Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 431 (3.4.1920)
- Date
- 1920-04-03
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
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Hätte 8 feien' Sämskag „Um Lis Ewigkeit."*) Bon Ernst Müller. MfiikS von den Bahnen dei^ überlauten und -überhellen Programmatik vollziehen sich gar oft jene inneren Kämpfe Und Entscheidungen, die in ihren Auswirkungen. schließlich stärker, weil umfassender sind als das. an der Oberfläche Liegende. Etwas anderes aber ist cs wieder, wenn der Ausdruck solches Unterirdisch,.,: nun gerade sich selber in das Tageslicht stellt, dem Schicksal des Wortes und schließlich den äußeren Wirksamkeiten selber preisgegeben. Solche Gedanken können die Lektüre des neuenBirnbaumschen Bnches begleiten, in dessen Absicht es wohl, lag, mehr als- Büch und doch, wieder im - eigentlichen Sinn Buch zu fern. Denn wenn ich seinerzeit die Schrift „Gottes Volk" als religiösen Aufruf bezeichnen konnte,. so bietet Nundie hier vereinigte Sammlung von Aussätzen, die der-« schiedenen Duellen -entstammen und. immerhin bis zu. neun Jahren' zurückreichen,, eine gewisse Ergänzung jener in ihrer gleichsam literarischen Isoliertheit monumentaleraber , für Manche Leser auch wieder fremdartig . wirkenden. Schrift, in doppelter Umfänglichkeit, sowohl nach der eigentlich religionsproblematischen als. nach. der universaljüdischen. Seite, indem ja Birnbaum immer wieder bemüht ist, seine eigene Entwicklung zu bewußtem Ausdruck zu bringen, auch wohl jene Üeberbrückung selbst vollzieht, vermöge -derenwir' seine eigenen Worte verstehen, „von einer stetigen 'Entwicklung, der wie aller Entwicklung das Ziel immanent war, das heißt, die nichts anderes als den mühseligem und sozusagen stückweisen. Durchbruch meiner ursprünglichen und latenten, fpiritualistischen Geistesart durch die in den Jahren . der Unreife, angesetzte . Kruste der materialistischen Zeitmode barstellt."" - .Freilich würde Birnbaum s:lbst eine mehr als methodische . Scheidung des Religiösen und des, Universal-, jüdischen nicht für berechtigt holten, da ja gerade hierin das Zentrale seiner religiösen Richtung liegt, daß er die Scheidung' von Volk und Religion nicht anerkennen will, , was er in einer Maklaüäerbetrachtung besonders eindringlich zum Ausdruck bringt, - wenn er sagt, daß die Makkabäer . „weder - für ihr- Volk noch für ihren Glauben gekämpft, sondern für. etwas Einziges, woraus.erst durch die kleinliche analytische Leilungswut der Europäer jene zwei getrennten Begriffe und Erscheinungen geworden sind". .Hier tritt unS auch die-- eigentümliche Kampfstellung Birnbaums recht-drastisch entgegen: Sein Eiferertum gegen alles, was von 'draußenher „heidnische" Elemente ins Judentum hereinträgt, '.aber, gepaart mit. einem. heißen .Sehnen, im Judentum das Höchste, das. Allerhöchst« zur.Verwirklichung, kommen . zu sehen. In einem Aufsätze: „Das -Erwachen.der jüdischen Seele", der in negativer wie in positiver Beziehung - besonders charakteristisch ist, findet sich der von 'glühendem/' Optimismus beseelte Ausspruch: „Ich hoffe und glaube, baß in dem großen Sturme der Seelen unser geistlicher Genius wieder erwachen und in einer mächtigen Konzeption für Jahrtausende unserem Volke neue und ungeahnte plastische Kraft verleihen wird." In jener Verbindung von Volkstum und Religiosität Legt zugleich ein Moment, das Birnbaum über , die Auffassung einer „Bekehrung" zu seichter und starrer Orthodoxie doch etwas hinaushebt — so, wenn er in bezug' auf .das Judentum- Geistlichkeit und Weltlichleit als Einheit betrachtet wissen will, wenn er reliaiöfe Erneuerung auf'der Basis wahren Volkslebens erwartet. Und auch in bezug auf seine Stellung zu den Strenggläubigen selbst findet sich doch ein gewisses- .charakteristisches Bekenntnis in den Worten: . „Wenn ich ihnen . wirklich nichts anderes zu sagen gehabt hätte iuls: : Lebet nach /der Ueberlieferung!, so würde ich, mir bie fSliifyc erspart hoben, da sie doch wahrlich nicht aus die Ermunterung aus meinem Munde angewiesen, sind." Nur saus -lebendiger Aktivität, wie er sie einstmals int Zionismus, sodann im jüdischen Nationalismus hatte zum Durchbruch bringen wollen, glaubt er einen religiösen Nmaufschwung des Volkstums erwarten zu dürfen. Und seine Forderungen Hält er auch . nur in dem. Sinne für erfüllbar, „wenn sie sich «us - einem Milieu heraus verwirklichen, das. von den fortschreitenden und: ineinand ergreifenden Verwirklichungen aller Forderungen schrittweise gebildet wird." ' Hier allerdings.müssen.sich einige Bedenken anschließkn, die .gerade um des Ernstes der Sache willen^ nicht entschieden -genug formuliert -werden können. Das erste betrifft den Appell an die „Glaubenshüterschast", de» Vorwurf, daß die. Orthodoxie nicht kämvs-end genug gegen die Mächte der Versuchung anftrete.- Wenn wir auckst'die Kritikgegen manche der' Barbareien europäischen Zivilisationslebens voll unter- -schreiven mnsstm, so schein! doch in jenen „Zäunen" und Wehren.- .übernauvt -in her Tendenz eines hermetischen Abschlusses gegen jene Mächte der Versuchung, in bereu Bereich schließlich manches ganz unberechtigterweise eingereikt wird, eine gewisse undcivugte Angst ausgesprochen, als könnte das Judentum. nicht im freien Zusammenhang mit den: gesamten MenschheiiSleben' erstseine entscheide,it-e geistige. Macht zur Geltung bringen. .(Sw zweites Bedenken betrifft 'das religiös Moment. selbst in der Art .seiner Berb.-mdenheit Mit dem Bolkshapeik. Hier scheint mir doch bei Birnbaum, allerdings emö.einer tieferen Einfühlung in das Volksgeistige heraus, Linegewisse UeSerwerruug' des Volles als' Massenerscheinung dorzuliegen. Weilüenn doch die Nationat-r»:l:chöse Tradition «auch, für, die einzelnen Seelen die groß? Erziehüngsstatt« gleichsam gebildet Hot, scheint nun Birnbaum alle unabhängige Vntw:cklung doch nur für ein« Art Abweg in religiösem Sinne KU halten. Und-doch ist ja ür jeder. auch in der'früheren, National enggeoundcnen Form, stliließlich alle religiöse an ltodividu-.'lle Entwicklung, gebut'de,,.- Ja, cs kann eine ' . r u in: „Ntti dir ich,'-'io.Jüdnche M '-...i Br.:ii.rr. Wiener Moygenzemmg sölche -Grundtendenz zu einer Unterbindung her geistige« Freiheit führen, welch letztere gerade auf religiösem Gebiete innerste Notwendigkeit ist. Um so mehr, würden wir gerade nach dieser Richtung hin von Birnbaum doch größere und gerechtere Klarheit erwarten, .um so mehr, als seine Gedanken wieder m bezug auf manche Seiten des religiösen Problems die volle Klarheit der Erlebnisses zeigen, sowohl nach der historischen Seite als auch namentlich in bezug auf dirs Grundverhältnis von Religion und.Ethik, worüber ent aus der „Freistatt" abgebruckter Aussatz geradezu klassische und grundlegende Worte enthält. f So können denn auch jene Bedenklichkeiten der Tendenz den starken Eindruck nicht verdunkeln, den ein machtvolles Willenspathos und eine £i$ft JnneuerkeiiutniK des Verfassers in jedem ernsten Leser wachrufen' werden. Die für ihn charakteristische Verbindung eines vulkanischen Temperaments mit durchdringender Wirllichkettserkenntnjs ist auch' in diesen Schriften --unverkermbar,. welche, jugendliches Feuer zugleich mit der Reifeder^Beobachtung und. Selbstbeobachtung und . mit dem konzentriert-«:. Abglanz einer mehr tot. Allgemeinen als in konkreten Einzelzügen erkennbaren jüdischen Geistestvelt vereinen. Wie einseitig in' der Beleuchtung und in den Konstqüenzet?, so prächtig in der Spiegelung der Erlebtheit zeigt sich auch, was Birnbaum.