Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 375 (7.2.1920)
- Date
- 1920-02-07
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Wien,^amstag^ Mener MorgenzeKung Kjfimärmr 9bt> S75 VolfchewMfcher Frontbericht. > Mvshau, 6. Februar. (Funkspruch.) Bei Archangelsk Arrillenefeuer. An der Südfront, im Gebiet von Olgopol, wurde vierzig Werst südwestlich von dieser Stadt der Fluß Stobovka erreicht. Im Gebiet von WosneschenSk nähern sich die Rottruvpen B o l s ch o i - B üj a l i k. Im Gebiet von N i k o l a j e w wurde das 75. Simferopolregiment gefangen. An der Ostfront wurde Tulunowskaja, 95 Werst östlich von Rlschrii- ^jnsk erreicht. Das Tefcheuer Plebiszit. v Krakau, 5. Februar. (Privat.) In der ersten Konferenz pruschen den Mitgliedern der Ententekommission für Teschen sowie dem Vertreter der polnischen Regierung, Abgeordneten Famoyski,. und dem Vertreter der tschechrschen Regierung, Matousch, wurde folgendes Programm festgesetzt: Die fr an» z 8 s i s ch e n Truppen, die gestern eingetroffen sind, besetzen zuerst Oderberg, dann Mährisch-Ostrau, Karmin, Freistadt and zuletzt Teschen selbst. Die italienische» Truppen werden Jablunkau, Skotschau, Bielih und wahrscheinlich auch sie 5^omitate Zips und Artva besetzen. Die polnischen kruppen-werden' das Abstimmungsgebiet bis hinter den Fluß Kiala, die tschechischen Truppen bis hinter die Ostrawica räumen. Oberschlesien wird nach der Räumung durch die tschechischen und polnischen Truppen ein einheitliches Vervaltungsgebiet bilden. Die Zollgrenze und die mili» sä rische Linre ander Olsa wird aufgehoben. Die Warcncinfuhr in das Gebiet des Herzogtums Leschen ist frei. Für die Warenausfuhr aus Schlesien läuft die Zollgrenze polnischerserts längs der kiala, tschechischerseits längs der Oswawica. Die Rada Karodowa verliert ihr Verwaltungsrecht. Bei der Ententekommission werden polnische" und tschechische Präfekten Amtieren. Die polnische und'tschechische Währung behält den gesetzlichen Kurs rn denselben Gebieten, in welchen sie bisher km Umlauf war. Die interalliierte Plebiszitkommission in keschen ernannte zum tschechischen Präfekten den'Doktor Kichalek, zum polnischen, den Rat Zurawski. Diese ßräfekten sind die Exekutivorgane der interalliierten Kommis sion. Me Landes- und Bezirksbehorden sind dem PräjeAen untergeordnet. 4 Prag, 6. Februar. Dem ,Ceske Slovo" wird aus Awpvan gemeldet,- daß der Vorsitzende der Plebiszitkommission« De Manncville, Pressevertretern erklärt habe, daß das Plebiszit h Teschen und Oberschlestcn bestimmt am 4. März durchgeführt werden wird. Zusammenstöße mit den französischen Befstzungstrnppen im preußisch-polnischen Abstimmungsgebiet. Dreslsn, 6. Februar. Schlesische Zeitungen melden aus M1 eiwitz, daß es nach dem Einzüge der f r anzv s isch rn v e s atz u n gstrnpven infolge des herausfordernden Benehmens der polnischen Führer zu schweren Zusammenstößengekommen sei. Eine gewaltige Erregung giug durch die Bürgerschaft. Die Ausschreitungen gegen die Besetzung führten zu Krawallen, in deren Verlauf ein fr a wz ösi, scher General durch S t e r n w L r f e im Gesichte verletzt wurde. Viele französische Offiziere wurden tätlich au- Die Prager Verhandlungen. Prag, 6. Februar. Die heutigen Beratungen in den ^ubkvmmissionLN haben in den wesentlichen Punkten zu xiner bedeutenden Einigung geführt und man darf anjrehmsn, daß die Verhandlungen in den nächsten Tagen pr einem befriedigenden Abschluß gelangen werden, ttebereinftimmung wurde erstell hinsichtlich der Lie feku»g von Sa ch dem ob ilisierun gs g ütern, Magnesit, Siahluohei'en, Eisenerzen, Ferrofilicium und Salpetersäure, von Harzen und Gerbrinden sowie von Pvft- und Telegraphenmaterial. Es