Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 376 (8.2.1920)
- Date
- 1920-02-08
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. an Wien. topnntu^ Wiener Moraenzettunsi . Benesch über die tschechische-Politik. Es liegt nunmehr der Text der großen Rede des tschechischen Außenministers Bene l cb gegen Dr. Kram a r ich sor. Aus dem Rededuell zwischen diesen, beiden Pvlmki'ingrht ^ie vollständige Abkehr von jeglcher Interventionspol tik rn Rußsand hervor. Dr. Benesch piopamert an Stelldes alten Regimes cnre Politik des neuen Regimes, der neuen Generation, pl der er sich begeistert bekennt. D>ese Polssk soll konstruktive, organssatorssche Ai beit sein. Das rst für Dr. Bensch der-Kern der jlawischen Politik, m der sich ihm auch d>e Pol i t, k d e s S t a a t e 8 z u d e n D e u t s ch e n wi dersp egelt. Hinsichtlich dieses letzteren Problems wendete sich Minister Dr. Benes ch biix allem gegen die Erklärung des Dr. K r a m a r s ch. die'er pürde sich wundern, wenn die tschccko slowrli'chen Deutschen diesen tichecko-slowakischen Staat anerkennen winden, und daß . » selbst, wenn er an ihrer Stelle wäre, ihn nicht anerkennen würbe. ,, > Der Minister erklärte hierzu wörtlich: Im halte diese E>- klarung Dr. K-amarsch' tiir eme Geiahr 'mit Rücksicht aut die »uSwärtige Politik. Diele keine gaine Auftastung der Frage der Deutschen läßt sich gut als eine Konzeption des alten Regimes charakterisieren. Ich erinnere m ch kehr gut, wie ernste verbündete Politiker aut derFriedenskorsserrm dr auf drangen, da r die Politik des tschecho-ilowaksschen Staates verstand a. sachlich sein müsse. Vir sind ern selbständiger Staat, wir sind in diesem Staate eine Mehrheit von mchr als zwei Dritteln, aber wir sind aus dem Sprung. die alten Methoden der nationalen Kampfe b-s gewe'enen Oesterreich Nachnahmen. Unsere Presse, unsere Politiker, unsere öffentliche Meinung zanken bisweilen über diese Dinge, wie wir mriemandcr rm alten Oesterreich ge ankt haben. Eiiizelne Problem' werden bei uns manchmal >n derselben Weise rrstsgestellt wre in Oesterreich und dies erinnert daran, wre es im österreichischen Parlament tzesvesen ist. In den Dingen der NNionalpolstik müssen wir einen klaren, energrschen. rechtlich b gründeten Standpunkt haben rnd unsere klar ausgeprägte Tbcorie brstven. genau begründet durch die Friedensverträge und den Minoritätenverlrag. .du wrr sulerschnebrn haben und einballen müssen. W r r m üssen w i s s e n, womit uns das alte Oesterreich »ereizt. womit es uns beständig Nadelstiche versetzt und womit es auch seine ganze Existent «nd seinen ganten Kamps veilorcn hat. In der nationalen Frage »m Innern tönn n wir einen festen, gerechten, rein tschecho-ilowakitchen und slawischen Standpunkt emnehmm. der niemandem überf.si:sig rein, wir können ibn 'hstemausch und genau aufbaucn und energisch mit eftrner Folgerichtigkeii und Entsch edenheit und ohne große Smwe"akcrlen zur G ltung dringen. Wir fragen sortwährend, ob die Deutschen das Haupt rcheveu, ob ste sich mit der Republik ausglerchcn wollen ober ob sie es nicht wollen und ob ste Respekt vor uns besitzen oder nicht besitzen. Eine z elbrwrrstc und starke Politik war nre durchLei denschatt und U nru b e charalterisiert. Ich würde es als einen großen Fehler der sschecho-slowaktscken Politik betrachten, wenn sie sich d ssen mrchl bewußt würde, rn wie