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Wiener Morgenzeitung · 1920-02-08 · Heft 376 (8.2.1920) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 376 (8.2.1920)
Date
1920-02-08
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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ÄST4 Mm. Sonntag Wiener Morgönzeikung 8. Februar 1920 Nr. 376 km Eindruck der Meinung gewisser Hrtise seine Ansicht geludert habe und daß seine H.rllunrr nicht mit der der französischen Regierung übeterusiimMk Lloyd G e v r g e sei der Ansicht, dnß^ «an die AuZlieserungSliste oder den Modus der Aburteilung ckv »bändern muß. daß die Deutschen sie nnnehmru kömnrn. Die ,TimeS" fügt hinzu, Lloyd George Gmsgiung zu'geben, würde Vertrage selbst einen schrecklichen Stoß verleben, I Nach e nem Privattelegrainm des ,Journal"aus London ägt „Dackn Clnoircle", daß.-wenn-die Liste stimme, 'sie niemals;ec blit'.'chen Regierung übermittelt undvon. ihr genehmigt oordrn sei. Man könne von keiner Reg er unrund von keinem 8o!k verlangen, daß sie 15 Monate nach Einstellung der Feind- '«lrgkiten emrn Mann auslrefern, der so ' leine Pflicht erfüllt )abc wie Hindendnrg. Diesettigen. die im Namen der Alliierten nne solche Liste überreicht Hütten, müßte» gründüch beseitigt -^rden, ehe sich etwas ähnliches wiederhole. Die Schweiz demenüevt. Bern, 7. Februar. Wie die Baseler „Nakidnns'tilüng^ hon ra'rändiger Se.te erfährt, ist die Meldung» Deutschland ' werde re.nikragen, die Aburteilung der deutschen Angeklagten . MUtraM Berichten ,ut überlasten, in der Annahme, baß sich die Schweiz ,\x einem solchen Am e bereit erklären werde, Vollkommen Unrichtigsin Schweizer ofstzieller Stelle dementiert man energisch, daß sich >v: S chwriz zur Uebernahrrre eures solchen Annes bereit erklären i'.ivbc, ProLefte. Berlin,?. Februar. D-« Protest der Berliner Universität t aeu dre Auslieferung der.stcher Bürger an die Entente haben ich die übrigen Berliner Hochschulen emmütig angeschloffen. München, 7. Febn?ar. Heute vormittags veranstaltete die Tttckemenschast in der Uriveusttät e ne Kundgebung gegen das Arrschsternngsbeg-hrcn der Entente. Als erster Redner - sprach der Jveitor der Universität, Professor Müller, der cruZstihrte, daß die .i;u; unerhörte Schmach unter allen Umständen abgewehrt Verden mäste. Für Montag ist eine Massenkundgebung der Bürgerschast gegen die AnSlicser ung augelimdigf. Bsnn-Ahrgttna bet Finanzkreise wmtit des Sinkens der Wschselknvfe» Pa::s, 7. Februar. Der Wash'ng'oner ^rr.espvit» oent ,,Petit Parisiou^ ber.ch'eL, daß däZ ununtn-r örrch/ne Fa'len der europäischen Wechselkurse die ameru« kaniichen Firan'chrei'e ernstlich beunruhige. Sena or Mac Cornick gab der a lgemeinen An- ' ficht i'.c einer V.'rjammluno von Drhltrjern der Hochfinanz, fce.? Handels und der Industrie New-Aorls 'Ausoruü, indem er erklärte, bis zu dem Zeitpunkt, dkl der Lchotzkan'.ler in London ein Budget vorlegen könne, bk Ansgaren durch Einnahmen gedeckt sind und b'.s die Fina-rzminifter in Paris und Rom mit den Pariaurenten - das Gleichgewicht im Staatshaushalt hergsfieift hättenwürde der Vcrc ihrer Banknoten auf den Rew-^o.'kee Märi en fa le r. Sie rnüß'en ihoenSteuer^ träzr "n schwere Lasten aufer'egen 'oder die Ausgaben^ einchä'let. Die amerikanisch' Handelskammer s-öi' übrig-ns de.eit. Der roter ' zu einer inie.nätioüalen ' Fina-rztonferenz zur Lösung dieser Frage zu enisettden. Bs?.'ar?;nq des WirLkchaftsrakSZ. charrS, 7. Februar. Der Oberste Wirtschaftsrat f?.