Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 411 (14.3.1920)
- Date
- 1920-03-14
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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fit. 411 Wien, Sonntag Qöientx 'a/ioT'CTt^trvuWff 14* vHarj AiftJö ocue - ßnsächlich hat er Verhandlungen sowohl mit den sozialdemostatischen Parteien als mit den Unabhängigen gepflogen. Der Botschafterrat beschLftigt fich mit ' den Berliner BorgLnge«. r Paris, 13. Marz. (Priv.) Der Botschaftertat hat sich in seiner heutigen Sitzyna mi den Berliner Vorgängen befatzt. Den Veratnngen war auch Marschav Foch zugezogen worden.«Ein Ergebnis liegt bis jetzt nicht vor. Das die Berliner Ententemisfionen sage«. Zu der neuen Situation äußerten sich Mitglieder der -stutentukommis,tonen folgendermaßen: In der eng l i scheu Kommission erklärte man, durch den Umschwung völlig überrascht worden zu sein und keine Meinungen äußern -u können, He nicht die Londoner Regierung Weisungen erteile. Die persönliche Ansicht mehrerer englischer, Kommissionsmitglieder Pcht dahin, daß man der gegenwärtigen Situation mit Ruhe ßegenüberstehe und die neue Regierung nur für eine vorübergehende Erscheinung halte. Auch die Amerikaner zrklären, von dem Umsturz überrascht worden zu sein; die Washingtoner Regierung werde es jedoch selbstverständlich chlehnen, sich in di« politischen Verhältnisse Deutschlands snznmischen, zumal die Bereinigte» Staaten den Frieden Doch nicht ratifiziert haben. > Rur in der französische« Kommission 'erklärte DM«, durch den' Regierungswechsel nicht überrascht worden M sei«, sondern schon vor Wochen der Pariser Regierung mitgeteilt zu haben, daß die deutschnationale Agitation bedrohliche Karmen angenommen habe. Die Ansicht der französischen lkommissionSmitglieder ist, daß man mit der neuen Regierung Dicht in Kontakt treten könne, bevor sie vom deutschen Volke, w« der französische« und de» Gntenteregierunge» an- »stu»t sei. Das Zeitnngsverbot. I Berti«, iS. März. Die ReichSregrerung gibt bekannt: Das krscheine« der Zeitungen ist brS Sonntag abends verboten, weil «richtige Verhandlungen mit den Vertretern der Arbeiter schweben, die durch vorzeitige Beiöffentlichungen erschwert würden. Dem Diedererschernen der Zeitungen am Montag steht nichts im Wege.' DaS EigebniS der Verhandlungen wird Montag ftüh bekanntgegedm «erde». Minister Schiffer verhaftet. Berli«» 18. März. ReichLministcr Schiffer ist in Schutzhaft genommen worden. SchUetzung der Kölner Börse. Nöl», 18. Marz. (Wolff.t Die Kölner B8.se ist in Rück-- ^üchmg der politische« Ereignisse bis auf weiteres geschlossen Mrde». . . . - .... i A«« de« Reiche. Dffizkerovtttsch i« Hambnrq. Hamburg, 13. Marz. (storr.-Bur.) Ddr garnisons- Uteste Offizier hat die Militärgewalt übernommen und sich in einem Aufruf an die Bevölkerung für die neue Regierung erklärt. Generalsiretk i« Hnmdneq. Frankfurt, 18. Marz. (Wolfs.) Hier wurde , der Keneralstreik erklärt. Die Arbeiter durchziehen demonstrierend die Stadt. Drc-'rn gegen die Aealrtron. Dresden, 13. März: (Korr.-Bur.) Die sozialdemokratische Partei fordert ihre Anhänger zu einer g ewaltigen Demonstration »für Sonntag vormittags zum Schuhe der demokratischen Verfassung und der Republik gegen die Berliner Militärdiktatur auf. Lrlpzia.irr t-« Hand v^r . Leipzig, 13. März. (Korr.-Bnr.) Hier haben die unabhängigen Sozialdemokraten die Machtüber- » ü m m e n und Kurt G e y e r als Bevollmächtigten des Leipziger Volkskommissariats eingesetzt. Ha^e'tzhl pegen Berlin, 13. März. (Tel.