Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 384 (16.2.1920)
- Date
- 1920-02-16
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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/ Seit« 2 Wien. Momay Wiener Morgenzeituny 16 Fel.uar 1920 Nt. 384 Wstigte sich bisher hnnptsächlich mit den Grenz» »cstimmungen sowie nrit den anderen politischen und virtschastlichen Bestnnmnngen des FriodenSvcrtragsrntwurfes, der Minori-atemchntz nun de nur wenig behandelt. Die. wenigen Stimmen, welche sich auch Hieriber äußerten, tadelten, daß durch den Cutwurj nur iür die in Ungarn verbleibenden Minderheiten j vor« zesorgt werden soll, während in den Vertragen mit Rumänien, mit der Li checho» Slowake! und nit Jugoslawien sür den Schutz der aus den von Ungarn abzutreimsnden und den erwähnten drei jv-maten znZnwciscnden Gebieten wohnenden Minder» -Leiten, speziell sür den Schutz der Magyaren, nicht so veitgchend vorgcjorgt wurde. ' Es ist zn erwarten, daß die. Friedensdelegation Ungarns auf diesen Uiitstand Hiugewiesen lverdcn wird, eine wesentliche Opposition gegen den Minderhcits'cbuiz ist jedoch nicht 31t erwarten, da Ungarn, wenn es s^-ine Stellung zun'ickerobern will, im Gegensätze zu seiner bisherigen Politik, seinen. Minderheiten weitgehende Rechte geben Miiß> und zwar nicht derart, daß diele — wie bisher — nur auf dem geduldigen Papier stehen. Der Nnlschwung itt dieser Hinsicht ist nicht zu verkennen, tittb so ist 51t erwarten, daß auch die Juden Ungarns das ihnen lin Rahmendes Miuoritätcnschuhes geöffnete Vctätigi'iigsfeld recht bald bestellen werden können, eingedenk dessen, daß sie nur dann geschützt sein werden, wenn sie sich selber zu schützen wissen. HUWiMIj «.hi* -uni" im jmxsm&s&xrv*»*** Nasche W!fe für Oesterreich. EinschrLnKung de Pa ls, 15. Februar, lieber, die gestrige S'tzung tzer Boüchas e.'!cn,erenz erfährt „Petit Pariswlt", daß die Kcn> euz aus Grund der Exvosös der Staatsselre- LL e Dr. Reisch und Dr L0ewe.nfesd-R uß te>n Dünsche Auidru.k gelben habe, daß die mit der Er» Nahrung und der Wie'.rrausnahme des WM-schchstSlel»ens Oestcrre chZ znsammenhäng.'nden Fragen in bet öfter» ceichischen Sektion der NeparationZkülnMi'swu bald» möglichst besprochen und geregelt werdeu sollten, ohne das Jn'raftsetzen des Vertrages von Sä'Nt-Germaltt rbzuwartcn. Die Konferenz habe bcsch o'son, den jii.lgH an alle atl.iee.ea Länder ger ch.eten Aufruf zu w'.ederßolcn. um ihre Aufmerksamkeit auf die tragische Lage Oesterreichs sowie auf die Notwendigkeit zu lenken, ihm sofort zu Hilfe zu kommen. WeitcrS fei die Konferenz mit einer Note befahl pr» wesen, worin die Wiener Regierung mit Rücklicht au! r MilitarmWonen. die wiktschastliche DcdrikngniS btS Landes iw Erleichterung; der Losten ansucht, die die interalliierte militärische Kon» - trolle ihm onferlegcn sollte. Da diese Konlrolle den Zweck J habe, die tatsächliche Abrüstung Oesterreichs zu überwachen, , habe sie nicht gänzlich aufgehoben werden können, doch habe die Botschafierkonferenz beschlossen, sie tn weitestj gehendem Matze einzu schränken, um dem österreichischen Ansuchen nach Möglichkeit Folge zu gebe«. * Schließlich habe dis Konferenz auf Verlang?» der europäischen K.h enuitssion, bereit S.h itt Paris ist, en sch'c.ea, daßd'ie intera l ierte Kommision in Tescheu in der Kohlenfrage keiurrtet Eutschsibungen treffen solle, ohne die Ansicht der tschnifchsn Dele« gierlcn, die sich in Mährisch-Ostrau bdfinden, eingeholt zu haben. Die nächste Sitzung der