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Wiener Morgenzeitung · 1920-02-06 · Heft 374 (6.2.1920) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 374 (6.2.1920)
Date
1920-02-06
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Vkr. Ö74 Wien, FrettaA Wiener MsrgenzeiLunK O Spende«. Wir erhielten für den armen. Kranken (flehe Keton vom 19. Junr von Bruno Frei) von Herrn David rischer. Wien, XIH., K 60.—, und «Herrn Bernhard o Tb fl e t n. Wien, I., K 60.—. Bisher erhalten K 350.—. '* Die Reform der Gemeindeverfassung. In der Leatigen Sitzung des Wiener Gemeinderates wird em Dgliedriger Ausschuß zlur R e f o r m d e r Verfassung r« d B e r w a l t u n g der Gemeinde gebildet werden. Hem Ausschuß weiden 17 Sozialdemokraten, 8 Christlichsoziale, l Deutschnatlonaler, 1 Nationaldemokrat, 1 Jüdischi a t i o n a l e r, 1 Liberaler und 1 Tscheche anaebören. Dieser Lusschuß wird dann sofort die Arbeiten zur Reform der Ge- „ neinde, Verfassung und Verwaltung aufnchmen. * Die Einhebung der Gemeindeabpabe von zekstigen Flüssigkeiten. Im Sinne des Gesetzes betreffend üe Einhebung erhöhter Grmeindeabgabeff von geistigen FlÜsfig- «trn bat der Wiener Gemeinderat als Tdg des Beginnes der Anhebung, der auch als Stichtag für die Nachveisteuerung zu ulte» hat, den 6. d. M. festgesetzt. Diejenigen Produzenten, Händler und Verschleißer, welche nachsteuervfltchtige Vorräte an lbaabebflichtlgm Gegenständen besitzen, find veipslichtet, diese Mrstens am 11. d. M. schriftlich, bei jener FmaNzwachabteilung unzvmelden. in deren Umkreise üch.^der anmeldungspstlchtige Vorrat befindet, woselbst auch Anmeldeformulare unentgeltlich »erabsolgi werden. * Die Speudeneiawahme« des Jüdische« Nationalivnds i« Jahre ISIS. .Die Gesamteinnahmen deS Jüdischen KationalsoudS im Jahr« ISIS betragen Franks 5,551.539.50 und Kübel 1,196.675.13, die noch nicht realisiert werden konnten. Die Verwaltung des Jüdischen Nütlonaliond^ hatte für das abgeiaufene Jahr einen Betrag von 10 Millionen Franks vrranlchlagt. Daß diese Summe nicht, aufgebracht ist, liegt teils an der «tgehenren Entwertung der europäischen Valuta,, teils an der Wer in verschiedenen Ländern noch nicht etfolgtenDurchsührung - tller reorganisatorischeu und propagandistlschen Maßnahmen. Aber iie obigen Ziffern zeigen Dennoch, welchen starken Widerhall das Manifest, das die Verwaltung des Jüdischen Nationalfonds , zu Vegmn des Jahres' an alle Juden der Welt gerichtet batte, «geßmve» hat. Die Millionen, die größtenteils , von den. durch politisch- Katastrophen -und bisher nie gekannte Verfolgungen.und llnterprücflkngen verarmten jüdischen Bolksmassen aufgebracht «itrden. legen, ein beredtes Zeugnis dafür ab, wre sehr die Idee des Wischen Natiöualsonds immer tiefer Wurzel in ihre« Herzen zeschiagen hat. * Wiener Kinder in die Schweiz. Gestern mittags Die Lohnregnlieenvg im,< Nathanfe. Nach den bisherigen Berhandlungm betragen, wie aus dem Rathaus mit- »etetlt wird, dre Kosten» die durch die R e g u l i r r u n g d e r stöhne. der Teuerungszulagen und her gleitenden Zulage für die Arbeiter der d r e r st.8 d t i sich e N U n t e r nebmuu- «etz erwachsen» insgesamt 200 Milli ouen Kröne«. * Der ^Falschspieler" Rndinstein. Unter