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Wiener Morgenzeitung · 1920-01-17 · Heft 355 (17.1.1920) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 355 (17.1.1920)
Date
1920-01-17
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 - Wen, TamsraA _Wiener wrorgenzerrurrg 17« Jänner 1920__Nr. 355 Wir geben hiermit bekannt, dass unsere heutige Veranstaltung^mit Genehmigung des Kriegswucheramtes vollauf stattfinden wird Bcgmn statt \'JS Uhr, präzise 4 Uhr. ®AS KOMIThh. Koltfchaks Ende. i London» 16. Jänncr. (Tel.-Komp.) Die „Times^ meldet ';us CHarbin: Koltschak hat am 11. Jänner seine Absicht bckanntrgeben, situtcrsitUelen und den Scbuy der ZlAiierten erbeten, ^icse Aufgabe ist ausschließlich tsc^rcho-slowakischen Ttuppenbtcilungen übergeben worden. Ansere Kriegsgefangenen in Krasnojarsk. London» 16. Jänncr. (Tel.-Komp.), Die Blätter melden aus Helsingtors: Da sich in Krasnojarsk ein großes Gefangenenlager mit deutschen und österreichischen Kriegsgefan-- penen bcnndtt, so dürsten durch die Einnahme dieser Stadt diese Kriegsgefangenen in die Hände der Bolschewiken gefallen seich ' , Ein neues chinesisches Kabinett. - Washington, 16. Jänner. (Tel.-Komv.) Die chinesische Gesandtschaft'gibt bekannt, daß sich em neues Kabinett unter dem Präsidium des Generals S h i n D n n P e n g gebildet habe. Die Frledensverbatidlungen zwischen Nord- und Südchma seien aufgenommen worden. Die ungarischen Sozialdemokraten endlich aus dev Regierung Huszar ausgetreten. Budapest, 16. Jänner. (Ungar. Tel.-Korr.-Bur.) In dcm Schreiben, womit der Minister P a y e r und Staatssekretär M i n k i t s den Minlsterpräsideiiten von ihrem Austritt aus der Regierung verständigten, teilen sie mit, Paß die sozialdemokratische Partei den Austritt aus der Konzentration und ihre N i ch t b e t e r l i g u n g an den Wahlen beschlosien habe. Keri zu 10 Jahren verurteilt. Budapest, 16. Jänner. In dem heute vor dem Strafgerichtshof verhandelten Prozeß gegen deu wegen Aufreizung durch eine Reihe von Zeitungsartikeln angeklagten Journalisten Paul Keri erklärte dieser, er habe diese Artikel geschrieben, um die gesamte Bevölkerung Ungarns zur Selbstverteidigung gegen Tschechen und Rumänen auszusordern. Deshalb habe er auch zum Emttitt in die Rote Armee aufgefordert. Der Strasgerichtshof verurteilte Paul Keri zu 10 Jahren Kerker. Budgetdebatte in Prag. Prag, 16. Jänner. (Privat.) In Fortsetzung der Budgetdebatte im Ausschuß der Nationalversammlung teilte beim Kapitel „Ministerium des Innern" der Ministerialrat Bobek mit, .daß die Post für das G e b i e t v o n R a t i b v r nicht detailliert ist, weil die politische Verwaltung in diesem Gebiete sich erst im Zustande der Vorbereitung, befindet. Weiters teilt er mit, daß die Zusammenstellung des Ortsverzeichnisses in die Kompetenz des statistischen Amtes fällt und daß Vorbereitungen getroffen wurden, um die Volkszählung bis zum 31. Dezember d. I. zu beenden. Dr. Rasch in fragt, ob im Sinne eines im Ausschüsse gefallenen Ausspruches bei den politischen Beamten eine besondere Korruption gefunden und' ob gegen diese Beamte di? Strafanzeige erstattet wurde. Er wendet sich dagegen, daß zum Polizeidirektor in Preßburg der ehemalige Prager Polizeidirektor Krikava bestellt wu'-de, eine Wahl, die sicherlich nicht besonders.glücklich sei. Pilat verlangt Vorkehrungen gegen das jüdische Element, daß angeblich der Republik feindlich gesinnt ist. Aus die Ausführungen Dr. Naschins erwidert Ministerialrat B o b e k, daß zwar gegen einige