bleiben nur noch jvenige' Fragen offen, deren Bereinigung in den morzigen Besprechungen zu erwarten. ist. I Handelsminister Dr. Heioler und Gemahlirr gaben jka'chncittags einen Tee, zu dem die beiderseitigen Ber-- ^andlungsteilnehmer und der österreichische Geschäftsträger. mit den Herren der Gesandtschaft eingeladen ivaren. , Tschechische Nationalversammlung. r "Prag, 6. Februar. (Privat.) In der gestrigen Sitzung der Nationalversammlung wurde beschlossen, 300 Millionen Kronen Kr die Errichtung von Monumentalbauten, wie Parlament, Zentralämter, Hochschulen, Nationaloper, Kunstprlerie rrsw. g« verwenden. Ferner wmde die A d v o k a r e n- Ordnung den neuen Verhältnissen entsprechend dahin abgeschdert, daß Advokaten nach der Slowakei übersiedeln können. — ■ |a der nächsten Woche werden die Verfassuugsvorlagrn ver- KQndelt werden. Die Gaueiuteiluug in der Tschecho-Slowakei. ■ Prag, 6. Februar. Das „Prager Tagblatt" meldet: ^ie seit längerer Zeit beim Minister Soehla geführten Verhandlungen haben gestern im Wege eines Kvrn>- promisses bezüglich der Gaueinteilung, zu einer Einigung geführt. Darnach werden in Böhmen acht Gaue, and.zwar fünf mit dem Sitze in. einer tschechischen und drei mit dem Sitze in einer deutschen Stadt errich bet werden. Die drei letzteren werden ihren Aitz in Karlsbad, Reichenberg und Teplitz oder Vöhmisch-Leipa haben. Prag wird einen eigenen Gau bilde». Das betreffende Gesetz wird im Lauft der pächste» Woche der Nationalversammlung vorgelegt werden und ohne Debatte zur Annahme gelangen. Nach Annahme . des Gesetzes werden die Landes- und Bezirksbeamten auf Grund des Gesetzes in den Staatsdienst Wunvmmen werden. Tagesbericht. Eine Krone -- 1.75 Centimes. Gestern stellte sich in Zürich die österreichische Krone auf . . ............ 1.75 die tschechische Krone auf 5.60 die aus »»»»..»..».»«.»«... 6^5 Der Zehn-MiMonen-DoKarfonds der amerikanische» Zionisten. Bekanntlich haben die arnerikanischen Zionisten beschlossen, in kurzer Zeit, einen Palästina-Aufbausonds in der Höhe von 10 Millionen Dollar anszirbringen. Bei einem zur Propaganda für diesen Fonds veranstalteten Bankett wurdenstlOO.OOO Dollar gezeichnet. Interessant ist, daß die.zionistische Organisation einen Lunch für 141 protestantische Geistliche gab, welche die Etablierung eines jüdischen - nationalen Heimes in Palästina begrüßte» und in der Zehn-Millwnen-Kamp^gne Mitzuhelftn versprachen. , Aufhebung der Kürzung des StrombezugeS für Gewerbe und Zndnftrie. Zufolge Verfügung des Siaatsamtes für Handel und Gekverbe wird die angcorduete halbtägige Entnahme von Kraft ström für gerverüliche und industrielle Zwecke ab Montag den 9. d. M. aufgehoben. Die Entnahme von elektrischer Kraft durch die Betriebe kann somit wieder in normaler Weift erfolgen, wobei selbstverständlich laut Vvllzugsanweisung der Landesregierung vom Oktober 1919 der Gesamtverbrauch an elestirischer Energie 75 Prozent des Verbrauches im September 1919 nicht überschreiten darf. Die Dollarpakete. Das amerikanische Hilfskomitee hat gestern in allen Straßen Plakate in den amerikanischen Farben affichieren lassen, welche auf die kürzlich bekanntgegebene Möglichkeit der Sendung v-pn Lebensmittelpaketen aus Amerika Hinweisen. Diese Aufrufe hatten einen starken Andrang des Publikums beider Geschäftsstelle des Hilfskomitees (Parkring 8) zur Folge, um dort die frankierten Karten zu beheben, die an Verwandte oder Bekannte in Amerika zu. senden sind. In New-Avrk dürfte ein solches kleines Paket mit 10, ein großes, mit 25 Dollar bezahlt werden. Die des russischen Goldschatzes. „Wjestnik Finansvtst", djts Organ des Finanzministeriums der verflossenen sibirischen Regierung