weitgehender Wesse die innere Natron.ilvolitlk die äußere Politik beeinflussen kann. Ich halte es auch hier für rtchlrg. erne Politik des neuen Reg'M's zu treiben, sich auch « vresen Fragen — und namentlich an diesen Fragen —- zu entösterreichern. Eine solche Politik wäre so stark und so nelbewußt, daß sie numaudcn fürchten müßte. Rußland w rd bestimmt nach einer gtwsssen Zeit wieder z» sich kommen, aber wir leben in Z-n'ralküropa und haben als Nachbarn die D e u 1 s ch e n.. P ölen ist schwach und w.rd eine schwere Eristenz zu führen haben. Wir wollen den Frieden und wir werden * eine Politik des Friedens treiben gegenüber allen : Oesterreich. Deutschland, den Magyaren «Ud Polen. Wir werden zwar aut alles vorbereitet sein, aber M'ere Losung muß sein : Friede. Unser Problem muß ein Problem Eprop.rs ünv der Welt fern. Wrnn jemand gegen uns sein sollte, so müßte für «ns dre ganze Welt sich m Bcw-gung retzen. Wir müssen unsere Politik so führen, daß auch Rußland mit uns eine slawrsche Polrtik machen wird. Das alle Rußland wölbe w Deutschland und wir wissen nicht, w e das neue Deutschland kern wird. Dre frühe« en Bestrebungen einer Annäherung Mischen Öcitcirctäj und Rußland bedeuteten in Wahrheit eine Annähei ung zwischen Rußland und Deuisch'and. Wir müssen eine solche Polrtik machen, daß das neue Rußland des neuen Regimes mit »ys eme Politik des Friedens macht. Irkutsk von den Tschecho-Slowaken erobert. >- Berlin, 7. Februar. Der „Lokalanzeiger" meldet ans Tokio, daß G.ncral Srmenow mit den tschecho-slowakischen Truppen I.r k u t s k erobert habe. 1' ■ ' i mmmmmmmm n —— ———11 ■.»■■i» Als Ob. Bon Dr. ^arrl Inland. Dr. Nenn-r fährt nach Budapest? Budapest, 7 Frbrnar. lTel.-Komp.) Das Organ der christlich-nationalen Vereiniguna „Ui Nemzeti" veiö'fcnrlicht einen Artibss, wor n es unter dem H>nw"is aus die rnssenß eündlrchen AuZsüh'Ungcn K.aniarsch's und Bmesch's Renners slammsreund-- lkche Polrtrk, hnupstächl ch sein DeZuterestement beirrsss der DeiltschbölMen, vom ungarsschen S ank punkte-bekämpft. Ungarn labe, führt das Blatt aus, nnt Oesterreich daS geme nsam,. Inter esse, die Nor d- und Sütslamen ausein inder znhalten. Renner habe das n cht erkannt. Aber das Gerücht über seine Budapestcr Resse sche ue zu zeigen, daß er rn der Ensresiung Ungarns dennoch „meuchelt n, scheine. (We w r erfahren, ist an maßgebender Stelle nichts davon bekannt, daß der Sramskanzler nach Budapest reisen wird. Die Red.) Brla Knn in Stvckrrau. Die wir euabierr, ist Bela K u n gestein von Karlstrin in das Bez rkskcankmh.rus zu S l o ck e r a u^übcrsührt worden. Die tschechischen Depots in Wien. Wre wir erfahren. wi'd die Nefl'errrngsvcrordnnng über die Freigabe der tschechischen Depots in Wren noch in dicier Woche erfolgen. __ Die Staatsan^efteM-n g?g-n den Staatssekretär für Finanzen Dr. Reisch. Dre in der Genetalarwnlschaflskomm>ssion verssniatett S'aatsangestelltenv"rbände babm m erner gemeaikamm Srtzuna zur letzten N>'de des Ctaatssek-etr'vs der Finanzen Dr N e i s ch. insbesondeis aber g'gen den Prssus m derselben, rn welchem er die Beobachtung cmer „Härle,enHand" gegeniibei dm Forderungen der Staatsangestellkcn für de Unknnst ve«kündigte. Stellung genommen und als Ergebnis derselben dem Staatskanzl^r und dem StaatSsekietär kür Finanzen eineinstimmig angenornmene Entschlleßrrng nbeiM'.ttelt,. in w lcher sie der