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Wiener Morgenzeitung · 1920-03-28 · Heft 425 (28.3.1920) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 425 (28.3.1920)
Date
1920-03-28
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Wien. Sonntag > fein, die Arrneniec " eine eigene Armes von wenigstens 40.000 Mann aufstellen zu lassen und diese Armee durch die Verbündeten mit allen AusrüstungZgegenständen zu versorgen, als ständig fremde Schuhabteilungen dort zu belasten. Armenien möge sich selbst schützen. (Armenien dürfte heute kaum mehr die Kraft zur Aufstellung einer eigenen Armee besitzen. Red.) Wa? Mesopotamien angange, so müsse Asquiths Verlangen, nur die Provinz Basra besetzt, zu halten und die Provinzen Bagdad und Mosul zu räumen, als unberständ-!icb betrachtet werden. Basra sei nrchi genügend ertragreich, nm srch ohne Beihilfe der Nordprovinzen erhalten zu können. Abgescbcn davon würde die Räumung von Mesopotamien die Auslieferung dieser Gebiete an die Anarchie und Verzweiflung bedeuten. Die britische Regierung beabsichtige keineswegs, Mesopotamien als Teil des Reiches zü verwalten, aber sie werde das Mandat über Bagdad und Mosul annehmen, wo« vureb die Selbstverwaltung der Araber gewährleistet sei. Die Entente und die AnaLhangigkrit Syriens. London, 27. März. (I. K.-B) Reuter telegraphiert: Emir 7va i f nt erklärte, daß weder die Unabhängigkeitserklkrung Syriens, noch seine Annahme der Kön'gskwns in irgendwelcher Weise die Beziehungen zwischen, ihm. und den Alliierten ändern würden. Er sympathisiere mit einem arabischen Staat, welcher aus dem Libanonncbiet, Mesopotamien und Palatina bestehen soll, über welche Länder er die Souveränität hätte. Er ist auch für ein unteilbares Syrien, dessen Existenz in keiner Weise die gegenwärtige europäische Verwaltung angreifen soll; er selbst wünscht die Hilfe englischer unv französischer Ratgeber. Die letzten Nachrichten lassen erkennen, daß . die Lage in Damaskus normal ist; an anderen Orten sind Anzeichen einer starken nationalistischen Aktivität vorhanden, was als Folge des pansyrischen Kongresses anznsehen ist. Die Umgebung von Aleppo ist in starker Gärung. Es ist klar, daß Emir Faisul nicht die Unterstützung der ganzen Bevölkerung gefunden hat. Die Zukunft von Syrien, Palästina und Mesovotamien ist jetzt Gegenstand der Beratungen der Alliierten, welche bisher dem pansyrischen Kongreß und reinen Beschlüssen unbedingt die Anerkennung verweigern. Der Militarismus bei den Alliierten. Londütt, 27. März. (Funkspruch.) Viscount Cu r-;o it stellte gestern an Lloyd George im Unteelmuse die Anfrage, ob ihm bekannt sei,- daß die französische Regierung mit einem Geschütz von 100 bis 150 Meilen Tragweite Versuche mache und die Patente zu erwerben beabsichtige. Lloyd George erwiederle, daß das britische Kriegsamt in enger Fühlung mit dem französischen Kriegsministerium stehe und auch, in Engländer suche vorgenommen werden. Die schlechte Finanzlage Frankreichs. Paris, 27. März. Um tut weiteres Smlrn drs franzosi» schm Franks zu verhindern, hat Fniammimfier Marsal ei« Gesetz vorbereitet, das dre Einfuhr einer Reihe von Artikeln wie Tabak, Zuäcuverk, Sirup, Kaffee und Kakao sowie gewisser Konserven verbietet. Auch die Einfuhr fremder Werne, von