Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 353 (15.1.1920)
- Date
- 1920-01-15
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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mrs Wien, Donnerstags Wiener Morgenzeituns 15. Mn« ISSN «LsN Der Volkswirt.! Die Handelsbeziebunaen zwischen Oesterreich und -er Tfchecho-Srowakei. Erleichterungen im Waren» und Grenzverkehr. -* Ausgleichung der Handelsbilanz. — Gegenseitigkeit auf dem Gebiet der sozialen Fürsorge. --^ »»Vollkommen zufriedenstellend." Prag, 14. Jänner. Die Kommission für Handels* politisch« und Zollfrngsn fetzte ihre Beratungen Montag und Dienstag im Handelsministerium unter Vorsitz drs Stcatssekcetärs De. Schuster fort. Das Ergebnis der Brratungen ist dev Entwurf eines besondei-en Sroatsvcrtrages zwischen der tschocho-slowakischen und der österreichischen Negierung betreffend Erleichterungen in den Handelsbeziehungen. Der Entwurf, der aus vierzehn Artikeln besteht» enthält ein Verzeichnis von Waren, deren AuS- und Einfuhr gegenseitig erleichtert wird, und handelt weiter von der Tr an fit frei heil, von der .Ausfuhr im sogenannten Reparaturverfahren, von Ausluhrbewiliigungen für Saccharin und Stoffen zur Erz.ugung von Saccharin, von Konzessionen im Zollverfahren bei Uelerschrciten der Grenze, bei Uebersiedlungcn für retourniert« Emballagen und vo »verschiedenen Begünstigungen im Grenzverkehr. Der Vertrag enthält eine Reihe von Bestimmungen, welche auf eine Erleichterung des Zolldienstes an der Grenze, auch im Zusammenhang mit dem Eisenbahnverkehr abzielen, wodurch sowohl der Güterverkehr als auch das Reisen zwischen beiden Staaten erleichtert werden wird. Der Vertrag enthält weiterS den wichtigen Grundsatz für die Ausgleichung der Handelsbilanz in der Richtung, daß Waren aus dem einen Staat, die zum eigenen Gebrauch auf dem Gebiete des anderen Staates, jedoch nicht für den Reexport angekauft werden, in der Valuta des diese Ware ausführenden Staates berechnet werden sollen. Dieser skizzierte Entwurf, der allerdings noch' der Genehmigung der beiden Negierungen im Zusammenhang mit den Gesamtergebnissen aller Beratungen, die während des Aufenthaltes des Staats kan zlers Doktor Renner stattfanden, unterliegt, soll für unbestimmte Zeit mit dem Rechte einer zweimonatlichen Kündigung gelten. Beide Vertragsparteien behalten sich in diesem Vertrage vor, noch weitere temporäre Beratungen über aktuelle Fragen abzuhalten. Das Ergebnis der Verhandlungen mit den Vertretern der österreichischen Republik auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge ist folgendes: Die Verhandlungen betreffen eine Regelung der sozialen Fürsorge zwischen der tschecho-süowakischen und der österreichischen Republik und wurden von einer Sonderkvmmission geführt, die im Ministerium für soziale Fürsorge in der Z-üt vom 10. bis 13. Jänner getagt hat. Den Vorsitz in dieser Kommission führte Sektionschef Soucek. Oesterreichifcherseits waren als Nefrrenten Professor Dr. Pribram und Kvrinek, tschechischerseits Ministerialrat Fritsch und Sektionsrat Doktor Pricek erschienen. Als erster Gegenstand wurde die Frage der Wechselseitigkeit in allen Zweigen de r sozialen Fürsorge beraten. Die Kommission gelangte zu einer gemeinsamen Redigierung deS Uebereinkommens, das die Vertreter der beiden Parteien ihren Regierungen zur Genehmigung vorlegen werden. In zweiter Reihe wurde die Frage der Liquidierrung der Zentralinstitute für soziale Fürsorge in der ehemaligen Monarchie gelöst, wobei beide Parteien ihr'n Standpunkt bezüglich der Auslegung der | bisher mit den holländischen Finanzleutm gevllogenen Verhand* betreffenden Bestimmungen des Friedensvertrages dar- , lungcn haben noch k ri n po fiitr t> c« Ergebnis ge- «Ni- „Ar,»«.