Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 383 (15.2.1920)
- Date
- 1920-02-15
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Men. Sonntag' %£c frühere griechische Generalstabschef zmn Tode verartettt. Wafhk»gto«, 1L Februar. (Trl.'Korr.-Bm.) „World" Meldet ans Athen. daß das KrieMericht den früheren griechischen Gcneralstadschn unter König Konstantin. Metaxa^s, zum Tode, mid Genera! DcnSmanis zu lebenslänglichem Kerker ver- . «rtcilt -aor, wer! sie seinerzeit versucht hätten, Griechenland vom Srikchiich-serbischru Bündnis loszulösen, und weil sie ferner für dir Mittelmächte Ausspähungen betrieben nnd die Entfachung ci«es Bürgerkrieges versucht hätten. Die ^ube« in den polnische« Mittelschulen. Warschs«, 12. Februar. (Privat.) Das polnische statistische Amt veröffentlicht die Schulstatistik für 1918/19. Ihr P zu entnehmen, daß es im ehemaligen .Konqreßpolen '3 Mittelschulen (davon 164 n"rr Knaben.? > für Mädchen und 63 mit gemischten Klassen) tütu. '>20 Schulen ähneln dem Typ des .humanistischer -ymnasiums, 203 dem der Realschule. Von den Mittelschulen werden fünf von jüdische: ■ Ko c nt e i n 1) e it erhalten. 244 sind Privatanstal! Der Konfession nach waren im abgelaufenen 2 ttjabr von den Frequentanten 60.237 (-- 622"/«) .!holiken. 31.733 st- 32-8»/o) Juden; außerdem g-:l) es 4'6°/, protestantische und 0*2% andersgläubige Schüler. Dudapester Arteile. Budapest, 14. Februar. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Heute X'urvc das Urteil i» dem Slrawrozeß gegen den gewesenen Kommissär für Theater und Mustkwese«, Dr. Bela R e i n i tz, verkündet. Die Anklage lautete auf Verbrechen des RaubeS, besangen durch Sozialisierung der Theater und Vergeudung ihrer Einkünfte. Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten wegen Borschubleistung zu den durch die VolkSkommisfäre Kunsty und Georg Lnkacs begangenen Verbrechen des Raubes zu 10Monaten Gefängnis und 5 Jahren Ehrverlust. Von der Untersuch uugsh«!t werden 4 Monate in die Strafe eingerechnet. Die Verkehrsmisere. Laibach, 14. Februar. (Tel.--Komp.) Nach dem „SlovenSki N«risd" sind in Marbura über 60V Waggons, die nach dem Norden. und gegen 30V Waggons, die nach Süden rollen sollen, üntzttmuiuttt. In Oesterreich sind 250V Waggons (darunter 2000 «nt Sa!.',) abfribcdcreil, rönnen aber nicht weiterbefördert Verden, da di« 45 Zollbeamten in Marburg täglich nur 20 Waggons abscrligen. Das Bl?tt rrllärt, daß unter solchen Umstanden eine völlige Verkrhröstockung drohe. Aöfchlntz d-rr Brrdapefter Beratungen der irrt attirertsn D-naukommWyn. Dia Beratungen ' der interalliierten Döncrukommissivn. über deren Beginn wir seinerzeit berichtet haben, baden, wie uns aus Budapest gemeldet wird, am 12. d. M. ihren vorläufigen Abschluß gefunden. Den Borsitz in den Beratungen führte Admiral Troubrrdge, als Referent fungierte Fregattenkapitän de l'Escaille, der zunl Generalsekretär der Donoukommission bestellt ist. An den Beratungen waren durch Delegierte vertreten die Staaten: England. Frankreich, Italien, Tschecho-Stowakei, Jugoslawien und Rumänien. Die Kammisstonsderatrmgen haben zu folgenden prinzipiellen Beschlüssen geführt: 1. Die Kommission erachtet es als ihre vornehmste Ausgabe, allen Staaten und allen Schiffen die freie Schisfabrt auf der ganzen Donau zu sichern. 2. In Durchführung der Belgrader. Beschlüsse wird der hydrographische Dienst im ganzen Laufe der Donau zentralisiert. Die Zentralisierung dieses noch während des Krieges von Ungarn besorgten Dienstes ist besonders für die rechtzeitige Verhütung von Ueberschwemmnngen wichtig. Die Donaukommission wird für ihre Berichte nnd Verlautbarungen ein eigenes Amtsblatt hcransgeben. 