tiefsten Enirüstung der Srartsangrstellien über diese Äeußerung dcs-Dr. Ressch Ausdruck geben Sie verweisen auk d'e unhe'snolle Wirkung e'ner von vorneherein ablebnenden Haltung der R-g e ung den Lohnfordeumgen der Slaatsangest'llien gegenüber, auf die gegenwärtigen Beihg"dlungen m der Lohukornnuision, die auk diese Wesse ergobn Zlos v.rlmssen müßt n. U'-bnrrt der Äeußeruna des Staatssekretärs der Finrn-en w'iden ste den Kampf auch mi' den schärfsten Mitteln sort'rtzen und bringen der Regierung endlich zur K-nntN'S. daß bi der in den Slaats.ingcsteütenkrcisen vorherrschenden Stimmung jede dciartige A-nßerung eines R-g erungsm tgUcdes in Hinkunft ohne Rnclstcht am die daraus ent'piingenden Folgen e'nen sowrssgen Demonstratronsstrerk anslö'en müßte. Ste fordern daher eine sofortige Erklärung der Regierung. SOEBEN ERSCHIENEN ' Kr.. 5. dfer u fy AUS IS EM INMAILT i Der Schwerpunkt des jüdischen Lebens. — Die Auswanderung nach Palästina und die jüdischen Massen. — Die Tätigkeit der jüdischen Delegation bei der Friedenskonferenz. — Freie jüdische Volksbühne; — Eine internationale Emigrations* konferenz. — Zionistische Bewegung etc. Preis der Nummer K I —. In allen Trafiken, Buchhandlung R. Löwit, I., Rotentunn- I strasse 22, und in der Administration der „Jüdischen Zeitung“, II., Taborstrasse 1—3. üis jugendlichen Denkers ist heute der Pfad, den wir vielleicht alle einschlagen müssen, um. das Chaos zu überwinden, das uns umgibt. Auf dem Pergamentrücken eines dicken Buches ist zwischen verschlungenen Goldleisten der seltsame Titel zu lesen: Die Philosophie des Als Ob. Vielleicht durch den Gold- und Elfenbeinton und den Gleichklang mit Nabob verführt, hat. ein Bibliothekar, der das Werk einzureihen.hatte, sich erkundigt, ob darin von einem indischen Denker die Rede. sei. Sv kann man vor lauter Gelehrsamkeit zwei schlichte Alltagswörtchen verkennen, blotz weil sie einmal als Hauptpersonen im Festkleid großer Goldbuchstaben auftreienl '. Die Philosophie des Als Ob — wie suggestiv das klingt! So mancher glaubt schon, ohne Erläuterung zu verstehen, wo das hinaus will; besonders Heimkehrern liegen da gewisse „Kurzschlüsse" nahe; e§ stellen sich altösterreichische Militärerinnerungen ein: Gelen ksübungen im Morgendämrner, wo 'märr in der letzten Reihe die tiefe Kniebeuge. Markierte ^als ob" — Nachmittagsbeschäftigung im Hochsommer, "viel Wachdienst und manche Patrouille an der Frün't „als ob", d'azu jetzt ringsum verdrossene Nachkriegsarbcit, ein' mattes „Hurwerkeln" als ob . . . sollte ein ironischer Denker 'diese grötcSk-beklcmwenden Eindrücke zu einem frivolen Weltbilde zu^immengeschaut haben? Weit gefehlt. Der Verfasser des Buches,'der tüchtige Känrforscher HanS Vaihinger, denkt nicht im entferntesten daran, die blutleere Schlappheit unserer Zeit philosophisch verklären zu wollen. Schon die äußeren Umstände der Entstehung und Herausgabe dieses Werkes verraten einen langen Atem des Wollen- und VollbringenS, der mit der Hast unserer Tage nichts gemein hat. DaS Buch ist ein Jugend« töcrk deS Antorö; es entstand in den Srcbzigcrjahren. aber eist fi'mfmrddrcißig Jahre später wurde es in Druck gelegt: .Seine Zeit war gekommen, der verwegene Klettersteig eines Unter Schuttbergen und zwischen zerrissenen Futtda» menten 'gilt cs neuen Baugrund zu gewinnen, wenn die Welt endlich wieder leben soll. Aber kennt