Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 401 (4.3.1920)
- Date
- 1920-03-04
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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BeHTC Wien, SonnttsläC /üBUim* MsrgMMMüff MHhmNMiIuhmu MSkz rv2S Nr. 40g ' . Das Polnische Budget. Warschau, 3. März. sPnvat.) Gclrgcnilich der Drbatte Wer die inneren polnischen Anleihen hielt Finanzmimsttr Grab Skr ein längeres ErposS über, dos polnis che 6 u d g k t für ba§ lünflige Jahr. Nach den AtiSführungen deS ^manMNiüeis weiden die ordenilichrn Ausgaben im zukünftigen LudqetjaKre mit acht Milliarden Mail, die außerordenülchen Mit 14 Milliarden veranschlagt. Die ordentlichen Ausgaben sollen Mich die Elticigniffe der Ltcuern gedeckt werden, wobei freilich »edeulende Erhöhungen projektiert sind, So sollen üe Konsumsteuern rrrrg >ähr um daS Bierlache erhöht werden und!n ersrer Rrche soll die Steigerung solche Artikel wie Spiritus rnd Tabak tMen. Ueberdres trägt sich die Negierung nut dem klone, neueSteuern rinnrlüliren, und zwar vor allem fit iin Kongrrßvolen noch nicht bestehende) Einkommensteuer und ne Krlegsgtmimistmer. Diese letztere wird progressiv sein und von PU bis zu 50% hinarrlste gen. Ter Finanzminister betonte, daß sie Bclasiung Kongretzpvlens und Galiziens eine gleichmäßige '«in soll und versicherte, daß bei der geplanten v a.l u t a r e g u l i e r » n g eine Begünstigung des HubcIS durchaus nicht beobsichl-gt sei. Der Nmtauch der Kronen gegen polnische Mark wird bereits in einigen Wochen evfotßen können. Die außer orden lichen Ausgaben sollen »urch Kreditopcratronrn gedeckt werden. Beide inneren Anleihen lud bloß geivissernmßcn er» Vorspiel und eine Art morali cher Probe. Der Rest der anßeio'.dentlichcn Ausgaben soll in einer ßwangSlnhe seine Bedeckung finden. Tagesbericht. Jüdischer Frohmut» <Ium Purimfeste.) Der jttUsche Frohmut ist kein Jüngling mit hlvndlocken und Blumenkränzen und unbändiger Lust, ^ein Haupt trägt den Schnee des Alters, silberweiß hallt.ihm der Bart zur Brzrst hinab. Aber unterhalb der Koch viel jüngeren, . vom ...ersten Reif, überhauchten, huschigschwarzen Augenbrauen, zwischen den . feingotderlen Schläfen, leuchtet ein ewigjunges,, vom Glanz per Güte 'verklärtes. Augenpaar, das über das Getriebe Dieser Welt .tvcise lächelt unb doch kindlich froh jberden kann.. , ' ' Es geht die wunderschöne Sage von der Er-- Häftling de^ Greisenälters. Gott wollte seinen Liebling Abraham degnaieu unld sprach zu ihm: „Ich will)dir hie Krone von meinem Haupte schenken.^ Und Abraham fegt« sich schlafen und als er des nächsten Morgens erdachte, war sein Haupthaar und sein Bart weiß und schimmernd wie eine Winterlan Schaft. „Gleich wie eine Krone das Haupt des Königs schmückt, so-ist-das weiße Daar des..Greises Pracht und Herrlichkeit." . . I Seit dieser P:u^de ist upsrre. r Volke dasi köstliche •Ihit schöner, weiser unb früher G^'kse xü eigen, und das poch köstlichere güriger, jugendsrischer, kluger alter Frauen. Und dies'ist'unser heimlicher Schaf) gewesen kn der trübsten Enge des Ghettos, daß die Sechzigänd Si.bzig'ähri-.en sö.mlich den Neigen führten, oder hoch die fürsorglichen'Hüter der Freude waren, wen» Gesetz oder Brauch dem Frohmut eine Stunde gönnt. Haltet inne, Freunde, in der bitteren Hast der Lage und denket an die Großväter und Großmütter her Kchilla. Wessen Antlitz war jünger, als