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Wiener Morgenzeitung · 1920-02-16 · Heft 384 (16.2.1920) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 384 (16.2.1920)
Date
1920-02-16
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Mt 384 Wien. Montast „Die Verhältnisse in Wien sind fürchterlich " Bern, 18. Februar. AnS London wird ftd* Neidet: Das Don dein Auswärtigen Amte veröffentlichte Weißbuch über die Notlüge in Mitteleuropa enthält übe/ die Lage in Wien folgende wörtliche Stelle: In dieser Stabt" von zweieinhalb Millionen Einwohnern tritt der Icharfe Gegensatz zwischen dem Wohlstand, wie er vor dem Kriege bestand, und der Zahlungsunfähigkeit von heute, der Kontrast zwischen den nervösen Besitzenden and den verhungernden Armen, zwischen den Neberdleibseln einer zugrunde gegangenen Monarchie und üner revolutionären, aber ziemlich verzweifelnden Rezierung. mit einer solchen Brutalität zu Tage, daß man davon betroffen wird. Die Verhältnisse in Oesterreich und besonders die in Wien sind tatsächlich fürchterlich. Fch habe zum erstenmal eine ganze Nation oder besser gesagt, das was von ihr übrig geblieben ist, in so außer- »rdentlicher hoffnungsloser Verzweiflung gefunden, schlimm genug ist das Elend von Hunderten, und Tausenden, die sich die nötigen Lebensmittelrationen nicht, verschaffen können, um ein menschliches Leben zu führen, unvergleichlich schlimmer aber erscheint mir die Apathie. Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit, die alle Bevolkeeungsklassen von Wien durchdringen. Demission der serbischen ReglekUir§. Belgrad» 14. Februar. (Meldung deS Südslawischen Pretzbureauj?.) Die Negierung ist zurückgeireten. Das neue Kabinett wird von der oppositionellen -Partei gebildet werden. © Horthy —■ Reiichsverivefer. . Budapest, 15. Februar. (Tel.-Komp.) Morgen um 11 Uhr vormittags tritt die ungarische Nationalversammlung zu ihrer lonstitnierenden Sitzung zusammen. Im Laufe der nächsten Woche wird die Nationalversammlung ihre meriiorssche Tätigkeit onsnehmen und zunächst den Gesetzentwurf über das provisorische Staatsoberhaupt verhandeln. Die Wahl Hort^ys zum Reichs- Verweser ist gesichert. Der Verweser wird den Titel „Durchlaucht" führen. Tagesbericht. Kein Theaterstreik. Die Forderungen der Bühnenangestellten bewilligt» ' Der für den gestrigen Sonntag erwartete Streik der Wiener Bühncnangestellten fand durch die Uneinigkeit des Direllvreuvetbandes eine überraschend schnelle änd einfache Beileaung: Als sich die Mitglieder de- Perbandes der Wiener Thcaterdireltorkn gestern vormittags zur entscheidenden Sitzung versammelten» trat das Ge» licht auf, . die Direktoren Weingartner (Volksoper). Müller (Strauß-Theater), Dorn (Nonaclier) und jene des Barietös „Max und Moritz" hätten an den Bühnenverein die Mitteilung gelangen lassen, daß sie bereit sind, auf alle Forderungen der Bühnenangehbrige» einzugehen. Daraufhin begab sich unverzüglich eine Abordnung des Direktorenverbandes zur Versammlung der Thcaterräte, die im BühnenvereinShanS tagte, und ülS ihnen die Nichtigkeit des erwähnten Gerüchtes bestätigt wurde, gaben sie namens des Direktorenverbandes die Erklärung ab, daß nunmehr auch die übrigen Theater die Fotdcrungen ihrer Angestellten bedingungslos annchmen. In einer nachträglich abgehaltenen Sihnvg des Direltorenvei bandes wurden die oben ermähnten Direktoren einstimmig vom Verband ausgeschlossen, eine Tatsache, die einer Spaltung des Direktorenverbandes gleichkommt Direktor Weingartner hat übrigens dem Direktorenverband nicht angehült. Durch die Bewilligung der Tencrungspilagen bekommen sälmlickie Tbeaterangcstellten, demnach an lt jene, die ein inouatliches Einkommen von über 5000 Kronen