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Wiener Morgenzeitung · 1920-03-20 · Heft 417 (20.3.1920) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 417 (20.3.1920)
Date
1920-03-20
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Setze 4 Men. «cnnsiag Wiener MorgeirzerrnnK 20. März 1S2S JL Nr. 417 kttjtbcn Staat geleistet werden mutzten, hat die österreichische Regierung zum Schutze der westungarischen Bevölkerung lei «er Botschafterkonferenz einen Protest gegen diese Matz- Lahme der ungarischen Regierung überreicht. Der spanische Gesandte dei Sertz. Der spanische Gesandte Manuel Alfonso de Avila ist Iksiern beim Präsidenten der Nationalversammlung erschienen md hat ihm seine Beglaubigungsschreiben überreicht. Renehmignng des Friedensvertrages von Saint-Germnin durch Griechenland. Die holländische Geesandtschast in Wien, die mit dem schütze der griechischen Interessen betraut ist, hat dem Staatsante für Aeußeres mitgeteilt, daß das griechische Parlakleut laut einer Meldung auS Athen am 11. März den friedensvertrag von Saint-Germain genehmigt hat. Forderung der ZivilstaaLsbedrensteten nach LebensmiLteirr. Die Staatsbediensteten-Organisationen haben .einhellig ine Entschließung gefaßt, in der es unter anderem heißt: Die Regierung wird aufgefordert, die bisher für diese Zwecke ingcstellten Kredite den geänderten Teuerungsverhälinissen mzupcysen und weiter auszugestalten. Die StaatsLediensteten Organisationen erwarten von der paritätischen Lohnkommision, daß sie diese Forderung bei der Negierung in der nach- 'rücklichsten Weise vertrete. Telegramme. Die Lage in -er Türkei. Londsn, 17. März. (Privat.) Die demokratische jmd sozialistische Presse in England betrachtet die Hage in der Türkei mit großer Besorgnis und man gefürchtet geradezu die Erneuerung des Krieges vit der Türkei. In einem Artikel in „DailyNews" geurteilt General Maurice die Situation der Alliierten in Kleinasien als sehr, kritisch. Die Franzosen seien in Syrien keineswegs sicher und laufen Aefahr, sich zurückziehen zu müssen und die Lage »er Engländer in Kurdestan und Euphrat tzei nicht besser. Das Hauptproblem .sei nicht die Frage, ob die Türken in Konstantinopel bleiben sollen, oder nicht, sondern jene des Schutzes der Alliierten und besonders per Engländer in Kleinasien.-Es seien ausgedehnte Territorien von geringfügigen Truppen besetzt, denen tS sehr schwer sei, den Guerillakrieg zu bestehen, den Fe mul Pascha in den anatolischen Bergen führe. Wie ans London gemeldet wird, ist eine Abschrift der vom Obersten Rate betreffs der Türkei gefaßten Beschlüsse nach Washington geleitet worden. Eine Note Amerikas über die amerikanische Auffassung in der türkischen Frage und speziell bezüglich Konstantinopels soll den amerikanischen Standpunkt festlegen. London, 19. März. (Funkspruch.) Nach Meldungen aus Konstantinopel ist auch einer der kaiserlichen Prinzen b e t« haftet worden. Der Rücktritt des Mnisteriüms gelte als unausbleiblich. Der Kommandant der türkischen Truppen in Thrazien habe die Ausführung der von Konstanllnopel ergehenden Befehle verweigert und den Waffenstillstand nicht anerkannt. Eine Militärregierung in lldrianopel sei in Errichtung begriffen. Nach Meldungen der Kommissäre der Alliierten spitze sich die Lage zusehends zu. Der russische Frontbericht. Moskau, 19. März. (Funkspruch.) Frontbericht vom 18. März: An der Nordfront, westlich von Petrosawodsk. wurden einige Banden zerstreut. An der Westfront wurden feindliche Angriffe bei Pytalowo und Mosyr abgeschlagen. Fortschritte der Rottruppen im Gebiete von Owrutsch und, Korosten. Südwestsront ohne Veränderung. An der Kaukasusfront stehen die Rottruppcn 30 Werst nordwestlich und nordöstlich von Jekaderinodar. t Vordem Eisend ahnergeneralstreik in Spanien. Madrid, 19. März. (Havas.) Die Eisenbahner Spaniens erklären, daß, wenn die Regierung keine Mittel finde, ihre Gebälter zu erhöhen, sie nächsten Montag aus sämtlichen Strecken den Genera"!