* 1fc.Urt« Mid seiiens der holländischen Finamflmppe liegen noch l g en. >r.i. näheren Em e h.iden wurden dem schriftlichen f einerlei Vorschläge vor, die geeignet wären, als Basis für JLa r.^UI ▲. r tMU Cl l .« NU I..A« «.a m UI VT1 11ft* 1 Iv4 n Ai( lHii t*A -» ... .1,.' Ctl . I . .Li l. ' . . . .f . . l ft 4 . . Wege überlassen. Auch beim dritten Punkte der Beratungen, nämlich. Gegenseitigkeit bet Gewährung von Unterstützungen an Arbeitslose, wurden die gegenseitigen Anschauungen beider Parteien präzise fixiert. Diese Angelegenheiten bilden einen kleinen Bruch- . teil der Fragen, die zwischen den beiden Staaten geregelt werden müssen, doch ist der Verlauf und das Ergebnis der Beratungen vollkvmmenzu friedenstellend und bietet eine Garantie, daß die weiteren Beratungen erfolgreich und mit Beschleunigung werden beendigt werden. i in flUfn vreMaften. Nrvamtirren »ulet (MaraiiUt. starbdändrr tftt all» Systeme, erstklallige» Mati-rial, Leop. Kurzer, Wien, Wq Westbahnstraße 23. Telehpon 31537. SS» Die Wirtschaftslage der tschechischen Republik. Pw^nitz. 14. Jänner. (Privat.) Letzten Sonntag hielt hier der tschechische Finanzminister Dr. Sonntag eine Rede, in der et unter anderem sagte: Es hat den Anschein, daßeS zwischen England und Frankreich zu einem Einvernehmen über das russische Problem gekommen ist: England gibt seinen nrfpcnnnlies>eil Plan, im Jänner ein« Konierenz der russischen Staaten einzuberufen und Frankreich seinen Jnter» ventionSstandpunkt auf. Dir befinden uns heute inmitten eines wirtschaftlichen Kampfe- und, waS den Osten betrifft, stehen wir vor der Frage, ob wir die großrussischen Probleme unbeachtet lassen oder ob wir am wirtschaftlichen Kampfe aitw teilncl,m«tt sollen. Da haben min dir tschechoslowakischen Legionäre in Sibirien die Initiative ergriffen uno gelegentlich des Aufenthaltes des Generals Stefanik in Sibirien diesen ersucht, einen Vertreter der Truppen in die Heimat zu entsenden, der die Negierung und die Jndustriekreise informieren sollte, wie die Anknüpfung von Beziehungen zum fernen Osten möglich wäre. Diese Aktion war von Erfolg gekrönt. Wir haben einen Warenaustausch vorläufig mit Wladiwostok eröffnet und ich kann sage,», daß es uns auf diesem Wege gelingen wird» unserer Industrie Rohstoffe, daS ist Arbeit, ohne die geringsten Opfer zu verschaffen. Bä unS wurden, fuhr der Minister fort, im vergangenen Jahre zwei Legenden verbreitet. Zunächst „die goldene Legende", die von der These ausging, daß wir den Krieg gewonnen, ergo auch eine Milliarden-KrlegSentschädigung erhalten werden, daß die Entente aus unS «in politisches und wirtschaftliches Zentrum Europas und dergleichen mehr machen wird. Diese goldene Legende ist bald geschwunden, sobald man zu der Erkenntnis gelangte, daß wir selbst unS alles erlämvsen müssen. Da begann nun tue Melre. .,ole schwarze Legende": UnS sei nicht zu helfen und wir müssen Bankerott machen. Man begann, alles zu kritisieren. Die Brunnen wurden vergiftet, an Stelle der Begeisterung für die Ne» publik trat Pessimismus ein usw. Weder die Verbreiter der goldenen, noch