Parfümerien, Glaswate« und Stoffen sollte unmöglich gemacht werden. Rußland bestellt in Amerika Lokomotiven. Berlin, 27. März. Der »Börsenkurier* meldet aus New-Bork: Der Sowretgesandte Martens besuchte die Boldwm-Lokomotiofabrik in Philadelphia, um der Firma einen Auftrag für den Bau mehrerer tausend Lokomotiven zu erteilen. Sie ließen sich keine Gelegenheit entgehen, über das Griechentum' das Verdammungsurteil zu sprechen. Wie die Meisten Erzeugnisse von Hellas, galt ihnen auch das Theater als eine Giftpflanze, die dem -Geiste des Judentums verhängnisvoll werden könnte. Sie stellten es daher als ein Satanswerk hin; vis wnrnten die Bevölkerung vor dem Besuch des Theaters. »Der Aufenthalt der Spötter — nennt es ein Rabbi.'. Ein zweiter urteilt noch schärfer: »Wer das Theater besucht, macht nch des Götzendienstes, schuldig/ Der Midrasch Rabbah legt' Noemi, der Schwiegermutter Ruths, den sonderbaren Ausspruch in den Mund: „Es gehört nicht zu den Gewohnheiten per Töchter Israels, die Theater zu besuchen." (Was die lluge Noenri aus Bethlehem wohl heute sagen würde!) Dersell'c Midrasch zur Genesis weiß uns sogar. die amüsante Geschichte $U erzählen, die Frau des Potiphar habe, um mit Tch'evö allein zu bleiben, ihren Herrn Gemahl mitsamt dem Hausgesinde ins Theater geschickt, denn „es war gerade — wsissirna verba — jom teatron, ein Theatertag". . . Es ist schwer zu entscheiden, ob die Rabbinen wirklich der Ansicht 'waren, daß bereits zu Zeiten Josephs in Aegypten Theater waren oder ob sie mit dieser Anspielung dem griechischen Theaterwesen einen Seitenhieb versetzen wollten. Zu allerhand Betrachtungen gibt dieser merkwürdige Ausspruch reichlich Anlaß. Mit der Auflösung des zweiten Reiches und mit der daran sich knüpfenden Verbannung verschwindet die Frage, ab es ratsam für die Juden sei, ins Theater zü gehe« oder nicht. Nunmehr hatten die Juden an viel wichtigeres zu denken als an das Theaterwesen oder an die Theaterbesuche. Das jüdische Theater lag in Trümmern; sie hatten eS wahrscheinllch» noch bevor der Feind ins Land drang, selbst bento*1 liert, sie hatte« auch keinen Grund, ihm eine Träne nachzuweinen. Denn ein wirklich jüdisches Theater hat eS in Judäa nie gegeben: es war bloß ein hellenisiertes, auf palästtnensischen Boden verpflanztes' Unding, daS wert war, daß es zugrunde aina. Wiener Morgenzett««- Die Offensive der Bolschewik««. Warschau» 87. März. l,Poln. Stimmen.*) Nach den letzten Kriegsberichten dauern die ÖßensivsWe der Bo'fckuwiken an der wolbvn'schen und pvdolnchen Front fort. Sie sind überall von den Polen zmückgrschlägen worden. SKutari von den Italienern besetzt. Par s, 27. März. (Funkspruch.) Aus Belgrad wird gemeldet, daß die Stadt Skutari nach dem Abzug der französischen Truppen von den I t a l i e n e r n besetzt wurde, die dort stark befestigte Stellungen errichten. Die Einteilung Kleiuvolens i« Wojwodschaftcn. Warschau» 27. Märt. s,Poln. Stimmen.") Der Ministerrat beschloß, Kleinpolen in vier Woiwodschaften mit de« Sitze in Krakau, Lemberg, Tarnopol und Stanislau einzuteilen. Ein christlichmoralischer Antra« Hallers in der ungarischen Nationalversammlung. - Mastst. 