Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 431 (3.4.1920)
- Date
- 1920-04-03
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 6 . /Men. Samstag i H, - ... ->»»-» .. ”» m naaiMW Bor Anbrrrch der Nacht machte Ich noch einen Sprung' ga den Eltern, um über die Erlebnisse des Tages zu bo-' richten. ' Zum Mendgebet ging ich mit dem Vater in die große Synagoge und nach Absingung des Sattels" begab ich miü, stolz und erwartungsvoll mit meiner .Hagadah" — ein Geschenk des Großvaters —'in das Haus der Groß^ eitern. Eine blendende Helligkeit und unsagbar wonnige, aber' geheimnisvolle Stimmung erfüllten den Raun), als ich denselben betreten. Der Tisch war für den Seder bereits her- (erichtet. Im scchsarmigen, vom Plafond herabhängenden- Messingleuchter, einem von den Ahnen übernommenes Erbstück, flamm ien würdevoll d^e Kerzen. Arn Tische brannten außerdem vier Kerzen in Silberleuchtern und zwei Oelsiammen in uralten kunstvoll^: Glasleuchtern, die, meine Großmutter nach alter Sitte neben den Kerzen' an jedem Freitagabend anzuzünden pflegte. Nachdem noch manche Vorbevkitungen getroffen waren, legte der Großvater^ seinen " ,Kittel' und die mit feinem, zarten Goldtverk geschmückte Kappe an und nun begann das Füllen der Becher mit dem. köstlichsten aller Getränke — mit dem Wem aus.Erez Israel. Auch mein kleiner Becher wurde zu meinem Entzücken mit. diesem wunderbaren Safte gefüllt. In der Mitte des Tisches stand ein besonders schöner und größer Silberpokal, der. Becher des Eliahu. Mir schien es, daß Großvater ihn, mit ganz besonderer Weihe und Andacht fülle. Aus diesem Becher wird Eliahu, den ich bald , sehen werde. Heute trinken. Ich sah, baß er bis an den Rand gefüllt wurde, und nahm mir vor, später genau festzustellen, wieviel Eliahu davon getrunken hatte. Ein Umstand fiel mir nicht wenig ans. Neben dem ,Hesselelt", auf dem der Großvater sitzen sollte, stand ein Stuhl und auf demselben lag eine Menge, großer Folianten, Lalmudtraktate und anderer gelehrter Bücher. Ich begriff nicht, - wozu die jetzt eigentlich zum . Seder, bei dem doch nicht „gelernt', sondern bloß die Hagadah gesagt^ und gedeutet wird, hergeschasst worden sind. Doch wagte ich di? Frage nicht und erwartete, was da kommen sollte. Nun ging es endlich zum Seder, Zu Tisch kamen außer den Großeltern, der s jüdischen Köchin und mir noch ein ,O>rach" ans Erez Israel. Es war dies Rabbi Mendel, Rudniker, ein sehr gelehrter Mann aus. Palästina, für Peßach Gast meines Großvaters. Ich erhielt meinen Platz glück-, lichertveif? an dem zu in „Hessebett" hergerichteten Sofa zu. Füßen meines Großvaters, der Tür gegenüber, durch die ich Eliahu kommen sehen sollte. ' ■;*. Im Hause herrschte eilte sonderbar weihevolle Stimmung. Die Ruhe und der stille Ernst -stachen eigentümlich ab von unserem im Elternhause durch muntere Kinderstimmen getragenen Frohmut am Seder. Ein Bergnügtsein war auch hier auf allen Gesichtern.. . zu lesen/ die Stimmung jedoch wie von etwas mystisch Geheimnisvollem getragen. Mein Großvater war — und das-wußte ich — rlicb't nur im Talmud, sondern auch in der Kabbalah zu Hause . l . Ich war wie betäubt. Ich ahnte, daß ich heute an einem nicht gewöhnlichen Seder' teilnehme. Als ich nach dem .Kiddusch" den ersten Becher, zum Gaudium Werner Großeltern, bis auf den letzten Tropfen geleert und bann die vier. „Kaschjot" zu