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Wiener Morgenzeitung · 1920-04-11 · Heft 438 (11.4.1920) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 438 (11.4.1920)
Date
1920-04-11
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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I Nr. 433 Wien» Sonntag ,. Wiener Morgenzeikung . Inland. «üfe ' , . Nenners Heimkehr. Wie. in Polilifchen Kreisen wrloutet, dliiste Staatskanzler. Dr. Nenner Dienstag oder Mittwoch in Wien eintrrffen uni) somit erst Donnerstag in der Lage sein, den Fistrcrn'dst Parteien Bericht über die Ergebnisse seiner Reist zn erstatten. Die Taq?ssvdmmq Äor NEstta?v'?rka«nmlrma. Für die am Dienstag stattsinöende Sitzung der Votionalvörsammlung wurde folgende Tagesordnung festgestettt: 1i Bericht des Verfässungsünsschüsfes betreffend ein Gesetz über die Mitwirkung der'' Nütiostalversainmlung au der Regelungvon Eisenbahn- und Posttarifen, Telegraphen- - und Telephongebühren und der Preise für Monopolgegenstände sowie von Bezügen der irr - staatlichen Betrieben "Bediensteten; 3.' Bericht des, Mdschusses für soziale Verwaltung! über, die Regrerungsvvrla'ge wegen Gewährung von Teuerungszuschüssen zu best. Invalidenrenten^ 3. Bericht des land- und förstwirtschaftlichen Ausschusses über die' Anträge wegen Erlassung eines Gesetzes zur Neuordnung der Agrarbehöröen und Einleitung von Zusammenlegungen' 4. Bericht des Ausschusses für -Verkehrswesen wegen Verstaatlichung, Ausbau und Elektrifizierung der Salzbürget Lokalbahnen und Verstaatlichung , der Dampft schrffahrt im - Salzkammergut-; Bericht des Ausschusses füt'-Verkehrswesen, betreffend die Beibehaltungvon Fahrlegitimationen für pensionierte Eisenbahntaglohnarbeiter und deren Familien., . Die Wahlen für die konstttrirevon-e Nationalversammlung. Als zweites Heft der von der Statistischen Zentralkhmmission herausgegebenen »Beiträge zur Statistik der Republik Oesterreich)" ist im Verlags der Staatsdruct'erei in Wren in Fortsetzung der im ersten Heft veröffentlichten summanschen Ergebnisse eine ausführliche Statistik über die Wahlen für die konstituierende Nationalversammlung, erschienen. - ' ILalieui^ch» Hilfe für Detterreicks. Rom, 9. April. Donnerstag vormittags und nachmittags'haben Verhandlungen über Eisenbahnfragen, besonders über-die Koh'lenversorgun'g'stattgefunden. 9ladj=/ pMags. wurde über Ernährürr g's frag e n -verhandelt, wobei' der -italienische Minister in Aussicht stellte, sowohl 'von Zstiest als auch von Venedig, allenfalls auch von Mailand, l -im'Austausch gegen amerikanisches Getreide zu'lirfcrn/ rtsMo'Zeit Ltzr Vrst- und- HeMoVHn. verkürzen. -..; Telegramme. / ' Beratung in London. > London» l0, April. (Newer.) „Evemng News" melden: 21 o h d George hätte um ll% Uhc qbrtt'cn sollen. Infolge des EintrcsftnJ der s r a u 3 0 ft f ch c.n N.o t e. erfolgke seine Abreise rndrsseu erst um ,%l Ubv. Die Minister wurden sofort emberusen, um vor der Abreise des Premiers die ‘4;» twortnotezu redigieren. B, 0 nar L a w und C'srzo n wohnten der Beratung bei. Der EisenbahnerffrM in Mkttelitalren. ' Berlin, 10. April. Die „Vossische Zeitung" meldet gps Lugan0, daß in Bologna der Generalstreik zwar beendet sei, daß aber in anderen- Städten 'Mittelst a l i e n s der Streik unverändert a n d a u e r e. Der Efenbahndienst zwischen Nom. und Genua sei vollkommen eingestellt. In den Gegenden von Pavia unb Mwtara ereigneten sich blutige Z u s am m e usstötz e, wobei es Tote und Verwundete gegeben habe. Die KoNfereKz Ly San Remo. Paris, ly. April. iTel.