27. März. (Ung. ) Kultus- und Unterrich sministar Haller hat als Abgeordneter der Nationalversammlung einen Antrag eingebracht, wonach alle Lizenzen, Konzessionen, Lieferungsvertrage nsw. einer Revision unterzogen und solchen Personen erteilt werden sollen, die..darauf vom sozialen, nationalen Und christlichmoralischen GesichtsPunkt ans in erster Linie Anspruch erheben können, wie Kriegsinva'ite, Kriegerwai'en, Kriegerwitwen Md Flüchtlinge, sowie eventuell öffentliche Angestelte, die bei der Sta us-Regelung ihr Ämt verlieren. (Es braucht nicht erst hervorgehoben zu werden, daß hier wieder ein Alten'at gegen den jüdischen Gewerbe-- stand geplant ist. Die Red.) Gegen die Aeberna me der deutschen Gemeinden des Gmündener Grenzgebietes. Gmünd, 27. März. iPrivat.) Die Uebernahmskommisston, der die Grrnzbestimmung und die Uebernahme der abzntretenden Gebiete in der Umpebung von Gmünd obliegt, hat in dm i« Betracht kommend.'« Gemeinden ihre Arbeit vollendet. In allen Orten vollzog sich die Tätigkeit unter lebhaften Protestkundgebungen der Bevölkerung. Dre Bürgermeister der Ortschaften haben neuerlich Protest gegen die Vergewaltig««- der deutsche« Wald« markbevolkrrung erhoben, ihr jedoch nahegelegt, nur mit gesetzliche» Mitteln die Abwehrbewegung zu fühKn. / Tagesbericht. Die Krankenkassen und die Apotheker. Bo« Dr. Sauet Veer. Vor einigen Wochen Lrst, erfuhr die Oeffentlrchkeit von den jahrelang fm Innern des Vetrccbes sich abspielenden Streitigkeiten zwischen Krankenkastenärzten und den großen obligatorischen Krankenkassen. Erst unter Drohungen von Seiten der Aerzte könnte eine, wenn auch nur provisorische Einigung erzielt werden. Nun haben die Apotheker Wiens den Krankenkassen den Kampf angekündigt, sie fordern eine de« jetzigen hohen Einkaufspreisen augepatzte Aenderung der Arzneitaxe und eine Erhöhung der Arbeitstaxe. GS besteht gar kein Zweifel darüber, daß die Wünsche der Apotheker berechtigt sind und daß letztere auf die Dauer bei Ausfolyung von Medikamenten an Kassenmitglieder nicht aus ihrer eigenen Tasche bedeutende Betrage daraufzahlen können. Es ist unglaublich, daß die' Krankenkassen, die ohnehin durch ihre nicht mehr zeitgemäße Institution sich zwischen Arzt und Apotheker einerseits und Patienten andererseits hineinAschoben haben und zudem gar nicht einmal dt« Wünsche und Absichten der Mehrzahl der Mitglieder vertreten — woran die Indolenz der letzteren mitschuldig ist — es nun wieder auf einen offenen Kampf ««kommen lassen und die berechtigten Forderungen, diesmal der Aps» theker, nicht anerkennen wollen, obgleich sie die notwendige« Mittel hinreichend besäßen, wenn sie eine dem Wesen der Krankenkassen angepaßte Verwaltungspolittk betrieben. \ Für das Publikum, insbesondere die Mitglieder der Krankenkassen, ist eS richtig, aUS diesen in die Oeffentlichkert gedrungenen Streitfragen endlich zu erkennen, daß die ganze Art Krankenversicherung» wie sie die bestehenden Kaffen repräsentieren, Unhaltbar geworden ist. Aerzte- und Apothekerstand wollen t keinem Menschen die Möglichkeit der Krankheitsversicherung nehmen, Jeder soll sich, ww gegen Einbruch, Feuer und dergleichen, auch gegen Krankheit versichern, aber diese wichtige soziale Wohltat darf nicht auf Kosten des Aerzte- und Apothekerstandes dnrchgeführt sein. WaS. nottut ist, wenn die Regierung sich an eine radikale Losung der Frage jetzt nicht