das des Greises, wenn nach dem Einzug der Sabbatbraut die Pemiroth-Lieder erklangen, wer war aufgeräumter bci den häuslichen-Csan ika-Abenden, als die Matronen yiit der. seingesalteten Feiertagshaube? Wer tat uwbön'tgcr leim Fest der T'M'asr.ude. alz die Gemeinde- Väter, wer lachte Heller bei einer richtigen jüdische» Hochzeit, wer verstand sich rascher zu einem Tänzchen ttifr Kovswiegen und Händeklatschen, als die „Bube"? Niet uns diesen Froh uk mit d.n-gel-leichie» Haaren, ihr Völker! D.re Eivigkett des JüdentuluS spiegelt sich in ihm. —; •' r Und dies scheint mir dev Liefere Sinn des Mummenschanzes Ln der Purim-Nacht zu sein: Eine Huldigung für den jüdischen Frohsinn mit der Krone des Alters und den ewtg jungen Augen. Sinnbildlich tvar's, wrnn man in der Judengaß' in bunten Flitter» von Haus zu Haus zog und gleichsam vor den Familienäl'.eften defilierte, die in der guten Siube saßen, Süßigkeiten spendeten und dem tollsten Spaß verständnisinnig zutrank:». r Feiern wir sie in dieser Nacht, die Erben, die Bewahrer, die Mehrer des. jüdischen Frohmuts und Unzen wir ihnen das untre.gleichliehe Wort der Schrift: „Gepriesen sei, von dem die Heiterkeit ausging!" Otto AbeleS. Purim-Sammeskag für tzen Jüdische« Narionalsonds. DaS Wiener Bureau des Jüdischen NationälfondS erläßt' folgenden Ausruf: In der letzten Sitzung des großen Aktionskomitees der zionistischen Weltorganisation, die vor.einigen Tagen in London'getagt hat, sprach sich der größt« Teil der' A. C.- Mitglieder mit Dr. W r i z m a n n an der Spitze für die ° Nati0nalisierung deS BsdenS in Palästina aus.. Dies: Stellungnahme entspricht durchaus der bestimmten Forderung der breiten Massen des jüdischen Volkes des Ostens, die bereit sind, wenn der „ mu\ erschallen wird, nach Erez Israel zu gehen, um das Land mit ihrer Arbeit und ihrem Geiste zu erfüllen. Die Willensmeinung aller A. C.-Mitglieder kam jedenfalls dahin zuin Ausdruck, daß di« Nationalisierung des Bodens und ein großzügiges KolonisationSwerk nur dann möglich seien, werm-der Jüdische Rationalfonds in erheblichem Maße gestärkt werde. Wir müüm.mit allem £üec. darnach trachte», im kufeobeit. Jahre dem Dokksschatz jene grandiosen Summen zuznführen, die er braucht. Millionen waren es bishers die genügten, um eine kleine systematische Arbeit durchzusühren, Milliarden sind rSjetzt, di« der Wiederaufbau AttneulandS erfordert. Unsere Brüder in Amerika, England und in den übrigen Staaten, welche die Kriegsfurie nicht derart wie UNS Jüden Zentral- Und Osteuropas in Mitleidenschaft gezogen hat, svenden große Summen. Aber auch wir wollen unseren Anteil am Wtrderausbau.Ält- Neulands haben. Es ist daher nur zu begrüßen, daß di« Zentralstes« Oesterreich, des Jüdischen Nationalfonds anläßlich des. PuriinfesteZ eine großzügige Sammelaktion eingeleitet hat. Unsere Jugend, die Schüler der hebräischen- Schulen und andere Gesinnungsgenossen, bi« sich, in den Dienst der Sach« gestellt haben, soll«« am Purim unsere Volksgenossen aussuchen, um bei ihnen ihre Mischlöach Manoth- Gabe für Palästina mittels Sammelbüchsen oddr Sammelbogen .entgegenzunehmen.. Der Jüdische Nationalfonds, der Luftmdnschen zu produktiven Kräften auf eigener Scholle umwandeln will, verdient die Förderung drS ganzen jüdischen Volkes. Erkennen» wir also den großen Gedanken, der in ihm wurzelt und handeln wir darnach. Jeder Jude spende anläßlich deS Purimfest«S für den Jüdischen Nationalfonds. Der Lehrer als „Erfenbach-Irnrtaior". 