fragen begann, erstrahlten die Augen meines Großvaters in so viel Glückseligkeit, wie ich es weder früher noch später bei ihm gesehen, hatte. Dieser Mo mein scheint der Hauptgrund gewesen zu sein, weshalb er mich zum Seder verlangt hatte. Schon lange, sehr lange ist es her,. seitdem er seinen einzigen Sohn in ein Weibes, fremdes Land verheiratet, daß sich fein Ohr an diesen Klängen nicht mehr erfreuen durfte; nun hörte er im' späten Dreisen alter die vier Kaschjot wieder ans der kindlichen Kehle seines Nachkommen, dem Sohne seiner 'Tochter. Als ich' yber die vier Kaschjöt geendet und dem ersehnten Moment «ähergerückt zu sein glaubte, erlebte ich eine bittere Enttäuschung. Kanni waren einige Satze der Hergadah singend voraetragen, als mein Großvater verschiedene gelehrte Deutungen und Auslegungen einzelner markanter Stellen begann Rtnd sich mit Rabbi Mendel-in lange gelehrte Diskussionen «inließ, wobei er jedesmal einen anderen Folianten von dem En seiner Nähe stehenden Stuhle hervorzog,'um aus demselben vorzutragen. Es schien, daß der erste Teil der Hagadah Nie zu Ende gelesen sein würde. Es war schon nach zehn - »n der Nacht, als die erste Sederhälfte glücklich mit dem zweiten Becher Weines geendet und endlich, nachdem die dorgeschrieb'enen Kräuter und Eier verteilt worden waren) was Auch ziemlich geraume Zeit in Ausbruch nahm, man mit tetit Nachtmahl begann. Ich verging vor Ungeduld und war froh, als man mit dem Fisch zu Ende war und schon die Suppe mit den Knödeln aufgetcagen wurde. Ich freute mich «un, dasich bald auch schon die zweite Etappe, das Nachtmahl, hinter mir haben würde und der Ankunft Eliahus Näher ser. Allein das Mahl wollte zu meinem Leid kein Ende nehmen. Immerdar. begannen zwischen den verschiedenen Gerichten neue gelehrte Diskussionen und Deutungen über bas Wunder des Auszuges aus Aegypten und wurden unermüdltch fortgesetzt. Ich wußte, obzwar mir jede Minute fast unendlich lang schien, baß ich aus harren müsse. Einschlafen durfte ich keineswegs, obzwar dies mir jetzt nicht leicht zu werden begann. Allmählich fühlte ich, daß mir der Kopf schwerer wurde und es vor den Augen zu flimmern begann. Duletzte, fast zur Gänze durchwacht« Nacht, die Aufregung ' c-eS Tages und nicht zu allerletzt die beide» Becher des süßen aber schweren Palästmaweines begannen Mich die Folgen spüren zu lassen. Eine unbeschreibliche Müdigkeit bemächtigte sich meiner immer mehr und mehr. Wie Ble'- lastete to schwer ans meinen Lidern und nur mit schwerer Not vermochte ich, meine Augen offen zu halten. 'Schämte ich mich nicht vor den Großeltern und auch vor nur selber, Ich würde mich gerne ein wenig hingelcgt haöc-r, Aa mir iixrs Sitzen schyn unmo.siich schien. Doch sei es, wie es j-yzlsr, ich dar'' nicht erschlaffen! Hier treibt vielleicht der 'Wkeuer Morge«zettrmg Der Crbr. . Don W«c Flrtsltzrr. Seit vielen tausend Jahren rollrn Wir auf der Erde» wie ein Ring. , Wein Schritt ist zages WritrrwvÜen In Spuren, dir der Ahne ging. Er hieb sich Stvinr zu und fällte Sich Me Stämme für rin Haus. Dann kam rin jäher Blitz und spellte > Ihn selbst und warf die Brut hinaus. Doch jeder Sohn war eine Kelle, Ein Richtmaß jede unsrer Frau, Änd alle trieb die alte Welle Des Bluts» das alte Haus;u bau'n. Detz hupst mein Her; in heller Freude, * Detz blinkt, rin blanker Schild, mein Mut. Ich baue mir mein Weltgebaudr Musi ausend Jahre altem Blut. Satan sein Spiel. Ich muß. mutig und tapfer aushalten und auf keinen Fall einschlafen! 