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Wiener Morgenzeitung · 1920-04-09 · Heft 436 (9.4.1920) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 436 (9.4.1920)
Date
1920-04-09
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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/ vMy'v Stt 4SS WiM, Freitag 'vekfänmtkrtng fertig tzrstelkt haben wird. Bis dorthin kann sich bei uns noch AUcttci Ereignen. Vielleicht and) ' können Ereignisse cintreten, die' es etwa der Nationalversammlung als Wicht? anferlegchr dürften, der Vermögensabgabe überhaupt nicht' zuzustimmen, und das. kann eintreten^ in dent Augenblick, in welchem die Sozialdemokraten glauben, die Politik der Ünaufrichti^- kett gegenüber der zweiten Koolitionspärtei fortsetzen zu können. Wir haben im ZioalitionZpakt die Wehrreform drinnen gehabt, wir haben im- Koalittonsp-akt die Vermögensabgabe, aber auch die Bestiminung — Und das steht nicht nur im' Koalittonspakt, da^ ist ' Eerhairpt die Lebensaufgabe dieser Rationawersammluttg dem Staate die Verfassung zu gebend Es' hat den Anschein, als ob die Sozialdemokraten die Wicht hätten, das Zustandekommen, der Verfassung zu verhindern. An diesem Umstande ändert , nichts bis Rede, die btt Gtaatskanzler kürzlich itt Druck a. d. Mur gehalten und in welcher er angekündigt. ha^ daß Witz schon, im Herbste die Neuwahl der .Mlionalvsrsammlung haben werben. Wenn die Ratiointchrersammlung nicht ihren obersten Zweck, erfüllt, die;iMe Verfassung dem Staate zu gsb-rn, das ganze verfassungsmäßige Leben des Staates in Ordnung zu . Magen, dann hat sie Überhaupt-keine Existenzberech- Kguug und auch keine Bevechtiggrug mehr, ,die Ber- . inSgensabgabe durchzuführen, bann hat sie sofort aas- Linanderzugehen. Wir Müssen deshalb setzt «in Junktim tzwifchen Vermögensabgabe und Versassüngsreform Herstellen^ Was ich ausgesprochen habe, ist im Augenblick vollständig meine private und persönliche Meinung. Die Partei konnte darüber noch Küiteu Beschluß Wen, weil ihre Mitglieder in diesen' Tagen .nicht so .'rasch zusammengebracht werden können. Aber vielleicht ist' es gutwenn ich trotzdem schon xetzt öffentlich meine persönliche Anschauung zum Ausdruck gebracht habe. Telegramme. Wiener Mvrgenzerrvng Entscheidung in der Adriafrage. B « « l i», & Avril. Di» „Dosflsche Zeit,mg» meldet ans Bafel: Im Adria-KoustiKt soll dem f-^eeolo" zufolge duech. die Bemühungen Llohd Georges e i n K o m p r o m iß aefuudsu worden fei«. Italien erhalte die Oberhoheit Über Fr «m In oflawre« die über Susa ff mit dem Delta der FruWara (Reeina), ferner Über den Hafen Ooröey (-) und Voloßka; Abba zia würde Itatten züfülle^ während Jugoslawien Skntari erhalte« soll. MttflSsung der GLrrwohtterwehren. Berlin, 8, April. Das preußische Staats- Ministerium hat heute beschlossen, die Einwohrierwe re« äufzuröse«. Im Anschluß an den hierauf bezüglichen Erlaß der Reichsregierung sind die Odsrprüfidenteu sofort entsprechend angewiesen worden^ Ein diplomatischer Rüchzrtg Frankg. AM msa ötlU « Dre Anrnhen ln Irrnfalern. 'V London, 8. Nptrl. (Funksprych.) Aus Kairo wird berichtet, daß es am OstermotttaK in Jerusalem n euer- >. diugs zu Zusammenstößen zwischen Juden und Mohcmimedanttn kam. - ' Wie verlautet, ist die Lage in Palästina e r n st, . '- ' Die Ausgabe von NnMebchvWgu.ngen nach.Palg- -Mm und Wghpten* würdeeistgestellt. Die Gruppen Hürden Nach dem Westuser" des Suezkänals zurück» 'cheochert/ - , , . / ■ ■ Reue Vev^^^ncrgen an d«tp Ay l kch ew r l; -?rr fro n L Warschau, 3. April. (Tel.