Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 366 (28.1.1920)
- Date
- 1920-01-28
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Sette S Men. Mittwoch Wiener Movgonzeitung . 28. Jänner 1920 9h. 868 Franz Schreckes Oper ,.D e r S ch a tz g r k h « gelmigto im Fra11 kfu rt e r Opertt haus am 31.Jciyner zur Nraufführilttg. Werk srzi'e'te einen von Akt zu Akt steiqenben stcirkr» und sininiltitzeu Erfolg. Auch tue Wiedergabe wird als ganz ausgezeichnet gerühmt. Der bekannte Musikkritiker Paul Belker leitet sein Referat in der „Frankfurter Zeitung" 'folgendermaßen ein: ,LVenn hie Zeichen nicht trügen, so ist die Opernliteratur wieder mp ein Werk reicher, das nicht nur als starker äußerer Erfolg zu. buchen, sondern darüber hinaus als gattuugbestimmend anzufehen ist. Der Weg fort von der k u l t m ä ß i g e n Auffassung des Musikdramas im Sinne Wagners, zurück zur Oper mit ihrem Rausch von Musik und Sinnenfreude, mit all ihrer unlogischen Unwirklichkeit, der spielerischen Phantastik ihres Geschehens, der Freude am bunten Wechsel der Bilder, des Verlaufes auf rein gefühlsmäßig musikalischem Boden, dieser Weg, den die Italiener, die Jungfranzosen, d'Albert, zuletzt Richard Strauß zu bahnen versucht haben — er ist..gefunden. Nicht wie bei den Italienern und d'Albertz, durch Hereinziehung grob sensationeller Theatralik, nicht wie bei Strauß-Hofmannsthal durch literarisch ästhetisierende Spekulation." Gefunden vielmehr ausschließlich aus einer musikalisch wie bühnensinnlich gleich starken schöpferischen Kraft, der es gegeben war, alle Anregungen und tastenden Versuche dieser Zeit fest mit genialem Zugriff zusammenzufassen, aus ihnen ein neues, eigenes dramatisches Gebilde von ursprünglicher Persönlichkeitsprägung zu gestalten." Iridis her Dichterabend in Berlin. In Berlin fand zugunsten des Hilsswerkes für den Wiederaufbau von Palästina ein jüdischer Abend statt, an welchem Hedwig Castpari mit großem Erfolge aus ihrer Bühnendichtung. „Salomos Abfall" las. Arnold Zweig brachte Szenen ans einem neuen Drama, das sich, mit dem modernen Antisemitismus auSeinandersetzt. Er bemerkte, daß das Stück, nicht für die Bühne, sondern jür Dilettanten geschrieben ist. Ludwig Strauß sprach wirkungsvoll Gedichte und. Nachdichtungen. Die verprügelten Dadaisten. Wir berichteten dieser Tage, daß in Dresden Dadcnsicn annißlick emes von ihnen ver- :ustallelen Vortrages vom Publikum verprügelt wurden. Die näheren Berichte ichsidern nun Äu'lrine. die man m der sächsi'chen bcmvtstadk kaum je erlebt hat. Anscheinend, belyachlete ein Teil der Zuhörer die Sache von vornherein als einen ausgesprochenen filk, denn gleich zu Beginn fingen einige Pcr'onen an zu schreien, -seifen, schnarren, tuten, andere brücken. stecken sich Z garetten an, faule Aepsel flogen durch den Saal. Damit nicht genug, ging nn Teil des Publikums auf das Podium, und balgte sich dort jenrnt. En Opern'äi'ger. der Rulie stiften wollte, fiog von dtik Kamve hinaus ,ns Publikum. Kur;, es war schlimmer als je nn Theaterskandal. Man kann sich denken, daß der geistige Gewinn dieses Abends nicht eben groß war. Ein Londoner Kindertheater. Ein ständiges Kinder« Leater hat Miß Jcan Stnlmg Macknlai in.London eingerichtet, ms einen großen Erjolg auszuweri'en hat. Sport. Landerwettkampf Italjen—Frankreich. Am 18. d. M. fand in Mailand in Anwesenheit von mehr :ss 15.000 Zuschauern der Länderweltfinnps Italien gegen Aarst- :eich statt, den die Italiener 9 : 4 gewannen. Die französische Mannichast führt als