3. Tie Kommission bat einhellig ausgesprochen, daß die Kosten der Instandhaltung des Strombettes von den Donaustaaten zu tragen sind, wobei auch über die Maßregeln beraten wurde, die gegen solche Donaüstaaten in Anwendung gebracht werden sollen, welche dieser ihrer Verpflichtung nicht Nachkommen. Die Schaffung eines einheitlichen Tonauverkehrsregulattvs wurde bis zu dem Zeitpunkt verschoben, in dem auch die Vertreter der Zentralmächte in der .Kommission ihren Platz einnehmen werden. - 1. Die Kosten der mit sehr großem Apparat arbeitenden Donoukommission sollen aus den ausschließlich für diesen Zweck einzuhebenden Gebühren nach den auf der Donau verkehrenden Schiffsladungen gedeckt werden. 'Diese Kosten werden vorläufig von der Entente und den alliierten Staaten vorgeftreckt. Für rmfere Aerzte. e?<r. zrr der Gemetinderatsdebatte über die Tariferhöhungen. -D'" G-"invd«r-N Dr. Lroprild P lasch k e S. alle Wiener kennen die mißlichen Verhältnisse des ÄcrgtcstandeL. Die Aerzte sind in Anbetracht der gerade Lei medizinischen Artikeln unverhältnismäßig großen Preiserhöhung, infolge des ihnen durch den Beruf aufgezwungenen höheren Wohnungsaufwandes sowie infolge der Notwendigkeit, uch bei ihrer schweren, <m die physische Leistungsfähigkeit große 'Anforderung stellenden Tätigkeit besser zu nähren, durch die rr>ige Verteuerung der Fahrpreise — es kommen ja bei ihnen in dringenden Fällen auch AutoS ufw. in Betracht —- wie keine zweite Kategorie von den jüngsten Tariferhöhungen mit Gas., .Elektrizität, und Siraßcr'.bahn Ixtrvffen. Wie sieht Wisner MorgenAeitung An die geehrten Leser der Wiener Tageszeitungen! Die fortgesetzt anwachsenden Herstellungskosten der Wiener Tageszeitungen haben eine derart große Belastung jedes Betriebes geschaffen, daß zwischen den Herstellungskosten und dem Verkaufspreis ein Unerträgliches Mißverhältnis besteht. Am ihren Fortbestand zu ermöglichen, find daher alle Wiener Tageszeitungen gezwungen, ihre Bezugs- und Derfchleißpreise vom 10. Februar 1920 an gemeinsam zu erhöhen. Die geseröigLs Vereinigung hofft, daß die geehrten Leser der Wiener Tageszeitungen die Gründe für die notwendig gewordenen Preiserhöhungen würdige« werden und ist davon überzeugt, datz jeder Leser seiner gewohnten Tageszeitung treu bleiben wird. Die Bereinigung der österreichische« Tageszeitungen. Entsprechend dem oben verlautbarten Beschluß der Vereinigung der Wiener Tageszeitungen sieht sich auch die »Wiener Morgenzeitung/' veranlaßt, die Bezugsgebühren zu erhöhen. Vom 16. Februar werden die Bezugsgebühren wie folgt festgesetzt: Einzelexemplar....... 80 Heller Abonnement: Für Wien zum Abholen in den Trafiken und Verschleißstellen oder mit Postversendung monatl. Kr. 20.— Für Oesterreich mit Postversendung monatl. Kr. 20.— Für die Tschecho-Slowakei monatl.. . . Kr. 8.— tschecho-slowakischer Währung Für Jugoslawien monatl..Kr. 12.— jugoslawischer Währung Für das übrige Ausland monatl. ... Kr. 25.— Die Verwaltung der „Wiener Morgenzeitung" Wien, 2. Bezirk. Taborstecktze 1 bis 3 Psstsparkaffendonto 15.693. Tel. 44-6-38, 43-3-19. eS aber andererseits mit den Einkünften der Aerzte? AuS den Versammlungen dxr^ wirtschaftlichen Organisation der Wiener Aerzte wissen wir, welch schauderhafte, lächerliche Bezahlung die Aerzte.im., allgemeinen. und die der Krankenkassen insbesondere finden. Dazu kommt noch, daß 300.009 Wiener den Krankenkassen als Mitglieder angehören und daß die Zahl derer, die es sich leisten können, .im Falle einer Erkrankung einen Privatarzt zü. rufen, immer kleiner wird. Wenn dies schon geschieht, muß der Arzt, der wie kein anderer die wirklichen materiellen Verhältnisse seiner Pattenteir kennt, in zahllosen Fällen sogar unter den kläglichen Mmimaltarif herabgehen. Dieses Mißverhältnis zwischen Ausgaben und Einnahmen hat zu einer erschreckenden Verelendung des Aerzteftandes geführt, eines Standes,-der nicht nur überhaupt notwendig ist, sondern mit jeder Leistung für die