»M ISilM t« »er L Bezirk, Lahor. 8. »her in einer '^RkrsSsseiWelle <TrafiN: Wonntlich. . Krone» £ü.- ßtt-rt-lMrttch „ «O.- tzkit Poftoe^and Hlr Wien nnd Oesterrrich: MnnatUch .. Krone» »rk - Nchecho-Slowakei: Mnnatttch .. Krone» »t-rteliädrlich „ at.-. Mtschtchd-fiowakischer Wahrung : Knaarn: ■ M«n«tttch .. Kronen SO.- vEam**m- Augoslatoie»: ■sw»*“’ rener i»j»§chlawi^her WLhrunz Ureis SO Heller Tschecho Slqrvakek: Einzeln 44 Heller i. tsch. W. \ Prannmerattonspreifee Polen: Monatlich .. Mark 16» Bterteljabrktch „ 49*- i» holnilcher Mkhnmij _ Frankreich: ’ Monatttch . . . Frank- 3,- Italien: Monatlich .... Lire 8 .— Schweiz: Monatlich . . . FrankS S.- Redaktion». Administratio« Wieu.S^«e,..Daborftr^-S Telephone: Administrativ« 440 Redaktlo« 4*61», ab « Uhr adendS Nr. 1680, Postsvarlafsenkonto 150.693 Nr. 442 Wien, Donnerstag, den 15. April 192V 2. Jahrgang *"=== ■ " -7—--77E " ■ -- ■■ ■ ■ .-E- ----— Pe man in Pen Pogronntlntntung erzeugen will i Der Kranke Friede. —y. Wien, 15. April. ' Lloyd George. reist mit Umgehung Frankreichs dach San Remo, wo in der nächsten Woche die Besprechungen des Obersten Rates über die internationale Situation und. über die noch/ zp erledigenden Friedensfragen fortgesetzt werden. Die Wahl der Oertlichkeit für diese Konferenz, in dem idyllischen Sanatoriumsort für Lungenkranke, hat eine gewisse symbolische Be° . deutung. Der Friede ist schwerkrank und die Verhältnisse innerhalb der Entente.außerordentlich gespannt. Dssr-Einmarsch der Franzosen in den Maingau hat den entschiedenen Protest der englischen Regierung geweckt, und wenn man auch für den Augenblick von energischeren Schritten abgesehen hat, so geschieht das wohl nur deshalb, um Herrn Millerand Gelegenheit zu geben, das Gesicht zu wahren. Der französische Militarismus, der die neue Demütigung Deutschlands der Regierung abgezwungen hat. ist, wie jeder Militarismus, eine ununterbrochene Gefahr für die internationale Ruhe, deren Sicherung heute notwendiger ist denn je. Auch Frankreich bedarf ihrer und seine inneren Verhältnisse sind nicht darnach angetan, neuerliche.Abenteuer zu suchen oder es gar auf einen neuen Waffengang mit dem Deutschen Reiche ankomme,r zu lassen. Die. französische Politik ist ganz voll dem Geist der Generäle erfüllt. Diese Erscheinung hat Frankreich in einen -schweren Gegensatz zu ..seinen Vundesgenvssen gebracht und Metern .Hm*.’ stand ist es zrizuschreiben, daß sich'Amerika ganz vom «irkpHrscherr'änJi nichts—davon- Wissen will, fortwährend' an bei' Lokalisierung gefährlicher Krisen Mitarbeiten zu müssen» Der kriegerische Inhalt der französischen Politik spiegelt sich auch, in den Frilrdensverträgen wider, und ihm ist es' zu zuschreib eudaß diese Staatsdokumeute nur eine andere Form von: Hauptquartiermeldungen sind und der Welt auf' lange . Hindus den Frieden nehmen. - '; . Die Beratungen in San Remo haben ' nach den offiziellen Mitteilungen - eine kurz gefaßte Tagesordnung. Aber es ist selstverstänblich, daß dort wieder^ einmal wird konstatiert werden müssen, 'daß die Friedenskonferenz ihre Aufgabe nicht gelösthat und daß sich die offenstehenden Fragen um ein Erkleckliches vermehrt haben und ihre . Schfvierigkeite.n noch weiter gewachsen sind. .Im Osten ist der Krieg zwischen Polen uild Bolschewiken auf einer' verhältnismäßig laugen Front entbrannt; die Zustände im' schlesischen Plebiszitgebiet sind von einer Klärung weiter entfernt als je und wenn nicht die einfache ethnographische Teilung des fraglichen Gebietes als rettender Ausweg vorgenommen wird, so sind auch dort schwere blutige Zwischenfälle nicht 'ausgeschlossen. Die Fürme-Frage ist nicht geregelt, das