di« der schwarzen Legende haben recht behalten. Unser erstes, Budget endete mit einem Defizit 'von ö Milliarden. Für daS Jahr 1920 habe Ich eine» Büdgetvoranschlag mit 2'/& Milliarden Defizit, demnach um dle Hälfte geringer als im Vorjahre, vorgelegt und Ich kann Mitteilen, daß das Defizit für oaS Jahr 1919 de facto nicht, 5, sondern bloß 4 Milliarden betragt und diese Herabsetzung durch Sparmaßnahme» gelungen ist. Für die Beurteilung unserer wirtschaftlichen Lag« ist jedoch nicht unser Budget- Voranschlag, sondern die Gesamtsituation unserer Wirtschaft maßgebend, und diese ist hoffnungsvoll. Die Verpachtung des Tabakmonopols. Eme ParlamenlSkorrrsporidenz meldet: Ausländische Blätter brachten vor klingen Tagen die Meldung, daß dir Verhandlungen zwischen der österreichischen Negierung und einer holländ.fchen Finamgruppe betreffend die Veipachluna deS Tabakmonopols abgeschlossen woiden scieu und daß Oesterreich den holländischen Finanzleuten das Tatmkmonopol gegen einen Vorschuß von 80 Millionen I holliwdiichen Gulden verpachte. Wie wrr nun von stnanzpotilischer 1 Seile erfahren, entspricht diese Meldung n i ch t den Tatsache«. Die wettere Verhandlungen Mt dienen, geschweige denn, daß von einem Abschluß der Transaktion gesprochen werden kann. Hingegen rst es rickirig. daß Divkror Adler des Wiener Bankvereines gegenwärtig in Parts weilt, wo er zweifellos über diese Angelegenheit mit den . dortigen Fmünzlemen gesprochen bat, de fick', wie hier verlautet, für die Verpachtung deS österreichischen TabakmonopolS interessieren. ES Mich jedoch bemerkt werden, daß Direktor Adler seitenunserer Negierrlng kernen diesbezüglichen Auftrag ei halten hat und daher in Paris nur atS Vertreier seine- Institutes verhandelt. Die Angelegenheit dürste jedoch noch rm Laufe dieses MonaiS in Par,S den Gegenstand ernster Beratunam mit de« dortigen Finanzleuten bilden» da nach den biShrrrgrn DiSvo^ sitlonen Staatssekretär für Finanzen Dr. Reisch im letzten Drittel dieses Monnts nach Paris fahren soll» wo er dann nebst andere 4 Finanzsragen auch die der Verpachtung unseres Tabakmonopo 5 zur Sprache bringen wird. Das Raphthamonopol. Prag, 14. Jänner. (Privat.) Bekanntlich hat Minist«; H a m p l vor einigen Tagen emrr Abordnung von Arbeitern i« der Nationalversammlung erklärt, daß M Kürze ein Gesetz über ein Naphtha monovol erlaßen werden würde. Düt »Prager Tagblatt" gibt auszugsweise den Inhalt dieses Gesetzes bekannt. Nach der Vorlage wird daS Schurtrecht. für die in der Natur vorkommrnden Biinme m festem, flüssigem oder gasförmigem Zustande sowie das Schurüecht für Erdöl, brennendes Erdgas. Erze oder Ozokerit und Moll dem Staate Vorbehalten. DaS allgemeine Berggesetz gilt auch für Bltume, aber mit Arnderungeu, die auS diesem Gesetze rrssießen. j Für die Auffindung von Bitumen hat niemand da- Anrecht aus den Ersatz seiner Leistung. Der Staat kann auch auf fremde» Schmfgebitten, auf Grudcnmassen oder OberflachenbaueN, die stch ,m Privatbesttz befinden, nach Bitumen schürfen. Gegenstand der Verleihung im Sinne deS Berggesetzes können daher außer den bisherigen Grubenmaffen (Ueberrecht) und dem Oberflächenbau noch besondere Grubenmaffen rUeberrecht) bloß fite} Bäume seilt. j Mil G as en, die sich in verliehenen Feldern auS Kohlen^ lagern entwickeln, kann der Besitzer des Werkes frei versügew D»eS gilt auch für Grubenfelder von Stein- und Braunkohls die vor Jukrastireten