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Wiener Morgenzeitung · 1920-03-30 · Heft 427 (30.3.1920) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 427 (30.3.1920)
Date
1920-03-30
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Wim, Dienstag Miene» Mor<i«nze»e«nch TelegmmmL. Die Fviedensverhattdlttttgen mit Sowiotrutzland. Polen sendet seine ^riedensunterhändler nachBorysow > Most««, 29. Marz. (Funkspruch.) Auf das Friedensangebot der Sowietregiertutg hat die polnische Legierung riritgeteilt, daß sie bereit sei, ihre Vertreter rm 10. April in die Stadt .Bovysoiv ab zu sendest. Moskan. 29. März. (Fimlspruch.) Die lettische Nehrung hat den Bolkskonrmissäv des Aeitßern verständigt, dast. sie bereit sei, mit der Sotvietregierung in den ersten Tagen des Monats Llpril in Moskau in Ariedonsverhandlungen zu. Ireten.- Wahlert in die Jüdische Nationalversammlung in der Türkei. . Kchsta«tii»op?l, 25. März. (I. K. B ) Am 7and .8.- März haben in der ganzen- Türkei die vom Großxabbinat organisierten LDahlen in hie Jüdische Nationalversammlung stattgefunden. Alle Juden vom 20. Lebensjahre an wurde» arrfgefordert, sich an den Hahlen zu beteiligen; ein Ünetrschied Mische» etnge- -vrnen und zugewanderten Juden wird nicht geinacht. sobald die Wahlberechtigten erklären, daß die Türkeiihr ständiger Wohnsitz geworden ist. Der Frieden-Vertrag mit der Türkei. Versäumen Sie nicht die Gelegenheit! ¥ Erfolgreich inserieren Sie in unserer PASSAH I welche Samstag den 3. April I. J. In bedeutend verstärkter Auflage als Propaganda - Nummer erscheint und in grosser Anzahl nach Polen, Tschecho-Slowakei, Jugoslawien, Bukowina etc. Pari-, 29. März. (Funkspruch.) >. Matin" meldet WS London, daß der Fnedensvertrag mit der Türkei rm 2. April fertiggestellt sein werde. In San Renw werde der Vertrag noch einmal geprüft und von Marschall Fach hesynders auf die militärischen Destimmungen hin durchgesehen werden. verdat der avtiziynistischen Demonftratiynen in Palästina. London, 35. März. (I.A. B ) Pie zionistische Zentrale in London hat am 17. März «in Telegramm erhalten, daß der militärische Verwalter von Jerusalem in einer Kund nt « ch »» g antizioniftische Demonstrationen und Umzüge verbotest hat. Emir Faisul gegen den Obersten Rat. Paris» 39. März. Nqch Meldvnqru uns Damaskus sei . Emir Faisul entschlossen, der Aufforderung des Obersten Rate-, «ach Europa zu kommen, um dte Unterhandlungen wieder »nfzunchmen, nicht eher Folge zu leisten, als bis er als König oö» Syrien anerkannt fei. Der syrische Kongreß habe diese Haltung Faisuls gebilligt. Falinl hat den General Mury Said bcqustragt, sich nach Europa zu begehen, W die Verhandlungen vörznber'ette». Der General ist yvr einigen Tage« nach Paris SsgerE ' Nach Berichte« ans hem?yhan»«-Gebiet stzmche sich die öffentliche Meinung diese- Gebieteoffen zugunsten der Errichtung' einer demokratische« Republik aus. < Osgim-iß Umtrißbe AeWlS. chherhs, -ß- Mrz. (Funkspnuch.) Stach Molbungsn LUS 'Kairo hat in Baabda im Libanon ein von zahlreichen Vertreter» der. Libanon-Völkerschaften besuchter Kongreß stattgefunden, der gsgan dis Ausrufung des Emirs Faisul als König von Syrien p.r o te st io v X und dis voll« Msibhünstigksit Syriens vAltzngt hat. Der Kongreß hat heschlossM, als Nationalflagge die französische Flagge mit einer gxünM Fchex im wttßen Feld a»z»nHht»e». Die Libanonflagge wurde hieraus aus tzem Negierungsgebäudk von Ambdia versendet wird. Zperialrubrjk: Import--Export. Normaler Tarif. Apk Wunsch Details durch unsere Vertreter oder