Verhältnis der. Ententestaaten zur Sowjetregierung genau so zweideutig wie zu-dem Zeiten der. Londoner Konferenz; auf dem.Balkan, in Vorderasiesi und wahrscheinlich auch in. Nordafrika sehen sich die europäischen Großmächte in 'Konflikte verstrickt, die sich.ynur.mit Hilfe starker.militärischer Kräfte beseitigen lassen, wenn nicht der andere friedliche Weg der Verhandlungen wieder betreten totrj). .Die Konferenz.in San Remo wird^n'ur eine Numpfkönferenz - sein, - weil dort :bie Vertreter des wichtigsten Staates, Amerika, fehlen werden, was den Beschlüssen einigermaßen an Autorität .nimmt. Die Friedenskonferenz in Paris tagte in Anwesenheit aller Staaten, die. aktiv aut- Kriege teilgenommen oder von ihm. profitiert. hatten. Es war eine. Konferenz, die die. glänzendsten Namen der politischen Welt der Entente, aufwKs/. Trotzdem ist'ihr Werk , mißlungen, weil die Aufgabe viel. zugroß.und zu. schwer war und weil ihre Hsung mit halben Mitteln auf halben Wegen. ange° stMt worden war. Die Verteilung der Welt ist einn Angelegenheit, die nur von. den bestell und weisesten. Männern reinen.Willens und reinen Herzens, in Angriff genommen werden kann. Aber'in Paris führte der Haß den Vorsitz, .die besiegten Staaten konnten an . der Verhandlung nicht . teilnehmen und der einzige Mann, der sich ein bißchenv Idealismus mitgebracht hatte, Präsident Wilson, wurde, von seiner eigenen Delegation überstimmt und konnte nicht einmal das schwäch, liche Kind des Völkerbundes retten. Der Völkerbund, der die Stätte der Versöhnung und Verständigung hätte werden sollen, ist eine andere Form der Botschasterkonseitenz, ein durchaus lahmes und unselbständiges Organs das auch beim besten Willen nichts Wert- Die, antisemitischen „Wiener Stimmen" brachten am 30. März d. I. folgende aufreizende Notiz:. *„Gitr gezüchtigter Juhenbongeb Ein'Les^c schreibt ". uns: Nach dem Ltegrä^ntssL ves Prinzen ^slois Liechtenstein gins, ich .utt dem Mp v» v t c e t V a uVt durch den Volksgarten. Da reg.:Ar>:re uns ein set.ster Jude, der zu seinem Hnnde so laut, duß es Leute in de^ Nähe hören konnten, .sagte: „DM scha U .her, den kannst beißen, da kriegt 'eininr-i » n P fasse nfleisch!" 'Daraufhin stellte ich.den -Frechling,' hielt ihm'eine Standreoe und versetzte ihm. zwei schallende Ohrfeigen.. -Dann ließ ich ihn durch einen herbei- .. geholten - Wachmann . arretieren. 55te .-Szene . erregte großes Aussehen und es hätte nicht viel gefehlt, daß der Jude gelyncht uterden wäre." ' , ' Wie uns der zionistische Vertreter im Parlament, Abgeordneter Stricke r, mitteilt, ' hat er sofort nach dem Erscheinen, dieser hetzerischen Sensationsmeldung' Nachforschungen eingeleitet und durch Einvernahme von Personen, welche Zeugen des geschilderten Auftrittes und der- Arretierung warwü einwandfrei folgendes festgestellt:-. ist zum Gegenstand emes würdelosen Kompromisses herabgesetzt worden; und so bleibt der. Völkerbund, an dessen Wiege der Annexionismus und das Rachestreben gestanden sindein willenloses Werkzeug in der Hand von Regierungen, anstattals höchstes Gericht für Rechtlichkeit und Sittlichkeit Mer den Staaten zu stehen. Es ist leider nicht zu h>offen, daß die Konferenz in San Remo an diesem Zustande viel wird ändern können. Zu einigem Optimismus berechtigt wohl nur der Um* stand, daß der Oberste Rat, dem. Pariser Einfluß entrückt sein und vielleicht in der Beurteilung der strittigen Fragen zu einer milderen- Auffassung gelangen wird. Aber. auf dieser Konferenz werden nicht mehr oder nicht allein, die Beziehungen zu den unterlegenen Staaten besprochen, sondern Streitfragen zwischen den Verbündeten selbst,, und bei solchen