Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 383 (15.2.1920)
- Date
- 1920-02-15
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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gctte r . Wien, «rmmas Kreit, sogleich nach Gc^rchmigung des HiuZkreditS für: kuropa durch den Kongreß der Bereinigtsn Staaten rine Summe Leizusteuern, die halb so groß hem. wird, wie eben dieser dem Kongreß vvrgeschlageue Kredit von 50 Millionen Dollar. Dieser Kredit soll pur Bcscsmsfung von Lebe ns mitte laus Hilfen rnd Rohstoffen britischen Ursprungs sowie zur Verschiffung der aus dem. amerikanischen Beitrag zu er- -Lohenden Lebensmittel und Rohstoffe nach Europa vervendet werden- Die britische Regierung ist überzeugt, Majj die Verpflichtungen, die sie in Anbetracht der -Notlage einzelner Gebiete Europas, die nicht anders rls verzweifelt genannt ioerden kann, übernommen hat,!>ie volle Billigung des Parlaments finden werden. Dieses Hilfswerk Großbritanniens wurde in der Voraussetzung übernommen, daß die erwähnte Kreditvorlage zcr Regierung der Vereinigten Staaten auch die B i l l izung des Kongresfos findet. Die britische Regierung hat die Regierung der Vereinigten Staaten verständigt, daß sie voll mit den Richtlinien übereinstimmt, die kürzlich von. den.Vereinigten Staaten den Llliierten. 'Mächten über, die Bedingungen mitgeteilt vorden sind, unter denen, der Hilfskredit gewährt wird. Insbesondere stimmt die Regierung Großbritanniens mit der Anschauung der Regierung der Vereinigten Staaten überein, daß diese K re d i t.e zur W iedr r- Belebung der Produktion und zur Wiederherstellung des ungchemmben Austausches unentbehrlicher Waren in den verschiedenen hilfsbedürftigen Staaten verwendet rverden. Die b r r t i s ch e R e g i e r u n g weiß, daß unter diesen Ländern Oesterreich das hil.fsbebürftigste ist. - PolitischsRrmds chau. Eine große Kundgebung in 'Paris für die unterdrückten Juden. Man schreibt uns aus Paris: Die Pariser Bereinigung „Le Faubou-rg", an deren Spitze der bekannte Schriftsteller Leo Pol dos steht, befaßte sich in einevon einem zahlreichen erwählten Publikum besuchten Versammlung am 4. Februar mit der Judenfrage. Man sprach hier von einem Volke, dessen Leiden und Verfolgungen in Frankreich vielfach unbekannt sind, wo die öffentliche Meinung über die Judensvage und die legitimen Ansprüche des jüdischen Volkes nur wenig unterrichtet ist und die große Presse dieser Fvag«r nur wenig Beachtung, scheykt...Die-r.Vereinigung „Faufjoutg" hat dazu beigeträgeü,,tzen"Hchleier.zu. lüsten, der über den Leiden eines Volks liegt uudGel^genheit gegeben, die französisch^Ä^elt mit^ dem jüdischen Martyrium und den jüdischest Forderungen bekanntzumack>en. Die Schriftstellerin Ewilie Pignot sprach in beredten Worten über' das, jüdische Voll, tvelchcs durch so viele Schatze der Kultukünd Intelligenz die menschliche Zivilisation üereüherL hat und trotzdem ihr rwiges Opfer geblieben ist.' Sie besprach die Berfolxungen in Rumänien und .Rußland und sagte -vn Polen: Das real wiedererstandene' Polen ist moralisch nicht wieder erstanden.' Es hät sich durch die Jüdenmassakers entehrt.' Der Mensch darf niemals itl Paria betrachtet werdest, welcher politischen Partei -der Rasse er angehören.mag. Der jüdische Publizist §. F. Brau n stein gab ein.Bild der. jüdischen Leidensgeschichte bis auf die Gegenwqrt, wo man die Juden anter der Anklage des Bolschewismus verfolgt. Jmnter hat man alle Juden für die Taten Einzelner verant- Dvrtlich gemacht und ihre Qualitäten nie anerkennen wollen. Diejüdische Plutokratie habe sich um die Leiden ihrer Brüder nicht,,im. mindesten gekümmert and die jüdisch?» Finanziers.haben dem judenmvrdenhen Zarismus ihr Geld geliehen. Gegenwärtig drohen die in Osteuropa rasendest Pogronre . die Juden zu vernichten. Der Redner wars.die Frage