Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1920-01-25 · Heft 363 (25.1.1920) · p. Seite 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 363 (25.1.1920)
Date
1920-01-25
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/2979076-2979416-2979441--03205-2988808
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

9 'Msen.'Sonnrast tzvlenev MvrgenzeitunK 28. Jänner 192^ mi ~m b von heute, schon der widerspreck'Sndsten Aufklärungen und Ent»! . Ulungen bedürfen. Was in Rußland geschieht, ist in Wahr- ' peit niemandem bekannt was in München, Budapest geschah, lbensotvenig. Dies kleine Büchlein stellt sich zur Aufgabe, Lber die Münchener Tragödie Licht zu breiten. Hier soll eicht geurteilt werden, wer im grauenhaften Geschehen „Recht" geliabt hat. Notwendig aber ist, daß in jeden Sicheren Zweifel gesenkt wird, daß die Herrschaft der Phrase und Lüge erschüttert wird, der denkende Mensch Selbstdenker wird. Dazu flber trägt dieses Büchlein sein wertvoll Teil bei. ha. m. h«so Hasses NeichstagSreden gegen die deutsche Kriegs- Politik. (Verlag »N.'urs Vaterland", Berlin.) Die letzten Monate haben uns eine Flut von«Enthüllungen*, don „Erinnerungen" und „Rechikettlgungen" bttchnt. Mehr wie nnmal drängle sich da der Gedanke auß diese Ludcndorffe, knrvitze, Wrndiichgrätze und luttr gvnnti laten besser daran, sich flicht mehr allznsedr m »Erinnerung* zurückZmnfctt. Wie anders dych mutet die Zusammenstellung der.Reden aus der Kriegszeit rinrs anderen Mannes an. Man braucht stch mit den politischen Z'elen Hugo H a a s e s. des ermordeten Führers der deutschen unabhängigen Sozialdemokraten, in keiner Weise zu identifizieren, aber man muß doch, wenn man seine parlamentarische Wirksamkeit verfolgt hat oder sie jetzt rückblickend nach ließt, gestehen, daß hier nn ganzer Mensch einen wahrhasten Heldrnkmnpk -geführt hat. Seine Reden geaen den Wahnwitz der deutschen. Politik konnten poch vor seinem jäben Tod erscheinen. Seine Wahrheilsschnsucht, seine Rechtlichkeit der Gestnnnna offenbart sich hier, konzentriert, noch einmal. Die Schärfe und Geistigkeit seiner Reden verblüffen, weil sie zeigen, wie er damals' schon den Gang der Entwicklung vorausgesehen hat, wie er gemahnt, gewarnt, gedroht bat. Hugo Hache* war emc P:nöul'.chkeit, auf die nicht nur die deutschen Sozialisten immer stolz sein werden, auch das jüdische Volk Kraucht sich dieses fernes Sohnes nicht zu schämen, ha.ra, . Alfred Wolfcnstein: Menschlicher Kämpfen S. F.scher-Beilag, Berlin. Alfred Wolfensiem hat. , was ihm von seinen. bisber*ir? er- ^rbeit8§fuype sü öiseken National - Fonds. Montag den 26. Jänner 192n findet im Festaaal des Hotels »Bayrischer Hof«, R, Taborstrasse 39, eine verbunden mit der Theater-Aufführung Herzele Me jÄches dargestellt von erstklassigen Schauspielern unter Leitung* des Herrn E.Tschisik aüs London, statt Saal- und Kascaeröffnung V*6 Uhr Abends. Anfang präzise 6 Uhr abends. Karten von K k.