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Wiener Morgenzeitung · 1920-01-20 · Heft 358 (20.1.1920) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 358 (20.1.1920)
Date
1920-01-20
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Shrte 4 Wien, Dienstag Wiener MürgeNzermnK — --■ ■ -- - 1 ..i ..-...——■■■'.-. Die radikalen Blätter in Berlin dürfen nicht erscheinen. Berlin, 19. Jänner. Das „8-Uhr-Abendblatt" srfährt an amtlicher Stelle zu den Zeitungsoerboten, >aß diese solange ausrechterhalten werden würden, ns nicht von seiten der unabhängigen und Kommuristischen Partei die Grundsätze der Demokratie respektiert würden und diese beiden Parteien nicht mrauf verzichten, die Errichtung einer Minderheits-;errschast anzustreben. Oer Führer der deutschen Anabhängigen verhaftet. Berlin, 19. Jänner. Der Führer des radikalen Flügels der Unabhängigen Däumig ist heute vornittags durch das Oberkommando in den Marken m Austrage der Neichsregierung verhaftet worden. Thor» von den Deutschen geräumt. Berlin, 19. Jänner. (Trl.-Komp.) Die BefehWelle des '7. Nrmec.^rpZ in Danzig meldet, daß die S t a d t T h o r n? e r ä u m t morden ist. In der Stadt herrscht Ruhe und Ordnung. Die polnische Auslandsvertretung. Warschau, 19. Jauner. (Privat.) Zum polnischen Gesandten in Berlin ist Herr Ignaz Szebeko, ehemaliges Mitglied res -russischen Reichsrates, ernmmt worden. Der polnische Ge- Ändte in.Washington, Fürst L u b o m i r s I i, hat seine D en i s s ion gegeben. Zum polnischen Generalkonsul in Kanada vnrde Herr O k o l o w i c z, zum Vizelonsul Graf Skarbek rrnavnt. Kramarsch gegen die Völkerversöhnung. Prag^-i9. Jänner. (Privat.) Bei dem gestrigen Kongreß ier tschechischen Minderheiten in der ri s ch c ch o - S l o w a k e i hielt Kramarsch eine von starkem beifall begleitete Rede, in der er cmssührte, die Tschechen müßten >er ganzen Welt nnd insbesondere den Deutschen zeigen, daß sie sich ücht furchten/ daß der nationale Charakter des Staates, für den ie gekcnnxft und geduldet hätten, der tschechische sei und kein jmnber, «Dir wissen wohl," erklärte Kramarsch, „daß die Deutschen ms und unseren Staat immer hassen werden und nie aus voller Seel: getreue Bürger unseres Staates sein werden. Eben deshalb st es nötig, das tschechische Volk als Staatsvolk zu erklären." an der.Verfassung müßte das tschechische und slowakische Volk als Ttaatsvolk und die tschechische und slowakische Sprache als Staatssprache erklär: werden. Man möge in keinem Wörterbuche mch Wörtern suchen, die dem Wortlaute des Friedensvertrages ü.cht entsprechen. Deutscher Airterricht irr den slowakische» Schulen. Prag, 19. Jänner. (Tel.-Komp.) Das Unterrrchtsmim" lerirütt' ordnete den obligatorischen deutschen q n t er t i ch t in den Schulen der Slowakei an. Die Stellung der Slowakei. Prag, 19. Jänner. (Privat.) Die amtliche „Ceskostovcnska Republika" erörtert das Verhältnis Prags;ur Slowaler. Die Slowakei stehe anr Anfang ihres mtitischen Lebens, das bis. jetzt primitiv sei und den Veg zur,Entwicklung suche. Die Slowakei sei in ihrem olitischen Leben bis zu einen: gewissen Grade aus nnem Provinzialismus noch nicht herausgekommen und rs liege in ihren: Interesse, diesen Zustand zu überwinden. Mit Rücksicht auf diesen Umstand könnten wir, metnr das Amtsblatt, eher der Slowakei mangelndes Verständnis für Prag vorwersen. Bor allem sseht das Interesse des Staates und diesem müsse sich eer.Provinzialismus. unterwerfen. Prag blicke auf die zanKe Republik von diesem höheren Gesichtspunkte, nicht oicllcichi vom zentralistischen, sondern gesamtstaatlichen,, was nichr ein nnd dasselbe fei. . Emgesen-et. Ich annonciere mit den kleinsten Buchstaben zahle aber Sie grössten Preise für schöne grosse und kleine Brillanten, Perlen, Dosen, Tassen, Kannen, altes Porzellan, Bronzen, Uhren, antike Möbel, Bilder und alte Zähne. Juwelier- und Kunstsalon Politzer, I., Augustinerstrasse 12. 