auf, warum die ivestlichc Demokratie, welche hie Armenier und . yllU kleinen Völker verteidigt, ein Äolt von dreizehn Mil- -ivnen Spesen zerstören, läßt und wiest auf die zionistische L ö s u n g bin. welche einzig imstande sei, zu ciner Lösung der Judensrage zu führen. Der gewesene M a j 0 r.1 der H a ller - Arme e, La zur ich bezeugte in präziser Weise, daß die p olnische Armee von antisemitischem.Geist '. r füllt sei. Der Schriftstellar .Ferdinand Herold, Vizepräsident der Liga für Me n s ch e n r c ch Le, besprach die ungerechten Leschuldrgnngen und die brutalen.Pogrome, welche gebieterisch die Lösung der.Jud-nfrags erfordern. D-er Redner drückte die Hoffnung aus, daß die Bemühungen des jüdischen Volle» zum Ziele führen werden. Sie müßten von der Welt in. einer, doppelter Form unterstützt rverden: unter der Form des Zionismus unter der der Emanzipation, für jene, die ihre Adoptivländer nicht verlassen wollen. Es kamen -iwch Redner verschiedener Richtungen zum Worte. Die überaus interessante Kundgebung, welcl-e dnr Initiative der Vereinigung „Le Faubourg" zu danken ist, hat dazu beigetragen, weitere Kreise der Pariser intellektuellen Welt ncit dem jüdischen Problem vertraut zu wad^it. Die innerpvlrtischcn BerhAtvisse in England. In England herrschen jetzt scharfe innervvlitifch-: Kämpfe, es bereitet sich dort offenbar eine Wendung vor. Die Koalition, tvelche mit dem ausgesprochenen Zwecke, den Krieg zu einem glücklichen Ende zu bringen, aefeiftct Lat, toü: mau üÜö«r iHMu Mene» «-rgerrzettmrK Angriff der Bolschewiken gegen die Rumänen. Bukarest, 14. Februar.(Tel.-Agent. Damian.) Die russischen Bolschewiken haben bei Mogilew die rnmanifchen Truppen angegriffen» wurde» aber blutig z u r ü ck g t* f ch l <r g en. Die H a u p t st r e i t k r L f t e de? B v l s ch e w i § e n nähern sich dem D «f e ftr. DaS grdtze Knuptquartiss hat die «nt* faffendstsn Maßnähmen zur Sicherung der GrenAf» getroffen. seinsberechiigung verloren. Daneben tritt aber noch eine neue Partei als Anwärter auf die Regierungsmacht stuf den Plan', die Arbeiterpartei, welche in bezug aus diä Friedensverträge, auf das Verhältnis gegenüber Rußland, bezüglich der irischen und anderer Fragen ganz anderer Meinung ist als die Leiden bisher herrschenden Parteien. Die Arbeiterpartei will Verständigung und Frieden mit Rußland, sie kritisiert die Friedensverträge von Versailles und Saint-Germain abfällig, sie hat auch weitreichende Sozialisierungs- oder, wie man in England sagt, Nationalisierungspläne. Die Koalitionsregierung, hat aber auch unter den Parteien, aus denen sie gebildet' wurde, unter den Unionisten uno Liberalen, scharfe Gegner. So führt in der Regierung selbst der konervalive Lordkanzler Blrkenhead eine Art Kampagne gegen seine eigene Regierung, ebenso im Oberhaüse sein Parteigenosse Lord Salisbury, der in einem offenen Brief an die „Times", der allseits in England das größte' Aufsehen erregte, die ganze Politik der ' Koalitionsregierung,e'.ner' vernich tenden Kritik unterzogen hat. Die Liberalen wieder haben sich in Regierungslibcrale unter Führung Lloyd Georges und Churchills und in unabhängige Liberale gespalten, deren geistiges Haupt Wquith ist. Die Regierung hat jetzt, trotzdem sie über eine starke Mehrheit verfügt (bei der Abstimmung über das Arstendtzment zum Friedensvertrage nn e'ähc eine Bürsünfiel-Majoritäl), doch eigentlich Gegner unter allen, Parteien und. dürste viel an Boden verloren haben.' Die Frage. einer Rekonstruktion des Kaöinettst wich ganz offen erörtert, die Arbeiterminister ziehen sich, einex .. nach dem mrderen aus dem Kabinett zurück, ofstnbar, weil sie in ihrer Oppositionöfreiheit > nicht behindert, sein,, wollen und einen Generalsturm vorbe.vei.benum.? selbst die, .Führung des Landes. zu übernehmen. Die ^^rtisHe. Lage in ^Errgland ist jetzt