Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 353 (15.1.1920)
- Date
- 1920-01-15
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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BttTSgy /fettit, sottttnstog .. . i .mutr •~>m» Wiener Morgenzetturrg Bühne mw Kunst. BurqtheaLer. (Züm ersten Male: „D i e R e i se i n b ie M ä b che n Sei t", Lustspiel in drei Akten von Alexander Engel und Hans Saßmann.) Man möchte so gerne wohlwollend sein, weil die iSache recht schlicht gearbeitet ist — aber es geht beim besten Willen nicht. Tatsächliche Ereignisse, mögen sie noch so heiter sein, sind nun einmal gar nicht spassig, wenn sie Lustspieldichter auf die Bretter bringen. Eins alte Erfahrung. Daß ein Schwindler eine Anzahl Brautpaare traute, deren Ehen ungültig waren, weil der Herr /-Beamte" keine Befugnis hatte, solche Amtshandlungen vorzunehmenwar einmal ein lustiger Berliner Vorfall und gewiß überlegte so mancher Zeitungsleser, welch prächtigen „Lüstspielstoff" das gäbe. Sogar so bewährte Fachleute, wie die Herren Engel und Saßmann, scheinen das zum Unglück geglaubt zu haben. , Die junge, vom Haus aus mittellose Gattin eines Millionärs fühlt sich in der Ehe unglücklich. Warum, erfährtman nicht näher. Sie behauptet einfach „tausend Gründe" zu haben und wir müssen es halt glauben. Diese Beate hat sich mit Julian nicht kirchlich, sondern standesamtlich trauen lassen. Warum, ist nicht einzusehen. Es paßt zu diesen harmlosen, von des Geöani^ns Blässe^ nicht angekränkelten, Leuten au§ den Adels.-' und Millionärskreisen ebensowenig, wie zu einem zweiten aus einer anmutigen Gans und einem liebenswürdigen Gänserich bestehenden Paare, das merkwürdigerweise desgleichen tat. Kurz, Beate will nach Hause zurück und sogar ihren Mädchennamen wieder annehmen.. Einem älteren Kollegen des Gatten ist diese Absicht höchstzuwider. Er fühlt sich in dem Hause der beiden,. deren freudloses, frostiges Nebeneinanderleben"—- das Herrenzimmer ist stets eingeheizt — er sehr genau' kenntganz kannibalisch wohl. Diese Villa ersetzt ihm nach den. grauen Arütsstunden das Familienheim.'Warum, wird niemandem begreiflich. Er will sich das „wyhlige Nest" erhalten und eröffnet Beate kurz vor der. beschlossenen Rückkehr zu den Eltern, daß sie-— siehe oben — nicht gesetzlich getrauut ist, bisnuk bloß Julians Konkubine war und vor dem völligen Abbruch.der Beziehungen nochmals rechtskräftig Julian heiraten müsse, damit sie rehabilitiert sei. Die neuerliche Verehelichung — er bringt gleich die amtliche Verständigung mit —' solle morgen stattfinden. Beate ist höchst betroffen, erholt sich aber rasch, verbrennt die zweite, für Julian bestimmte Vorladung zum Standesamt und beherrscht sofort die Situation. . Julian muß zu dieser zweiten Eheschließung bewogen werden, damit sie „makellos" bleibt. Das geschieht yrit verführerischer Nachtkleidung, offener Tür in ihr Schlafzimmer und noch intimeren Lockmitteln, .kurz,-chS vornehme Beate benimmt sich höchst fragtvOidig. Aus Egoismus überwindet, sie die unwiderstehliche Abneigung und geht wie eine gerissene Kokotte zu Werke,- die mit fpinndünnen offenherzigen Schlafröcken ein' Automobil oder ein Perlenhalsband entlocken .will. Eine übermäßig langwierige Verführungsszene tut. das ihre und der ausgehungerte. Julian ist in allen Himmeln. Sofort nach der Freudennacht aber wird" Beate wieder vornehm. Jetzt will sie - erst recht für'immer in das. verschuldete, freiherrliche