telephonisch (Nr. 44-0-36). Inseratenannahme für 3. oder 4. April biß Freitog den 2. April mittags. Die Grenze« Armeniens.!' PMS, März. (Funkspruch.) „Petit Wrisjen" meldet aus London, daß sich die Konferenz am Samstag nüt hex armenischen Frage beschäftigt und die Grenzen Armeniens festgesetzt hat. Dem Wunsche Wilsons entsprechend habe Armenien eiuen Ausgang zum Meere bekommen und zwar erhalte es hie Suzeränität über Lazistan zwischen Datum und Trapezunt, mit Ausschluß dieser beiden Häfen. Bafnm werde ejus Sonderverfassnng erhalten und Trapezunt bes der Türkei verbleiben^ Der amerikanische Hengt habe sich für bis Ausrüstung her armenischst Axtyes ausgMrochen.unh beantragt, ein amerikanisches Kriegsschiff M LandungZniaunschaftm nach Datum zu senden, um die Bahnlinie Datum—Baku zu schützest, Dm verbündeten Regierungen schlössen aus der veränderten Haltung des amerikanischen Senats, daß hie Vereinigten Staaten sich binnen kurzem an der Regelung der Oeientfragen beteiligen werden. Gegen eine neue Kandivatnr Wilsons. Paris, 29. März. Nach Washingtoner Meldungen hat im Repräsentantenhause der Redner der Demokratenpartei unter lebhaftem Beifgls seiner ParteigmyM an den Präsidenten Wilson die Anftage gerichtet, ob er beabsichtige, ein drittesmal für die Präsidentschaft zu kandidiere!!. Er fügte hinzu, daß die Partei eine dreimalige Erneuerung hes Prästdentfchafts- Mandats nicht gestatten würde. E'«!—! «^«^5-. -SS1.! Konzerte. Gustav Mahler regiert die Saison. NeUordingS war es daß „kiab von der Erde", das mit drei Wiederholungen die großen Massen anzog. Gerade von diesem ganz Oer* innerlichten Werls geht immer stärkere Oirkung aus und eö sticht an Popularität den „Kindectatentteheyn" nicht mehr nßch. Bet Heu Aufführungen, dis yskar Fried leitete, hatte mau «tue neue Qrchesterausfrellüng inrprovisiert. Die Musiker saßen in gleiche« Ebene mit dem Parkett, eine rät bespannte Rückwand trennte sie von dem Publikum auf den Podiltmsitzen. Ein Urteil über die angeblich verbessert« akustische Wirkung ebzugeben. ist für den Einzelnen schwer. Gin demokratischer Pkttslkrozensent hat sich kürzlich Über den Kritiker auf dem Parkettsessel" entrüstet, der über hie Klangwirkung einseitig Betrachtu»(jer anstelkt, ohne zu hedanken, ww verschiedenartig der Gesgmtklang von den verschiedenen Gihkategorien eines Konzerthauses aus wahrgenommen wirst. Im vorliegenden Fall war dt,rchschntttlich ein hesseros Hören von den höher gelegeiten Logen und Galerien aus zu koustatieren. Optlsch-aesthatlfch kann mau es W Gewinn betrachten, wenn die Arbeit des Archestexß dyn Blicken des Publikums etwas eiitzpM wirb. Dagegen wirken di« Laute, die vom Podium in hm xythespannten Qrchesterkrqtek htnuntekstarren, als schwere Jllusionsstörung. Madame Cahier fang die Altpaxtien im Geiste der von ihr stets lebendig ausgenontinegen Mahlerfche» Musikintensität. Wnn sw Wch klssstschckühlßr WtM SlS Duhan vox einem Wpe, so empfand man doch die Deschtms dieses Partie mtt einer Altstimme als dam NustMmrntottonShttd angenwssetwv. Her« F is ch e«-N i e m»«n war fehl am Ort. Das HM Norg Mist hoch besser gemacht, Hie Dirigenten- WnnA Frieds bot ein ungleich mäßige» Wd. Sr scheint M den Ausbau großzügiger Architeitontk MlMtee zn sein al» für dis Gttinmunqß- und VleiMalerei Aßtster Mliküli- -Wm'-9u&'r Die vierte Symphonie von Mahler, die heitere, mozartsüchtige, mit dem Schlußgesang psn den himmlischen Freuden, hätte sich Anton §tonrattz fstr ha§ Mtammsondskonzert der Tonkünstler gewählt, ei.tr Dirigent, der sicherlich stets das