Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 363 (25.1.1920)
- Date
- 1920-01-25
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- Baku 1× ep/1000527
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Ar. 363 'Wien. Sonntatz Wiener Morgeuzeirunst 25. Jänner 1920 GeiteV Glieder ein: das georgische, das armenische und das tatarische Kolk. Die georgische Republik umfaßt zirka 100.000 Quadratkilometer mit dreieinhalb Millionen Einwohnern. Das Land besitzt gewaltige Bodenschätze an Mineralien und Erzen, Tabak- und Teepflanzungen, eine ^hochentwickelte Baumwoll-, Seiden- und Weinkultur usw. Zudem, ist Georgien in hohem Grade befähigt, aus leicht zugänglicher Meeresstraße über seine ausgezeichneten Häfen Batum und Poti das. Bindeglied zwischen dem Orient und dem Okzident:herßustellen.«Auch die. Naturschätze Sibiriens kann es dem Welthandel erschließen: der Schienenweg von den Ausfuhrzentren Sibiriens nach Batum ■ und von da über die Meere in die weiten Lander hinaus ist kürzer als die frühere — heute überhaupt lahmgelegte — Ausfuhrstratze über den Ural nach der Ostsee. j Die tatarische Republik Aferbeidschan umfaßt die östlichen Teile' der Kaukasus, das, Naphthagebiet .Baku eingeschlossen, mit 4 Millionen Bewohnern: Die Republik Armenien ist einschließlich Türkisch-Armenien weit ausgedehnter als ihre beiden Schwesicrrepubttke«« hat aber bloß % Millionen Bewohner. f Proteste in Paraguay. „Ein kräftiges Wort tut not, ein-Wort stammen-' den.Protestes!. Die Firma Erzberger, Hirs ch, hn L Co., die sich „deutsche Regierung" V n'e.r^n t, .hat.jetzt mit der Auslieferung der sogenannten '/ , •", ,MiegSschnldigen"' .an unsere' Feinde begonnen. >•.' ■ Wir' wissen. jetzt, baß sich Erzberger, dieser ..M^fennagel zum deutschen Sgrge, die. Zustimmung der -' 'MMSrpartei. zur Unterzeichnung des Friebensvertrages : einschließlich des Auslieferungspassus durch eine »i- Lüge erschlichen, hat. >y.t v Jeder Deutsche, der die Nachricht pochenden Herzens >' ' liest, wird tot vor Scharn und Zorn. Wer einzig und $* '* P Allein nicht rot wird, ist die deutsche Regierung: C r z - .. berget, Hirsch, Cohn 3z Co.! Das Maß ist Wir Deutsche im Auslande dürfen, wenn wir noch einen Funken nationalen Ehrgefühls im Leibe haben» ' - /nicht mehr mit vers chränkten Armen zu- / ^seheu, wie die deutsche Re giermng di« den tsche Ehre durch den Schmutz schleift. Also ein Ruf zur Tat! Was will inan tun? Revolution. Von rechts- Nein, es wird bloß eine gewaltige Kundgebung -es Deutschen Volksbundes . für. Pavaguatj angeregt und dieser soll an den Deutschen Volksbund für Argentinien und den Deutsch-chilenischen Bund.Äeitergegeben werden. Dann, ioird.er'der deutschen Regierung, telegraphiert und der Inhalt joieder,-sämtlichen großen neutralen Blättern in Südamerika sind Europa^'bekanntgegeben.!' > ..DaS.Blatt y es handelt sich, um die „Deutsche Zeitung" für Paraguay — hofft, ans diese Weise dem Protest eirys gewaltige Wucht zu geben. Die konservativen deutschen .Blätter-drucken den Protest des südamerikanischcn Blattes irmtürlich ab, 'so schließt sich der Ring. Märt vergißt,'was die Treibereien der Auslanddeutschen ans deni .Gewissen haben, lpid die alte Hetze kann wieder loschen. - ' ^, , ’ Sozialdemokratische Probswahlen in der Tschecho-Sloivaksi. f.... Der Prager ..Vecer" berichtet, daß