Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 438 (11.4.1920)
- Date
- 1920-04-11
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/2979076-2979416-2979516--03868-2989546- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Budapest 4× ep/1002374
- Haifa 1× ep/1047930
- Hebron 1× ep/1047559
- Safed 1× ep/1046078
OCR text
©eficT Men. Sonntag' Nun ist" der Einblick in die Sache klar und die Möglichkeit zu einer Auseinandersetzung mit General •fiftufe und seinen Hintermännern gegeben. Seit wann :die Schaffung eine? Heeres eine Angelegenheit, unt Welcher sich Einzcwerhände und Privetverbände, ein "emionierter Generab und ein dentschnationaler Privat- 'irkel zu befassen haben? General Krnuß scheint die Ge> Schichte der alten albanischen und neuen ostelhischen ^andcnführer gar zu' eifrig gelesenen haben und unter rem Eindrücke dieses Studiums Wien mit Skutari oder Svberitz zu verwechseln. Er sollte sich auch zur Lektüre anderer, mindestens ebenso wichtiger Dokumente entschließen: des Friedensvertrages, der Beschlüsse der österreichischen Nat'mmckversammjmig und der Verordäunger: der Negierung. Im chvriedensvertrag sind die formen der Armee unzweideutig festgelegt. Die Natio- '-alversamn'.lnng hat die Heeresorgenisation gemäß diesen Bestimmungen beschlossen und die Regierung hat die ntsprechenden Verordnungen erlassen. Wenn OJpuerat 'irnuß guten Willens wäre, müßte er daran erkennen, tor, nicht er und sein Kreis berufen sind, die Republik mit einer Armee nach besonderem Muster zu beglücken. Aber General .Krauß ist nicht guter: Willens. Das geht schon aus der Art seines Auftretens hervor. Der traurige Nulnn eines LUrtwitz lockt ihn zur Nachahmung. :r sieht sich schon an d.-r S Meißen Legionen, ähnlich am Baltiknmern und der magstdrischen Brachialgewalt, vr bedient sich auch der oerloge.nen, üinterhältigen Phrasen "er preußischen Monarchisten. weicht eindeutigen Ge- 'tändnissen aus, um die Oeffentlichret zu täuschen und, Schwankende an sich zu ziehen. Er markiert heute *ehr ' ngefahrlichen Mannesstolz vor.Königsthronen, indem "r gegen Mc Habsburger wettert, hält aber mit der Erllicung für das Haus Hvhenzollern weislich zurück. Er etzt den Anschluß an Deutschland an die Spitze seines Programms, eine Idee, welcher auch viele Demokraterr :ni>. Republikaner zuneigen. Aber er nennt nicht das Deutschland, an welches er Oesterreich anschließen will. ' öewiß man an ein revblikanischcs. '.nLmilitnrifier'Ls, 'cieLlich arbeitendes Deutschland. Ihn zieht es zum Deutschland der Kavp und Ludendorff, zum Deutschland, "as einen wahnwitzigen Rachekrieg vorbereitet, das mit winen Landsknechten die bürgerlichen Kanaillen wieder 'u Paaren und in den Schützengraben treiben wird. Er nill das arme Oesterreich ans friedlicher Ruhe auf- ' peuchen und in die Abenteuer preußischer Kniippeleldeu und S-hwerindustrieller verwickeln. Das Verschweigen seiner wahren Absichten kann über deren Charakter nicht hinwegtäuschen, denn die Instrumente, deren er sich bedient, tragen den unver- Dnnbaren Stempel preutzlsck)-hohenZMexnscher Herkunft. Seine Herolde sind die Blätter, welche von Reaktionärem preußischen Kapital finanziert werden, und seine Weg-- g-enossen und Politiker, welche wie gebannt nach dem Berlin der Junker blicken und von dort Befehle entgegennehmeu. Daran kann auch das sonderbare Ver-!:altcit der Wiener Sozialdemokratie nichts ändern, welche niit Krauß ein wenig liebäugelt, um den habsburgisch wsinnten Generälen eines am Zeugck Zu flichen. Dis Wiener Sozialdemokratie spielt ja jetzt auf der großdeutschen Walze, aber schließlich hat auch Noske mit Lirtttvitz kokettiert und die Sozialisten haben dann dffse) ^lldeutsch-jozialdemokrallsche Techtelinechtel blutig und :euer bezahlt. Es ist notwendig, alle Unklarheiten zu beseitigen. General