Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1920-02-06 · Heft 374 (6.2.1920) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 374 (6.2.1920)
Date
1920-02-06
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2979076-2979416-2979452--03302-2988916
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Heike 6 Wien, Freitag \ik „Stimme" (Herr Heß hatte diese undankbare AufgaLZ, gegen die Semael (Raoul Lange) immerhin, mitunter starke Töne fand, in seinem pathetisch-trotzigen Ansturm. Das Publikum verhielt sich reserviert; erst die Gerichtsverhandlung weckte' Beifall, in den sich vereinzeltes Zischen mischte; der Beifall blieb Gregor und Arnold Zweig durfte danken. Zum Schluß erntete er und Deutsch den unwidersprochenen Applaus der kleinen Schar, die Enthusiasmus genug besaß, um auszuharren, während die Majorität — 'um halb 4 Nhr — zum Mittagessen eilte. N. W. Konzerte. Das au Richard Mayrs Konzertgesang erfreut, die ungemein« Wärrne des Gemüts, di« Ehrlichkeit und Unge- Zloungenheir des Vortrages läßt manches vergessen, was man, an der technischen Detailarbeit auSzufetzen hatte. Die väterlüh gütige Stimme erfüllt den Saal mit dem Timbre männlicher Kraft, nrit den gewaltigen Klängen eine- ,achten" Lasses. Dieses Phänomen läßtman gerneauf sich wirken und deshalb gibt es immer wieder volle Säle, wenn Richard Mayrs Name von den Litfaßsäulen winkt. Sein letztes Programm brachte Marschnerlieder, die mit Unrecht zu den vergessenen gehören, nebst einer Auslese ans Schumann, Schubert, Wolf und Löwe. Professor Falls erlesene Kunst des Begleitens verdiente ähnlichen Beifall, wie er dem geseierten Sänger zuteil wurde. Frau Jost-Grun dmann gab einen Liederabend, der die reife Technik dieser Sängerin inS beste Licht stellte. Me Stimme spricht wohl, besonders in der Tiefe, nicht Ehr nach Wunsch an, aber die Entfaltung der Höh« und die Art der Deklamation verraten nicht gewöhnliche Kultur. 0t. Ernst Bachrich, einer der Besten unter den jungen Begleitern, assistierte mit reich individualisiertem Vortrag »m Klavier. Unter zehn Violinkonzerten werden jetzt mindestens acht von Virtuosen weiblichen Geschlechtes bestritten, darunter keine über achtzehn Jahre zählt. Was die eigentümlich« Affinität der weiblichen Psyche zu diesem Instrument bewirken mag, ist nicht leicht festzustellen. Mit dem ästhetischen Eindruck einer geigenden Mädchengestalt kann man sich aber ohne- «iterS zufrieden' geben und diese Erscheinung trägt nicht sxntg zvm crfolgrethen Ve lauf d«. Mehrzahl dieser Abende bei. Kommt dazu, wie im Falke Grete L ö w, volles künstlerisch«- Gelingen, so ist die Begeisterungdes Publikums nicht unangebracht. Die begabte junge Künstlerin, die schon in vnem Konzerte Piccavers durch ihr KSynen ausfiel, spielte sntwr anderem das nicht gerade für Mädchenhänd« komponierte kschaykovskikonzert. Aber sie bezwang es mit rhythmischer Verve und temperamentvollem Strich so gut als nur irgendein männlicher Rivale. Ihre technische Vollkommenheit erwies sie dann noch an Sarasates Earmenphantasie und bestärkte damit den Eindruck, einer ganz besonderen Birtuosenbegabung begegnet zu sein. Einen Geiger von besten Musikergualitäten lernte man in Herrn Emanuel Scharfberg kennen. Wir hörten ihn die H-Mollsonate von Bach mit edlem, reinem Ton Vorträgen und die schwierigen Solostellen der Eorelli-Löonardschen NariattonS färieuse» mit vollendeter Technik bewältigen. Man würde diesen Geiger gern« an der Spitze einer Kammermnfikvereintgnng wirken sehen. Dahin scheint wenigstens seine gründliche Musikalität zu zielen. . Eduard Steuer mann, der durch seine Tätigkeit