Elternhaus zurück. Erstens) weil doch Julian, wenn er erfährt, warum -sie plötzlich fo warm-.geworden - ist, sie wird verachten-müssen und zweitens, weil sie ihn jetzt rasend liebt) .Aber siehe da! Er nimmt's ihr nicht krumm, der Prachtmensch und der Doktor Nohnsdorf lacht sich hre Haut voll. Er hat die Ehe glücklich geleimt, sein Paradies ist gerettet und er darf nun gestehen, daß die Geschichte von der ungültigen Ehe eine von ihm schlau ersonnene Mogelei war. Zwei Paare: Beates Eltern (ein fröhlicher, schuldenmachender, jedem Zuhörer, wohlbekannter Lebepapa und eine wirklich tragische Mama) sowie , das schon erwähnte. Flitterwochenpärchen begleiten die mühselig ausgesponnene Handlung. Der erste-Akt ist nicht ohne lustspielmäßigen Humor, der zweite lebt von drei sehenswerten Damennachtgewändern und'der'dritte ist ganz stier. Ein Lustspielensemble, bas. von Frau Albach- Retty und Herrn Treßler geführt wird, darf sich sehen lassen. Frau Albach-Netth von köstlicher Anmut »uch in der Veriübrungsszene und das Sviel des Herrn Treßler diesmal ganz besonders degagiert. Kein einziges Mätzchen während des ganzen länglichen und laulichen Abends. So ist's recht. Er weiß doch, was er dem Burgtheater schuldet. Auch die übrigen Mitwirkenden, die Damen Devrient-Reinhold und Kutschers die H.rcen Forest, Romberg und Arndt ganz vortrefflich, freilich, ohne sich um diese Schablonenrollen besonders mühen zu müssen. Die Aufnahme war recht kühl. Auch Widerspruch wurde laut. Nach dem zweiten Akte konnten die Autoren vor der. Rampe erscheinen. O. A. Die Schlacht am Berg Isel nach Amerika verkauft. Innsbruck. 14. Jänner. (Privat.) Das Rundgemälde vcr Schlacht am Berg Isel, das nächst der Hungerbnrgbahn zur allgemeinen.Brsichlianng ausgcstellt war, wurde vom Eigentümer des Bildes, dem Fischhändler P e n z in Innsbruck, nachdem es bereits mehrere Monate öffentlich zum Verkaufe ausgeschrieben war. nm 40.00» Dollar oder nach dem heutigen Kurte um L 9,400.0i,0 nach Amerika verkauft. Pcnz halte iclnerzeit das Gemälde wmt dem kleinen rvtundcartigcn Gebäude um K 80.000 erworben. Penz hat sich ausbedungrn, daß er vor Uebergabe des. GmMes eine Rundreise durch Amerika unternehmen dürfe. Ein Theaterskandal im Berliner Kleinen - Schauspielhaus. Berlin, 14. Jänner. Während der gestrigen Vorstellung von Lautensacks Komödie »W a r h e i l" im Kleimn Schauspielhaus kam es zu so erregten Auftritten, daß die Vorstellung vorzeitig abgebrochen werden mußte. Zahlreiche Angehörige der katholischen Gesellenvereine protestierten gegen die Aufführung, die eine Verletzung ihres katholischen Empfindens bedeute. Ber der herrschenden Erregung war an ein Welterspielen nicht zu denken, weshalb die Vorstellung abgebrochen wurde. Aus den Theatern. In der V o l k s o p e r geht morgen Freitag »M argarete" (»Faust") in Szene. Die Margarete singt Frau Weingartner-Marcel» den Faust Herr E i f e n b e r g vom Deutschen Theater in Prag. Musikalische Leitung Herr Direktor Weingartner. Im Wiener Stadttheater wird heute das Schauspiel »DerVater* von Aug. Strindberg mit Josef Jarno als Rittmeister gegeben. — Das Lustspiel »D i e lustigen Wei.ber von Windsor" gelangt am Freitag. Samstag und Sonntag zweimal, nachmittags 2 Uhr und abends um V*6 Uhr, zur Darstellung. In der Neuen Wiener Bühne findet Freitag den 16. d. M. die 25. Ausführung des Lustspieles »Doktor Stieglitz" von Armin Friedmann und Ludwig Nerz statt. Im Carl-Theater geht am Sonntag