die Sozialisten in Hehreren Städten Probewahlcu durchführen. So sind zuck Beispiel Ncmee in.Lieben und Anton Svecny. in Smichow. bei. dm Probcwalilen durchgefallen. Auch m Kladno waren vorige Woche. Probewahlen. Es waren vier Kandidaten aufgestellt. Es wurden gewichst: Dr. Franz Soukov mit 12000, Dr. Cmeral mit 9000, Älors Muna mit 6000 und Frau Maher-Stivm mit dOOO Stimmen. < ggajg!!'gg..g',J . J-! -ggglSB Der Prälatensaal. Bon Ludwig Dato. Dis jüdische Volksseele, die jede Aeußerung und Erscheinung de§ Familienlebens mit poetischem Zauber umsponnen hatte, wandte sich mit besonderer Innigkeit dem Akt«'der Eheschließung zu.' Die reizendsten Bräuche jüdischen und menschlichen Sirmes' knüpfen sich an die jüdische. Trauung und Hochzeit. Die altbewährte vieltausendjährige Treue' zur alten jüdischen' Heimat wird versinnbildlicht, jitbcm ein irdenes' oder gläsernes Gefäß. zerbrochen Wird, eingedenk der Worte des Psalters:. „Wenn ich dein vergäße,' Jerusalem..." In vielen jüdischen /Gemeinden erhielt sich die althergebrachte Sitte, dem jungvermählten. Paare Weizen auf den'Weg zu streuen.'!' Es ist so recht bezeichnend für denvolksfeindlichen tefatR'- der J aufklärerischen Reformvabbiner des 19. Jahrhunderts, -daß sie, in richtiger -Erkenntnis der - nationalen Werte' dieser 'Bräuche, mit einer überlegenen Geste - den' „abergläubischen Sitten" den Garaus machen wollten. Ihnen' haben wir es -zu verbmcken, wenn die jüdische Trauung, die früher ein lebendiges Volksfest im besten Sinne des Wortes war, im Westen eine kalte, starre Zeremonie geworden ist. ' " ' ' ‘ '. t.. Und doch hat sie auch in / der heutige::, .im: Westen geübten Form noch vieles, von der alten anmutigen. Gestalt bewahrt. Auch , äußerlich: in der - Seitenstettengasse wird tvoch immer ein prachtvoller, hundert Jahre alter. Traubäldachin verwendet, eine Spende von „Jsak; Löw und Frau Therese 'Edlen von Hofmannsthal". Ein Andenken vn die Wiener altjüdische Zeit, in der man,'wie. in der ganzen Zerstreuung Israels, der Hochzeit-ganz besondere Sorgfalt zutvandte. Moriz Lazar Biedermann gehörte vor hundert Jahren zu den Vertretern der Wiener Judenschaft, der es — wie bekannt — damals noch verwehrt war, sich zu .einer Gemeinde zusammenzuschließen. Die Tochter des Hauses. sollte heiraten pick Biedermann, um den Glanz des Trauaktes zu er- Mhgn. lud Mltz Leuchte. hxr idmubifclveu WisseyschafL der „Ültnenland“ (für jüdische Musik, Kunst und Wlssenichait. stelnemsgnlr titr öle jöölscl e $tnöenienbeim$atte. Donnerstag den 29. Jänner.1920, 126 Uhr abends, im Festsaale des Kasinos. Schwanenbergvlatz. 1 Mitw'nkende: MäNt Usga». von flieh*, Prof. Storch. 3ööi$cher 6eiang«oncitt „finhiner“*, EiKlan Barwitt, Solocellst des Wiener Tonki'mstlerorchest rs, w.rd..Kol Nidrec" und „Elohcjnu'' . ' . spielen. WtNlfle Eiche Karten: Gutmann. k., Kärntncrking 3. Buckbandlnna Löw t. l., Notmnn'mst'aüe 22. ..Aida", II.. Taborstraße 5. Mkehe Stttckenteneehsst Eilt an Ser Issrre, wenn Platz vorhanden, klnttttlssrai'ten «u rftk-ne«. Zweiter Elederafcestd findet^D.eustag den 3. Februar, V2fi Uhr abcvb“, in demselben Saale statt. M«wirk,nd?: Pflffer WolPopcr:), wsarrvsN NoMoper', Händler % (BolkSoper., Neunisn« (Bolkeoper'. Frr. Steffi 6M,i«e spielt Harfe. Serrl-NorSa« Mstinee /findet den 8. Februar in demselben Saale statt. Mitui!rr''.nd'-: Latte MeaelUKV?