Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1920-03-04 · Heft 401 (4.3.1920) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 401 (4.3.1920)
Date
1920-03-04
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2979076-2979416-2979479--03539-2989180
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Wen. Donnerstag nnnaft«aviM Wiener Morgenzemmg ■udniwMwi 4. My ISN'. VSe"«' h - pch euch jüdisch« Handwerksgehilfen u. dergl. als „Schauspiels zu. Der Dialog — ''Verse — wird zum größten Teil gesungen. Die Kostüme find geradezu traditionell. Im Ahaschweroschspiel ist der König mit den martialischesten Abzeichen seiner regia potestaS ausstrfsiert; Szepter, Krone und vor allem ein mächtiger Bart charakterisieren ihn. Haman ist gewöhnlich durch fuchsrote Perücke als der Böse- «wicht kenntlich gemacht, Mordechai dagegen hat den sanftesten, edelsten schwarzen Bart, den eS gibt. Alle drei tragen zumeist Masken. UnmaSkiert dagegen ist die wonnigliche Esther, die jedoch — selbstverständlich von einem Mann bargestellt wird. Dazu wird der schönste, jüngste und gewandteste Jeschiwebocher auSgewählt (ebenso für die kleine Rolle beS Benjamin im Joseph spiel). Die Purimspielrr wandeln in ihren Kostümen über die Straße ins nächste H«rS, nachdem sie ihre Vorstellung in einem Haus« beendet, reichen Beifall eingeheimst, Wein, Leckereien und auch BWb erhalten haben. Sie bilden natürlich das Entzücken der Jugend, welche ihr treues Gefolge abgibt. Nur Haman, der rotfurchtbare Haman, ist die Zielscheibe von Spott, Hohn, „Gegrager", manchmal auch Steinwürfen. Ebenso geht eS manchmal Simeon, der im Jvsephspiel eine wenig ehrbare Rolle spielt. Das Spiel ist Wirklichkeit, die Historie wird erlebt. Und der jüdische Scherz wird zum allgegenwärttgen Erleben geführt, das ja dem Scherz die Würde gibt. j DaS Purimspiel endet mit dem Fest, das «S hervortzebracht hat. 'Und der Jude wird wieder ernst, blickt ein voenig verächtlich auf das „Verstellen", auf den Purimu fpieler, auf die Fröhlichkeit, der er vor kurzem erst ganz hingegeben war. Die ganze Wesenheit dieser jüdischen Scherzbetrachtung liegt in dem PurlmliedverS: I „Heut' ist Purim, morgen ist'S aus, f Gebt mir 'neu Groschen und werft mich hkraus." Episode. Und doch ist der Teil der Judenheit, der den Purim pnd sein episodisches Spiel, das von Haus zu HauS wandert, Vicht mehr erlebt und mitzuempfinden vermag, ärmer, seelisch Armer als der Jude, der im Purim spiel wohl eine ,Hevßellung", aber doch eine Verwirklichung sieht, zeitlose, weil Allgegenwärtige Historie. EinstenS hat Haman uns nichts wrhaben können, er kann es auch Heute nicht. DaS ist bi« Kontinuität des Volksgeistes. Das Purimspiel der jüdische» Masse hat sie. An ihre Stelle hat die jüdische Verblendung des Purim — die Redoute gesetzt . , « i - Mein erstes Anstrete« in einem Pnrim- >spiel. Don Jakob Kravsz., Die Erinnerung cm mein erstes und letztes Auftreten kn einem Punmspiel ist mit einer anderen, minder lustigen Erinnerung an die erste und letzte Maulschelle verknüpft, die «rr meine gute Mutter versetzt hat. Die Versetzung der Ohrfeige durch die gütige Hand einer liebenden Mutter war, wie ich heute als gereifter Mann objektiv feststellen mutz, die homoopatische Vergeltung eines Vergehens, das ich damit begangen habe, daß ich einen güldenen Fingerring versetzte, um mir mit dem Pfandschilling einen Anteil an einem zu