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Wiener Morgenzeitung · 1920-02-16 · Heft 384 (16.2.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 384 (16.2.1920)
Date
1920-02-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Jahrgang sst Der Schutz der Minoritäten in dem Friedensvertragsentwurf mit Ungarn. Don unserem Dudavefter Berichterstatter. In dem der ungarischen Friednnsdelegation ln Reuilly übergebenen Friedensverrragsentwurse enthalten die §8 54 bis 60 des dritten Teiles die Deftiyimungen über den Schutz lwr Minderheiten. Darnach sind alle ungarischen Staatsangehörigen ohne Unterschied der Rasse, der Sprache, der Nelig i on vor dem Gesetze gleich und genießen dieselben bürgerlichen und politischen Rechte. Unterschiede, in Religion. Glauben oder Bekenntnis sollen keinemMngarissen Staatsangehörigen beim Genuß der LMger- Üchen und politischen Rechte nachteilig sein, namentlich hei Zulassung zu öffentlichen Stellungen, Aemtern nnd Würden oder bei den verschiedenen Berufs- und E^- werbstätigkeiten. Keinem ungarischen * Staat^i(.«"höri° ge»r werden im freien Gebrauch irgend-iner Sv"pch» im Privat- oder Geschäftsverkehr, in Angelegenheiten her Religion, der Presse oder irgendeiner Art von Veröffentlichungen oder in öffentlichen RersamlENngen Beschränkungen auferlegt. Ungarische Staatsangehörige, v'e einer Minderheit nach Rasse, Religion oder Sprache angehören, genießen dieselbe Behandlung unh dieselben Garantien, rechtlich und faktisch, wie die anderen ungarischen Staatsangehörigen, insbesondere haben sie das Recht, auf ihre Kpsten Wohltätigkeits-, religiöse oder soziale Einrichtun- Schulen und andere. Erziehungsanstalten zu erzu gebrauchen und ihre Religion frei zu üben. . Ungarn muß sich verpflichten, diese B e st i mckunge-n als Grundgesetze anznerkennen, kein Gesetz, keine Verordnung zu erlassen und keine amtliche Handlung zu begehen, die mit diesen Bestimmungen lm Widerspruch stehen, und daß kein Gesetz, keine Verordnung und keine amtliche .Handlung in Geltung bleibe, als jene. . Ungarn stimmt zü, daß, soweit die Bestimmungen der vorstehenden Artikel Personen hc"-s>hi-en,. die' nach S?asje, Religion und Sprache Minderheiten angehören, dic'e Bestimmungen Verpflichtungen von-—internationalem Interesse darstellen und unter die Garantie des Völkerbundes gestellt werden. Sie können nicht ohne die Zustimmung der Mehrheit des Rates des Völker» j Konzerte. I Max Negers Variationenkunst hat sich' im Thema beS 1. Satzes der Mozartschen A-Dur-Sonate ein den Ohren wohlgefälliges und den kontrapunktischen Absichten entgegenkommendes Objekt erwählt. Der Komponist behandelt es dynn auch mit preziö'er Sorgfalt, hüllt es in zart leuchtende Orchesterfarben, läßt eS in feingeschliffenen Facetierungen bald, hell aüfgleißen, bald in trüberer Moll-Beleuchtung schimmern, um es am Schlüsse dar Krondiadem einer im prunkvollen KrönungSgewande atlftretenden Tripelfuge werden zu lassen. Das Regersche Kunstprinzip, die Polhphonie der Bachzeit mit einer neuen Harmonik zu vermählen, hat in diesen „Variationen über ein Thema von Mozart," dt« Furtwängler mit Liebe auS dem Orchester ziselierte, einen voll befriedigenden Ausdruck r gefunden. Der verstorbene Meister (daS Programmbuch läßt ihn allerdings noch immer in München „wirken") kam wieder einmal zu hohen Ehren. Die Faustsymphonie von Liszt, die darnach' zu hören war.. müßle nicht den Widmungsvermerk an Berlioz tragen, uw kundzugeben, von wessen Geist sie erfüllt ist. Programmmusik hier und dort, aber auch die Orchestertechnik, ja selbst der melodische Bau verrät den Einfluß des grosM Franzosen. Dennoch hat uns Berlioz' „Verdammnis" als freie Uebertrapung des Fauststoffes ins Französische mehr zu sagen' als die Lisztsche Symphonie, deren drei Charakterbilder anmuten, wie die Illustrationen veralteter Goldschnittbänd«. Da? Orchester spielte seinen interessanten Part mit glänzendem Gelingen, der Männerchor des Vereines „Dreizehnlinden" bestritt mit dem Tenorsolo deS Herrn GalloS den stimmungsvollen volalen Schluß. Da» Ereignis der