im Schönbergverein das Stigma der Modernität erworben hat^ beschränkte sich kn seinem Konzepte auf den Vortrag älterer Klaviermusik. Auch dieser Gattung, es handelte sich um Brahms, Beethoven, Chopin und Liszt, kam sein klares, fast pedanttsch-genaues, von jedem Rubato und von überjtüssigem Pedalgebrauch absehendes Spiel zugute. Besonders die Händel-Bariattonen kainen in durchsichtigster Reinheit und AaMgkett zu Gehör. Stimmung-loser geriet Chopin, dem mit kühler Logik nicht beizckkommen ist. Mit diesem Abend Mb ' Steuermann sein Akkreditiv als vollwertiger Pianist oft. Er wird uns Nächstens ruhig wieder modern kommen u , ____ D.r. ft . M. Aus de« Theatee». Im Burgtheater grlangt morgen ,Di t Reffe i»dreM8dche«zeit" zur Ausführung. Begum V,6 Nhr. _ . In der Oper wird «Die Boheme* gegeben. Beginn ',,6 Uhr. _ JmWieuerStadttheater sind für die hentigr Vorstellung des Lustspiels «Der große Künstler* von Arnold Bennett mu Hansi N i e ft und Josef Jarno in drn Hauptrollen sämtliche Logen und der größte Teil der Sitze bereits vergriffe«. Die nächsten Aufführungen diese-Stückes finde» SamStag »nd Sonntag abends statt. Am Wiener Komödien hause gelangt morgen SamStag nochmals «Dre gefesselte Phantast?* zur Aufführung % Am lS. d. M. findet im großen MuffkocremSfaale da- Konzert der jugendlichen Geigerm Franzr P a s ch k a unter Mtt- Wirkung deS Symphonie-Orchesters (Dirigent Arnold Rösch statt. Freie jüdische V o l k chb ü h n e. Morgen wirb im Wiener Gürgrrtheater um */*8 Uhr ngchmiitagS zum zweitenmal «D e r S r r m e r", Drama in vier Akten von A. Welte r, yufgeführt. Dre Lohnkampf der T^aterangestellten. Der LoMampf der Theaterleute, die wre^alle Firbesoldeiru durch die wahnstnmge Teuerung aus daschwerste getroffen find, ist in da- Stadmm der Erniauugsverhandlu» gen getreten, wobei der Landeshauptmann Sever den Bermitner spielt. Dre Lande-steuer und die Lustbarkeitssteuer soll entsprechend herabgesetzt werden. In dm Beratungen wurde ein aenuffer Fortschritt erzirlt. Drrekiormvetband, Bühnenverem und Ttzcalenat hatien Sitzungen um die Grund' lägen iür einen Au-gte ch der Gegenfäve zu schaffen. Btt den Drrektoren herrscht bloß Grritlglheu zu Gagentthöhnngm der Be* Men dis K 8000 und auch hier nur im Ausmaße von 88 Prozent. Dann soll eine Unterscheidung Mtichep OvttttturtlrMer «ud «macht «erde«. Wiener Morgenzettung Sport. D^r Weg ins Freie. Der Winter hat seinen Höhepunkt überschritten. Eine schönere FahreSzeit bricht an und allerorts regt sich neue- »Leben. Nur in unseren Reihen bleibt es beim alten. Abgesehen von der organisierten, nationalen Sport- und Turngemeinde, die ja leider vorläufig nur einen Bruchteil unserer Jugend repräsenttert, steht die breite Masse unseres Volkes allen sportlichen Bestrebungen gleichgültig, vielfach sogar feindlich , gegenüber. Eine Apathie, über die auch die Erfolgen wie zum Beispiel der moralisch seht wertvolle Sieg der Hakoah in der abgelaufenen Metsterschaftsaison, nicht hinwegtauschen k-nnen. Und deshalb heißt ealle Kräfte anspannen, um dieser, den Bestand unseres Volkes geradezu bedrohenden Lethargie Herr zu werden. Die Ursache dieses traurige» Umstandes ist vor allem darin zu suchen, daß der intellektuell besonders begabte Jude jede körperliche Betätigung mit scheelen Augen al» etwa- Degradierendes und Kindisches betrachtet. Während bei allen anderen Völker« die Akademiker führend im Sporte sind, stehen die Unserigen untätig abseits. Der Unterschied ist eben der, daß jene schon lange die Notwendigkeit erkannt haben, nicht nur dem Geist, sondern auch hem Körper die bestmögliche Ausbildung zuteil werden zu lassen, gemäß dem alten Wahrwort: .Nur in einem gesunden Körper wohnt ein.gesunder Verstand.