er« verbenden Purimspiel zu sichern. Heute, am Jahrestag des sticht- und Schattenspiels in meiner an Romantik recht reichen Fugend will ich Gott danken sowohl für die mütterliche. Backpfeife als auch für das Erlebnis, das mir mein Mitwirken m jenem Purimspiel gewesen ist. Denn beide: Ohrfeige und Purimspiel, haben auf mich die nachhaltigste Wirkung geübt. Seit jenem schallenden Ereignis habe ich mich peinlich ge» Hütet, einen Gotdring zu erwerben, aus Angst, ihn zu verhetzen, und seit jener lustigen Purimwoche vor 38 Jahren stehme ich in Lerd und Freud, im Jubel und in der Verzweiflung Zuflucht zu jenen innig tiefen Melodien, die wir damals f» unbändiger Ausgelassenheit von HauS zu HauS trugen, sbolz auf unsere Triumphe, mit denen uns ein dankbares, fteudehungrigeS Publikum überhäufte. Unser Purimspiel war, wie alle ungarisch-slowakischen Purimspiele, ein politisches Tendenzstück. Ich habe eS immer «ls eine große Weisheit unserer Rabbtnen angesehen und eS $JS ein unschätzbares Glück für den Jeschibah-Dachur empfunden, daß ihm wenigstens einige Male im Jahr, ganz besonders aber am Purim, die Ausgelassenheit gewissermaßen ßkfehlich aufgetragen ist. Dieses Ventil für die Ungebundenheit ist für den in freiwilliger oder aufgezwungener seelischer Askese lebenden Talmudjünger dasselbe, was für den auSpehungerten, verdürstenden Boden Palästinas der belebende Wasserköpfen. Daher das unbändige Sehnen nach dem purimfeste, daher die Unruhe, die sich des Bachurs bemächtigt, Venn schon am Chunukah die ersten Beratungen über daS jmchfte Purimspiel beginnen. In der Zett, von welcher hier die Rede ist, zu Beginn ier Achtzigerjahre des vorigen Jahrhunderts, stand das ungarische Judentum noch unter dem Eindruck der Ereignisse deS JohreS 1867, das Ungarn den Ausgleich mit Oesterreich, den ungarischen Juden die Emanzipation und —• den Juden« Kongreß brachte, der mit der unglückseligen Zweiteilung deS »ngarischen Judentum» endete. Der erste große Schlag, den die Reo^ogen gegen die Orthodoxen führten, war die Gründung des Budapester Rabbinersennnars, das bald nach seiner Eröffnung mit dem Bannfluch der Orthodoxen belegt wurde, vegen dieses Rabbinerseminar war unser Purimspiel gerichtet» tzaS den Titel „Der jidische Galoch" („Der jüdische Geistßche") führte. ES war ein ganz respektables, modernes Stück. Der Sohn üner orthodoxen Familie, der Stolz der kleinen Probinzstadt» ket durch seinen Scharfsinn, fern umfangreiche» talmudisches Kissen die Bewunderung der Judenstadt erweckte und einst ein 8aon in Israel zu werden versprach, wird plötzlich von der Kulturepidemie ergriffen, verläßt daS Elternhaus, bezieht daS Kabbiuerseminar und erhält nicht nur daS Rabbiner-, son« Ktt» ckvch daS Doktordiplom. Sein erster Wea nach oex Promotion führt ihn ins Elternhaus zurück, entschlossen» seine Eltern und die ganze Gemeinde für dre neue .Kulturrichtung im ungarischen Judentum zu gewinnen und bei diesem Anlässe — die Liebe seiner Jugenp, die schöne Ella (auch ein bezeichnendes Kultursymptöm) heimzusühren. Das Rückgrat des ganzen Stückes ist nuu der Ideen- und Argu» mentenkampf zwischen Later und Sohn, eine Szene, die reich an dramatischen Wendungen ist und schließlich in dem Klagelied des alten, gebrochenen Daterö auöklingt. Zwei Strophen, dieses Liedes» das sich viele Jahre hindurch in Ungarn großer Popularität erfreute, sind mir noch in Erinnerung und