— .zum soundsovielten Male — über die Ostjuden sagt, . Ein besonderes Kapitel, bas. manchen - Widerspruch erregen mag, , bildet -wohl stine. Kritik des Zionismus. . In seiner heutigen Formerscheint :ihm derselbe durchaus als Jntelligenzbewegung,. das . heißt, als.. .eine Bewegung, die nicht, dem tieferen Gründen jüdischer ^Ursehnsucht entsprossen sri. Skeptisch steht.Birnbaum der Erneuerung des Hebräischen als. weltlicher Lebenssprache gegenüber, von einem Standpunkte aus, dev doch wohl di« Zusammenhänge von Geist und Leben. unterschätzt, . während er andererseits die vollshafte - Macht ..des Jiddischen in bezu^ auf. die Zukunft wohl -überschätzen-, mag. Bor allem wendet sich .Birnbaum von einem' mechanistischen Territoriums- und Staatsgedanken" ab, „der die Judenfrage von der zeitlich-weltlich-rationalen Seite irrationell, von der. ewigkeltlich-geistrich-irrationalen Seite rationell.beantworten, will". Ebener aktuell' als ernst«: Nachdenkens wert sind Wohl die Worte, in denen er in dem Aufsätze „Es gibt nur eine. Hilfe" Ne mögliche Gefahr für das. wahre Wesen unseres Volkes und wohl auch des Zionismus kennzeichnet,' die mit der Verpflanzung euxopäischamerikanischen Zivilifationssttles in Palästina verbunden wäre. Der Prophet Eliahu im jüdischen VoMsMen. Bott Jakob Krarttz. - Ueberall/ wo wir im alt-hebräischen Schrifttum Hinweise aufdie künftige Erlösung der - Menschheit, der die Erlösung des jüdischen- Volkes von ' der Galuth vorangehen, muß, finden, begegnen wir auch der lieblich anheimelnden Gestalt des Propheten der Hoffunngsfreude, Eliahu. Wenn wir' an: Sabbatäusgang die „Königin" ausdem Haufegeleiten, um . an die fechstägige schwere Arbeit ■ zu schreiten, singen wir frohgemut das Lied.des Propheten Eliahu, der die Sorgen des ganzen Volkes auf sich genommen, um, wenn die Zeit der Erlösung gekommenpünktlich zu erscheinen und unter ziveimaligem Posaunenschall die Toten wachzurufen und den Messias einzuführen in das -Reich - Judas,- das ein. Reich des Glückes, des Friedens und vor - allem des gegenseitigen Erkennens ist. Nicht an der Spitze eines Soldatenheeres hoch zu Roß, unter Waffengeklirr und Kanonendonner wirb Eliahu vor dem Messias'einherziehen, sondern schlicht, wie der Einfachste aus dem Volke, auf'einem Maultier rettend, ein Wecker der Erschlafften, der Kinder einer neuen Zeit, in der alle Menschen gleich — gleich gut oder gleich bös — sein werden. ' Der Sage nach will Eliahu seine Mission überhauptnicht eher ausführen, 'als die Melt, vor>altem aber das Volk Israel, ' völlig' ausgeglichen ist, bis die Menschen aüfgchört -habest, einander' in Neid - und Selbstsucht zu zerfleischen, bis sie sich zu dem höchsten Äoralempfinden emporgerungen haben, für einander Und nicht gegen einander zu leben. Aber-auch bis 'zft' jenem ^^Aroßim^-ag"--bleibt' der Prophet ^'Eliahu nicht - untätig. groß' und vielfältig ist seine Arbeit. 