beziehen, bis 31. August d. I« eine sechzigprozentige Erhöhung ihrer Bezüge. Für das Theater an dep Wien bedeutet die Bewilligung der Forderungen von jetzt biS August eine Mehrbelastung von 3 Millionen Kronen. Das Deutsche Volkstheater sieht seinen Etat durch das neue Uebereiukommeu um 400 0 K r o n e n t ä g l i ch gesteigert. Die I a r u o b ü b n e n werden biS August eine Mehrbelastung von l'/g M i l! i o n e n Kronen, daS Johann St rauß-Theater eine von 8 0.0 00 St t o n t n monatlich zu ertragen haben. Die Schauspielcrin Auttersdejm Im Wiener PoUzeigefangenhauS. Die Schauspiel-rin Else NntterSheim. die bekanntlich zu drei Monaten Hast und 10.660 Kronen Gelostrase verurteilt worden ist, wurde SamStag ander Hast, die sie bisher im Badener Gemeindespital verbracht hatte, in das Wiener Polizeigejangenhau§ auf der Eliiabettipromenade gebracht. Frau Ruttersheim wurde auf der Fahrt nach Wien von Polizeirat B r y ch t a des KomissariateS Innere Stadt, welchedie Slraftmsügimg gegen sie erlassen hat, begleitet. Bekanntlich bat Frau NntterSheim über seinerzeitige Verfügung der Beznk»hanptmanm'chast Baden ihre Hast im Zpital mitteten müssen, woselbst sie bis vvt wciiigen Taaen unter Fitdererscheittnngen dar Bett bülen musste. Im Polizeigefangenhans bewohnt sie allein eine Zelle« Wiener Mor-enzelturiH An die geehrten Leser der Wiener Tageszeitungen! Die fortgesetzt anwachsenden Herstellunqskosten der Wiener Tageszeitungen haben eine derart große Belastung jedes Betriebes geschaffen, datz zwischen den Herstellungskosten und dem Verkaufspreis ein unerträgliches Mißverhältnis besteht. Am ibren Fortbestand zu ermöglichen, sind daher alle Wiener Tageszeitungen gezwungen, ihre Bezugs- und Vrrfchleitzpreise vom IS. Februar 1920 kn gemeinsam zu erhöhen. Die gefertigte Vereiniguna hofft, dast die geehrten Leser der Wiener Tageszeitungen die Gründe für die notwendig gewordenen Preiserhöhungen würde en werden und ist davon überzeugt» datz jeder Leser seiner gewohnten Tageszeitung treu bleiben wird. Drc Vereinigung der österreichischen Tageszeitungen. » Entsprechend dem ober verlautbarten Beschluß der Vereinigung der Wiener Tageszeitungen sieht sich auch die „Wiener Morgenzeilung" veranlaßt, die Vezugsgebühren gu erhöhen. Ab heute werden die Vezugsgebühren wie folgt festgesetzte Einzelexemplav. ...... 89 Heller Abonnement; Für Wien zum Abholen in den Trafiken und Verschleißstellen oder mit Postoetsendung monatl. Kr. 29.— Für Oesterreich mit Postoersendung monatl. Kr. 29.— Für die Tlchecho-Slowalrei monatl.. . . Kr. 8.— tschecho-slowakischer Wahrung Für Jugoslawien monatl. ........ Kr. 12.— jugoslawischer Währung Für das übrige Ausland monatl. .. . Kr. 25.— Die Verwaltung der „Wiener Morgenzeitung" Wien, 2. Bezirk, Taborstratze 1 bis 3 Postfparkassenkonlo 15 693. Tel. 44*0 38, 43*3*19. Zionist'rsche Ingendoewegung in Amerika. Die -ioiristischs Erzi'huNg der jüdischen Jugend von Amerika Umfaßt ein breites Programm pädagvglsch'r Tätigkeit. In den Vereinigten Stauen dürfte eS schätzungsweise etwa 700.000 jüdische Kinder im V«'l.'Sjchula.'ter und zirka 500.000 junge Leute geben. Währ.nd des letztest Jahres hat bas-Erziehung?departkment der Organisation sein besonderes Augenmerk darauf gerichtet» dir jung Mische Bewegung zu entwickeln. Im Läuft des Jahres ist „Pvung Jude«" auf 716 Klubs gewachsen, mit einer totalen Mitgliederzahl von ungefähr 15 000 Knaben und Mädchen. Oie VerösftntUchuug hebräischer und palästinensischer Lieder hat begonnen und findet bei den „Uoung Judeans" großen Beifall. Im Lauft des Jahres ist ein „Klubbuch für Jüngere" vom Erziehungsdepartement vorbereitet worden, das Vorschläge für Klubpwgramme für jede Woche im Jahve enthält. ,,Die wichtigste Arbeit, Fi! her heranzu i.hett, aUszubilden und ihnen Direktiven zu geben» wurde Rabbi Eugen Kohn anvertraut. 