Koltschaks, welches in Omsk erschien, ehe die Bolschewiken die Stadt nahmen, hat . in einer seiner letzten Nummern einen interessanten Tlrtikel über die Wanderungen des Goldes aus dem r u s s i s ch e n S t a <r t ss ch a tz veröffentlicht: Als die Bolschewiken sich im Besitz der neuerworbenen Macht »och nicht ganz sicher fühlten, begannen sie allmählich größere Mengen Gold und Silber aus'Petersburg nach dem Wolgagebiete, vor allem nach Kasan zu bringen, wo diese Summen in den Banken deponiert wurden. Außerdem legte die bolschewikische Regierung die in verschiedenen Banken befindlichen rumänischen Goldguthaben unter Sperre.Da Eingesendet. Elfrieds Leitaer Isidor Bemann Verlobte. Wien, im Februar 1920. unserer Schwester Rosa mit Herrn Ch&im Berger aiu Kamionia-Struniiiowa gratulieren hcrzlichst «* Samuel und Jsak Halpern nad «xoadev aas dies*« Anlass« K 50.— Kt die Adolf Stand-StiOanf. f _jr DMWWoMEpknopkkn Brillanten, Platin.Münzen. Perlen Uhren, falsche Zähne, alle S!Ibergeigenstände verkaufen Sie am besten direkt dem Juwelier and Goldarbeiter 8. Holzapfel Wien, VI., MariahiUerstrasse 79 oder Werkstatte: 1, Wollzelle 17/13. Zahlt hS ahnte, Freia«, 6a Ihr elg«a«Ye7at1>ettaa| ihr jedoch das Gold in den Battbett nicht genügend sichre schien, ließ sie in Kasan zehn betonierte, mit Stahlpanzern verkleidete Keller erbauen, in welchen das Gold hinterlegt wurde. Ms die antibolschewikischen Truppen Samara eroberten, wurde es unmöglich, das in Moskau noch befindliche Gold nach Kasan zu überführen. Es gelang aber, die Goldvorräte aus anderen Städten nach Kasan zu bringen. Insgesamt wurden in den 5dasaner Banken und Saftkellern Gold und anderes Edelmetall im Werte von 500 Millionen Rubel, außerdem Kassetten mit goldenen und sill>ernen Medaillen und Wertpapieren im Werte von 138 Millionen Rubel angesammelt. Nach der Eroberung Sibiriens durch die Tschecho- Slvtvaken befahl Lenin dem Bankkommissär Schapofft den Goldschatz aus Kasan in Sicherheit zu bringen. Damals würden große Vorbereitungen getroffen, daS Gold, auf der Wolga nach N i s ch n i j - N o w g o r o d zu überführen.' Es wurde auch wirklich aus Schiffen wylgaaufwärts transportiert, als die antibolschewikischen Truppen sich Kasan näherten. Doch die Weiße Garde marschierte so schnell, daß es den bolschewikische» Kommissären nur gelang, auf Schisftn 100 Kassetten mit GoK»/ im Werte von 8 Millionen Rubeln und Werbpapiere im Werte von 93 , Millionen Rubeln nach! Wjatka in Sicherheit zu bringen, und als die Weißen Garden Kasan eroberten, fiel ihnen fast der ganze Goldschatz in die Hände. Er wurde nach Tscheljabinsk gebracht und später nach Omsk in Verwahrung der. sibirischen Regierung Koltschaks gegeben. Er bestand damals aus 631 Millionen in gemünztem Gold und 1 Mllion in Goldgegenständen, 75 Millionen in gemünztem und: ungemünztem Silber, 300 Millionen in Wertpapieren und 311 Kassetten mit Gold- und. Silberinhalt. Soweit der Bericht des ,-,Wjestnik Fmansow". Nunmehr soll der ganze Goldschatz nach der Niederlage Koltschaks wieder. den Bolschewiken in die Hände gefallen sein, wodurch die finanzielle Lage der Sowietregierung erheblich gestärkt würde. Nach einer Meldung aus Charbin sollen die Tschechen in der Koltfchak- Armee das Gold an sich genommen und es den Bolschewiken übergeben haben. , u - j ,: e Jüdische ScheebergSeten. In Angdlmenheit der Orgamsanon der jüdischen Schiebergartm findet eine Besprechung Samstag den 7. d. M. um 5 Uhr im Jüdischen Jugendheim.!k., Obere Donaustraße 91. statt. Anfrage« zu richten an Dr. E. M L l l t r, XVIII., Dittesgaffe 6. Suziale Hirfsgemeinscha-t. Morgen mn Vz7 Uhr abmdS findet eine Sitzung des Klubs der jüdrfchnatronalen ArmmrLle