Gesangssalson, der. Strauß— Ätsiner-ZykluS, bedeutete «ine Verbrüderung der fast legendären Persönlichkeit deS Komponisten mit dem Wie,rer .Publikum, Mann trug ihm im Aonzertsaal nicht nach, wessen Eine neue Ententenote in Berlin eingetroffen. Berlin, 13. Februar. Wie der „Lokal" anzeiger" zuverlässig erfahren haben will, fe? gestern im Laufe des spät.» Nachmittags auf der englischen Botschaft in Berlin die Antwortnote an Deutschland über die Auslieferung der Kriegsschuldigen eingetroffen. -t ©ie Türken bleiben in Konstantinopel. Baris, 16. Februar. (Agence Havas.) Wie die Sonderberichterstatter der Pariser Blatter melden» h..ben die drei int rallii^rten Minister' nrasidsuten beschlossen, die Türken in Konstantino y el zu belassen, aber "ine europäische Kontrolle über d i e Meerengen aufzür'.chten. D e Grenzen der neuen Türkei find noch nicht .festgestellt. Der Schutz der Minderheiten in Polen. 2! ta f. erd a m» 16. Februar. Der „T e l e* q r a a s^ meldet: Ans den Bericht des javanischen Mitgliedes hin wurde beschlossen» daß in Polen die Rasse-, Sprach- und Glaubens«, ind srh eiten unter den Sch utzdeSVöl kFr hu n d e S a «ste llt w e t o t it. bunöes abgeändert werden. Die im Rate vertretenen alliierten und assoziierten, Mächte verpflichten sich dagegen, keiner Abänderung der erwähnten Artikel ihre Zustimmung 31t verweigern, die durch die Mehrheit des Rates des Völkerbundes in entsprechender Form gutgeheißen werden sollte. ‘ Ungarn stimnit zn, daß jedes Mitglied des RateS des Völkerbundes das Recht haben soll, die Aufmerksamkeit des Rates auf jede Verletzung oder Gefahr einer Verletzung irgendeiner dieser Verpflichtungen zu lenken, und daß der. Rat in einer Weise Vorgehen und solche Weisungen geben>,könnö, die im gegebenen Falle geeignet und wirksam, erscheinen könnten. man ihn als Leiter der Oper beschuldigt: daß er seinem eigenen Schaffen einen zu breiten^ Raum im Repertoire einräumt. Im Gegenteil, mit dem Gebotenen kaum zufrieden, verlangten die Höver immer mehr und umdrängten Strauß, und Steiner mit begeisterter Zustimmung. Für die Popularität deS Komponisten hat bisse Mustervorsührung seines LiederwerkeS ein Bedeutendes beigetragen. " Von den Liederabenden der letzten Zeit war jener beS jungen Tenors Ernst v. Krafso durch einhelligen Erfolg bemerkenswert. Seine Stimme bewältigt mühelos eine umfängliche Skala und läßt eS an Kultur und Wärme deS Ausdruckes nicht fehlen. DaS durchwegs italienische Programm mochte befremden, doch schlug die internationale Sprache Puecinischer Arien am Schlüsse die Brücke zum allgemeinen Verständnis. Das dramatische Temperament des Sängers läßt eine aussichtsreiche Bühnenkarriere erhoffen. HanS D u h a n S Abende gehören jetzt zu den künstlerisch - reinst-n Darbietungen des Konzertsaa'e). Sein L^weprogramnt enthält Bekanntestes, Allzubekanittes. Sollte man eS glauben, daß die gute alte „Uhr" noch immer neu klingt, wenn Duhan sie singt? Dennoch ist eS so, und auch die anderen vielgesungenen Lieder auS Großmutter- Zeit hört man mit innigem Vergnügen, da sie durchaus geläuterte Kunst mit menschlichem Inhalt erfüllt. Wenn Frau Weingartner-M a r c e l l ihre internationalen Lieder singt, schweigt oas kritische Gefühl. Man ist bei einer Dame zu Gast, die ihr mondänes Sprachentalent in gesungenen Wohllaut umsetzt und, leicht mit dem Kabarett kokettierend, auch die Pikanterien französischer Chansons Pointen richtig zu servieren weiß. Weingartners Grazie am Klavier macht dann das leich!e Tongeklingel immer - nochbemerleitswert. Aber es gibt auch wahre Schätze unter diesen einfachen Liedern und für deren Hebung muß man beiden Künstlern dankbar snrt. Bon den kleineren Satelliten, die um die großen Stern« kreisen, sei die Sängerin Frieda Schulbau« es» Ungarn stimmt außerdem zu. daß im Falle sw« Meintlugsverschiedenheit, über Rechtsodek Tatfragen betreffend dieser Artikel zwisäen der ungarischen Regierung und irgendeiner Der alliie'ten und ässoziierten Hauptmächte oder jede; anderen Macht, die Mitglied des Rates des Völkerbiarocs ist, diese Meinungs^ Verschiedenheit