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Wiener Morgenzeitung · 1920-03-10 · Heft 407 (10.3.1920) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 407 (10.3.1920)
Date
1920-03-10
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Wien. Mittwoch Wiener Movgenzemmgs 1V. März 1V2S Tagesbericht. $tfc m bette 4 .■ Telegramme. Die englische Besetzung der Türkei. London, 9. März. (Funkspruch.) Lloyd George erklärte gestern im Unterhause. daß nach den Rachrichten, die die Regierung erhalten habe, in den letzten Wochen über 15.000 Armenier in Cilicien von den Türken getötet worden seien. Die französische Regierung werde umfangreiche Verstärkungen nach Syrien senden. Britische Truppen werden nach Konstant i n o p e l gesendet werden, um von dort aus nach Notwendigkeit in der asiatischen Türkei, in P a l ästin a und Aegypten verwendet zu werden. Die Besatzung Konstantinopels werde von 16.000 auf 50.000 Mann gebracht werden. Vetzarabie«. London, 9. März. (Reuter.) Der Oberste Rat in London hat beschlossen, die Vereinigung Beßarabiens mit Rumänien anzuerkennen, sobald sich Rumänien von den augenblicklichen Stellungen östlich der Theiß auf die sogenannte Clemenceau-Linie zurückgezogen hat. Die zur Festsetzung des Zeitpunktes der Räumung ernannte alliierte Kommission ist gestern aus London abgereist. Tschitfchsrrrr bittet die Entente um Friedens- Vermittlung. Moskau» 9. März. (Funkspruch.) Der. Volkskommissar deS Arußern, % f cf) 11 f cfj c r t n, Hai sich durch Funkspruch an die britisch?, die amerikanische, die iranzösi che, die italienische und die japanische Regierung mir dem Ersuchen gewendet, die p o t*. vische Regierung dahin zu beeinflussen, daß sie die militärischen Angriffe auf die Sowjetrepublik ein stelle. Rußland und die Ukraine beklagen ausrichtig, daß wenige Tage nach der Erklärung der Verbündeten P o! e n n e u e und großangelegte Angriffe bei Mos yr o n d O w rutsch begonnen habe. Dadurch sei besonders die ukrainische Republik bedroht. I Die russische und die ukrainische Sowietrepublik, dir beide mit Pol:n aufrichtig in Frieden leben wollm, sähen sich vor einer neuen Lage und müßten dm verbündeten Regierungen rmtterlen, daß sir sich in Anbetracht der vorznnehmenden militärischen Operationen außerstande sehen, die vorgesehenen und in Verhandlung befindlichm wirtschaftlichen Verbindungen mit den Verbündeten zu pflegen. I Die Antwort Polens an Sorvietrrrtzlaud. ( Warschau» 9. Man. (Privat.) Der Vertreter des Ministeriums des Aeußern erklärte im Landtagsausschuß für auswärtige Angelegenheiten, Minister Pate! beabsichtige, die Verhandlungen mit den Nachbarstaaten und die Zusammenstellung des erforderlichen Materials so zu beschleunigen, daß die Erteilung der Antwort auf die Friedcnsdeklaratron Sormetrrrßlands gegen Ende des Monates Marz erfolgen könne. Die Konferenzen der Randftaaten in Warschau. Warschau, 9. März. (Privat.) Die Beratungen zwischen dm Vertretern der polnischen Regierung und der finnlavdischen Delegation sind bereits im vollen Gange. Die Beratungen galten Machst den allgemeinen Grnndlagw eventueller Friedensverhandlungcn mit Sowietrußland. Es wurden drei Subkommissionen gewählt, nämlich eine militärische, eine politische und eine finanzielle. in denen die Spezialfragen durchberatcn werden sollen. Die militärische Subkommission wird sich mit der Frage einer gemeinsamen militäüfchen Abwchraktion für den Fall einer bolschtwikischeu Osiensivzu beschäftigen haben. Polnische Angriffe gegen die Bolschewiken. ■ Moskau. 