<•: geir um seine erste Sitzung abgehalten, bei der England, Frankreich, Italien, Ja^an und Velgieü vertreten warric. Tie Beratungen galten der Fra c der Wiederau fnohmc der Handelsbeziehungen mit Sowielrußkand- Drc V'rtschaftsrat wird sich, wie die Blätter melden, in der nächsten Zeit auch mit der Frage der Hebung de) Wech'MN'.rses befassen''und zu deren B'kibre böne rings um uns verändern, so werden wir am Ende gar über das Denken selber Nachdenken müssen, wenn die festesten Gedanken nicht mehk! Form hatten wollen. Sobliebe m\-> nach den unglaublichsten leiblichen Zumutungen die bstrteste Geistige Stcapaz Nicht erspart. Wie wir im Zirre ae jedes Gewerbe, ^ede Wissenschaft halbwegs lernen>> ir.'-stten, u-.it ,<u bestehen, so zwingt man uns zuletzt am' licrfidti Ai-grund, des Denkens vorbei; da lauert die Sphinx'' :°nd fragt: Was ist Denken? Was ist Wahrheit? ■■ ft i ft i n ß e? gibt die Antwort: „Wahrheit ist, der zweckmäßigste Irrtum . . . Denken i'r regulierter Irrtum, wie das Gehen reguliertes Fallen., 7in einer Sammlung von Aphorismen würben solche Worte kaum inhr ansfallen, seitdem bei Nietzsche so viel Aehllliches tk :cs.-n war. (Zum Beispiel: „Wir sind auf optische Irr-' rin.,er eingerichtet . . , es bestünde gar kein Leber»,' wenn. rii-bl ar:f d.?m Grund-' perspektivischer Schätzungen" ,usw.) % o \ >; i ji <; c r d Werk ist gleichzeitig mit Nietzsches äuzrndschriften konzipiert worden, aber gangi unabhängig.' iavon. Tein bester Eigenwert liegt darin, daß es eben nicht? eine Ganinrlnng geistreicher Einfälle ist, sondern sehr klar.' iir?) nüchtern auf förmlich schulmnstig solidem StuseNbaui -unser Denken gl-üchsam üper sich hinaus führt. VaihiNgerS'.- Lebre will leine Irreführung zu gt.-n;cnlosem Zweifel sein, nuihl aber eine stählende Schule rm Ertragen des Druckender sich aus den natürlichen Unvollkommenheiten unseres' Denkens notwendig ergibt. Diese natürliche Unvollkommen^ beit bringt, cs mit sich, daß die Begriffe, in denen.wir. denken, auch die „selbstverständlichsten", eigentlich falsch, innerlich unmöglich sind. ' , Am leichtesten ill dies am Beispiel der Mathematik Uarzuuiachcn: wir rechnen mit Zahlen, aber eigentlich kann m-'U nichts zählen, da es nirgends zwei vollkommen gleiche Dinge gibt: in der Geometrie arbeitet man mit Punkten^ das Leint Naumitellen ohne jede Ausdehnung, also einem Zionistische 8«rttkrz«K<is» faopoKHtadt Sonntag btn \ b. M. um » Uhr NachtulttagS flttbet lat tzonterraits- Ipfrttc ves EafL >Marte«brütke , ». Bcz., Liliendrnnngasse A, «Ute ber Mitglieder der BerirkSsektküii statt. EageSvrbnung: Z.tnser Knltnswahlktimvf". gltfemttr Kemrindteat . Dr. Leopold PlaschteS. Besondere Einladungen werde» nicht versendet. S31& sprechung ein« eigene Konferenz einhrrusrn und endlich in die Beraturig der Ernährungsfrage Mitteleuropas eiytreten. . Amerikas VsVbe^alte ütterkökttk München, 7. FcbiuM'. Nach e'm'm tzavasdenchte bat der französische Boüchaster ,n Washington Züsskrand dem Präsidrnttn Wüivn mstgürilr, daß die Allurltrn die B o r behalt e deZ Senators Lodge anerkannt haben. London» 7. Februar. R'Uter.) Die Gerückte, wonach die Bei ein >gien Staaten bei Grosibritannien wegen desBlieseS Greys über die Hattucki der VrremigtSn Staattn m Wickstcht auf den Fliededsvdltrag Boistcklungen elboben hätten, weiden dementiert Ebenso wstd ,n Abrede gestellt, tag Lloyd George nach Washington telegraphiert habe, er nehme die vom ämenkanischesi Senate gegenüber dem B-lsailler Vertrage gemachten Vdt^ behalte an.. , ÄaA Mattel Zrvtv WckeürM. i ■: Motterdqm» , 7. fyc&tü ttv (Privat.