Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 390 (22.2.1920)
- Date
- 1920-02-22
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 8 Wien. Sonntag Wiener Morgenzeitnng 22 Februar 1920 Nr. SSO Kftfe'noti t Herrn Cd Sckm er rr K.lOO, Herrn Dr. Nubin K 10. Herrn Dr. Glädl-ch K 10. Herrn B Aresivd K 10. Frl. Fanny Soknl K 1?». Herrn I. Jo'chler K io, Na'-knner Sd ön'clv K tu, Herrn Dr. fvinfc!Ttctn K Jrt, H-r'n ©raurr.K 10, Herrn (S tin K 10, Herrn I. Fucks K 10, H?nn Msirrr> 1t io. Frl. Kamnrr 10. Fil. Glasberg kt 5, fttl Zmrm'r K 5, Fr!. Sckwan X 5. »Sri Ger-sierrbaber- K f>, Frl. Schneider K 5. Summe K 2Ü0. Bisher frngdautcn K 20.076. KonsnmsteUe des Jüdischen HochschulauSschusses. In der kvmm-mden Woche gelangen urr AuSaabe rm Vokale lX. Tendlergaffe 6. n kolbender Nedenfolge nachsichende Woren: Moneag von 9 bis 12 Udr dre Numme'N von 1730 bis 1200. von 3 bis 6 Uhr n'ckmmags die .Nummern I?00 bis Drenseag von 9 bes 12 Uhr dir Nummern von 950 bis 35", von 3 bis 5 Uhr nackmifags d,e Nummern 350 bis 1: E er, Fergen, Petroleum, Erbsen und Flei,chkon>erven. m tt) d) i n c u Größte Auswahl! Billigste Preise! e«o i I Lcovo'b Ltcinsiart, Wien, l.,Bibersiras!e 9. «L... -<—. . . 4‘5'JJ/SO .. Vereinsnachrichte«. (NachricklrnvonBereinrneri ch r inenauS» u a h m s l 0 s n u r a m T a g e d e r B e r a n si a llun g.) Heute: JüdrsckerTurnverein MakkadiUund Z i 0 n. B e ä 1 r f i f e f 11 0 n L e 0 p 0 I d st » d t. 11 Uhr dornuttiias tm Cr'6, Au^.rrlenbrücke wicknge Turma'Ssslcktng. vorher .<?amiteebesprccl'ur'g iür Prnim^e r. —Hebräischer K 0 n v e r i w 11 0 rt § f 111 fa. Dr. Schalem Baron: „Die Ern hung der Juden m d-r Tiliriudepochc". O-ck: Exportakademik rvereini-iuna, ll, T'bornraye 1, 6 Uhr abends. — H k ch 1! I m 0 c m n i i a 1 mti 2 Uhr uachrmt'ogs Ba'att nakuudelurs, 3 Uhr nacknr tta s E^aluz mverlammlung. — Kolonie P r 1 e m i s l a n y l n W ' e n. V*1 l Uhr vorötittiigS finde! im Ji'id'ch n Hold" lnisschuss'. IX . Aisirsiraßc 28/ anläßlich des 1. Todestages eine Dr. I z ch a k.<k a n ezuaer- Trauerte! e^r stau, nr welcher sä>nt!'chr Landsleute, Kollegen und Freunde des Be storbenen aelaeen werden. — F i i ch u w E e z I s r a e l. 11., P afrsirrße 43, II. Stiege, iür j_l. Porleag des H. B. Ichr. 8 Uhr nachm "ags Tb'ma: Dre Danaim in der ersten General.ou nach d r Zerstörung des Tempels. Die ErrrLhrmW. Dis Maz^othverforqrm^ssteLe für OrsterrsLch. (Wie«, I.» Serteustettengaffe 4.) Anmeldungen zum Mazrvtlrdezuge von Parteien, welche den Lnmrldungsternun brs^ inklusive 25. d. N?. versäumt Haben. Werden ausnahmsweise in der Komln. U.. Tcmpckgasse 3, b iß zum 5. M ärz lägt rb m der Z-it von 2 bis 3 Uh.r nachmittags euigegengenvmmen. Nach d eiern Te-.uune dnlaufenbe Aumcldungen können n ckt berückuchl gt weiden. H erber tvrrd neuerlich darauf h'.ngewmen. dass die znm Maztotbbema angemelde'.en Personen aut den B. vtbezug tu der Zen .zwischen 4. und lo. z u verzichten haben. Der Marktbericht. Weitere sprunghafte Teuerung aller Lebensmittel. Das Dcmoe, d:s auf den Märkten m hab-n ist. wird täglich und s v r u n 0 h a ' l 1 c in 11. Restern lam m der G r 0 st Markthalle nebst rayonie'.kem Rrnostei'ch rnd amerikanischem Narrchfle'sck eche lleaie Par-ie Gänsefleisch rurn Ve kaufe, ^das ohne Fell X 125. — fstr das Kilogramm Evstrte. Für Gänsefett gilt ein K i l 0 a r a m m Drei? NnK 20".