— bfs K 70 — sind bei der Arbeitsgruppe des JNF«, Wfen. II., Zirknsgasse 31, bei der NF.Verkaufstelle, II., Schmelzgasee 7, und bei R. Löwit, I., Rotentnrnistrasse 22, erhältlich* Der Beinrrtrag: flieset dexa JüdisobSn Rattonal-Fendt an; 7084 Sport. (AuS .. . ^_ zu WerIel und Ha'enclever' etwa, schon vor dem Krieg den Fluck des Kosnmeuden im Blute trugen end mit dem Einsatz ihrer Persöul chfe t den Protest hmausschrien. Das Paihos dieses nur zu schonen Ethos «st Emfamheit. Eine Einfachheit. d>e ungewohnt, komvl^ert ersche in. Es ist nicht Gesang, Musik schlechthin, cs ist der chaotnch scheinende Stunngesang des Sturzes, das Kommen, das Drokmm des sich- Vorberertend'N. Manchmal rst die V-rfchmelmng von Form und/ Geist dem Dichter restlos geglückt, manchmal enverst sich das Geistige als stärker. Wre immer es aber auch rst, hier offenbart sich jemand, der gehört sein will. ha. m. 5. Äudnal: Ahasver. Roman. Berli» Erich Reiß-Verlag., Die Mentalität, aus der heraus chirser Roman geschrieben hmrde. rst uns aus allzu naher, allzu böser Vergangenheit nur zu gut bekannt. Ader wa^dunals möglich, wenn auch nur als Ausdruck der Psychose erkla.lich. doch nicht entschuldbar war. sollte heute durch die simpelsten Gesetze des guten Geschmacks'verboten - erscheinen. „Ahasver" ckt der Versuch einer beweienden Auseinandersetzung zwischen den Begriffen: Nationalität, Inlernationalirat, Jude, Deutscher, und dazu cm Versuch mit untauglichen Mitteln. Die Hauptsache ist. daß zrim Schluß em Arier dem Juden die Hcmd^drückt, da er sich in Kuegsireiwilligleit stürzt. - „Haawoda." Die zibeite Nummernder hebräischen Zeit-« schritt „Haawoda" (Organ des Hapoct-Hazair in Wien) ist soeben erschienen. A u § d e m Inhalt: Hruch der D s.yplm. S a w l a n: Einx Kolonie der Selbsten beuendcn. D. Sil ber-- b usch: Erinnerungen an Perez Smvtenskin. Dr. Ernst Müller: In den Spuren des S oüalrsmus. W a ch smann: Havoel-Hazarr und das Gakuthproblem. N. M. Leder: Zwei Niger. Aus der Bewegung: Brief eines Chalur in Palästina an seinf'Verwandten. Die Hechalnzkonferenz in Lemberg. Dr. Nuppin m Wren usw. w Vüchereinlauf. Grünewald Alfred: Sonette an einen Knaben ^Verlag Ed. Strache, WienX Block Paul: Per verwandelte Bürger (Verlag Altheer L Co.. Zürich. Kerr Alfred: Die Welt im Licht. 2 SB'ävbt (Verlag S. Fischer, Berlin). Müller Rudolf: Ketten (Opfer der inneren Front. Anzengruber-Verlaa. Wien-Leipzig'. Schellenberg Ernst Ludwig: Die deutsche Mystik Verlag Hugo Bcrmühler, Berhn . Schaffner Jakob: Die Weisheit der Liebe (Verlag Grrthlem & Co., Leipzigs. Frei Bruno: Gespräch über das Glück (Anzengruber- Verlag, W'en-Lcivzrgi. M t f e I c ro 9L: Jichus, Erzählung ludifchGebürtig M.: Volkstümlich. Lieder tjtdisch'. Ehrlich M.: Zwischen Nacht un Tog. -Bilder' (iibifch). (Die drei letztgenannten im Verlag Monderes. Kraka». Kalwarviska 14.) IWwiBPgg5i ■■■! L,iij«i mw wiiiiwii 11 w& MgiiJU wnwikin miwii im Die Geschichte des Futzballsports. / dem soeben erschienenen .Abc de- Fußballspieles" von . WrÜh M eisl.) So zeitsich und so allgemein rst daS Ballspiel in der Geschichte aller Völker nachweisbar, daß es sich wohl lohnen würde, der Frage nachzugehen, w irum gerade diese Lnbesübung so früh und w international gepflegt wurde. Wahrscheinlich war tS die praktische Kugel'orm des Hauptg'rätS, die dieser Spielart zu ihrer enormen Beliebtheit verhalt. Mit dem runden Balle spielt der Indianer wie der Chinese, der Europäer wie der Australier» der Spanier wie der EHkmw. Schon altägyvnsche Wandbilder zeigen uns Gestalten, die offenbar ein Spiel mit, rpnden KörpenstiBällen) betreiben. " Homer erzählt.