^ Das Wattdät über Arwenitn' ist bekMintch AMti.kck MLdacht. Bei der ieserv'rlten Hattmig. dtr Bereinigttn OtaattU dett ütchtäintzlikanlschm t# legtübeiten gegenüber wstd damit gereckkurt, daß ÄNttrikä dtese) Mandat a d l e h n i tt wkrde. „Astuwe RotterdNmfche CbtstaM" ist mm in der Lage», tiü Mden, dasi >n d.efem Falle dit Nied er» lattdeP Mit dieserst,Mandat Mibe« betraut werden. f DSr FrredettSvMrai Mt bti WeLsj. London 7- Februar. (Tet>Kvmp4 Miller an i wird, für die nächsten Tage in London erwartet, Um e v r H e ^rnd 9t i t L i die Grunttzrige %h F%\e d e n s v e rtragLs rnx i b t:i j ii t K e i zu prüfen.- Der Vertrag wird -dem* nächsten PMWvEeich^GM^ Bsvliri, 7. Februar. Der Rttchswrhnn nisier erläßt folgendes Berbstzs In lchtckrsteß^ Wer es VÄ3 gelährdtt die^DMch<^ilM^E^Äü^'.'Ünd Sscherhrit dttz Nückes it behenkluher Weise, indem sie m hrkr Nummer vont 7. Feluuar die.unwahre...Bchäupsting. .Mfsiellt, die Regierung' beabsichtige einen Ctaatsstr^ch. Ich verbiete deshalb das Erscheinen be$ Blattes m der Dauer von acht Tagen. Der Arhedrr des Ei>»TahnanschlaZes zum ■ -• Tote verurteilt. SchnetdiMÜHt» 7. Februar. Der Ürhebie des E i s e n b a h kr a 1 t r n i a t s, dem 'der ' D-Znz Schneidewühl—Berlin zum Övscr geiallen ist, Otto P e r 1 e b e r g, der den Anschlag in Grmeinfchststmit % w«t r -u ssische» A t b e i tern bei übt hatte» ist heutr vom Schwurgerichte zum Tddc vermteilt worden. , Der VekrvsWrrtzsräL des BslKttr-MdeS. London, 7. Februar» Mes-Komp ) Am il. d. $hsticket hier die zweite Versammlung, des Verwastungsrates des Volkerlündes statt. Die Btlsammlnng wild drei Tage dauern. In der Eiöffnungssitzuttg wird das Bu'eau gewählt werden. Zürn Vorsitzenden wild wahrscheinlich B a l f o u r ernannt. Äüf der TaaesvldNnny sieht die Beihandluvq über, das Saargebiet, d'e Danpgcv Frage und über den Eintritt der Schweiz in den Völke'biwd. '' ' ' pure« Nichts, mit Linien und Flächen von gleicher innerer Unmöglichkeit. Und doch, kütnrnett wir mit solchen Krücken ans Ziel. Das unwirkliche Netz der Meridiane und Parallelkreise ermöglicht uns das Zurechtfinden auf der.Erde mtb jede Wissenschaft wirft ein ähnliches Netzwerk - imaginärer Linien siber ein Stück Wirklichkeit. Solange wir mit solchem Denke« die Welt-der Erfahrung wirklich etnfangen, solange ist eS richtig, ist es „wahr". Indem wir mit bewußt Falschem, in sich Widerspruchsvollem operieren, „als ob'' eö wahr wäre, toNndn wir hoffen, das Wirkliche zu erfasse«. . Im Sätzchen „der Bcklnn ist grün", stecken soviel Unwirklichkeiten, „Fis« tioncn", als Worte. „Det Baum", der keilte. Birke, Eiche usw., der nicht dieser oder jener -bestimtnte Baum, wäre, ist ein unmögliches sitcbilde; noch leichter^steht man ein, baff es ein „Grün" schlechthin nicht gibt; das Zusprechen dieses „Grün" als Eigenschaft, - als