* Anders bei uns. Man betrachte nur diese gekrümmten, bleichwangigen Gestalten, als welche sich ein Großteil unserer studierende Jugend repräsentiert. Geistig den Andernationalen mindest gleich und doch von einem Gefühl der Inferiorität, als Folge der körperlichen Unterlegenheit, eingeschüchtert und zaghaft gemacht. Und daS ist die Auslese unseres Volkes, berufen, dessen künftiger Schicksal entscheidend mitzubestimmen. Aber auch in allen anderen. Kreisen ist eS nicht besser. Ueberall dieselbe Gleichgültigkeit, gepaart mit krassem Unverständnis. »Nur in der eigenen Kraft ruht da» Schicksal jeder Nationi* rief Moltke im deutschen Reichstag au- Tine Mahnung, die -auch für uns volle Geltung hat. Wir schwachen die unsere, wenn wir sie nur einseitig ausbilden. Andererseits haben wir die Möglichkeit, fie auf ein Höchstmaß zu bringen, wenn wir-unendlich von allen ebenso veralterten wie lächerlichen Vorurteilen frei machen und. uns aufhören zu. schämen, daß wir außer dem, Kopf auch noch einen Körper haben, der im selben Matze wie jener seine Rechte verlangt. Geben wir sie ihm und wir werden bald ungehindert den Platz einnebmen. der un» vermöge unserer weltgeschichtlichen Sendung zukommt. Vermodert nicht kn eurer Studierstube oder sonstigen Arbeit-raumen und sucht die Erholung nicht ln der stickigen, raiuhigen Kaffeehausluft. Unterbrechet, wenn auch nur auf kurze Zeit, eure gewohnte Beschäftigung, wandert hinaus und gebet dem Körper .sein lang vorenthalteneS Recht." Er wird es euch doppelt lohnen. Und mit ihm euer Volk, dessen Weiterentwicklung ihr damit für olle künftigen Zeiten sichert. __ Paul Geiger. Amerikanischer Futzballfpvrt. DaS Fußballspiel ist in den Bereinigten Staaten in viel höherem Maße verbreitet als bei uns und wirb auch anders ausgeübt. Söll das amerikanische Fußballspiel schon als Schauspiel minderwertig im Vergleiche zu unserem Fußballspiel sein, so ist eS auch weit gefährlicher, obgleich im Jahre 1905 neue Vorschriften erlassen worden sind, die oahtn zielen sollten, beu vielen Unglücksfällen vorzubeugen. .In dem ersten Jahre der neuen 'Regeln stellte «irr amerikanischer Arzt folgende Liste von tödlichen Unfällen zusammen: 7 an Unterleibsverletzüngen, 5 an TchSdelbruch, S Gehirnerschütterung, 3 Beschädigung de- RÜMmarks mit Lähmung, L Gehirnblutungen/ 2 Rrppenbruch mit^erletzung des Herzens und je ein Bruch der Wirbelsäule. Im folgenden JalM 1906 soll die Zahl der Todesfälle lt, die der schweren Verletzungen 103 betragen haben. Im Jahre 1913 33 uitb 73 nebst 141 leichteren Verletzungen, für da- Jahr 1910' werden 19 Todesfälle und 400 Verletzungen vermerkt. Darnach wäre ein hygienischer Fortschritt in der Ausübung des amerikanischen Fußballspieles nicht zu verzeichnen. Daß nun die Ausübung Mefe5 Sportes für den kontinentalen Fußlwllfport nicht ermunternd wirktläßt sich denken. Denn nach solchen Bilanzberichten erheben sich immer die verbissenen Feind« des Sportes, um den Laien di« großen Gefahren des Fußballspieles auSzumalen; baß, bas bei uns betriebene Association mtt dem amerikanischen' Rugby gar nichts genrein hat, wird manchmal sogar wissentlich verschwiegen. Gin neue« AS<om»v-Sp«rtkl«d. Der Wiener Amateur-Sportverein, Hcc bisher nur eine Fußball«ekiio« besaß hat ei verstanden, einige andere Sportarten betreibende Vereins wie den Schwimmklub »Austria* und den Wiener Hockeyklub, züm Anschluß zu bewege». Dadurch wird der Amateur-Sportverein aufeine bedeutend breitere Basis gestellt. Bisher besaß Wien nur zwei große