'In dem^"Herzet:*Anes jeden Juden lebend, trägt -er seinen Kummer und ist ihm Trostspender. und Hoffnungszauberer zugleich) nimmt -teil an seinen Freuden, ruft ihm aber gleichzeitig-die Endlichkeit allen Genusses in Erinnerung, führt, dem Reichen den Armen vor Augen Und zwingt ihn, mildtätig zu sein, beruhigt den 'Gelehrten, der die Wahrheit sucht und' findet sie 'nicht, daß er dereinst, wenn er den Welterlöser bringen, auch die Lösung aller-Welträtset erschließen werde. ’ ' So ist der, Prophet Eliahu für jeden guten, volksbewüßten, zukimstsgläubigen Juden^ die Quelle jenes Optimismus geworden, den man' an dem jüdischen Volke schon so oft' bewundert, hat.' ' Im Talmud wird eine Frag« aufgeworfen. Die Trlmudisten finden keine Antwort, die ihre logische DenkungS- ' art aber' auch ihr äußerst empfindsames Rechtsgefühl zu befriedigen vermöchtet Der Scharfsinn der "größten Geister' versagt. Man fühlt beim Lesen 'solcher' Stellen gewissermaßen den tiefen Schmerz der Währheitsucher über die menschlich« Unzulänglichkeit, die selbst den Gottbegnadeten unter den Menschen anhofiet, man' empfindet förmlich die Tragik, die in der 'Begrenztheit menschlichen Denkens liegt. 'Da kapituliert der stolze Geist, da ergibt sich bi*r Schöpfer menschlicher Gesetze und nitnmt Zuflucht 'zu der erlösendrn' Formel: „Tito!"- Tischöi jetarez tofch'joth ubaajoti Tischbi, der Prophet Eliahu, wird Anstvort dr'ttgtsti auf ungelöste Fragen und Dilemmen! ^uvtrst, Erinncrunq an bi« mnnbetbar« Befreinnz ' UM detz PertzpcsHfinmK. daÄHej; /a, vptft mcf ' ■ ■ , E'M bet Freude wird mit der schönen Sitte der gegenseitige«! > Beschenkung gefeiert. Da8 arme Waisenkind hat niemanden, der es. beschenken würde. Die Freude, die es umgibt, erhöht nur den Schmerz der eigenen Armut und Verlassenheit. Die Reichen und Vergnügten könnten > leicht seiner vergessen; das arme Kind fühlt sich wie ausgestoßen auS der Gemeinschaft. Da erscheint ihm der Prophet Eliah», : ntotmt eS an der Hand, führt eS an die Türen der Besitzenden mit den' reich gedeckten "Tischen und das Kind - mit der '.Apfelsine auf einem verdeckten Tellerchen meldet .> frisch und froh: „Der Prophet Eliahu schickt Schlachmones!"... Wer . wollte es wagen, dem Propheten Eliahu den Einlaß zu wehren? Wer kann dieser -Mahnung des großen Ge- > sandten Gottes widerstehen, der «tost vpn den.Toten unh von den Lebenden-Rechenschaft fordern, für die Mildherzigen , zeugen, gegen diejenigen, die rohen Gemütes sind, zu Gericht >, gehen wird? Und der'.kleine v verwaiste Dolmetsch .beS. Propheten Eliahu hat seinen vergnügte» Tag . .... *.. . Pessach, das Fest der Haggadah, der Erzählung von " der Befreiung aus dem Sklavenjoch,, das Fest der Hoffnung - auf eine bessere Zulunft, ist so recht ein jüdisches Familie»! . fest, das ohne Tischgenossenschaft des Propheten Eliahu gar.. nicht gedacht werden könnte. Ein Fest,- das. mit der Vn-; ladung an alle Hungrigen und. Bedürftigen, an dem Mahle beim „Brote de- Elends" teilzunehmen, itttt dem aus tiefstem. Herzen sich emporringenden VerzweiflimgS- und Hoffnungsschrei: >,Dieses Jahr hier, im nächsten Jahre im Lande JsvaelS!^ eingeleitet wird, wäre unvollkommen.. wenn nicht der «nt« uns weilte, dessen Wiederkehr in Menschengestalt wir. st heiß ersehnen, von dessen erlösender Mission wir alle erfüllt - sind; an deren Erfüllung.wir selbst.schon seit zwei Jahrtaufenden arbeiten, ohne «s zu wissen,, ja oft ohne «Sf. zu wollen. '. . Der fünfbe Becher am Seberabende gehört dem Prvphebvt.. Eliahu, der an diesen Abenden in jedes Juden Haus. erscheint, um den Gebrückten zum AuSharren aufzuntontern und in ihm die Zuversicht zu erwecken, daß . auch Re Leibe»' . des