Krauß bat, wie jedermann, das Recht, seine Meinung frei zu äußern, auch m-nn »'sr auf einen An 'chiuß Oesterreichs an. ein hohenzollernsches Deutschland hin zielt. Aber nrii dem Eintritt ins öffentliche -eben erwächst für ihn auch die Pflicht, ehrlich Farbe ',!! bekennen. Tut er das nicht, so muß er es sich gesellen lassen, als Werkzeug einer verschlagenen Cligue, welche den eben geschlossenen Frieden und die Ruhe in Nep-nblik arg bedroht, gewertet zu werden. ' Daß General Krauß seiner Mion ein radikal curti- 'cmiL-sch ' und stark christliches Gepräge gibt, ist nur stkstverständl'kch. SAdst wenn ihm persönlich., der iVudenhaß nicht wichtige: Herzensache fern sollte, könnte? darauf nicht verzichten. Aufdringliches Christlichiun und J'^'-nfrefferei sind heute gangbare Artikel, mit - eren Verschleiß man eine Zeit durchhalten kann. Er. NUß ur'tz seinen Le-len. insbesondere d-in nicht völlig üngeweihten, eine Beschäftigung bieten. Er kann sie l'icht sofort Putsche machen lassen. Pogrome sind prächtige Uebungen für den Ernstfall. Es ist daher ein nicht .aber p'' erprobter EmflD den Pgrteipängern für die Zwischenzeit ein bequemes Betätigungs- ' ld dem Gebiete der Judcnhetze einzuräumen. Der Ber^ssungsentrvrrrf Dr. Mayrs. Wio die Korrespondenz Herzog meldet, wird StaatSivwt Dr. M ayr bereits in den nächsten Tagen den Ber- .rtrru der Länder, die sich in Linz am 30. biö 22. fr. M. :t der Länderkonfrrenz beteiligen, den von ihm ausgearbei- . tcn Berfassungscntwurs zum Studium zugehen lassen. Die Kschickung der Konferenz wurde von allen Ländern und dem nneindorat der Etadt Wien Zugesagt. Für die bereits am!. Avril in Linz eintreffendcn Delegierten ist eine Wor- -sprechung in Aussicht genommen. Wie verlautet, enthält der .'.timrf u. a. die Vestinumu'.g, daß der Präsident der cpublit in Zukunft durch Volksabstimmung gewählt rden soll. SteatSekretär Dr. Mahr wird der Konferenz -iwoynen. Das Präsidium wird das gleiche sein wie bei der Tagung in Salzaus.. Wiener Morgenzeitrmss' /ll. April IHM ÄL 4S8 Die Bakterienfpritze. Ein Horthy-Prozetz. Am 26. Dezember des vorigen Jahves war aus Budapest gemeldet worden, man habe einen verruchten Attentatsplan entdeckt, der die Wiederaufr'.chtung des kommunistischen Regimes zum Ziel haben sollte. Nunmehr wird den Behafteten der Prozeß gemacht. Der Horthy-Draht teilt aus der Anklageschrift, die wie ein Kinoroman auZsieht, das f.flgönde mit: Por dem Strafgericht als Standgericht begann gestern der Prozeß gegen brn Budapest:« Maschinm-' ingenieur Stephan MaAtner und Gen-'ssen ksMN eines Kompbotts gegerck den Verweser Horthh und die Verfassung. Mautner, der nach dem Sturz der Proletarierdiktatur nach "Wien geflüchtet war. ferner ein Lehrer namens Jcsef St'igsytz sowie Mont-sur namens Johann' t.ohylck, hatten in Wien Zusammenkünfte mit den dorthin grMchketen ungar'.ichm Kommunisten, namentlich mit den ehemaligen BsWbLgnf- .tragten Hevesy, Lukaes und Hamburgerwobei der Plan erörstert wurde, hie in Budapest verhafteten Kommunisten. insbefondersstDtLo Korv'n-Klein,.zu befreien und in Ungarn die ProletLrierdtktatur wieder herzustellen. Zur Durchführung dieses Planes sollte % ■' die Ermordung des Oberkömmandanten Horthy bienen. Förner wurde geplant, das Oberkommando, die Ofener Künigsburg, "die Oper, das Mmisterpräsidium, d'.e Matthiaskirche iund audrrs öffsnttichs Gabäude in die Luft zu sprengen. Mautner übernahm die Aufgabe, nach Budapest zu fghren und die Krnalisierungspläm der in Rede stshenben Geh Kuße sowie die der Hauptstadt zu beschaffen, damit die AttentLtsr durch die Kanäle in die betreffenden Gebäude gelangen könnten. Ferner follien Agtt«b-PSN nach Bttdäpest entsendet werden, um die Arbeiterschaft zu organi-- sieren. damit am Dag§ der Explvstynen . der Putsch durchgesührt werden könnte. Mautner traf