(VurqjLeater',' Seor» Nermer» sBnr^theatir), lttartb» Crebitstb Dl-uischkS BoNstheaier. gerel-lvlrter «Slsner. Karten an den obg;nanntem Steckn und 'in der Bereinigung der jüdischen HSrer der Hochschule' für Welthandel, n. Äaborstraße f. 8230 Die BEsabstiwmung im Trschener Gebiet. ' Lrschen, 23.: ZäWr. WrivaE Von unterrichteter Seite wird mitgeteilt: . Bekanntlich ist die Pl ebiszitkomMission für bas Teschener Gebiet am 23. b. M. von Paris abgereist, so'daß mit dem 2S. oder 26. Jänner ihr Eintreffen in Leschen erwartet werben kann. Da die Besetzungstruppen der Entente am 1. Februar nach Ostschlesien abgehenist mit deren Eintreffen am 5. oder 6. Februar zu rechnen.^ Von den Ententeiruppen sollen: Detachements nach Tesch eu, Bielitz, Friede? und in die Grenzstation Ober b e r g verlegt werden. Es ist möglich, daß ein Teil der Besatzmtgstruppeu statt in Polnisch-Ostrau iu Mäh risch-Ostr au untergebracht werden wird. .. t Die Plebiszitkonimission wird sofort die Bedingungen ' für die Volksabftimntnng ausarbeiten. Von dem Tage der Verösftntlichutlg dieser Bedingungen muß die Volksabstimmung binnen drei Monaten öu^rchgesührt sein. Die Plebiszit« kommission wird das AbstimmungsresültaL sofort dem Obersten Rate bekanntgeben, der nach den bisherigen Dispofitionen innerhalb 14 Tagen über die endgültige Zuteilung der in Frage kommender: Gebiete feine Entscheidung treffen wird. Wenn also vom Obersten Rat diese Entscheidnngsfrist von 14 Tagen nicht ausgedehnt wirb, ist mit der Regelung der vstschlesischen Gebietsfrage in der. ersten Hälfte des Monates Juni zu rechnen. .. Ein Antrag zur Emschraukung der freie« Meinuttgsäußerrrng in dev Schweiz. In den Schweizer linksstehenden Blä tern gibt sich eine große Beuurnhigung. kundMer einen Initiativantrag zur Aenderrmg der Bündesversassung. der jüngst emgebräckt wurde und die Unterschuft von sechzigtmpend Schwerter Bürgern trägt. Nach diesem Antrag soll m die Bundesvermssung der folgenden Artikel ausgenommen werden: ^,Dte Bundesmacht ist verpflichtet. - Sch^weiz.e.r Bürger, d«ie die innere Srcherheit des Landes gefährdeu könnten,, ohne Verzug in Haft zu fetzen." Es ist. begreiflich, daß die freiheitliche Schwerer Presse diesen Paragravhen als einen Kautschukparagraphen sülchtet, der in der Hand einer rückichrinl'chen Behörde zur größten Gefahr werden kann und schließlich zur Unterdrückung der freien Meinungsäußerung führen muß. damaligen Zeit, den berühmten Rabbi Eleasar Halevi aus Kunowitz in Böhmen, der ' nach seinem Buche „<&ä)men Rokeach" genannt wurde, ein, d5n Ehebund zu segnen. Rabbi - Eleasar Halevi kam nach Wiens vollzog die Trauung, die mit großartiger Pracht gefeiert wurde. Kaum war sie zu Ende, schnürte auch' schön der Rabbi seinen 'Ranzen, um in seine kleine' böhmische Gemeinde zurückzukehren. Biedermann war darüber äußerst bestürzt,. da er mit Bestimnrtheit darauf rechnete, -baß Schemen- Rokeach.