sollen hier im Jargonoriginal wtedergegebin werden. Oi nebach ez jidische Kinder, Betracht'- de Welt, wie sie iS azinder. Asoi a fein jidisch Kind I» vacsiehrt gewor'n asoi geschwind * *. Wer hätt' den» dos gekennt sogen Noch vor zwei — drei Johr, M Ich werd a Sühn vermöge«, Oi nebach a Prediger gor .,, A Gewalt, ich bin a Siebziger bald. Muß do dar mir fteh'n a gojische Gestalt! Süßer Gott, will mich zühören ttn nemm aweg mein Zaar, Eingesunken Hot gesollt wer'« DoS Poster Seminar! Me es senen die erste acht Tag gekümmen, Men Hot Mm züm Mal'chsein genümmen, Sen' mir War Schreck ave Farben ausgegangen, Ich hob gemeint, er werd schon starben, Hätt ich ober doS gewitzt, er werd a Prediger fein, Hätt mich nicht noch sein Leben geglüht, Hätt gesagt- „Schneid'S noch besser arein * y < Heut hot er Koiach, wie a Bsn-Roiach, Verdreht nur mit der Philosophie den ganze« äfcfodfc Süßer Gott, will mich zuhören usw. Da in diesem Wettkampf, in welchem der Sohn als Rabbiner, in Talar, mit Augengläsern und Bäftchen» immer schwülstige Redensarten im ausgesuchtesten Deutsch gebraucht» während.der Vater und die übrigen Darsteller im wenig sympathischen flowakisch-jüdischen Jargon ihr Leid klagen, sich keiner von den beiden als besiegt ergeben will, tritt der Intrigant aller Purimspiele, dem Schadchen, auf den Plan mit der Aufgabe, den „verstockten Philosophen" an der schwächsten Seite aller Kulturmenschen, an der Liebe, zu fassen. Der „Verführte" sollte durch die zu erweckende Liebe zu einer „gebildeten" Tochter eines reichen orthodoxen Kaufmannes in die Gemeinde der Frommen zurückgeführt werden. Dieser Schadchen, dessen Rolle mir, als dem größten afüs Ponim", wie unser Purimdirektor sagte, zugefallen war, ist die lustigste Figur deS Stückes, der sich auch manche drastische Scherze erlauben durste. Unser Schadchen war ein echter Halodri, der sich bei seinem Geschäfte sein Gewissen niemals mit Skrupeln belastete. Dies mußte auch^ äußerlich kenntlich gemacht werden und der Schadchen war auch tatsächlich eine ausgesucht häßliche Erscheinung. Er fand stürmischen Beifall, wenn er im Polkamarsch sang: Seht's mich nor an von Kopf bis Fuß» Ich feh doch aus wie a Rtach, $ Ich bin doch gor a foi miß, Daß vor mir kenn nicht kümmen Mefchiach; Kumm ich in a jidisch HauS arein, Heben alle gleich ohn zü schrei'n: Kümmt nor, kümmt mit Gott Reb Russen Brengt Ihr ünS efschor gor a Thoffen?! Srh' ich a Maid mit weiße Hoor, Sie hob'n sich schon auf weiß verwandelt, Sog ich, sie iS alt achtzehn Johr Sn Hot mit Mehl gehandelt. Hob ich sie dann areingelegch Sie hot chm die Augen auSgekraht: Ich hob schon mein SchodcheneSgeld ün hör sie wie die Katz... Daß cS so einem Ausbund von Schadchen schließlich auch gelingt, den jungen Philosophen mit der schönen, gebildeten Ella zusammenzubringen, und daß diese orthodoxe Eva es auch fertig bringt, chrem Bräutigam die Philosophie aus den Kopf zu schlagen und ihn wieder zum „alten, jldischen Glauben" zu bekehren, braucht nicht erst betont zu werden. Das Purimspiet war ja gegen die Philosophie geschrieben worden und die Orthodoxie mußte siegen... Ich bin als Schadchen nicht reich geworden. Mein Anteil an dem Reingewinn dieser Purimturnee durch die Juden« gassen meiner Geburtsstadt hat mir nicht die Auslösung meines versetzten Ringes möglich gemacht. Lange Jahre hindurch konnte ich mich von dem Eindrücke nicht befreien, den