Allround-Sportklubs, den W. A. C. und die H a k v a h. Es wird sich teige», ob die A.m a i c u t e zum dritte» werde«. Futzb allschulen haben spekulative Köpfe in England eröffnet, die vielversprechcnde junge, physisch geeignete Leute als Fußballer technisch und takü'ch ausbilden uub sich dann auS ihren Engagements- und UebrrtragungSgrloern, Benestzien bezahlt machen. Hechawer. Heute, 6 Nhr. wichtige Sitzung der Fnßballfektionsleitung im Jndustriellencafs. Eine Wandersektton des Hechawer. Der I. Sp. L. Hechawer hat eine Dand'rfcktion inS Leben gerufen und mrt deren Leitung Herrn Leo T r n k a betraut. Der Sportklub Hakoah dürfte. om Sonntag mit folgender Mannschaft im Cupipiel gegen Simmering mmeten: Halvenr; Schmer, LcwituS: Motnar, Nußbaum,' Jubn; Katz. Häusler, GanSl. Grllnfeld, Trümer. Das Wettspiel findet um l/,3 Uhr nachm,Unas auf dem Prater Sportplatz statt. Vorher spielt der W. A. E. gegen Vorwärts gleichfalls ,m „Cup". Die Generalversammlung der Hakoah findet Samstag um 4 Uhr nachmittagim Cafe City, t. Werdertorgasse 8, statt. Gerichtssaal. Die unersetzliche Schwiegermutter. Ter Magisttt Karl N i m t s ch e l besitzt zwei Häuser und rin« Fabrik wrmt'i'chrr Arukel; er, ferne Gattin und feme Schwiegermutter, Frau Elise S ch a f f e r, die m der Fabrik brfchäftrgt ist, wohnen in seiner Vllla^t«&V*n* <5. Februar 1920 -ir. -74 ~ . I.^r».1 , IMliV .. —^ mayergasse 54; genau 5 Minuten davon entfernt, in der Schanz» siraße3S. befindet sich die Fabrik. In dieser hatdcr ÄpothrkkMssisteni und Magister Karl Webe r nne Wohnung gemietet. Nuntschck kündigte denv Weber die Wohnung, weil er sie dringeich selbst benötige. Seine Schwiege,mnner, führte rr in feilte Klage aus, .müsse nän'lich m der Fabrik wohnen, fie sei schwer lechend und dürfe laut ärzilichrn Auftrages nicht viel Bewkyuug mach«». Der Weg von der Ahnung in die Fabrik und «rewnr. trotzdem er nur 8 Minute» berrage, fei für sie zu viel. E§ srr ausgeschlossen, daß er aut die Dienste sein« Schwirgermutter ,a der Fabrik verzichte» könne. Sie sei Am nversetzkich und «n e n t b r h rl i ch. I« der Fübrck werde nämlich so tuet gestohlen, daß da» Unter» nehme« zugrunde gehen müßte, wmn nicht eine Bertrauenöperson die Üeberwachuyg deiorge. Nur eine Verwandte, ein Mitglied der Famff'e. vgne sich Ae»«. Fremde würden m i t st e h l e n »vd der Ruin der Fcckrck wäre hrstegckt-. DaS Benrksgericht K ü n f h a u S har die Kiivd gnny att rechtSwirksam erklärt. daS Landesgericht hat vaS utteck a u f g e h o b e n und die Sache zur neuÄ'chen BechanddnH Mückgewitfen. DaS Bezirksgericht hat diesmal dre Klage a b g r» wiesen, wogegen Nnntschek d>e Berufrmg an daS-MdeS» Gericht ergr ff. worüber vor einem Senat unter Vorsitz des OdevlandeSarrichtsraleS Gläser gestr,« die Berhar'dlung Katffand. Daß LavdiSgeucht hat die Berufung zurückgewirsr«. In der Begründung bemerkte der Vorsitzende, es «Me nicht gerade dre Schwiegermutter fern» d,e dw rmer» läßliche Aufsicht und Urbk'wachung führe. Es wnd wohl noch redliche Leute gebcn, die volles Bertmuen verdienen und a gen die n'chts cinzuwendm fern wird. Der Schaden» den der Beklagte erleiden würde, ist jedenfalls ein größerer als derjenige, der dm Kläger durch drx Künd gung «wachsen wurde. DaS Auge aus gestochen. Unter d« Anklage der schwere« Körper beschädiguna hallt sich gestern der Kurfcher Sregmutzd Bader vor dem Schnmv» gmchte zu verantwottm. Am 6. Avrrl v. I. kam rS im Gasthaus K r s V f 1 zwischen dem Beschuldigten und dem Schuhmachrrgrhilfm Ignatz Scheda zu ernrne Sircrt. west Scheda, d« «it de« Beschuldiatm und dessen Grlrcblm Anna Ach er er hft» selben