6 ch a u p l a tz : Die Kepler-Knabenschule im X. Bezirlr, Klasse IV v, in der Geschichts- Unterrichtstunde. Vortragender: Lehrer Hanisch. Der Lehrer erzählt-den 10jährigen Kindern : Ein Jude kam zu Kaiser Joseph - mit der Bitte um Aenderung seines Namens. - . Der Kaiser nartnte ihm einige Namen, die dem Juden jedoch nicht gefielen, bis er chm den Namen ^Julius^ nannte, welchen der Jude anzunehmen erklärte. „Dann wirst Du aber auch »Schmidt" heißen", sagte der Kaiser. ' Als der Jude wegging rief ihn der Kaiser zurück und fragte ihn: »Also, wie heißt Du?" Da antwortete der Jude: »Schmulius Jid"! (Lebhafte Heiterkeit beim Kinderpublikum und spöttische Blicke üuf die anwesenden vier jüdischen Knaben-der Klasse.) Dieser treffliche Jugendbildner scheint offenbar aus die Rückkehr des Sladtrates Tomola ins Schulreferat zu spekulieren. Hoffentlich ftnrbct sich eine Behörde, die den Herrn belehrt, daß die Wiederkehr des alten Heßgeistes unerwünscht ist! , WaS ist LrixnS? Die gestern der Nationalversammlung zugegangene Vorlage über die Umsatzsteuer solb wie her Motivenbericht betont, daS Hauptglied in der Kette sein, diegrundsätzlich sämtliche entgeltlichen Lieserungen beweglicher Sachen in die . Steuerrnühle 'zieht. Sie soll insbeso»Ü>ede eine» bestimmten Kreis, nämlich den, her dem erhöhten Aufwand und der v«vfeinerten Lehenssührnpg dient, erfassen. 'Diese Waren' werden- .unter dem Ausdruck Luxus zusammengesaßt, der auf alle Gegenstände anzuw«ndLnist, deren Erlangung, mit verhältnismäßig-großen Auslagen verbunden tfl.; Bei solchen Gegenständen erhöht, sich die Umfahstener auf 10 Prozents Das Gesetz saßt diese Gegrnstände tn ,86 Punkten zusammen und, nennt als Luxusgegeilstände: Perlen und Edelsteine, Edelmetalle, Originalwerle 'der Kunst,' Antiquitäten, Autogramme und Pergamentminiaturen, Rahmen aus geschnitztem Holz oder Bronze, .Bucheinbände aus Leder, Musilinstrumente im Werte von über 4000 Kronen, G'rammaphone, Orchestrtqns,/ Pianolas, Seidentapelen,' .Teppiche^ seidene Unterkleider, Seidenwäsche, Livreen, Maskenkostüm«, Damenhüte, Lackstiesel, seidene Handschuhe, echte «Spitzen, Samtstofse, Fächer, Schirme, N-.'isenezessairs, optische Instrumente, photographische Handapparate, Gegenstände aus geschlissenem GlaS, SpirgelsrnstergtaS, Sportgeräte, Handwafsen, Billards, WagLn.Bootje und Flugzeuge, Reit- und Kutschierpserde, Hunde,. Katzen, Zimmervögel, lebendes Wstd, Spiel satten, Blumen, kosmetische Mittel und Zuckerbäckerwaren. Diese Liste, bei deren Lektüre es einem in den Fingern krabbelt, kann nur von Wilhelm-Busch mit Vergnügen gelesen werden, der doziert: „Enthaltsamkeit ist ein Vergnügen, an Dingen, welche wir nicht Liegen." Für unsere Zeit ' modifiziert: An Dingen, die nur Schieber kriegen. Und dicsr Kreise zu zausen muß jeder als Pflicht erkennen. Aber weshalb soll der Hund deS GewerbSmanneS ober, der Kanarienvogel der Näherin höher besteuert werden? Wobei nicht zu vergessen-ist, daß Hunde und Katzen •— Lebensmittel, geworden sind . . . ’ El« Betrug am Vautfchatter. Zu dem Betrug, der dar einigen Wochen am Schalter einer hiesigen Bank verübt worden ist, werden incerefsunte Einzellieitcn bekannt. Am 12. Februar erschien am Schalter einer hiesigen Großbank, ein jnnger Bursche , und legte einen Brief der Firma C z e c z 0 w i r l a, 8. Bezirk, Schlv selgLsse 11, vor, mit dem er 117.000 Kronen vom Bankkonto der Firma abheben wollte. Der Zufall wollte es, daß zur'Zeit auch ein wirklicher Gefchäftsdiener der Firma im Kasfenraüm »oar und beim Aufruf der Firma auch an den Schalter rrat. Er ließ aber dann den jungen Mann, den er nicht kannte, das Geld beheben, da es mehrere Firmen Czeczowieka ln Wien gibt. Durch die Erhebungen des SicherhcitsbureauS u.