denen, die Gelegenheit hatten, L»szt und Rubmstein zu hören, ist bis zur Stunde die Frage, wer von den beiden Pianisten der größere sewrsen, noch unentsämden.Einen interessanten Beitrag zu ihrer Losung bringt eme Mailänder Musikzeilschnst in einer Anekdote, die der berühmte Wiener Klaviermetster Leschetizky über Rubinfiem prm Besten gab. Bekanntlich, .pflegt...man von Rubinstem jitt sagen, daß von hm Noten, die der chm unter das Klavier nelerhrm anderer gut unh gern ein ganzes Konzert hätte geben taten. Lescketizky "bestäügt das^ Mit dem Hmzulügen, daß Rubinstein darunter seihst am empfindlichsten gelitten hat. Welche Pein chm jeder falsche Ton, dm er spielte, bereitete, geht aus der von' Leschetizky berichteten Geschichte' hervor. Es war am Ende. riueS Konzerts, in dem Rubinstein eisten begeisterten Erfolg errungen hatte. Trotzdem wankte der gesrierle Konzertgeber verzweifelt ms Künstlerzimmer und sank hier, seinen Freunden in die Arme.. ^Ja, waS ist denn los", rreteu diese beim Anblick des krerdebleichm Pianisten. ,So gut wie Vichts. nur eme. Kleinigkeit, uttd zwar die, daß jeder Schüler der so viel falsche Nötm gespielt hätte» wie ich mir heute geleistet habe; von. seinem Lehrer unweigerl'ck an d>e dche Llffi br^8'dert worden wären." v* Äe Kohlensituatlo«. Die Einläufe hahen sich gestern wieder der sch l e ch t e.r t, . Sowohl./aus Oberschlesien'wie au-'Böhmen ist sehr wenig gekommen; aus Polen sind einige Wagen eingelangt und aus, Ostrap-fast nichts.. Man hofft im -Kohlonamt, daß jn den Nächsten Tagen wieder etwas mehr. Kohle kommen werde. ' * Gleichstellung der außerordentlichen Hörerinnen an den philosophischen Fakültäten. Die Urrterrichtsverwaltung hat nunmehr im Züge dey Gleichstellung der Fräüen im Hochschulstudium den letztest Rest von Ungleichheit, der noch an den philofophischen Fakultäten bestand/ aufgehoben. Während nämlich bisher Mädchen nur dann als außerordentliche Hörerinnen .'-MMssen werdest konnten, wenn sie mindestens eine LehreriNNönbildungsänstalt ' oder eine Mädchenmittelschüle mit Erfolg äbsolbiert hatten, wird diese Bedingung nunmehr' aufgehoben^ so daß für die Zulassung' von Frauen als außeroxdeMiche Hörerinnen an den philosophischen Fakultäten von rjun äni die. gleichen Bedingungen zu gelten haben, wie für' die Zülaflüng von männlichen Studierenden. -° - ' * Ein FöndS für religiöse Erziehung. Major Lionel Lord Rothschild und Präsident des Jewisb War Mein o r i ä l hat an' die/Häupter aller jüdischen Gemeinwesen und Institutionen in den Kolonien Und den-abhängigen Gebieten einen Brief gerichtet, in dem er sie zur Unterstützung eines Planes anfrust, d^r einen Fonds von einer Million .Pfund Sterling für religiöse^ Erziehung, für die' Errichtung' einer Schule für jüdische. Wissenschaften zur Heranbildung von Rabbinern Vorsicht. Die .Kassiere dieser Vereinigung' sind die' Herren Anthony de Rothschild und Mr. O.' E. Avigdor Gcldsmid. Die Bureaus befinden sich 22, Great St: Helen's, London. - - ' . * Flucht ilncS Bankgeschttftsinhnbers. Der 46jährige Bankgckschäftsinhaher Wolf Altmann, zw Warschau/ geboren, .verheiratet, Alsergrund, Wasagasse 4 wohnhaft, ist seit dem 81. v. M. ver nutzt.. Er hat sich aller Wahrscheinsichkeit nach