Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 439 (12.4.1920)
- Date
- 1920-04-12
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Wiener Morgerrzeltunss Ne. 4M Seite' 2' Hvien. Montass ztvekst»^cser Nn'crrc'dttng über die Wünsche d?r Internierten informiert. Am gleichen Tage d^er Jntervcnxion der italienischen Negierung erfolgte die Inter- - vention der SÄw.'i',?r Negierung, die verlangte, daß Verhaf uugen in N urüirch'u vorgenommen werden ren. Wir mü'fen gegen eine selche Behandlung°ats -Ltiaveustagt unseren.energisch'n Protest zum Ausir.-.ck. dringen, insLes)ndere müssen wir dar italienische und das sa-weizensche Proletariat auf fordern, das Spiel ihrer il'.c J-rmi^en ,ut demaek'eren." Es wurde schließlich folgende Resolution angenommen: „Ter ÄreiLarbeiterrat Wien erhebt scharfen Protest gegen die sckmaUiche Behandlung, die sich die kapitalistischen Negierungen des Auslandes gegenüber dem österreichischen Proletariat erlauben. Er macht insbesondere die Arbeiter der Schweiz und Italiens darauf aufmerksam, dasi ihre Negierungen glauben, die Hilfe, die sie zur . Steuerung der bitteren materiellen Not. in der sich Las Bolk in Dentschästerreich befindet, gewähren/berechtige sie, Tei'tschösterreich als ein Sklavenland zu behandeln, dem jede Selbstbestimmung in den inneren Angelegenl-eiten. fehle. Am selben Tage haben es die fremden Gesandten zweimal gewagt, in unsere'Fustizpflegeeinzugreifen. Der schweizerische BunLesrat gab den Befehl, zu.Verhaftungen in Neunkirchen unter der erpresserischen Drohung, sich widrigenfalls oon der finanziellen Hilfsaktion für Oesterreich zurück, zuziehen: andererseits verbot der italienische Gesandte die Entlassung einiger internierter ungarischer Kommu-i nisten unter der Drohung, daß, wenn dies ohne Zustimmung seiner Negierung geschehe, dies eine Trübung der diplomatischen Beziehungen zur Folge haben werde. Der Kreisarbeiterrat Wien fordert von der Negierung, daß sie gegenüber diesen beide Teile entwürdigenden erpresserischen Beeinflussungen das Selbstbestrmmungsrecht Deutschösterreichs wahre und sich einzig an die Gesetze unseres Staates halte. Er fordert insbesondere, daß die Untersuchung über die bedauerlichen Vorfälle in Neunkirchen schleimigst zu Ende geführt werde. Da die V e rh a s t u n g en nicht aus strafprozessualen Gründen erfolgt sind, sondern ans Befehl auswärtiger Mächte, .sind sie * okyrt arrfzu - heben. Er fordert im Sinne des Asylrechtes für alle politisch Verfolgten die volle Freizügigkeit und. die Aufhebung aller Matznahr-en die den Charakter einer Polizeilichen Schutzhaft tragen." . Inland Die Verhandlungen kn Norrk . . Nom, N. April. lPrivat.) Gestern fandenzwischetidnn Ministerpräsidenten N i t t i und dem Staatsknnzler Dr. Nenner im Beisein des Sektivnschefs Rappap o r t, des Marchese della Torre 1 t a und deS Hauptmannes delly R.o c e.a politische Verhandlungen statt. Es zeigte sich U e b e r e i n st i m m n n g i n a l l e n Punkten. Die Ergebnisse der Verhandlungen werden rusanimenaefaßt und Montag n a ch m i t t a g s a bgesch losßrn werden. Die gestern sortgesetzten Verhandlungen über die Eisen bah »fragen dürsten zu positiven Ergebnissen führen. Bei den über die h a n d e l s p o l i t i s ch en' Beziehungen gesührtest Verhandlungen zwischen HandelSyrmister Ferrari, Finauzminister Schanz er und Staatssekretär Zerdik, der die Notwendigkeit des Abbaues der Kriegswirtschaft betonte, .wurde italiemscherseitS Reziprozität in Aussicht gestellt. ' ' . Nom, 11« April. „Giornale d'Jtalia* veröffentlicht ein Interview