6)aL Mahl war endlich zu Ende und der „Afikomen" verteilt.' Das Benschen sang der Großvater mit wundervoller Stimme. Schon wurde der Segensspruch zum dritten Becher gesagt. Der große Moment ist gekommen. Im Hause ist cs' still. Mit angestrengter scharfer Aufmerksamkeit richtete ich' meinen Blick in jene Richtung, wo der Heißerwartete eintreten soll. Nun ging''die Tür auf. Mir schwindelte es vor den Augen. ,An der Schwelle war die Gestalt eines ehrwürdigen Greises sichtbar.' Ein heiliger Schimmer wie der Abglanz der' Göttlichkeit durchleuchtete sein Angesicht. Gerade so hatte ich Eliahu einst in meinen Kindertramnen gesehen und so sehe ich ihn nun wachenden'Auges. Ein langer schneeweißer Bart, der bis an den breiten Gurt herabwöllt, umsäumte sein gutes, aber ernstes Gesicht und sein-hoher, schöner Leib war in einen schimmernden Seidenmäntel, der an-den vier Ecken lang«' nach schleppende „Zizrt" trug, gehüllt. Nachdem er die Hand auf die „Mesuse" an dem Türpfosten gelegt, näherte er sich langsamen bedächtigen Schrittes unserem Tische. Ehrfürchtig erhoben ~ sich die Männer, auch ich^ und. Loten ihm die Hand zum „Schalom aleichem"-Gruße. Schweigend und voller Würde griff er dann zu'dem für ihn bestimmten, in der Mitte des Tisches stehenden Pokal. Nachdem er halblaut.die „B'rochoh"' gesagt und vom - Weine genippt hatte,' stellte er ihn - wieder auf seinen früheren Platz zurück. In unsagbarer Spannung und wie beklommen - verfolgte ich jede seiner Beilegungen, daß mir ja keine derselben verloren'gehe. .Mein Blick schien sich in 'ihn hineinzübohren. Ich suchte, seine Äugen und sein Gesicht mir tief Änzuprägen. Ein. zweites Mal sieht ihn ein Sterblicher in seinem irdischen Leben nichts wieder^ Ich wüßte'es wohl, was dieser gnrße Moment* für mich und mein Leben bedeutete. ' (Kaum hatte Eliahu den .Pokal Hingesteltt, als mein Herz plötzlich zu hämmern begann. Eliahu warf eine« zwar -liebevollen aber doch von Ernst erfüllten Mick auf mich und begann seine langsamen Schritte geradeaus auf mich zu richten. Mein Blut schien zu stocken, mir wollte der Atem ausgehen. Ich sammelte * alle meine Energie und beschloß, obzwar ich wußte, daß ich nicht tvenig verwirrt und ' nicht ganz Herr meiner selbst bin, mich doch nach! Möglichkeir mutig und würdig dieses großen Augenblickes zu zeigen. Eliahu war zu mir gekommen, ich wollte, wie eS sich geziemt, in Ehrerbietung vor dem greisen Propheten, von meinem Sitze aufstehen, aber zu meinem furchtbaren Schrecken saß ich, wie durch Zauberspruch festgebannt, da und konntemich unmöglicherheben. Mle Anstrengung schien vergeblu,. Wie angenagelt mußte ichunbeweglich dasitzen. Zu meiner Beruhigung schien Eliahu, zu dem ich mit; flehentlichen Augen entporblickte, - ihm stumm mein« Pein klagend, die Despektierlich keit meines Benehmens keineswegs zu beachten. Sanft legte er seine'' fch^esi^weißen Hände auf mein Haupt —' ö welch wonniger Augenblick! — und die Augen zum Himmel gerichtet, sprach er langsam unb mit Inbrunst den alten'üblichen Segen. Meine Beklommenheit schwand. Ich faßte wieder Mut. -,Mie heißt du, mein Kind?" fragte mich Eliahu. liebevoll und seine Stimme klang so zärtlich und herzgewinnend, daß es mit wie ein erquickender Frühlingshauch durch di« Seele