Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 435 (8.4.1920)
- Date
- 1920-04-08
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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/ «r. m $Öi«t, Somerstaz Wi««er Morgenzeit«»- L April 192® 'Äi&A» #T vfUf «fj Telegrmmne< ' schwere Konfllüte in Jerusalem. London» 7. April. (Funkspruch.) AM Ostet- Änntag ist es inI eru f a l e m zu einem e i n ft e n Konflikt zwischen Juden Und Mohammedanern -gekommen. 188 Personen wurden verwundet. ein türkischer Vorstotz in Zilizien. London, 7. April. (Tel.-Konlp.) Laut amtlichen, achrichten habew die Türken in Zilizien einen Vor- Ioß unternommen, so daß jetzt Mersina von ihnen bedroht wird. Die/Armenier sind nicht mehr imstande, Men Kräftigeren Widerstand zu leisten, und verlangen Mer die Unterstützung Frankreichs und Englands. tzlemeueeaus Zustand besorgniserregend. . Kairo, 7. April, (tzavas.) E l e m e n c e ü n leidet seit seiner Rückkehr Non Luxor an einer . Bronchitis. Sein Befinden hat sich zwar gebessert, doch «st er sehr geschwächt und sein Zustand flößt Besorgnis nn. Gestern unternahm er seinen ersten Ausgang. Wladiwostok durch die Japaner besetzt. New-Bork, 7. April. (Tel.-Komp.) Der- Berichtrrstatter der/»Associated Preß" in Wladiwostok drahtet seinem Blatte, daß die japanischen /Truppen nach heftigem Kampse in die Stadt eingerückt sind. Mmknio« will mit Rutzrand nicht verhandeln. ' London, 7. April. (Tel.-Komp). Aus Moskau Mrd gemeldet: Bis zum 6. April war eine rumänische Antwort auf das Friedensangebot der Räteregierung noch immer nicht eingetrosten. Es erscheint daher fraglich, oh die rumänische Kommission nach Charkow «rdgehen wird. , . Der Friedenszuftand mit Dsutschland. Lvafhiugtou, 7. April. (Tel.-Komp.) Das Abgeordneteal/aus wird noch im Lüttst dieser Woche btc Enn'chließunq M' nehme,!, durch die der FriedenSNckand mir Deutschland erklär! wird. Seuaioo Hitchcock ist der Ansicht, daß bie Entschließung im . Senate wohl sechs Wochen ausgefallen werden dürste, weil Äcrjasiungsstagen Beraniaffung zu Debatte» geben winden. . Die KSttskripLion der Kriegsanleihe in der Tfchechs-Slomakei. Prag, 7. April. (Tschechö-ftow. Proßbureau.) In der hrutrgcn Sitzung der Nationalvarsammlung w.urde die WWtungsvorlage, wonach' die ^Titres der Kriegsanleihen des ehemaligen "österreichischen und ungarischen Staates außer Umlauf gesetzt werden und. deren nachträgliche Konskription angeordNet wird, dem Budgetausschuß zugewiesen. ^sozialdemokratische .Abgeordnete Dr. Soukup und Müssten überreichten eine Jnt^r platten an den Min'ster für die Slowakei Dr. Srobär bezüglich'der am W'rz ist Romanowa in der Slowakei erfolgten Tötung zweier Vertrauensmänner der Arbeiterschaft. Da jedoch Minister Srobar in der Sitzung Nicht anwesend war, wurde die Debatte über diese Interpellation astf'die'Tagesordnung der Mörtzigen Sitzung gesetzt.?' Prag, 7. April. Der in der heutigen Sitzung der NationalversamMung dem Budgetausschuß zugewiesenr Gesetzentwurf, durch '.den die Titres der Kriegsanleihen d-H "ehemaligen österreichischen und" ungarischen- Staates aus dM Umlauf gezogen und einer nachträglichen ' Konskription unterzogen werden, besagt: Die Titres der österreichischen und der'Ungarischen Kriegsanleihendie stär auf dem Gebiete der tschecho-slowakischen Republik befinden, sind zu konskribierest'und, soweit es nicht geschchyn ist, zu verzeichnen, gegen Bescheinigungen einzutauschen und aus dem Umlauf zu ziehen. Die Eigentümer der Kriegsanleihen haben ihre Staatsbürgerschaft rrachzuweisen. Tschechü-flowakische Angehörige haben .gfttcrf .. Konskription auch die Titres von Kriegsanleihen aNznMelden, die sich nicht auf dem Gebiete der tsch'echo- - slowakischen Republik befinden. Sie habest ferner nachzMeisest, daß - sie die Staatsbürgerschaft vor Len, 2^: Oktober 1818 oder auf Grund der Friedensvertrags Hiter erworben haben, soweit sie die Lites bereits am . 