mit dem StaatLkanzler Dr.Rennet, worin dreier erklärt, daß Oesterreich aüßer.de» zahlreichm Wirtschaftskräften so schnell als möglich auch alle Plebiszit- und Grenzfragen geregelt Netzen möchte. Oesterreich mache nur ein« Friedenspolitik und innere Politik und wolle leben können. Ueber . die Balkanpoliük. erklärte der Staatskanster. daß die alte österreichis-h-ungarische Balkanpolitik vorüber sei. Oesterreich wünsche mit allen B rlkanstaaten Wirtschastsverbmdungen ausznnehmen. Eine Donauföderation sei praktisch undurchführbar. Die Scharfrichter. . . Generäle in rtntersuchung« Die Kommlsnon - zur. Untersuchung militärischer Pflichtverletzungen hat sich in ihren letzten Sitzungen mit den Anklagen gegen zwei Generale der ehemaligen 5. u. k. Armee befaßt. Es handelt sich in erster. Linie um den G. d. -I. Kasimir iFreiherr von) L ü t g e n dv r f f, der sichj im Kriege auf dem serbischen, später am. russischen Kriegsschauplätze schwerster Verbrechen schuldig gemacht haben soll. .. - . Ganz anders fleht es mit der Anklage gegen denzweiten GeneralStefanLj'ch'öie. Die'er General befehligte die 11, Division am ru,fischen Kriegsschauplätze. Die Anklage gegen ihn besagt, daß er einen russischen Kriegsgefangenen, der sich weigerte, an. den Befestig,mgsarbeiten gegen seine eigenen Landsleute nütMrbmen. ohne Gepichisverfahren hmrichten ließ. Der General verantwortet sein Vorgehen damit,, er habe zu wenig Arbeitskräfte für die im Interesse der Sicherheit seiner Truppen erforderlichen BesistigungS^ ^besten gehabt und daher mit der Justifizierung deS emen renitenten Kriegsgesangenm ein abichreck udcs Beispiel geben wollen. — Der General wurw» genommen. Hölz brennt und plündert. Falkenftpin kn flamme«. — Plünderungen auf den Straßen. Reichswehr im Anmarsch. Plauen, 10. April. (Wolfs.) Heute nachmittags fanden hier wieder vier Massenversammlungen statt. Der Näuberhauptmann Hölz erschien in der Ver'a'vnllttng im Schillergmtcn und teilte mit. daß er in Hof gewesen sei.und daß von dort Reichswehrtcuvv-en im Anmarsch seien. "Hölz teilte ferner um, daß er den Generalstreik der gesamten Arbeiterschaft proklamiert habe. Er forderte die Arbeitenäielt auf, sich ruhig .zu verhalten und nichts gegen die Reichswehr zu'unternehmen. Er wolle sein Geschick selbst in die Hand nehmen. Erhöbe f e i n e 2 e u t e beauftragt, mehrere Großgrundbesitzer f e st zu nehmen und u mz u b r i n g e n. Ferner werde er mehrere der größten V illen in Brand st ecken lassen. Zum Zeichen des Beginnes des Generalstreiks und des EinnickenS der Truppen ließ Hölz sämtliche Glocken Plauens läuten. Die Einwohner befinden sich, in begreiflicher Erregung, jedoch verhalt sich alles ruhig. P "au n. 11 April. (Privat.). Aus F a l k e n st e i n wird berich et: Die Stadt Falkenstein Hat eine schwere Nacht hinter sich.: Gegen Abend erschien Hölz mit seiner Bande und die Erregung der BevöU kerung stieg u n geh e ne x, ha man wußte, haß daS Brandkomitee gemäß der Proklamation des roten BezirksauZfchu'ses in.Tätigkeit zu treten habe. Das gefHßh tatsächlich und. nicht weniger als fünf der schönIen großen Villen wurden nach und nach in Brand gesteckt. - y Um 3 Uhr nach S gllch die Stadt eine« Flammeplnecr. An m hreve« Stelle« fa' v en die Villen, in ^ahlrr'chc: andere Wshmmg.« wurden HanlImäa en g worf «. ' Mrchdem Hölz sein Werk vollbracht hatte, verließ ^er unter Mitnahme von Geiseln die brennends Stabt und verschwand nach Alingenthal, wo er ebenfalls furchtbar gehaust haben soll. Heute nachmittags ist Hölz abermals in Schloß Falkenstein erschienen, das. er selbst zerschossen hat, mrd hat sich dort Benzin geholt.. Plau n. 11. 