- ftreix verkünden werden. linaherung in der.Fi«maner Frage? Wash-ngvn, 19. Mär;. (Funkspruch.) „New Aork Gbobe" meldet aus London, daß die privaten Verhandlungn zwischen Jt l'.en und Südslaw'.en ununterbrochen vor sich gehen. Auch Nitti sei mit Paschie bereit? einigemaie im geheimon zusammengekommen. Es scheine, daß sich eine Annäherung zwischen den beiden Tn.en vollziehe. . Eine Ma«kfestationssitzun§. Belgrad, 19. März. (Südsiaw. Preßbur.) Gestern fand eine parlamentarische Konferenz statt, in der der Vertreter des Ministeriums des Aeußern, Opalajkobic, über die äußere Lage Bericht erstattete. Die Parteien beschlossen ein« vernehmlich, daß eine der nächsten Sitzungen als Manifestationssihung abgehaltcn werden wrrd, in welcher die Nation durch ihre Vertreter der Entrüstung über den italienischen Imperialismus Ausdruck aeben soll. Das tschechoslowakische Wshrge^etz. Prag, 19. März. (Tschecho-siow. Preßbur.) In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung wurden das Wehrgesetz sowie die Gesetze betreffend den Friedensstand des tschecho-slowakischen Heereö ünd dessen Bezüge genehmigt. Das neue Wehrgesetz ist nur provisorischer . Natur und dessen Bestimmungen bleiben solange in Geltung, bis es möglich sein wird, dasMiliFshstem. einzuführen. Die Wehrpflicht ist ' eine allgemeine. Sie beginnt mit dem 29/und endet mit dem 60. Lebensjahre. Die Sozialdemokraten packeln mit Horthh. Budapest, 19. März. (Privat.) Zwischen der Partei der christlichnätionalen Vereinigung und' den Sozialdemokraten sind seit einigen Tagen-Verhandlungen im Zuge zu dem" Zwecke, daß.beide Parteien sowohl auf wirtschaftlichem Witz' auf politischem Gebiete den Frieden im Lande bis zu dem Zeitpunkte garantieren, in dem der Kampf um die territoriale Integrität des Landes entschieden sein wird. Von sozialdemokratischer Seite, werden die Verhandlungen von den Parteibevollmächttgten ' Franz Miakits, Johann Ban c z a k und Stephan Farkos geführt. , Wie aus christlichnationaler Quelle versichert wird, nehmen diese Verhandlungen einen günstigen Verlauf. , 9 .'- TÄgesSesichL. . WiedexaufnahMe des Eisenbahnverkehres am Dienstag. Die allgemeine Lage -er Kohlenversorgung ist unverändert, doch gestatten die Zufuhren gerade das Auslangen. Den Eisenbahnen ist es gelungen, durch die Verkehrssperre einige Vorräte zu sammeln und, fglls, nicht unvorhergesehene Zwischsnfälle 'eintret'en, wird Her Bahnverkehr Dienstag nach einwöchentlicher An crbrechung wieder ausgenommen werden. Zehv Mneit Dollitr für die jüdische Not Europas. Ein »eNtzv Beschluß des Joint. ■. Bon Unserem Londoner Korrespondenten. > Mitte Februar fand in New-Dork eine Sitzung des Exekutivkomitees des American Joint.Distribution Committee statt, an welcher außer dem Präsidenten Felix M. Marburg noch tritnahmen: Jakob H. Schiff, Paul. BaerWald, Louis Marshall, Artur Lebmann, Dr. Judah L. Magnes, JuliusI. Dukas, Abram I. Elkus, Alexander K o h n, Chrus L.Sitlzberge r, Dr. Cyrus Adle r„ Richter.Julian W. Ma ch Albert L u c a s,. Morris E n g e l m a n.n, Miß Harrtet B- «L v w e n st e i n und Julian Leatvi t t. Präsident Marburg teilte mit, daß das Präsidium des Joint mit den bedeutendsten jüdischen Bankiers von Amerika, und dem Auslände in Unterhandlungen stehe, die daraus abzielen, eine neue F in an z o r g a n i s a t io n .zu schaffen, deren ausschließliche Ausgabe der Aufbau der durch den Krieg zerstörten Mischen. Gemeinwesen und jüdischer Unternehmungen'/wäre. Es. sei alle Aussicht vorhanden, daß die-' Verhandlungen zu dem ge- -wünschten Ergebnisse führen werben. Diese Finanzvrganisation werde mit einem