Entschuldigung füc ihre Niederlage den Umland an. daß sie infolge Zugsverwätung erst wenige Stunden vor beginn des Spieles in Mailand eintrat. Jnimcrhin zeigt eS sich -irr wieder, daß es mit der Fuhballkunst der Franzosen nicht sehr veit her ist. Auch das Können der nalienischen Fußballer steht anter unserem Durchschnitt. Bei Halbzeit führte Italien 4:8. §me elende Leistung bol der französische Tormann. Das Wettspiel würde von einem Schmelzer Schiedsrichter geleitet. Die leichtathletischen Weltrekords. « Bon den 85 bestehenden Höchstle stungen jm E nzellaufen fglien Amerika und England je 12, Fran'.rerch besitz' b. Schweden 4, Finnland, und Ungarn je einen Weltrekord. Im Hürdenlausen ist Nüerika im Besitze aller 6 Bestleistungen, während im Staffeli laufen der Weltrekord» den 'die'deutsche Mannschaft Mb''. Kern. Heim-Inn lind Ran, 1913 in Stockholm mit 439 Sek. über 4 mal 10Ö Mettr nnsstelltte, noch. tiid)t verbessert ist. Dageien wurde die Höchstleistung der deutschen Mannschast über 4 mal j ‘200 Meter ebenfalls NUS m Stockholm im Jahre 1917 von einer amerikanischen Maml'chast mit 1:81'4 um 49/,0 Sek. unter- > boten. Auch d e übrigen mer Staffelt ekortzs halten die Bereinigten Staa'en. Im Spnugru ist Amerika außer dem We tsprungrekord mit Anlauf, den der Engländer Ocounor mit 7'61 Meter seit denl Jabre 1901 hält, mt Besitze oller Besilersinngrn. Im Gehen ist England an der Spitze, daS von 17 anerkannten Leistungen nicht weniger als 19 hält. Kanada und Dänemark sind im Besitze je zweier Weltrekorde. Von den Höchstleistungen in den Wurf» Übungen hält Amerika die m einarm gen und berdarmtgen Kugelstoßen sowie 'im Hammerweifen, Finnland die ,m einarmigen nnd Schweden die mt beidarmigen Sveer werfen. Im Diskuswerfen ist merkwüldigerweise keine Bestleistung anerkannt, jedoch ist der Wurf von DuncarffAmerika mit 47°f>7 Meter ernarm'g und der von Nicklander-Firmland mit 90'30 Meter berdarmig als Höchstlerstung anzusprechen. Ein interessantes Wettspiel findet am Sonntag auf dem Prater Sportplatz statt, wo d r W. A. C. dem Sportklub H a k o a h gegenübertritt. Berde. Vereine werden in stärkster Aufstellung antreten. Luftverkehr Kaipv-Kap der gute« Hofiunng. Einer amtlichen Mitteilung des Lustamtes in London zufolge soll demnächst erne direkte Luftverkehrslinie zwischen Kairo nnd dem Kap der guten Hoffnung eröffnet werden. Die Kommission, dre die Borbereitungm zu treffen hatte, begann mit ihren Arbeiten schon >m Dezember 1918. ES galt, ungeheure Schwierigkeiten, besonders auf der Strecke zwischen Nimule und Abercorn rn der Gegend des Tanganj'kaseeS zu überwinden, wo fast keine Möglichkeit gegeben war, Landungsplätze und günstige Verbindungswege festzustellen. Insgesamt werden 20 Flugzeughallen errichtet, so daß m verhältnismäßig kurzer Zeit und bet häufigen Landungen die gewaltige Strecke von insgesamt zirka 8000 Kilometern zu bewältigen sein wird. Der telegraphische Schachwettkamps Verll«— Holland, der ursprünglich am 18. Jänner stattfindrn sollte, mußte wegen Schäden, die Sturm und Ucbcrschwemmung in Westdeutschland angerichtet haben und dre jeden telegraphischen Bei kehr nach Holland unterbinden, aus Sonntag den 1. Februar verlegt werden. Touristik nnd Skisektio« der. Hakoah. Alle Mitglieder werden zu der am Donnerstag den 29. d. M. um 6 Uhr abends im Cafä City, l.» Werdertorgaffe 8. fiattfindenden Besprechung betreffs der Stipartre am 1. und 2. Februar eingeladen. HUTREPARATOR-ANSTALT a. Herren* u. Damenhüte werden nach neuest Mode prompt und