Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 415 (18.3.1920)
- Date
- 1920-03-18
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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m. E WM, Dannersrag «neuer ^tiorgen^etnsrrf Die Ernährung. Der Marktbericht. .' '*■ Dir Grünw a r e r, m ft r f t e, die namentliK in den tmtrn Fleischwochen d rs rinzige Marktgebiet sind, auf dem sich der.Mittelstand mit Lebensmitteln versorgen kann, veröden, immer mehr und mehr. Die G ä r t n e r.z u f,u h r e n waren gestern, k a u m tt e n n e n s w e r t. aber auch die auswärtigen Scndüngen^ sielen sehr schwach and. " , ' Aul den F ,'f-ch m ä r k t e n gab es nur die unbeliebten Sewafscrten Klippfische, deren Preis übrigens, schon so hoch ist, ah sie auch nicht iür die breit**« Sch'chten der Bevölkerung in Betracht kvminen. E.n Kilogramm kostet K 23.—. Ferner wurde geräucherter Seelachs zu X 44^— das Kilogramm angeboren, aber gleichfalls wenig beachtet. ' „ In der G r o ß m a r k t h a l l e gab es überhaupt fast keinen Verkehr. T>ie teuren Würste fanden keine Käufer, ebenso -lieb ein Te l de4,"rayönie» ren Rindfleisches unbelroben. D i e h e it t e b e g i n neu d e F l e i s ch w o ch e ist w i e d e r e i t e « r e W och e, in der das Rindfleisch K 92.— bis K .ISs.-" pro-Kilogramm kostet. Fleischmrsgas e in Wie« in Woche vom /■ > 18. bis zum 21. März. " In der Woche vom N. bis 24. März wird an alle Haus« Haltungen rmWien Geftierrindfleisch im Ausmaste von IO Dcka» gramm pro Kopf ausgegeben. Ter Preis beträgt K 98 für ein Kilogramm Vorderes, K 102 kür rm Kilogramm Hinteres und K 124 für ein Kilogramm ' Bratenfieifch. Der Bei kauf erfolg' gegen Abtrennung der mit Ziffer XlX bczeichneten Abschnitte des MudfleNcheinkaufscheines. . . " Ab Samsiag den 20. März dürfen die Nindfleischabgabe-- stellendaS erübriq'e Rindfleisch an'die bei ihnen rayoniertcn KUUt«n ohne Rücksicht darä'ni. ob diese ihre Quote behoben haben oder nicht, verkaufen. Die Kopsquote be'rägt auchin.dieftm Fasle 10 Dekagramm. Die Abgabe geschieht ebenfalls zu den oben'angeführten.Preisen. Beim Bezüge der Zusatzquote wird der mit dem Buchstaben „Y" bezeichnte Abschnitt des Rindfleisch- «mkauffcheines abgetrennt. Den Z'vil-- und Militärspitälem sowie Beisoraungsanstalten. ferner den Kriegs» und Gem^michaflstüchen sowie ven Gastgewerbebetriebenwird ebenfalls Gefrierrindfleiich zugewiesen. '' Albaabe gedörrter Dirne« und Aepfel. In. der nächsten-' Zert kommen gedorrte Birnen und - Aepfel aus der Schweiz zur Ausgabe. Der Preis^wi,d sich aus zirka X 40 —pro Kilogramm netto.stellen. Die Zuweisung an sämtliche Konsumenten» «rganisationen gkschleht durch die Magistratsabtcilung lX/l,....Die Anstalten haben ihren Bedarf bis längstens 22, d. M. schriftlich anzvmeldcn. ' - 'Der Bereiu „Machfike Hadnlh« zur unrntarblichen Ausspenuna aimer jüdi'cher Noibedürfilger, H., SchrflaiNtsgaste hat P,fl a u z- «fett ft r c n g k osche r (schel P.sach) brkömmen und wird dasselbe an j den zum.Preise von K 190. pro Kilogramm gegen vorherige Anmrkdunq und Barbezahlmra abgegeben. Die Aufträge werden im Vrreinslokal, II.. Sch ffawtägaste 2?>, entgearnqenommen. Anitsstundru: Sonntag von 9 bis 12 Uhr vormittags; au Wochentagen von 4 bis 7 Uhr abends. BREI NEUE BÜCHER! MAX B R O D -SOZIALISMUS IM ZIONISMUS GeWtet M. 7.— Gebunden M. 10.- ,**. M E I R AV I -E N E R 'Drei Dichtungen '• MESSIAS Gebunden M. 10.— DR. SALO BARON Die Judenfrage auf dem Wiener Kongress . : Gebettet M.; 10.