Höchst« afistrebs, qher oft vom Ideal Mleibt, Dieser Mend war ihnl hold». Die Symphonie, deren Gesangsteil 5Nara M n j r'l mehr korrekt gls verklärt hnkchführte, erklang in guter Stimmung, besser «och geriet seiner stürmischen Lebendigkeit dev,,Don Juan" von Strauß mit seinem über manche Seichtheiten hinwegbrausenden Gefiihlssturm. Zwei Straußlieder, von D uh a n, .im Kampfe gegen einen Anfall von Heiserkeit gesungen, stellten da§ verbinderrde MitteV- Bed zwischen den symphonischen Merlen dax. Ein Orchesterkonzert nnber Rudolf RilivS, eimm als routinierten Knrorchesterdirigeuten bekannten Musiker, der es mit dieser Veranstaltung neuerdings bestätigte, vermittelte die Bekanntschaft mit Michael Bo hnen, einem Baßbaviton von ungewöhttlichem Stimmumfang.' Er ist Mimster und 'Schauspieler von Rang, und hätte er seine GosangSkunst nicht so stark auf Efsektwirkung gestellt, würbe er auch hier als einer der Ersten gelten. In Wien wird er Hans Duhan wohl nicht in den Schatten stellen können. Gleichwohl gab «S einen echten und starken Erfolg. In der Rubrik Gefangskonzerts zeigte sich wieder ein bedrohliches Anschwellen des Gahotenep. Bei einem Gustav Wähler,Aßend tvap DMa Gisuep, dre nunmehr Wien verläßt, zum letzten Male im Konzerthaussaqk z« hören. Sie vereinigte sich mit A. I. Bo put tau und dem a«?sezeich?reten Mhsertuterpveten'Wilhelm G« o f> am Flügel zu einer stimmungsreichen Wiedergabe einiger Wundfirhornlieder, die allen Beteiligten auf das schönste gelang. TMa W agnss hat mit ihrem zweiten Likderahentz den überaus wirkung-vyllen Eindruck ihres Debüt» bestätigt. Sie läßt die Sängerin neben der Schauspielerin picht rn Art komrneu M!v gestaltet jeüeK ihvee Sicher, SO, «W, um’ k«M'» ' .■■«—II i —I— 1 I. rr- _ Der Korrespondent des .Echo de Paris" meldet das; die Führer der Demokretenparlei sich vereinigt haben, um eine Kandidatur Wilsons, die dieser beab« sichtige, unmöglich zu machen. ]:'i Cecil gegen die französische Unnachgiebigker^ Amsterdam,?8. März. Den englischen Blätterzufolge sagte Lord Robert Cecil tu der Freitags Sitzung des Unterhauses über die Lage in Mittek europa das französische Verlangen nach WiedergW machung sei so heftig, baß er fürchte, die Urteils!-! whigleit manches hervorragenden Franzosen werde znni T-it dadtrrch getrübt. „Detttschland muß bezahlen" sei btt ihlten zur fixen Idee geworden. Diese Franzysen 'chttuen zu vergessen, daß sie, wenn sie auf der sofarti- Zahlung einer sehr großen Summe bestünden^ Gefahr liefen, eine wesentliche Bezahlung überhaupt nicht zu erhalten. Er, Cecil, sei immer der Meinung gewesen, daß die Wiedergutmachüngsbestimmungen des Friedensvertrages gar nicht zu rechtfertigen seien. Er wisse, haß manche Mitglieder des Hauses ihn für einen Humanitätsnarren halten, aber er habe von vielen Persönlichkeiten, die aus Deutschland und Oesterreich zürückgekehrt seien, Mitteilungen über die völlige Hilflosigkeit der ganzen Bevölkerungen erhalten. Wenn man diese Völker wieder auf die Füße stellen wolle, dürfe man sie nicht ohne Hoffnung für die Zufun^ Wen. Die ausrvartize PolittL Italiens. Ram, 29. März, gsn der Kammer besprach Ministerpräsident Nitti die auswärtige Wlitik Italiens und hob die Loyalität gegenüber den Wrbültdeben hervor. Er wünscht ein freundschaftliches. Ver^ hältnis zu hen Jugoslawen und will die Reise der Arbeitervertreter nach Rußland unterstützen. NM ist für die Belassung Konstantinopels in türkischem Besitze will aber an der Kontrolle der Meerengen und d» Rohstoffvexwertung in Kleinasien tetlneh'men.! Her averUaftjjch« e«tt«t