-wie Ltansikaa mit ihren Gefährtinnen Ball spielend dem erm.rit'elen. ans utrr der Pbäaken'nsel gelangten Odystens sinder. Später wurde rn HelladaS Ballspiel fast nur von Männern betrieben. Lediglich m Spana übten sich auch die Mädchen daun. ES gab, nicht .nuL Spiele Einzelner, sondem auch solche ganzer Parieiett» ähnlich'dem deatschen Grenzball. Bei den RöwerN war das Ballspiel noch weit volkslümktcher und wurde ,n vielerlei Azten geübt. Man rannte drei Bälle, den gebräuchlichsten, die kleine Pila». die große, mit Lust gefüllten Follis und die, zumeist mit Federn atisg'stops'e, zwisch.n diesen beiden die Mute haltende Pagan>ca. Jung und Alt huldigten den mannigfachen Abarten' des Spieles mtt großer Leidenschaft. * Seinen höchsten Glanz düijte da- Ballspiel im Mittelalter erreicht haben. Anfangs hatte es ferne Hauplanhänger aus dem flachen Lande, insbesondere bei den Baurm war es lehr beliebt ijp.u de ]a panme). Anfangs des 16. Jahr Hunder ts wurde es die Lieblingsbeschäftigung an den Fürstenhö'en. Auch an den Universitäten war eS hermrsch,. wie. es überhauvt in den Städien bald intensivste Psisge fand. In'fast allen Orten wurden eigene Ballhäuser errichtet. (B a l lbausvlatz in Wien, der Schwurgm B a l lsaale s20. Juni 1789 zu Paris, sic-nzönsche Revomttvnj). Eigene Ballmeister wurden vom den Städten besoldet. Auf dem Lande beteiligren sich allmählich aanze S-uwohnerschasicn an den K a m v fspielen. Gerpönnlich flandrn^ sich d:e Bewohner .zwerer benachbarter Orte als Parteien gegenüber. Das Z-el des Kampfes rvar, dcp Ball m dre feindliche Stadt zu tragen. 4 Man' sieht sofort, hier ruhen dir Wurzeln' der meiste» unstrer heu e io beliebten Ballsports. Damals hatten die Symbole noch ganz reale Bedeutung. Das >Tor^ das her Ball noch heme vafsierm muß. war damals ein-wirkliches. daS Stadttor. Die Farben der Partcten waren die ihrer Sladtgerneinde usw. Daß es bei diesen Dorswettkämvfeni nicht sanft zugmg. sondern Ausschreitungen aller Art und gefährliche Mafienraufereien als selbstverständlich galten, ist lercht "begreiflich. Schwere Unfäfle müssen sich sehr häufig ereignet haben, denn eine Reihevon englischen Königen — diese Spielart war insbesondere im Drei- — ---.—•■/-;- IfUTREPfiR ATiJR - AflSTfltT Herrenv. Dametihtite werden nach neuest. Mode prostpt und Wlttest modernisiert XVni., Wftbrlng-ex Gürtel 21 und VX2., S£ariabllferBtr&Bae 88 tn aütn Sh-rtftaaen. fflefanrotitren M3it?r Garantie, irarbbänder W aÄSysiems.erflklasiige-Materiäf. Lcop. Kurzer, Wien, M, Westbahnstraße 23. ' .Telrhpon 81587. sas inselreicht heimisch — erliest in eig'nen Gesetz« strenge Verbote gegen dieses Balliviel. Allein die häufige Wiederholung und Brrkchärkuna dimr Strafbestimmungen beweist