Eigentum (der Baum „besitzt" die grüne Farbe), wie meine Feder mir gehört, beruht st-gar auf einer geradezu kindlich märchenhaften Denkweise. Im Grunde spürt das jeder, der irgend etwas auSspricht. In Grundfragen des Denkens kann man nicht eigentliche Entdeckungen erwarten. Vaihingers Werk ist nur der Aufruf zu einer intellektuellen Ehrlichkeit, die, so leicht, ihre ersten Schritte scheinen, zuletzt auf geistige Höhen führt, wo auf die Dauer nur herorfche Naturen seltensten Schlages atmen können: „Unser höheres Leben beruht auf edlen Täuschungen..." ES kommt darauf an, solche Sähe nicht nihilistisch, sondern geradezu als Ansporn des FdealiSmu^ zu.verstehen: Wie sebr solcke Erkenntnis im Grunde schon Gemeingut iss. ist unter anderem daraus zn ersehen» daß ihrer symbolischen Darstellung tu Nvstattds. Chantecler von Hunderttansenden zugöstchelt' wurde: der idealistische Hahn ruft mit seinem. Schrei die Sonne über den Horizont herauf, erst in naiver Gläubigkeit, und dann, als ihn die Gemeinhült der unwett semet Selbsttäuschung überführt, erst recht, „als ob" ... Wilna als püraM-balschewULscher himdtnngsort. Warfch»«, 7. Februar. (Privat.) Die Moskauer Blätter schlagen W»l n a als Ott der Füodensverbandlnngen zwischen Polen und Cvwioinchland vor. Wilna sei nämlich aickit m unmittel!'uer Nähe der Front gelegen und andrerseits ermögliche sente Lagt eine rasche Breständigung sowohl tn t Moskau als auch mit Warschau. Neue Erfolge der BolschewiLea. Moskau, 7. Februar. (Fmttipruch.) Kämpfe bei N j e s ch i <r a und B o r h s o w. An der Südwesiwvnt öabe» die Nottrubpen K r t v o i e O z e r a und S o v h r e v t a, Werst südöstlich von Olgiüpol. besetzt. Im WoSneschenSker Gebiet gebt der Vormaoch rasch vovtvärts. .Im Gebute der Sckwa'zme,er Me stehen die Rotkrupven LV bis 30 Werst nordöstlich voll Odessa. In der Krim wurde G t wasch, noben. An der KMasüSiroüt Kämpfe. AN der transsibirischen Front wurde K r a s tt o w o d S k» der Ansgangsvunkt der traNskaspffche» Birkin, erobert. Hamit ist d e ganze Bahnstrecke digi an die mdische Grenze rm Besitz der Rvttruppen. An. der Ostfront sind d>e Rottrnvpm brS aus 40 Werst Lsittch von Nffchm-Udmsk vorgerückt. ... ' v; . \.. . Ätwrnow Aber M»Makdt Ve-k'tt, 7. tzevtzuar. Die „Bosnische Zeitung" Eek stüs'Kvp'etthstAkik':. FckHm'chlußiatt Frs^-ensang'ebot der Svw;«vvegi..rung. an, Poley^ btzWvW Liftvinotv dem KvpenhagL'-sr Bei roter des Reuter,chen Burcaus gegen» -ü!;er, Deutsch an) hätte duräh Äst', sendurtg von falsch:« Nachrich'est' versuch^ ei.Elt MNf ikt MWstt' Polen und Nutz.'and h:tvvrzurusett. Ach P v'.lest im An t ere s s e Deutschlands zu fchwächeü. " .. Auf die Hrage des MÄespoKenten, ob er auf Nahrhert.DrWe, da^ ^hErichsrüssifchö StuLitkräfbs an der polnischen And der ruinänischen Grenze gesammelt - fttett, «MwoLtetd Litwinow, Rußland müsse nsttÜMG seiyh Äatznahmsn ' treffen." Es' fei in der Läge, an Kdesi' bidlrebrgest Mdrohben Ort Truppen zn enisendem' Der größte Wunsch Rußlands.ftzi» dem Lande den Frtediön tzu geben und das HöLr M demobilisieren. Sobald' der Friede mit den jetzt feinßl'chen Staaten gesch^ösftn 'stl Md' Nußlästd. UrfüW habe, Ästzunehmen, daß die Alliierten sich jeder Einmischung enthalten werden» werde Rußland demobilisieren. KMschstk kommt vor das