-Kornp.) Der englische Premierminister Lloyd George schifft sich heute in Tilbury ein. Er wird in Marseille landen, von wo er sich im Auto nach San Rem0 begibt. Die englischen Minister, die der britischen Delegation in San Nemo angehören werden, sollen London zu Beginn der nächsten Woche verlassen. Der franzofische Ministerpräsident wird am 19. d. M. in San Nemo emtreffen. Die Sitzung des Obersten Rates, wirtk von N i t ti präsidiert werden. Die Arbeiten werden auch der Regelung der Fiumaner .Frage, besonders aber" dem . d e u t schon Frt ebensoett rag gewidmet sein. Die in London begonnenen Unterhandlungen, betreffend das R u h r g e b i e.t» werden in San Remo fortgesetzt werden, wobei auch die Abrüstung D e u t. s ch l a n d s zur Sprache ge-, langen dürste. Die Besprechungen in San Remö seien sehr' b edentitngsvo II und man erwarte, daß sie eine volle Uebereimtimmung unter den Stnatsmännern. der Alliierten, Amerika ausgenonuNen, herbeiführerr werden. Dis Negierung von N^n-Güdwales ZurückgetV Leu. - Sidney» l0. Aptil. (Trl.-Kvmp.) DüRc-ginlmg von Nu- Südwasts ist zu r ü ck g e t r e t r it. Der Arliciteffiihrer St 0 rey wird das neue Kabinett bilden. Der Ungarische Friedenstzertrag. Paris, lO.^Apli!. D-e Bollchasteffonseienz bat m ihrer gtstttgen.Sitzung den Wortlaut der Antwort auf die Note der ungarischen Delegation und des Geleuschmbens an die ' ungarischen Delegierten festgesetzt. Gin holländischer 2S-M;Msnen-Gulden-Kred.!t . . . für DEUiMr-ird. -! A'nst rlrsm, IO. Ap is. ' (T?l>K>smvy „Handllsj bladf<. meldet, das; das A5Lommen zwischen Holland! und Deutsch land, demzusolge' Deuffch'aud .vorläufig, reinen Kredit von 25 Millionen Gulden für. : den Ankauf von L'bensmltteln erhält, gestern,. uuler-? zeichnet, wurde. Dieser Kxdit wird hauptsech ich für den Ankauf -Volt- Keift, Milchprodukten^ Fleisch und > Heringen verwendet'.werden. , Zusam'^sntritL de's Anckcr^6rtmgSans?chnsses. ' t' i&'.r'n, 10. April. Der zweite UnterauLsch '.h des - parlamen arischen Unters^chnngsa s,chn,s.'s der?ia- 'tionalve.fomml.ung ^tritt Mittwoch den .14.,.d. M. zu einer ösfenil'chen S"tz'uE.-LP-sin ,der die Ver-. nehmung deZ G'asen Bb-rnfto.rff und des G.urralmajvrs P a^)e staitfinden soll. ' Die Darrten.' - Paris, iv. Aprl.' „Journal" -meldet neuerdings ein bcdrutendks S t e l g e n. d % x aus! ä.n d i s ch en V alutcn. Englische Pfund seien gestern von 61'15 ans 6356. Dollar von 15-26 auf 15*81 und Sesetas von 2*77^2 aus 2*81 Vs gesticgn? Auch der Mmk'urs habe nach . einem Stande von O*25^ vow Donnerstag gestern einen Stand von 0.275/* erreicht. Das Blut meint, dieses Steigen des Marllmses sei anscheinend daraus zurückzuführen, daß der M a r k k.u r s bereits die Wiederaufnahmx derHandelsbeziechungen zwilchen Deutschland und den Hauptmächten der Entente/cskompti re. Schließlich meldet das Blatt auch eine Festigung der rumänischen Lkk, d e wohl eine Folge der Bcsftrung der Lage in Rumänien sei. Wirtschaftliches aus der T-chscho-Slswalrer. — Psa§, IO. Ävül. (Tel.-Komp.)'Die Akt.cvgesellschnst süe Wäld- und Holzvelwcrurrig in Prag hat in ihrer henligeu Generalversammlung beschlossen, eine Tiv.dende von K 40. — für die Aktie aus ubezahlen und das Aktunkapital von 16auf2O Mlll-onen m erliöhm.!i. April 1920 ZionLstisches LandeskomiLee für Deutschösterreich Heute Sinntag. IO Uhr vonntttagL im Wiener Komodienhans. 