Beamte Anzeigen eingelaufen sind, ' daß jedoch in keinem Falle der BeweiseinerKorruptivn geliefert wurde. Es ist wahr, erklärt er, daß in Preßburg seit kurzer Zeit der ehemalige Prager Polizeidirektor Krikava wirkt, aber es geschah dies auf Wunsch des dortigen Amtes, welches einen erfahrenen Beamten wünschte, der imstande sei, den Polizeidienst zu organisieren. Die Entsendung Krikavas sei eine Folge des absoluten Mangels an Kon zep tskr äften im Polizeidienst. Das Budget des Ministeriums des Innern wurde sodann genehmigt. — Beim Kapitel „M i n i st.e r r a t s p r ä s r d i u m" kritisierte der Berichterstatter/daß der Posten für Feierlichkeiten und iür Gehälter zu gering ist. Das Preßbureau kostet '400.000 Kronen. Dr. Ras chin führte aus, mit dem Amtsblatt betreibe die Regierung eine unlautere Konkurrenz für die übrigen Blätter. Wir stehen vor der Gefahr, daß die Agence H avas das österreichische Korrespondenzbureau kaufen wird und wir stehen dann vor der interessanten Erscheinung, daß der ganze mitteleuropäische Nachrichtendienst von dieser Wiener Filiale der Agence Havas besorgt werden wird. Spacek hält es für die Pflicht des Staates, ein offiziöses deutsches Blatt und ein eigenes Blatt zur Information des Auslandes in französischer und englischer Sprache hernuszugeben. Die deutschen Vereine der Slowakei an Dr. Renner. ' Wim. 16. Jänner. Der Staatskanzler hat' von deutschen Vereinen in Preßburg, Kaschau und dem Zipfer Gebiet Glückwunschtelegramme erhalten. In den Telegrammen wird darauf verwiesen, daß die Deutschen der Slowakei, die' früher unter dem magyarischen Regime'gewaltsam entnationalisiert worden waren, nunmehr daran geschritten sind, deutsche Schulen zu errichten. Sie hätten bei der tschecho-slowasischen Regierung, welche oas in Bühnten geltende Sprachenrecht auch auf die. Slowakei ausdehnen wolle, wirksame Unterstützung ihrer Bestrebungen gefunden. Dieses Entgegenkommen sei nicht ohne gute Wirkung geblieben. Es hätten sich heute bereits, viele Deutsche zum tschecho-slowakischen Peglme bekannt» in der Erwartung, daß die demokratischen Einrichtungen der tschecho-slvwaNfch.'N Republik ihnen für die Zukunft mehr Sicherheiten für die nationale Eigenart als die bekannte magyarische Nationalitätenpraxis gewähren. Anßerdein erhoffen sie, mit den drei Millionen Sube'cn'eu'.sch.m nunmehr in unmittelbare Fühlung zu treten und auch deren Schutz zu genießen. Der Kulturkampf in der Tschecho-Slowakei. Prag. 16. Jänner. (Privat.) „Narodni Listy" meldet, daß Erzbischof Dr. Korda'sch von Rom bcaustraat wurde, den Verband der reformierten Geistlichen aufzulösen. Die Btschofkonjcrcnz. die am 14. d. M. bei dem Erzb.schof statifand. beschloß, düsen Verband nicht auszulölcn, da es unter den gegebenen Verhältnisien nicht mögl ch sei, wohl aber ihn nach Diözesen einzuteilen, was einer Auflösung gleichkäme. Der Moll- und Vaunrrvollhandel in der Tschecho-Slowakei ansgeschaltet. Prag, 16. Jänner. (Privat.) Nach einer Meldung der „Tribuna* fand heute rm Handelsministerium eine Konferenz über die Versorgung der Industriezentren mit Wall- und Baumwollwaren statt. Die Konsumvereine verlangten, daß ihnen die Versorgung gänzlich überlassen werde, das Ministerium war dagegen. Es kam zu einem Kompromiß, wonach die Kosnmgenossenscbasten die Versorgung von Prag, Pilsen und Ostrau übernehmen. In diesen Gebieten ist der Handel gänzlich ausgeschaltet. Die. Waren werden den einzelnen Konsurngenossenschasten und der Zahl ihrer Mitglieder von einer Großemkaufsstelle zugewiesen werden. Eingrsendet. fanra Eilen Chaim Strzelisker Brzezany Rohatyn Wien, im Jänner 1920. 