— '7095 ,«f. Z0JP2T FERRA»,. FREI SCH MARKT 1 Bühne rmÄ Kunst. Aus den Theatern. . .Im Operntheater gelangi morgen Freitqg ..Tri ft an und Isolde" mn F>au W i l d b r u n n als Gast, zur Äuflübrung. Beginn. 7*4 Uhr. .Im B u r g t.h e a.t.e r wi d morgen Freitag Nittners Komodre „D i e T r a g 8 d i e des E n' mene s" gegchcn. Anfang 6 Uhr. — Montag' den 92. d. Mi wad zrr rrb'öhren Preisen, Ehakespeäi es-Trauerspiel..M a c b e t h" m -der Ucbcr» setzuna von Slephan Hock angeiilnr. Anfang */9S Uhr. Am Sonruäg den 2^. d. M« um V-N Uhr vo'mittis's findet rm Deut s ch. e.n B o l k s t h e a t e r die 1! 0. Au - lührnng der „A l r w i e n e r- D o s e n ft ü che" von' Anton Amon unter M twirkuna dcS Professors Fri» Lrnge statt. Da der Reinertrag für wohltätige Zw-ckc heftimmt ist, hat Bürger» «erster Reumann das Protektorat'übe»ttomirirn. ' 'In den 'K a M m e r s d i e l e n ,ft für .Sonntaf den 21. d. M. 2 Uhr nachmittags, Molnars fftistwiel ^Der Garde» mfizier". mn-Herrn Forest vvm Muigtheaier in der Rolle , des Kritileis und für Montag, den 22. um */,6 Uhr Ger hart Hauplmanvs^G>nftftnc Meinchen" angetetzt.- . AM d*r R e n a r s s a n c e» B ü h n e spielt Ferdinand Bonn Sanntaq den 21. März, Nachmr'tags, als Gast den Dufterer, m ^G'tvistenöwüvm": Allabendlich daselhü. Auftreten Haut) W a l d e n s. ' der Rosen» und Stiflebennraler, vollendet, heute in. voller geistiger und. körperlicher Frische sein. 70. Lebensjahr. Einer französischen Emigrautenfamilie entstamrnend, die nach Mähren verschlagen war, wurde er am 18. März 1830 zu Jamnitz geboren. Für die Beamtenlaufbahn bestimmt, trat .er rn das militärgeographische Institut und benützte einen Urlaub, um bei Professor Lichtenfels-zu studieren. Lichten» fels' Methode patzte ihm nicht urrd er malte in Makarj» Atelier;cine holländische Studre eigener Komposition, die von dem bekannten Wiener Kmrstmäzen Graf Zichy gekauft wurde. Charlemoüt'w.eilte viel im Süden, in Briom, dessen Schon--, Heiten-Hm .immer rrene Anregungen boten. Eine Birkenallee '.-.ln- Braunau gehörte zu seinen bekanntesten Werken. ES wurde für das Krouprinzenwerk «Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort.und Bild" bestimmt. Eharlemont hat sich später auch der fliad.ierung zugewendet. Deckenbllder, die sich. auf. die? Gaben und Früchte der Erde beziehen, zieren die Büffets dc.-s Bnrgthcaters. Im Naturhistorischen Mnsernn Zsnston'um MlSrUIng Vvl Wien Telephon Mödling 454. 151 fl Verwaltung:: B. voll — Aorztljclier Leiter: Dr. Max Scheinpflug Nächst HaHeatellode.r 81 r as s e n b a h n WledererSflmine;: 1. April 1S2S «.Herrilche Lage — nodorne Kurbohsito —— Efttklase^o Verpflegung __ Ludw'g RnvinerS, des jüngst verstorbenen'hochbegabten Dichters Drama „Die Gewa ltlosen", daS einige Tage vor seinem Tode von der Gesellschaft „Das i«nge. Deutschland" mit einem Preise von 5000 Mark ausgezeichnet wurde, gelangt anfangs April am Deutschen Theater in Stuttgart zur. Uraufführung. . Rolland mib Barbusse in Salzburg. Demnächst soll der erste europäische. :und.-amerikanische unpolitische. .Kongreß Intellektueller in Salzburg ab gehalten werden, da Hessen Abhaltung in Bern auf Schwierigkeiten stößt. Es hätten nämlich die deutschen, österreichischen und slawischen Delegierten den Einwand . erhoben^ .daß bei dem Tiefstand der Valuta ein Aufenthalt in der Schweiz für sie zu kostspielig Ware. An dem Kongreß sollen die C l ar L H -Gruppe mit Romain Rolland'.und Henri Barbusse, deutsche, englische und neutrale Künstler sowie anierikänische'Delegierte ' teilnehmen. Friedrich Kayßler, der ausgezeichnete Berliner Bühnenkünstler und Strindbergapostel, spielt jetzt wieder, die Hauptrolle in Strindbergs dreiteiliger Bekenntnisdichtung „Nach Damaskus", in welcher er vor zwei Jahren bei Jarno gastierte. Aus Anlaß der Berliner Neuaufführung des Werkes veröffentlicht Kahßler''im .