billigst modernisiert **~ XVIIZ., Wlhrlnger Gürtet 21 und VII., KurlahiIf«r«tcaaM 8e Gerichtssaal. Selbstmord wegen znrückgegangener Verlobung. Unter Vorsitz deS Hofrates Mraczek verhandelte estern ein Senat deS ObenandesgerichteS über die Berufung er Handelsfraü Fradel A b e r b a ch gegen das Urteil des Zioillandesgrrichtes, mit welchem ihre Klage gegen den ehemaligen Bräuttgam ihrer Tochter, den Privatbeamten Norbert Feld, auf Rückstellung einer goldenen Uhr, abgewiesen worden war. Die Tochter der Klägerin, Josefine A b e r - bach, hatte sich mit genanntem jungen Manne verlobt; als Berlobungsgeschenk gab er ihr einen wertvollen Ring. Sie übergab ihm am Verlobungstage den Betrag von 1200 Kronen zum Ankäufe einer goldenen Uhr in Gegenwart der beiderseitigen Familienangehörigen. Eines Tages kam das junge Mätzchen; das mit ihrer Mutter häufigen Zwist hatte, ganz ausgeregt zu ihrem Bräutigam, erklärte ihm, daß sie die Verlobung rückgängig machen müsse und stellte ihm den ihr geschenkten Ring zurück. Hierauf gab ihr Feld bi« Uhr zurück, Am nächsten Tage brachte sie die Uhr wieder: übergab sie dem Vater ihres ehemaligen Bräutigams, und ließ letzterem sagen, sie bitte ihn, er möge die Uhr fo> halten und sie zum ewigen Andenken tragen. Gleichzeitig schrieb sie ihm eirren Brief, in welchem es heißt: „Ich muß sterben, man treibt mich in den Tod! Lebe wohl! Ich habe niemand geliebt, wie Dich, in Deiner Liebe war ich glücklim; verzeihe der Sterbenden, was Du der Lebenbqu nicht verzeihen konntest. Wahre mein Geheimnis. Nimm die Uhr zum Andenken an und behalte sie, ich mache sie Dir zuw Geschenk. Deine unglückliche Josefirre." — Josefing Aberbach bat sich in die Donau gestürzt und ist ertrunken Ihre Mutter forderte nun die Uhr zurück, da bas GM hierfür aus ihrem Vermögen stamme und ihrer Tochter zu dern Zwecke übergeben worden fei, um hierfür ein Gegengeschenk zu kaufen. Der Beklagte bestritt, daß das Geld auS dem Vermögen der Klägerin stamme: seine verstorben« Braut war großjährig und eigenberechttgt, er hatte bas Geld von ihr erhalten und sie hat auch mit keinem Worts erwähnt, daß ihre Mutter Ihm das Gelb durch sie übergebe. Da die Klägerin bet her Verlobung anwesend wart so hätte sie ihm ja direkt da- Geld übergeben könnew, wenn eS wirklich ihr Eigentum gewesen wäre. Das Ziviv ländeSgericht hat die Klage -bgewiefen, da Josefine Aberbach durch ihre Mutter Besitzerin deS Geldes geworden war. UebrigenS hat der Beklagte die Uhr bei her AÄ* lösung der Berbobung feiner Braut zurückgegebe« «nd s» dann neuerdings erhalten. In der Berufung wurde anSs geführt, daß bei den orthodoxen Juden andere Sitten und Gebräuche herrschen, als bei den modernen Juden und Andersgläubigen; bei den orthodoxen Juden geben nur bis Eltern der Braut die-Berlsbungsaefchenke, ein Abtvekcheq von dieser Sitte sei nicht üblich. Der Vertreter des Beklagten bemerkte, diese Behauptung sei durch nichts erwiesen; auch die Töchter orthodoxer jüdischer Eltern werden wohl, ebenso wie andere Mädchen, tyenn sie eigenes Vermöge« haben, ihren Verlobten selbst Geschenke machen. Das Bep rufungsgericht hat auch gestern die Klage abgewte^O» Der Arbetterrat als Erpresser. Der angebliche Hvchschüler und kassierte Reserveoffizier Kgrl.Han- Böhm und der beschäftigungslose EmanuelBrock hatten Kenntnis erhalten, daß der Kaufmann Nathan Ringel mit gefälschten tschecho-stowakischon Banknote» Handel treibe und beschlossen, an Mngel ein« Erpressung zu verüben. Zu diesem Zwecke traten sie mtt dem damaligen