— <1. t'iir Veber £ 2cO—. Cm G'insejunaes stellt sich nunmehr auf K 39 —! ■. " *Äuf den G r ü n w a r r n m 2 r k t r n gab es last' nur Rüben, bloß der Naschmarkt ver>üg'.e über etwas Gärtneigemüie Md über eine Sendung auswärtigen Kohls. In der B r k t u a I i e n b a l l t im UI. Beurke wurde Gouda käse zu K 124.— und amenstun'chr Hai-'kä'e zu £ 140.— das Klloaranlu, feil' gehalten. In den eisten Berkaulsstunden ging dieser Kaie fast gar nacht ab. da die Marltbesucher in den frühen Morgenstunden billiges Gemme oder Aoilel erwerben wollen und nicht in der Vage stnd, solche Prei'e zu bezahlen. Gegen dir Mutagsnunde fand aber auch d e'ec teure Käse brr den zmällig dre Halle Pastierevdm rrrßenderr Absatz. Aut den F t« ch m ä r k r e n g"b es wieder lebende Karp'eu tzu K 66.— das Kilogramm. Sin Kilogramnr Zucker — 45 Kronen. Abi.März steht Hauöh-alkcn neue'sich eine emvstnd- (:che Belammg bevo". Der amtliche Verkaufspreis Ar ein Lilogramrn rayonrerten Muckers wird nämlich auf Grund der mrt der tschechv-stowakiicheu Republik gepflogenen Derhandlungerl von dissem Ta'ge an 14 45.— betragen. AerchswirtschaftsbunL der Feftangeftelltey. Dir Ausaabe der von der G'werklchastskvmmission rüge" diieirnen LiebcSaaben er-olgt N'ckt Sonntag, fonveen Montag wahrend der Arbeitszeit. Von Montag an wird an die mir Fleisch rghonierien 'Dlitgüever «Ämfcrkiju} abgcßtöeu. Konsumverein der VankangesteLLen. Nen kingdangt sind ‘ Fevbir. Cb'sion. Kammgarn ' - schwarz und blau. Sero-, Ae nrdsu'ter, Taschentücher, Socken Damen- und Krndcrstrumpf', Swcate'.', W^d^nstutzen. Handschuhe. Dameulkibche«. Kaabenhosen. Knab-wlei''et: rr-u-ae. Cloth- »nd Putzschürzen, Bod^ntücher, Herren.. ,» ■- r.no Kinderschuhe in reichster Auswahl. Ausgabe vo« Janver - Gurken rn Wie«. Bon Mittwoch'den 25. d. M. an w>ad in Wien gegen Abceer.nung der beiden . Halbmonat^adichnr: - istr I ä n n e r Iu-ter auägeseben. Die auf Jänner lau eno 'ezugiche?ne und Iuckerzusaterarten werden gleichfalls eingetoi.. D Verbraucher weiden aafgefordert. den Zucker. znv?lsichrl-c.' hiß spätestens 2 9. Februar 1920 bet den Kltinvelschleiüeru zu beheben. Da der Zeitpunkt der nächsten biuckklausgabe nicht votherbesti.mmt werden kann, wird dringendst empfohlen, den nu Vaufc des Monates fv t b r u a r nachgelieserpn Mucker fvübeier Einl8''Masmonare mu äußerster Sparsamkeit zu verwenden. Margarine-Abgabe. Bom22. bis 28. Februar gelangen bki den städtischen Bukicrabgabestellen für d'e Perlon 13 Dekagramm Margarine znm Preise von Xi 1.28 zur Ausgabe Organisrerte Verbraucher trh.rlten d'e Feitouole bei Lee Verschleißstell: ihrer Kvnsumenlenorganisativn. Kartoffelabgabe. Bon Sonntag t-is Mittwoch werden hi den B'e.'rken Xü bis XVI ausländische Kn löffeln zum Preise bon kl V) öoJ Kilogramm. iPnQ zwar % Kilogramm für beit Kopf gegen Abtrennung des Buchstabens 0 der Kiv.tc.ffelkai.tr. vusgegcber.. «Zewiverba". Vom 32. b:s 58. b. M. gelangen zur Ausgabe: Pro Kovsi % Kilogramm Backmehl zu K 4.20, 12 Dekagramm Knegsnuirgarme zu K 11.28 und V$ Kilogramm holländijche Kaitosicln zu X 3.