Botschafter» lonsereuz findet Dienstag den ll Zebruar statt. Die Beratungen der Lünderkonferenz. Salzburg, 15. Februar. Unter Teilnahme der Vertreter sämtlicher Länder und der Stadt Wien sowie zweier Eingeladener aus dem Burgenland und in Anwesenheit des Staatssekretärs Dr. Mayr hat heute um 3 Uhr nachmittags im Landtagssaale die Eröffnungsfitzunz der Lünderkonferenz stattgefunden. In der Begrüßungsansprache hob der Landeshauptmann von Salzburg Hofrat Ing. Mayr die Bedeutung der Tagung hervor und wies auf ihre Entstehungsgeschichte hin. Die Staatsregierung habe einen Verfassungsentwurf der Länder» Konferenz zur Verfügung gestellt, der die Grundlage für die Beratung der Konferenz bieictt könne. Im Anschluß an die Eröffnungsansprache gab Landesrar Resel (Graz) im Namen der sozialdemokratischen Teilnehmer eine Erklärung ab. wonach durch die Feststellung einer Verfassung sür die Republik Oesterreich das Unverändert anzustrebende Ziel des Anschlusses an das Deutsche Reich nicht beeinträchtigt werden dürfe. Bei der hierauf vorgenommmen Konstituierung des Präsidiums der Tagung wurden zu VsrfllMden gewählt: Landes hauptmann De. Ri ntelen (Steiermark). Landeshauptmann S e v e r iNiederöfterreich), Landesrat Christoph (Salzburg). Landeshauptmann Dr. Rtnrelen stellte den vorbereiteten Entwurf einer Geschäftsordnung zur Debatte. Im Verlaufe der Debatte stellte es sich heraus, daß diese Angelegenheit noch eine weitere Parteienbesprechunq Nötig mache, weshalb die Sitzung unterbrochen wurde. Salzburg 15. Februar. Die Verbrmdlungen der Salzburger Lättderkon'errnz. die heute imchmitiagS beMuen, nehmen einen außer 0 rden 1 lich fchleppenden Verlauf. Es aab heute endlose Debatten. aber lein Ergebnis. Mehrere Male wurde die Sitzung unterbroci'eu, um den Telegramme. Die Adriafrage. Eine neue Jttlerveurtün WitfönS. 15. Fobr-rni:., .Ivurnal" meldet, best in Lendouec Laie.lffch?» K e fett infolge einer angeblichen, n e u e r l i ch e n Intervention Li l s a n S in der Adeiafrage lebhafte Erregung herrsche. Der P.'ä,ident soll E gland NN) Krank reich liritgetiUkt haben, daß ec das den Jugoslawen gestoM Ultima» tum n ich t z n l a ] je u.:d daß die beiden vvvg'sch'agen-m Lösun.zen, nämlich dec Lvlchoner Vermag uny die Kombination voin 20. Jänner, de»» von der Frleocnsk-on'e enz lin Einver'n?h:ne» mtt W lsott gesaßtm Entsch ü s n z lr w i de r l a n f c n. W.'ttu die All! erien oarüt-er h n ez i izen. wct'K A»tcri ln seine volle Handlungsfrc-ihcit wieder erlangen. Das Blatt wstl wtf.'rn, daß dieser Schritt Wilsons sich Nicht allein auf Fiun-.e bez'.hcn sol-'e, sondern der Prä,'! enr solle a u ch gegen j e 0 e Regel N N g der kleinafiati ch e n Fragen ohne L-.n',ürnng Aurerilas S.e.lung ge lounuen yab^n. Parteien Gelegenheit zu internen B sprechungen zu geben. Schließlich wurde,-um zn einem Ziele zu -kommen,t. der Ausweg gewählt, ein von allen Parteien gleiännäß'g be» schicktet Komitee cinzus tzen, dag eine Lösung der strittigen Frage finden soll. Henie ist nur die Wahl einedrei» gliedriaen Komitees vorgenom nen worden. Der morgige Vormittag wird zunächst eine Fortsetzung der GeschäflsordnuugSdcbatte und die eventuellen Vorschläge des Sndkvmitees bringen. Erst bis es gelingt, hier zu ein er E n izung zu kommen, wird in die merUorifche Debatte eingegangeu werden können. Massenkundgebungen der Sozialdemokraten und Grotzdeutschen. Hmte vormittags fanden zwei Massenkundgebungen in der An a des llitiversttäisgebä.