9. Be§., Nutzdorferstratze 4—S, große PrsLeftoersammlung gegeu die IudenVerfolgungeu irr LLrrgarre Redner: Oberrabbrnor Dr. Z. P. E h a ii s s, G mrindevat Dr. Leopold P! a f ch K e s, Dr. K l e w e. Aus der Tschecho-SLowakei. Prag. 1V. April. In informierten polnischen Kceisen verlautet, da., die neue Narionarversammlung Mitte Juni msammenticten wird, da d'.e Durchführuug der Wahlen, längere Zeit in An-pruch nehmen wird. DaS HanS dürfte dann bis zum Beginn der Ernte, d. h.' bis anfangs August, tagen und erst wieder für dte Herbstsession anfangs Oktober «ifc* berufen wrrdm. ... Praa, IQ. April. (Del.-Komp.) Laut einem heute ity. Nrr i na ve.sa.nmlung unterbreiielen RegierungSen.lwurf würden die Bezüge der Minister, die ge<^n-' wärlig 60.000 Kronen beLragen, um eine FnnktiOnS> zul-age vpn 40i000 Kronen erhöht. Der Minister-- präsid.enö und der Außenminister erhalten außerdem eine Rep räsentations Zulage von 50.000 Kronen jährlich.. Ein Gehalt von 40.000 Kronen beziehen die Rezierun^s'.niLgliedcr auch noch sechs Monate weiter,^ ncch'em sie ausgehört haben, ihr Amt auszüübimll Die.Bezüge der Abg-"o.dneten und Senatoren werden mit 2000. K'vn-en Monatsgehalt und 1000 K^onerh . monatlicher Teuerungszulage festgesetzt. Ans dem S. H. S.-Skast. Laibach, 10. April. Die krainische Lmwesregieruug Hut die Wohnungskom'.nissionen..ermächtigt, m allen Orten denjenigen Mietecn, die nlehr alseine Million Kronen im Vermögen haben, zu k ü n d i g e n, ferner ll>en Angestellten aller Banken und Geldinstituteddie Wohnurrgen zu entziehen, sowie schließlich den ausländischen Versicherungsgesellschaften und größeren Geschäsisunternehmuugcn. Die Landesregierung will dadurch erreichen, daß die Millionäre für sich und ihre Bediensteten eigene Häuser bauen. Entlassungen von Angestellten dürfen aus diesem Anlasse nicht erfolgerr. - Laibach, 40. April. Die Landesregierung hat eine Enquete veranstaltet, die folgendes Ergebnis zeitigte: Da sich .der freie Handel nicht bewährt, wird beantragt, ihn 'sür Getreide und Ficisch auszuheben. Die Ausfuhr in -^aS Ausland ist nach Sicherstellung des Inlandsbedarfes zu zentralisieren. .Der/Staat müsse das willkürliche Hinauf» schrauben der Preise verhindern. - Die-Regelung der Balutafrage und die Errichtung einer Devisenzentrale in Laibach ist in Angriff - zu nehmen. Eme Gesellschaft zur Gründung jüdischer M-tt-rlschulcn in?)vlen. Warschau, 9. April. (Privat.) Das Innenministerium hat die „Gesellschaft zur Gründung-jüdischer Mittelschulen in Warschau" bestätigt. Zweck des Vereins, ist die Gründung von Mittekschülen, Lehrerkeminarien, Fräbel- Kursen usw. wie auch Unterstützung öhn-s licher, bereits bestehender Anstal-en. Gründer der Ge-' sellschaft sind: Dr. Posnanski, P0dlischewsktj Dr. Klume! und Dr. Partner. A % FizchoK Leib Perez. ' , . (Zu seinem fLnftendTodestage.);^.Bor fünf Jahren ist, dreiundsechzigWrig, der -jüngste DMer unseres Volkes dahm^egangen. ^ßr , jüngste, ipW er der'rastloseste, der lebendigste war. Der'unaufhörlich sich< Vollendende. - ' ' ‘ ^it -Zamosc, einem finsteren Winkel Polens, erblickte er das Licht der Welt. Strebte bald zu Hern, was man damals als das „Licht der Welt" ansah, zur ..Aufklärung". Ihr.verdankt er sozusagen ^as' foeltrirännische Rüstzeug seiner' Dichtung, eine unrfüssende enropäische Bildung, die allerdings bei diesenr Manne nirgends dünkelhaft hervorsah, .niemals außer^ H>äut war,--sondern mit seiner ganzen VersönlichM H. inmg hprmonierte, daß der kleine, untersetzte Mann mit' denfcharfen, klaren Angen, dem sinnlich-lebensvollerr-Mnild - «yd.