—. Pro Maise;e *:n Stück E. T.-Seisc zu K 1.8 >, Inckerausg ibe pro November und Dezember, au',e'dem diveffe Lebensmiitel, Gebrauchs- und Haushaliungsgi-g^ustände. Filiale H etzing Montag und Dienstag ge» schlosi.stl. In derTertil-und Schuhabgabestelle, VIII., Schlesinger» plai; Nr. 5. ch'gllch von 2 b's 7 Uhr g gen V'gitima''on Kuabm» schuhr sowie Herren- und Tenv/nschuhe in veIckpedenen Preislagen. Männerui;üge» Svouüberröckc, Raglans, Knabenanzüge^ (aus Msir.ll- und derglLichtu. LiLZraLur u^WisseKschaft. Krlttk. Eine literarische Monatsschrift, redigiert von MoseS SilLurg. 1. Heft. Verlag „Der Kwal", W i e n. Eine, literarische Zeitschrift in jiddischer Sprache, welche sich kulturkriiische'Aufgaben stellt, erscheint in Wien. So wurde das erste Heft mit hoffender Neugierde zur Hand genommen. Es war eine Enttäuschung. Zunächst rein redaktionstechnisch: Im ersten Heft finden sich zwei sozusagen grundlegend kritische. Arbeiten und beide nicht ahgeschloffen; das geht nicht recht. Konzentration gibt der Kritik Kraft. Sic fehlt vor allem in M. Groß' Aufsatz „Form» vrebleme der jiddischen Literatur". In einem ersten Kapitel wird lang und breit auseinarrdergesetzt, was in einem Tlbsah von dreißig Zeilen hätte erledigt werden können, daß Impressionismus und Expressionismus, die Gegenpole der modernen Dichtung, Formgegensätze seien,, daß das jüdische Literatentum, die Form beherrschend, ^äußerliche Lichtung mache und daß das Urrglück der letzten jüdischen Dichtung ihr Hereinfall auf diese Formkunst sei. Die Erlösung aber komme von der. jüngsten Dichtergeneration des jüdischen Amerika. Für die letzte Behauptung wird Wohl fiir die. welche die Literatur, die uns erlösen soll, kennen, der Beweis angetreten werden muffen. Im übrigen sind die gedehnten Voraussetzungen Groß' unrichtig. Impression und Expression sind nicht Formprobleme, sondern seelische Einstellungen - auf den Kosmos. Gerade der Expressionismus' hat. sem Formproblem noch nicht gelost. So sghr auch eine' nachahmerrde Literaturmache abwehrende Kritik notwendig ist, so anmaßend ist die Behauptung, daß die moderne- Dichtung nichts sei als Formschwindel und so jübisch-kulturarm die Zurückführung des ganzen dichterrschen Problems der Gegenwart auf ein angebliches Formalprinzip» . Auch Moses Silburgs „Offenes Wort cm die Herren Buber, Brod, Bernfeld- Verkelhanrmer, an alle.deutsch-jüdischen und polnisch-jüdischen Skmbenten, zionistischen Führerchen und Schöngeister" zeigt nicht die Distanz der Klarheit über das Grundproblem. Silburg behauptet, daß durch schwindelhafte Verwässerung der ostjüdifchen Kulturwertc von Kulturmachcrn, welche ihre kulturelle Unterwertigkett dein Ostjudentum aufdrängen, seine kulturelle Basis untermirriect wird. Nun denn: es gibt in Ost Und West der Judenhert genug Kulturschwindler. Aber eSist L ernestark beengte Ueberschätzung, wenn vonder lVoraussetzung auSgegangen wird, die heutige Kultun -des-OstjudentumS sei ein stabiles, in