Allgemeinheit und ihr Wohlbefinden arbeitet. Ich erinnere daran, daß den n i ch t „beamteten Aerzten zum Beispiel durch die Anzeigepflrcht bei Infektionskrankheiten, die neuerlich auf Tuberkulose und Grippe erweitert wurde, gewisse amtliche Funktionen zufallen. Und wenn wirandie Schwierigkeiten, welche in Epidemiezeiten durch die Verkehrsdrosselung für'die Aerzte entstehen, oder an die m der Oeffentlichkeit viel besprochenen Kalamitäten denken, die gelegentlich der letzten Tramwaysperre für den gesamten ärztlichen Dienst entstanden, so bedarf es wohl keines weiteren Beweises für die Pflicht der Allgemeinheit, diesen im öffentlichen Interesse wirkenden Personen jede Verkehrserleichterung zu schäften: Wir alle haben Sorge zu tragen, daß der Arzt, der durch die hohen, in seiner Praxis nicht einbringlichen Fahrpreise tatsächlich von der Benützung der Straßenhahn abgehalten.wird, nicht müde, matt uitb abgehetzt zu seinen KrankeN kommt! . Aus diesen Gründen habe ich anläßlich der letzten Tarifdebätte namens des Klubs jüdischnationaler Gemeinderäte zu Absatz 7, Punkt 1, sc§ Straßenbahn tarifeS beantragt, daß allen in Wien praktizierenden, das heißt Kranke besuchenden Aerzten auf ihren Wunsch gegen Bestätigung der Gesundheitsamtes Netzkarten mit einmonatiger, beziehungsweise halbjähriger Gültigkeit zum halben Preise bewilligt werden mögen. Ich dachte damit, eine der gerechtesten Forderungen zu vertreten. . Diese Ermäßigungstarte müßte besonders kenntlich gemacht werden, denn sie soll auch , noch in anderer Richtung wirken. Bei Aerzten sind alle Berufsfahrten dringen- und oft verbringt ein Arzt überflüssigerweise viel Zeit, weil er an einer Haltestelle warten Muß, hiS er in. dem völlig überfüllten Wagen sich einen Platz erobert. .Auf Grund ejner derarügen ausfallenden. Legitimatton könnten» wie diein anderen. Großstädten bereits eingeführt ist, die Aerzte vor allen anderen Fahrgästen zur Fahrt zugelassen werden. Die Schaffner müßten angewiesen, beziehungsweise mit dem Recht ausgestattet werden, allenfalls den letzteingestiegenen Fahrgast zwecks Beförderung eines Arztes znm Verlassen des Wagens zu verhalten. Eine solche behördliche Legitimation lonnte auch andere Begünstigungen der Aerzte ermöglichen. Cie wäre etwa ein Ausgangspunkt für Ermäßigungen bei Bahllfahrien im Lokalverkohr. Auch die Genossenschaft der Kirffecsicder ,^m> Beispiel 'wird sich sicherlich bereit finden, ,15. Februar 1920 5J& 383j ihre Mitglieder zu bewegen, so legitimierte Aerzte unentgeltlich und nicht wie jetzt üblich gegen Enttichturlg einer Gebühr von einer Krone telephonieren zu lassen. Abgcsperrte Straßen könnten den legitimierten Lferzten zugänglich sein usw. Die Annahme deL Antrages, sollte rpcht nur durch momentane Fahrpreisermäßigung'für Aerzte eine Verbilligung der so dringenden Aerztefahrten schaffen, sondern auch cinen-Anreiz geben zur Verbesserung gewisser sanitärer Nebelstände, 'wozu^. wir schließlich verpflichtet -sind, und dem überaus wichtigen ‘ Stande einigermaßen Anerkennung für sein erspricßliche- Wirken beweisen. Die Ablehnung wird durch den Hinweis begründe^ daß auch andere .Gruppen, zum Beispiel Lehrer, städtische Beamte auf die Fahrpreisermäßigung Anspruch erheben und rncht^ leicht abgewiesen werden könnten, wenn man der Aerzte« schaft entgegenkäme. Diese Erklärung scheint uns unstichhältig. Die Privatärzte leisten ausnahmslos unentgeltliche Dienste im Interesse. der ' Zlllgemeinheit und dafür sollen sie ein gewisses'Aeqmvalcnt erhalten. j Geht Man aber schon so weit, die Fahrpreisermäßigung zu verweigern, welche vernünftigen Gründe sprechen dagegen, die übrigen Anregungen ehestens zu befolgen? - Die Stadtverwaltung hat genügenden Anlaß, in dieser schweren Zeit die Aerzteschast gut zu behandeln und soll sich hüten, diesen wertvollen Stand vor den Kopf zu