Arbeiterrak Franz Dipold, einem wegen Diebstahl- und Betrügezehnmal abgestrasten Dieb und Betrüger, in Verbindung. DipoW kam zu Ringel, traf ihn aber nicht zu Hause an, sonder» dessen Schwager, den Bankier Benzion Lustman«. Diesem legittmierte er sich als Arbeiterrat, wies eine falsche Order vor und verlangte, „um die Sache qbzutun", ein Schweigegeld von 30.000 Kronen, das ihm Lustmann auch bezahlte. Seinen Zkvmplicen log er vor, daß er bloß 13.000 Kronen erhalten habe. Dem Brock war sein Anteil zu gering, er wollte von Lustmann aus eigene Faust noch Gelb erpresse^ und suchte ihn auf. Dort stieß er zufällig aus das Aufsicht^ organ des Kriegswucheramtes Franz Brunnhuber, welch« sowohl ihn wie Dipold und Böhm verhaften ließ. Gestern hatten sich die beiden letzteren mit Brock wegM Erpressung vor dem Erkenntnisgerichte zu verantworten. Böhm und Brock waren außerdem des Diebstahls «nd BetrrrgeÜ angeklagt, weil sie sich bei der Privaten Rosa Schw«heow unter dem falschen Schein einer Revisionskommission «ivgeschlichen und ihr Schmuckstücke entwendet hatten. In her Wohnung des Kaufmannes Juda Groß «klärten sie ein dem Rabbiner Josef Herzig gehöriges Packst mit 13.090 Kronen in Banknoten für konfisziert, gaben sich aber schließlich mit 4375 Kronen Schweigegeld zufrieden. Der Senat verurteilte Böhm zu vier Monaten,.Brock zu zwei Jahren und Dipold zu zehn Monaten schwere« Kerkers.; Menachem Mendel. Ein Briefwechsel. .. HerMsgcgcbrn von Scholem-Alejchem. llus dem Jüdischen übertragen von Siegfried Schmitz. Das zweite Bündel Briefe. .London^ (Odesiaer Börse). (8. Fortsetzung.) 2. Brief. Zchrine-Schrindel aus Kasriliwke an ihren Gatten Menachrrn M-sndel in Jehnpez. Dem hochgeehrten, edlen und mächtigen Herrn, ^em Weisen Kenner der Thora, dem hochgelehrten Reb Renachem M?ndel ehrsürch'.igen Gruß. Erstens vermelde ich Dir, daß wir alle, Gott sei Dank, beim besten Wohlsein sind; gebe Gott uns', ins gleite von Dir zu hören fürderhin und nichts LchlimmereZ. Zweitens teile ich Dir mit, mein teurer Genaht, daß meine Feinde so die Kraft haben mögen;um Leben (erfülle mir dast, Herr der Welt), wie ich roch Kraft habe, Dir auch noch einen Brief zu schreiben; Zch schleppe mich mit Mühe auf meinen Beinen fort. 5S ist ganz sicher, daß ich eine, gründliche „Reparatur^ >rauche — so sagt der neue Doktor (ansagen möge man hm alles Leid der Welt und alle zehn Plagen ssharaos!). Cr glaubt, daß er mir Rubel um Rubel lbknöpfen kann. Und wovon, glaubst Du, kommt das rlles? Nur von Kummer und H.rzweh. Ich bitte Dich, Rendel, was soll das heißen? Ich schicke Dir Reisezeld und heiße Dich nach Haufe kommen und Du setzt Dich auf und fährst nach Jehupez! Bist Du richi wert, daß man Dich lebendig begräbt? Und dann: riese Schmach, die Schande vor der Welt! Wie sagt ne Mutter, sie soll leben: „ Cr schneuzt dis Rase und nacht sich das Gesicht schmutzig^ . . . Geschäfte! Waren! Lch habe, gemeint, da das schöne „London^ schon end- «h ein böses Ende genommen hat, werde ich ausatmen ßnnen und mein vortrefflicher Brotgeber wird ■> Mich ^imkotrrmen,, wenn auch, mit nicht mehr als. mit dem nackten Leben. Und was geschieht? Ein neues Trugbild, ein wüstes, finsteres „Jehupez"! „Papiere!" Auch ein Geschäft! Ein Jude handelt, weiß der Teufel, mit Fetzen Papier! . . . Ich lese Deinen Brief, teurer Gemahl und denke so dqbei: Herzlieber, guter Vater im Himmel! Bist Du^ Gott bewahre, verrückt oder bin ich nicht recht bei Sinnen? Du. sprichst türkisch mit mir: „Papier . . . ^»Petersburg" . .. Portefeuille! Eine