schon zur Genüge^ daß auch damals cher Büttel der Behörden nicht imstande war> der Jugend ihr« liebste Zerstreuung, daS Jagen des DalleS, z» verleiden. Während in Deutschland und Frankreich aegm AusgandeS 18 Jahrhunderts das Ballspiel ganz außer Gebrauchs geriet kristallisierte sich auS der oben geschilderten Svielwetse in England allmählich bas Rugby heraus. ÄniangS wurde mit beliebig geformten Bällen und mit ganz bedeutend verschiedener Tkll» nedmerzabl gespielt. Allmählich geriet das Spiel in immer geregeltere Bahnen, bis eS sich m zwei Hauptarten schied. Nach dir einen wurde eS mit einem eiförmigen Ball betrieben, wobei es gestaltet war, diesen mit der Hand aufzunehmen, zu tragen und zu-weisen. Nach der andern Art durite der runde Ball nme mit den Füßen, ohne jede Benützung der Hänp? gespielt weihen. Im'Jahre 1863 gründeten die Vereine aus London und Cambridge (berühmte Universitaisstadt Englands) die Nur M* letztere Art "betreibende »Football Assveiatsond (Fußballperband), wahrend die der anderen Abart huldigenden Ver-» eine sich 187t in der Rugby Foo♦ bo11 Association zusammenschlossen. Auf dem Festlande sand daS schöne Rasenspiel. daS stch in seinem Mmteilande bereits größter Beliebtheit erfreute, bald Ein* gang. Die Art. der die Football Association huldigte — Spiel mit dem runden Ball — der rerne Fußball, wurde bnertS um 1875 in Holland emgesnbrt. Zur selben Zeit wurde er bereits in Dänemark betrieben» wo der.KobenhavnS Boldklub und einige andere Vereine schon 1876 eristiettrn. 1889 wurden in diesen beiden Ländern bereits Verbände gegründet und zwar in Holland der Nedrrlandsibe Boetbal« rn Athletik Bond, in Dänemark die Dansk Boldipil-Umon. Hebet diese Staaten kam daneue Spiel nach Zentraleurova. zunächst nach Deutschtand, dann nach Oesterreich, wd es in Prag 1890 zuerst festen Füll faßte. Ueber Wien (Gründung' der , Bien na" und der „Cricketer 1891) gelangte eS nach Ungarn (B. T. C) : DaS Fußballspiel bat sich zu einem, ja zu dem Volkssport entwickelt; datz es auch am Wachstum ln die Höhe nicht fehle, muß jetzt unsere Sorge sein. ^Die heutkgen Fußbaktwettspiere. Nach den Volkswebrspkclen vom letzten Sonntag heute auch schon die Verbandsvereine z» Worte. Vor' allem findet die letzte Vorrunde i« der Konkurrenz um den Niedev» österreichischen Cup statt,' die schon alle Zuwit^^ Aussigen an der Arbeit fieht.und außerdem kommen Freundschaftsspiele der l. Kläffe zur Durchführung. Von den- Cttpspielen ist jenes zwischen der H a k o a h und den W r e n e r R a s e n s v r e.l e r n am bemerkenswertesten. Bekanntlich gelang «S, den Dritlllafsigen im Herbst^, eine tombi'» nierte Hakoabmannschäft in einem rmprovtsirrten Wettspiel 1:0 zu besti'gen. Diesmal werden die Hakoahner trachten, ausgiebig Revanche zn nehmen. Dre Paarung für die übrigen Cupspiele lautet; Germania Tulln lSchwechats Donaustadt—Viktoria XXl /Straßenbahner*' platz). Sturm 07«*>Wiener Dewegungssvtcler ^Dörnbach), Vorwärts—Slovan «R^nnweger Sportvratz), Lyon—Cricket (Rrnnweger Sportplatz'. Wr. Sv. B —Red Star lOttakftng'. Helfort —Wacker X. -Ge» mama—Wieden, Sturm 