nachmittags um */«3 Uhr bet ermäßigten Preisen Lehars Operette »Der R a st e l b i n d e r" mit Altmeister Karl B l a s e l in der Rolle des Spenglermeisters GloPPler in Szene. — Allabendlich um V*6 Uhr gelangt die neue Richard F a l l sche Operette »G r o ß st a d l m ä r ch e n" zur Aufführung. Freie jüdische Volksbühne. Samstag den 17. d. M. veranstaltet die Freie jüdische Volksbühne im Bürgertheater eine Gedenkfeier für A. W e r t r r. Die Gedenkrede hält Herr Dr. W a t t e n b e r g. Hieraus gelangt A. Weiters Drama »D e r S t i m e r" zur Aufführung. Beginn 2 Uhr. — Die Mitglieder erhalten ihre Freikarten im Vereinslokale Cafä „Rembrandt", II., Untere Augartenstraße 11. Schönherr Träger des Grillparzer-Preises. Der am gestrigen Geburtslage Franz Gr llparzers nach drei Jahren wiederum fällige Grillparzerpreisist vom Grillparzer- Preisgericht einstimmig Karl S ch ö n h e r r für sein Drama »K i n d e r t r a g ö d i e" zuerkannt worden. Der Preis beträgt K 5000.—. _ Literatur «^Wissenschaft. Felix Dörmann: Der platonische Wüstling. Vcilag Tal & Komp., Wien-Leipzig. Schon der Titel des neuesten Werkes des beliebten Dichters ist aufreizend und erweckt begründete Neugierde. Die Lektüre des Buches ist zu empfehlen und literarische Feinschmecker kommen bestimmt auf ihre Rechnung. Man weiß, daß Dörmann ein brillanter Erzähler ist und bei seinen literarischen Produkten immer aus tiefer Lebenserfahrung schöpft. Die Einfälle der einzelnen Novellen, die unter dem obigen Sammcltitel erschienen sind, strotzen voll origmcllcr und geistvoller Einfälle. Ein Lebenskünstler erzählt da seine eigenen Erlebnisse in ungekünstelter Weise oder ec behandelt fein psychologisch als Dichter die Schicksale seiner Freunde. Man muß Dormanns neues Buch gelesen haben, um zu verstehen, wie ein Dichter Menschliches und Allzumenschliches literarisch zu meistern versteht. ln. Altrviener Musikstätten von Karl Köbald. Amalthea- Bücherei. Zürich, Leipzig, Wien. Die Lobredner vergangener Zeiten haben jetzt leichtes Spiel. Nichts bequemer, als die schönen Zeiten einer glücklicheren Vergangenheit msG'dächims zw ückzurufcn. wenn der dunkle Vordergrund der Gegenwart diese Bilder doppelt hell ausleuchlen läßt. Aber cs muß zu ihrer Verteidigung zugegeben werden, daß aus Wiens Vergangenheit auch vieles geschöpft werden kann, was die Jetztzeit bereichert, insbeionders, wenn man .jene Zeiten durchforscht, in denen die großen österreichischen Musiker ihr unvergängliches Wirken ent'alleten. Kail K o b a l d. dem man als höheren Beamten im Dienste der staatlichen Kunstpflege wertvolle aktme Teilnahme an der Förderung musikalischer Interessen zu danken hat. wählte sich das reizvolle Thema, den Spuren jener Großen in den Wiener Häusern und den von ihnen als Landaufenthalt bevorzugten Orten der Umgebung nacbzugehen. So entstand em reichhaltiges Bilderbuch, zu dem der Verfasser glis guter Sach- und Quellenkenntnis den Text geschrieben hat. Ein besseres Wien ersteht da vor unseren Augen, eine Stadt mit einfachen, wohnl'chen Gelassen, denen das Grün der Basteien in die Fenster blickt, umgeben von stimmungsvollen Promenadewcgcn, die in rin ländliches, von Vogelstimmen und Quellenrieseln erfülltes Paradies führen. In dieser Stadt, die den schaefen Gegensatz zwischen Stadtf und Land noch nicht kannte, finden wir dre begüterten Adrlshäuser. wo Mozarts, Haydens und Beethovens Quartette zuerst erklangen, die berühmten Schuberlschen