tatsächlich in Biidapest ein und übernahm hier von einem gewissen Marcel Feldmar, der das kommunistische Geld verwaltete, 250.090 Kronen, Bald darauf traf auch Siiasny in Budapest ein, der einen Dolch mftbcachdr, mit den: der Oberkommandant ermordet werdrn f-llte, Außerdem brachte er tn einer Tube eine Nadel mit, deren Spitze in Gift getaucht war: und die gleichfalls evenftrest »zur Ermordung Horthys dietien sollte. Falls auf diese! Weise die Ermochurkg üHirpkMs/nrchb Mte, war geplant, einen verläßlichen Menschen m das damals noch im' Gerhardi-Hslel untergebrach>e Oberkommando als Kellner einzuschmuggfln, her HvrLhy vergiftete Speisen. .reichen sMe. Oie Verschwörer hatten in Wien große. Mengen Clrafit beschafft, welche auf einem Schiff nat*}' Budapest gebracht werden sollten. Kobhlek solltr die , elektrischen Leitungen zu dem. Ekras'.t herstMn. Mautner, SliaSny und Aodylek hatten in Budapest mit dem damals noch unter falschem Namen sich versteckt aufhalteudcnfl Ladislaus Szamuely- Zusommenkünstzr, welch lehwrer bet der Sprengung des Oberkommando« mitlMen sollte. Aus brn Aussagen der Ang-efl'agten geht .hervor, daß die Wiener Kommunisten mit dem Grafen Michael Karolyi, Brla Kun, dem russischen Sowjet sowie mit den deutschen und italienischen Kommunisten in ständiger Verbindung sind und , die Zentrale des europäischen Kommunismus «ach Me« . verlegen wollten. Es war sogar der Plan aufg-etancht, unter dem Präsidium des Grafen Michael Karolyi in Ungarn die Räterepublik unter dem Titel ein^r sozialdemokratischen Republik wiederherzustellen. Alle diese Pläne kamen jedoch' vor der endgültigen Durchführung ans Tageslicht und die Staatsanwaltschaft §Hebt nun gegen Mautner, Stiasny, Kodhlek und /Feldmar die Anklage wegen Aufruhrs und Mordvomplotts. Politische Rundschau. dieses Zieles wird bei Einführung nationaler Kurien! zumindest P oportiona'wahlv chtt mit möglichst gr0Ü«n Wahlkreisen als nötig erachtet. -Jrdensallsott durch Zusammenlegung von Städten zu Wahlkreisen auch den hurd^rt?.wanzi.ita'!simd Jndö» der Bukowina «ine ihrer Vo kszahl, kulturellen Bedeutung und wirtschafte lichen Po enz «ntsprechrud-r Arrtretung in Krimmer »nd Senat gesichert werden. Rußland bricht di« Verhandlu«§«u mit Polo» ab. Moskau, 10. April, Gunkspruch.) Vn einer drahtlosen Mitteilung an die Ententemächte und die Vereinigten Staaten, die den Charakter eines Ultimatums trägt, erklärt der Volkskommissar für auswärtige Knge^ legcnbeiten Tschitscherin: Da die Mahl BortssowS als Ort für dis russisch-polnischen FriedenSverhand" Jungen für Rußland unannehmbar sei und Bolen auf die vott russischer Seite gemachten VorsckHge, irgendeine neutrale Stadt oder eine Stadt in den Ententeländern oder Moskau, Petersburg oder Warschau zu wählen, nicht eingeßen wolle, sehe sich Rußland trotz, seines wiederholt ausgesprochenen aufrichtigen Wunsches nach Frieden vor die bedauerltchs Eventualität gestM. hie Verhandlungen mit Tolen abbrechen zu müssen.' Die Wahl einer in der militärischen Zone gelegenen oder - Nicht speit von ihr entfernten Stadt könne angesichts der Weigerung der polnischen Regierung, einen , allgemeinen Waffenstillstand zu schließen, nicht in Frage kommen. . Magyarische Statistik. K«-ap-st, 10, April. (Ung. M.-Ayrr.-Bttr.) ZN. einer Rots dar ungarischen Friebensdekegation wich de« kürzlich im «nMchen Oberhaus geübten abfSMge«!: Kritik an ^>er Zuverlässigkeit der ungarischrn Nativ'nasitätenstaMk?« entMongehpetsn.. Das ungarischr sta-> tistische Amt sei bereit, feine Methode uyd sein AP.V-. gehen in der Einreihung ds« Brvöttftrung nach Ratio«; nalitäten jederzeit der Krijik des internationalen stafl-» ttstischen Institutzu unterwsrsen. Der Isißische I« StmufAlcM siege« de« PrSftdents« des M«ftizipiN«s- Der jüdische Sjadtrat von Jerusato« hat einen Brief an dm Präsidenten des Jerusalemer, Muniztpslr-ates, der am 27. Februar au de«, arabischen Demonstrationen gegen die Zionisten tet^, genommen hatte, gerichtet, in. dem e§ Zunder, andere«!