Hexe oder ein böser Dämon hat sich dem Mann in die Seele, gesetzt und bei Tag ist er in Jehupez, bei Nacht Ist er in VoLrisk, zusammen mit Mannsbildern und Frauenzimmern . . . Was hast Du bet Nacht in BobriSk zu tun? WaS für Absichten hast Du? Bist Du meiner überdrüssig, so komm' her und gib mir den Scheidebrief; wenn Du das nicht willst, so fahr' lieber gleich zu allen Teufeln nach Amerika, wie Jossel Leib AaronS und laß' mich nicht erst wissen, wohin Dein Gebein geraten ist, da eS mir schon bestimmt ist, für immer verlassen mit drei kleinen Kindern dazusitzen. Wahrhaftig. Dein Sauglück, daß ich jetzt nicht zu Dir fahren kann, ich bin — Gott sei's geklagt — so hart gestraft (auf meine Feinde komme eS!), daß ich sogar im Bett liegen muß. Wie sagt meine Mutter, sie soll Leben: „Wer leine Finger hat, kann niemand eine Nase drehen". Wäre daS nicht, so wäre ich aus Deinen schönen Brief gleich zu Dir nach Jehupez gefahren und hätte Dich schon nach Haukse gebracht; ich hätte Dir gezeigt, daß ein Weib — ein Peib ist. Go habe ich doch end<- lich ein hartes Wort gefunden? DaS macht der Kummer — und lang hält'S nicht vor. Wie sagt die Mutter, sie. soll lehen: „Ein Zündholz entzündet sich schnell nnd verlöscht bald". Dies wünscht Dir D-ine wahrhaft treue Frau Scheine-Sch-indel. 3. Brief. Menachrm Mendel aus Jeh tpe-, an fcfet* Fra« Scheine« Sch hchel, Der teuren, edlen, tugendhaften und klugen Ehefrau SLeine-SLeLndeL meinen @£uiU Zum ersten sei Dir knndgeben, daß ich Hank Seinem lieben Namen gesund bin und mein Leben das des Friedens; der Herr, gelobt sei er, möge helfen, baß eines vom andern nur Gutes höre in guter Bot-? schoft zu Trost und Heil Amen. . Zum zweiten wisse: Papiere sind nicht, wie Du meinst, gelvöhnliches Papier. Man nennt das Papier doch gemeint sind Aktirn, Petersburger Aktien« zum B-tspi-lr „Pntilow". „Transport", „Maltzewer", „Wolga" und dergleichen, daS sind Fabriken, wo man Eisenbahnen auf Aktien verfertigt; das heißt nämlich: es werden Aktien aus gegeben von einem Hunderter und dafür bezahlt man drei Hunderter. Warum? Sie geben „Divandenben"; je mehr „Divandenden", desto besser; nur weil eben k-iner vor Ende des Jahres we'h, was für „Divandende" gegeben werden wird, deshalb faßt man blind zu und kaust und kauft; und daraud wird eine Hausse", das heißt, das Papier steigt und Juden verdienen Geld und für mich fällt auch was ab. Du sollst sehend teure Gattin, wie armselige Menschlein, Mäkler, Nichtss, mit einem Mal plötzlich aufgekommen find und schwer reich geworden! Der sitzt jetzt auf „Sommerfrische" in BobriSk und fährt baden ins „Ausland". Ihre Damen gehen eingewickelt in Gold und Silber, dio Kinder fahren auf „Lozigaden", in der Wohnung halteu sie ,Luhsernanten", sie sprechen auch „Französisch" und spielen „Piano", essen „Eingemachtes" und trinken „Likör". Ein Rubel heißt bei denen nichts; da heißt es: Leben, leben, bis man draufgeht — und daS alles von den „Papieren". Wenn es Tag wird, da solltest Du sehen, wie der Börseplatz aussieht; voll, gesteckt voll von Juden! Unangenehm ist nur, daß man in den Kontoren nicht bleiben darß und auf der Gasse nicht stehen; wie soll man da etwas besprechen und «rfahvrn? Das ist böse. Doch es muß gehen «nd es geht! Gerade heute ist aus P-tersburg gekommen, Kurs „Putilow" — 178. Sag', soll man da nicht „Putilow" kaufenod<r zum Bü.'PteL. „Maltzewer"; sie stehen schon, sagt man, 350, wer kauft da keine „Maltzewer"? Wo sie dock Tao um Taa böhe.r. i»Li.uüe.n.?! An meüreu