„Berliner Tageblatt" einen bemerkenswerten Aufsatz über .dieses dunkle Drama, dem wir folgende Stellen entnehmen: „Wir sehen den Mann, der das Weib, ohne es zu wollen, durch sein Wesen dazu brachte, daß es schlecht wurde, aber nur gegen ihn. Damit wurde sie das Werkzeug seines Schicksals,. das. ihn durch Leiden und Läuterung Mhertreibt.- Sie selbst aber, das Weib, wurde durch den Mann zum Selbstbewußls-ein erweckt und auf den. läuternden Weg zur Erkenntnis geführt, um wiederum ihn Erkenntnis lehren zu können. Diese Frauengestalt, fast im ganzen ersten'Teil -noch ein beinahe unpersönliches Wesen, aus unpersönlicher Kühle allmählich milde erwärmt durch das. Mitleid mit diesem Unglücklichenin ihrem Muttergefühl.getroffen, geweckt durch den unhörbaren und doch so gellenden-Hilfeschrei des Kindes; in diesem Manne: wird im dritten Teile zum Urbild der Güte, zur Gebeuedeiten, die ihn auf Augenblicke zu Tränen erlösen kann. Von fast außerirdischem seelischen Reiz ist es, wie Strindberg den Kampf des männlichen Elementes mit dem weiblichen hier' gegeben hat. ' In völliger Freiheit jedes für sich beharrend, .scheinen sie zu Zeiten ihre Atmosphären ganz ineinander/a'ufzulösen undschweben dann doch wieder in -'unbesiegbarer 'Freiheit voreinander^ öavön. ',Je näher-, desto ferner — je ferner, desto näher? In -diesem Satz> scheint der Genius Strindbergs mit einem einzigen' NcigeP des Hauptes.. auf den., Urfiun,. .alte«Me Hn^H^anchen,^ Viktor Dvo srk - Milgl'-d d r Pe'Sstqesel'sch rst. Aus Budapest wird uns gemeldetDie-^Petö^igesMchast, die einst die hervorragendsten^üugärisDn . Dichter'nm'./sich vereinigte, hat in ihrer jüngsten Jahresversammlung in geheimer Abstimmung.' denslowakischen Dichter: Viktor Dvorcsak, der sich auf Seite der Magyaren geschlagen hat, zum auswärtigen. Mitglieds gewählt. Außer ihm würde auch der U be fetzer ungarischer Dichtungen, Heinrich H o r v a t, dessen „Neue' ungarische Lyrik^ im Vorjahre (bei Georg Müller, München)/echshienen ist, als auswärtiges Mitglied in die Petösigesellschast ausgenommen. ' Eine Broschüre von Dr. R. M. Gelber. Soeben eich en im Verlage der vom Iiidisckn-n Hoch chulausschm in Wien b'iansqegebi'um'Moiiawsckunsl „E S.r a" eine Broschüre. von Tr. R. M. Gelbe: ..A k k e n ft ü ck e zur Judenr r a q e a m W i e n e r Kongreß .1.8 k 4/t 5**, die in diu' jünqftcu Zeit rn d.en Archiven ge'unden wiirsen. Die inlerrsi.ante Biorchüre ift zum Pinie von K. 10 — durch den Verlag ..E s.r a", Wien, lX., Alsrrflraßc.28, wie auch durch jede Buchhandlung zu beziehen. ' " Sport. ■ G azer Hakorth I—Sturm 10:5 (0:4)* Bor. zirka. 2000 Zuschauern spielte Hakoah Sonntag gegen, den Meister von Steiermark, den erstklassigen Sportklub Sturm, dem man in Sportkreiseu . einen überlegenen ^Sieg vorausgesagt hatte, da er in "der Vorwoche'den in der zweiten Klasse führenden Ärbeiter-Athletiksportklub mit 12 :0. glatt absertigen konnte. Daß Hakoah ein so ehren- .volles Resultat erzielen konnte, hatte sie vor allem ihrem linken Verteidiger, Mesmer,,, und. der aufopfernd, spielenden .Deckungsreihe zu verdanken. Ueberhaupt boten Meßner und Goldenzweig erstklassige Leistungen und stellten das starke' gegnerische Vorspiel mit Diamant (dem