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Wiener Morgenzeitung · 1920-02-21 · Heft 389 (21.2.1920) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 389 (21.2.1920)
Date
1920-02-21
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr SSS 1 Wien. Samstag n ■ — ■■.»». i..i n ... Die Teschener Frage. Dle Entscheidung über die Slaatszugehörigkeit fr« Teschener Kreises» in welchem die so wichtigen chlesischen Kohlengruben liegen, wird durch Volksi b ft im mu ng fallen, da Polen und die Tschechoslowakei Anspruch auf das Gebiet, erheben. Den Vorchlag, das Teschener Gebiet, welches für beide Staaten che wirtschaftliche Lebensfrage darstellt, zu interrat i o n a l i s i e r e n, hat der Oberste Rat in Paris ielnerzeit abgelehnt; die Internationalisierung wäre vohl die beste Lösung gewesen, durch welche man Mch der nationalen Seite der Frage gerecht geworden väre, zumal drei Nationen Tschechen, Polen und vsMtsche in diesem kleinen Gebiet leben. Nunmehr hat üe Kommission zur Durchführung des Plebiszits, velche aus Franzosen' besteht, ihre Tätigkeit bereits begonnen. In den letzten Tagen herrscht nun fr der gesamten polnischen Presse lebhafte kxregung. da nach ihren Mitteilungen die französische lZlebiszitkommission sich offen auf die Seite der Tschechen gestellt hat. Sie verbietet polnische Versammlungen, hat den p o l n i s ch e n N a t i o n a 1r at a u s g e l ö st und unterstützt angeblich die Tschechen fr jeder Hinsicht. Die polnische Presse fordert die Absetzung der Kommission. Serreral Samt» über die fftMftfien Aufgabe». Der Ministerpräsident der südafrikanischen Staate«, Nenera! SmutS, der bekannte Vorkämpfer für Völkerverfrhnung, der im Kriege durch seine Friedensbesprechungen ntt Oesterreich und Deutschland wohltuend aus der Reihe frr Kriegshetzer herbortrat, hielt bei seinem Empfange durchs He Juden von Südafrika eine interessante Rede, in der » sagte: »Ich halte Ausschau nach den Spinoza und MaimonideS kt Zukunft. Ich wüßte nicht, warum nicht, — da das Volk »och da ist, das Wesen noch H ist. die geistige Flamme in Mch noch lodert. Ich muß zugeben, daß in den letzten Jahrhunderten die geistige Kraft und Vitalität des jüdischen Volkes »st in andere Richtungen abgelenkt wurde, und heute habt hx den Ruf, mehr an das Materielle als an das Geistige, »ehr an Geldverdienen als an die höchsten Werte des Lebens |S denken. Aber ich bin überzeugt, daß dies nur eine vorihergehende Erscheinung ,st. die voll und ganz durch die historische« Bedingungen erklärt wird, unter denen ihr viele Kahrhunderte inmitten der Völker Europas leben mutztet. ES frbt keinen Grund, warum Israel nicht zu semer großen historischen Mission zurückkehren, warum Israel nicht wieder das Banner des Geistes über alle anderen Völker der Erde entfalten sollte. Dies war euer Beruf in der Vergangenheit; ich hoffees wird euer Beruf in der Zukunft sein/ ' Und bannt V p »Für euer Volk ist ein großer, langdäuernder histori- Wrr Starrkrampf zu Ende gekommen. Ihr habt eine große Rolle in der Geschichte gespielt. Ich sehe die Tage kommen, ,wö ihr wieder eine große Rolle spielen werdet; wahrlich, wenn ihr wieder zu dem alten Programm, zu dem Programm der Psalmen und Propheten zurückkehren werdet. Wenn dieser Tag kommt, dann werden wir hier in Südafrika, wir Christen, Sprossen emeS teutonischen Blutes, anerkennen, daß eines der mächtigsten, eines der wertvollsten Elemente unserer Bevölkerung die Juden sein werden, die unter uns gelebt und uns die geistige Auffassung des Lebens gelehrt haben." Bonr^eors Über den Völkerbund. Parts, 20. Februar. Die Blätter veröffentlichen eine Botschaft Bourgeois' über den Völkerbund, worin »v seiner Freude über das Ergebnis der vier jüngst in London abqetzaltenen Sitzungen und über die beträchtlichen Fortschritte Ausdruck gibt, die der Gedanke des Völkerbundes in England gemacht habe» wo in