'April. (Privat.) Die Rotgardisten zogen gestern mit vörgehaltenen Revolvern durch die Straßen von Plauen und plünderten. Im Cafä Trömmel' e r p r e ß t e n sie von den Gästen die Herausgabe der Geldtaschrn. Dem Besitzer nahmen sie eine gochene Uhr, einen Anzug und. die Geldtasche weg. ' Im Wahnrestaurant verlangten sie vom Besitzer mit vorgehaltenem Revolver 10.000 Mark. Als er sich weigerte, schleppten: sie 'ihn mit sich, bis er von der Menge b:freiL wurde. In anderen Lokalen wurden den Gästen Beträge bis zu 7V0L» Mark geraubt. Sie verübten dann noch bei mehreren Millionären Einbrüche und zpgen dann" unter Mitnahme von Geiseln nach Fallenstein ab. . VerNn, N. April. Wie der Berliner ..Lokalanzeiger" meldet, hat sich - der sächsische Ministerpräsident einem Pressevertreter gegenüber geäußert, daß ReichSw ehrtruppen bott allen Seiten nach Plauen und, Umgebung unterwegs sind, Telegramme. Die Heimkehr der Kriegsgefangene«. Bern< 11. April. Wie das internationale Rote Kreuz-Komitee der Schweizerischen Depeschenagentur milteilt, wurden in den letzten Wochen unablässige Verhandlungen geführt, um die Frage der Heimkehr der 200.000 russischen Gefangenen in Deutschland und der etwa 800.000 Kriegsgefangenen der Mittelmächte in Sibirien, - Rußland und Turkestan zu beschleunigen. Der erste Transport der nach Sibirien zuständigen Russen ist für den 9. April festgesetzt. Was die in sibirischer Gefangenschaft befindlichen Angehörigen der Zentralstaaten be-. trifft so' hat der Abtransport der an der Ostküste Antergebrachten' bereits begonnen. Der erste Transport, von 2000 Gefangenen wird unverzüglich mit dem Dampfer „Savonia" von Wladiwostok nach Triest abgchen. Weitere Transporte sollen bald folgen. Die Neuwahlen in Dänemark. Kopenhagens 18. Ap.il.'Ebenso wie das Londthmg bat auch daS Fylkkih n^ in' Uebcreiystlmmuns mit dem «r'prün-llch sonsewmive» Vorschlag das neue Wahlgesetz mit den St mmm der Kvnielvotivm, der Radikalen und der Sozialisten ^ege« die Stimmen der Linken a n g c u » m m t n, , Dle Neuwahlen sind jür dm SS. d. M. ov-esetzt. Am tzeginn des DürgerKrieges«.. Berlin, 12. April. lPl'^mv) Die kommuniMche Arheiicrportej Dcmschlands, die sich lürzsich acküldet bot. hielt pestmr hier ibre erste Versammlung ab. Der Nesennt «klarte. Peutschland stehe, a m B e a rn n d eS Bü rgertrirgeS und nichts könne den H-rp der wahrhaft revolmionSren komm»* mst schey Arbeiterpartei ve> hindan. Der m der nächste« Woche M erwartende A b fa ll d r r sü d d eu tsck en Staat«n weide die Niederlage von Kapital snius und Bourgeoisie noch ^es.il un gen. Dann kvnute das R ät elv Ü c.m euig^sühU und )u Note Armee au.aestclll weiden. 12 Dprff l92(» Belgische Trupp en «ach Mainz ab^egangen. Pari-, N. April. Der Berichterstatter Im ^Intransigeant^ mtlldet aus Mainz: 500 Man» belgischer Truppen werlasseä heute Achm. «m sich nach Mainz zus Oegeüen, von wo sie in die nenbesetzten Städte gellUet werden. Keine französifGe Desetzvni A^chaffenKnrgS. Berlin, 11. April. (Nmtlich.) Die deutsche Regierung hat die sranzWiche Regierung daraus aukmerk'a« aemacht, daß sich noich vorliegenden Nachrichten sranzS» siche Truppen im Vtorrü,Len in der Rrchlnng aus Atlbaffenburg Lesäude«. Für den Fall» ta§ sich diese Nachrichten Hwahrheiten, batte sich Äe deutsche Negierung iür verpflickvlet, mit allem Er«st auf die Gefahren 6c maffnetcr ZusammenDAGr der vorrückender^ französischen Truppenteile mit dcutschien Truppen binruweise«. Auf Grund diesig