Mindestkapital von zehn Millionen Dollar ausgerüstet sein und ihre Arbeit rasch in Angriff nahmen müssen. Der Bericht des Präsidenten wurde zststimmend zur Kenntnis genommen. Ebenso der weitere Bericht, daß die nach Bern entsendete Kommission dort sehr gute Arbeit leiste. Auch in der Ukraine habe die Hilfsaktion, für welche zunächst 100(^00 Dollar bewilligt wurden, bereits be o rnen. Der Bericht weist auf die besonderen Kredite für Bankaushilfen für Wien, Litauen, Lettland, Konstantinopel. Palästina und Deutschland in Form von koscheren Lebensmitteln und Pkazzoth hin. Dem in-Budapest tätigen American Relief Committee wurden für die hungernden Kinder in Ungarn eine Million Dollar überwiesen. In Budapest und anderen ungarischen Städten wurden amerikanische Kriegsküchen errichtet. Auch aus Belgrad sind Bittgesuche um Hilfe für, hungernde Kinder eingelaufen, die jetzt in Behandlung stehen. Ein Hilfskomitee für PaläsLiuareifende in Italien. Triest, 19. März. (Privat.) Mir das in Florenz erscheimridr zionistische Wochenblatt *3 f r a 111* meldet, hat der Bund der jüdischen Gemeinde Italiens im Emvernehmen mit der italiemschzwnistischen Föderation die Errichtung eines" Hil'sfomitees iür Palastmareisende, die ihre Route durch Jmlien nehmen, beschlossen, das seinen Sitz in R o m haben soll. Zweigstellen sollen rn Triest, G e n u a und Neapel errichtet werden. an Desinfektionsmitteln. Die Epidemie werde int . Sorsimer wohl'abnehmen, dafür aber im Herbst wieder in erschreckender Weise anwachsen. Die Bekämpfung der Epilemie sei eine internationale Angelegenheit und könne nur als^solche mit Erfolg durchgeführt werden., Balfour erinnert daran, daß der Vertrag über den Völkerbund die Schaffung einer Permanenten Sa- nitätszenträte vorsehe. Die erste Konferenz hätte in London bereits stattftrrxn sollen. Es sei unerläßlich, daß die Westmächte an der Bekämpfung der Cholera und des Typhus in Polen, die'Folgen dies Krieges und der Unterernährung seien, werktätig Mitarbeiten,, da die Epidemie sonst ihren Weg über Mitteleuropa nehmend, stanz Europa vergiften würde. Es wurde beschlossen,' das permanente Sanitätskomitee unver-. züglich zu bilden und die'erste Sitzung für Mitte. Llpril nach London einzuberufen. D'eses Komitee wird ühor die schleunigsten Abwehrmaßnahmen schlüssig werden. müssen. Ebenso wurde der. von Balfour. am 24. Februar an 'den internationalen Verband vom Roten - Kreuz gerichteten Appell an der Verhü ung der Cholera- . und Typhusepibemien in Mitteleuropa mitzuwirlen Zut- - geheißen. ' v . " . .. Zionistische Tätigkeit in Sorvietrrrtzland. Warschau, 19. März. (Privat.) Die in Minsk erscheinende jüdische Zeitung „Farn Foek" meldet auf Grund authentischer Informationen, daß das Zionistische Zentralbureau in Petersburg „Merkas" mit Erlaubnis der Sowietbehörden wieder eröffnet wurde. Die von den-Behörden seinerzeit beschlag-; tialjmten Sitten toitzben ebenso wie die zionistischen öffentlichen Sammelbeträge und Fonds zurückerstattet. Hingegen ist das Erscheinungsverbot. gegen die zionisttschen Zeitschriften „Jewreskafa Schisnj^ und „Palästina"' noch, nicht aufgehoben worden. Der MerkaS hat feine Neorgamfationstättgkeit wieder begonnen, und es besteht die Aussicht, irr absehbarer Zeit eine allruffrsche zionistische Konferenz einberufen gu können. Es wurden auch Schritte unternommen, um die % jede zionistische Arbeit lähmende Unterbrechung erner 1 direkten Verbindung mit den zionistischen Zentralstellen m London, Paris und Palästtna zu beheben. In Moskau und ' anderen. Städten Sowietrußlands werden hebräische Pribatschulen errichtet, in denen nach dem Lehr» plan des „Tarbuth" unterrichtet und hebrmsch gesprochen wird. . . In einem., zur Judenfrage veröffentlichten Arttkel . erhob Maxim Goriki Protest gegen die