Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 399 (2.3.1920)
- Date
- 1920-03-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Urei« SO Krller Lschechv-Slowaket: Einzel« 44 Heiter i. tsch. W. Prannmeration-preise. vienr Avm Nblioleu in der Uxpedition, L Pe-irt» T«bo» t Di öder in lener te I bi»... . erschleibfteve ... einet —-, ,—(Irafif): CRonatliÄ . . Krone« SN.— viertel,ährltch „ «»- Vitt Postoersand für Wien rmd Ceftettcid): Ntenntlich .. Krone« SN.— Tschechoslowakei: vkonntltch .. Krone» 7— vierteljährlich »l.~ in tschrcho-slowakischer Währung Ungarn: Monatlich .. Krone« 20.— vierteljährlich .. 60.- te nngarischer Währung vierteliährttch ,. ««.- te jngrstawikcher Währung r Ein?el»verNprmff Preis SO Heller Lfchecho Slowakei; Einzeln 44 Heller 1«tsch. Pränumerationspeelfl Pole« Monatlich .. Krone» 20* Vierieljähriich „ «<T in polnischer Währnng Dentschlond: . - Monatlich . . . Mark 9A Frankreich; _ j Monatlich . . Frank» 8*4 Italien: Monatlich .... Lire 8«* Echtvekz. Monatlich. . . »rank» *•« Nedaktionn.Äidministratin Wieu.S.Bez.»Taborstr.1-l Telephon er 4ldministrati0» 440 r^, Stedaktio» 4S31t ab 0 Uhr abend» Nr. 163® Postsparkasjenkont» lSlUM Nr 39V Wien» Dienstag» den 2. Mürz 1929 2. Jahrgang fee Die Anerkennung der jüdischen Nationalität. F. 'JBi e n. S. Mürz. Der Motivcnberickrt. der Derfassmigsrn-klüide der Nationalversammlung enthält die authentische Anerkennung der jüdischen Nationalitätmit allen d"n . MinderheitSnationen, laut dem Friedensvertrag zuerkannten Rechten. Die. nationale Organisation der Juden in der Tschecho-Slowakei sieht ihre zielbewüßte Tätigkeit von dem . ersten entschiedenen * Erfolg gekrönt. Die Derfässungsurkunde der^ jungen Republik spricht ausdrücklich die Anerkennung der jüdischen Nationalität aus. welcher infolgedessen alle Achte zuerkannt werden sollen, welche der Friedensvertrag den Minderheitsnationen zuMennt. Vor einigen-Tagen hat der-Referent des ßulturausschusses in der Nationalver sanimlung die -on der Tagung der jüdischen Lehrerschaft in der Tschecho-Slowakei erhobenen Forderungen besprochen und. darauf hingewieson, daß es nicht länger ängehen »erde, den Juden die Anerkennung als Nation zu verweigern. Die Formel der Lösung! der tschechischen Judenfrage sei durch die im Friedensvertrag von Saint- Bermain niedergelegten Rechte der nationalen Minderheiten festgelegt, Rechte, die. unter den Schutz des Völkerbundes gestellt werden sollen. Die tschechische Regierung, und Gesetzgebung hat, indem sie den Standpunkt des Referenten annahm,; nichts anderes getan, als dem Geiste des FriedeMiertrages Gensi^ ^geleistet., Tie judMeMindetzheit'N'WiÄ in 7 ' n Charakter offiziell anerkannt. Den. Juden der Republik erwachsen, hieraus - ganz bestimmte Rechte: in erster Reihe wird überall dort, wo. ihre . Zahl ein bestimmtes Verhältnis zur Bevölkerung erreicht, die Möglichkeit eigener Schulen geboten, ferner verpflichtet sich der Staat durch diese Anerkennung, . znr Erhaltung der religiös-kulturellen jüdischen Institutionen sein Teil beizutragen. Wichtiger aber noch als die unmittelbaren materiellen Folgen dieser Anerkennung sind ihre moralischen Konsequenzen: zwischen der jüdischen Minderbeit, der Negierung und dem Mehrheitsvolk wird ein zweifelfreies Verhältnis von klarer Eindeutigkeit geschaffen, da? durch keinerlei Quertreibereien