14. November 1918 und von da an ununterbrochen im Eigesttum hatten. Ebenso haben juristische Personen - nuchzstweisen, daß sie ihren Sitz schon am 28. Oktober ■IMS.: in der tschechoslowakischen Republik hatten. Physische Personen werdest ' ihre Verpflichtungen aus - > diesem Gesetz durch Vermittlung von. eigenen, zu diesem sstvecke'. gegründeten Genossenschaften, deren Mitglieder .. ^werden, erfüllen. ftmatschechrfcheMaffia. , Prag, 7. April. (Tel.-Komp.) -.Ceske .Slovo" will ■ erfahren ^haben. daß die jnngtschcchische Maffia wieder ihre Tätigkeit ausgenommen habe, und zwar diesmal im Außendienste, indem sie für ihre Partei die Stellen in den Außenämtern zu besetzen trachte. Seit einigen Lüben arbeite, dis Maffia wieder im Geheimen und es Ware guftwenn Dr. Benefch dieser Arbeit schleunigst Einhaltgebieten Würde.. Dre Lnlerttationals Finanzkonferenz. Paris, 7.. April. „Petit Parisien" meldet aus London: Gestern abends traf hier die Nachricht ein, Latz die internationale Finanzkonferenz für die dritte Maiwoche nach Brüste! einberufen worden ist: Die wichtigste Frage, i mit' 'der sich die Konferenz beschäftigen wird, tinb die Wechselkurse btt einzelnen Die Ankunft des Slaatskanzlers in Rom. Begrüßung durch Ritti. Roch, 7. April. (Stefäni.) Staatskanzler Doktor Renner ist nch seiner Begleitung hier eingetrostest. Er wurde im Bahnhof vom Ministerpräsidenten Ritti, vonbjeitMinistern Ferraris undNa.oci sowie dem UnterstaatssMetär im Ministerium des Aeußern Sfor z a. empfangen. Staatskanzler Doktor. Renner und Ministerpräsident Nitti begrüßtest einander in kurzen herzlichen Ansprachen, worauf sich Dr. Renner und seine Begleitung in ihr Hotel begaben. Nom, 7. April. (Stefani.) In seiner nack der Ankunft im Bahnhof gehaltenen Ansprache; gab Staatskanzler Dr. Renner seinem Dank für Len ihm. bereiteten Empfang Ausdruck Und führ fort: Mit dieser Reise beginnt Oesterreich eine n e u e A e r a in seinen 'Beziehungen zu Italien. Die. österreichische Republik hofft, die gegenwärtigen Schwierigkeiten zu überwinden, , indem sie sich klar und aufrichtig die Grundsätze der Demokratie zu eigen macht/ und herzliche Beziehungen tritt allen NächbcM, insbesandere mit dem mächtigsten derselben, dem 'Königreich Italien, heczststellen. Mr hoffest zuversichtlich, daß dank der hochhetzigen Hilfe der itaftemschen Regierung die Besprechungen,: die zwischen. uns statlfinden werden, in hohem Maße dazu beitragen werden, nicht nur die theoretische, sondern apch die praktische Durchführung des ■ Friedensvertrages von Saint-Germain zu beschleunigen und unserer Bevölkerung Erleichterung zu bringen. Unsere Hoffnung stützt sich einerseits auf das Bewußtsein unseres guten Willens, die Bestimmungen des Friedensvertrüges genau auszuführen, andererseits auf. die Erfahrungen, die wir zu wiederholten Malen mit den edlen und hochherzigen Gefühlen der italienischen Nation gemacht haben. Ministerpräsident Nittr hieß in seiner Antwort Len Staatskanpler und seine Begleiter willkommen undfubr fort: Wie Sie richtig bemerkt haben, hat Ihre Reise nach Rom h ohe Politrsche Bedeutnug und leitet eine neue Periohe zwischen unseren Landern ein. Italien wünscht eine -große Macht des Friedens und der Demokratie in der Welt zu-sein. Wir müssen j und wollen an dem menschlichen Werk der Erneuerung arbeiten. Alle Unstimmigkeiten und Kämpfe der Ber° ' gangenheit können unser Programm nicht ändern. Die österreichische Den^kratiä^ird bei der -italienischen De« inokratie die Herzsschssen Dispositionen und bei unserem ganzen Volk den Geist des Friedens und der Arbeit finden. Wir widmen uns mit ganzer Seele und Auf« I