Tische saß, sich im, Scherze eme belewigmdx Berührung der. Achtrer crloübt hatte. Scheda veckusi dann daS Gasthaus und begab sich in das Cafö Alfons v S, woh>n hm Bader folgte. Der Streit fand seinen Fortgang. .I» deffm Be,laut führte , der Beschuldigte mit einem Mess« WK« Stich geäen Scheda, der diefm am linken Auge traf. wckcheS sofort stark zu bluten begann. Währmd dw ürMichm Be» Handlung mußte daS verletzte Auge entfernt wrrdm. , Der Be'chuldigte gab gmern zu, daß eS im Mtw A l f o n s u S zw'fchen ihm und Scheda z« em« Raulerü gekommen fei. bcstreltet aber, diesem die Verletzung dcigebracht zu haben, da er aar kein Messer bei sich gehabt habe. Außrrde« beruft sich der Beschuid'gr« darauf, daß et damals so stack berauscht gewesen sei, daß er sich an die nähere« Vorgänge nicht erinnern könne. Die Gcschwornen beantworteten die Schuldfrage mit zehn Ja und zwr, Nein, worauf der Gerichtshof Sregmund B ad er ^udrerJahren schweremKerker verurteilte. ' Der VoMswirt. Das Programm des polnischen Finanz- Ministers. * Neue Zolle. Anleihen und Schatzscheine. — Stenev» wesen und SRonopolisierungen. — Veeeinhekttichnng, der Valuta. Krakau, 6. Februar. sMeldung der „Polnischen Stimmen".) Der Warschauer Korrespondent des berichtet i Aus Kreisen, die dem Finanzmintstell Grab Ski nahestehen, wird über sein Programm folgendemitgeteilt: Finanzminister Grabski wird de« Landtag demnächst einen neuen Zvllgesetzenbw ü r f unterbreiten. Bezüglich der Einfuhr von Luxusartikeln wird die Zollzahlung in Gold aufrechtrrhalter^. was die Zölle auf eiugeführte Artikel deS tägliche» Bedarfes anlattgt, so wird daS Agio von. 200 auf 600 Prozent erhöht. Der Minister akzeptiert im Prinzip, den Grundsatz, baß die Ausfuhr zollfrei ist, eine Ausnahme bilden bloß gewisse Rohstoffe. Die bisherige Kommission für Gin- und Ausfuhr wird aufgehoben. Die Anleiheprojekte des FinqnzminisherS lasse» sich kurz folgendermaßen skizzieren: Um der Notwendigkeit weiterer Markemissionen vorzubeugen, beabsichttgt der Minister innere kurz- und langfristige Anleihen sowie Schatz scheine zu begeben. Die kurzfristige Anleihe wird fünfprozentig sein und die Gesamtsumme vo» 5 Milliarden poln. Mark erreichen. Die Höhe der langfristigen Anleihe ist unbegrenzt. Aus technischen Gründen können beide Anleihen erst in zwei Monate» begeben werden, doch werden Anineldungen schon jetzt eutgegengenommen. Im Steuerwesen plant der Finanzminister eine ganze Reihe von Reformen. Es wird unter anderem die Einführung des TabakmonopvlS sowie die Monopolisierung des Petroleum h an de ls projektiert, wobei den Produzenten ein hoher Preis für Rohstoffe zu^rkarrnt wird, um die PvoduktionSlust 8« heben. (Was bas Tabakmonvpol betrifft, so werden schon jetzt, wie wir erfahren, in Warschau' alle Vorberatungen für dessen Einführmtg getroffen und die Pläne für die Durchfithrung ausgearbeitet. Die Zentral« hat auch am 83. Jänner d. I. die Aufsicht über die T a b a k f a b r i k e n in Warschau. Btalystock und Grodno übernommen. Diese Fabriken dürfen nunmehr ihre Erzeugnisse und Materialien nicht mehr an private Händler abgeben, sondern ihre gesamt« Produktion wird von der Tabakzentral« übernommen. Die Red.) .Die Vereinheitlichung der Valuta ünd die Ausgabe der'polnischen „Gvldgulden" („Z'oty poloki") wird erst nach der Stabilisierung des Kurseder polnischen Ma-k er'o'gen- Der po.rii'che Goldgulden wird einem Franks entsprechen. Die Staatsbank wird sich nicht auf Goldvorrät« stützen, sondern auf die natürlichen Reichtümer des Landes, in erster Reihe ans Holz und Rohöl,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.