sich gefestigtes Element, idas von außen her unterwühlt werde. Die heutige lüdische Generation-im. Osten ist kulturell sehr labil und nicht erst durch Hineintragerr schwindelhafter Werte in den letzten -fünf Jahren, sondern als Produkt eines „Verweltlrchungs-"prozeffes der. ostjüdischen Kultur,welche schon länger als em halbes Jahrhundert dauert. Km die Erkenntnis dieses Prozesses und die Möglichkeit einer kulturellen Stabilisierung kommt es. bei'einer bauenden Kritik an; dann darf und kann sie dre Kult-urmache richtig werten. Abschließendes soll hier über die neue Zeitschrift nicht gesagt werden. - Vorläufig ist in dem literarisch-produktiven Teil des Heftes, in dem, was es an Poesie und an Prosa bringt, den bescheidensten Ansprüchen - nicht Genüge getan. Ober doch. Eine Probe dichterischer Bildkrast (treu übersetzt)^ welche von der. Kritik anscheinend als neuer Ton.gewertet wird: „Ich liege. ihm zu Füßen . . Und lecke voll des Leides Die Strefel meirrern brennenden Gewissen." Hier ist ein menschlicher Anspruch auf befreiende Heiterkeit voll erfüllt. s. s. Hcrmemn Hesse, Märchen. Berlm, 1919, S. Fischer. > Was iss alles geschehen, seit irunkene Jünglingsaugr« zum erstenmal begeistert auf den Blötteru des „Peter Eameurmd" ruh:en! Nber Hermann Hesse iss sich. glerchgMrrbe« im Wirbel der Errrgnisi''.. Jedes seiner Bücher gleicht immer wreder . der glätlrn Seesiächr, du gelassen der Nemorlt spiegelt, ohne daß der j Heute V,Ö yhp «hßnös in fle:n prschtrollen SSilen dos j I Kllitärfcaslnos, 1., Schwarxenbergplals 1 Erster Pürim-Mäsksnball zugunsten der J&dfsehen StHdentenhelmstötten» i Bktlen. Eintritt nur gegen. Einladungen. Einladungen und I Karten im Vorverkauf ' h 35 Kronen. Vir .Studenten 415 Kronen i von 11 —1 Uhf mittags im llstzus der Vereinigung der Hörer |an der Hoctiscbule lür V.'eltbandßl und im Militärkasino. An der Abendkasse 35 Kronen. Dienstag den 34. frebruar, 5 Uhr abends, in den Kestsälen dea Mililärkasinos, I., tjchwarzenborgplatz 1 Grosser Purim-Maskenball zugutnsten ^AUnculand“. j Einladungen und Karten in den Kartonbureaus der einzelnen [Bezirke, in der Buchhandlung Lanyi, I.,Kilrntnerstrass«44. [bei Kehiendoner, LOwit und „Aida“, tt., Taborstraase 5.! Im Vorverkäufe k 85 Kronen, an der Abendkasse k 25 Kronen,! ' lur Studenten h 15 Kronen an der Abendkasse. KartenvorverJcauf nur Sonntag und Dienstag von 11—t Uhr mittags, auch Im Militärkaslno. 9430 -- Sotaünse (Sar Schwestern Wiesenthal. Kund:ge ve'k nw, welch rasslohs Web-n unter der stillen Blaue jntlfi'tt Unb io bi tct er di 'mal sieben Märchen - bis aui d'e „T'aum o!q!'" wodne «in« sie l 'ber Parabeln nninrn. denn sie sind mü lebchnfixM Geh-ilr bis -um Rande gestillt —. d>e obne r.n lautes. Wo« an um er tefss s Sem rüh'.en Oder wenn gmge dre erst- Erzävlrmg nichts an von dem nnaliicklchen Augussus, den olle si-ule lieben und der erst der glnckstch'- Anonstu^ wird,' »er? niemand m hr rbn. wollt aber er alle Veutc siebt? Oder rst ruckt das Wohl und Webjedes Schnsicnoen auege'prochen m den Märchen von dem Me per des öoDfinuiiemn Wortes und vom schweren Weg. das Leid unsrer Zeck rn d m Rückblick, den «- ne reinere Zukrinit arü un'rre Welt der Krrea-grenel wnst? Und lr-at nicht ast-s.Ach der Kieatur be-chlossen m der wunderimnm. Geschichte von dem jnngen. Mcnichen, der ein Berg wrrdrn wollte und-als solcher erkennen muss. dass, das Los der , ^eroänglickkert, dem er zu rnrst eben gedachte, auch vor dem scheinbar 'ür die Emrgkeck geg'nndeien Felienrieien nickt Halt macht?'