-Kamp.) Der polnische * Hleneralstab meldet, daß neue Verstärkungen der . Bvlschewiki an der polnischen Front? emtreffen. An allen Üindftationen wurde von polnischen Wiegern die Ankunft ü e» s r Truppen sestgeftellt. Angüsse auf mehrere -Orte m Pooolien wurden, leicht abgewöesen; in Wolhynien ,!Üd in der Polesie finden hestrge Kämpfe statt. Die Beraftuusszeugitt im BeMssPwzeß — ' hingMchtet. - Stockholm, 8. April. (Privat.) Nach einer Meldung Her/ bolschöwrkischsn ^LAjewskaja Prawda" wUrdt Frmt ' .Mera Tschöberjak, die seinerzeit im Veilis-PxoM M HanvtbelastMgszeugin äuffrat,' durch Urteil''de§ Mwer RevolutiorMribnnals WgeHchtE Vor -'ihrer HMWung soll sie ArtSsügen gemcWt. haben, wonach. . die ganze Anklage gegen Beilis künstlich, konstrni e k t wordmi sei. Diese Aussagen sollen demnächst ver° .öfftnilicht werden. ' DckS «eus RLichswahlgesetz. . Berlin, L April. (Tel.»Komp.). Der Entwurf des - nsnen Neichswählgesetzes, der veröffentlicht wird, teilt das Reich, in-122 Wahlkreise und.21 Verüandswahlkreise. Bei den bevorstehenden Neuwahlen wird man sich jedoch . aus die WahlkreiÄrrdnung des Wahlgesetzes für dis versassunggebende Nationalversammlung stützen, da wegen Her kürzptt, zur? Verfügungv stehenden Zeit die Neu- Einteilung der Wahlkreise nicht,-urchgefiihrt werden - kann. Die neue Reichswahlliste wird dagegen eingeführt -werden. Dis euAlifche Rote an Frankreich. ' Paris, 8.,'April. (Funkspruch.) Der Londoner KgLrespondent des „Petit Parisien" berichtet, daß Lloyd George die Mitteilung Millerands, betreffend die Besehung der rheinischen Städte durch die französischen Truppen,,. ohng ZweGl am - Donnerstag beantlrwrten werde. Dev Wortlaut dieser Note werde Donnerstag * nWyMiHs AMbon zur Kenntnis gebracht werden und in WüNbWMchem Tone gehalten sein. . 1>reuße« sperrt sich ab. Berlin, SL April. Wie dem „Berliner Tageblattdan gut unterrichteter Seite mitgeteilt wird, wird in der beiltigen Sitzung des preußischen Kabinetts die Frage der Z u w a n d e r u n g aus dein O ft e n nach Berlin, ihre Wirkungen und die Möglichkeit einer Beschränkung dieses Zustromes zur Beratung kommen. Es dürste nach den ^Informationen des Blattes eine diesbezügliche Kesetzesnövevle vorbereitet werden. Paris, 7. April. Molst.) Die Tagesordnung der heutigen Botschasterbonserenz tzildetest die deutschen Noten vom 3. und 6. April. Millerand teilte mit» die französische Regierung sei entschlossen, die. Besetzung auszuheoen, sobald die, deutschen Truppen die neutrale Zone verlassen hätten. Millerand seinerseits schliche den,, Gedanken . eines w i r t s ch a f t l i.ch e n Zusammen arbeite ns nicht aus, aber die Grundbedingungen feierr, daß die deutsche' Regierung zunächst den Beweis ihres guten Willens erbringe, indem sie ihren Berpflichturigen Nachkomme. Am 29. Alarz hätte Millerand dem deutschen Geschäststräger seine Absicht bestätigt, neue Beziehungen mit Deutschland auf dem Wege wirtschaftlichen Zuiammenarbeitens zu beginnen^ Eine Annäherung in diesem Ginne würbe bei ihm die günstigste Ausnahme finden. Unter gewissen Umständen könnte die Initiative von Frankreich ausgehen. Die FMrrkstMev-BVrDSUge. , Franks,ttl, . 8. April. Uebex die gestrigen Vorgänge wird mitcjeiein: Urn die französische Wache,, die an der Hauptwachö aufgestellt war, hatten, sich zahlreiche Zuschauer -gesM. Als gesternttnitags die Ablösurig war, ivurde nicht sofort genügend Matz gemacht.