der jüdischen Assimilation verdunkelt werden kann. Das Judentum des Staates kann durch eine solche Plattform nur gewinnen: es tritt durch die Festlegung dieses Verhältnisses in ein Verhältnis von gleich und gleich zu seiner andersnationalen Umgebung und die verlogene Terminologie von Herren- und Gastvolk muß damit endgültig anS dem öffentlichen Leben. verschwinden. Das Judentum tritt damit aus dem Stadium einer durch den oft durchbrochenen Grundsatz der bloßen „Gleichberechtigung" gekennzeichneten Duldung und erwartet die Bestätigung seiner Rechte von dem höheren internationalen Forum des Völkerbundes. Es wird gewiß noch manche Kämpfe, geben, bis die politische Atmosphäre von all den MiaSmen gereinigt sein wird, welche das Verhältnis* zwischen den Völkern getrübt haben, aber die bloße nationale Anerkennung hebt die Position der jüdischen Gemeinschaft in eine höhere Sphäre und schafft ihr einen Rechtstitel von solideren Grundlagen, als es die bisherigen waren. Diese Anerkennung bricht mit einer Lüge, die es verschuldet hat, daß die Inden je nach Bedarf denen zngezahlt werden konnten, gegen die man die Volksstimmnng' mobil machen wollte, sie spricht endlich aus, was ist, und schafft durch die Anerkennung deS wahren Sachverhaltes klare Verhältnisse. Die Anerkennung des tschechischen Judentums als nationaler Minderheit ist ein Erfolg der Arbeit des Jüdischen Nationalrätes von Prag, wie überhaupt des national organisierten Judentums, das im Komitee der jüdischen -Organisationen bei der . Friedenskonferenz seine oberste Vertretung hat. Die Aufnahme der die Inden berücksichtigenden Punkte . in den FriedenSvertrogen mit Polen und Rumänien, die in dem gleichen FriedcnSdoknment von Sanit-Germmn niedergelcgt find, geht in erster Reihe ans die fruchtbare Tätigkeit dieser unserer Delegation in Paris zurück. Die Mächte ,haben langst erkannt, daß nur die nationalsiidischen Organisationen das Recht haben, im Namen der jüdischen Gesamtheit zn sprechen und die historische Erklärung Lord ' BalfonrS wie die Grundsätze von ^aint-Germain haben mit der schädlichen Scheintätigkeit deS AssimilationsjudentmnS enöaültia Schluß gemacht. Die Budapester Mörder. Die Schreckensherrschaft der Horthy-Pogromisteir. Der Korrespondenz Herzog wird ansi 33 w b a jj c ft berichtet: Die Ermordung der Redakteure i dc§ sozialdemokratischen Tagblattcs,,N epSzav a", Bela \ S o mogtzi und Bcla B a e s o, ist bereits aufgeklärt. Die! Mordtat wurde von Mitgliedern des D e t a ch e m e n t s; Osztenburg begangen. DaS Arrneckommando hätte; zwei Mitglieder dieses Detachements, und zwar den , Baron Nopcsa und noch einen Offizier verhaften lasten, beide aber wurden bereits am nächsten Tage : wieder aus freien Fuß gesetzt, da die Mitglieder dreier Terroristenorganisationcn, und zwar daS Detachement Paron P r o n a y, ferner das Detachement O S z t c n - bürg und noch eines dritten Detachements, dessen Namen bisher noch nicht bekannt wurde, dem Oberkommando mit der . Drrrvei erurrg des G^orfanS und Inszenierunrj eines allgemeine» Pogroms drohten. ’ An dem Morde sind unmittelbar beteiligt gewesen: Der Massenmörder von KecSkemet, Oberleutnant Iwan HchjaS, Baron N o p e s ä, Baron P r o n a tz und Leutnant Julius S ch c f e s i k, ferner der Gendarmeric-Oberlcutnant B a g h i und der Feldwebel Bobula. Diese Offiziere und Soldaten sind die Anführer des sogenannten - '*• - ju- V'- ‘ v L - 'j»k 'f,V "J .'