Note hat Palealoaue am 10 d. M. den deutsch^ GeschLstSirager in Paris davon verständigt, daß Frant kreich nicht daran denke/ A schaffe «bürg zu besetzen. Auch Stockstadt sei nicht besetzt worden; dsie Borpöste« Wien ledigich aus militärischen Gründen bÄ) in die Nähe diejer Stadt vorgeschoben werden tnüffetu,, 10 MiMonem Schndeu Ist Effets Esten, 10. April. MM.) Der ln Este« von tom roten Banden angenchkekp Schaden belauft sich «Uf «ist» bestens zehn Millionen Mark. Der Schaden kt Dortmund beläuft sich ouf ungefähr vier MMion» Mark. Entwaffnung Äer Putschbrigab^. Berlin, 11. April. fPrivat.) Die Marwebrigade Ehrhardt M jetzt in ein andere- Lager, transportiert werde«. Es P von verantwortlicher Stelle lem Zweifel gelasien worden, daß die Reqieruug Gewaltmittel anwendeu müßte, fakA die Entwaffnung und 8vtlaffuug nicht aus gütlichem Wege vor sich gehe. Die Eidesleistung Der Horthy-Garden. Budapest, 11. Aprsil. (Ung. Tel.-Korr>Dnch Heute hat im ganzen ^ande die Eidesleistung der ungarischen Nationalarmee aus die Derfessung stattgesunden. In Budapest nahm Aeichsverweser Hort Hg den Eid ab. Die Eide^ormel begmut mit dm Worten: .Wir schwören feierlich bei Gott dem AllmLchÜgeu, daß wir unserem Kiriegsherrn» Deiner Durchlaucht dem gesetzlich gewählten Verweser von Ungarn. NikolausHorthy vonNagy-Danya.Treue und Gehorsam zollen- und endet: „Indem wir uns die Kriegsariikel vor Augeir halten» werden wir uns stets gemäß den Kriegsgjefetzen» wie es braom ungarischen Soldaten und« guten Patriotm geziem^ betragen und so ehitlch lebe» isUj und sterben.^ Hinter geschloffeueu Türe«... Budapest, 11. «vrU. (Ung.. Tll.'Korr.'Vur.) Der BUdapester StrafgcrichlSbof als Stlimdgerlcht d'chlMdrllr gestem hinter gr sch l offen e« Türe« dm ganze« Tag über b.S 7 Uhr abends die S^afanoelegenhelt wegen Berlchwölung geaeu den Obrllommanll'anlen H o r t h tz. Der Grrichlöhos vechöne alle vier Angckla^len. de« Jngemmr Mautner den Lehrer Siiaßn, den MontturyK^dtzlek unddrn Pnvaldcamle« Feldmar- Nach dem BerbSr der Angeklagten folgte daS BewerS-' verfahren und die eingehende Emvein abme d r Zerge». Der GerrchtShof wird morgen daS Urteil vevbsfentlrchen. > Eine Bourbon als -Lchmugsleri«. Berlin, 11. Aprik. DuS »Berliner TaME meldet ans Rom, daß die Prinzessin Maria Beatrix von Bourbon an der Grenze beim Schmnggtsv alter italienischer Bilder Im Werte von einer halbe.« Million Krone« abgesatzl tvurde. Dia Reichswehr Im Vogtland. Berlin, 12. April. (Korn-Bur.) Der anzeiger meldet aus Ehemnip: Die Reichswehr, truppen haben die Orte Niederwiesa, Mha, Mttweido und Frankenberg besetzt. Eine Million Eisenbahner fir^iben 1«AmerskT. Berlin, 12. April. (Korr.-V!ur.) Das ^B-rfinet Tageblatt^ meldet aus dem Haag» daß die Fahl der in Amerika streikenden Eisenbahner eine Mtllio v betrage. ' Renner über die Lage t^esterrelchs. Rom, 12. April. (Kvrr.-Bur.) ^E-rrieredel Parla. mento" bringt ein Jnterwiew mit dem DtaaGkanzly Dr. Rsnner. Der St a a t Sfa v> st ej erklärt, daß künstlich auf der Karte konstruierte Oesterreich sei i# Lebensgefahr, besonders wegen der politischen, der Wirt« schaftS-, Verkehr-- und Zollschranken. Patz Dilemma \i schrecklich, ober klar. Heute sei daS Wichtigste die Steuer, gefetz.^ebung. die Balutaftage und die innere Verfassung der Ssterreickiifchen Republik, damit sie sich bizu de, Neuwahlen im Herbst schwimmend erhallte, Wenn M die neue Natlonakversammlnng Ausammentce^ mW sie an den Völkerbund heran treten, damit dies«? die Dasei n Sh ed i n gun gen Oesterreichs ast freien Staate im Völkerbund festsetze.