heramvagt, eine bessere Verwendung der einfließenden Mitglrcdöbeiträge und der vom Staate an die Krankenkassen überwiesenen Geldaushilfe«. Der große, komplizierte Verwaltungsapparat der Kaffen, der hauptsächlich parteipolitischen Zwecken dient, verschlingt ungeheure Summen und dieser Umstand führt zu den im Verhältms zu den Ausgaben für den administrativen Körper lächerlichen Aufwendungen für Aerzte, Medikamente und andere Herlmittel, für welche aber entsprechend'dem ursprünglichen Zwecke der Krankenkassen, der HeiluNg der kranken MW glieder, die größten Mittel bereit zu stellen wären. , Die Fürsorge des Staates für die kranken Bürger muß einen anderen Weg als den durch die obligatorische« Krankenkassen einschtagen. Und daran muß die Nationalversammlung gerade jetzt erinnert werden, da ihr demnächst ein Entwurf betreffend die Krankenversicherung der Staatsbedtenftrten vorgclegt werden wird, gegen dessen unklare Bestimmungen bezüglich der freien Aerztewahl sowohl die j Staatsbeamtenals auch die Aerzteorganisatwnen energischen 2*. «UqE MM in I iiw.ii ■ i I I ■'■■iik CfwflnHtttoii Verlobte Chanania Bucra Verlobte Dem Fräulein IRENE SCHARF und Herrn CHANANIA BEROER gratuliert herzliehst zur Verlobung l540 Maurycy Berger —;—. . , —7-—— .. . ZUR VERLOBUNG detf‘ FrSuteins Ern* Feifl mit (hm Semuel Ungeff«ld gratuliert herzlichst 25fj HERMAfUtTfetÜ Ella Neumann Emanuel Spins Zeolna Komärom-Ssctner« Verlobte Im MIr* 192• r SALONS UND WERKSTÄTTEN FÜR MODERNE DAMENü. 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Ä/äH -—-;-—-;-—- Einspruch erheben werden. Die Gewerkschaften selbst müssen i.' ihrem eigenen Interesse die weitere Ausdehnung der Kränkenversicherung »m Wege der bestHenden Krankenkasse« verhindern. Eine allgemeine Krankenversicherung nach dem Prinzip der üblichen Schadenversicherung ist anzustreben, wie sie bereits durch den private« Verein »Gelbes Kreuz" eine glückliche Lösung gefunden hat. Der Staat hätte die Der« pflichtung, nach hiesem System die Krankheitsfürsorge durch» zusühren. Dann werden die leidigen Kämpfe zwischen Arzt und Apotheker und zwischen Krankentaffen endlich aufhoren. Nur von einer radikalen Ausschaltung der letzteren nnb der Einführung der freien Aerztewahl — wobei sich tue Apotheker« frage von selbst ergibt — ist eine alle interessierenden Teile befriedigende Losung zu erwarten. Eine Protest»ersa«mlmtgegen die nesei Steuern. Die Reichsvrganisation der Steuerträger veranstaltet« gestern eine Versammlung gegen die geplunten neuen Steuern. RechtSouwolt Dr. K o l l e t fordere m Hmtiicke aus die ernste Gefährdung, welche die neuen Gteuerpläne für jeden einzelnen Steuerträger bedeuten, zum Zusammenschluß der Steuerträger auf. Die Stimme de8 Einzelnen werde ungehör^ bleiben, nur eine umfassende Organisation könne irgendwelche Erfolge erzielen. Die Vermögensabgabe, so schädlich sie wirken dürfte» werde dabei doch ihren Zweck verfehlen/ sie'hätte zur Abbürdung der Kriegsschulden diene» - sollen, tatsächlich werde sie für Bedürfnisse des tägliche« Lebens verwendet werden. 8s solle dem Staate gegeben! tverden. was ibm aebühra, aber de« einzelne AteuerttäM MwawKtffawwhuy «iamu ~ w- =» ■■'fj—"D-U-MLSS üFVnSai n \mssaaas^

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