dieses Erlebnis auf mich gemacht hat. Und heute Noch kann ich mich des Gefühls nicht erwehren, daß das große Kulturproblem, das in jenem Purimspiel behandelt wurde, wichtig genug ist, um endlich auch sehr ernst behandelt zu werden, und daß das Budapester Rabbinerseminar durch seine vielfachen Unterlassungssünden den Orthodoxen den Sieg allzu leicht machte. Wenn ich bei der Erinnerung an mein erste- und letztes Auftreten im Purimspiel etwas tief beklage, so ist dies die Tatsache, daß diese Purimspiele nicht gesammelt und die Autoren nicht erforscht wurden. Mummenschanz im Ghetto. Anläßlich des PurimfrsteS sei an einen merkwürdigen Umzug erinnert, der die naive isreube der Ghettobewohner am Mummen« chanz und ihren eigenartigen Humor ivtde» piegelt. ES handelt sich um den Aufzug, mit welchem die Prager Judenschast die Geburt Kaiftr Jo,'es U. beging. Wir entntijr. c«: iö» xAcklAÜumhft (KtfrilWmm ht&t 5ftüAki» eine« Anonym«», tct «eali» rniml und seine Fragmente, betitelt: ^Die Jude» und die Judenstadt in Wlerr^, int Jahrä 1846 erscheinen ließ. , t - j Die Kaiserin hatte am 13. März 1741' de« öste« reichischen Erbstaaten einen Prinzen geboren, mit Joseph, besten Pate der Heilige Vater war. Unveschrei^ licher Jubel erfüllte damals die weitgedchnten Staaten eine« Fürstin, die noch kurz vor ihrer Mederkunst an ihre Schwiegery mutter schrieb: „Sie wisse keinen Ort, wo sie ihr Vochta best halten solle.". , > J Von Feinden mnnmgen donnerten aber »Nenkhakheck Oesterreichs Freudensalven «nd jede Stadt wetteiferte, als k« Frohlocken einander zuvorzutun. In diesem allgemeines Jubel blieb Böhmens Hauptstadt «nd insbesondere die dortig« Judanschast nicht -«rück. Diese zog festlich mit wallende«! Fahne» und Ningendem Spiel auf; in den Synagoge» ward gebetet und der Bizeprimator Simon Wolf Frankl tmji teilte Almosen gleicherweise an christlich« wie an Mische Arme. Am Abend war die ganze Judenstadt erleuchtet ßychl vor dem jüdischen Rathaus floß Wein und vier. ,j Ihr Hauptfest beging die Judenschaft erst «ach tag glücklich beendigten sechs Wochen der Kaiserin; — e> wap ein höchst originelles Volksfest, Wege» seiner JovialitLr Skurrilität gleich denkwürdig. j An dem bestimmten Tage war aller Handel und Wandel eingestellt, der Trödelmarkt blieb geschlossen, di« Gasse« der Juöenstadt wurden gereinigt »nd die Fenster mtt Teppichen behängt. Drei Tore der Judenstadt waren zierlich austapeziert mib mit Musikbanden besetzt, um die an kommenden Fremden mit Trompeten und Pauken zu bewillkommnen, Um 3 Uhr nachmittags setzte sich ein Feftzug in Be»f wegung, der die Judenstodt weniger als eine Korporation^ den« als ein eigenes Volk ernst und scherzhaft zugleich repräsentterte.! Voran schritt ein Mischer Postbrieftrüger; zwei Lrmwj peter folgten ihm und hinter diesen sechs jüdische LLusee iw großer Gala. Dann kam der Anführer d«S Zuge-, der fteft "mator Frankl, auf einem schulmäßige« Pferde mtt eine« silbergestickten Schabrake von Ponceaufarbe, in voller Gr«^ dezza, ihm zur Seite paradierten die stattliche» Heiduck»^ hinter ihm sein Unterkommandant David Löblkuh, efaft falls von Hetduken begleitet.! Hierauf kamen die Geschwornen, Gemeindeschreiber und' Schulklöpper, im höchsten Staat, uater den letzteren ein Greiü von 68 Jahren mit einem zinnernen und ein anderer mtt vergoldetem Schulhammer. Diesen folgten die Mischen dto* lehrten, denen Musikanten