richtigkeit dem Werke des Wiederaufbaues. Kein i Schmerzensschrei und* keine Anstrengung der MenschliÄ-! feit werden uns gleichgültig finden, und nach dem Krieg! wünschen wir nichts anderes, als am Frieden im Geiste des Friedens zu arbeiten. Sie kommen, am Friedenswerk zu-arbeiten, seien Sie willkommen! j Staatskanzler Dr. Renner dankte dem Minister- Präsidenten Nitti für das, was er gesagt, und noch mehr; für das, was er getan habe, um freundschaftliche Be- - Ziehungen zu Oesterreich in die W'ege zu leiten, das nicht! mehr der alte Habsburgkrstaat, sondern s.intz freie Republik fei. Der Staatskanzler schätze sich glücklich, die Einladung '■■■:% Ministerpräsidenten engej nommen und hn der Hauptstadt Italiens jetzt einen sa wohlwollenden Empfang gefunden zu haben. ' Tagesbericht. Die Berhastimgön irr Neunkirchen. Streik der Arbeiter. — Die Kommunisten führen die Aktion.. Die Gendarmerie hat heute früh in N e u n k i r ch e n sieben Personen verhaftet, die wegen der Mitzhandlüngen des Direktors Z w e r fe l von der Eltzschen Spinnereifabrik in Untersuchung gezogen sind. Die Nachricht von den Verhaftungen, die in den Betrieben rasch bekannt wurde, rief dort .große Erregung hervor. Die Arbeiter verließen die Werkstätten und begaben sich in einem Demonstrationszug zur Bezirks- Hauptmannschaft undzum Rathaus. Eine Deputation sprach beim Bürgermeister und beim Bezirkshauptmann vor,.um gegen die Verhaftungen zu protestieren und die sofortige Freilassung zu fordern. Beide Funktionäre erklärten sich dazu außerstande. Die Arbeitermassen hielten sodann' auf dem Hauptplatz eine, Versammlung ' ab, in der sehr heftige Reden gehalten' wurden. Auf seiten der Arbeiterschaft wird geltend gemacht, daß bei manchen von den Verhafteten >nicht der geringste Zusammenhang mit dem an Direktor Zweifel verübten ' Gewaltakt bestehe. Die in Untersuchung Gezogenen hätten den Vorladungen des Untersuchungsrichters Folge, geleistet und Aussagen geruacht.. Die Verhaftungen Wien nicht den Notwendigkeiten der Justizpflege, sondern dem Druck einer fremden Macht.entsprungen.. In der versammelten Menge wurden Vorschläge und Schlagworte. gewalttätiger Tendenz laut. Schließlich! einigten sich die Demonstranten dahin, eine 14g!l.drig6 Deputation zu wählen, die sofort nach Wien fuhr, wo sie beim Staatssekretär des Innern E l d e 11 ch, beim . Staatssekretär für Justiz Dr. R ü m e? und beim ^Unterstaütssekretär Dr. EislSr die Forderung nach Freilassung vertrat. Die Deputation sprach auch dm Wunsch aus, dem Gesandten Bourcart ihre Aufüber heu Sachverhalt varzulegen. Die. Detzutation ließ sich schließlich bewegen, den Arbeitern bis morgAf ein Zuwarten z» SMPfehlm. .! Die-Erregung hielt im Neunkirchner Gebiet tvqhrAÜi des ganzen Tages cm und in den Versammlungen sind > bisher,bte besonneneren Elemente nicht zur Geltung gekommen. Die Situation Muß darum als ernst bezeichnet werden. ' / ' '? . - >' " .. - .... . Abends wird uns aus devt Landesgericht gemeldet: In Neunkircherr wurden fünf und in Tern'itz zwei Perso,nur verhaftet und teils in zwei Ltraftsvatzen, teils M der Eisenbahn nach Wien gebracht und hier int Lauftz des. Nachmittags dem LandeKgericht in Strafsachen ein* geliefert. .. ' .! '' . Die Verhafteten sind die Arbeiter Ludwig Lenz, Felix -R eitere r, Franz R i e g l e r, Richard H u st- Mann, Josef EV ruft er, der bekannte Arbeiterführer Johann Richter auS Ternitz und eine Frau Befta C d e l m a n u. Die Genannten werden des '. Hausfriedensbruches und der schweren Körperverletzung besck)uldigt. Dia Untersuchung führt Landesgerichtsrat Är. Wetz.'