man auch nur die Zählder Trümmerfelder, die aufzuräumen sind? Wie harmlos schmal begrenzt sind die am Triester Karst und in Nord, frankreichl Denn zu Millionen' und Millionen tragen wir alle tiefer zerwühlte Welten in uns; unser 'Denken ist zer« trommelt, unser Gefühl von Gift und Feuer verzehrt, jedes Gewohnheitsurterl. mit stählernen Keulen zerstampft, unsere Begriffe oft zu trügerischen Trümmerwällen aufgebäumt, die- Neubauten Vortäuschen. Das-schrecklichste, das Nutzer uns geschah, ist ja die ganze Zeit auch in uns, im verläßlichen Stoffe des Geistes geschehen: Die fruchtbare Flur lag brach, allem Un-/ .'kraut frei, Stachcldrähte, Schützengräben zerrissen di.e sanft zum 1 Horizont geschwungene Linie, tückische Wolfsgruben^ feige Fuchslöcher wühlten sich tief in den Grund, der lan^e Feuerhagel verwischte tausendjährige Wege, zerschlug Menschenwohnungen und schöne Wohnungen der Seele; die letzte Feldmark versank im schwarzen, Grundwaffer eines, Niesentrichters. Und dieser erbarmungslosen Zertrümmerung ererbter Geisteswelt hat noch kern Waffenstillstand, kein Friedensschluss Einhalt geboten; furchtbare Minen sprangen gerade in dieser Nachkricgszcrt auf und fast jede Stunde horchen wir, qb wir nicht aus tieferen Stollen bedrohliches Pochen vernehmen. Dieser innere Umsturz ist eine so unausweichliche, so allgemeine Folge des Geschehenen, dass heute förmlich das Geheimnis zurückgedrängt ist, das sonst die Eiuzelseele umgibt. Was immer der geistige Gehalt und die innere Kraftordrrrmg beliebiger Menschen war, deren unsteten Blick wir jetzt im Strassengewühl aufkangen: wir wissen bestimmt. 8 Fevruar 1920 Sette S Telegramme. Der AusNeferungskonfllkt. Paris, 7. Februar. (Havas.l Dis Botschrstcrkon'ercnz hak in bfr heute rm'er b?m Box'itze Millerands abgehaltenen Sitzung em nüssg bcs bloss n, daß d e Liste der Schuldige« e h e b a l d i g st tnm fiarrwst'chen Gsschäflsträger dem deutschen N e > ch s k a n z l 11 namens der verbündeten Mächte übe« reicht werde. Der T?x1 der Note festgestcllt. Harls» 7. Feb uar. Hovas. Die Botschasterkonserenz hat den Text der Be^leitno:e zur Auslreserungsliste festgestellt. D'e Eutente gibt nach. Paris» 7. Febrrnr. Dem „Journal" infolge nähert sich die B'glcilnole zur Auslieftrrmgsliste zremlrch jener, dre von der Botschafter konferenz. am Dienstag vorbereitet wurde. Sre berücksichtigt jedoch den vom deutschen Minister deS Auswärtigen beim französischen Geschäftsträger, u n t e r n o m m e n e u S ch r r t t. Die Note noch nicht in Berlin. Berlin, 7. Februar. Wie die „Vossische Zeitung" meldet, sei die Bcgleitnote dec Entente zur Auslie'erungSlrste in Berlin noch nicht eingegangen. Der Zeiipunkt des E ntreffenS könne noch n'cht mit Bestimmtheit angegeben werden. Möglich sei, daß die Note zugleich mir der Antwort der allil"rten u rd assoznerten Re» gierungen auf die deutsche Vorstellung vom 25. Jäuner überreicht, werden soll. Die Liste noch nicht definitiv. Berlin, 7. Februar. Das „8-Uhr-Abendblatt" meldet aus B rsel: E.ne Rruter-Tepesche vom Donnerstag bezeichnet die an Demsssiland gelangte Ausl e^ernngsliste nur als eine vorläusige» Die Ansl.eserungsforderung sei damit noch mcht vollständig be* sprochen. ( Das Parlament soll die Ausliefernngsfrags^ lösen. Berlin» 7. Februar. Dre Rcichsregierung hatte HE eingehende Besprechungen mit den Fraktionsvorständen der