2237 Ich annonciere mit den kleinsten Buchstaben zahle aber die grössten Preise für schöne grosse und kleine Brillanten, Perlen, Dosen, Tassen, Kannen, altes Porzellan, Bronzen, Uhren, antike Möbel, Bilder und alte Zähne. Juwelier- und Kunstsalon Politzer, I., Augustinerstrasse 12. *69 Piiiirio ,F|ORISf Wien, I., Graben Nr. 29 LZmttkrks Parfüms, Puder et«. Wolff & Lohn, Dralle, Lohse, Schwarzlose, Mouson, Prochaska etc. : soa ftlastShur-Snstrumente, Kassetten, Kammu. Sefrlidkrotwaren für den Export lagernd jiuwj.*osujwmPFii S GOLD BRILLANTEN BSja Platin,Münzen;Perlen, Uhren, falsche Zähne, alle Silbergegenstände verkaufen Sie am besten direkt dem Juwelier u- Goldarbelter S. H°I*apfel, WB Wien, VI. Harlalilirerstrasse 79, oder Werkstätte: 1. Wollzelle 17/13, mwm WMMMpMpM -ft?** Kein Händler sondern der Erzeuger und Qo Idarbelter Juwelier Loringer I. Qraben 28, S. Stiege, f. Stook,TDr 10 (bei Anton J. QrUnwald) zahlt die höchsten Preise für Brillanten Perlen, jede Art Gold, Silber und Platin etc. 907 Separierter Eingang mit Sprechzimmer — Telephon 14411 Tagesbericht. Au unsere Leser. Morgen beginnen wir mit dem Abdruck der B r i e f t des Me na che m Mendel, aus dem Jüdischen des Scholem-Alejchem, in der Nebertragung von Sieg« fried Schmitz. Dieser Briefwechsel zwischen Menachem Mendel aus dem von Scholem-Alejchem erfundenen — , und doch ein getreues Abbild der Wirklichkeit bietenden — jüdischen Armeleutstädtchen Kasriliwke und seiner Frau Scheine-Scheindel ist ein Meisterwerk de) be« ' kannten, jüdischen Humoristen, dessen grandios-lächer« liche Welt eine so wundervolle Spiegelung der jüdischer Seele ist. Menachem Mendel aus Kasriliwke wird durch einen Zufall in die große Welt der großen Geschäft« und des großen Äebens geworfen und schwimmt nm in diesem Ozean mit der großen jüdischen Unbekümmert- ' heit, mit dem großen jüdischen Optimismus, mit de» uferlosen Phantasie eines — Menachem Mendel aul Kasriliwke. Und berichtet seiner Frau, wie er — Menw chem Mendel aus Kasriliwke — die große Welt sieht und welche Schicksale er erlebt. Scheine-Scheindel, des jüdischen Don Quichotte-Helden prächtiger weiblicher Sancho Pausa, weist Menachem Mendel immer in ihr« Kasriliwker reale Wirklichkeitswelt zurück, aus der es für einen Menachem Mendel-Typus trotz aller luftige« Millionärpläne kein Entrinnen mehr gibt. Diese beide, Typen sind in der jüdischen Literatur geradezu Volks« tümlich geworden, zumal Schalem Alejchem sie mif allen Zügen seiner Humor- und gemütvollen Schilderung liebevoll gezeichnet und wunderbar lebendig g«r staltet hat. Sie find heute Besitz des'Volkes und tvev den hoffentlich auch unseren Lesern bald wvhlvertrauj sein, ja von ihnen geliebt werden. Leichte Besserung der Kohlenlage. Mitteilungen des Staatssekretärs Zerhtk im Budget« ausfchutz. Nach gestern hier emgrtroffenen Mitteilungen ist in d« Tschecho-Slowakei eine Besierung m den Verladungen zu vev zeichnen und auch der deutsche Reichskohlenkommistär hat de» Staatssekretär Zetdik verständigt, daß die Verladungen wieder auf, genommen werden sollen. Infolgedessen hat Staatssekretär Zerdi! eiligst verfügt, daß die für die polnische Kohle bestimmten Lew züge von Stadlau nach Oberschlcstcn dlriglert werden. In der gestrigen Sitzung des Budgetausschusies gab Staats' sckretär Z e r d i k eine eingehende Darstellung der Verhandlung« in Prag über die Kohlrnlage, wobn er von einer benot, stehenden