Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1920-02-15 · Heft 383 (15.2.1920) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 383 (15.2.1920)
Date
1920-02-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2979076-2979416-2979461--03376-2988999
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Kreis LLSD geller Peännmeration»- preife; Wie«: Zu« Abholen iu der (tzpeditiou, S. Bezirk. Taduvftratze 1 bis H, »der In einer B-rschltißsteVr ITrafik»; Monatlich. . Kronen IS.— Bierteltährlich „ 3«.— Mit Postversand nie Mv, und Oesterreich: Monatlich .Krone» 18.-- Tichechv-Slowakei: Monatlich .. Krone» »1.— Vierteljährlich „ *«.-■ irr tschecho^slowatischeL Währung _ Ungarn: , Monatlich .. Kronen 18«— 'Äiertclfährlich „ 30.- te ungarischer Währung Jugoflawiv»: Monatlich . . Kronen 0.— «ierteljahrlich „ SVin jugoslawischer WSHnmg lener ♦ Nr. 383 Wien» Sonnlag, den IS. Februar 1920 Preis PrLnnmerntio«»» preise für Monatlich?^Krone« 18.-- lvierteljährlich , SN-— in polnischer Wahrung Deutschland: Monatlich . . . Mark 5*-* ^rani reich: Monatlich . . . prankS L.-^- Italien: Monatlich .... Lire 3»— Schweiz: idt . . Kim Monatlich . . AraukS Redaktion «. Administration Wien,». B^.,L«borstr.l-S Lelephone: Administration 44» ***, Redaktion 4331». ab 0 Uhr adendd Nr. 16301 Postsparkassenkonto 180.686 >- --- i-Lgaa 2. Jahrgang Der Kampf um die Wiener Kultusgemeinde. Dr. Jakob Ehrlich, Gemririderat der Stadt Wien. Der Wiener Kultusvorstand ist ein Hindernis auf dem Wege zur Befreiung aus dem Ghetto, und dieses Hindernis muß durch die bevorstehenden Wahlen des Kultusvorstandes gründlich demoliert werden. Die Wiener jüdische Großgemeinde, schon zufolge der Lage der Stadt Wien als Brücke zwischen Ost und West geradezu vom Schicksal dazu auserlesen, Stütze und Führerin des mitteleuropäischen und östlichen Judentums zn werden, ist, rings umbrandet vop dem neuerwachenden jüdischen Leben, eine Oase des altliberalen Spießbürgertums geblieben, nicht nur "unfähig, ihre eigenen Angelegenheiten ordnungsmäßig zu verwalten,, sondern' noch in weit höherem Grade geeignet, Pi^ die jüdische Welt, mit der sie jeden Zusammenhang verloren hat, auch nur das. Geringste, zubedeuten. Die Wiener jüdische Gemeindestube nicht bloß zum Brennpunkt des 'Wiener jüdischen Lebens zu machen, sondern die Verbindung der Wiener Judenschast mit der jüdischen Welt herzustellen, die Wiener Judenschast in den Dienst der großen jüdischen Volkssache zu stellen, die nicht nur unsere Kräfte in .Anspruch nehmen,'sondern auch unserer Gemeinde wieder stets neue Kraft zuführen wird; dies ist das große Ziel des Kampfes, den wir mit jener Leidenschaftlichkeit und- Würtzie^Mrim müssen, die von vornherein dest MfM werWrgtz uüö Me »Lenr jungen Judentum der ganzen Welt ein Wertmesser unserem Kraft und unseres Verantwortungsgefühles fern wird. Die Wiener" Kültüsgememdebefindet sich in einer trostlosen Situation. Selbst dem bescheidenen Umfang der Aufgaben, .die sie sich in erbarmungswürdiger Selbstbeschränkung gesetzt hat,' kann sie nicht gerecht werden. Die religiösen Institutionen sind selbst für den stets kleiner werdenden. Kreis der Gläubigen gänzlich, ungenügend, die Finanzen sind zerrüttet, , die Beamten und Lehrer verhungert. Der sogenannte Religionsunterricht dank der mangelnden Fürsorge für die Lehrer und der Angst vor dem nationalen Judentum geradezu geeignet, den Abfall zu. fördern.. Die großen. Wohlfahrteinrichtungen — Kranken-, Siechen- und Altersverso'rgu'ngshaus — durch die stets größer werdenden Schwierigkeiten fast erwürgtverdanken' ihren . Förtbetrieb nur einem glücklichen Zufall, an dessen' Herbeiführung