der letzten Zeit 160 Propagandagruppen in den verschiedenen Teilen des Landes ins Leben gerufen wurden. - Bourgeois erinnert an die Bemühungen, den Grundsätzen de» Völkerbundes auch in Frankreich zum Durchbruch zu verhelfen, und gibt der Ueberzeugung Ausdruck, daß die Regierungen aller Länder verstehen werden, daß m der gegenwärtigen wirtschaftlichen Not eine Isolierung nur Leide« mit sich bringen und daß die Wiederaufrichtung des Wirtschaftslebens nur durch das Zusammenarbeiten aller erreicht werden könne. Vielleicht werde die Botschaft auch eine heilsame Wirkung auf die öffentliche Meinung in den Bereinigten Staaten ausüben und das amerikanische Volk werde sich klar darüber werden, daß es nicht außerhalb einer Organisation bleiben dürfe, die zur Lösung aller großen Probleme btzrufen sei. Sicherlich würden auch die Vertrete tiefes Volkes ihren Platz in den Reihen der, anderen Volksvertreter espnohmen. Die Völker würden die Aufgaben des Völker- Hundes noch bester zu würdigen wisten, wenn sie erf hren Werden, daß der Völkerbund eS übernommen habe, das schwierige Weltfinanzproblem zu lösen. Die Gefamttyrmage der ansgerieserlrn deutschen Schiffe. Paris, 20. Februar. Die Blätter melden aus Lyndon: Im Unterhause erklärte der Parlamentsfekretär des Marineminlflerlums Oberst Wilson aus eine Anfrage, daß die Gesamttonnage der deutschen Schtffe üyer lausend Tonnen, dte gemäß den Bestimmungen des Waffenstillstandes ausgeliefert wurden, l.824820 Tonnen betrage; hiervon seien Großbritannien 1334.606, Frankreich 421335, Italien 3691 und Belgien 22.2N6 Tonnen zugesprochen worden. 43400 Tonnen leien noch nicht aufgeteUt worden. Wiener Morgenzeirune An die geehrten Leser der Wiener Tageszeitungen! vesterr. Postfparkaffendvnto 150 603. — Tschechoslowakischer Postsparkaffeverkehr 150.693. Der heutigen Postauflage der »Wiener Morgenzeitung liegen PosterlagscheLne bei, welche zur gef. Ueberweisung der Pezugsgebühren verwendet werden mögen. Bezugspreise ab b März: Für Wien zum Abholen in den Trafiken und Verschleißstellen oder mit Postversendung monatl. Kr. 20.— Für Oesterreich mH Postversendung monatl. Kr. 20.— Für die Tschecho-Slowakei monatl... . Kr. 7.— tschecho-flowakischer Währung Für Jugoslawien monatl. ........ Kr. 12.— jugoslawischer Währung Für das übrige Ausland monatl. ... Kr. 25.— Die Verwaltung der „Wiener Morgenzeitung" ' ' Wien, 2. Bezirk» Taborstratz» 1 Hs 3 Inland. SCgAmtt.iW feette # ' ' ~ ~ ' .1 gH Politik und die Ergebnisse seiner Londoner Reffe. Sr beton^ neuerdings seinen Standpunkt in der Frage der DürchfAhwng deS Versailler Vertrages, insbesondere der Aburteilung der ÄriegS-i schuldigen, wonach die ablehnend« Haltung Deutschlands dis Räumung der besetzten deutschen Gebiete durch di« ftauz8sisch««j Trudln verwgere. Me gleichen Folgen würde die Weigerung! Deutschlands nach sich ziehen, in der Frage der Kohlenlwferungew dr« Bestimmungen deS Vertrages zu erfüllen. 1 Der Ministerpräsident wandte sich sodann dem türkisch t» Problem zu und setzt« die Gründe auseinander, aus deneni Frankreich zugunsten der Belastung Kvnstantiuopels und einige«' Gebiete Kleinasiens unter türkischer Herrschaft eingetretru sei. Die! Türkei werde künftig kein« Armee unterhalten, sondern eS werde nur eine unter dem Kommando alliierter Offiziere sichende. Gen« darmrrie gebildet werden, deren Aufgabe sein werde, über di« Frecheit der Meerengen zu wachen. Hieraus sprach Millerand über dir Stellungnahme Frankreichs bezüglich Syriens und EilicieaS, ferner Über die Adriafrage^ Über die Beziehungen Frankreichs M den Alliierten und über die russische Frage. Die Ausführungen des Mmcherpxäsidentev wurde«! vom Ausschüsse beifällig autgenommen.! Heute wird Millerand im auswärtigen Ausschuss« Kefr Kammer sprechen. Baruch amerikanischer HandelsminffLsr. - Washington, 20. Februar. <Tel.