- Als ein kleiner Jniige eilten Mein warf, gab her Führer der Mache dai Signal zunt Schießen, Cs wurden 6 Zivilpersonen getötet und 35 verwundet. Die französischen Soldaten wuröen im westerett.Verlaufe mißhandelt aber nicht getötet. Das Gerücht tim ihrer Lötung stammt daher, büß einige beim Appell nicht zur. Melle waren. Näheres konnte bisher nicht festgestellt werdest. Eine Untersuchung ist von französischer Seite eingeleitet Worbe«; Der stellvertretettde NsgrtztüngstwäsidöUMÜd der Polizeipräsident haben auch ihrerseits eine Untersuchung eingeleitet. ' : a .; 'Verschärfte Lage -sm Vogtlapde.' 7 Leipzig, 6. April. (Tel.^Komp.) Die Lage im Vogtlande hat sich weiter v er s chärst. Da die Verhandlungen zwischen der Regierung und der-revolutionären Ar« beiterschust bisher erge bnrs los geblieben sind, scheint der Einmarsch der Reichswchrtruppen unmittelbar bevor- .zustehen. EinschrKrrküng; des PersottettzAgsvLrkehrs in > , ' Bayern. ‘ Berlin, 8. April. .Das „Berliner Tageblatt" meldet auS AugsLurg: Wegen völliger Stockung der KohleN« lieferungsn wird am Samstag den 10. d. M. der Personenzugsverkehr in ganz Bayern ringeschränkt. Der SchnM;p'gsverkehr wird Noch aufrechterhalten. Die Bsrbandlnngen mit Ärafsiu. Stockholm, 8. April. Nach Meldrmgm der Morgenblätter dauern die Unterhandlungen zwischen dem hiesigen Außenministerium und Krassin fort. Die Verhandlungen sollen einen giinstsgerr Verlaus nehmen, aber nur provisorischen Charakter, haben. Das M«nizipinm proklamiert... - Budapest, 7. April. (Ung. Lel.-Korr.-Vur.) Das' Munizipium»der Stadt Oedenbürg hat/an die derzeit' dort weilende Critentemission eine Proklamation gegen die' Einverleibung Westungarns an Oesterreich gerichtet. . Die GrelgnLffe ia Rerttva. Prag, 8. April. (Tel.°Komp.) Die Beratungen über die dringende Anfrage wegen der bintigön Ereignisse im Neutraer Gebiet werden in der heutigen Sitzung der tschechischen Natronalversansnckung fortgesetzt. Der. Klub der slowakischen Abgeordneten hat gestern beschlossen, Len Minister Dr. Srobar telegraphisch nach i. Prag zu berufen, so daß die heutige Sitzung in Anwesenheit des Ministers stürmisch verlaufen dürfte. Es verlautet. Laß Dr. Srobar noch heute feine Demission , geben werde. Ebenso fall Minister Dr. Sdehla in deni! Falle, als dem Minister Dr. Srobar dos Mißtrauen -X. ausgesprochen wird, noch heute seine Demission überreichen, oa er sich mit seinem Ministerköllegen solidarisch erklärt. P^aZsr NMo«arttersammkmr§. Prag, 9. April. Die Nationawersainmlung erledigte heute als Schlußgesetz der Vodenreförm den Entwurf, betreffend die'Entschädigung des beschlagnahmten Großgrundbesitzes. Hierauf wurde der Entwurf, betreffend die Verrnög^1^sabgab^, angenommen. -Der für heute erwartete Rechenschaftsbericht des slawakrscheu Miinsters Srobar wegen Erschießung der zwei sozial' demokratischen Vertrauensmänner im >KoMrtat Neutra rrud deS Gewalfregimes in der Slowakei überhaupt, Würde nicht erwähnt und die Regierungsmehrheit brachte einen Antrag ein, wonach die Debatte auf eine, der ncschsten Sitzungen vertagt wurde. Angeblich soll sich Minister S v e h l a mit Minister S r o b a r ,s o l idürisch erklärt haben. Tatsächlich tritt die. agrarische Presse für Dr. Srobar ein. Minister Hvntzek zuekickgeLkete«. Prag, 9. April. (Lschecho-slow. Preßbur.) Der Präsident der tschecho-slowakischen Republik hat den Minister für Volksernährung, H o u d e k, auf dessen Wunsch seines Amtes enthoben und gleichzeitig den FinanzmiUister Sonntag Mit der vorläufigen Leitung de? Minisieriumß für Volksernährung betreust. Tagesbericht. Die Neunkirchner