-crde festgcstellt, daß bci dem Betrug zweifellos der .sefchastSdiener der geschädigten Firma, Max H a l le r, 19 Jahre alt, die Hand im Spiele hatte. AIS. Haller erfahren hatte, daß die Fälschung bekannt sei, flüchtete er. Gleichzeitig mit ihm war auch sein Freund, der 81jährige Privatbeamte Anton Moser, auS Wien verschwunden.. Dieser war. schock im Jahre MS glS .Anacstellter der Firma G e 0 s an einer ähnlichen Betrugsgeschichte beteiligt. Man vermutete, daPdle Idee auch die-»' mal von ihm stammte. Er wurde gleich Haller verfolgt und am 21. Februar gelang eS, Faller hier zu verhaften. Er spielte! zunächst den volllonrmen Schuldlosen, de»n ein ^llr-dekattnter* daS Papier, das zur Fälschung gedient hat, entlockt habe. Nachs kurzem Leugnen gab er zu, daß eZ Moser war. der ihn Drl'.f^ Papier und Stampiglie zum Zivecke der Fälschung entwende« hieß An der Tat selbst wollte Haller nichtbeteiligt gewese« sein, doch erhielt er als seinen Anteil 80.000 Kronen. Davon wurden nur mehr K 12.150 in seinem Besitze gesunden. Den Rcfi bat er in den acht Tagen vcrbraucht. Sei» Belgnügen-bestand darin, Slraßenbekanpifchaslen zu machen unditti t ihnen mif Httmsterrrlsin in die Mistelbachek Gegend zu fahren. Am yaschingmontag wurde die erste lustige Hamsterreise mit vollem Geldbeutrl unternommen, Bei bieftr Fahrt war, wie daS SicherhriiSbureau jeststellt«, auch ein Schulkamerad Hallers» der 18jährige Johann Mittermayer, bei der Partie. Haller behauptet nun daß ihm Mittermayer als früherer Privatdetektiv behilflich fei» wollte, den AusenthaltSort deS Moser auSflndig zu machen. Ferner wurde festgcstellh daß noch ein Vierter, und zwar alß Hauptaffeur, betriliat war; ihn will Haller nur als Freund be$* Moser unter dem Narnen „Ludwig" kennen. Dieser Ludwig svÜ. derjcmge gewesen sem. der das G ld behoben hat. BemeckenSwerk »st. daß am Tage deS Betruges da- Telephon der Firma Cceezow cka versagt hat. Später stellt» sich heraus, daß die Telephondrähte durchschnitten warm, um erve rasch? Verbindung der Dank mit der Firma z» hintcrtreiben. Haller behauvtete. darüber brfragt, daß daS Durchschneiden der Telcphondrähte e^n Werk MoserS war, der sich am 12. v. M. bei der Firma unter dem Vorgeben eingrsunden, u« Offerte zu stellen und dabe» dir Drähte durchschnitten hat. Haller wurde dem LandeSgericht? eingeliefert. Dce Verfolgung der Flüch« tigen ist ringcieitet. Aufenthaltskarten für ^Fremde" ln Warschau. Warschau, 1. März. (Privat In Durchführung tar Ncgistriknmg der »Fremden", von welchen, wie wir berrttS.de» richtrt haben, einige zehntausend J»tden detroß'rn werden, werden jetzt in WaMau von der Adnumsttai'vbehSrde an die »Fremden*, welche bereits rcg strierl wurden,^.Aufen'ihattskarteu" auSgegebtn, durch wttche ihnen die Erlaubnis wrrd. sich bis zum 1. Juli 1920 »n Warschau aus'.nhalten. Die Karren enthalten auch die Bestimmung, daß nach 8 5 der Vr,o>dnuna des Mimstkriunis des Jttnern vom-18. November,1919 otc Fremden ihr