Nationalversammlung. Es wurde festgrstellt, daß die Frage der Auslieferung nur unter Mi Wirkung des Parlaments gelöst weiden solle. Die Einberufung werde unvermglrch erfolgen, sobald de zur Klärung der Angelegenheit notwendige» Unterlage vorlrcgcn. ^' Auer will sich stellen. Berlin, 7. Februar. Der „Vorwärts^ meldet aus M ü n ch e n : Der frühere bayerische Minister Auer, der noch :n.Obersdorf der vollständigen Genesung von seiner schweren Verletzung cnlgegcnsicht, hat aut die Nachricht, daß sich auch sein Name aus der A u s l i e f e r u n g s l i st e besinde» erklärt, er werde sich f r e r w i l l r g stell e n, sobald sein Geiundherts» rustand dies erlaube. Die Ürs rche der gegen ihn erhobenen Beschuldigung ser ihm unbekannt. Abgesehen von ferner Schuldlosigkeit stelle er sich schon deshalb, damit Volk und Negierung vor neuen Schwierigkeiten bewahrt und dre gegen ihn erhobenen Vorwürfe aufgeklärt werden. Forderung nach Ernberufung der Nationalversammlung.! Berlin, 7. Februar. Der „Abend" meldet: Die in Berlin anwesenden Mitgl eder der denlschnationalen Fraktion de rNalional-- versammlung beschlossen einstimmig, aus Anlaß des Auslieserungsbegehiens die Etnberusung der Nationalversammlung zu fordern. Englische Blatter über die Auslieferungsfrage» Paris» 7. Februar. Zur gestrigen Botschasterkonfercnz vecöffenllicht der „Matin" em Telegramm der „Times", worin gesaat wird, es habe den Anschein, drß der P> emi-'rminrster unter ihre innere Ordnung ist gestört, ihr geistiger Inhalt ent« wertet, mit formlosen Trümmern verschüttet — unb an diesen millionenfachen inneren Schuttmauern läuft sich der Wille zu frischem Beginn und neuem Schaffen seit einem; Jahre totmüde. i , Und doch wäre dieser Zustand zerbrochener Gedanken, gestürzter Idole an sich noch kein Uebel, sondern vielmehr eine Vorbedingung zu wertvollster Tat. Es ist ja kein schöpferischer Mensch, der nicht auf seinem Arbeitsfelde erst rücksichtslos, mit aller Kraft, die Schranken der Ueberlieferung sprengen mußte, um seinen eigenen Weg zu finden, wäre das 'auch nur ein neuer Handgriff oder eine neue kauf« männische Beziehung. So ist die innere Anarchie, die uns quält, eigentlich ein Zuviel hes Guten. Es bedrängen uns weniger die Rätsel, das Unbegreifliche der stürmisch fließen- - den Gegenwart, als gerade ihr Zuvkel an Licht, Masse« seltsamer Kriegserfahrung, unverlangte Erkenntnis so verwickelter Dinge wie Politik, Volkswirtschaft und nationale DesenSzüge über die ganze Erde hin. Durch einen mit Donnertamtam inszenierten ' Anschauungsunterricht, durch hundertfaches Zerlegen der Maschirrerien vor unseren überdrüssigen Blicken, durch ihr ungeschicktes Wiederzufammen« setzen in jeder Kombination aller Teile, weiß heute der Einfältigste mehr von Staat, Volkstum, Gesellschafts- und Wirtschaftsmächten, als je die verwegenste Friedenstheorie der berufenen Fachleute geahnt hat. Aber der teuer bezahlten Wissenschaft werden wir nicht froh; wie der Pariser nt seiner überschwemmten Stadt die Zeit herbeisehnt, wo man sich nicht mehr für den Pegel der Seine interessierl und den Fluß kaum mehr sieht,' so sehnen wir uns auch! schon darnach, bom Tageskurs der Krone nichts nrehr zu ' hören, das Selbstverständliche selbstverständlich zu nehmen und keine Wurrder mehr daran zu erleben. Wie man den 1 Trug der Farben entdecken mutz, wenn sich plötzlich all