-i - 1 —‘v ' ’ * v 1 1 “ ■* D.sizr r^slret^chrments, das eine Reihe von großen Dndapcster Hotels fast vollständig besetzt hält. Das Detachement Osztenburg hat dreißig Zimmer des Hotels Pallas und vierzig Zimmer des Hotels R o tz a l, das Detachement P r o n a y das ganze Hotel V r i t a n n i a beseht. Die Gruppe Vene hat fast das ganze Hotel A ft o r i a besetzt. Obwohl Ministerpräsident HuSza.r nach Bekanntwerden der Mordtat gedroht hatte, seine Stelle niederznlegen, oenn diese Offizicrsdetachements nicht anfgclvst würden, ist es bisher weder ihm noch auch dem Oberkommandanten und nunmehrigen Neichsvrrwcser Horthtz gelungen, mit diesen Lffiziersdetachements aufzuraumeu. Für die Art und Weise, wie die Untersuchung tu des Mordasfäre geführt wird, ist charakteristisch, daß nach AK« schlutz der polizeilichen Nachforschungen, welche bereits den Hergang der Mordtat und die Namen der Mörder in einer jeden Zweifel , ausschließenden Weise aufgedecktl hätten, die Untersuchung in die Hände der Militärbehörde überging, welchedcn andem Morde un mittel« bar beteiligten Leutnant Julius ScheÄ csik mit der weiteren Untersuchung be< tränte. Die Verwegenheit per Mörder ging sowt« daß sie sogar ein Anbot, für einigt Zeit ins Ausland z« reisen, zurückwicsen, rmd für den Fall, daß auch «aß einem der Beschuldigten ein Haar gekrümmt werdet sollte, mit einer B-rrschwörung wfitn Horthtz drohten. Der mit der Prüfung der gegen die Tcrroristentruppen p'ngelaufenen Beschwerden betrautß Ententcrcfcrent, der englische K a p i t ä tz Graham, der über alle Einzelheiten der Ermordunq der Reda7!eure S o m o g tz i und B a e s a auf daS ßsve. nancste unterrichtet ist, scheint diesen Verbrechen ebenfalls ohnmächtig gegenüberztz.stehen, zu-i malermitder Ver wandten eines deß Hauvtbeschuldigtcn, der Baronin El!eH Podmancktz, verheiratet ist. ^---Zwei neue Mordtaten.. Der Oberbeamte deS PostsparkasseaamteS BrÄ Reumann, der durch einen Zufall zur Kenntnis einiger Details der Mordtat gelangte, wurde von einem der gcn.urnten Detachements in die Kaserne von K rl eHj söld geschleppt und dort entmannt 0 und starb an den Folgen einer hierbei erlittenen Bl«i-i Vergiftung. Auf dieselbe grausame Weisß wurde ^der Szegediner Ingenien r S t c p h a n M ü l l e r ermordet. Die Budapesteß Blätter dursten nur die Tatsache der Ermordung, »zchß aber die Art des Todes Müllers mitteilen« Es bedarf nicht vieler Worte, NM klar zu stellen, welchen Fortschritt die Anerkennung des nationalen Miuderheitscharakters, gegenüber den bloßen Gleichberechtigungsparagraphcn bedeutete wie sie der Ber liner Kongreß in bezug auf die rumänischen .Juden festgelegt hat. Die.fortschrittlich-demokratischen Tendenzen unter den Völkern im Verein ^mit. der zielbewußten jüdischen Arbeit werden es verhindern müssen, daß der neue Geist in den Friedensabmachnngen verschüttet werde, wie im Falle Rumäniens in Erscheinung trat, welches es verstanden hat, sich unter dem wohlwollenden Schutze der Mächte, die sich aus den reaktionären Grundsatz der Nichteinmischung berufen konnten und unter dieser Hülle ihre vorteilhaften Geschäfte mit Rumänien machten, seinen Verpflichtungen zu entziehen. Denn erst das oberste Forum des ,Völkerbundes wird die Erhaltung der eroberten Positionen