„Trosi in Tränen" Hai Goethe einmal ein Gedeckt überkchrreben. „Wonne der Wehmut" em anderes; Io wirkt Hermann ■ Hesses neues Buch, so lömrte es heißen. Ky. Armin T. Wagner. Der Weg ohne Heimkehr. Egon ' Fleischt & Co.-Verlag, Berlin. Da find > Briefe, geschrieben von Konstantinopel bis Bagdad, geschrieben im Sandsturm, in der Cholerabaracke, auf dem Dache des Hauses unter Palmen. Briefe voll grauen» hasteni Leid tn'einem Band vereint. Wenn sie nun auch mitunter allzu persönlich-sentimental.sind, von Dingen und Erinnerungen sprechen, die nur ureigenster Besitz des Ernzelns« - find, find sie dennoch an die Allgemeinheit gerichtet und «mögen von allen jenen gelesen werden, die menschliche Dokumente'.zn werten wissen und sonderlich von uns, dir wir in der schändlich-großen Zeit dort unten waren. Ditz Blockhütten des Amanusgebietes, die Schreie der hinhungernden Armenier, die sich auf den Winden aufmachen durch dis Nacht, die lestzerquälte» Mienen der. gefangenen Inder, dir Hosfnungslosig'.'elt der von brutalen preußischen Junkern im ' OsstzierSkleid mißbrauchten anatolischen Soldaten, alles ist ^wieder in der Erinnerung bei der Lektüre dieser Aus- Zeichnung größten menschlichen Leidens und größter menschsicher Niedertracht. Wegner ist der typische Deutsche d«S gütigen Schlages, der den Orient erlebt/ wie er irgendein Land, irgendeine Zeit voll leidenden Menschen erlebt. Ihm fehlt daS Blut des Orients, das uns Juden dem Morgenlande anders nahen läßt: voll Verbundenseinmit ihm in großer - Demut, selbstin den grausamsten Enttäuschungen» - ln herzaufreißenden Schmerzen. Mitunter aber tritt auch an den'Autor dieser Briefe jenes Gefühl Herrn, daß sich manifestiert in unbedingter Hingabe an daS Land, irr jener r Liebe, der eine Palme, ein siecher Bettler, ein Sonnenaufgang in der Wüste mehr ist, als alles Gewesene und alles Zukünftig« im Abendland. Wer einmal dieser ungeheure« Ergriffenheit erlegen ist, wird an ihr tragen sein Leben lang. Dieses ganze Buch, das, wie ich nochmals betone, , aus deutscher Mentalität (nicht aber aus preußischer) geschrieben. ist, ist unliterarisch, persönliches Bekenntnis! mtb Anklage. Keine Neisebeschreibung, lein Land-und-L-eutebuch: Und well ' diese Briefe mit Liebe geschrieben sind, möge der Absender uns Bruder sein,' uns, die wir gleich ihm von einer 'machttvahnsinnigen deutschen Junkermission aus der Türket ausgewiesen, dennoch ganz ohne Haß, mit ganz große» " Liebe im Herzen, das Land verließen. D^ser aber ist der Unterschied zwischen ihm, dem Deutschen, und uns, de« - Juden, daß für ihn damit bas Erlebnis, ans das man i« , späteren Tagen mit leiser Wehmut zurückblickt, zu Ende - sein muß, während es ünS Station ist auf unserer Wanderung, - Station, zu