Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 399 (2.3.1920)
- Date
- 1920-03-02
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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teile 2 Dienstag' führenden Männer unseres Volke-, welche sich nicht einmal be» riußt sind, wie schweres Unheil sie über ihren Staat bringen. Lie Herren, in*Parimögen sich wenigstens darum kümmern, beit Dilettantismus einzuschrnnkcn. Seine. Ausführungen faßt der Autor in zehn Punkten zusamincn, von denen der rrste heißt: Wir fordern, daß unser Präsident, wie in Amerika, »ine genügende Machtvollkommenheit besitze, um mit Erfolg gegen alle Ausschreitungen aufzutrcten. Im dritten Punkt fordert Sternberg ehrliches Vorgehen gegen die nichttschcchischeu Mitbürger, welche Gesellschafter in der großen Aktiengesellschaft, die unser Staat werden soll, sein mögen. Weiterfordert Sternkerg, daß nicht nur die Legionäre, sondern ailch i»ie Soldaten, welche im guten Glauben tapfer für Oesterreich kämpften, zu diesen gehören zum Beispiel auch der Sohn »e- Präsidenten Masaryk und der Sohn des. Ministers Klofac, fie ihnen gebührende Anerkennung finden. Er fordert schließlich eine Komrnission. welche eine Revision der Personalien rller Mitglieder der Nationalversammlung und der Regierung »ornimmt; es sei notwendig, die Vergangenheit und die Qualifikation jedes Einzelnen zu prüfen. In einem Laude, wo Kulisfeufchieber, ohne daß sie irgendeine Qualifikation haben, SektionschefS werden, fei jede Hoffnung auf eiue korrekte Administration verloren. Wie bei »er Besetzung von Stellen bei uns vorgcgangen wird, zeigt der Verfasser in einem lustigen Beispiel: Jemand bewarb sich »m die Stelle eines Wachmannes bei der Prager Polizei. Da- Gesuch bliet läiigere Zeit liegen und wurde dann günstig rrlcdrgt. Alman es dem Gcsuchsteller aushändigen wollte, stellte man fest, daß er inzivischcn schon — Konsul geworden »ar. Besonders scharf tritt die Kampfschrift gegen das Listen» «ahlrecht auf. welches die Wahlfreihert des Einzelnen in vcc» »ängni-voller Weife einfchranke. In keinem anderen Lande zebe es eine ähnliche Verfassung. Mit der tschecho-slowakischen ftepublik könne man allein den österreichischen Staat dertzkeichen, der für sie ein großes Glück bedeutet, denn wenn rr nicht existierte, wäre die tschecho-slowakische Republik da- Ätzte Land der Welt. - :S, c, - , Die Esaldinderatswahlen In Brün». Zwei Iüdischnationale gewählt. Nus Brünn wird uns gemeldet: Die gestrigen G7mcinderat'wahlon brachten der jüdischnationalen Partei den erwarteten Erfolg. Gewählt wurden Dr. Artur Feld mann umd F«g. Max Singer. Die jüdischnatiokale Liste vertinigte auf sich 1818 Stimmen, die mit ihr gekoppelte Liste der Poale-Zion lediglich 730 Stirnmen. Bei den lm Mai vorigem Jahres stattgesunden.m ersten Wahlen, die von der Regierung aufgehoben worden waren, hatten die Jüdischnationalen und Poale-Zion je ein Mandat krha^rn. Wenn die Poale-Zion jedesmal ein Mandat an hie Jüdischnationalen abgebcn mußtenist dies wohl jmj ihre zwiespältige Haltung in nationalen und sozialen Fragen zurnckzuführcn. Währ-rtrd die deutschen sind tschechischen Sozialdemokraten gleich vom vornherein mit den deutsch.'», beziehungZweise tschechischrn nationalen Parteien gekoppelt hatten, suchten die Poale-Zion den Anschluß aer die Jüdischnatioualen erst daD, nachdem sie bei den deutschen und tschechischen Sozialdemokraten eine Ablehnung erfahren hatte». Auch fhr Austritt aus der zweiten Internationale. ohne daß übrigens der Eintritt in die d r i t te Internationale »folgt wäre, dürfte eiue größere Zahl ihrer früheren Anhänger Kopjschru gemacht haben. . Die Staatsbürgerschaft der Jude« in Litauen. * Roch einer Meldung der Warschauer „Hazeftcah" deschloß die litauische Nationalversammlung