- heißt: Die Juden PaMstlnas,. welchsp Partei oder^ Gemeinde sie auch angehören, sind in hqr Fordexungl bezüglich -rp Gründung einer jüdsiGn Heimstätte in Palästina, die durch die britische Deklaration und fete! Zustimung der Mtsrten Mächte bestätigt wurde, vollständig einig. Dsifr Einigkeit Wu-de van d-rn verschiedenen jüdischen Dcpttt-aAoneu» die letztes Jahr von dev amerikanischen Kommission empfangen wurden, beutlick -pkumcnt'ert. Der Präsident des Mnntzipal* xateS hatte a!S Vertreter her Einwolmev Jerusalems,' deren Mehrheit aus Juden besteht, kein moralisches R'cht, an einer Dömvnstratwn, hie gegen die Mehrheit der Einwohner gerichtet war, teilzunehmen. Deshalb erklärt der jüdische Gtadtrat, daß er vom 27. Februar 1020 an den Munizipalrat nicht mehr als Bertrttev der Juden JsrusalemS betrachte. Eine Kopie dieses Briefes, wurde den englischen Behörden überreicht, , , " Eine 9rsa«1satkoV der sephardischen gydßy. Die vor einigen Monaten in Jerusakem gegründete Organisation der fephardischm Juden wurde von der englischen Regierung anerkannt. Die Zentrale dieser Organisation befindet sich in Jerusalem, mit Zweigstellen in Jaffa, Haifa, Hebron, Liberias und Safed. Nun gedenkt sie. ihre Tätigkeit auch ans andere Länder auszudehnen. Ziel dieser Organisation ist unter anderem, den materiellen und geistigen Stand ' der. sephardischen Juden der ganzen Welt zu heben, ihre' Interessen zu verteidigen, sie zum Mivnalen und gesellschaftlichen Leben heranzuziehen und unter ihnen' den Gedanken des Wiederaufbaues des jüdischen^ Volkes und der Aesiedelung Palästinas zu verbreiten. Bor den Wahle» ln SrurnSnie«, Das rumänische Parlament ist ausgelöst worden r'.nd die Wahlbawsgung beginnt einzus^tzen. Die Neuwahlen sollen' Gnde Mai stattftnden. vielfach gibt nian sick» der Erwartung hin, daß die rumänische Negierung den Belagerungszustand und die Preßzenfur aufheben und feie Versammlungsfreiheit einführen wird, um freie Wahlen zu ermöglichen. Damit die Minoritäten eine cnispr chmde B rnckj'chngung erfahren, ist allerdings die Erlas,nng einev^entfprcchendsn Wahlordnung notwendig. Namentlich wäre-dies im Jnterffse der jüdischen Minderheit gelegen, welche zum iJeffpiet in der Bukowina auf»den siebenten Teil aller Mandate in Kanunsr und Senat Anspruch hätte. Das PrLfidium der jüd'schün Nationaipartei in der Bukowina hat an die Regierung ein Dekagramm gL-- richtet, in welchem Kforderl. wird, daß bei Erlassung der neuen Wahlordnung für Kammer und Senat den berechtigten Forderungen der Judrnschaft nach einer gebührenden Vertretung auch im Jnlerrsse des Gesamtstaatcs Rechnung aetraaen wird. Zur Erreichung Dr. sieim Dopst. % Rom, 10. April. Der Empfang des Staatskanzlers Dr. Renner beim P'apst erfolgte unter denselben Ehrenbezeigungen, wie sie beim Empfange. leitender Staatsmänner, in der letzten Zeit znm Beispiel bei dem dos Fürsten B ü l o w. üblich sind. Die Schweizer Wache trat unter Gewehr und Nobelgyrde war aufgestellt. Der Papst ging dem Staatskanzler fast bis zur Türe ent* gegen. Die Unterredung, die eine halbe Stunde währte, wurde in italienischer Sprache geführt; der Staats' kanzler saß rechts und der Geschäftsträger, der als Dolmetsch diente, links vom Papst. Hierauf wurden Sektionschef Rappaport und LegatioNssekretär Schmidt eingeführt, mit welchen sich der Papst unterhielt. . Die Audienz trug einen sehr herzlichen. Charakter., Der Papst zeigte fortdauerndes lebhaftes Interesse und, das wärmste Mitgefühl für die Bedrängnis der oster-, reichlichen Bevölkerung. Nach der Audienz wurden der Staatskanzler und feine Begleiter in den Rafaelsianzen vbotograpjmü»