48g PsrtäBti» ,FIORIS‘ Wien, L, Graben Nr. 29 SSmiSiche Parfüms, Puder etc. Wolff & Sohn, Dralle, Lohse, Schwarz» : lose, Mouson, Prochaska etc. : $oo ManSikur-Snsfrumente, Kassetten, Kamm« u. Schüdkrotwaren für «Sen Export Eagernd SGOLD BRILLANTEN 1 H Platin,Münzen. 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Der Bürgermeister hat snr Interesse des öffentlichen/ Sanitätsdienstes verfügt, daßbei den Haltestellen der Kraftstellwagen jenen Aerzten, welche sich als solche legitimieren, der Vortritt vor allen anderen Passagieren gestattet wird. Das Publikum wird gleichzeitig ersucht, die Durchführung dieser Verfügung aus eigenem, int Hinblicke aus die der ärztlichen Hilfe hsdürftigen Kranken, zu unterstützen. Da der größte. Teil der bisher emstelangten Kohlen den Bahnen-zugewiesen wurde, so ist mit Bestimmtheit damit zu' rechnen,-' daß am nächsten Montag der Per so neu zu gsv er kehr wieder ausgenommen wird. - Die Einführung von AkkuMülätorenzügein aus den StaaLsbahmur. Die Staatsbahnverwaltung befaßt sich, wie wir bereits gemeldet habenmit der Frage--wie-das Problem der Verkehrsnot unter gleichzeitiger 'Kohlenersparnis gelöst werden könnte. Wie wir erfahren, beabsichtigt die erwähnte Verwaltung, schon in der allernächsten Zeit mehrere A k ku mu la to re n - Tr iebw ag en-z ü g e in den Verkehr zu stellen, nachdem mit den bereits sertiggestellten Zügen wiederholte Probefahrten zurallgemei neu ZU frieden heit ausfielen und sogar Steigung e n auf d e n A r l b e r g klaglos genommen wurden. Vorläufig nur probeweise sollen diese Motorzüge in den Verkehr eingeführt und wenn sie sich bewährten, in absehbarer Zeit wieder ein - regelrechten Personenverkehr auf den- L v k al st r e ck e n i n Wien, Linz, Salzburg, Innsbr Nck und Bregenz ein geleitet werden. Die hierdurch ersparte Kohle soll für die Wiedereinführung der Fernzüge verwendet werden, der dann nichts im Wege stünde. Es ist klar, daß durch eine solche Lösung die katastrophale Verkehrsnot ihre Schärfe verlieren würde, und die Bahnen durch das Versagen der Kohlenzufuhren den Betrieb nicht mehr werden Linstellen müssen. Die Lage der Mischen Studentenschaft in der Schwerz. , Von Die. Med. Mich. KrauHamvirr. (Geschrieben im Aufträge des jüdisch-akademischen Unterstützungs-Vereines sowie des Akademischen Zionistenvereines ' „Hechatver" in. Bern.) Der Wett würde das Ende des Krieges verkündet. Viele, die unter' diesem Kriege zu leiden hatten, atmeten auf. Man glaubte, endlich sei dieses'fürchterliche Unglück vorüber. Aber . wie ' enttäuscht wurde ' die . Menschheit! Wie vorherig wütet noch heute in verschiedenen Ländern' der' Krieg, der um so. grausamer ist, als er von Völkern geführt wird, die ganz desorganisiert, in vollständiger Anarchie'sich befinden. Zn denjenigen, welchen das „Ende" des Krieges eine Enttäuschung bereitet hat, gehört' auch Unsere jüdische Studentenschaft aus den östlichen Ländern. Ohne die Möglichkeit — in - den zaristischen Zeiten —, die 'Hochschule in ihrent Lande zu besuchen, gingen sie ins Ausland, größtenteils in die Schweiz, wo sie ihre Studien absolvierten, um nach Erhalt des Diploms in ihre Heimat zurückzukehren. Gewöhnlich waren dies Kinder reicher Eltern, und nur ein minimaler Teil dieser jungen Intellektuellen wüßte sich' durch Ferienarbeiten in ihrem eigenen. Lande soviel Geld' zu ersparen, daß sie nachher im Auslande eine gewisse Zeit von dem Erworbenen leben konnten. Der öffentlichen Mildtätigkeit fiel kein einziger Student vor dem Kriegezur Last.