vortraten, die auf dem Maldhor»^ lustige Jagdstücke bliesen; hinter ihnen zwei Kolonnen jüdi-f scher Studenten mtt silberbeschlagenen Büchern, jede angeführt^ und beschlossen von Berittenen mit der Partisane im Bügeüi Run erschienen die fremden Lehrer, unterschieden durch besondere Barette mit dem Buchstaben P; hinter ihnen eir«tz lustige Rotte zu Fuß, freudig in die Welt hineinguckend. Av^ diese schloß sich der Judendoktor MoseS Salomon Gumpert^ dem ein Läufer und zwei als alte langbärtige Türken der»! kleidete Männer gravitätisch voranschritten; bei ihm defank sich sein Sohn, der daS Testimonium facultattS medicae best Vaters zur Schau trug. Neben dem Doktor ging de» Apothekersohn mit der jüdische« Apothekerbüchse, und olle; National-Dader folgten. Jetzt erblickte man den Schulkantor, dem ein Positiw vorgetragen wurde, worauf er an verschiedenen Ort-n eineul Segenswunsch für das durchlauchteste Erzhaus spielte. Arme Waisen, auS der Anstalt deS PrimatorS Frankl, stimmtech dabei den 73. Psalm an. Ein achtzigjähriger jüdischer Spiel» mann, sonderbar genug, als alte Frau verkleidet, blleS Hatz Fagott und alle anderen Spielleute seines Glaubens folgteuj ihm, mtt dem Vivat auf den Hüten und der großen Zunft-! kanne; bann schritten die jüdischen Metzger einher, ein dritthalb Ellen hoher Schlüssel wurde ihnen vorangetragen. Hierauf sah man zwei jüdische Gaukler, sie gingen aus den Händen statt auf den Füßen, setzten bloße Degen an die Brust und die Augen und machten die tollste» Sbrünge. Ihnen angereiht waren die jüdischen Kürschner in korsibaren Pelzen, mit zwei Schilden vom edelsten Rauchwerk, worin die Bilder Maria Theresiens mit Josef in der Wiege u»ck> der Schild Davids zu sehen waren; auch eine Menagerre kam zum Vorschein, auSgestopfte wilde Bestign und ein Jäger dabei, der von Ort zu Ort lustig dreinknallte. i Die jüdischen Schneider zogen auf mit Nesseln und klingendem Spiel, die Posamentierer, die Schuster mtt einem riesenhaften zinnernen Stiefel, ein prächtiger Zug ungarische« Lanzenreiter und ein anderer glänzender Husaren. Nach ihnen sah man einen Juden, als Dame kostbar gekleidet, auf einem schönen Zelter, neben ihr ein zärtlicher Ritter mtt allen galanten Manieren seiner Zeit. Gleich hinter einem zärtlichen Paar erblickt man den Hochzeitsnarren, über und über mit hölzernem Küchengefchirv behängen und statt des HuteS einen hölzernen Topf auf dom Kopf, dann ein grüngekleideter Harlekins hierauf mehrere Narren, deren einer, als Kindswcib gekleidet, einen Knabe« von vierzig Jahren an einem Gängelbande führte und ihn von Zeit zu Zeit mit MuS (Brei) fütterte. Ein anderer machte mit einem falschen Pferde verschiedene lächerliche Posituren; dann^ folgten zwei Paar wilde Männer, ferner drei ungemein dicke Vielfraße, possierlich ausgestopft, hierauf Bacchus aufeinem Wagen mit Satiren und am Schlüsse eine förmliche Bauernhochzeit. Dieser abenteuerliche Zug ging aus dem jüdischen Ge« mtzindehause, dem Tummelplatz vorbei, zum Pinkel-Schultor hinein, die daranstoßende Gaffe hinunter, durch die goldene Gasse über den Platz bei den drei Brunnen deS PrimatorS vorbei, auf das jüdische Rathaus zu. Am Abend war die ganze Jubenstadt festlich und glänzend beleuchtet und tye reicheren Mitglieder der Gemetlide bewirteten die christlichen i Standesperionüv ouf hr.s MniU..

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.