des «.Bezirkesm der Praterstraße 17statt. Reserenti» Frau Anitta M ü l l e r. ®. Palästina Sekttsm kw Jüdische« Medizi««» vereine». Am 31. Immer d. I. fand nn jüdischen Medizinervereine die konstituierende Versammlung der Paläflina-Scktio» des akademischen Vereines jüdischer Mediziner statt. Du Sestio» ist als Vorschule für die bereits bestehende Aerztegrnppe des Palastma-AmtrS zu betrachte«. Sie steht ans de« Bode« des Baseler Programms und arbeitet im innigsten Kontakt« mit der Aerztegrnppe» des Palästma-AmteS. Vorsitzende« wmde Medrzmer Chaim Hammer, zu« Sekretär Mediziner Iaksb Krattenstei« gewählt. * Die Kohlenfit»ati»«. Di« Bahnen find wieder e'rmnal sehr gefährdet, denn in de« letzte» Tage« sind bte Einläufe auS O b r r s ck l e s i e n bedmtend znrückgegange« und di« Berschlechterung der Zuschübe hat auch gestern angehalte«. Man hofft, daß vielleicht doch eine Besserung der »bmchlesische« Z»- schübe eintritt, so daß daS Amßerste: die »ruerlicke EinsteÜnng des Dahntzerkehres. vermieden werde» kan». AnS O st r a u ist vorgestem mehr Kohle angekommen. Aus Pole« ist nichts gekommen und auS B o h m e » nnc sehr wenig. Trotz der mißlichen Lage ist daS Staatsamt für de« Verkehr bemüht, den Per«». - sonenrngsverkehr m seinem derzeitigm beschränkt« Umfang anfr echtzuerhalten, nur richtet es entert dieAufforderu n g an. das r e i s e n d e P « d l i k n «, nnr die unbedingt nötigen Fahrten zu unternehme n. sonstmüßt eesneuerl ich z«r gänzlichen Betrrebs ei »stell» ng komme«. Auch die städtische« Unternehmungen leide« untec dem Mangel an oberschlesischer Kohle, doch ist man bemüht, derm Betrieb durch erhöhte Zuweisungen an polnischer und Braunloble ausrechtzuerhalte». , * Rockefellee fär Me vstjnde«. John Rockefelker hat sich an Oberst Ginsburg, den Leiter der Hilfsaktion für die Ostjuden, mit folgendem Brief gewandt: Obwohl wir annehmen, daß nur Geldsammlungen von Juden beabsichtigt sind, würden mein Vater und ich es uns zur Ehre anrechnen, wenn man auch uns gestatten würde, zugleich mit unseren jüdischen Mitbürgern zum Gelingen dieser Aktion beizutragen. Wenn also das geehrte Komitee nichts dagegen hat, erlauben wir uns, als Spende.75.00(1 Dollar (mein Vater 50.000 und ich 23.000) anzubieten. * Verkauf vom Papieegewebeu. Bon der Zentralstelle der Fürsorge im Rathaus gelangen rund 105.000 Quadratmeter Papiergewebe starker Qualität (alö Fußbodenbelag, Wandverkleidung usw. verwendbar) zum Verkauf. Schriftliche Anbote, mit welchem Interessenten bis inklusive 1. März im Worte zu bleiben hätten, sind unter Preisangabe bis längstens 20. Februar schriftlich bei der Zentralstelle der Fürsorge, 1. Bezirk, Neues Rathaus, Stiege 6, einzureichen, wo auch nähere Auskünfte erteilt werden. * Wiener Kinder ««ch Däne««rk. Der Zng^der am 6. d. M. von WtM'Nordwestbahnhof um H Uhr 90 Minuten abgehen sollte, wird hiermit aus den 12. Februar verschoben. Abfahrt um 2 Uhr 30 Mimtten nachmittags. * vVerfälle ans jüdische Reisende 1« Peken. Anläßlich der sich in letzter Zeit wieder häufenden' Veberfälle auf jüdische Bahnreisende wandte sich der Klub der jüdischen Abgeordneten an die Regierung mit der Bitte» energische Maßnahmen zum Schutze der jüdischen Passagiere zu treffen. Jnseiner Antwort erklärte der Kriegsminister, daß sich da» Mmsterium an das polnische Milrtärkommand» gewandt habe, damit diese» entsprechende' Verordnungen erlasse, die die Wiederholung solcher Äorfälle in Zukunft unmöglich machen. * Diebstahl in einem Hstel. AuS ihrem Zimmer in einem Hotel in der Innere« Stadt wurden am 8. d. M. der aus Hermmlnftadt zugereisten Frau Käthe Drottlefs eine Anzahl mit tzdelfteinen beietzter Nchdmustzeoytstände Wune echt dimtten