-Komp.) Aus Kreisen der neuen Regierung wird mitgeteltt. datz heute vormittags ein H a f t b e f e h l gegen den früheren Finanzminister krzberger unterzeichnet worden sei. Hannover, 13. März. Die sozialdemokratischen Gewerkschaften Hannovers haben emrn Aktionsausschuß eingesetzt. Die Arbeiterschaft wu de aufgesordert. vor 18 u f i g i n d e n B e» trieben zn bleib en. Morgen sollen sich kie Arbeiter in ihren Arbeitsstätte» sammeln, um weitere Direktiven entgegen' zunehmrn. Hamburg. 13. März. (Dolff.) Die Arbeiter der Ham' bmger Wersten haben im Dreine mit dem Bureaupersonal bte Arbeit eingestellt. Der Abzug ge'lbah in voller Rübe. Fürsorgen «achmittaas sind Berlamnilungen auberaumt, in denen die allgemeine Lige besprochen werden soll. Waldenburg, 13. März. (Wolff.) Die gesamte Bergarbeiterschaft ist in den Streik getrelen. V Spanda», 13. März. In den hiesigen Fabriken hohen die Arbeiter heute die Arbeit medergelegt. Berlin, 13. März. Die Meldung von der Einstellrmg des Straßenbahnverlelnes wird dahin richtiggesteü«. dasr der Vcrlehr nur i» gewissen Slraßenzügcn eingestellt, beziehungsweise ümgeleitet wurde. . Die NeZierrmg ^«er von den NeichZwohr- ' Irn'^ en in Stich g-taffe».' Berlin, IS. März Nach einer Extraausgabe der »Bossi» kHe» Zeit«aa bat die Regierung Bauer, da sich die ReichSwehrtruppen und die Sichcrhcitöwchr geweigert haben, den Gegenreoolntionärcn mit Waffengewalt entgegen» zutreten, auf jeden Widerstand Verzichtet und den irr Alarmzustand befindlichen Truppen den Befehl gegeben, wieder einzurücken und sich passiv zu verhalten. Die Regierung Bauer existiert nicht mehr, ihre letzte Maßnahme, sei die Aufforderung an die gesamte. Arbeiterschaft Deutschlands zum Generalstreik gewesen. Die Gegenrevolution« re hätten an das Kabinett ein Ultimatum gerichtet, das unter anderem folgende Punkte enthielt: Bildung eines neeuen Kabinetts, bestehend aus Fachministern. An Stelle NoSkeS ein General als Neichswehrminister; Straffreiheit für Generallandfchaftsdireltor v. Kapp und die anderen unter Schutzhaft genommenen Personen sowie für die Angehörigen der Marinebrigade Erhardt. Bis 5 Uhr früh berieten Reichspräsident Ebert, Reichskanzler Dauer und Neichswehrminister N o r k e im NeichskanzlerpalaiS über die , Frage, ob dieses Ultimatum angenommen oder abgelehnt werden sollte. DaS Ergebnis der Beratungen war die Ablehnung, des Ultimatums und der Verzicht auf jeden Widerstand. Reichspräsident Ebert habe gleichfalls sofort nach diesem Kabinettsbeschlutz seine Wohnung in. der Wilhelmstratze verlassen. Der Er.rdrnik der Ereignisse in Deutschland in Wiener polnischen Krei en. Die Korrespondenz Herzog" meldet -auf Grund vpn Jnformati.n?« maßgebender politischer und Par la mentarischer P'r'önlichkeiben: Die aus Deutschland vorli'gcmden Nachrichten über die heute früh ins Werk gesetzte Umsturzbewegung müssen in Oesterreich mit um so größerer Aufmerksamkeit verfolgt werden, als die Borfälle in Deutschland geeignet erscheinen. auch die Lage in Oesterreich zu beeinflussen. Dies gilt in erster Linse in wirtschaftlicher Hinsich t, weil es außer Zweifel steht, daß infolge des von der deutschen Arbeiterschaft proklamierten Gen eralst r eiks zu empfindlichen Störungen in der Lebensmittelzufuhr für Oesterreich kommen wird. Der Generalstreik in Deutschland. wird zweifellos erst am Mo nta g feine Wirkung zeigen können. In politischer Beziehung muß naturgemäß der weitere Verlaus der welthistorischen Ereignisse in Deutschland abgcwa.tet werden, wobei die Befürchtung nicht unterdrückt >werden kann, daß die momentane Ruhe, mit welcher der Umsturz sich ereignet hat, nur der Vorläufer von bl.ttgeu Er ignifsen sein dürfte. Wesentlich wird die Wirkung des Generalstreiks jedoch auf die Haltung der »Entente, voran Frankreich sein, das für den Fall einer monarchistischen Umsturzbewegung in Deutschland stets mit der Besetz u n g d e s S a a r g e b i e t e s gedroht hat. Für Oesterreich und Polen bedeutet die neue Myolution