-Komp.) Wie, verlautet, hat Wilson den bekannten Finynzmann, Baruch ersucht, als Nachfolger Redfields das! Handelsministerium zu iibernehmen. j Di« Antwort auf die ungarische Note. Gemäß den in der Nationalversammlung ausgesprochene« Meinungen hat der Staatskanzler gestern an den ungarischen Gesandten, Dr, G r a tz, «ine Note , gerichtet, in welcher er alle Verhandlungen über Westuygarn ablehnt. Der Staatskanzler macht hierbei hie im gegenwärtigen Augenblicke! sonderbare Bemerkung, daß bas Burg«nland Mas ist ' das eigentlich?) mit de» übrigen deutschru Alpenländern einen Bundesstaat nach dem Muster der Schweiz bilden wird. Soviel wir wissen, ist in Salzburg nichts Derartiges beschlossen worden und die Nationalversammlung hat überhaupt noch nicht Stellung genommen. Ueber daS Angebot des freie« Handelsverkehres sagt die Nottür „Der gegenseitige Warenaustausch ist jetzt durch die Ausfuhr- und Einfuhrverbote und -Beschränkungen unterbunden. So lange die Verbote bestehen, sind hie Zölle, die übrigens unter de» bestehenden Verhältnissen den . Verkehr nicht hindern würben, bedeutungslos. Ersahrungsgemäß bietet auch die prinzipielle Festlegung des freien Handelsverkehres durch feierliche Verträge keine völlig Sicherung gegen seine Unterbindung. Diese Sicherung kann vielmehr nur dadurch geschasse» werden, daß dir Verbote tatsächlich beseitigt werden. Die österreichische Regierung ist hierzu Ungarn, wie allen anderen Staaten gegenüber, sehr gern bereit und bittet die ungarische -Regierung, chen Zeitpunkt üekauutzugeben, in dem die fruterhanWugsn hierüber ein geleitet werden , können." Es wäre erfreulich, wen« eS durch Verhandlungen gelingen würde, den Pollen freien Verkehr mit Ungarn auszunehmen. Für solche Besprechungen ist es aber «in böseS Präludium, wenn Ungarn in Wien Polizisten und Spitzel unterhält, die ihnen mPliebige Personen verschleppen ober wenn österreichische Reisende, die sich nicht in den christlichnationalen Kataster einfügen lassen, in Komvrn von HorthyS Brachialgewalt beraubt und ermordet werden. Wir haben allzulange unter der Despotte der Knoten-Politiker gelitten, als daß wir uns von Verhandlungen mit einem Staat etwas Gutes versprechen, der in allem und jedem an die Traditionen der Adelskaste anknüpft. Die Falschmeldungen der ungarischen Presse. Die Siaatskorrespondenz schreibt : Der gestrige .Nemzeti Ussag" hat aus Oedenbmg gemeldet, daß 500 österreichische Ä'bk ier gewaltsam die uugausche G^n^ mit der Begründung überschritte« halten, daß Westuugarn vürichin bereits m Oesterreich gehöre, Die. Arbeiter feien unter dem Vorwände der stedcuSmitteldeschassvng in die Grenzgemeinden e-ngedrungen. Die erforderl cken militärischen Maßnahmen seren unganscherseitS bereits getroffen. Wie wir zu dieser Meldung erfahren, entbehren diese Mitteilungen des genannten Blattes «ach den gepflogenen amtlichen Erhebungen jeder tatsächlichen Grundlage, Telegramme. Me Gshetmniffs des Obersten Rates. Parks, 20. Februar. Aus Londoner Meldungm der Blätter geht hervor, daß der Oberste Rat beschlossen hat, seiire Beratungen unter strengster Geheimhaltung forzusetzen und die Delegationen aufzufordern. Keinerlei Mitteilungen über Gegenstand bder Verlauf der Besprechungen in die Presse gelangen zu lassen. Die OeffentlichKeit werde daher auf die Communiquös. die täglich von Downing Street veröffentlicht werden, ang ewiesen fein. Aus dem gestrigen Communiquü gehe hervor, daß der Oberste Rat sich in der Vormittagssitzung hauptsächlich mit der Zusammenstellung der technischen Kommissionen befaßt hat, die zur Ausarbeitung des Textes des türkischen Friedensvertrages eingesetzt wurdet!. Die Nachmittagssitzung war der Beratung der russischen Frage gewidmet, deren Lösung bis zur Rückkehr Millerands verschoben wurde. Miilerand über die Lage. Part», 20. Fcbruar. In der Atfifnflm S tzruig der EenutLkommifsivn für Aeußcrrs gab Mnnstcrpräsident M \ 1111 