Revolutisnsgerlcht. Berlin» 7. Februrr. Die „Boistscke Zeitung" veröffentlicht einen Moskauer Funtzviuch. wonach K o l t t ch a k vor das Oberste Reoolut«ott§gencht M Moskau gestellt werden wird.. Dre Sowiettetzrerüdg habe Koltschaks UebttführiUrg nach MoSkall angeordnet. Friede zwischen Nutzland und Estland. Helstngsors, 7. Februar. Dir Rätcregierung hat der estn .schen Negierung dui ch Funk'pruch mitgetrilt. daß der Friedensertrag von ihr bereits am S. d. M. ratifizirtt worden sei. j 1 Ungarische Offtziere vor einem rrrmKnifche« K Liegsgericht. Sieben Todesnrteite, Manf nbnrg 7. Februar. Bvr dem hieftgou Kriegsgericht fand di.' Hanptvcrhandlung gegm die ehemaligen Hvnvedofftzft.re Obersti-eutnant Wilhelm Lserey» Major Adalbert S ' n n y o g h» Oberst eut '.ant Altxatt» der Birtha urrd Oberst Emmerich Cseesi-RaM den BürgermeMr-Stzelivertpeter von Grvßwardein. Edmund L u k ü e s, den Brzirksrichter Tihammer I a n v v i c s, den Notar Georg B e r l e y Und den Ober» l stlnänt der Ungarijchett Rattenalarmee Lorettt Esapv. w.gm Berschwörnng statt. Die Aük^age, die auf die Einvernahme von Zeugen Bereicht leistet, stützt sich nur auf Vorgefundene Akten und hauptsächlich auf einen an Oberstleutnant Czevcy gerichteten, mittels Schreibmaschine auf Setdenpapier hergestelltem, - vom ungarischen Hauptquartier unter- Wie faßt man neuen Mut, wenn man sein Werk bezweifelt7 Man geht ans Werk! Doch wenn's nicht d u bist» der den Morgen ruft? Dann gilt mein Nus wohl einer ferneren Sonne! Dar ist kein Brot für unfern Alltag; solche Mttsicht iw das Wesen des Gedankens weckt gerade in feineren Naturen eine zarte Qual, die schwerer zu tragen ist, als jedes gröbere Leiden. Ein unwiderstehlicher Drang festigt immer wieder däS entsagende „Als ob" zum hoffenden »Vielleicht wie", die Fiktion wird zur Hypothese, um endlich zum Glaubenssatz zu erstarren. Wer weiß nicht, welche Qualen, welche Tode der' Mensch zu ertragen bereit ist für einen Glauben, der ihn vor' denr feinen Schmerz des geistigen Verzichts bewährt, bot deck Verbot, nach dem Zweck des Lebens zu fragen, weil daS eine unberechtigte Uebcrtragung von Begriffen fei. Aber immer wieder wird daS Leben stärker als jeder' Glaube und er muß zerbrechen, so weh es tut. Dann brauchen' wir den tapfern Denker, der gewacht hat, indetz wir schliefen' und der unser Leid als Schmerz, des Wachstums deutet. In den Borwehen der großen Revolution erschien die „Kritik der reinen Vernunft". Es kann hier nicht gezeigt werden, inwiefern Vaihingers positiver Idealismus Kant vollendet. Unter besten ersten Schülern hat ein Jude, Mairuon, schon eine ähnlich kühne Deutung seiner Lehre Vertretern. Es ist nun klar geworden, warum gerade Vaihingers' Buch uns daS beste Nüstzeug liefert in dem Zdeenkampfe, der den Krieg der Granaten überdauert. Konservative wie Nadikäle, Monarchisten, Imperialisten, Sozialisten, alle leiden an" einer Ueberschätzung der. Theorie, an übergroßem Hcimats*. gefühl gegenüber Gedankengebänden und doch macht sie jede Stunde an allem Geglaubten irre. Daihinger aber lehrr» die. Wirklichkeit höher zu stellen, als das Denken, rm ungeheuren Wogen aller Erfuhrrrng a,rch den Geist beweglich zu' halten, Ideen zu vertrauen, soweit sie Leben schassen

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