geflüchtet und steht nach Anzeigen, die dem Sicherheitsburcäu gugekommen sind, dringend im Verdachte, sich der Verbrechen des Betrages und der Veruntreuung zum Nachteile seiner Kommittenten schuldig gemacht zu haben. Pisher liegen Anzeigen mit einer Schadensumme von 2Y0.000, Kronen vor. Nach den Erhebungen dürfte der Gesamt», schaden 800.000 Kronen betragen, Das Bankhaus hatte den Firmennamen W. Altmann u. Aomp. Soweit bisher festsücht, ist. es zweifellos, daß Nltmann. rn.it. den Depots seiner: Kommittenten selbst gespielt und mit Mißerfolg operiert hat. Daß er insolvent war, als er Wien den Rücken kehrte, ist außer Frage. Als Kompagnon der Firma galt der am 8.; Jänner 1883 zu Ostrau geborne und nach Budapest zuständige Karl V rag er, unverhesritet, Alsergrund.- Grünetvrgafse 10 wohnhaft Ec wurde heute in Haft^ genolnmen.- Prager beteuert seine Schuldlosigkeit. Weiters wurde auch der hd dem Bankhaus anaestellte Korrespondent Bernhard Lilchs aus C.-;ernowitz verhaftet. Gegen ihn liegt der Verdacht vor. daß er in4 bic Geschäfte des Altmann einaeweiht >ein lost.? Fahrstartennusgabe am Westbahnhof. Mit Rücksicht auf Aendfruiigen im Zugsvn'kehr werden auf dem Wrstbahnhvs ab kstute, Freilag. die Kassenschalter fiir den um 5 Uhr nachmittags abaehenden Fernpersonenzug Nr. 17, welcher wieder nur in entem Test geführt werden kaun, nicht um 12 Uhr mittags (siehe Notiz vom 2. d. M.) sondern erst um I. -Uhr nachmittags geöffnet. - , * Einbruch in -er /.Elbeinühl". Vorgestern wurde im Kaffenraum der Zeüwrgs- und Verlags-A.-G. ..G l b e mü Hs". I.. GrÜnangerggsse. ein Einbruch verübt, bei dem dre Täler K 297:000 t n b a r e m G e l d e erbeutet haben. . * Holz ans Bayern, .Der Gemeinde Wien ging die Mitteilung zu, daß die bayrische Remerung zur Abgabe von Holz geneigt sei. Es wmdep sofort Verhandlungen emgeleitet. in deren Verlaus sich die bayrische Rearerung grundsätzlich bereit erklärte, 200 b t § 500 S a ggo « sBre n n holz auf dem Wasserwege zu liefern. Aus Grund dieser Erklärung wurde nun ein Uebereinkommen zwischen her bayrsschm Staatssürstverwaltung und der gemeinnützigen ^Brchnmatenakien Ges. m. b. H. m Wren niedergelegt. Nach diesem stellt sich der Preis des Holzes verhältnismäßig s ehr b i 11 i g. Heber diese Angelegenheit bttichtete. in der gestrigen Stadtratsthung Stadtrat Hackl (Sozialdemokrat!. Der Reserentenantrag wurde angenommen. * Die^ polnischen Arbeiten fordern. Auf einer Be» ratung von j.ü d i s ch en int d ch r istli ck en Arbeitern, deren Zweck war/ die beiderseitigen Gewerkschaften zu vereinigen, haben die polnischen Arbeiterführer die Forderung.aufgestellt, die jüdischen Arbeiter, sollen, die. j ü d i s ch e S p r.a ch e a u fg eb en. Sie verlangen ferner durchaus, daß die jüdischen Arbeiter in allen Deftammlunpen. p o l n i s ch svrechen und selbst chre Anschläge in polnischer Sprache machen sollen. * Beilis in Not. Dev jüdische Märtyrer Mendel Beilis (bekanntlich das Opfer des Kiewer Ritualmordprozeffes, hat Beilis seinerzeit eine fünfjährige Gefängnisstrafe in Rußland verbüßt und . begab sich dann nach Palästina/ der sich zürmt in Jaffa befind-'t, veröffentlicht m den hebräischen Zeitungen von Palästina eine Erklärung, daß er keine Mittel