-Die Verfolgung, leitet als Vertreter der? Staatsanwaltschaft yrster Staatsanwalt Dr. Hüb e L Regiermng. Wien, 7. April. Die schweizerische- Gesandtschaft hat seit. hem 4. März , im Falle der Mitzhän-lung.dsS' Ä-. rektvrs Zweifel in Neunkirchen wiederholt Lorstellun*' gen beim Staatsamt des" Aeußern erheben imd das Verlangen gestellt, die nötigen Verhaftungen der Führer beim Angriff auf Direktor Zweifel vorzunehmen und' sämtliche Schnldtragende ehestens der Bestrafung zuzu' führen. > - Am 2; April hat der schweizerische Gesandte über Auftrag des Bundesrates an die österreichische Regierung eine Verbalnote gerichtet, daß dieser zu seinem größten Bedauern sich in die Lage versetzt, sehen würde, sich von der ftnanziellen Hilfsaktion für Oesterreich zurückzuziehen, welche einige der alliierten Mächte im V-reine mit neutralen Mächten planen, wenn nicht in kürzester Frist die-an dem Anschlag gegen den Schweizer Bürger Zweifel hauptbeteiligten Personen in Hast genommen würden.. Cs finden..nämlich in den nächsten Tagen in Paris Besprechungen wegen der' internationalen Kredit- Hilfe.für Oesterreich statt. Die Schweizer Regierung hat die. Beteiligung an dieser Aktion bereits in Aussicht gestellt. Der Schweizer Delegierte, Generaldirektor der' Naiioüalbankv. Hall er, würde,.wenn nicht hie schweizerischen Forderungen in kürzester Frist erfüllt wiirden, den Auftrag erhalten, den Vertretern der Regierungen? die bedauerlichen Umstände auseinanderzusetzen, durch welche der Bundesrat sich genötigt sehen würde, von der zugesagten Mitwirkung an der Hilfsaktion sich Zurück-! zuziehen.. - ' 3» dem Mtentatsversuch auf den Sonderzug des Staatskanzlers. Dev K-orvespondenz.Herzog wird aus Levbvu gemeldet: Me die Erhebungen über die Verlegung! dpr Mletse zwischen den Stationen Bruck a. d. Muri und Leoben bei Niklasdorf ergaben, ist mit Bestimmtes heit anzunehmeu, daß ein Attentat auf den Sonderzug,^ in welchem der Staatskanzler Dr. Renner- und dio übrigen Mitglieder der Regierung nach Rom fuhren, in allem Ernst beabsichtigt gewesen sei. Ueber die Helden! Geleise waren Schwellen kreuzweise übeveinandergelegt' und dadurch eine-kleine Barrikade, gleichsam ein Prellbock, hergestellt. Die über die Schienen ragenden Schwellenköpfe waren in der Richtung gegen Druck durch einen eingeramm.ten Block beftstigt. Glücklicherweise fuhr in der Richtung nach Leoben vorher eich -Personenzug, dessen Maschine die Schwellen mit dem Räumer erfaßte und mitnghm. Dieser Umstand, <mdem der Personenzug tveiter keinen Schaden erlitt,, führte zur Entdeckung des geplanten Attentats. Dvq ganze Strecke wurde untersucht und die Reste desi Hindernisses wurden vollkomnren beseitigt. Der Sonders zug mit Dr. RenNer und den übrigen Staatsfunktionären erlitt nicht einmal eine nennenswerte Verspätung und Dr. Renner und dessen Reisegefährten dürften erst Während der Fahrt von dem Zwischenfall Kenntnis^ .erhalten hallen. Die steirische. Landesregierung hat eineL eingehende Untersuchung nach den Bahnfrevlevu oüt-,, geleitet, hoch dürften diese , nickst .in den Rühen de^!' Eisenbahner zu suchen sein. ein neuer jüdisches Kinderheim für unsere Kleinsten. 1 Errichtung titttvf Taae-heimstLttr im 2. Gemeiudedezirk durch die Soziale HUfsgrmeinschaft der Fra» Auitta Mtzüer. j Das Elend unserer Kinder hat eine, ganze Schär von.Helfern aufgerufen, die sich bemüht, durch großzügig« Hilfsaktionen „ Kinderelend in Kinderfreude zu per-' Wandeln. Die heimischen Fürsorger, die seit'Jahr unst Tag schon unseren Kindenr beistehen, verdoppeln die. Bemühungen und das Ausland leiht ihnen reiche Hilfe, Große Ausspeisungen werden ins Leben gerufen, die den Kindern die notwendigste Nahrung stieten, und manches Land öffNet sich gastlich. Tausende österreichischer Kinder finden in freundlichen Familien des Auslandes w'edeA ein sonniges Heim. Nahrung, Kleidung, zärtliche Pflege^ Spiel und Kinderglück. ° \ Fast alle diese Aktionen geltest aber den halÄ MLichsiLW - - $ i .