dauernd zu gewährleisten verruögen. Es ist ein offenes Geheimnis, daß an dem Zustandekommen des jüngsten Prager Beschlusses die Stellungnahme deS Präsidenten Masaryk und des Außenministers Benesch den größten Anteil hat. Diese beiden, im besten Sinne „westlich" orientierten Männer haben den Drang gefühlt, die cingegangenen Verpflichtungen ohne Verzögerung zu realisieren und im Sinne wahrer Demokratie in der Jndenfroge klare Verhältnisse zu schassen. Nur Oesterreich, dessen Kanzler das Mort von der westlichen Orientierung in ermüdender Selbstgefälligkeit im Munde führt, denkt vorlänfg nicht daran, in der Judcnfrage ernst zn machen und der jüdischen Minderheit zu geben, was ihr legitimes Recht ist und dessen sie dringend bedarf. Es ist geradezu possierlich, wie sich der Wortführer unserer Sozialisten, in der Negierung, als in der Nationalversammlung die Frage der jüdischen Nationalität durch Abgeordneten Stricker zur Sprache kam, auf die großbourgeoiscn und plutokratischen Vertreter der jüdischen Assimilation berufen konnte, um seinen ablehnenden Standpunkt zu verklausulieren. Aber auch hier wird eS keinen Halt geben; was in Prag recht ist. muß auch in Wien billig sein. Das naLionale Judeutnin von Oesterreich fordert sein Recht. Wenn Oesterreich die Bedingungen deS Friedensvertrages gewissenhaft evi füllen will, wird es auch in der jüdischen Frage nicht nm« hin können, Farbe zu bekennen, soviel auch die jüdisches Assimilanten und ihre geistesverwandten jüdisches Sozialdemokraten zetern mögen. "Eine Kampfschrift Adalbert Sternbergs. J Äharfe Kritik an den Zuständen in der IschechÄ slowakischen Republik. z Der bekannte tschechisch-klerikale Politiker, der frühes Gxaf Adalbert S t e r n b e r g, der schon im alten Parlament wegen seiner Oppositionsreden die Aufmerksamkeit der polb tischen Kreise auf sich gelenkt hatte, versendet jetzt ein se^ umfangreiches Memorandum an die tschecho-slowakischeß Wähler, in welchem er der Republik und den Zustände» iq Staate sehr stark und in seiner gewohnt temperamentvolles Weise zu Leibe geht. Verschiedene Male, schreibt er, ssnd ft den Ministerien KorruptionLfälle aufgedeckt worden. Die Folg^ war aber nicht eine Untersuchung der betreffenden Fälle, soq der» die Konfiskation der Zeitungen, welche die Enthüllung«!, veröffentlichten, lieber Präsident Masaryk sagt Stern! berg: Der Präsident ist ein Idealist, ein Professor, dem dH Welt des Diebstahls und der Korruption eine ganz fremft ist, da er selbst nur im Reiche der Theorien und der Prin> zipien lebt. Wenn er seine Vertrauensmänner beauftratzft die Tätigkeit der ihn umgebenden Männer und die in den vea schiedenen Zentralen zu prüfen, würde er bald aus feineß Träumen erwachen. Es fct notwendig, daß das Volk sich ft neuen Organisationen gegen den Diebstahl vereinige. j In der Schrift, die an einigen Stellen weiße Flecke auss weist, bespricht Stcrnberg auch den Jirak-Prozetz und sagt, ft sei bereit, Anarchisten, Klerikalen, Hussiten, Veteran«ß Legionären, Armen und Neichen die Hand zu reichen untet der Devise »Kampf gegen das System, in welchem der-Jiras Prozeß möglich war". Auf der Anllagebank fei nicht Seküonft chef Jirak allein gesessen, sondern daS ganze offizielle Praß Die Herren m Versailles, bchauvtete Sternbcrg, kennen nicft unsere. VcrhäUuiüe und kennen nickt den DileüäiüismuS dch