zum Leben besitzt und. große Not leidet. * Bolksbkldnng im Technisch en Museum. Führungs-, vortrag r Samstag den 7. d. M. um 8 Uhr nachmittags Dokior O. B r y k „Alchemie". Borträge im großen Hörsfial: SamStag den 7.d.M. um 4Nhr nachmittags Prof. Dr.J.M. Klimont . „Oesterreichische Alchemisten". Sonntag den 8. d. M. um lO lkhr vormittags Ing. E. Leuten o b 3 k y ,Aus der chemischen Industrie". ' .. * Bestohlene Auswanderer. Dienstag früh wurde in dem Heim der orthodoxen Juden in der Oberen Donanstraße ein Einbruch velkcht. Die ganze in einem Maaasin untergebrachte Habe von einem and <'0 Leuten bestehenden Transport von Palästina-Heimkehrern wurde auf eme.m Sagen, fortgeführt. Die Polizei bat das .gestohlene Gut noch am selben Vormittag in emem Keller in der Brig-ttena« aufgcsunden. " * Eröffnung der Klausenbnrgev Universität« Aus .Kl a u s e n b u.r g wird gcnleldet: Sonntag fand hier in Anwesenheit des Königspaarrs, der Mitgleder der Regierung sowie der Vertreter der Pariser, - Luoncr und Straßburger Universität die feierliche Einweihung der Klausenburger Universität statt. * Hifenbnhnnnglück. Aus Dijon wird gemeldet Der von Lyon kommende Schnellzug stieß bei Perrigny mjt einem Lastzug zusammen. Drei Wagen tificr und zweiter Klasse gmgen m Trümmer. 15 Personen wurden getütet und 30 verletzt, * Eino OrkiapbatastropM^ .Hgs 'Hollandsch Nieuwsbureau meldet ans Srdney : . Em Orkan hat . hier , ungeheuren Schaden angerichtet. Im.Norden von Queensland ist dir Grnbenstadt Chillagon weggefegt worden. Andere Städte haben ebenfalls außerordentlich großen Schaden erlitten. Biele Menbahnbrücken wurden zerstört. Man fürchtet,, daß mehrere Schiffe untergegavgcn sind. * Warnung vor Anzug nach Deutschland« In letzter Zen haben zahlreiche österreichische Staatsangehörige beim Generalkonsulat i n"B e r l r n um Unterstützung und Heimbesörderung angcsucht, weil sie in der'sicheren Ei Wartung, ,m Deutschland Verdienst zu finden, dorthin gezogen sind und nun nicht angestellt werden können, da in Deutschland eure Verordnung des. Demabilmachungsausschnsses besteht, nach der Ausländer nur dann in -Arbeit eingestellt wcrden dürfen, wenn sie l'ereits vor dem 1. A u. g u st 1914. bei der betreffenden Firma m Stellung waren. Oesterretchische Arbeitsuchende werden daher vor einem übereilten Zurug nach Demschlaud ohne bindende Arbeitsvertläge eindringlichst gewarnt. Der Schneiderstreik. Die Ausstandsbewegung im Kleidermachergewerbe bat b rms zu Tätlichkeiten aus der Straße geführt. Kundcnstückmcister, die bekanntlich nicht streiken, wurden auf dem Weg zur Ablieferung fertiggestellter Kleider insultiert, auch wu,den ihnen dieKleiderstückeweggenommen. Das Staatsamt für soziale Verwaltüng hat 8 o hn v r r handln n fl c n finßcleitct, die heute beginnen sollen. * Einbrüche. Dcm Lederhändler? Aron S ch a p i x o, II., Kaiser Josesstraße 15, wurde Leder im Werte von K 60000, dem Schuhhändler Josef K o s m a c e k. XVl., Nauseagasie 12, 80 Pair Schuhe »:u Werte von K 100.000 gestohlen. Aus dem Geschäfte ' Max G n t t m a n n, XN., Arndtstraße 1, wurde Fourmerholz im Werte von 100.000 entweqdet. Vereinsnachrichtea. (N a ch r schien von V e r e i n e» e r s.ch einen» « sn a h m s l o s » u r a m T a g e d e r V e r a u st a ltung.) Heut e: V e r e i n d e r F r e u n d e d e § h u m a n i st ischen Ghmtt a s i u m s. lim *li6 Uhr abends, im großen Hörsaale des . phpsiologi'chen Instituts,!X.