als ein Strcitf'ü anzusehen ist, dem nach den Bestimmiingen de^ Artilels 14 des V lkerbundL Vertrages internationaler Charakter zukon-nt. Di« ungarische Negierung stimmt zu, daß jedederartig« Streitfall, ivenn eS der andere Teil verlangt, dem ständigen internationalen Gerichtshof unterbreitet werde. Gegen die Enticheidunr, des ständigen Genchts- Hofes ist eine Ber,:fung unzulässig und har di: Entscheidung die gleiche '^r^t und dewelben Wert wie eine aus Grund des Artikels 13 des Beitrages getroffene Entscheidung. ' ' Einer der Hauptfehler der ungarischen Politik war das Streben nach Magyarisierung und Assimilierung seiner Minderheiten, welche zusammen die Hälfte der Bevölkerung des Landes bildeten. Nebst vielen anderen Fehlern war es hauptsächlich dies «c, welcher dazu führte, daß jetzt im Friedensvertragsentwurfe Bcstimmungenr vorliegen, welche den^ Minderheiten international ge. sicherte weitgehende Nechte und einen wirksamen Schutz gewähren. Nach den Grenzbestimmungen des FriedenS» - Vertragsentwurfes soll zwar Ungarn außer den 500000 Juden und den zerstreuten deutschen (schwäbischen) Siedlungen mit einer Gesamtzahl von einizen hunderttausend Seelen bloß versprengte und unbedeutende flowakische und serbische Bevölkerungssvlitter haben (die westnngarische Frage bleibe,jetzt unerortert), diesen breten aber die Bestiinmungen dem früheren Rechttz- 1 tätigung. Ansznsetzen wäre bloß der Punkt, lau^ welchem die Minderheiten bloß auf ihre eigenen Kosten, soziale Einrichtungen. Schulen und andere Erziehung^ anstalten errichten können. Da die einer Minderheit' angehörendcn Staatsbürger ihren Verpflichtungen dem Staate gegenüber ebenso nachzukoinmcn haben, wie die Angehörigen der Mehrheit, sollten sie das Recht haben, vom. Staate zur Wahrung ihrer Kultur und Eigenart für ihre' Kinder eventuell eigene Schulen und andere Erziehungsanstalten sowie soziale Einrichtungen auf Staatskosten zu fordern, da sie sonst der Mehrheit gegenüber * uc:‘»* und der ganze Schutz de« Minderhrlten illukorr.^ wird. Diese Bestimmung war«, daher entsprechend ubz^ .ndem. Die ungarische Presse und öffentliche Meinung v«. wähnt, deren kräftiges Material den Anfang verheißungsvoll gestaltete. Hier wird die ferner« Arbeit sicherlich von schön« Resultaten begleitet sein. >] Ein Klavierabend Professor Julius Wolfsoh'ns HStt«- nicht den schönen Anlaß gebraucht, den notleidenden Musikern mit hoffentlich reichem Erträgnis zu Hilfe zu kommen. Auch so ist immer willkommen, waS Wolffohns Künstlerschaft M bieten hat: der zarte, chopirkvertraumte Klavierton, die voll-, endete Brillanz der Technik und die empsindungsreich« Wiedergabe romantischen FühlenS, wie es besonders auS Brahmp F-Moll-Sonate sprach. DaS Konzert brachte einen neuen vollwiegenden Erfolg zu 'den vielen, deren' sich Wolfsohn bis? her zu erfreuen hatte. Für eine junge Geigenkünstlertn setzte sich Arnold Ross. , als Lehrer und Dirigent nicht ohne Gelingen ein. Franzi Paschka hat die Rofssche Ruhe und Würde geerbt, die einem abgeklärten Merfter wohl ansteht, die aber bei eine« jungen Mädchen vorteilhaft durch etwas mehr an Ueberfchwang zu beleben wäre. So klang noch fchulbefangens Ungcistigkeit aus mancher Kantilene, wenngleich Ton unb Technik schöne Reife verraten. DaS iunge Mädchen konnte einen bemerkenswerten Erfolg ihres Debüts verzeichnen, . Auch iHer dritte Abend des G o t t e S m a n n-Quartett« verlief unter günstigen Sternen. Wir hörten dort Wolf» italienische Serenade, die in Ouartettform seltener ins Konzerlsaal erscheint. Esprit und Grazie eirreS Schöngeists»; sprüht und gaukelt in dieser Musik, d,e von den Künstler» unter Hugo GotteSmannS Führung mit sorgfältigster Dctailbelebung gespielt wurde. DaS neue Quartett hat sich nunmehr volle Gleichberechtigung mit den älteren Vereinigungcn erworben. Zusehends wächst eS an Ausgeglichenheit des Spiels und da es auch in der Programmwahl gut beraten ist, wird cs wohl nicht verfehlen, seinen Wert allgemei« zur Geltung zu bringen. Dr, & £& i i ’ -- ’

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