9. März. (Funkspruch.) An der Rordftcmt wurden Pinega und Kem genommen. An der Westfront polnische Angriffe bei Mosyr und O w r u t s ch. An der Südwestfront keine Der- - Änderung. An der Kaukasusfront weitere Fortschritte. Die Mttitarrevolte in Korvno — unterdrückt. Warschau, 9. März. (Privat.) Aus K o w n o wird gemeldet: Die Militarrevolte in Kowno, welche eine Zeitlang bedrohlichen Charakter angenommen hatte, ist durch der Regiemng ergebene Truppen unterdrückt worden. Bei den Straßenkämpfen, welche sehr heftig waren, ist der amerikanische Militärinstruktor H a r r i e s getötet worden. Schweden und Dänemark dem Völkerbund beigetrete«. London, 9. März. (Tel.-Komp.) Der dänische und schwedische Gesandte setzten den Generalsekretär des Völkerbundes offiziell in Kenntnis, von dem Beitritt der beiden genannten Staaten zum Völkerbünde. Deutsche Nationalversammlung. Berlin, 9. März. In der heutigen Sitzung der National» Versammlung gelangte der Antrag Arnstadt betreffend die Löe» kanntgale der der Nationalversammlung vor ihrer Auslösung noch vorliegenden. Gesetzentwürfe, schleunige Vorlage de- Reichs* tagSwahlgefriMwurses und Auslosung der Natioualversammlmtg bis 1. Mar 1920 zur Beratung. Bei der Abstimmung über den Antrag auf Auflösung der Nationalversammlung am 1. Mar wird der Antrag «it 176 gegen 60 Stimmen abgelehnt. Auf eme Ans-.age des Abgeordneten Cohn (Unabhängiger) erklärt Präsident F e h r e n b a ch von der Niedrrlrgung eine- Blumenarrangements am Standbilde Kaiser Wilhelms l in der Wandelhalle deS NrichStagSgcbäudes durch Frau Abgeordnete Kalbe S ch i r m a ch c t habe « nichtgewußt imd & balle eL iür ungehörig» Frau Abgeordnete Schirmacher erklärt, sis bade die Gefühle der Linken nicht verletzt. Sre habe die Blumen in aller Früh, als niemand im Hause anwc'end war. niedergelegt. Abgeordneter Hanke (Unabhängiger) erklärt: Wenn sich die Demonstrationen wiederholen, werden wir dem alten Wilhelm eine rote Ballonmütze aussetzen. (Pfunufe rechiS.) Präsident F e d r e n b a ch erklärt, man möge bei fctttcitt Patriotismus verständig sein und nicht unliebsame Maßnahmen provozieren. D.r Berliner «kaderrr'schs Senat gegen Pro» feffor Nikolai. Berlin» 9 März. Wie die Blät'er melden, bat der akadrml'che Senat der Berliner Universnät aul die Vorgänge im Kolleg des Professors N i k v l a > hin e nmütia sestgestellt, daß di« an ihn gerichteke Frage, ob P ofcffor N kolei würdig fei, seine Lehrtängkert au der Unrversität fortmsetzen, verneml werden müsie. Abba« des Militarismus in D utfchland. Berlin, 9. Marz. Die Hauptkadettenanstalt Groß-Lichterfelde ist heute geschlossen worden. Die Schlußfeier bestand in einer großen militärischen Kundgebung, zu der zahlreiche ehemalige Zöglinge der Anstalt, darunter General L u d e n d o r f f, erschienen waren. Erzberger kein Steuerhirtterzleher. Berlin, 9. März. Wre die Blatter melden, hat da- Finanzamt Eharlottnibuig in der Steuerangrlcgenheit Erz" dergers sestgestellt. daß Erzderger wissentlich unrichtige Angaben in Absicht einer Steuerhinterziehung nicht gemacht hat. Prager Nationalversammlung. Prag, 9. März. (Tschecho-slow. Preßbur.) Zu Beginn der heutigen Sitzung der Nationalversammlung reaaiert.' Präsident Tomasek auf die vor einigen T-ager» vom Präsidenten des polnischen Landtages, Trvmpczynski, abgegebene Erklärung bezüglich des Plebiszits im Teschener Gebiet, in Arva und in der Zips. Präsident Tomasek erklärte feierlich, die Ljchecho-slvwatt^che Nation habe auf das Teschener Gebiet in Schlesien niemals verzichtet. Se dann wurden die Gesetzentwürfe-betreffend die Wahl des Präsidenten, die Errichtung des DerfafsungS- . Gerichtshöfe? sowie des VerwaltungS- und Gerichtswesens bei den Bezirks- und Gaubehörden ohne Debatte genehmigt Prag, S. Marz. (Del.