„ Währingerstraße 18 b, Vortrag Professor Regierunasrat Dr. -W. Jerusalem: «Die alte« Sprachen und dre neue Zeit". i Briefkasten der Redaktion. „Altes Volk". Das ist natürlich eine-bloße Legende. Die Ernährung. Der Marktbericht. Die unersl»rrvi«glichen Rindflelschpreise. Sowohl auf den Märkten als auch in allen Fleffchhauereibetrieben konnte man gestern die -voiausgrselene Erscheinung beobachten, daß der größte.Teil der Bevölke'.ung nicht imstande ist, dre horrenden Preise für Rindfleisch zu bezahlen. Das Rindfleisch wurde wenig begehrt imd der grsißteTeil deS attgebotenenFleischeswurdeerübrigt. Die in Kraft getretenen hohen Preise bedeuten für die breitesten' S-chichtcn der Bevölkerung die vollständige Srstierunu des F l e r0 ch g e n u s s e s. In der G r o fi m r r k t h a l l» war der Verkebr sebr gering. öfKWi NE»age bestand nur nach P'erdeflessch und ,'ach dem bei elN!gen S.anden abgegebenen Schweinefleisch. Auch au' dcm F i s ch markte war die Kauflust wegen der bohen .PMe und der ^iL minderweüigtu B^chaffenheit der Ware rchwach» 6. Februar 192Ö Mtlstflist« Größte AuSwahkl Billigste Preises Leopold Steinhart, Wie», Iq Biberstraße 9. 407»« Bei ernzelnen Sorten mußte der Preis um X 3.— herabgesetzt^ werden. i . Auf,den Grünwarenmarkten bestand dcch Arv» gebot hauptsächlich aus Rüben. Besseres Gemüse war nur in ge-- nngm Mengen vertreten. Auch brer ist eme bedentend« Preiserhöhung zu verzeichnen. Kohlrüben kosteten bereits, dis K 8.—, Burgunderrübc« K 3.10, Wrucken X 2.— b»S K 8.—«' und Karotten X 5.— pro Kilogramm. . ' Von O b ft waren wieder größere Mengen steirischer LepsAl angekommen. - « »Zerviverbn." Kohlenabteilung. Alle bei uns rayonierte« Kunden weiden - dringendst ersucht, unsere Verbandszestkms vM, 1. Februar im eigenen Interesse zu lesen. Bühne und Kunst. „Die Sendung Semaels." . Bon unserem Berliner Korrespo«de»te». Die Erstaufführung von Arnold Zweigs „Dsi? Sendung Semaels" (über die wir bereits eine« kurzen belegraphischen Bericht, veröffentlicht haben- — Dis Red.) im Berliner Deutschen Theater wurde aN. literarisches Ereignis vorbereitet: Der Vereftr ,-Das' junge Deutschland", in dem die jüngsteoGeneratio« dLL v Berliner Literatur und Kunst vereinigt ist, vera.nftaltete ^ochrtag mittags eine, geschlossene Beremsvorstellungj. — am AbPnd folizte dann die ö-ftenftiche Aysführung. Es ist immerhin ungewöhnlich, daß der Verein in dieser Weise für ein Stück eintritt; sonst wird dieser Weg - der Separatvorstellung nur bei Stücken betreten, die aus irgendeinem Grunde noch nicht ösfeutlich' yufge-- führt werden sollen. Das'Deutsche Theater versam« ) inelte also .'zu dieser Matinee die gesamte literarischr Welt Berlins-Die Aufführung brachte eine kleine Enttäuschung; es ist zweifellos Schuld der Regie und' der-Darsteller, wenn die Schwächen des Stückes krasser -enthüllt wurden, als notwendig gewesen wäre, immer-... hin aber zeigte sich auch, daß das Stück nicht stand-- halt. Zweifellos hat hier das übervolle Judenherz Arnold Zweigs der