ein Gesetz, kraft dessen alle Juden, Die nicht in diesem Lande geboren wurden, als Fremde betrachtet werden. Durch diese Gesetzesbestimmungen werden die Juden hart getroffen. denn es ist bekannt, daß das litauische Gebiet guter dem zaristischen Regime außerhalb des den Juden freigegebenen Ansiedlungsgebietes lag, wo nur die reichen jüdischen Mitglieder der ersten Kaufmannsgilde wohnen durften. Diese haben zur industriellen Entwicklung und Bereicherung des Landes im hohen Maße veigetragen und sollen nun unter dem demokratiscl)en Regime der Republik als Fremde betrach.ret werden. tzomerule für Irland, i Der Negicrnngscntwnrf des irischen Parlamentsßesetzcs, über den wir bereits berichtet haben, sieht unter anderem vor. daß die VertretungSlörper nach dem Einkammersystem ausgestellt und Unterhaus benannt werden. Tic Lollzugsgewalt soll in beiden Gebieten in den Händen einer Person ruhen, die ihre Machtbefugnisse dem Lord-Statthaltcr abtrctcn kann. Niemand kann in den beiden irischen Getreten Minister werden, wenn er picht irischer Gehcimrat ist. Ferner darf niemand länger als sechs Monate Minister sein, wenn er nicht gleichzeitig Abgeordneter eines der beiden Gebiete ist. Tie Minister bilden in beiden Gebieten den Vollzugsausschuß ihres Parlaments. Beiden Parlamenten ist cs freigcstellt. ihre Machtbefugnisse auf den vereinten irischen Rat zu übertragen, der aus e'mcnr vonr König ernannten Vorsitzenden nnd je zwanzig Abgesandten beider Parlamente bestehen und berufen sein soll, jene Fragen zu beraten, die den Norden und den Süden gleicherweise betreffen. Da8 südirische Parlament loll auS 128, das nordirische «US 52 Mitgliedern bcstebcn. Wahlberechtigt sind alle jene, die auch für das Londoner Parlament wahlberechtigt sind. Gewnblt wird nach dem Verhältniswahlrecht, -die MandatSdaue, beträgt drei Jabre. Solange Irland jteta NWsve» WM » de« KeßMauMgr« des ver- ^_ Wiener Morgenzestnntz Die jüdische Minorttüt in der tschecho-slowakischen Republik Anerkennung der Juden als Nation. Prag, 1. März. (Privat.) Der Motivenberlcht zu der gestern von der tschechischen Natronalversammlnng angenommenen Verfaffunns-' urknnde spricht in authentischer Form die Anerkennung der jüdischen Nationalität aus. Gleichzeitig werden alle vom Friedensvertrag für die nationalen Minderheiten bestimmten Rechte festgelegt. Damit ist ein für alle Zukunft sehr wertvolles Präjudiz geschaffen, indem zum ersten Male eine gesetzgebende Körperschaft die Anerkennung der Juden alS gleichberechtigte nationale Individualität vollzogen hat. eingtcy Königreiches beisteuern muß, wird der Süden 56, der Norden.44 Prozent davon tragen. Jede der beiden Landeshalsten hat ihre eigene Gerichtsbarkeit, das Berufungsgericht ist jedoch gemeinsam. Falls nach Meinung des Lord-Statthalters oder des Staatssekretärs kür Irland irgendeine Frage rascher entschieden werden loll, ist der König berechtigt, diese Frage durch den königlichen gesetzgebenden Ausschuß der geheimen Räte in London entscheiden zu lassen. Das britische Parlament bleibt nach wie vor die höchste Instanz in allen persönlichen und suchlichen Angelegenheiten, die Irland betreffen, ,Die dentsche Reaktion an der Ardelk AuS Berlin wird gemeldet: Der antisemitische „Deutschvölsifche Schutz, ynd Trutzbuud" entfaltet jetzt in Hessen-eine rege Tätigkeit. In einet in Elberfeld abg.'halt neu Versammlung kam es zu wüsten Tumulten, als die anwesenden Juden gegen die gegen sie erhobenen Schmähungen kaut protestierten. Auffallend ist die be. trächtliche Teilnah me .Den ReichSwehrsoldaten .unter denen anscheinend eine besondere. ^Propaganda entfaltet worden war. In der Stadtvcrordnetenverfammfung ' von Schöncberg wies ein Sozialdemokrat darauf hin, daß der bekannte Antisemit Kunze, der als .Knüppel- Kunze" bekannt