für dl« Akrain«^ Washingtvv, 38« März. Senator K i » s hat i« amen, kqnifcheu Senat folgende Resslntio» Üogebracht: Der Senat de, Vereinigten Staaten beschließt, daß eS sßin MVe ist, daß die Regier rung der BereinigtenStaaten dir Existenz der selbständige» Regier»»« gen von MlandL, ettland, Litauen« »d d« Ukraine da ssaeto »««« kennt, vorlänfig bis »u de« Zeitpunkte, als die Bezichungm dies« Länder zu Rußland oder den andere» Teile» Rußland» durch eine allrussische konstittrirrende MtiyuglversamMng -der hie Autorität einer föderative« republikanische» Regierung, die iür ganz Rußland errichtet würde, geregelt fei« »erde«. StxM im pylnische« Kphlamkpviete. Warschau, 26. März. (Privat.) In den Kohlen» gmben im Gebiete von Dowbrvwa ist einallgemehve» Arbeiterstreik ausgebrochen. Di« Arbeiter habe» perschichene wirtschaftliche Forderungen gestellt, darunter auch hje Mch Bex^rgung mit billigen Lebensmitteln und Kleidung. Die Regierung hat, ha her Streik sich imMp mehr außbreitet, nachdem versucht worden war, durch Zwangsmaßregeln, wie Borenthattung der Lehens? mittelrationen, Heu Streik eiuzudämmen, und das Gegenteil erzielt wurde, den Handels minister, den HauptarbeitDiusPektor beim ApbeitsMinisterium und Abtcjlung§vorstänhs deA Ernöhryngs' und Megsministeriums «ach Dombrowa spAendej-, uni mit hen Streikenden zu verhandeln. . Die Vorgänge in Oberschlefie«. Vrtlin, 29. März. Die interalliierte Nompiission hgt für Hberschlesien einen Amnestieerlaß verüfsentlicht, kraft dessen auch gerichtlich bereits, anhängige und dies Nicht nur durch die Deklamation, zu einem reiften* geschlossenen Kunstwerk. Auch Luise Rubin stein-Hein d l konnte sich reiche« Erfolges freuen. Ihr Schumann—Strauß- Programm war mit erlesener Kultur ausgewählt, mit rühmenswerter Plastik und reichster Detailwirkung zum Vortrag gebracht. Am Klavier wirkte als fklbftändig zu wertendk. künstlerische Unterstützung Frau Hedwig K a n n e r. Ein Sänger mit auffallend schönen Stimmitteln ist her junge Willy übl. Ein weicher, »usgiebiger Varitou vy» teuorMet Färbung der Höhenlage wich von dem hochbegabten Künstler . mst sicherer Beherrschung des dramatischen Ausdrucks vev-. wertet. . Leistung und Aufftahmo überragben weit den Durchschnitt. Das mit Recht so lange verschobene Konzert. Irene Wahr-Beran brachte ein auffälliges MißverMniß zwischen den ausgeboterren Mitteln (Georg Szell dirigiert«, . ein Fmuenchor wirk» mit) und dem künstlerischen Effekt zutage. Ein recht unLureichendes Organ, ohne jede Spur. von Beseelung, wurde eine» ganzen Abend lang bemüht. Muß es denn dergleichen geben- Bei Grete Aschauee war Erfreulicheres zu hören. Vchöues, wohlgebildetes. Material, das dem Liebe wie her Opernarke mit bester Wixkuifg dienstbar gemacht wurde. Unbestrittenen Triumph errang Madame Cahier mit ihrem Liederabend. Sü hatte gleich den Kontakt mit dem Publikum gefunden und mit ungezwungener Liebenswürdigkeit aufrecht zu halten ver- . standen, Ihre Stimme tönw m «ngealterter Frische und ließ die Register vp» her sonoren Tiefe bis zur leuchtvndkn Höbe in schönstem Gleichmaß erklingen. Mit skandinavischer Liedern beschloß sie de» Abend, andeutend, was ihr, der Internationalen, mtzt zur Heimat wurde. Es wäre erhebliche»' Gewinn für uns, wenn Wien diese wertvolle Künstlerin. zu neuerlichem Bleiben bewegen könnte. Der entfesselte Svmvathiesturm mochte Ausdruck diese- Gedankens gewese» sein» Hoffentlich findet sich bald ein Weg vom Gedanke Mi Tat. - — Dr. K. M. HWMSwUrMWGl»

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