1t—Gersthof (Gersthof), Favorit—Fav. A?C. ' . In Favoriten treffe« zwei erstklassige Vereine zusarmnen. Der S. C. H e r t h a hat den Sportklub W a ck e r zu Gaste, der chm einen ebenbürtigen Gegner abgeben wird. — Der W. A. C. spielt aus seinem Platze, aegcn'den. Ottakringer Ep. Cl., der F l o r i d s h o r f e r A. C. gegen den JedlerSd o r f e r S v o r t k l u b. Die A m - t e u r e. haben die R r n n w e g e r Sv. V. zu Gaste. ' Die MMasfigrn Msten sichere Siege erringen. Sämtliche Wett'viele beginnen vnvL Uhr nachmittags und finden, falls nicht andei Ä vermerkt, auf dem Sportplatz des erstgenannten Vereines statt. , Hakvah, Fechtsektton. Infolge der viele« Neu« a« Meldungen wird das Training wie solgigeregelt: S o «Li t a g: 9—10 Uhr vormittags für Herren -Anfänger^; 10-11 für Damen; 11—12 Uhr für Herren tAorgeschttttene). M o « t a g und D o n n s r S t a g r 6—7 Uhr abends kür Damen; 7—8 Ubr für Herren (Anfänger); 8—g Uhr a b e n d S für Herren «Vorgeschritten^. Alle Kurse sieben unter der Leitüng des UnidersitätSfechtmelsterS B e r g e r und finden im Fechtsaale der Neure Jehuda, 1X„ Servttrugaffe 10, statt. - Sportklub Hakoph. Heute findet um 6 Uhr ahcndS im CafS Atlash'oi ein Klubabend mit Vorträgen und Tanz statt. Zu» tritt nur für Mitglieder und für durch solche erngeführte Gäste. Menachem Mendel. Ern Briefwechsel. ' Herausgegcben von Scholem-Alejchem. Aus dem Jüdischen übertragen von Siegfried E chm i tz. Das erste Bündel Briefe. ... ^London* (Odeffarr Börse). (6. Fortsetzung.) h 10. Brief. vius Kosrilrivks an ihren Gatten Mcirachem Mendel in Odessa. Dem hochgeehrten, edlen und machtig.:n.Herrn, dsm wersen Kenner der Thora, den hochgeehrt-rn Neb Menajchem Mendel ehrfürchtigen Gruß! ' , Erstens vermelde ich Diti, daß tvir alle, Gott sei Dank, beim besten Wohlsein sind; gebe Gott unS, das Gleiche von Dir zu Höven fürderhin und nichts Schlimmeres. Zweitens teile ich Dir mit, daß alle drei Kinder die Masern haben; ich schlafe keine Nacht und er — trinkt dort Nosinenloein mit Lakritzen! Sag' mir; Was fehlt dem Manne - Er hat sein Vergnügen. Und da will nehmen! Hör', Mendel: Den Plan schlag' Dir aus dem Kopf; mich wirst Du, Mendel, nicht närrisch machen! Nur langsam. Großmutters Gwßmut't>er ist nie dort gewesen und hat dennoch in Frieden gelebt, ich werde es auch, ohne Odessa. Du wirst mich Glicht überreden. Mendel, Vater und Mutter, alle Bekannten jund Freunde zurück-,ulassen und mich in dem wüsten j Odessa (brennen möge es!) anzus!edetn. Mendel, Du kannst sagen, was Du willst; „Dein Odessa" gefällt . Mr Mt. Ach hasse es, ich. weih nicht,, wgrmn. Und 1 meine Vernunft sagt mir, Du ckögest Deine Ware allmählich abstoßen und den Gewinn einstecken. Wie sagt doch die Mutter, sie sott leben: „Bon allen milchigen Gerüchten ist das. beste — ein Stückchen Fleisch". Und wiegen» Du Dich in Deinen Berechnungen geirrt hast? Solches Glück möge einett anderen treffen! Du schreibst, daß Dein verrückter/ Gambet — ich bleibe dabei, daß er verrückt ist -- Dich nicht herkaufen läßt; ich begreife nicht: was geht ihn das an? Ist das