isttauftnd Gummiknüppel aus Berlin bezogen habe, die offenbar gegen Juden bestimnlt sein. Kunze gab zu, die Knüppel gekauft zu haben, bestritt jedoch, daß sie gegen Juden bestimmt seien; sie seien bloß ein Verteidigungsmittel für feine politischen Freunde, das auch NoSke als. gut. anerkanntf habe. H ' ' ■ . ■,S - i .; ' Inland. Verhandlungen über die Verwertung de- Tabakmonopols. ' .Die Pariser Verhandlungen zur Verwertung M österreichischen Tabalmonopole.S, die während der letzte« Pariser Anwesenheit deS Staatssekretärfür Finanzen geführt und nach seiner Rückkehr von den in Paris verbliebene» Staat-. Vertretern fortgesetzt wurden, haben vorläufig ergeben, daß der Staatssekretär für Finanzen einem Finanzkonzern in Parifür eine befristete Zeit die ausschließliche Mission übertragen hat, eine internationale Finanzgruppe zu bilden, .mit derder Vertrag über die Verwertung deS TabakmonopoleS abgeschlossen werden würde. Der beauftragte Konzern hat seine' Tätigkeit bereitbegönnert. Es ist zu erwarten, daß trotz verschiedener Schwierigkeiten, die insbesondere in den gegentvärtigen 'Verhältnissen detntevnationalen Geldmarktes begründet sind, ein befriedigende- Ergebnis erreicht werden kann. Unsere in Pariweilenden staatlick-en Vertreter verhandeln gleichzeitig wegen Genehmtgung des Projektedurch die NeparattonSkoNmifsivn. j Telegramme» Die französischen Sozialisten ans der zwetten Internationale ausgetreten. Paris, 1. März. Der Straßburger SozlaNstenkongroß hat mit 4330 gegen 337 Stimmen den Austritt auS der zweiten Internationale beschlossen. Der Antrag Renaudcls, das Referendum , ln den einzelnen Sektionen nach Schweizer Muster cinzuleiten, war nur von ganz wenigen Stimmen unterstützt worden. Ein weiterer Llritrag RenaitdelS, den Genfer Kongreß zn beschicken, um dort Maßregeln fest;ustellen, die den Wiederaufbau einer neuen Welt-Internationale et* möglichen,, erhalt gleichfalls. nur 337 Stimmen und ist daher ab gelehnt- Der angenommene' Text geht von der Nordseftion aus und lautet: Der Kongreß stellt die Unmöglichkeit stst, die Internationale im Nahmen der zweiten Internationale wieder herzustellen. Er beschließt daher der« Austritt der französischen Sektion. Diese Entscheidung wird dem Genossen HuySmanS ordnungsgemäß zur Kenntnis gebracht werden. Nun wurde über die neuLn. Wege der französischen Sozial, demolratie abgestimmt. Der Wiederaufbau der Internationale erhielt 2299 Stimmen, derselbe Antrag mit einem von Blum verfaßten Zusatz 732 Stimmen, zusammen also 3031 Stimmen. Für den . Anschluß an die dritte Internationale wurden 1621 Stiuftuo» abacgeben; dieser ist als gescheitert airzusehe^. 2^ März 192E /Ni! 3YM Vor Schluß des Kongresses hielt Vorsitzender Leo» Blum noch eine kurze Ansprache. Er erinnerte an die Verdienste der zweiten Internationale, die Bebel, Liebknecht, Jaurös mrd Paillant hervorgebracht Hab«. Er wünsche d^,ß der internationale Sozialismus neues Leben und nerchn inuerrn Zusammenhang wicderfinde^ Rasfin-Dugens schlu'g vor, die Internationale anzustimmcn. Unter ihren Klängen schloß der Kongreß. Der französtsche Cisenbahnerstreik. Pari«, 1. März. (HavaS.) Die drei Führer drr Sikenkahnergrwe,kschailen Sirrlle, Leveqne und Sigrand find verhaftet wordkn. D,e Bkrhaßnngcn haben in Gewerkichaftskceisen großE Erregung hcrvorg'rusen. . Paris» i. Marz., lHavaS.