- Nun kam der Krieg. Viele zogen es vor, sein Ende im Auslande abzuwarten. Man glaubte, der Krieg werde höchstens einige Monate bauern. Leider -kam es anders. In den ersten zwei Jahren noch bekamen unsere Studenten aus Nußland genügend Geld von zu Hause, bald aber, nach dem Sturze des zaristischen Regimes, sahen sich diese jungen Leute vollständig von ihren Angehörigen abgeschnitten. Die Verzweiflung, die diese Studenten ergriff, in - einem fremden Lande ohne Mittel zu 'bleiben, war unbeschreiblich. Sofort wurden akademische Hilfsvereine ins Leben gerufen, deren Ziel es war, die jüdischen Studenten vor der äußersten Not zu wahren. Mit größter Mühe konnten diese Vereine, die in jeder Universitätsstadt gegründet wurden, Geldmittel aufbringen. Leider aber reichten diese nicht auS, um ausgiebig zu unterstützen, und viele der jüdischen Studenten erlagen den ungewohnten Entbehrungen. Die Oeffentlichkeit wurde endlich des Gebens müde, um so mehr, als die jüdische Gesellschaft in der Schweiz durch andere humane Institutionen sehr in Anspruch genommen wird. Es ist nun leicht, sich vorzustellen, mit welchen^ Schwierigkeiten die jüdisch-akademischen Hilfs- Vereine zu kämpfen haben, um die jüdischen Studierenden — buchstäblich vor dem Hunger zu wahren. Nun vernehmen wir, daß sich ganze Gruppen junger Studenten in Polen, Galizien und Rußland vorbereiten, ins Ausland, respektive in die Schweiz zu kommen. Es ist kaum anzunchmen, daß diese jungen Leute — bei den jetzigen Valutavcrhältnissen — genügend mit Geldmitteln jtfa werden, hier leben -K 20. Jänner 1920 Nr. 858' -—-——■-«n können. Es ist unsere Pflicht, sowohl die Eltern dieses Studierenden, wie unsere jungen Kommilitonen im Aus> lande, vor der Reise in die Schweiz auf daö eindringlichste zu warnen. Wer mit nicht genügend Geldmitteln hier ankommt, wird hier sein Dasein nicht fristen können. Verdienst- Möglichkeiten sind hier absolut keine vorhanden. Wir möchten noch betonen, daß die hier bestehenden akademischen Hilfsvereine außerstande find, Neuangekommene Studenten zu unterstützen. Wir raten jedem Studenten, der nitr mit Hoffnungen ausgerüstet, die Reise in die Schweiz antreten will, sich diesen Schritt zweimal zu überlegen. Witz warnen ihn rechtzeitig!_ 1 i; Das amerikanische Hilfswerk für die oft* galizifchen Juden. Ucker Einladung des Verbandes der galizischen und Bukowinaer Juden (Federation of Galician and Boukovi'nion Jews) in N e w - D o r k begibt sich demnächst eine von der - zionistischen Landesorganisation Ostgaliziens und der Wiener Delegation des Jüdischen Nationalrates fyr Ostgalizien ent" scndete dreigliedenge Kommission nach den V e t*' einigtenStaaten von Nordamerika behufs Organisierung des Hilfswerkes unserer amerikanischen Landsleute für dm wirtschaftlichen Wiedercmsbau der ostgalizischen Judenheit. Diese Kommission ist lmter anderem bereit, auch sämtliche unmittelbaren Wünsche und Anliegen der o stgalizischen Juden — sofern diese Wünsche ia invertierten Briefen an unS zugesandt werden — an deren. Verwandten und Bekannten in Amerika 3» über- Mitteln. Da diese Kommission schon für anfangs Februar!, ihre Reise nach New-Dork anzutreten gedenkt, werden die Reflektanten im