stoßen. Tagesbericht. Ein halbesIahr jÜdischerHUfstätigkeit. Die Arbeiten der Wiener Abteilung de« Joint Distribution Eommittee. Die vielen tausende jüdischer Flüchtlinge, die 5er Kriegssturm nach dem Westen geworfen hatte, standen nach dem Zusammenbruch der österreichischen Monarchie, die ihnen im gewissen Sinn einen Rückhalt geboten, völlig schutzlos vor einem ungewissen Schicksal. Der Zerfall der Monarchie, deren Staatsbürger sie gewesen waren, brachte ihnen nebst der Vernichtung ihrer polittschen Unterkunft auch den Verlust, der bis dahin ge-, leisteten staatlichen Hilfe. Dazu kam, daß der Zusammenbruch knapp vor Eintritt des Winters 1918 erfolgte und daß die einheitliche Behandlung der Angelegenheiten der, Flüchtlinge durch das Entstehen der von einander abhängigen Nationalstaaten ein Ende nehmen mußte. Das erschöpfte österreichische Judentum, konnte weder Physisch noch materiell die nötigen Kräfte, aufbringen, um die ^Gefahr des Unterganges für die haltlosen Kriegsopfer abzuwenden. Die totale' Verelen-, düng ging mit Riesenschritten vorwärts und die Sterblichkeit erreichtp eiye sylche Ausdehnung, daß. auf dem jüdischen Friedhof in Wien ein völlig neues Viertel entstand, das fast ausschließlich mit Flüchtlingen belegt wurde. Trotz aller menschenfreundlichen Bemühungen, die sich in allen 'Schichten des Wiener Judentums geltend machten, wäre die Katastrophe unabwendbar yewesen! wenn nicht im Hochsommer des vergangenen, Jahres das amerikanische Judentum mit einer großzügigen, breit angelegten Aktton eingesetzt hätte. . [ - In den Vereinigten Staaten war man schon' unmittelbar nach. Kriegsausbruch auf die bedrohte Existenz der jüdischen Kriegsopfer aufmerksam geworden und die. jüdische Presse mahnte in ununterbrochener Aufklärung die .Juden Amerikas an ihre brüderliche und menschliche Pflicht. Allo ' Schichten des amerikanischen Judentums folgten diesem Ruf. Die Wobltätigkeitsveremigung der jüdischen Hochfinanz/ das.amerikanisch-jüdische H i l f s k o m i te«h das Z e n t r a I h i l f s k o m i t ee der Orthodoxie und das Dolkshilfskomitee der Arbeiterschaft bildeten eine gemeinsame Körperschaft, das Joint Distribution Committee. Diese Vereinigung ging im Juni 1919 daran, die Hilfstätigkeit organisatorisch aüszubauen und in ein System zn bringen, das im Anfang der *Natnr der Sache entsprechend rein charitativen Charakter tragen mußte, späterhin aber immer mehr aus das Gebiet sozialer Arbeit überging. . Der Aktionsbereich des Komitees mutzte bald die. Sorge für das gesamte in Not geratene Wiener- Judentum, für Erwachsene und ftir Kinder, ,uns^ fassen. Es waren zunächst etwa 20.000 Menschen, die genährt, gekleidet,- mit Wohnungen versorgt werden mußten, darunter, viele Kinder, die ohne rechtzeitige Hilfe von den Gefahren der Straße erfaßt worden wären. * Die charttative Tätigkeit besteht in Geldaus« bilfen, LebenSmittclzubußen und AuSspeisungen sowie ärztlicher Hilfe, wobei nebst den Institutionen deS Joint auch noch sämtliche gleicharttgcn Einrichtungen der Wiener jüdischen Gemeinde bedacht werden. Es sind Spitäler, Waisenbäuser, Kinderheime zu versorgen, Volksküchen und Studenten« küchen auSzustatten, wobei der rituellen Führung die nötige Aufmerksamkeit geschenkt werden muß. Gegenwärttg erhalten die folgenden Körperschaften Unterstützung durch Lebensmittel, vielfach auch durch Geld, seitens deS Joint Distributton Committee: Das jüdische Blmdeninssi!ul aus der Hohen Watte,. die orthodoxe Küche (Machsike HadaS), ll, SchifsamtMist, die Einheit, die Talntud--Thora-Schule in der Malzgasse, das jüdische Kmderspital, XX., Rauscherstraße, , . . das jüdische Knabenwaisenhaus, XlX., ProbuSg siie. das jüdische Mädchenwaisevhaus, XlX., Ruihgusie. daS jüdische MädchenwaisenhaaS MeroreS, XlX, Spcuuvijt* seldtzaffe, hfl.?. Mische Kinderheim, XVI,,