-de- und im KttihauSsaale strtt. Die Grostdeutschen - hielten eine Veriammlung ad, um für den Anschluß an Deutschland >i 'zutreten, wöbei Präsident Doktor D l n g h s f e r sprach. Die sozialdemokratische Veeiammlung wandte sich gegen den Part'kulariSmus der Länder tittb nahm zur Salzburger Konferenz Stellung, ^oziatdeuiokrmlsche Desegierle ans allen Ländern betonten, daß nur der Nativnalverinmmtung dasNechlznstebe, über dieFragr der B er f a ss» n g srL f 0 km zu sprechen und zu rn tsch eiv en. Dir Zusammensetzung der Laudsrkonf^renz. Die Lände»konkerenz bcsteht aus 15 Eozialdemokraitn. 7 GtSßdentschen und 17 Eh»istlich>oz'alen> liutei den T"ilnehmerN btflttbett sich r Die Abordnung der Stadt Wien Mil dem Bürger»ne>ster R e tt m a n n. von den Ebrtfliicbsoziall'tt Dr. Kie»rböck und Kun schak, Dr. E n d 11 (Vvrailbkkg), Tr. Rinteken (Graz), Tr. Schlögl <CberüftettfÜcfi), Dr. Nührl (ZatzbtKg), Dr. Treidler (Tikvl) und non dm Grvßdeutichen Dr. Steinwender .aus Kärnten und Toltor Stkaffner (Tirol). Dir Anklagen ergen Hindenbnvg und Lutzens dorff» Berlin» 1b. Februar. (Plival.) Zu Fortsetzung der sranzösischett Ansttefernngsliste wurde heute die An» klage gegen Hindenbnrg u-'d LnvendorfL in ihren Einzelheiten bekauntgegeben. Die Note verweist hauptsächlich auf die Permtistnugen beimNllckzug auf die Hindenburg-Llnie. Läufer und Kirchen wurden i n B r a n d g e ft e ck t. Brunnen durch Spkkd'gkn vkr chütlet oder durch Dünger und andrren Unru verunreinigt. Ans aukgesttntzenen deutschen Befehlen gehe heiyör, haß diese Zemörungen dis ins Ernzelne vorbereitet morden seien, «n Leitmotiv habe gelautet: „Poi>>ea,6 wird Euch bezahlen oder General Pea». Was wir tun, ist der Befehl unseres Kaiser-. GS muß alles verbrannt w'tdkn."VoN den so zerstörte« Ve» metuden werden 150 Namen ankqezählt. Hindenbnrg und Ludendorff weiden sodann verant» wörtlich gemacht sür die Verschleppung von Ein» wvbnern unter bmt heuchlerischen Verwände, daß man die Zibl der Aibeitslosen vermlude»n wolle. Die ans der Bevölkerung ausgehobenen Arbeite»bülaillone seien in der nächnen Nähe der Front beschäftigt worden. Fern r wird ein tlleawphischer Bcsebt L'.ldkUdo>sfS an die 3. Armee reproduziert, worin die Truvpen a»»fgefordert werden, sich die , Möbel der französischen Bevöl» keruna für ihre NnterkuustSrämne nutzbar zn machen. Ein späterer Befcbl b-'sage jedoch, daß die Wegnahmo, von Möbeln auf daö no!we»>digste eiliges!'»äult werden solle. DettlebtenVunktderBeschllldiglUlgbildelderArbeits» zwang d e r F r a»»e n der besetzten nrnn’.öft'Y&ft» Gebiete. | Angeführt wird ein Beseht vom 21». Mai 1917, in dem; davon geßnochen wird, daß tei»» srauzvsische» Mäd.deü \ geringere A'beik leisten dürfe, als de! t'che F'anen.lInfolge diese- Befchles leien tansentze französische Mädchen a»lS . den Armen ihrer Müller geriffen nnd nach französischen Orten hinter der Front in die Sklaverei gebracht worden. Bei ge»va!t» sanier Weigerung seien sie geschlagen und mit A r r e st bestraft wo»den. Die Arbeit ha»'e im Winter bei eisiger Kälte mit zerrissenen Schuhen in Waffer »nd Schmutz geleistet werden müssen. Dabei habe man ihnen dm größte «Teil der Kleider weggen 0 minen. Die NottruMerr gegen Rumänien. tPffiM rrifrtrt ttt Buk Bukarest, 16. Februar. Alarmierende Meldungen über den Vormarsch der russischen Note»' Truppe» gcbcn de» Duknbcster Blätter» Anlaß, die Lage Numa» niens als sehr bedroht zu schiidcrn. Die Noten Trnppe» sollen sich angeblich in einer Stärke von 150.000 Man» de»» Djncstr