jüdischen Volkes ein Ende nehmen müssen, wen» i der , Glaube an die Idee, ' die der Prophet Eliahu versinnbildlicht, in uns nicht erstirbt. Wer von uns, bee das Glück hatte, im Hause seiner Eltern in einer jüdische» Atmosphärs einen Seder nach älter Sitte mitzuerlebett," hat nicht in jenem Augenblick, da die Türe' geöffnet wurde« ' um dem Propheten Eliahu Einlaß zu. gewähren, die Empfindung gehabt, daß ex selbst ein Seher geworden fei« der in die Zukunft seines-Volkeblickt Und ans ihr Kraft / und Selbstvertrauen schöpft? Und wer von uns hat nicht scheu nach dem Gaste hingeschielt, den wir zu Tisch» luden, um unS vor dem Propheten zu legitimieren, daß wir gewillt;; sind, in einem erlöst^r^ Judentum die Ünterschiede, zwischm Reich und' .Ärix,.'.MkschÄ^.tz^LM. 9Hebee': ay^züh<jh«t^.«D^. wir nur so der Erlösung würdig stin können? ''7 ■ '. '■ ’ ' - " ' ©et Prophet Eliahu, die große Zahl der Legende», die sich um seine Gestalt gebildet Haben, sein * Fortwirtzk im jüdischen Volksleben, find wie wenige andere SchSpfuwgen jüdischen Kulturlebens geeignet, erzieherisch z» wirken, - Die Nutzbarmachung des Eliahukultus für die Belebung, und' Auffrischung jüdischen Innenlebens harrt noch deS Meisters dieses herrlichen Stoffes. Es wäre lohnende und dankbare Arbeit. . Abarbanel. Bon S. M ei sei«. An den Namen Abarbanel knüpft sich die Erinns-' rimg an die furchtbarste Tragödie m der jüdischen Ge-'. schichte. Wir sehen ein Volk aus dem Boden entwurzeln ' und in die Fremde jagen. Innerhalb vier Monate und bei Todesstrafe müssen die Juden Spaniens aus den Gebietsteilen Kastiliens, Aragoniens, Siziliens uNd ' Sardiniens auswandern — heißt's im Edikt des Königs Ferdinand. Das heißt einem Kranken genau bestimmen, wann sein letztes Stündlein geschlagen hat—h- RDGVC /E»eKa machen kein Hehl daraus, daß sie dem Gott der Liebe dieses Opfer bringen, ein Dankopfer dafür, daß - das herrliche heidnische Granada in ihre christlichen Hände siel. Dreihünderttausend Menschen gingen ins Exil, dreihunderttausend Menschen — Hekatomben —wahrlich, ei»; stattliches Ops^r, wie eS kein Zeus je gesehen . .. Sie' mutzten nicht auswandern: es' gab einen Rettungsweg, der durchs „Wasser" führte. Viele gingen ihn Und", blieben im Lande. Aber das.GroS. das.Volk, schwanktekeinen Augenblick. Die dreihunderttausend Auswandernden folgten einem inneren Instinkt, einem ' Herzet^trieb, ohne erst das Für und Wider zu über-' legen. Vor die Alternative gestellt: christliche Spanier und eine Heimat oder spanische Juden und Auswanderung — wählten sie ohne weiteres das letztere. Sie ver- ' ließen die Heimat, obwohl sie keine schlechteren Patriotenttiaren als die Zurückgebliebene,:. Aus die Frage, ob ' in. ihnen der Spanier oder der Jude die Hegemonie be^ saß, ist in ihrer Auswanderung keine definitive Antwort enthalten. Die Auswanderung beweist nur, daß diese Menschen, die seit der Auflösung ihres Reiches - mit^ zwei Attributen durch die Welt ioandörn' («» ist bezeichnend, daß selbst die Juden Palästinas „patästinensische. Inden" genannt werden?), sich und ihren zwei ' Attributen treu geblieben sind. Sie sind m der Kreide ‘ bis auf den heutigen Tag spanische Juden geblieben. ' Ja. sie liebten ihre spanische Hei inat. sie siebten sie jö ' sehr, daß sie es als Schmach empfunden hätten, sie durch' Luge Und Treubrüch zu erkaufen. Die Chroniken erzählen, sie hatten vor der Auswanderung drei Tage und drei Nächte lang auf den Gräbern ihrer Vvrwhren gesesimr und geweint, und der Bodev tim dto letzt« Wümmm .dio-^