eigenen Interesse ersucht, diese Briese raschestens. vorzubereiteu und sie unverzüglich an folgende Adresie einzuschicken: Delegation des Jüdischen Nationalrates für. Ostgalizien. (Amerikanische Kommission), Wien, U., Praterstraße 9, Tür 4, Typhrrsepidemre in Ostgalizien. Der Ukrainische Pressedienst meldet: Im polnischen. Landtage haben galizische Abgeordnete am 15. Jänner ■ einen Dringlichkeitsantrag betreffend die Typhusepidemie eingebracht, die in Ostgalizien in erschreckender Weise wütet. Der Abgeordnete Wladislaw Dembski gab zur Motivierung des Antrages die Erklärung ab, in Ostgalizien sterbe die Bevölkerung , förmlich aus; es gäbe ganze Dörfer, in denen nicht eine lebende Seele übrig geblieben wäre. Nichtsdesto^ weniger verhalte sich die polnische Regierung diesen traurigen Tatsachen gegenüber vollkommen p a.s s i v. Den Spitälern werde kein Heizmaterial beigrstellt; die Desinfektionen stehen wegen Kohlenmangrls still und es fehle an jeglichen- Mitteln -zur Bekämpsnng der .Epidemie.' In' Stanisla-M' liegen die Kranfsn -ins Hotels'. - ° ^.Abg'.Bobrowski machte einige statistische Angaben. .Bisher seien mehr als 100.000 Typhnssätte erwiesen,, .hiervon 10 Prozent mit tötlichem Ausgang. Der Abg. Steslo wicz stellte .fest, daß. in Tarnopol täglich 70 Personen an Typhus sterben. Die Pogrome in -er Ukraine. Laut „Moment" hat das Pogvomhilfskomitee' in. Warschau ain 25. Dezember Nachrichten über neuerliche. Pogrome erhalten, die Banden und ,Meamte" in den von D.enikin okkupierten Gebieten veranstaltet haben. Eine ganze Reihe von Städten und Städtchen, über die die Welle der Pogrome schon einmal gerast hat, wurden zum zweiten Male von Judenpogromen heimgesucht. Bevor Kiew von den Bolschewiken zurückerobert wurde, Hatte der dortige jüdischp Gemeinderat Eine Re«/ solution artgenommen, die erklärt, daß die Juden infolge der Pogrome nicht imstande seien, am Wieder« aufbau eines geordneten gesnnden Rnßl and' teilzunehmen. Bekanntlich, hat die Kiewer äntisemitisch« Presse Gerüchte verbreitet, als ob die Juden aus ihren Häusern auf die Volontärarmee geschossen hätten: Da- . bet wurden sogar die Namen der Straßen nnd die Numntern der Häuser angegeben. Eine russische Nntersuchungskommissivn, an der der Oberbürgernreister der Stadt, Riabtzoff, nnd der bekannte orthodoxe Priester, Aggejeff, teilgenommen haben, hat alle diese Angaben verifiziert und als erlogen nachgewiesen. In vielen der angegebenen Häuser wohnten gar keine Juden. In einem Hause wohnten O,fsizi?f» der. Bvlvntärarmee. _ v , i!, Eine Förderin katholischer Kinder. In der zweiten Hälfte Dezember 1919 sprach b'eim Pfarramt in Döbling, Dormoserstraße 7, eine junge Dame namens Stefanie B i l d l, Fürsorgebeamtill, vor. und gab an, sie sei von der hiesigen schweizerischen. Mission beauftragt, Wiener Kinder, für die Unterbringung in der Schweiz zu sammeln. Sie werde selbst als Leiterin einen ganzen Zug Wiener Kinder in die Schweiz begleiten, was sie bereits schon achtmal getan^ habe. Sie fetzte hinzu, daß diesmal ausschließlich' katholische Kind er verlangt seien, weshalb sie sich zunächst, um die Auswahl zu veranlassen,, an die Katecheten wende. Nachdem sie ihre Absicht und ihren Auftrag entwickelt, brachte sie Erhebungsbogen nnd ließ die Kinder der Schule „In der Krim" in Döbling, die in Betracht kommen konnten, eintragen. Eines Tages kam Fräulein Bildl und teilte mit, daß für jedes Kind ein Kostenbeitrag von 40 Kironen. zp ertzLen fei« -M5 WMltz, hei Jbeijt WM «MdnA

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