Trainer der Hakoah) vollständig kalt. . Die Stürmer der Hakoah. waren zu weich, um einen Ehr'entrefser, der ihnen gebührt hätte, zu er- .zielen. Sturm hat Anstoß' und schon in den ersten ii.5 Minuten gelingt es dem Gegner, viermal einzusenden. Dann raffen sich - die Blau-weißen ans und können den Rest der Spielhälste offen gestalten. Nach Seitenwechsel gelingt es Sturm infolge eines Fehlers in der Verteidigung znm fünften Male einzusenden, - dann bleiben aber alle Än- -strengungen des Gegners, ein höheres Resultat zu erzielen, ersolglos. Hakoah hat m. diesem Spiele die derzeitige. Schwächeperiode überwunden und hrssent.lich wird sie auch bei den nächsten schweren Spielen rnit Erfolg abschneiden. Aufstellung: - Sommer —-- Meßner, Katz — Bürger I, Wqldenzweig, Weitzuer — Freiberger I, Adler, Weichselbanm, Bettel heim, Krauß. — Vorher .spielte Hakvah-Jugend gegen Sturm-Jugend und verlor 0 :1..(0:1). Sturm war nur körperlich überlegen, während Hakoah ein technisch feines Spiel vorsührte. _ hängen seine Bilder „Salzbergiverk in Wieliczka" und »Marinorv'ruch..in Carrara". Sein Gemälde „Im Krcuzgang >u Millstadt" Latte. 1892 Kaiser:. Franz Ioredb anaekanft. E'n umfangreiches Pmgramm. Auf dem Prater Sportplätze des W. A. C. lonunen am Sonntag drei Meisterschastsltakte, .mv MstraonnL. llra. .^1 .lM..!vioM. AletML M.d. rnTiw^t«»/ amr® Blue Star, um y9Z Uhr Hakoah gegen Kricket und «M 4 Uhr W. A. C. gegen Amateure. _J Ein neuer Weltrekord. Mm Flugfeld von TirasioÄ in der Nähe Turins hat Leutnant Brack-P apa de»' Schnelligkeitsrekord mit vier' Passagieren geschlagen, indem er ein Tempo von 260 Stundenkilometern erreichte. Vortrag über den FutzbaNsport. Im Nahmen elntt Vortragsreihe über Sport spricht am . 30. d. M. Herr Universi'ätsdozent Dr. Martin Haudek in der Urania über den Füßballsport.!. Das .Prffl^tmü bet Rntwerpdner OlhmMde. Das Protektorat über die siebente Olympiade in Antwerpen hat König Albert von Belgien übernommen. Ehrenpräsident ist . der Thronfolger Prinz Leopold und Präsident des Ehreniaüsschusses Graf Bäillet-Latour. Mitglieder des Präsidiums sind unter anderen der Erzbischof von Mecheln, Kardinal' Mercier, der Finanzminister, der Kriegsminister, der Minister der Wissenschaften und schönen Künste, die Bürgermeister von Brüssel und - Antwerpen. - Ern OuerfekdeinoRennen für Danks hat ein. Pariser Blatt für den Monat Mai dieses Jahres ausgeschrieben.^ Zu dem Bewerbe, der mit Genehmigung des französische» Kriegsministeriums stattsindet, sollen die 27 französischen Kampfwagen-Bataillone je einen ihrer Tanks beistellen. LnstpostLienft Mcskan—Berlin. Nach der „Neuen Be»- liner Zeitung" wurde bei den Verhandlungen zwischen der deutschen Regierung und dem Berliner Vertreter der russischen. Räterepublik auch die Errichtung eines Luftpostdienstes, zwischen' Moskau und Berlin besprochen. Es ist möglich, daß dieser Luftpostdienft noch im Monate März eingerichtet wird. Die fisttfiftc FUegerin der Welt. Aus Genf wird uns geschrieben: Die 14jährrge Tochter AndrSe deö bekannten Flimers Maunce F a r m a n rft deu^ die jüngste Fliegerin, die selbständig Flüge ons'ührt. Sie ist als Flugzeugführerin ausgebildet worden und hat zrisammen mik ihrem Vater, der sie schon als dreijäbr'ars Kind auf seine Flüge m tnahm, eine große An« zahl von Flügen ausgesübrt. Run hat sie vor kurzem auch ganz all in einen Flug von mehr als drei Stunden in vorzüglicher Weise, dm chgesührt. _ Geeichtstaal. E'm Kommandant der nngaeifchett Rätereqierung. Der 29jährige Schlosiergehilfe