Gelegenheiten pflegt die Stimmung sehr gereizt zu sein. Vielleicht werden aber diese Beratungen unter dem Druck der Verhältnisse in Mitteleuropa stehen, die sich politisch wie wirtschaftlich in dcn letzten Wochen wieder so weit verschlechtert haben, daß eine internationale Hilfskonferenz für die nächsten Tage einberufen worden ist, um die Warenversorgung der ausgehungerten Staaten zu organisieren und ihnen die Rückkehr zur Arbeit zu ermöglichen. Die gute Absicht, die aus diesen Plänen sprichtwird aber ebensowenig zu Resultaten führen können wie alle früheren Veranstaltungen der gleichen Art. Nur die Revision der Friedensverträge kann Hilfe' schaffen und nur die Abkehr von dem System der Geheimdiplomatie kann der Welt die Rübe aeben. /Der rohe Mensch, welcher tatsächlich seinen Hu'nd in der geschilderten Weise apostrophierte, ist kein Jude, sondern ein waschecht'er Arier deutscher. Nationalität und Christ. Er heißt Ludwig Petwardie und ist Mitarbeiter und langjähriger Parlamentsberichtexstott^r der deutschnationalen radauantisemitischen „Ostdeutschen' Rundschau" und mehrerer ebensolcher Hetzblätter in der Provinz. Welch verlogener und gemeiner Geselle der „Leser" der „Wiener: Stimmen" ist, geht daraus-hervor-.- daß.der amtshandelnde Wachmann die unter antisen'-itischen -Rufen auf den Verhafteten losstürmenden; Passanten mit den Worten: „Aber das ist ja kein Jude, sondern ein Christ!"- von Gewalttaten abzuhalten bestrebt war. Der' famose ' Kronzeuge -1 be£- ^Wiener; Stimmen" hat das gehört und krotzdem -seinen-infamen- Bric;f vom „feisten Juden" geschrieben. Der Abgeord-' nete Stricker hat von den „Wiener Stimmen" in einem Brief die Richtigstellung gefordert und vorgestern hat das Blatt sein Schreiben veröffentlicht. Natürlich. wird' das Blatt hiedurch nicht entlastet, denn ohne Nach--, forschung eine so niederträchtige Anschuldigung -wieder- ' zugeben, - heißt, verantwortungslose Hetzarbeit leistem Baldige EntsenduRg tschecho-slowakischer UnterhLndler nach Rußland. Prag, 14. April. Minister des Auswärtigen Dr. Benesch hat in Beantwortung der Frredensnote an Tschitscherin «. a. folgendes geantwortet: Ich werde mir daher erlauben. Ihnen binnen kurzem eine Sammlung von Dokumenten sowie unsere Anterhändler zu senden, welche mit den russischen Behörden in Verbindung. treten und die Frage unserer Angehörigen in Rußland einerseits sowie die Frage unserer zukünftigen wirtschaftlichen Beziehungen^ andererseits prüfen könnten. Diese Mission könnte auch gleichzeitig festsetzen, welches die übrigen Probleme"'sind, die geprüft werde« müßten. Die tschecho-slowakische Regierung hofft, daß durch dieses Vorgehen Ergebniffe erzielt werden könnten, welche unseren beiden Ländern von Vorteil sein würden. Deuf$cl)M $$!! entwaffne! werden. Neue Erklärungen Millerands. . Psris, 14. April. (Havas.) I» der Vormittagssitzring des Senats gab MinisterprKsident MiLsrand eine mit der gestern in der Kammer gemachten gleichlantende ErklSrnng ab. Der-. MinisterprSfident schloß seine Ans. fShrnnge« mit sorgenden Worten: Im selbe» Angenblick, wo Bonar La« diese vereinbarte ErklSrnng i« Namen der britischen Negierung dem tzanse der Gemeinem zur Kenntnis brachte, sind der britische und der französische Krirgsminister, durch die Tat den Wert ««» die Festigkeit unseres Vündnisies bezeugend, in Paris Wsammengrtretey, um mit ihren «ilitSrtschrn Fachlenten Wer die Entwaffnung Deutsch lands zu beraten. volles schaffen, kann. Die große Idee : des ewigen I Friedens, die im Völkerbund.verkörpert werden sollte,! ^f Slowakei anf die russische Friedensnote.

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