Vorgänge. Die Berhattplung gegen dir Beschuldigten' Aus dem Landesgericht wird uns gemeldet: Der Untersuchungsrichter in der Neunkichner Affäre, Landesgerichtsrat' Dr. Wetz, wird noch diese Woche nach den Schlußverhöxen die Untersuchung abschließen, worauf die SLaatsanwaltschast den Akt zur A n k l a g. e e r h e b u n g übernimmt., Die V er Handlung gegert vre - wegen Hausfriedensbruches, ^schwerer Körperverletzung und vielleicht Erpressung Angeklagierr findet anfangs Mai vor einem Erkeuntnissenat statt. Desi Vorsitz in der Verhandlung dürste Oberlandesgerichtsrat.Kahret\»e-k Diplomatische Aussprache. Wie verlautet, soll dis Angelegenheit mit der schtvei* tzeri.s^;-HünMrWeMM./hertzLnisL.,-..Wrden;-. es ffndet zu di es em, Pehuse eine. Aussprache, zwischen dem schwsi-. V zel)ischen Gesandten in Mitzn UM dem bevollmächtigten ^MinMr IpM, /der, gegenwärtig den Staatskanzler, Dr. Nenner vertritt, - stätt. * ■ . Die Nerlnkirchntt Arbeiter beim Schweizer Gesandten, Utn halb 12 Ahr vormittags begab sich eine Aborönnng der Neunkirchner Arbeiter -zum Gesandten Dr. Bau r c a r t und suchte darzustellen, daß der Ueberfäll auf Direktor Zweifel nicht als eine Feindseligkaff, gegen die, Schweiz, aufzufassen sei. Dp. Bomcart erwiderte, daß ihm naturgemäß k e i n Einfluß auf den Gang der Untersuchung zustehe, daß aber die. Schweizer Regierung ^on Anbegirm darauf sehen mußte, die ganze Angelegenheit möglichst rasch und korrekt erledigt zu sehen. Ruhe itt Nmnkirche«. ' Die gestern in Wien verbreitet gewesenen beunruhigenden Nachrichten über die Vorfälle in Neunkirchen eiitbehren der Begründung. Die Arbeiterschaft post Nennkirchen hat bereits vorgestern in allen Betrieben , die Arbeit wieder ausgenommen. Gesten:' herrscht^ in Nennkirchen vollkommene Ruhe,'dle Arbeit wurde überall ungestört durchgesührt. Bas American Joint Diftribution Lommrtte« für die jüÄrschenKciegsgefaugene«. Aus New - B ork wird uns berichtet: Iw Äus^ trage des American' Joint Distribution Committeg 'hätten wie seinerzeit bertchtet wurde, der jüdische Schrift steiler Dr. Frank R o s e n blakt, bekannt unter seinem Gchriftsiellarnamen Gen-Jaktr, .eiire Reise nach Sibirien und Japan uutsnwmmen,-um dort die Lage dev Mi-. * schen Kriegsgefangenen zu studieren. In einer der letzten Sitzungen deK Exekutivkomitees des I. D. C. erstattete er feinen Bericht. Er schildere die unsägliche Not, di« bis zu seiner Ankunft unter den jüdffchen Kriegs^ gefangenenherrschte und stellte ftft, daßdurch die momentane Hilfe,'die er namens des Joint Distribution .Committeeden Gesange>ren bieten konnte. Tausende . vor dem sicheren Hungertod gerettet werden konnten.- Die Mischen Kriegsgefangenen stammen aus der alten öfterreichis ch-uugari scheu Monarchie, beziehungsweise den Nachfolgestaaten, die nveisten von ihnen sind aus. Galizien. Si-e wurden'in den einzelnen Zeitabschnitten des Krieges Porr den Rüssen gefanAengelrormnen. und^ in verschiedene Lager nach Sibirien gebracht. Ihre Zahl betwr^ ursprünglich ungefähr zwanzigtausend; Hunger, Kälte und Krankheit reduzierten sie allmählich auf-elftausend, welche Dr. Rosenblait, als er vor oinem Jahre dort anlangte, irr eiltet überaus schweren Hkw läge vorfand. Die jüdischen Kriegsgefangenen sindin ungefähr vierzig Lager oetteilr, in dem einen Lager Nikolsk befinden sich rund siebenhundert jüdische Kri^gsgefangen-e. Die aus Galizien stammendett Mischen Kriegsgefangenen ha tunt während d-es Krieges, zun; «M, mm

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