ungemein unsicher,"unhudchsichtig.und verworren. Daraus erklärt ftch auch schwankende Haltung Lloyd Georges, zum Beispiel m der Auslieferungs frage, in der, Frage den , Revision-, der Friedensverträge, in Arbeiter-, Finanz- . und. Hattynalisterungsfragen usw. Ein Spiegelbild, dieser Verhälmisse bilden die gegenwärtigen Nachwahlen in Paisley, auf die jetzt die Ausmerksamkeit ganz Englarü)s gerichtet ist und die für sich - zu entscheiden alle Parteien ihre äußersten Kräfte anspannen. Dort kandidiert jetzt Asquith, der Gegner und Vorgänger Lloyd. Georges, ciner der gewiegtesten Parlaiüentarier und schärfsten politischen Köpfe Englands. Seine Wahlreden füllen Spalten in allen englischen Zeitungen, und auf dem ganzen Kontinent hat. seine Erklärung über die Aenderungsbedürftigkeit der Friedensverträge, besonders-des österreichischen, Aufsehen erregt. Seme Gegner sind ein Unurnist uvd eur Arbeiterparteiler, ersterer läßt sich durch den Führer der Konservativen irit Kabinett, Bonar Law, letzterer durch den leitenden Gewerkschafter Smillie und durch Ramsay Macdvnald'unterstützen. Bei der. letzten Wahl in Päisley hatte jede der drei Parteien ungefähr gleichviel Stimmen (zirka 5000) für sich, die Liberalen siegten damals mit der minimalen Majorität von 106 Stimmen. Lüiyd; George hat erklärt, daß er die geplante Rekonstruktion seines Kaüin-etts bis nach Beendigung per Wählen in Paisley verschiebe. Aus diesen Wahlen dürfte wie von einem Barometer das künftige politische Wetter Englands abzulesen sein, und es ist gar nicht nntvahrscheinlich, daß ein politischer Wetberumschlag in England ein treten und auch auf unsere politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse hier günstig einwirken werde. Die dritte Internationale. . Hollcmdsch Nleuwsburean nreldet aus dem Haag: Die Wohnung des .holländischen Bolschewikenführets W i j n k 0 0 v wurde unter Polizeibewachung gestellt, weil er als Mitglied eines internationalen Komitees für eine neice Versammlung der dritten Internationale in Holland Propaganda machte. Ueber die Bewegung selbst schreibt „Hande.lsblad" folgendes: Am 3. Februar hat in Amsterdam^ - eine Versammlung gilt Vorbereitung des internationalen Kongresses ftättgefunden.' An dieser Versammlung nahmen Abgeordnete der Kommunisten Deutschlands, der Schweiz, Niederlöndisch-Jndiens, Nußlmrds. Bnbgärims, Ungarns und Amerikas teil. ES wurden die Namen'N. Manuel. Sylvia Pank h « r st und Klara Zetkin genannt. In der Versammlung wurde beschlossen. einen Dollzugsrat der dritten Internationale zu ernennen. Die russische 'Negierr.ug hat Dianianten. Perlen und andere Wertgegenstände im Gesamtwerte von 20 Millionen russischen (Yoldrubeln zur Verfügung des VollzugsraieS gestellt. Dieter hat unter anderem den Auftrag, jeden Streit und jede Bewegung, die einen riMolutiorlÄren .Charakter trägt, mil bleiern Golde zu 4s. MwarirNM . «v -'..-_;---- unterstützen. Das Bureau irr Amsterdam untersteh» direkt der Leitung d'eS Leninschen Bureaus in Moskau, während die Berliner Zentrale den: Amsterdamer Vurean untersteht. ' ' ■ / . ' :: Weiter werden in Nordamerika, Asien, Spanien und Me;iko Zweigstelle^ gegründet, die alle drei Monate durch Absendung eines Vertreters nach Holland Bericht über ihre Tätigkeit abstatten müssen. Weiter wurde festgestellt, daß die kommunistische Internationale im Frühjahr mit einer neuen Offensiv e rechnet, und daß das Rote Heer versuchen wird, das Proletariat Polens, und Deutschlands zu. befreien. Wenn in Deutschland oder in einem anderen Lande eine Revolution ausbricht, müsse man vor allen Dingen unter dem internationalen Proletariat auf einen großen Streik der Transportarbeiter gefaßt sein. Sobald die kapitalistischen Mächte eine Intervention unternehmen würden, hat das Amsterdamer Bureau den Auftrag, Schritte einzuleiten, die eine