künstlerischen Selbstkritik beraubt. Den: Wiener Publikum ist das Drama aus brr Aufführung in der Reuen Wiener Bühne, gelege«tlichl derer es auch in unserem Blatte gewürdigt wurde,! bekannt. Es erübrigt sich also, zu' bemerken, daß oir Reinhardtsche Drehbühne den szenischen. Anforderungen, zwar besser gerecht werden konnte als Direktor Gehers' bescheidener Apparat;- dennoch aber - scheint mir. das theatralische. Problem im ganzen in Wien glücklicher, gelöst gewesen zu sein, als. hier. Die Gefahr des „Kilmzaubers" und der Karikatur ist gerade bei dem dauern-., den Wechsel der himmlischen und irdischen Szenerie sehr groß und es bedurfte ein großes Maß vvn Feingefühl und wohl auch szenischer Einrichtung und eventueller Mrzüng, den drohenden Klippen auszutneiche«.. Diese- Kunst hat die Regie des Deutschen Theaters '-, nicht vollbracht. Einzelne. Bilder waren immerhin-an-" sprechend und wirkungsvoll, mehr die irdischen Land-" schäften als die Sphären des Firmamentes mrd-das Hügelland des dämonischen Zwischenreiches.. Erstaunlich ist, daß die Regie, für die Heinz Herold verantwortlich zeichnete, .die jüdischen Typen so unbefriedigend zur Geltung brachte; man hätte doch weingstens einen.Sachverständigen der jüdischen Folklore.;heranziehen sollen, wenn schon unter den Darstellern auffallenderweise niemand, war, dem jüdische Bräuche unÄ Art bekannt sind. Die meisten Darsteller der Jude« fanden sich sehr schlecht in ihre Rollen, besonders* der Rabbiner mit seinem abgehackt* süßlichen Singsang und dem madonnenhaften Augenaufschlag war nichts weniger als lebenswahr. Und auch Ernst Deutsch als Moriz Scharf tat so, als «ob ihm die jüdischen Riten. - die er in seinem Vaterhaus zu beobachten Gelegenheit gehabt hätte, ganz fremd wären, und hüllte sich/zum Schluß verkehrt in den Tallis des Propheten Eljahu. Sonst aber bot Deutsch , die beachtenswerteste Leistung dtzs Abends- Er fand für die etwas dörfische altllugL Kindlichkeit des Knaben die schalkhafte ÜnbekümmerL - heit, wenn sich auch ab und zu eine unbewußte Bonvivant-Geste hineinstahl; die Wandlung in dem Augenblick, w^Semael seiner durch Kürperqualen zermürbter^ Seele Herr' wird, vollzog er ohne viel Tragik mit her rechten Betonung der sophistischen. Ueberlegung (,-er will belogen sein . . das Geständnis^ dieser Kampf Mit den letzten Hemmungen, war brillant. Das Be--. nehmen vor Gericht war wohl, etwas zu uaiv-unbe-» fangen, während es. nur krankhaft-neurotisch verstanden werden kann. Alles in allem eine überdurchschnittliche Lösung der Aufgabe. Wes andere war Durchschnitt, guter, und schlechter. Zil dem guten will der Unter-- suchungsrichber Vary des Herrn Jammings gerechnet: sein, der die harmlose Dummheit des Mannes über-- zeugend mimte, so daß man gar nicht den sonst unvermeidlichen Eindruck unmenschlicher Grausamkeit hatte.' Auch der Jstoezy des Herrn Kühne traf die berechnende Kälte und raffinierte Demagogie des Geschäftspoli^ll^rs. Er darf in Berlin sogar die Hetzrede halte«, die in Wim gestrichen wurde. Als er die ÄustreibmiK alter Juden aus Ungarn empfahl, klatschte ein geschmaK-, 'voller Dernvnftrant von der Galerie:-der ZwischenfM giM M ttnvemerri:

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