ö n b m länaeren AuSsÜbwnaen einen Urb« blick sder seine. auswärtige Der Grund der NiiiLwanderung ans Amerika.! Washington» SO. Februar. (Funkspruch.') ^N«w Dort, Herold" meldet aus Genf, daß die in der Schweiz aus den Ver«! einigten Staaten eintresscndr» Rückwanderer tschechischer, polml scher und südslawischer Volkszugehörigkeit übereinstimmend angeben^ daß der Grund ihrer Rlickwanderung hauptsächlich das Verbots der g e i st i g e u G e t r ä u k e m den Vereinigten Staaten fefi Die englische Atlantik-Flotte ausgesahren^ London, SO. Februar. (Funffpruch.) Die A1 l a «t i sch Flotte hat unter dem Oberbefehl des Admirals Sir Charlest Maddm Malta mir versiegctten Befehlen verlassen. Von der polnischen Diplomatie. Warschau» SS. Februar. (Privat.) Der bisherige polnischE,' Gesandte in Belgrad, Herr P t.1 g. begibt sich dieser Tage ans den Gesandtenposten in Prag. Gesandter Graf Szembek^ der zum Gesandten und bevollmächtigten Minister in Berlin et*j nannt worden ist, begibt sich nach Lettin. Einberufung der deutschen Nationalversammlung.; k Berlin» 20. Februar. (Tel.-Komp.) Wie ein« hiesige Korrespondenz meldet, hat Präsident Fehrenbach die NatLonaloerjammlung für den 25. d. M. ein«« berufen.? Dis Truppenmacht Dentfchlanvs. Paris. 20. Februar. Dre Blätter melden aus Loud-p z Churchill teilte im Unterhaus die Einzelheiten über die gegeNq wattige i Truppenzahl Deutschlands mit. Er erinnerte darauf daß am 10. April der Stand der deutschen Streitkraste 200.000 Mann nicht übersteigen dürfe und erklärte schließlich, daß Oberste Rat gegenwärtig mit der deutsche» Regierung über bk Auflösung der Reservebestände verhandle, die etwa 450,CQO bis 600,000 unanSgerüstete Mannschaften umfassen. Lsrsners Nachfolger. Parts, 20. Februar. lFunkspruch.) An Stelle Lersners wurde der Adteiluugsvorstand deS deutschen Auswärtige« Amtest Otto G o r p 111, zum Vorsitzenden der deutsche» Friedens cibordnung ernannt. Kaiser Wilhelm soS deportiert werden. Paris» 20. Februar. (Korr.-Bur.) Wie der „Petit Pansien" berichtet, stoße der Vorschlag, den Exkaiser Wilhelm in einem nicht europäischen Lantfr zu internieren» auf keinen Widerspruch der offt-ielley holländischen Kreise. Es fei wahrscheinlich, daß dir holländische Regierung sich bereit finden werde, für de« Exkaiser ein von Europa weit entferntes Asyl aus« findig zu machen, und daß sie ihm dann die Wah! unter den ihm vorgeschlagenen Orten überlassen werde, Angeblich wolle man den Exkaiser bewegen, dst unweit der Küste von Venezuela gelegene Antillew Insel Curacao zum Aufenthaltsort zu wählen. Nieder ländisch-Indien komme infolge der Schwierigkeit der Ueberwachung und der Erregung, die die Anwesenheit des Exkaisers unter der Bevölkerung Hervorrufe« könnte, kaum in Betracht. Ela fsblgs'chlaqeaer frstherev AnschlastveWchZ Berlin, 20. Februar. (Privat.) Die „©etmaia* erhält eine Zuschrrft aus Wiener Kreisen, in bet über einen sehlgeschlugenen Versuch berichtet wird, der zum Aufchlutz Deutschösterreichs bereits unmittelbar nach dem Zusammenbruch Bulgariens gemacht wurde. ES heißt darüber: Die in aller Raschheit konstituierte deutschöfterreichische Regierung setzte sich mit Berlin ins Einbernchmen. Dort war noch daS ReichSkabi»,ett des Prinzen Max von Baden am Ruder, das die Bedeutung des sofortigen Zusammenschlusses mit Deutschösterreich mrt klaren» Blick erkannte. Es war bereit, diese politisch notwendig gewordene Konsequenz der grotzev Verschiebungen möglichst rasch dttrchznführen, also wirklich vollzogene Tatsachen zu schaffen. In Wwn war man damit einverstanden und beschloß, Dcutschöfterreich in der neuen Verfassung geradezu als Bestandteil des Deutschen Reiche« zu erklären. De» Nnrbau zu einem deutschen BuudeSstaal wäre dann rin Leichtes gewesen. Gleichzeitig diese neue Verfassung durZ daS Wiener ging, zowche -M

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