-Kvmp.) Die Regierung hat in der lnuttgen Sitzung der Nationalversammlung einen Gesetzentwurf Über ben Bau neuer EtsenLah nlinien in den Jahren 1921 bis 1925 eingedracht; es handelt sich um die Ermächtigung zum Bau direkter Verbindungen mit der Slowawi und Karpatho-Rußland in der G». sam'tlängtz von 568 Kilometern. Zur Deckung der Auslagen im Gesamtbeträge von 6431 Millionen Können sollen Ren.enobligationen, auf tschecho-slotvakifche Wäl,rung lautend, auSgegeben werden. Der Streik im Ostrauer Revier. Prag, 9. März. Nachrichten aus Ostrau zufvlge hat sich der Streik - folgendermaßen ausgebreitet: ES streiken dt- Belegschaften aller Schächte in Karmin, Orlau, Lazy, Porembä,' Peterswalde und in Schlesisch- Ostrau; ferner in den Gruben Saluny, Ludwig uwd Zarbek. In Ostrau selbst herrscht Ruhe und es wird dort gearbeitet. Es streiken 70 Prozent der Beleg»-, schäften der Gruben, das sind etwa 27.000 Bergleute. Der Streik entstand aus politischen Gründen, weil die Er.tente - Abstimmungskommissjon sämtliche Berwaltnngskommissionen in den einzelnen Gemeinden auflöste und sie mit ganz neuen Leuten besetzte. Die Be» legschaiten der einzelnen Schächte sollen von Schacht zu Schacht ziehen. Es ereigneten sich Zusammenstöße zwischen Polen, Schlesaken und Tschechen. In ben Gruben Oskar und Anselm in Peterkowitz, int Hultschiner Gebiet sind spartakistische Unruhen aus gebrochen. .Der MtriebSingenieur wurde von den Lü> beilern verprügelt. Ei« Kvhlsumonopvl in der Tfchecho- Slowakei? Prag, 9. Marz. (Tel.-Komp.) Wie die »Tnbuna" erfahrt, plant die Regierung die Einführung des Kohlenmonvpols, wobei der Staat die Kohlenförderung übernehmen und den Verkauf durchführen würde". Die Entscheidung in der Frage ist noch nicht gefallen. Man rechnet mtt einem Iahresertrag von 600 Millionen Kronen. Huszar mtt der Neubildung des Kabinetts beauftragt. Budapest, 9. März. (Ung. Tel.-Korr.-Bm.) Der Aeichsverwefer hat heute vormittags den Ministerpräsidenten Huszar in fünfoiertelslündiger Audienz empfangen und ihn nach eingehender Erwägung der gesamten außen- und innerpolitischen Lage mit der Neubildung des Kabinetts betraut. Ministerpräsident Huszar ersuchte den Verweser, zuvor die Ansicht einiger lettender Polittker anzuhören. Eingesendet. Brillanten, Platin. Mtiniftft Perkn Uhren, falsche Zähne, alle Silbereegenstände verkaufen Sie am besten direkt dem Juwelier und Goldarbeiter S. Holzapfel Wien, VI., Märiahil'erstiasse 79 oder Werkstätte: L, Wollzeile 17/13. «<" *«MtM<riMto&reiM^mr»igea«V«rNrbeitea8 Jüdische Massenversammlung in Favorite«.. Montag abcndS fand eins von der zionistischen Bezirk? kkiion XfXl veranstaltete jüdische Versammlung statt. H' einen massenhaften Besuch aufweis. AlleS^ waS im B)?irk und Umgebung jüdisch ist. war anwesende Lberrabbiner Dr. ChajeS referierte über Jugend' und Erj'hung Der Redner sprach vop der Grötz^ der Bibel und der Pflicht einer jüdischer Erziehung und nurbfr durch seine glänrenden Ausführungen eineui mächtigen Eindruck auf die Hörer. Hierauf sprach Doktor D. Kellner, der Direktor des Wiener hebräischen Realgymnattums. über die jüdische Schube. Nicht an Helden der blutigen Schlachten solle die Jugend begeistert werben, sondern an unseren Hrlden, die von sü^ifLkm G<.ist erfüllt waren. Derhaw habe man hi Wien eiM jüdische Scl)ule gegründet, um der Jugend ben zu können, was der jüdische Geist verlangen, Schließlich sprach Abgeordneter Stricker über di» polüischeu Erfolge der jüdischen Bewegung. Er schilt, derte bi* Eindrücke seiner Londoner Rei.e, den warme« Empfang, den ihm die Londoner Judenschast zuteil w^'rden liß, und berichtete unter tosendem Beifall Üben den Sieg der zionistischen und nationaljüdische» Ideen Er strdeiie di* Favoritner Juden auf, jedes kleinlich« Bezirksu..d Doreinsgezänke. von sich fern zu halten; und einn.