AufemhaliSgedltt nur mit besonderer Bewilligung der Behörde» verlassen dürfen. Die Utbeitictung der Vorschiitt wird streng bestrnfk. Diejenigen, welche eine ^AusrnthakSlarle" erhalten, mühen ihren Patz ablietern. Jmerefiant ist tue Tatsache, daß fich auf dm Aufenthalts« karten derj-nigen, d^e im Bezirk Grodno Und umliegenber Bezirke geboren sind, der Zusatz „russischer Jude" befindet. Das Zlldtfche Leben in Sibirien. . Soebsn ist. die, erst? Nummer der riissW-jÜdif«He». Zeitung „Naschh Slotvo" erschienen, welche in Charbi» von der jüdischen Demokratie herausgegeben wird. Die Nummer trägt das Datum vom 15. Dezember 1919, bringt also Einblicke in die «llertetzte^Zeit. { An der Spitze des Blattes steht eine Erklärung de» Redaktion, welche die widersprechende Tatsache, daß ein« Zeitung, die die Interessen der jüdischen Demokratie vertritt, nicht in der jiddischen Volkssprache, sondern in russischen Sprache erscheint, dahin ausllärt, daß eS in Charhin keine jüdischen Lettern für den Druck gibl. Gleich der erste Artikel „Die Krisis ick der Eharbiner jüdischen Gemeinde" bringt interessänt« Daten: Darnach wurde im April 1919 eine neue Gemeindeverwaltung von 40 Vorstehern geir^ählt; davon sind 10 Zionisten, 3 gehören de? „Agudatz Jisroel" an, 7 sind Poale-Zion, 4 Zeire-Zion,^ 2 unparteiische Demokraten und 3 Bundisten. Die politische und wirtschaftliche Tätigkeit der Gemeinde ist gleich Null. Die finanzielle Lage ist trostlos, da die geringe Opfer- Willigkeit der verniögeuden Jubenheit und eine gewisse Verwaltuugssabotage seitens der früheren Gemeiubemachthaber die Lage erschwert. Die Lage der jüdischen Bevölkerung in Charbin und' in ganz Westsibirien ist im allgemeinen nichd schlecht. Infolge' des niedrigen Kurses des ZarenrubelS hat die große Maffe^ stark unter der LebenSmittelteuerung zu leiden. Die Geschäfts»- leute jedoch und ^di« Besitzer unbeweglichen Eigentums sind dagegen zu großem Reichtum gelangt, allerdings ist der breiten Masse damit wenig gedient. Die Nachrichten über die schlimme Lage der jüdischen' Flüchtlinge in Sibirien sind, wie auS. der Zeitung hervorgeht, stark Übertrieben. Der größte Teil der Flüchtlinge hat sich bereits tn daS Wirtschaftsleben ekngefügt ober ist/ abgewandert. Wirklich traurig ist nur die Lage der jüdischen Kriegsgefangenen, welche über verschiedene Lager in Sibirien verstreut sind. Diese wahren Kriegs*' opfer sterben oft Hungers. In letzter Zeit wird ihr Los etwa^ gebessert, da in Westskbkrien Vertreter der verschiedenen jüdischen Hilfskomitees auS Amerika eingetrvsfen find, welche große Summen - für die HilfStätigkeii zur Verfügunggestellt' haben. Die deinokratischen Elemente der jüdischen Bevölkerung in -Sibirien sind kulturell sehr lebhaft tätig. 'Vor acht^ Monaten wurde in Sibirien eiu« jüdische „Kulturliga" begründet, welche Ortsgruppen in Omsk, Tomsk, AtschniSk. Krasnojarsk, Irkutsk, Chärvin, Wladiwostok usw. hat. Sie veranstaltet LtleraturdiSkussionen, Borlesuitgen, Theateraus» führungen, KunstabcNde, hat ferner «ine ansehnliche Summe für dke Herausgabe von jüdischer Kinderliteeatur gesammelt.' Im Frühling wird in Charbin eine Ausstellung, der jüdischen Presse und der jüdischen Druckkunst eröffnet werben. Mit Amerika besteht in letzter Zeit lebhafte Bev» bindung: viele sibirische Juden beabsichtigen auch, bürtyw' auSzuwandern. Mit Eu.rppa ist fast gar leine Verbtuduug »»arüLudev..