Wohnungen, die Stätten an denen Beethoven scme Leeden trug und m Töne bannte, die alten Theater, Konzcrtiäle und Gasthausgäiten, alle jene Häuschen und Siübchcn, die jetzt noch Gegenstand des musikalischen Reliqienkultes bilden. Daneben weiß der Autor so manches kultur- und musikhistorisches Detail zu berichten, so daß man die Reise durch das musikalische Wien von einst an der Hand des kundigen Führers Nicht bereuen wird. M. Sport. Ein neues großes Sportplatzprojekt. Das »Sport-Tagblatt" von gestern berichtet: Die Schwechater Germania beabsichtigt, wie wir hören, im kommenden Frübjahr an den Bau einer großzügigen Sportanlage zu schreiten, die in Schwechat mit einem Kostenaufwand von nicht weniger als 1V# Millionen Kronen errichtet werden soll. Der Platz, der zur Verfügung steht, liegt nahe an der Prcßburger Landesbahn und wäre vom Zentrum Wiens aus vorteilhaft zu erreichen. Das in Aussicht genommene Grundstück weist eine Länge von 224 Meter und eine Breite von 128 Meter auf. Auf dieser Fläche soll ein Fußballfeld in dem Ausmaß 70X120 errichtet werden, r'mgS um dieses wird rin 1 Meter breiter Raseustreifen verlaufen, an dev stch eine znkn £ Meter breite Laufbahn schließen soll. iS. 1920 -Seite 5 3 Y \C Maschinell Größte Auswahl! Billigste Preise! «o Leopold Steinhart, Wien, I.,Biberstraße 9. .-.—■ 4073/8 5 Diese wird abermals von einem Rasenstreifen umzogen an den die Rad- und Motorrad-Rennbahn in einer Breite voZi 10 Meter grenzen wird. Die Radrennbahn wird eine Holzbahn sein. Die Gerade der Bahnen wird über 100 Meter lang fetttj An der einen Längsseite des Platzes ist der Bau einer 100 Mete», langen und 20 Meter breiten Tribüne vorgesehen, auf der zirka 4000 Menschen Platz finden sollen. Unterhalb der Tribüne find die Klubraumlichkeiten, Dusch- und Wannenbäder, ferner di« Wohnung für den Platzmeister, Garderoben usw. untergebrachh Der übrige Zuschauerraum wird überhöht, die ganze Anlage soll eine Zuschauermenge vo« 40.000 bis 50.000 Menschen bequem fassen können. Außerdem werden innerhalb der Anlage «och Tennisplatz^ ferner Platze für die leichtathlrtlschen Sprung- und Wurfübuugev. errichtet werden. , Wie schon erwähnt, weist der Kostenvoranschlag die Summ« von 1'/. Millionen Kronen auf, die durch Anteilscheine, die du Germania herausgibt, aufgebracht werden sollen. Verschieden« Firmen, ferner Engelbert König und der Rennstallbesitzer Drehe» haben bereits eine ganze Anzahl von Anteilscheinen gezeichnet^ Weitere Anteilscheine werden in der Höhe von K 100, K 500 und K 1000 noch ausgegeben. Mit dem Bau, den man ungefäh» i« einem Jahre fertig bringe» will, soll, wie erwähvh schon irq Frühjahr begonnen werden. Dr. Laskrer in Amerika. Weltmeister Dr. LaSker wirb im Anschluß an sein Schach-Gastspiel m Malmö (Schweden) eme Wettspielrene nach Amerika antreten, wo er in den Hauptstädten, mit New-Nork angcfangen, Simultanvorftellunge» geben wird. j Touristik- und Skisektiou der Hakoah. Sonntag vormittags findet eine Halbtagspartie in den Wienerwald statt. Treffpunkt Baumgartner Kasino, präzise */,9 Uhr. Totycistrlche Ausrüstung. _ Gerichtssaal. Eine „Beschlagnahme" an der Grenze. Wegen eines raffinierten Betruges hatten sich gestern d« Wirtschafisbcsitzer in Mannersdorf, Stephan G o r g o-i s ch r l i tz und der Fleischhauergehilfe Johann A r t n t c »oe dem Schwurgericht zu verantworten. -j Die Angeklagten hatten sich im August v. I. vrrrimgh um einen allen Bauern, den 68iährigen Johann