der Kultusvorstand höchst unschuldig ist. Die soziale Fürsorge, ' die sich dank der neu - erwachenden Solidarität dex Menschlichkeit und der Bruderliebe der Juden der glücklicheren. Länder erfreulicherweise immer mehr entwickelt, ist den Händen des- Kultusvorstandes gänzlich entglitten und vollkommen ‘ privater Initiative überlassen. Das Wiener jüdische Leben entwickelt sich neben ' oder richtiger gegen den Wiener Kultusvorstand. Allen jüdischen Zukunstshoffnungen steht er interesselos, ja mißgünstig gegenüber. Zur jüdischen Jugend führt ihn keine Brücke, ihre Bestrebungen' finden nicht seine Teilnahme, fein Einfluß wirkt lähmend, und was aktiv ist im Judentum, flieht seine unheimliche Nähe. Ein Fürsprecher des heutigen Systems wird sich \n Wien kaum finden. Wir können uns schwer vorstellen,, daß jemand, die undankbare Aufgabe auf sich nehmen wird, ernstlich beweisen zu wollen,-der heutige Zustand sei befriedigend und der Versuch einer Aenderung daher bekämpfensweri. Unsere Gegner machen' es sich auch viel bequemer. Sie sagen nicht, was sie wollen, sie bemühen sich nicht einmal mit einer Polemik geger das jüdischnationäle Kultusgemeindeprogramm. Sie glauben, mit einigen Hetzworten ihr AnslangtM finden zu können, die ebenso skrupellos als verlogen sind. Sie wagen sich zwar mit dieser Hetze aus naheliegenden Gründen nicht in die Oeffentlichkeit, aber in geheimen Konventikeln und streng vertraulichen Zuschriften, wird sie mit großer Geschäftigkeit betrieben So finden sich beispielsweise auf den zu geheimen Zusammenkünften einladenden Zuschrifteu folgende liebliche Redewendungen: Dic Forderung der jüdischrratwrialen Partei nach Anerkennung einer jüdischen Nation in Oesterreich, welche von den Antisemiten unterstützt wird und deren V-rwirklichnng die staatsbürgerlichen Rechte der österreichischen Judenschast geradezu vernichten würde, gibt der gegenwärtigen Wahlbewegung eine ganz besondere Bedeutung." Es ist ganz einfach unmöglich anzunehmen, daß dieser Kohl, ohne die bescheidenste Abwechslung unlabliae Male aufaelvaruit, m Gittern Glauben aufgetischt Graf Czernin der Erpressung an Kaiser * Karl beschuldigt. i Lzermi« rnifc Kaiser Karl habe« bewußt, gelogen? j Wie«, 14. Frbruar. Dir Vermögrusverwal-rr des früheren Kaisers Karl Scktionschcf Dr. S ch age r-E ckar t s a u, richtet an das Hollandsch Rieuwsburkan folgende EMärung: Es ,st rlchtig, daß Graf Czernin eine schriftliche Erklärung Kaiser Karls vom 12. April 1918 in Händen hat, die dem vom Grafen Wedel, mtgetefften Inhalt entspricht. .Diese Erilärmig würde vom Grasen Czernin . rnlworfru »nd von ihm eigenhändig - geschrieben. Ihre U n t e rf e r t i g u n g durch den K at f e r wurde vom damal-gerr Minister des Aeußern mit der Begründung verlangt, daß er eines solchen Doknmmtes bedürfe, um dir d rutsch e Regierung über die „SSviefaffäte" zn b r r u h i g e n und dadurch zu verhindern. daß aus dicser aus 1 Zahr zmückreichmden und bereits endgültig erledigten Angelegenheit Folgen entstehen,, die die außenpolitische Lage des Bierbundes schwer. gefährden würden. Der K a i s e r, der sich l g n g e m e i g e r t e, diesem Ar sinnen zu entsprechen, wurde von feinem Minister des Äeußern durch schwärzeste Schilderung der Konsequenzen^ die sich sonst für Kaiser und Reich ergeben würden, insbesondere durch Ausmalung der eminemm Gefahr eines Einmarsches deutscher Truppen.m Böhmen und Tirol, d a h e r g e r a d e z n tzurch Dro hung e n' gezwungen, die chm vorgelegte Erklärung zu unter- , fertigen.; . . ' In dem schweren G e w r s s « 8 k p H f.l i k t, vor dm'' Kaiser Karl damals durch. Ratgthep,vg;- j