für ihn Familiensache? Spuck' Hm ins Gesicht, wenn er Dir vom Krieg erzählt! Mestdel, gehorche mir: hör' auf; mach' Ausverkauf', wenn Gott Dir lieb ist! Du l hast ein paar Rubel verdient — genug! Wielange gej dankst Du noch hott zu verllyttern? Doch mein Reden, /ist vergebens. Habe Ich denn — Gott sei'Z gellet -»7 , Wert in Deinen Augen? Ich bin ja ,Sche inej.Scheindel, nicht Blirne-Zlate! ^Wenn Vlime- Zlate ihrem Mann nur pfeift, da rennt er schon, als hätte er Laibschmerzenl Um Himmels willen, Mendel, liebster Mendel: -verkauf' ^und mach' Dich auf den Heimweg!. Vergiß aber nicht: ein Dutzend gestickte Hemden für mich, Samt für ein Kleid für die Mutter; sie soll doch auch ein Andenken haben an . die Zeit, da ihr'Schwiegersohn in Odessa mit Narren Wavenhandel getrieben hat. Auch ein Stück Damast, mit Mustern, er mich nach 'btm] fM*£“!*l»1*' Den Plan scblaa' 'Dir ** im Koffer noch Platz hat, auch einiges-Glasgeräd ^en Pmn -vir; Dir preiswert verkommt. Und.komm' nur zurück, dckß die Leute aufhören, das Maul mit mir vollKnehmen und -mich zu sticheln. Ich will bock! sehen, ob Du mir nicht gehorchen wirst. So s'cher sollen meine Feinde krepieren, wie Du mir folgen' wirst, wie es Dir wünscht aus tiefstem' Herzen D'ine Wahrhaft tr'ue Frau ' '. GchjeinL-SAeindel» 11. Brief. Menachem Mendel ans Odessa an seine Fmu Schein«' Schr'ndel in Kasriliwke. Der teuren', edlen, tugendhaften und klugen Ehefrau Schelne-Scheindel meinen Gruß! Zum ersten sei Dir kundgeran, daß dank Seinem, lieben Namen! gesund bin und mein Leben das des Friedens; der Herr, gelobt sei er, möge helfen, baß eines vom anderen nur Gutes höre in guter schaft zu Trost und Heil Amen. '! :! Zum zweiten wisse: der „Ultimo" ist ge.kvmmsn und. es war eine Panik, davor Gott behüten^und be-> wahren möge! Ans der großen „Schwenkung", auf die ich gewartet habe wie auf den Messigs, ist eit; großes Nichts geworden. Bismarck, erzählen-sie,'hat sich erkühlt und Linen Katarrh gekriegt; so ist in der Politik eine'Verwirrung entstanden und keiner weiß,'was vorgeht. '„London" ist so ^euer geworden wie Gold und der Rubel ist gefallen bis in den Abgrund der Hölle, und es wurde eine furchtbare. „Baisse^! Du fragst natürlich,. um meine Stücke^ „Baisse" und meine „dchlüsse" sind. Die Erklärung ist die: Die BaissestUcke sind keine Baisststüüe, die Schlüsse sind keine Schlüsse; denn keiner will nehmen und keiner Witt geben; wemttS anders ist, will ich Fips heißen! Uttd wie zum Droh habe ich mit meiner Ware bei lauter, solchen Fröschen gesteckt, die bei einem Druck erstickt sind. Kurz und gut — §s ist eine Pest urtd Verderbnis über dis WSlt gekommen, daß sie zur Ruine geworden ist. Oh, hätte ich doch einen Tag früher „realisiert"! Aber — bin ich ein Prophet- Alle laujen da herum, wie vergiftete Mäuse; jeder einzelne tut, als wäre es nicht ganz richtig bei ihm; und alles schreit „London"! Wo ist mein „London"? Gib mir mein „London"! ,,London!" dov!" Doch wo ist „Lonoon". was ist „London"? Und eS regnet Schläge und- Flüche und Ohrfeigen^ und 9

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.