16 Ausbi.duilgsgrupprn. die eine Gesamtzahl von 309 Schülern umsü.ftn, waren in den verschiedenen Teilen des Landes in Funktion- Bon der Vereinsleitung wurde diesen Gruppen ein Leitfaden mit den- Grundsätzen der Jugendarbeit übergeben. Es liefen 162 Gesuche um EvteilUug von Führer-» Zertifikaten ein und täglich werden Neue Gesuche gestellt. Ein spezieller Ausschuß von Examinatoren wurde gewählt, der die Qualichfalionen der KanHatsn prüft. „The VoNNg Indra Leader", ein Moiiat^bulftitn, wird tegel.uäßig herauSgegeben und hat den Führern wertvolle Di-'Nste erwiesen. Das Monatsbulletin „tzamtlühel" enthält Berichte und Ratschläge für Mitglieder und Letter der ljebrätschrn Jngendvereind. Die Gewohnheit, Wanderarbeiter (Field workets) zu senden, um „Vvung Jndea"-Gruppen zu besuchen, ist als ein beständiger Faktor in die Tätigkeit der „National-Judos" ausgenommen worden. Es« Krankenfonds für jüdische Hochschüler. Der jüdische Hochschulausschuß Deifetibet folgenden Aufruf an die jüdischen Bürger: Unbeschreibliche Nor benscht unter der Üudureudrn jüdischen Jugend Wiens. Biele Hunderte jüdischer Studenten und Studeniinnrn hungern und stieren, irren obdachlos umher. Sir, die vor dem. Kriege blühend und von jugendlicher K>oft strotzend mit Ftuertistr ihren Studien oblagengleichen heute mehr in Lumpen gehüllten Scharten, als Menschen. Als Folge der Unterernährung mehren sich Krankheiten in er- Eingesendet. Brillanten, Platin. Münzen Perlen Uhren, falsche Zähne, alle SÜbergegenstände verkaufen Sie am besten direkt dem Juwelier und Goldarbeiter S- Holzapfel Wien, VI., Mariahil'erstrasse 79 oder Werkslälte: I., Wollzeile 17,13. 2aUtböoh8to£rel80:äfcför«ilS8neV<>r*rt>0ituog 16. Februar 192k Seite 9 ' . V'iO schreckender Zahl. Allgemeine Korpe> schwäche und Tuberkulose r.chren grauenliafie De» Herongen unitt den jüdischen Studevte« an. So soll und darf es n'chr wciiergchrn. i Der jüduche HochschulauSichnß hat die Errichtung einee Kranken'ürforge in Angriff genommen, um den erkrankte« Kollegen, trie infolge ihrer schlechten materiellen BerhältNrss^ sonst hilflos daltünden, wirksame Hilfe zu bringen. Aber die kargen M-rtcl, die dem jüdtichen Hoch'chrilaus'chuffe zur Brr» iügung stehen, langen bei weitem nicht für ein: derart Weitgreifende Aktion. Ern eigener Krankenfonds muß fie* schaffen werden! An Euch, jüdische Bürger» ergeht un'er Ruf: Be-- eiligt Euch bu ch reichliche Spenden an der Schaffung des Krankeniouds. Jeder gebe, waS er kann. ES ist Pflicht eilte# jeden bewußten Juden und wahren Menschrnfrenndes, dit^A soziale Werk nach Kräften zu fördern. Dl« AÜckerwerbung des Polytechnikums I« Haifa. Der Zehnmillionenfonds der amerikanischen Zionisten. Wrr haben bererrS kurz über die Aktion der amerrkanpche» Z'vnrston zur Anfbrlngrnrg eines Zehnnrillionen» Dollar-FondS für A u f b a u- und Kulturzwecke i n P a l ä st i n a berichtet.. Die Meldungen über den Fortgar^ der Aktion kaffen erkennen, mit welch großer B e- Seisterung der Plan unter dem Judentum Amerikas ausgenommen wurde, und berechtigen zur Hoffnung, daß Die zehn Millionen Dollar in ganz kurzer Zeit nrcht nur erreicht, sondern Überschritten sei» werden. Denn das gan^e, hochbcdeutsame Unternehmen, an deffm Spitze der bekannte N chter Julian Mack steht, arbeitet aus Grund eincL luü ins kleinste Detail ausgesührten BesteverungSplanes, der jeder Stadl und jeden» Staate die Höhe de- Betrages vorschreibi, der von dort anfgch'racht werden muß. Im Sinne dlests Planes hat die Stade New^Vork drei Millionen liinihundertlauiend Dollar, also über ein Drittel des ganze» Betrages, auizubringen. Schon der erste Propaganda-Abend» dtt in Form eines Palästinabanketts veranstaltet wurde, brachte das Ergebnis von 1,V90.