dieses Gesetzes nicht verliehen worden sind. Wird das Schurs- und Fördrrrecht nach Bitumen auf jemandkNj übertragen, so ist für die Aufrechttrhaltung des Berggesetzes jener, verantwortlich, auf den dieses Gesetz durch Ueberlragunq oder Veräußerung Übergegangcn ist. Die Regierung wird ermächtig^ Über da- Förderverfahrrn und die Ausnützung von Erdgasen detaillierte Vorschriften im Verordnungswege zu erlassen. Diese Bestimmungen haben m der Slvwaker und inKarp athett» r u bland brniglich der ausschließlichen Schursgebiete, die vor Inkrafttreten dieses Gesetzes angemeldet waren, volle Geltung. Für ausschließliche Schursgebiete im übrigen Bereich der tschechoslowakischen Republik gilt dieses Gesetz nut der Abänderung» daß die Verleihung der Schursgebiete auf Ditume auf keme Privatperson zuzulassen ist. Bezüglich der Kohlenförderung ist das Recht deS Eigentümers auf die vorbchallrnen Mineralien nach § 1L3 des Berggesetzes zu brarbeiren. besonders in dem Sinne, daß alle auf diesen Feldern geförderten Dirume biS aus jene, die für den Eigenbedarf des Unternehmers notwendig sind, vom Unternehmer dem Staate angebolen werden müssen. Das ungarische Gesetz Art. 6 deS Jahres 1911 über Bitume und Erdgase wrrd aufgehoben. Das neue Gesetz soll .dem Staate das Naphthamonopol! auch für die bei G 8 d t n g vorkommenden Naphthagrubeu bietxn^ Der neue polnische Zolltarif. Warschau, 13. Jänner. lPrivat.) Gestern ist in Pole» des neue polnischeZolltarifin Kraft getreten, womit die bisherigen Zolltarife,, der österreichische, der russische und der sogenannte Hlndenburg-Tarrf außer Kraft gesetzt find. Die Vereinheitlichung depolnischen ZollwesenS ist demnach bereits durchgeführt. Die Tarifsätze lauten auf je 100 Kilogramm Und sind durchwegs in Marlwährung (Gold auSgrdrückt» wobei 1 Mark m Gold gleich 8 Mark in Papier angenommen wird. Waren, die durch daS polnische Staatsgebiet durchgeführt oder aus Polen auSgrfllhrt werden, unterliegen prinzipiell keiner Verzollung. Eingeschränkt wird jedoch die Ausfuhr von Schießpulver, Explosivmitteln und Waffen. Die Ausfuhr von Kunstwerten ist an dir Bed ngung einer besonderen Bewilligung deS KunstmlnisteriumS geknüpft. Angesichtder gegenwärtigen außergewöhnlichen Lage wurden einzelne Artikel wie ReiS» Mehl, Erdäpfel, gedörrte- und marinrerteS Fleisch, Fische, Heringe, ver- Szene im Keller. (Aus den SchreckenStagen in Polen 1919.) Von David Pinski. Szene: Ein geräumiger, finsterer Keller; ein Sonnenstrahl, der von irgendwoher im Hintergründe sich in den« Raum aestohlen hat, kündet einen herrlichen klaren Sonnentag in der Außenwelt und hebt die Silhouetten verschiedener Körper ab, die den Kellerraum beleben. Die meisten dieser Lebewesen, in denen man mit Mühe menschliche Körper erkennt, liegen zusammengekauert auf dem Boden. Einige sitzen. Drei Männer stehen im Lichtkreis des Sonnenstrahls, auf jeder Seite einer, wäbrend der Dritte, die Arme auf der Brust gekreuzt, das Gesicht' gegen das Licht wendet. In dem durch diese drei stehenden Männer gebildeten Dreieck sitzt auf der Erde eine Gruppe kleiner Jungen und Mädchen und liest. Stille. ' Durch die Luft geht ein Zittern überreizter Spannung. Alles horcht angestrengt auf jeden Laut, der von außen herkommt. Sine gute Weile herrscht ununterbrochene Stille, dann hebt eine Konversation an zwischen den Sitzenden und den auf dem Kellergcunde Liegenden. Es ist ein Flüstern