nähern, dessen Linie sich allerdings ia gutem Verteidigungszustände bcs»»»dct. Der „Adcvcr»»l" glaubt, daß die erst für das Frühjahr angcklsirldigte große Lssensive der Bolschewiken schon zu einem sr»"»here« Zeitpunkte loZbrechcn könnte, da die Führer der Noten Armee ihre Truppen beschäftigen wollen, während andererseits die Moskauer Negierung der Ansicht zu sein scheine, daß sie durch ihr drohendes Auftreten den verlangte» Frie» den der Entente werde aufzwingen können. Take JoneScu sieht in einem Artikcl die Lage NnmänrcnS als bedroht an. „Senasterea Romana" sagt, daß seit dein Falle von Odessa die Notweitdigkelt bestehe, die rumänische Armee auf Kriegsfuß zu setze». Alle Blätter sind 'darin einig, daß Rumänien nur mit einer ausreichenden Hilfe der A7iIerte» imstarrde wäre, der drohendrn Volschewikifchen Gefahr Widerst»»«^ zu leisten. DaS Land brauche in erster Linie finanzielle Hilfe,- weiters genügende Unterstützung mit Kriegsmaterial. Dem Blatte „Roumanie" zufolge fand unter Borsitz des ÄönigS Donnerstag eine m»litäri»che Beratung statt, auf der die Lage erörtert wurde. Es seien wichtige Beschlüsse gefaßt worden. Infolge der Wredcrcinsührnng der verschärften KriegSzenstlr können die Blätter aber nichts über die Haltung der Arbeiter u»»d Bauern angesichts der neuen KriegSgcrstchte berichten. Die Stimmung in diesen Krciken ist für eine Kriegführung nichts wem» ger als begeistert. Sollte es tatsächlich zu ein-ia »nilitarlschen Konflikt koruinen, so ist mit inneren Schwierigkeiten in lllumäuien ernstlich z»t rechnen. Ditz Weltfinanzkrise. Amfterdüm, 16. Februar. Der ^TcleMas" meldet aus London: Der Völkerbund hat beschlossen, eine internationale Konferenz zur Besprechung, der Finünzkrise elnzu» beiusen um die Mittel und Wege zu finden, wie dis. Krise zu lösen und die gefährlichen Folgen des Krieges zu mildern seien. Morgen Sitzung der BotschNflerstonferenz. Paris, 16. Februar. (Funkspruch.) Die Botschüfrekkvnserenz w»rd Dienstag zu einer neuer» lichen Sitzung zufammentreteil. , Ministerpräsident Miilerattd wird durch Paul C ü m b ü n vertreten werden. Brr Kaffer-FilNt vetzbottzn. Berlin, 16. Februar. In dem Prozeß wegen Aufführung des FilmroetKes Kaiser Wilhelms Glück und Ende entschied das Gericht, daß in der Aufführung eine erhebliche K r ä n k u tt g des gewesenen Kaisers als Menschen liege, daß daher die Aufführung des Fimrs zu unterbleiben habe und der Film zu vernichten sei. Sie türkische Frage. London, 15. Februar. (Meldung M Neuiersche« BureanS.), Der Lbcrste Rat hat die Beraiung der türkischen Frage beendicst und die allgemeine»» Grundsätze des Friedensve» rrages mit der Türkei festgelegt. Darnach wird die So»lverä»»ität des Sultans über Konstantinopel üufrechterhalten, während andererieiiS sür die Verbündete» Büigschasten wie die Freiheit der Meerengen in Gelt»»ng bleiben. Der Sultan wird keü»e Armee halte» dürsen. KoMmunistenverhaftungen in Bulgarien. Gntvew«»» «Ines angebttchen Pt»tfchplan,S. V »t k ü k e st, 18. Febr»«ar. Der Ägenee d'AtheneS zufolge sind die Behörden von Sofia in den Besitz von Tuknmtnien gekotnmen. aus denen hervorgcht, daß di, Lkommnnlsteti für den 1. Mai die Dnrchführ»»ng eines Staatsstreichs geplant habe», »in» in B»»lgntien die Räterepublik »uSzttrusttt. J,n Z»»saum.'»r.ange mit dieser Affäre wurden in Sofia 200, in Philippvyel 050 und in Plewua 201 JSlnmitttitiiflctt vertzuitrt. Dir Ms'r» .hl »'.'r Berh.istctcn sind Eisenbahl»er, die an de« 1 Staatsstreich mitwirkcn sollten.