Emmerich Schäf.fer, der zur Zeit der Räteregierung in Ungarn als Kommandant .der Marine-Division in Neupest fungierte und nach dem Regierungswechsel die Flucht nach Wien ergriff, hatte sich gestern vor dem hiesigen Schwurgerichte wegen Verbrechens der Veruntreuung zu verantworten. Er war beschuldigt, von dem Handelsangestellten Karl Klüger zwei Brillantringe im Werte' von 33.500 Kronen zur Veräußerung erhalten ur;d einen der Ringe widerrechtlich um 6000 Krönen verpfändet zu haben. Die Geschwornen verneinten die Schuldfrage mit zehn gegen zwei Stimmen, worauf der Vorsitzende, Landesgerichtsrat Dr. Kubesch, den Freispruch des Angeklagten Emnrerich Schaffer verkündete. I Kanorrrer und Oberleutnant. ■ Gin Grprefsurrgsprozetz. . Gestern hatte sich der seinerzeitige Kanonier und mift» ‘ mehrige Privaibeamte Jakob F ü r st vor dem Einzelrichter Oberlandesgerichtsrat Dr. Frauenfeld wegen Verbrechens der Erpressung zu verantworten. DaS Substrat des Strafantrages bildete ein Brief, welchen der Angeklagte an den ehemaligen Baron Dr. Hans Beck gerichtet hatte. In diesem Schreiben hält der Angeklagte dem Dr. Deck vor, daß er ihm zur Zeit, als er (Dr. Beck) als Oberkeutnant im Felde sein militärischer Vorgesetzter war, auf das schwerste mißhandelt nnd auch andere, namentlich aufgezählte Kameraden geohrfeigt, gröblich beschimpft, Pferde erschossen und sonstige Verfehlungen begangen habe und stellt in Aussicht, daß er die Anzeige an das Staatsamt für Heerwesen erstatten werde. Im weiteren Verlaufe des Schreibens fordert her Angeklagte den Dr. Beck auf, Abbitte zu leisten, auf seine, (Dr. Decks) Kosten eine Ehrenerklärung in der ^Arbeiter-Zeitung" zu veröffentlichen und einen angemessenen Betrag zugunsten des Vereines ..Kinderfreunde" zu widmen, da er sich sonst die Folgen selbst zuzuschreiben haben werde. Der Angeklagte verantwortete sich dahiri, er und seine Kameraden seien von Dr. Beck auf furchtbare Art mitz-- handelt, mit der Reitpeitsche geschlagen, gröblich beschimpft und mit Anbiiiden gestraft worhM, so daß der Angeklagte sich für berechtigt gehalten habe, als er nach zehnmonatlicher. italienischer Kriegsgefangenschaft heimkehrte, von dem Oberleutnant Genugtuung zu verlangen. Der Angeklagte führte auch an, daß die Kameraden sich bereit erklärt haben, Zeugenschaft über' die Mißhandlungen und sonstigen Verfehlungen deV Oberleutiiants im Felde obzulegen. Der Verteidiger Dr. Richard Wolf beantragte die Abtretung des Aktes an . die Militär-, eventuell Staatsanloalt- ^schaft gegen Dr. Hans Beck wegen Verdachtes des Verbrechens der Hintansetzung der Dienstesvörschriften und begründete den Antrag damit, daß es notwendig sei, die ^Schwere und Bedeutung der Mißhandlungen seftzustellen/ 'welche dem Angeklagten * vom Anzeiger zugefügt wurden, damit das Gericht beurteilen könne, ob und welche Genugtuung der Angeklagte zu fordern berechtigt war. Dr. Hans Beck gibt zu, den Angeklagten rmd auch andere Mannschaftspersonen geschlagen nud beschimpft zu haben und rechtfertigt dies damit, vaß es zur Aufrechterhaltnng der militärischen Disziplin notwendig gewesen sei. Der Angeklagte führt noch an, daß er die -lbsicht gehabt habe, den Anzeiger bei der Kommission zur Verfolgung von Pflichtverletzungen im Kriege anzuzeigen, daß er jedoch die Auskunft erhalten habe, daß die Kommisfion für Dr. Beck nicht zuständig sei, da dieser kein selbständiger Kommandant im Felde war. ■ Der Verteidiger beantragte den Freispruch deö Ange»i floaten, pa letzterer berechtigt war^ M? £'5