Besserung derAnlieferungei aus der Tschecho-Slowakei und aus Oberschlesten Mitteilung« Der Staatssekretär gab der Hoffnung Ausdruck, daß es iq Laufe der nächsten Woche möglich fein werde, die drückendst« Sparmaßregeln, die Einstellung des Straßenbahnbetriebes unl die Abschaltung der Industrie vom Stromdezuge, aufzuheben. In der Sitzung des Ausschusses bencktete Staatskanzle! Dr. Renner über die wirtschaftlichen Verhandlungen mii Prag, ohne irgendein neues Moment zu bringen. Bemerkenswer ist bloß die Mitteilung, daß sich die Tschecho-Slowakei für dai . Inkrafttreten der Kohlenvereinbarungen eine zehutügigeFrist ausgebeten hat. Einstellung des PrrsorrenzugsverkehseS. Da die geringen Kohlenvorräte der Staatsbahnen bereit» vollständig aufgezrhrr sind, hat sich das Staatsamt für Verkehrs wesen entschlossen, den PersonenzugSverkehr i, dernächstenWocke neuerlich gänzlich ein z u st e l l e n. Heule gehen die l e tz 1 e n Züge ab, die nächst« verkehren erst am 26. d. M. Wie wir weiter erfahren, beabsichtig! " das Staatsamt für Verkehrswesen, solange die Kohlmzuschübe sist nicht wesentlich besiern. den Pirsonenzugsverkehr derart zu regeln daß eine Verkehrswoche mit einer verkehrslosen abwechselt. Ansfall von Schnellzüge«. Wege« Kohlenmangel unterbleibe» heute dit ° 5 ch n e l lz ü g e Nr. 1 und 2 Wien-Franz Josefsbahnhof- Gmünd, beziehungswüse Prag, Wien-Franz Josessbahnhof al 7 Uhr 5 Mm. vormittags, bezrehnngsweise an 11 Uhr 10 Min nachmittsgs, und am Montag den 19. d. M. der Schnellzu, Nr. 208 Bregenz—Wien-Westbuhnhof, Westbahnhof an 9 Uhl 40 Min. vormittags. Wegen Kohlenmangels unterbleibt heute der yon Wien-Wcstbahnhof um 8 Uhr vormütags nach Salzburg ab gehende Schnellzug Nr. 201. Die Univerfität bleibt geöffnet. Der Betrieb auf der Universität hat v o r l ä »f i g nock kerne Einschränkung erfahren. Die wenigen Bov gesungen, die bereits begonnen haben, werden fortgesetzt, und aufl die B-bliothek bleibt vorläufig offen. (11 bis 1 Uhr und 3 bil 6 Uhr.) Das Ergebnis der Stromabschaltungen. Die Direktion der städtische Elektrizitätswerke teilt mit: Di, von den städtischen Elektrizitäiswerken vorgenommenen Ab, schaltungen und die Emstellung des Straßenbahnverkehres habe» bewirkt, daß die Belastung der Kraftwerke,. die sonst um 9 Uhs vormittags 50.000 Kilowatt betrug» auf 28.200 Kilowatt, ml 11 Uhr vormittags auf 24.600 Kilowatt herabgesunken ist. Dij Betriebsinhaber scheinen sich umdie ev schienene V o l l z u g s a n w e i s u n g nicht vie! zukümmern, denn sonst müßte dieBelastunt eine weit geringere sein. Dieses Verhallen if geeignet, eine sch wereKalamität beraufzubeschwvre» weil die Werke genötigt werden könnten, die Abschaltungen kabeb weise solange sortzusetzen, bis das Gleichgewicht zwischen Damph erzrugung und Elekirizilätskonsum erzielt ist. Dadurch wütder viele ApprovlsionierungSbetriebe znu Stillstand kommen und die Lichtanlagen in de» bezüglichen Wohnungen und Geschäften nich! funktionieren. Die Direktion wird deshalb mit de> größten Strenge gegen alle diejenigen Vorgehen, welch! die Vollzugsanweisung nicht beachten. Die Juden Italiens für die Wiener jüdischer Kinder. In dem lange Zeit stagnierenden jüdischen Lebe« , Italiens macht sich ein langsamer, aber stetiger Ausi schwung bemerkbar. Die Juden Italiens, die vielfack mit großer Zähigkeit an den ererbten Traditioner hängen und bei denen viel religiöser Sinn zu finden; ist, waren allzu lantze v^m Atr-o.nle deA W.iM'ii Lebens

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