ging. Fest rmd unerschrocken nannte ich meinen .Namen. - ,Mas lernst du jetzt?" fragte-, er mich weiter. Ich nannte ihm den Tulmudtraktat, dessen Studium ich im letzten Semester oblag. „Dann komm her zu mir, ich will dich verhören und sehen, was du kannst, sagte Eliahu und ergriff sanft meine Hand. Ich versuchte aufzustehen, aber zu meinem Schrecken vermochte ich mich auch' jetzt nicht von meinem Platze zu erheben. Wieder schaute ich mit tranenerfüllten Augen zu Eliahu empor, wortlos mein Unglück klagend. „Nun, komm doch, mein Kind!" rief Eliahu zwar liebevoll, aber fester, und ergriff meinen Arm. Ich versuchte mich, zu erheben. Doch siehe da, ich befand mich jetzt, wie durch einen Zauberspruch, in ganz verändert«: Umgebung. Ich öffnete weit die Augen. Im Zimmer war es schon ziemlich dunkel. Die Kerzen. am Hängeleuchter und am Tische waren bereits ausgebrannt, nur in den Glasleuchtern zuckten noch die schwache« Flammen der Oellamprn. Am Tische, lagen einige der großen Folianten verstreut. Nabbt Mendel war nicht da; er schien schon längst nach Hatrse gegangen zu sein. Auch die Großmutter war nicht zu sehen, sie schien nach der schweren Tagesaxbeit sich bereits zur Ruhe begeben zu haben. Neben s. MM mb m m Air stand der Großvater und griff «ich stylst bei« Mach.' ,Komrn, geh' zu Bett", — sagte « liebevoll lächelnd «*: „schade, daß btt eingeschlafen bist. Du hättest Eliahu sthaf können, er war hier und wollte dich sogar verhören, mot wollte ich dich nicht werke«. Du hattest so sch-« mA fest geschlafen. Nun komm aber zu Bett, es ist schon sth» spät. Im., nächsten Iah« sollst dtt Eliahu bet miß sehen, ivenn du nicht wieder einschläfst." Aber; Großvater" —- rief ich nicht wenig erstaunt ** „ich Habe ja soeben Eliahu gesehen, er hat mich sogar gesegnet; auch verhören wollte er mich, als-er, ich weG nicht wie, plötzlich vrrschwand." ,Mirklich?" erwidert» der Großvater lächelnd — „komm nur jetzt schlafen, morgen wollen wir darüber «de»." Still hob er mich auf seins Arme, entkleidete mich und mit der Bemerkung, daß ich heute, am „Leil Schimurim", an der Gott selber für uns- Wache hält, kein. ,Lriach-Schma" sage» brauche, brachte <* mich mehr schlafend als wachend auf mein Lager. Ich fühlto noch den Kuß, den mir der Großvater auf die Stirne gedrückt, und versank in einen tiefen Schlaf. Ich hatte Eliahu gesehen und gesegnet hat er mich auch. Batzen ber Wie«, 14. Nisa« 5680. Jüdische Feiertagslieder. Don Dr. Konrad Maril. Wenn es der Forschungsarbeit gelingt, in die Geheimnis e-des Ursprungs jüdischer Gesänge «inzudringeu wo mögen wir dann ihre, Heimat finden? Sind es die rauschenden, sonnedurchMhen palästinensischen. Haine, aus denen de« Sängern jene Melodien zuflossen. sind es die Lagerfeuer des " wandernden Volkes, a« denen sie zum erstenmal erklangen; oder hörten die Steppen Litauens, die Weideflächen Rumäniens, dis: Märkte und Straßen Spaniens^ als erste diese früh« lichen und wehmütigen Weisen; deutet ihr" Klang und ■ ihr Habitus auf solche erdhafte, naturverwobene Entsteh ungsart? Oder ist es nicht vielmehr der jüdischen Artung gemäßer, aus den Hallen des Gotteshauses, aus der stillen, büchererfüllden Stttbe, beim ierzenerleuchteten Festmahl der Familie das Lied aufsteigen zu lassen, mit dem die S^ele ihren Aufschwung zu Gott nimmt, zu einem Gott, der allumfassend an irdischer Fröhlichkeit gleichermaßen wie an. der' Ent-' rückung mystischer Verzückung seinen Dnieil nimnst. So mag der jüdische Gesang zu großem Teile Gottest ienst gewesen sein, Gottesdienst im T?mpel. mit den sakralen Rhythmen der Priesterschaft, Gottesdienst .ip - der Familie, wo der Hausvater die Feeirrlicb'lcht religiöser Zeremonien wahrte oder in der von stärksten suggestiven Kräften erfüllten Sphäre der chassidischen ■ Wundermänner.