ütig für die Erfüllung des nationaljüdische« Pixglammes einzutreten. Er wies die Hohlheit unst Verlogenheit der Argumente der Assimilationsjude« nach, wc lch« di nationalen Forderungen als „gefährlich^ bezeichnen und in der bonseguenten Fälschung der Abe sichten des volksbewußten Juden Rettung ihrer un-i haltbaren Stellung im jüdischen Leben suche». Die ftfk* mische Zustimmung, welche die Ausführungen Strickers entfesseln, ließ deutlich erkennen, daß auch in FavM liien die nationale Idee gesiegt hat. Abraham Kaplan gestorben. Mrnsk, 9. März. (Privat.) Am 28. Februar ist der Präsident der zionistischen Organisation in Weißi rußland, Abraham Kaplan, gestorben. Er zählte zn> ben rührigsten Anhängern der zionistischen Bewegung und war seit den ersten Zdongresfen zionistisch tätig. Nach dem Ausbruch der russischen Revolution entfaltete Kaplan eine intensive Tätigkeit einerseits auf nationalpslitischem Gebiet, andererseits auf dem dev Hilfsarbeit. Er war nach den Achten Wahlen Präsident der jüdischen Gemeinde in Minsk und wurde wenig« Tage vor feinem Mleben Vizebürgermeister der Stad« Minsk.;/ .; , Kein Streik der städtischen Angestellten« Das Präsidium des BerbandeS der städtischen Be«» amten und Angestellten hat mit Rücksicht auf die Bev- Handlungen im Parlament und auf die EinigungAbestrebungen es heute unterlassen, eine Entscheidung i«5 der Streilfrags in Erwägung zu ziehen. Den Bezirks^ vrganisationen wurde auch die Aufklärung gegeben^ daß Meldungen über einen Streikausbruch am morgig 4 T^ge jeder tatsächlichen Grundlage entbehren. ' Volkszählung und Ostjude». Mau schmbt »ns: Die Ergebnisse du BolkSziihluug sü« Wie» habrn das aMemiüsche Märchm von du durch die galiq Srschen Flüchtlinge verursachten Wohnungsnot gründlich widerlegt. Die W.ener BevötterungSziffu, in welch« ja a a ch die hier ansässigen Flüchtlinge iubegriffe» sind, ist jetzt m» mehrere Hvnderrtansende kleiner als im Jahre 1911 vor de« Kriege und doch lst die Wohnungsnot jetzt bedeutend schärfer altz vordem Kriege! i DieS beweist in zwingender Weise, daß jetzt viele Wohne, grbäude ihrer natürlichen Bestimmung entzogen und für andere als Wohnzwecke verwendet werden. ES ist merkwürdig, daß alle» öffmtlichen Erörterungen dieser Frage bisher nicht die wahren Ursachen der Wohnungsnot aufdeckQt komuen und auch die kürAich m\i so großem Ela» tmd unter stürmische« Proteste der Christ!'chsopalr« emgeleckete WohnuugSanfnahme hat keine merkliche Erleichterung gebracht. Es 'st nicht rmwahrschemlich, daß bei de« nächsten anlrstmitische» Vorstoß wieder dir ULchtlivge als d,e an der WohrmngSuvt Schuldige« gelten werden. Statistisches Material für den Wi^eraufbau in Ostgalizie«. Der Pvessedienst der Delegatto» deS Jüdischer^ NationalratrS für Oftgaltzien meldet: ' Uns«er Aufforderung, uns statistisches Materie! für die nach Amerika abgehende Kommission einzuschicken, haben bisnun zirka 18V Gemeinden OstgalizienS Folge geleistet und uns mehr als 95.000 ausgefüllte Fragebogen übermittelt. Ebenso habe» die in Wie« und in den Tschecho-Slowakei lebenden Flüchtlinge 15.000 auSgefüllte Fragebogen eingesandt. Diese- Material wurde sofort ix unserem Bureau statistisch bearbeitet und der am 4, d. M. «ach Amerika abgegangenen Kommission mitgeben. Leider müsse« wir konstatieren, daß biSmr» eine Anzahl größerer Städte, wie Lewverg. Brody, Tarnopol, Stanislaü, Stryj, Sokal ustv., unserL Aufforderung unbeantwortöt ließen. Da daS statistische Material für unsere Derhandlungen in Amerika in Angelegenheit deS Wiederaufbaues der ostgalizifchen Jubenheit ungemein wichtig ist, ersuchen wir die noch auSstehenden Städte, uns dasselbe unverzüglich einznschicken, damit wir. selbes sofort unserer Kommission «acbschickvn köttnen »nd auf biefs Weise ihr» Mion J

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