Verfolgungen, densü der' Zionismus und seine Anhänger in Sowietrußland aüsgesetzt sind, sowie gegen die Bemühungen, den Gebrauch und den - Unterricht der hebräischen Sprache zu unterdrücken. Maßnahmen des Völkerbundes zur Dr- ' kampfung der Epidemien. Typhus- und Choleragefahr für ganz Europa. Bon unserem Korrespondenten. Kurz -vor Schluß der letzten Sitzung des Völkerbundsrates brach e d<?r B rüter Polens die große Gefahr zur Sprache, die Europa wegen der von Polen i ausgehe nden T Y p h u s-' und C ho le r a e p id e m ie ' droh«. D'ese Cp^emlen del'mieren dal Volk und die j.fwlnische 'Negierung sei anß rstande, fet Cpi^en:jeHerr A« werben. Es khte an Leinwand, Mebikanienten und Errichtung eines jüdischen GmigratronsbureLnö in Triest und einer Gmigrationszentrale in Jaffa. - Mehr als zwer Jahre sind seit der Deklaration Balfours, welche ein jüdisches Palästina verhieß, verstrichen,' aber die große Jubenwandernng nach Palästina stößt bisher auf -viele Hindernisse, vor allem auf das grundsätzliche Emigrationsverbot derenglischen Mlitärbehörben. Die schmerzliche Zeit des Wartens wurde vielfach zur Vorbereitung der Einwanderung ^benützt. So hat das Zentrale Palästinaamt in London diH Errichtung von Emigrationsämtern . vorbereitet, und zwar an den Hauptpunkten, in denen sich die -jüdische Wanderung voraussichtlich konzentrieren wird? Ein solches Emigratiynsamt ist natürlich auch für Wien, das zufolge sriner geographischen Lage eine ganz besondere Stellung einnimmt, in bestimmte Aussicht genommen worden. Das Palästinaamt in Wien ist hierbei ausersehen, sich zu einem solchen Emigrationsamt auszugestalten, und hat bereits die derzeit hierzu möglichen Vorarbeiten.getroffen. Hier wurden die Answanbernden in Evidenz genommen (deren bisherige Zahl beläuft sich auf zirka 12.000) und es wurden ihnen/die für ihr künftiges Leben in Palästtna zweckdienlichen Informationen erteilt. Den sofort Auswanderungsbereiten,' für, welche die Voraussetzungen zur Einreif: nach Palästina zutrefsen, wurde die erforderliche Einreisebewilligung bei den britischen Behörden verschafft. Wie bereits wiederholt bekanntgegeben, darf die Bewilligung, in kurzem Wege derzeit nur für Palästina-Hetmkehrer erteilt werden und müssen alle anderen besonders triftige Gründe anfühven, um diese, die in diesem Falle erst einen beschwerlichen Instanzenweg über London und' Kairo erfordert, zu erlangen. Es dürfte jedoch in nächster Zeit eine Aenderung. eintreten, so daß die Möglichkeit für eine ausgedehntere Einwanderung gegeben sein wird. , Zur technischen Durchführung der, Auswanderung hat das Palästinaamt Wien schon im Mai 1919 die „Jüdisch- Palästina-Neise- und Transportgesellschaft Wien" ins Leben gerufen, welche die Beförderung von Personen , und Gütern zu bewerkstelligen hat.. Diese hat sich bisher aufs beste bewährt. v Ueber Anregung deS Wiener PalästtnaamteS wurde, von der Londoner Zentrale. ein Emigrations-, beziehungsweise Hafenbureau, in Triest eingesetzt'. Im Einverttehnwn mit dem Wiener Palästinaamt. hat dieses insbesondere alle Arten von Fürsorgeeinrichtungen für die Emigranten, die diese Hafen- 'stadt passieren, vorzukehren. Ein Auswan^crerheim.ist bereits dort entstanden, dessen weiterer" Ausbau den Werhältmssen angepaßt werden soll. Neuerdings wird die Errichtung einer Jmmigrattonszentrale mit dem Hauptsitz in Jaffa gemeldet, der Zweigstellen in Jerusalem, Haifa,.Tiberias,'S.äfed und Beirut an- * gegliedert sind. Die Aufgabe dieser Stelle ist es, im Zu-! fammenwirken mit allen 'Emigrationsämtern die Einwanderung in Palästina selbst zu regeln, .für eine geordnete Landung in den palästinensischen Häfen zu sorgen, den Landenden , Unterkunft und womöglich auch sofortige. Arbeitsgelegenheit ■ /

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