^m religiös n Gesang mögen am treueste» die altarligen Fprnien-' jüdischer MlätenLiLung-erhal-tzr«-^ fein, die.charatiLristischen Tonfolgen und DontzeschLechter,? die noch unleugbar das ehrfurchtgebietendie Alter.des orientalischen Ursprungs zeigen. Sowie wie jene'Lieber' damals erdmlen, als das Volk noch im erworbenen unh ererbtem Lande saß, werden wir sie wohl nicht mehr vernehmen, Konklusionen der Wissenschaft werden mrs das lebendige Klangbild jener Urmusik nicht vorzauberü können. Und wer weiß, ob ünsere Ohren noch willig wären, sie, zu vernehmen! Der feine Sinn für jene einfachen Formen der Musi? scheint , uns ohnehin abhanden gekommen zu sein. Wie wäre es anders zu erklären, daß. wir heute kaum imstande sind, die musikalischen Relignien der Vergangenheit in einer wahrhaft, strlgemäßen Form dem Hörer zugänglich zu machen. Was heule an lBearbeitungen jüdischer Musikstücke vorliegt, zeigt meist die krankhafte Sucht, jene einzigartige« Gebilde geivaltsam in das System der europäischen Rhythmik und Harmonik einzuzwängeu. Wie sollen diearmen Bluten duften, wenn sie in das löschpapierene Herbaritlm schülerhafter Harmonisierungsversuche preßt werden, obendrein beschwert mit dem günzenlästigen Gewicht selbstgefälliger Lobpreiser und Ausbeuter? Hier kann es nur «inen Ausweg geben. Als man mit Raffael den Gipfel der malerischen Kunst erreicht glaubte, griff man auf eine frühere Periode der Malerei zurück und gedachte, von einer tiefer liegende» Stufe der. Entwicklung zu einem sonst unzugängliche« Höhenpunkte zu gelangen. Ein solcher PräraffaelitismuZ müßte auch im Musikalischen geschaffen werden, wen« eine Renaissance der jüdischen Musik in unserer Zeit ins Leben gerufen werden soll. Zu solchen Betrachtungen gibt ein Band gesammelter jüdischer Feiertagslieder Anlaß *), der vor Jahresfrist erschien, aJbzz jetzt, da wieder ein jüdisches Fest gekommen ist, . seine Bestimmung erfülle» soll. In würdiger Ausstattung, von Künstlechand geschmückt läßt sein Inhalt doch alle. Vedenken unwiderkryt, di« im. Vorhergehenden berührt wurden. Arno Rüde f, der als Bearbeiter von schönster Begeisterung und vo« den löblichsten Absichten beseelt war, konnte ote Klipps der Stilgemäßheit nicht umgehen, er ist damn HÄ scheitert. Dem aus elf. Heften bssteherrden Werk fehlt vor allem die Ernhettlichkeit der Bearbeitung. Wir fürden ein Gemisch aus harmlosester Kapellmeistermusik, rezitativischen. Akkompagnements, Brahmschen Atkovlp Zerlegungen und^ ähnttchün musikalischen ReminiszenzL« im Gegleitungsteil zu den getvahlten Liedern. Abgesehc» von handgreiflichen müsikalisch-cn Entgleisungea wie beispirlsw-eise gleich im ersten Takt des „MoaüS zur", das Prinzip in jede«: der Feicrtägshefte je ein hebräisches nnd eien jiddisches Lied zu veveinigen, entsprich! einer gar zu peniblen Gevechtigkeit. Auch gegen die allzu persönliche. Art. wie Arno Nadel sich gleichssm . Jvntesflieder. Jüdischer Verlag, BeM, m% wmmgzmzen