Karne» aus Mannersdorf, zu übertölpeln. Karner hatte dem Gorgoschilitz erzählt, daß er Pscrve brauche, worauf letzterer ihm vorschlug, über die ungarische Grenze zu gehen und dort schöne billige Pferde einzuhandeln. Gorgoschilitz hatte sich nun mit Artuer» de» scheinbar den Grenzschmuggel betrieb, verabredet und dieser nahm den Volkswehrmann Franz Fcichtinger mit, um eine Komödie an der ungarischen Grenze amzuiühren. i Als näml>ch Karner mck den beiden Angeklagten von Brnck aus über die Grenze nach Barndorf gingen, trat ihnm der Volkswchrmann entgegen, hielt das Gewehr mit aufgepflanztem Bajonett entgegen, vrsitierte alle drei und' nahm dem Karn« K 32.000 ab. Er bekam eine Bestätigung und sollte sich das Geld am nächsten Tag in Bruck holrn. Dort wurde er jedoch vom Meißlwirt aufgeklärt, daß er Betrügern zum Opfer gefallen sxy, erstattete dte Anzeige und es gelang, alle drei zu verhaften. s Das Geld wurde ihnen abgenommen; Fcichtinger wnrde dem M-litärgericht eingeliefert. Johann Artner hat kurz vorhet in Bruck der Krankenpflegerin Marie Kolodray, die ohne Reisepaß nicht über die Grenze gelassen wurde, unter der Vorspiegelung) er werde sie über die Grenze schmuggeln, ihr ganzes Bargeld von K 500 und eine goldene Kette mit Anhänger herauSgelock, worauf er verschwand. Die Verhandlung wurde am Abend beendet. Der Gerichtshof verurteilte im Sinne des Schuldspruchrs der Gcschworne« den Angeklagten Stephan Gorgoschilitz zu zehn Monaten einfachem Kerker und den Angeklagten Johann Artner zu achtzehn Monaten schwer»« Kerker. Mutter und Tochter unter dem Verdachte des Giftmordes. Ein interessanter Jndizienprozeß wird heute vor dem Schwurgerichte verhandelt. Die 45jährige Kupferschmiedsgattin Mathilde M a t u l a wird beschuldigt, gemeinsam mit ihrer 13jährigen Tochter Marie M a t u l a das neugeborene Kind der letzteren durch Gift getötet zu haben. Die Aerzte fanden bei der Obduktion der kleinen Leiche Verätzungen an den Schleimhäuten und Spuren von »K u p f e r" im Magen vor. Sie' kamen zu dem Schlüsse, dah das Kind durch Einflößung einer Kupferlösung aus der Welt geschafft wurde. Trotz der sie sehr schwer belastenden Verdachtsmomente' bestreiten Mutter und Tochter, das Kind getötet zu haben. j Den Vorsitz in dem Prozeß führt Landesgerichtsrat Doktor Kästner, die Anklage vertritt Staatsanwalt Dr. Meißner, in die Verteidigung teilen sich Dr. Hans F u ch S für die Mutter und Dr. Emil R e ch e r t für die Tochter. Eine Szene im Börfefaale. Vor dem Bezirksgerichte Josesstadt (Richter Landesgerichtsrat Dr. S ch w a r z m a h e r) trat gestern der Kaufmaun Julius Feingold gegen den Kaufmann Robert L t ch ts ch e r n als Kläger wegen Ehrrnbelerdlgung auf, weil letzterer am 20. Oktober v. I. nn Börsesaale laut ausgernfen habe: »Ich erkläre hiermit öffentlich, dast Herr Julius Feingold ein gemeines Schwein ,st, das seinen Verpflichtungen mcht nachkommt." Ein als Zeuge vernommener Börsefunktionär, der diese' Aeußerung bestätigt, erklärt, daß btcfelle großes Aussehen erregt habe! So etwas fet im Börsesaale noch Nicht vorgekommen. — Be rteidlger: War der Geklagte mcht sehr aufgeregt'? — Zeuge: Aufgeregt sind an der Börse alle. — Der Verteidiger erbot sich zum Wahrheitsbeweise, wohl nicht für »gemeines Schwein", dafür aber für den Nachsatz, »das seinen Verpflichtungen nicht nack'kommt". Der Richter gewährte dem Geklagten eine Frist zur Einbringnug der Bewe^anttiig? und vertagte sodauu die Verhandlung