< 00 Dollar. D»e Sensation des Abends bildete und hat, wie ,Jewffh Tribuna" hervorhebh viel zur Erzielung dieses glänzenden Ergebnissebeigetragen, der Antrag Jakob H. S ch i s f s, das hebräische Polytechnikum in Haifa vvm H i l f S v e r e l n der deutschen Jude» i«*. rückzuerwerben, um eS seiner ursprünglichen Bestimmuntz zuzu'ühren: eine hebräische Hochschule für technisches S t n d i u m zu sein, das ein unoeräußerllcheS Gemeingut deS jüdischen BolkcS bleibt. Man ermuert sich noch d« Großen Kämpfe, fcte seinerzeit von den Zionisten gegen de« Deiitichen Hilisverein geiührt werden mußten, um dieses jüdische» Kulturrirstitut vor dem Mißbrauch für deutsch-pvlrt.fche Zwecke durch die deutschen Aiffmilanten zu bewahren. Tie Streiks der palästinensischen Lehrer und Schüler, ihre Drangsalrcrung durch die Beamten und b»>ahlten Direktoren des tzil'Svereines sind noch in Wischer Erinnerung. Damals mußte die schwache zion.stisch« Partei der Gewaltpolitik der Herren Dr. Paul Nathan uns seiner Mrtarbeiter weichen und daS Polytechnikum wurde seines eigentlichen Bestimmung entzogen. Nun soll es dem jüdische» Volke zurückgegebcn werden. Dies würde auch den Zwrckbestimnnnigen ent'prcchen, welche von den amerikanischen Zionrste« föt d-k Verwendung der austubringendcn zehn Millionen. Dollar fest« gesetzt wurden. Darnach soll der größere Tell des eivlanfendt» Geldes zum Ariknsf von Boden in Palästina und Uibät* machung desselben verwendet werden» Der angekauste Boden soll hauptsächlich den jüdischen Kriegsbeschädigten unv Pogromopfern» die nach Palästina ernwandcrn wollen, überlassen werde». Größe Betrage sollen auch zur Forderung deS gesamten jüdischen Schük wesens >n Palästina, von den Kindergärten an gefangen bis gutf Universität, sowie zur Schaffung billiger Kredite für Ackerbau« und Handwerker, zu Zwecken der BekämpsuNft btt Krütttheitm durch die anlcrikanrsche Aerz'tttnssiön „Hadaffa" und Überhaupt zur Unterstützung mancher anderer Arberim 'in Palästina aNgp Wender werden, die von den Zwnisten dort in Angriff genommen wurden und der Ausgestaltung bedürfen. "tziusdttvchsuchttng bei Koka. Im hiesigen Bankhaus Kola i» des Frankgasft faiid dieser Tage ei,re polizeiliche' Untersuchung nach fremden Valuten statt. Ein Oberjinattzrat, Organe des Polizeiwucheramtes — und Arbeiterrättz erschienen während der stärksten Bureauzeit, nm 4 Uhr nachmittags, in den Geschäftsräumen der BaM firma» veespereten die Ausgänge, schalteten das Telephon ails und entfalteten eine emsige Tätigkeit, um die auf Grund einer anonymen Anzeige dort vermuteten fremden Valuten anöf'.ndig zu machen. Diese Arbeit währte ztoeieinhalb Stunden und verlief vollständig ergebnislos. Jur Nationalsr ^sftatrstik 1919 für Deutschösterreich. Die Sammklstelle drS JUdischrn NativnalfondS in Wie» tritt mit: Die S a m m e l b ü ch s e gehört, nach langiähr-.ger, i» allen Andern gesamruelten Erfahrung, zu dut besten Einnahmsaucllen deS I ü b i s ch e n N a t i o n a l f o n d S. E» wird ihr leider hierzulande nicht die genügende Ausmerlfamkeit gewidmet, und so kommt eS. daß ihr Eitrag 1919 weit hinter allen Erwcnlungen zulückbltlbt. BesondtiS betrübend ist die Tatsache» daß nicht weniger alS ein Drittel der placierte» Büchsen kemmat ttnlemt wurde. Und doch ließe sich die Aernnst ohne «eueres restlos durchttthrtn, wenn die NalionalfondSsunknonäre überall ihren Pstichlen m erhöhtem Maße Nachkommen und damit dem Bcijplel einiger, leider v.el zu wemuer Orte h«ü Provinz, naLeiiern würden.

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