-am Hochzeitsmahl teilnehmen würbe. „Ihr' werdet! doch7 Rabbi, um Gottes willen,' jetzt ' nicht abveisen . wollen.. /Ich habe sunkelnagel-' neue Küchengeräte, Teller und Bestecke atigeschasst, einen frommen 'Schächter'und'zwei Köchinnen aus Pveßburg ' verschrieben, all das; damit- Ihr-unserem - Tisch beehret und' nun wollt Ihr uns im Stiche lassen!" Aber Rabbi Eleasarblieb standhaft und sprach .mit treuherzigere Offenheit: „Bielen Dank fiir die Einladung. Ihr werdet aber verstehen, daß ich >mich dem nicht" aussetzen . kann, daß -sich/ einer Eurer. Gäste unbedeckten Hauptes an. den Tisch . setzt oder beit Tischsegen nicht mitspricht." Sprach Rabbi Eleasar und fuhr unerbittlich in seine Heimat zurück. Seither sind hundert Jahre ins Land gegangen. Das Geschäftshaus, bas Moriz Lazar Biedermann gegründet hatte,', besteht noch immer unverändert in der Bräunerstraße, nur die Nachlvmmen.haben sich ganz tüchtig gemausert. Sie sind heutemagyarische Freiherren mit dem Prädikate „von Turony", bis in die*' Knochen klerikal' und selbst die Weißen Garden tön,um ihnen nichts anhäben. O, Rabbi Eleasar Halevi, du. Wurst M geahnt zu häbön! In' der' DorothLergasse stehen zwei bescheiden anmutende Gebäude, die emander auf ein Haar gleichen. Zwei evangelische Kirchen sind es: die eine Augsburger, die andere helvetischen Bekenntnisses. Die jüdische Hochzeitssreude der oberen Kreise begann am Ende des vorigen Jahrhunderts ihre Stätte von der tiefergelegenen Seitenstettengasse in höhere Regionen, in die düstere Dorotheergasse zu verlegen. Abxr Wr. der O.rt wechselte, das Bild hlieb dasselbe. Die Inland. Die Pariser Reise des StaatssekretÄks ü Dr. Reisch. Staatssekretär für Finanzen Dr. R^eisch' tvirn am Samstag den 31. Jänner, abends, in Begleitungl des Staatssekretärs für Exnährungswesen, Loewen« fekd-Ruß, die Reise nach Paris antreten. NebD den auf unsere Lebensmittelbeschaffung bezughakenden Fragen wird natürlich dtp Kredit frage in de« Pariser Konferenzen zur Sprache kommen, wobetö Staatssekretär Dr. Reisch auch die Gelegenheit wahr-, nehmen wird, die Vergebung des österreichischen Tabaks Monopols gegen ausländische Kredite mit den franzö^ fischen Fiyanzleuten zu besprechen. Bekanntlich wnrd^ in dieser Angelegenheit bereits mit einer holländischen Finanzgruppe verhandelt, allein zu einem greifbaren? Ergebnis ist es hierbei nicht gekommen, da eben diE Holländer keinen Vorschlag machten, der als- Basis für. weitere Verhandlungen hätte dienen kön: e t. Nun inter^ essieren sich, wie in finanzpolitischen Kreisen verlaute^ nicht nur die Franzosen, sondern auch andere aus^ ländische Finanzleute für die Verpfändung des öfteafei r.eichischen Tabakmonopols.! Der Kamvf um die Verfassung. . Zu der am 15. Februar in Salzburg statt-», findenden Länderkonferenz zur Beratung btt Bundesverfassung sind bereits die Einladungen an die Landesregierungen und die Gemeint edertretung von Wien ergangen. Nach dem AufteilungsschlüsseL erhält Wien vier Mandate. Diese müßten nun in dev, Z^eise aufgeteilt werden, daß die Chriftlichsozralen^einen und die Sozialdemokraten drei Vertreter zu der Länder^ konferenz entsenden. Die Wiener Christlichsozialen e« klärten jedoch,-daß, wenn die Sozialdemokraten WieM auf der Länderkonferenz durch drei Mandatare vertreten sind, sie sich nicht mit einem Mandat begnügen können^ Man wird daher nicht umhin können, der Stadt Wiem auf der Länderkonferenz moch ein fünftes Mandat ein-^, zuräumen, so daß dann Wien drei Sozialdemokraten und. zwei Christlichsoziale nach Salzburg entsenden wiM Die Wehrvorlage. Jnr Wehrausfchuß ist es bezüglich der Wehrvorlage noch za keiner Einigung gekommen. Die Chrtstlichfvzialen wolle» dm Avg. Dr. M a t a i a zum