herartige Aktion vereiteln und da§ Prletariat vor einer Überraschungen durch die Regierungen schützen. Das Schicksal Ostgaliziens. Der Ukrainische Pressedienst meldet . aus Warschau? Polnische Blätter berichten aus Londorn daß der Standpunkt des englischen Ministeriums des Acnßern in der Frage Ostgabzrens unberückt gebheben ist. England nimmt nach wie vor « der Frage der Anpbederung Ostgalizuns an Polen eine ü b» lehnende Haltung eur. Angarische Wähler» in der Slowakei? Das Pretzburger Blatt „Hirüdo" vom 18. d.M. berichtet aus' Kaschau: '■■■'] Die Verwaltungskommission des Kouritats Abaujtorna hielt am'7. d. M. ihre Generalversammlung ab, in der sich, der Zupän ,Dr. Paul F ä b r y über' die Wahlen zur Nationalversammlung folgendermäßen äußerte: ‘ ... ... Jede anerkannte politische Partei ist verpflichtet, 20 Tage vor der Abgeordnetewvahb eine mit den Unterschriften von 1000 verläßlichen und treuerr tschechd-slowäkischen Wählern versehene Wählerliste dein Zupan. zu überreichen. 5^er Zupan kann Fordern, baß diese 1000 kandidierenden Mahler die Kandidierungsliste im Beisein des ZuPanS und an dem von ihm bestimmten Tage und zu der von ihm festgesetzten Stunde rrnterschreiben. Der. Zupan kamt den 1000 kandidierenden Bürgern vor ber MteyfchMj/Wn^sich. von 'Mer Staatstrcue zü überzeugen, den''Er e u e s o für 'biä.tschechoi'stöwäsiW^e- ' publik abnehmen. Was ihn selbst (den Zupän Fäbry) betrifft, so werde er sich die kandidierenden 1000 Bürger sehr gen au ans.ehen und es .sich auch zweimal überlegen, ob er den etwa mit einem Lammfell bekleideten Wölfen den Treueid abnehmen soll'.' .Ker Zupan kann diejenigen unter den tausend , kandidierenden ^Bürgern, die er als u n v e r.l äßli ch bezeichnet, streichen und muß die Parte;, aistfordern. für den Ersatz"der, gestrichenen Namen innerhalb dreimal 21 Stunden' Särge zu tragen, Sollte der Ersatz nicht innerhalb dieser Frist erfolgen, so kamt , die betreffende Partei nicht meKr kandidieren./ : ' v; .... In denjenigen Gemeinden, wo' es 'rnehr^'äll tausend Wähler gibt, ist jeder Wähler verpflichtet/ 'st eine besondere L e g l i i m a t i 0 n seiner Wablb'.'ix'ch-' gung. zu verschaffen. , . Nationalisierung der Czernowitzer städtischen Bolksschttlen. Das ruruänische Staatssekretariat für Unterricht hat die nationale Teilung der Volksschulen im Stadtschulbezirk Czernowitz an geordnet- Die. .Jupen erhalten. Schülabteiluugxn an zwei Knapen-- und zwei Mädchenschulen und zwei gemischte Schulabkilu'.mcn. Im Znsammenhgng.damit sind sechs jüdische..Lehrpersonen zn Schulleitern ernannt worden. . . Dis Äluslieferung BUinskis. , Wie die „Polnischen Stimmen" van. aniorltatiper polnischer Seite,^ erfähren, ist die in e.iniyxn W^en-:r Blättern äufgetattchLe Ngchricht über' die 'angebK'che Auslieferung des. gewesenen' polnischen.Finanzmi'nisters B i li n s k i, di? als psrsönlicher Racheakt Paderew^kis dargestellt tostrdc, erfunden. Der Ltvnflikt zwischen Poderewski und .Bilinski, der übrigens nach.deul Stl.lrz'r des. Kabinetts, Paderewsli eingesetzt nyd. rein sachliche gründe zum...i?)egenstände halte, hat niemals, persönlichen Charakter,ängenonunen. Die Verdächtigung, daß Padcreiv'ski sich .auf,eiste solche. Weise.,eines.' politischen Gegners zu vntledigey. suchte, entbehrt jeder Grundlage. Polens Frievensbedingnugen. Warschau, 14.'Februar. (Privat.) In gut unterrichteten Steifen verlautet, Polen werde in seiner 'Antwort an Somietrußland unter anderem folgende zwei Bedingungen stellen: 1. Der Friede . muß 0 h n e vorhergehenden Waffenstillstand geschloffen werden. 2. .Der Friedensschlich muß durch die russische Nationül^rsammlung bestätigt werden. Der «Kuryer Polski" berichtet, daß die vo-.r der Regierung formulierren ^Friedensbe- Ungungen dech. Landtag in den ttsteir Tagen der jnächsten Woche mitgeteilt werden sollen. mmn