in. Deutschland eine - Stärkung der r e ä ktion ären Bewegung, Momente ist es 'für .Oesterreich die,, wichtigste Frage, welche Haltung die süddeutschen Staaten zu der Umsturzbewegung einnehmen, da im Falle der Abtrennung Süddeutschlands von Nordrn die Mfallbrvnegung in Tirol, Salzb urg und Ob röste rrich nur neue Nahriung erhalten müßte. In Tirol ist gerade in diesen Tagen eine von den. Innsbrucker Nachrichten" eingeleitete Volksabstimmung für den Anschluß an Deutschland mit wachsendem 'Erfolge.im Gange. Bri dem Blatts sind bisher bereits über 33 900 Zustimmungen eing^lausen. Krmdg Lange« in Wt*rr. Die von den Sozialdemvkraten.u -d dtomm« nt flen für heute vormittags vor drr Vvlivkirche cinkerufvne Massenversaminkung, an der sich die gesamte die'nstfreie Mannschaft der Volkswehr ohne Waffen beteiligen wird, wird sich, den getroffenen Vorbereitungen gemäß, äußerst impo? saut gestalten.' Die Veranstalter der Versammlung sind der Ansicht, daß die Beteiligung an der Versammlung allen jenen Kreisen, die ein Ab sä rben der Vorgänge in Be r lin auf Wien nicht ungerne sehen würden, eine ernstliche Warnung bedeuten wird.'Die kommunistische Partei verlangt die Perma nenzerklärung des Wiener KreiSarbeiterrares, um gegen eventuelle Zwischenfälle geschützt zu sein. Die heute projektierten deutschnationalen Kundgebungen verboten. Die von drut'chnMionaler Seite ittr den 14. d. M. um 9 Uhr vormittags in du BollShalle des Zialhau^rs?uin Avccke einer Kundgebung für den Anschluß an Deut chlauv und die Frugade der Ktirgsgeianaenen e'nberuiene Veriauunlung wurde von der Podzeldueklivn mit Rücksicht auf die politi ch: Lage aus Gründen der össenttichen Ordnung und Ruhe verdaten. Vorkehrungen der Wiener Behörden. Ueber Anordnung der Regieiung wurden heute nachlS die Ssienilichm Gebäude unter pollzerttchen und milttärischen Schutz gestellt. Die tschecho-slorvakischensozialistischrn Parteien Segen die monarchistischen Umtriebe. PraK, 13. März. Die Vertreter der Herden großenischechrschen Arbeiterparterrn, der soriald mvlr.stisclren mrd der nüt onatsoüalen Parier, hicl'.en hier heute cirre g-rnerrr an\e Be atung ab m wrlchcr dre Brrliner Borwnge zur Sprache kamen. Es wurde tonstatrert, daß den hndea Pa^lc.eu d.eJnlr gen der Monarchisten ln Deu'schiand und Oest.'rrkich wohl betannr'sind. De Bertrctcr der deideu inrmllüücbvr ttLechckcke« Vmteren erttmen. bat; die monarchisti'che Gekabr in Deutschland und Oeüer'.e ch die Nv'.wcndi-fett d neS noch engeren Zusammenkchlnffrs d 't be deu Parteien eriordert, um die Freiheit und Unabhängigkeit^ der Republik zu beschützen. WeilerS wurde erNärt, mit allen |« Verfügung sichenden Mitteln die Nachbarprolctanale im KamvK geg n die Realtion zu unterftützcu. Drr Sturz der Mark an der Amsterdamer. Börse. Hnagf 13.-März. Tel.-K»mv? An der Amsterdamer Börse 'si d.e Mark b-'nte um .^5 Punkte auf 3.20 gesunken. Natli der Bö.fe notierte sie nur 3.05. PoLiLische^rundschM. Sonderbare Berichterstattung. Die unga-isch"« Machthabr'« bemühen^ sich eifrig, i Ausla id die mazyarischeü Berhä tnisse im rosigsten '■* erscheinen zu lassen. Nach diesen Berichten ist aufs beste best.'llt und in Ungarn herrscht Ruh« Ordnung. Ein ganz b.'son-.e'.'