Referenten bestellt wissen, weshalb «fl? wohl eine Kampfabstimmung geben wird. In der gegenwärtige^ Form wnd die Vorlage nicht Gesetz weiden. Die Bertretnng Oesterreichs rm Ausland. Wie verlautet, sicht die Ernennung des Professors Mi st o tzum Gesandten Bern Vatikan m allernächster Zett bevor. Als Gesandter in Beel,» verbleibt vorlaustg Dokto^ H a r t m a n n. . — ... - fi " Zum österreichischen Gesandten m London dürste Srktronsches Dr. Franke n st. e r n ernannt werde«. Hosrit Ludwig Pastor ist im Jahre 1854 m Aachen geboren. Er studierte in Bonn, Berbn und Wen, Habili'ierte sich dann m Innsbruck, wo er 1886 zum .Professor der GeWchtv ernannt, wurde. <901 wurde er Letter des osterrercheschm, Histortschen Instituts in Rom. '! - Sektiousches F r a n ck e n st e t n ist 42 Jahre oft und gehört dem Mmistnium des Arußern seit 18 Jahren an. Er war den Missionen in Petersburg, am Qumna! und in Tokkvmgeteilt und vom Jahre 1912 bis zum Kriegsausbruch ^altz kommerzieller Direktor an der Botschaft m London tätig. Während des Krieges funaierte er als Kommissär beim deutschen Generalgonvernement in Biüffel. ’ _j Väter und'^ Mütter, die Kranzelherren und Kranzeldamerr uzed die gesamten Gäsck waren dieselben Juden und Jüdinnen, die da unten in der Seirmstettengass« miü großem Ponep vorzufahren pflegten,' typische jüdisch^ Gesichter. Ob sich' nun die. Tochter. des Hofrates Stukart von der Polizeidirektiön mit dem Fabrikanten Löw oben sonst wer vermählte, es blieben immer dieselben Juden und! Jüdinnen, die in ihrem ganzen Gehaben' so sehr an die schlechten Seiten der mährischen oder böhmischen Juben^ gasse erinnerten und von der ehrwürdigen Aufmachung ■ bet! evangelischen Kirchen so seltsam abstachen. Das dürften aber, auch die Gäste selbst gefühlt haben, denn bei solchen Anlässe«! ging es bei weitem nicht so lebhaft zu wie auf den« heimischen Parkett der Synagoge. Eine gewisse Zurückhaltung bemächtigte sich der Menge, die ihr sonst in dem Umgang mit Nichtjuden und in der Anbiederung an. sie gänzlich fremd war. Und vollends, als der Priester die . übliche Ansprache hielt, in der er, ach!, so. wenig.von dem christlichen Lebens Wandel der beiderseitigen Ettern erzählen konnte. .... - ' ‘; * Die bescheidene evangelische Kirche übte eine große Anziehungskraft auf abfallsreise, wohlhabende jüdische Kreise, aus. Der' Uebertritt zur Kirche Martin Luthers erschien ihnen, die immer anders sein wollten als die anderen, nicht.- etwas alltägliches» wie das Untertauchen in dem gewaltigen Meer-der katholischen Kirche. Und noch etwas: die lutherische Kirche hing auch mit ihrem Deutschtum zusammen. DM mächtige und unbesiegbare Deutsche Reich hielt gleichsam seine schützenden Fittiche über die Dorotheergasse. SÖiej Los - von - Rom - Bewegung hatte auch in diesen Kreisen Anhänger gefunden. * | Einige Zeit später wurde von der jüdischen sogeuannten' besseren Gesellschaft das Kirchlein am Semmering sehr? frequentiert irnd die Geschichte einiger jüdischer Familien fand! hier ihren jähen Abschluß. >1 Dann kam der furchtbare Krieg, der naturgemäß mtäjir in der Denkungsart der jüdischen haute finance und ihrer lre.i.'n Paladine, Zt tre t: der fo:e antiteu „jübis^en Pre'se" eine tiefe Wandlung Hervorrufen mußte. Das mächtig«, putsch? Reich wurde besiegt rrnd. ja geriet .auch dq.s. i$cr*j