stellt wurde, hat sich her K a r s r r d a i ü H e n t sch 14 d e n, dem Wohl und den Interessen-seM^Ätölker das vom Grafen Czernin g e h e i s ch t e O p f e r z u b r i n g e n. Es kann aber auch kaum eitern Zweifel unterliegen, daß Graf C s t r n i u am 12. April 1918, als er unter dem denkbar stärksten Drucke dem nur kür da§ Wohl seiner Völker denkenden Kaiser dir besprochene Erklärung abrang» sich dessen bewußt gewesen sei» mußte, daß der Inhalt dieser Erklärung nicht durchaus der W a h r heit entspreche. Ob sich die Absichten, die Graf Czernin mit d-escr Eckläiung verfolgte, dar>n erschöpften, daß er durch sie eure Beruhigung der deutschen Regierung erzielen wollte- -und ob er damrt nicht auch e i u e p e r s o n l. e'ch e De ck u n g zu e r h a l t e n w ü n s ch te, bleibt eine offene Frage. - -- '*■; Der frühere deutsche Botschafter in Wim, -Graf Wcvel.- behauptet in einem vorgestern in Berlin erschienenen Artikel folgendes: ^Als die E n t h ü l l u n g e n C l e m e n c e a u s über die Anerkennung der sranzösischm Ansprüche auf Usaß-Lothringc« herauskamcn, fand ich den' Grasen C z e t u in unruhig si n d gedrückt. Er wußte offenbar nicht, was von den Ent- HÜlluttgeu zu halten sei und litt unter der Ungewißheit. Bei meinem nächsten Besuch war der Minister beruhigt. Er erklärte mir, es sei ihm ein Sle.n vom Herzen gefallen, er wiffe jetzt, daß es sich tatsächlich um eine Fälschung handle. Kaffer Karl habe rhm nämlich'.ein s ch r i s t l i ch e s E h r e n w o r t gegeben: erstens, daß er an seinen Schwager Sixtus nur den einen Brief geschrieben habe; zweitens, daß der Prinz keine Ermächtigung erhielt, dm Brief der französischen Regierung zu zeigen; drittens, paß Belgien in dem'Briefe nicht erwähnt wurde, und viertens, daß' der Absatz über Elsaß-Lothringen sn der Clemenceauschen Veröffentlichung gefälscht sei. Graf Czernin legte mir das Schriftstück vor, um auch mich zu überzeugen. Mündlich hat K a i s e r Karl die gleich e Versicherung, ebenfalls unter Ehrenwort, n n s e r e m M i l i t ä r b e v o H» m ä ch t i g t e n, General v. C r a m o n, g e g e b e». Einige Tage später g a b G r a f C z e r « i n s e i n e D e- Mission, weil' er sich, wie später zu meiner Kenntnis gelangte, vorr der Unrichtigkeit der kaiserlichen Angaben überzeugt hatte. wird. Wir wären wirklich begierig, zu Horen. Nie diese phänomenale politische Erkenntnis eigentlich begründet wird^ Denn es ist uns beispielsweise bekannt, daß ein großer Teil jüdischer Staatsbeamter nidstchnationcrl organisiert ist und die so entsetzlich gefährliche „Anerkennung der jüdischen Nation" .im kurzen Wege durchgesetzt haben, indem sie es energisch ablbhnten, das von ihneir seinerzeit geforderte Bekenntnis zur deutschenNation abzulegen, da sie sich nicht gegen ihre Ueberzeugung zn einer Unwahrheit herbeilassen wollen. Und wir haben nichts davon gehört, daß dieses mutige Bekenntnis iemandeui geschadet hätte, Und wir kennen andererseits eine ganze Anzahl von jüdischen Staatsbeamten — efe sind auch Universitätsprofessoren darunter -- die (wir wollen höflich sein) ihrer Ueberzeugung folgend, sich zur deutschen Nation bekannten; es ist uns aber nicht bekannt geworden, daß sie seither imter ihren germanischen Konnationalen eine-besondere Förderung erfahren hätten. Mit dem Ammenmärchen der Gefahr einer antisemitischen Gesetzgebung — gleichgültig, ob sie sich gegen die Juden als' Religionsgemeinschast oder als Volk wendet — wird -man heute die jüdische Oeffentlichkeit nicht mehr "ins Bockshorn zu jagen vermögen. Denn daß. eine antisemitische Gesetzgebung heute unmöglich ist, wird wohl niemand ernstlich