ttockener, hungriger, müder Stimmen. Zwischen Frage und Antwort minutenlange Pausen. Stimmen: — Es ist noch ruhig draußen. — Wie lange ist es ruhig gewesen? — Sie spricht von Zeit! Wissen wir denn Überhaupt, wie lange wir schon hier sind? Es sind sicher schon drei oder vier Stunden, seitdem es so ruhig geworden ist. — Was mag das wohl bedeuten? — Haben sie das Gefecht eingestellt ober — Es scheint, daß sie in Verhandlungen eingetvelen sind. Bon keiner Seite her ein Laut zu vernehmen. Der Mann rechts vom Sonnenstrahl! Bfirf£ lautet unser Nachtgebet? „Zu meiner Nech:sn der Erzengel Michael, zu meiner Linken Gabriel, vor mir Uriel, hinter mir Raphael . . ." Und waS haben wir M?. Zu unserer Linken bie. Polen,^ zu unserer NeKM die Ukrainer, vor uns dl« Russen, hinter unS die Ru-! mänen ... Der Mann links vom Sonnenstrahl (höhnisch): Und wo ist Gott?! Einer der Sitzendenr Hätten wir ftüher an Gott gedacht, wären wir jetzt vielleicht besser daran. Der Mann linkvom Sonnenstrahl: Womit beller. lieber Rabbi? Dann in der Welt bat den Juden ihre Güte und Ihre Frömmigkeit etwagenützt? 1 1 Stimmenr — Die Juden sind immer der Sünbenbock gewesen. — Di« da draußen werden Frieden schließen und bann allesamt auf einmal über uns herfallen. — Einer gegen den anderen und all« gegen unS. — Wir helfen in allen Kriegen mit und werden bann, gerade von jenen massakriert, in deren Reihen wir gefochten haben. — Wer weiß, was noch «US uns werden wird! — Wehe! Wehe! (Leises, verhaltenes, erschöpftes, trockenes. Weinen, denn die Tränenquellen sind versiegt.) Ein sitzendes Weib : 0 Gott des Weltalls! Mögen sie doch endlich etwas tun, etwas .. . mögen sie mir die Knochen brechen, di« Arme ausreißen, mögen sie mich umbringen, nur daS nicht, danicht .. .! Ein Mann (an ihrer Seite): Fünfzehn Jahre sind'S jetzt, baß ich dasselbe von dir zum erstenmal hörte! DaS Weib: Ach, wie viele Male habe ich'S seither wiederholt! Eip: andere- Weib: Vieljüdisch« Töchter btteten schon da- Gleiche vor ihr und viel« tverdsn «I vielleicht noch nach ihr böten. (Stöhnen.) i. Ein stehender Mann (rechtan der Mauer, .wegen, der undurKdringliMn. FinUcurL unMtbaLz NÜ gedrückter, heiserer Stimme, voll Verzweiflung) : Warum? Warum? Gin« Mädchenstimme (wie unterirdisch fffo* gend): Strich nicht soeben ein kalter Luftzug hindurch?! Still«. ' \ Ein kleiner Jünge (in der Nähe des Gvnnem strahls): Ich Hab' mein Buch, zu Ende gelesen. Jetzt kommt sicher der Hunger.! Ein kleines Mädchen (neben ihm): Lausche«! wir mit den Büchern; ich geb' dir meines,. Der Junger WaS liest du? DaS kleine Mädchen: Ein polnisches Buch. Der Junge: Ich kann nicht polnisch. Ich bi« furchtbar bunaria. >! Dakleine Mädchen: Ich will dich unter-, richten. > . i j Der Junge r Gut» bann spür' ich wenigstens den entsetzlichen Hunger nicht. (Beide strecken sich auf dem Kettergrund neben dem Lichtstrahl hin.) i Der Mann rechts vom Gvnnenstrahkr Da seht euch einmal dieses „Volk der Bücher" an! Dann kommen ein paar polnische Mordbuben und zer^ schmettern diese Schädel an einem Eckstein. Eine Mädchenstimme: Mir ist so kalt. Stille. Der Mann mit dem Gesichte gegen den Sonnenstrahl: Aber da draußen ist herrlicher Sommertag. Die Sonne scheint, lacht, wärmt und -* Einer der Liegendenr — zeigt, wohin mau schießen soll. Der Mann «it dem Gesichte gegen de» Sonnenstrahl: Wir haben noch Glück, daß wenigstenein Sonnenstrahl zu ungedrungen ist. . (Fortsetzung folgt.)