«S Stückchen keistet fiel) ein ungarischer Boricht, den wir in der „Reu e« Zür ich er Zeitung" vom 6. d. M. finden. Alle ungünstigen Nachrichten über Ungarn werden auf Er- .' ftridung"n'der sozialistischen P .ess.' .zurückgeführt, welcheihren Les."rn „blutize, xomanbaste Abenteuers vom „weißen Terror" vor usetzcn wisse und namentlich wird tte Wiener „Arb eiter-Zeitung" dieser Tendenzmacherei beschuldigt. ' In Wirklichkeit sei man seit der Wahl des Reichs- Verwesers bemüht, „alle politischen Extreme» zu best iligen". Dann heißt es weiter: „So ist der Einfluß Friedrichs wesentlich' zurück' getreten, wie auch der scharf pointierte antisemitisch« Standpurikt verlassen wurde, waswohl am deutlichsten darauhervorg^ht, daß die orthodoxen Juden Budapests und die Zionisten sich der christlichnationalen Partei an ge schlossen haben. . Ministerpräsident Hnszar treibt in voller Uebereinstimmung mit dem Reirhsverweser eine Politik deS Zusammensassens a!l:r schöpferischen Kräfte." Das ist denn doch selbst für ungarische Methoden; der politischen Augcuauswischerei ein starkes Stück. Wie sehr man den scharf pointierten antisemitischen! Standpunkt verlassen hat^ geht am besten aus den täglichen Nach richten" über antisemitische Exzesse hervor, oder aber ist diese Form des Antisemitismus nicht! „scharf pointiert" genug und diese Bezeichnung nur s dann .am Platze, wenn das Opfer sein Leben läßt? WaÄ , die orthodoxen Jude» anlangt, so haben sie sicher) manchen Fehler gemacht, indem sie es verabsäumt! haben, ein mutiges Wort des. Protestes zu finden! — aber daß sie und sogar die Zio ni sten sich be^ christlichnationalen Partei ,Mgeschlossen" haben, ist,' man kann es nicht qnders sagen, eine fre ch e Lüge- Bon einem Zu^ammansassen aller schöpferischen Ikräft« merkt mar vorläufig wenig, vielleicht darum, weil der Ausblick auf bi st konstruktive Tätigkeit immer wieder durch dst Exzessive der verschiedenen Brachialgewalten verstellt wird. Mit der Konsolidierung hat es noch! seine guten Wege. Sogar die Einheitlichkeit des christlichnationalen Bekenntnisses konnte bisher nicht erreicht werden, weil die kleinen Landwirte von ihrer; extrem radikal-agrarischen Politik nicht lassen wolle», . Jakob Hecht gestorben. Nach einssr Meldung der Czernowitzer „OstjkÄischen Zeitung" ist der Senator Jakob Hecht a» 27. Februar gestorben. Er wer der jül ischen Bevölkerung durch die rumänische Regierung aufgedrängt worden. Immerhin mag gesagt werden, daß Hecht, ein alter .Mann, unermüdlich in den Interventionen für jüdisch« Bittsteller war. Durch seinen Tod ist das Senatsmandat deriBuIowinaer Jüdenschaft erledigt, die überhaupt ohne Vertretung in der gesetzgebenden.'Körperschaft ist. Bei ordnungsmäßiger Regelung des Wahlrechtes, schreibt Dr.Kaßner in dem ziticrlen Blatt, gebühren den Juden 35 Kammer- und. 14 Senatsmandate. Statt dessen sind nur zwei Juden zugelassen ^worden. Es ist zu wünschen, daß die runränische Z^eg'.erung diese politische AuSnahmN» stellung beseitigt sind der Jüdenschaft ihr Recht auf frei« Wahl zurückgibt. I . -;-; Die Vorgänge srrr Tuchener Gebiet. Von polnischer amtlicher Seite erhalten wir frK gende Mitteilung: Die Vorfälle im Plebiszitgebiet von Teschen-Schlesien werden in der hiesigen Presse eifrig verfolgt. Die «Berichte über diese Ereignisse stammte« fast ausschließlich aus tschechischer Quelle und waren tendenziös und nicht der Wahrheit fentsprechenbl Zut Vorgeschichte der Teschener Unruhen sei bemerkt, daß sie von den Tschechen, die mit administrativen Be» vrdnungen der Abstimmungskommission unzufrieden waren, angezettelt wurden. Polnische Arbeiter in bei tschechischen Zone Teschen Sch efiens waren fortwährcttden Schikanen und Terrorakten seitens bet Tschechen ausgrsetzt. Als die AbstimmungSkommissis« diesen tschr-chischen Gewaltakten durch die Schaffung' von gemischten Gcmcindevorständen in den strittiges Gemeinden und durch die Herabsetzung der Bestands der tschechischen Gendarmerie cnigegenzuw'.rken versuchte, proklamierten die Trch chen den Gcneralstreik/'dem bald beira f. ete ttebe^fä le auf polirische Ortschaften folgten. Cs kam'vielfach zu Znsammenstvß-en mit der polnische« Bevölkerung, wobei die Polen viele Verwundete und einige Tote zu beklagen hatten. Dieses Verhalten den tschechischen Bevöikernna und der in aam Tescheu kw r