der man wieder zurückkehrt, die. man mit ewig gleicher Liebe ersehnt als Ziel der Wanderung, ÄS Morgenland, als Land unseres Morgen. Armin T. WegenerS Buch möge gelesen und gewertet werden als gutes/ und was wichtig ist, als reinliches unliterarisches Werk eines Freundes. Eugen H 0 e s l i ch. Ernst Anemüller. Schiller und die Schwestern von Lengeseltz. Detmold, 1920, Meyersche Hofbuchhandlung. E«n Buch, das rm übsichen Famrliendlattsirl die geläusige«! Nachrrchten Wer Schrller. .seine Ehe und stmr Beziehungen zur . Schwägerin zü'ammenstellt, nicht ohne den Dichter und Frau Lott» ' in der früher herkommsichm Art zu rdeosisiere«. Nein, Schiller ' bat Bemäntelungen nicht nvt,g und Edarlotte wrrd N'cht bedeutender. auch wenn mau rhr kleinlich tratschhaireS Betrage« gegen. Christian Bulvnrs wcgretouckiert. Sogar für die problematische Nastr Karolinenß findet Anemüller rosige Farbe« und' * es scheint, daß solche Bucker noch immer „gehen". Sonst würde« in dieser. Zert der Paprernot doch nrcht geschäslskundlge Verleger , Geld a« derlei Dinge wenden. ....... N7. Heinrich Ströbel; Die Kriegsschuld der RechiSsozkaNfte«, 1816. Der - a^S^-rnossens-'htzft „F rr.u-.sii", r. G. m. b. Berlin. ' ' In dieser kleinen Schrift, die in der Haupts.rcke Mitte 1917 entstanden ist, also inmitten des 'Erlebnisses dessen, was sie behandelt, analysiert Strobel, einer, der wahrheitstreuesten Sozialdemokraten Deutschlands, die SchuÜ» der Nechtssozialisten an der Kriegsverlängerung, an den Methoden und ayr Ausgang des Krieges in ernst-sachlicher Weise. Der sozialistische Zusammenbruch der Mehrheit der deutschen Sozialdemokratie (der am besten organisierten in der ganzen Welt) datiert arrgenfällig von der Bewilligung der KriegSkreditr. Strobel legt nun dar, daß die Bewilligung geschah, als da- Argument deZ „VertidigungSkrieges" noch mcht Geltung hatte. Die Argun»eNtation der sozialdemokratischen Kreditbewilliger war, daß eine Niederlage Deutschlands politisch auch daS Proletariat treffen würde; also müsse sich die Sozialdemokratie für die Volkssache einsetzen. Die Ursachen dieser Mentalität, welche Verrat am Sozialismus bedeutet, sieht Strobel in der Furcht um die. . Organisation, in dem geringen politischen Verständnis (die Mchrheiter rechneten mit einem kurzen Kriege mit entscheidendem AuSgange), vor allem jedoch in dem durch den Nevisionismus. „entnervten", , verbürgerlichten sozialistische« Geiste der Mehrheit. Dadurch wurde eS ihr möglich, in blrnoem militänschen AutorttätSglauben sich auf eine Kriegs- Politik des Endsieges einzustellen, durch die der Ber« ftändigungsfrieden verpaßt, der U-Bootkrieg gutgeheißen, daß Polenabenteuer mitgemacht und der AnnexioniSmuS unterstützt wurde. Zu diesem Verrat am sozialistischen Gedanken kam noch der an der Demokratie, wodurch innerhalb der Partei die Instanzen herrschend wurden, in der Innenpolitik deS Reiches die Mehrheit den fchwindeldemokratischen Kurs mitmachte, i« der Außenpolitik das zweideutige Fricdensprogramm der Mehrheitler 7in Stockholm) die deutsche Sozialdemokratie diskreditierte. Schließlich wurden die MehrheitSsozialiste« in tag