-dqn nervigen, musikalischen Händev stets eine Art apisLokratischen. Wesens ansströmte. Das Mpch s stie - dekadent war, sondern ein lebendiger Kulturadel, festester, rrnvergänglichster Adel. ' ' '' Diesen Adel lieb ihm sein harmonisches Wesen,? welches ererbtes Judentum und erlernter Eüropäismus' sveigenartig vereinigte. Gerade dadurch aber konnte er die. Aufklürerei überwinden und. Perez der Dichter werden. Sein ersten dichterischen Versuche haben noch dey Drang der „Volksbisdnerei" in sich. Auch in seiner Rpmynzendichtung „Mimisch", mit welcher er zuerst Aufsehen erregte, verleugnet er sich nicht.' Er schrieb, such, wie' jeder. ordentliche Maskil, Hebräisch, im' ^Lalahstil. Dieses Hebräisch hat dann ejne wunderbare, nervöse Nuance erhalten, als er später einige Erzählungen in hebräischer ^Sprache' schrieb.' Ebenso vibrierend und dabei nie geistreichelnd ist sein Jüdisch, in welchem er seine herrlichsten Werke/ schuf. Seine Lyrik der Haskalahzeit ist ^och. klanglos.. Erst später, fast am Ende seines Schaffens, hat er in feinem letzten Werk „Die Nacht auf dem alten Markt" die Verssprache des Jüdischen zu einer Vollendung ge-' bracht, welche in dieser ganzen Literatur, einzig dasteht. Da erhielt, die Volkssprache des Alltags ihren Ewigkeitsklang. . Den Ton der Ewigkeit des.Volkes.aber, hatte Perez gehört und wurde so zum Dichter, als er den Dünkel der Haskalah von sich warf, da er das Volk in seiner unabänderlichen Dauer fand. Er erlebte den Lastträger, die Liebe im Massenquartier, er stieg hinab zu den Müttern des Volkes, zu seinen Frauen, er empfand den halbnärrischen Batlen, den Stadtnarren, ebenso wie den in Gottes Hauch vergehenden Kabbalajünger. Und da offenbarte sich ihm die ewige Gotterneuerllng des Volkes in einer ihrer letzten großen Bewegungen, im Chassidismus. Die „Volkstümlichen Geschichten" wurden zum „Chassidischen Sein". „Chassidisch" aber war für Perez' Dichtung nickst ' ein auf den europäischen Salon zugestutzter Gottästhetizismus, sondern das Erleben der Göttlichkeit in allen Manifestationen, in der Berufung des Wasserträgers,. in der Pfeife des Rebben, in den „stummen Seelen" der Allerkleiuften, aber auch in der Seelen- Wanderung'einer chassidischen Weise, die ewig dauert, in den Geschenken für die Äodikim im Himmelsparadies, die zur Erlösung der Seele helfen, endlich im großartigen Finale eines großen Volksempfindens in der ewigen Sabbatgewalt des Rabbi Schlojme in der „Goldenen Kette". * Mit dem Drama „Die goldene Kette" hat Perez^ die unbegrenzten Ewigkeitsforderungen eines ewigen' Volkes gegeben. Der ewige Sabbat, der Ruf nach dem -wigen, helfenden Gott, ist das Bekenntnis des Dichters.' Ihm gegenüber sind alle Meuschenforure» Schatten».! Träume, ob sie nun ein Klausner träumt oder ein Hochzeitsnarr zum Gaukelspiel einer Nacht macht. Hier ist auch sozusagen das politische Credo'des Dichters, der so' gern von den tagessozialistischen-Parteien und.Parteichen' für ihre Ideen in Anspruch genommen wird. Für, Perez gab es nur eines: die gottgegebene Ewigkeit! seines Volkes. Sie hat er gefühlt und gestaltet. Und. -ist, was er sich einst als Inschrift in einem Dichte»-^ ' Pantheon in Jeruscholajim wünschte: „ein jüdischer Lichter". - Perez hat keinen Roman, kein Bühnendranra ge«! schaffen, nichts, was in der Literatrrrquantität matzgeb^ lich ist für die dichterische Konzeption. Seine Welt war^ Äe Skizze. Reisebild oder Legende, politisches Essay! oder Volkserzählung — immer war es eine Ballung in' gedrängtester Kürze, und in dieser baute er eine Welt,^ die Ewigkeit seines Volkes. Und baute sich die Ewigkeift im Volke. In einer seiner Geschichten sagt ein Kabbala»! jünger: „Wer die ganze Melodie hört, der fühlt GotteS Kuß." Perez hat die ganze Melodie gehört .! *' Wien. Siegfried Schmitz,

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