bestreiten wollen. Die Möglichkeit einer sudenfeindlichen Praxis -liegt selbstverständlich bloß auf dem Gebiet" der öffentlichen Verwaltung und deshalb ist. die Dm...Atzung der vollständigen Gleich-, berechtigung der Juden nicht eine Rechtsfrage, sondern eine reine Machtfrage. Und wie können wir dieser Gefahr begegnen? Nicht dadurch, daß wir uns zersplittern und-hinter allen möglichen Parteien verbergen, sondern durch Schaffung einer starken jüdischen Organisation, durch Vereinigung aller jüdischen Kräfte in einem Lager, welche Vereinigung eben nur daun möglich ist, wenn wir uns auf dem Boden unseres Volkstums zusammenfinden. Und deshalb ist jede jüdische Politik, die nur vom Gesichtswinkel lokaler Interessen oder nach den Bedürfnissen einer dünnen Oberschichte eingerichtet wirb, nicht nur verbrecherisch, sondern auch töricht. Man Seitö oft die Frage: Welche ^Vorteile bringt üns disi Anerkennung der jüdrschon Nation? Selbst wenn sie uns nur den ideellen Vorteil brächte, nicht unter dem Druck einer Unwahrheit leben -zu müssen, wäre unsere Forderung schon eine sittliche Notwendigkeit. Aber auch ihre praktischen Vorteile liegen auf der Hand. Denn es ist geradezu unsinnig, dem Judentum seine stärkste Stütze dadurch' nehmen zu wollen, daß man seine Einheit aus kleinlichen egoistischen Rücksichten oder Aengstlichkeit zerschlägt. Ein vierzehn Millionen zählendes Volk ist stark, wenn es geschlossen auf der ganzen Welt um. seine Menschen- und Bürgerrechte kämpft; es ist aber ein Spielball von Zufällen oder Parteiinteressen, wenn es diese Geschlossenheit ausgibt. Auch in dem Kampf um. die bürgerliche Gleichberechtigung ist die Wiener KultnSgemeinde ein unbrauchbares Werkzeug. In der Hand' bewußt jüdischer Männer wird sie ein politischer Machtfaktor werden, dessen Bedeutung nicht nur firr die.Judenschaft Wiens von unschätzbarem Werte sein wird. Die Hilfe der Entente für Oesterreich. Erklärungen der amerikanischen und englischen Delegierten. Paris, 14..Februar. Die gestrige Mendsitzüng des Organisationskomitees der Neparattonskomniission, au der die Staatssekretäre Dr. Reisch und Dr.LoeWense ld - Ru ß, der Bevollmächtigte Ei ch h v f f und Ober-- finanzrat Pa Hauer leiluahmen, beschäftigte sich mit. w'rschiedenen Oesterreich betressendeu finanziellen Fragen. Im Laufe der Besprechungen bemerkte der Delegierte Amerikas, Nathbvne, er benütze die Anwesenheit der österreichischen Staatssekretäre, um mit Zu-' stimmung des Präsidenten zum Ausdruck zu bringen, daß das Organisationskoncitee der Reparationskommission Oesterreich die größte Sympathis .sntgegenbringe und daß die ganze Kommission willens sei, Oesterreich zu helfen. Auch die Regirrung der Bereinigten Staaten nehme an dem österreichischen Probkrm regstes Interesse und verkenne nicht den Ernst der' Situation. Deshalb sei dem amerikanischen Parlament ein Gesetzentwurf vorgelegt worden, der die Unterstützung Zentraleurvpas mit 50 Millianen Dollar in Aussicht nehme. Bon diesem Betrage würde der g r ößere Teil für Oesterreich bestimmt sein. Man müsse sich auch darüber klar werden, daß Attrerita' allenr Rohstoffe- und LebenSmittelbedarf von ganz Zentraleuropa auszubrütgen nicht in der Lage wäre, vielmehr muffe ein Plan ausgearbeitet werden, . der. Beihilfen auch seitens der neutralen und der arwevew alliierten Staaten in Aussicht rrehme. In Ergänzung dieser Mitteilung gab der Vertreter Englands, Sir Breadbury, folgende Erklärung ab: Die britische Regierung ist trotz der sclnvierigen sinlurzielleu Lage iut vereiMwn. KöMreM ■KISKSP"11" **"T - W^iitfHHBUBSaE&eSE1' —

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.