^ Ministerpräsident Millerand erstarke Journalisten geg-nuber, daß sich die Lage auf alle» Eiselkbahnnetzen gebessert habe. Ans den Nordbahnlinien sei de^ Verkehr normal. Auf den Ostbahnlinien fei eine Bewegung zu^ Wiederaufnahme deS Dienstes srstzustellen.' Aus der Linie Pari--' Lyon- Mittrimeer sei die Besserung bemerkenswert, besonders in Avignon. Marseille und Dijon. Auf der Orlean-bab« sei keine Veränderung zu ve' zeichnen. Aus den Linien drr Staatsbahn sei eine brtrarhkliLe Besserung eingetreten. Aus der Südbahn habe daS Gewerstchastskomitee den Sirrik abgrlehnt. Zahlreiche Hochschüler häkle» sich zum Dienst auf den Lokomotiven gemeldet. ' Paris, t. März. (HavaS.) Zwei weitere Syndikalisten, Mt Menbahner Chaverot nnd H o » rd ex, find wegen Behinderung der ArbcitSfreiheit und Aufreizung zum Ungehorsam verhaftet worden. ' Partg, 1. März. (HavaS.) In Invish habm die A n -- ständ igen einen Beamten der OlleanS-Dahn»Gesell^ schalt» der D i e n st b e f e b l e au die Angestellten bei sich hatte, ergriffen nnd v erschlepPt. Die russischen Delegierten nach England eingeladen. ' Vr"n'»o«, 1'. März. (Funkspruch.) Die tvepemevpW schon Vertreter der Genofscnschaftsvercinignngen habe» der Moskauer Hauptleitung mitgeteilt, daß die britischst Regierung Finnland, Schtveden und Dänemark angvi wiesen hätte, die Abgesandten der Hauptleitung durch» zu lassen. Zeit und Ort der Abreise möge noch b« . kanntgegeben werden. Von den von der Hauptleitung genannten vlbgesandten' könne die britische Negierung tem Do'.k kommisfär Lit w i no w wegen seiner frühere» Haltung in England nicht gestatten, abzureise» und an den Verhandlungen teilzunehmen. Die HtrP und Rückfahrt sei den Abgesandten gewährleistet, wen» sie sich verpflichten, sich jeder Einmischung in Angelegen^ heilen politischen oder wirtschaftlichen Charakters Groß«! britanuicns oder eines anderen Staates zu enthalten^ ES sei wünschenswert,.daß eine größere Anzahl wirklich Sachverständiger aller Fachgebiete — »Korn, Flachs Transport, Eisenbahn usio. — bei der Kommission seß und weniger Politiker. Namentlich werden vorgeschlage» Kvrobow und Awsakifsow. Gin britisches Schiff iixrbe Freitag de» 6. März bist Abgesandten in Libau erwarte«.; ,•; ‘ ' Die PelzanSsnhr aus Rntzland. Moskau, 1. März. ^Funkspruch.) Der HauptauSschuß für P c l - w a r c n hat die Liste der zur AuSsuhr berestm Peh^ iertiggrsttül. Darnach kommen zur unmittelbaren Ausfuhr« Betracht 170.0V0 Fclle Graupel-, 30.000 Rotfuchs. 8064XXt weißer Hase, 1,200.00t) Hermelin», 47.00p Zobel-, SV00 Fischotters 10000 Marder-, 2000 Wolf-, 800 Baren» «ad mehrere Tausend Felle anderer Art. v ■ Dolschewlkrscher Kampfberlcht. Moskau» l. März. (Funkspruch.) An der Rordfront» ivts Gebiete von Onega haben die Notkrnpprn mchtere Ortschaften 10 Werst nördlich und 20 Werst westlich von Onega besetz^ P o w j e n e y wurde genommen. Im Gebiet von Murman wir« der Vormarsch sortgesetzt. An der Westfront örtlich- Kämpfe. Der türkische Friedensvertrag. London, 29. Februar. (Reuter.) Der Oberste Rat befaßte sich mit den finanziellen und wirtschaftlichen Fragen deS Friedensvertragem»t der T ü r t e i und mit de« Armenier» M a i f a l e r S in Erlicien. Der Hslfferich-Prozetz^ Berlin» 1. Mmz. Im Helffench-Pro-eß wmde heute mit allen Prozeßparteien die Beweisaufnahme geschloffen. Morgen «nd der Vertreter der Statsanwaltfchast plädieren. Die Parlamentswahlen ist der Tschecho- Slowakel. Prag. 1. März. Dem »Dröer* zufolge soll die Ausschreibung der ParlamentSwahlen noch im Laufe dieser Woche erfolgen. Die.Wahlen bihften für beide Kammern in der zweiten H ä l s t e deS Monates April» in der Slowaket anfangs Mai durchgeführt werden. Pater Dr. gahradnik tschechischer Vertrete^! bei der Wiener Reparationskomwisst-n. Prag» 1. März. Wie die »Narodni Politika* erfährt, haj der Mmistcrrat die Ernennung defrüheren EiscnbahnministerE Dr. Z a h r a d n i l -um Vertreter Tscheche»ZlowakienS und bevollmächtigten Minister be! der NeparattvnSlommisfion m W««l beschlossen. tzorthyß Eid. Vttbavefi, 1. März. (Korr.-Bur.) In der KatimwchwM sammlttng wurde der neue Relch-verwestr Horthy mit stürmrsckem Beifall bsarützt. Er ertlärw, die Wßzpst pt&mm msI tMrt« Itbss Wr A