Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 353 (15.1.1920)
- Date
- 1920-01-15
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Sette 2 Wien. Donnerstag Wiener Morgenzettun- 15. Jänner 1920 Nr. 353 1111 . 1 ...t ■ »■ .- i ■"""«< ftn die bis Sa^oni*i"r herankamen. als vielmehr die Oberfläche der schillernden französischen Zivilisation, so wurde der moderne Salonikis Jude bald zu einer der unsympathischesten Figuren der Assimilation. Der Beginn des Nationalisierungspro'esses geht in die Zeit vor dem Kriege zurück. Zwei Institut« haben ihn wesentlich gefördert, die Talmud Tora hagadol, die unter der Leitung des bekannten Dr. Jizchak Epstein stand, der heute wieder eine entscheidende Rcll? im pädagogischen Leben Palästinas spielt, und die Schule des HilssvereineS der de"t'chen Jud>rn. In diesen beiden Anstalten brgann vor allem die Hebraisicrung der Jugend, aus ihrem Kr-ise herattS wurde dann der Turnverein Makkabi gegründet, der sozusagen dir Keimzelle der heutigen zionistischen Organisation in Ea'oniki ist. > Dieser kleine KreiS jüdi'chnationaler Er^i'her vermochte tennoch wenig gegenüber der Überlegenheit der Alliance, die sie insbesondere aus finanziellem Gebiete belast. Die Möglichkeit, durch sie nicht nur de gewöhnliche Sch ausri tung, ondevn auch Borde ei u/g süv Ha^dw rker- und Handels,'ch-r^en erha'te^ -u kön -en. die zahlreichen S isrendien, die ft: zu verge' rn Hatte, ließ sehe ....r iche Eltern aus Zweckmässig k-itsgründen für die Alliance entsch iden, die innerlich den nationalen Schulen viel näher standen. Selbst die aufopfernde Fr.undscha^, die der vevehrungswürdige Chacham-Daschi Ja ob M.ir der Ta'mud Tora und der Hilfsvereinsschule bswles. vermochte den Borsprung der Alliance nicht auszugleichm. Um so bedeutungsvolle« ist es, wenn heute, nach dem su chtbaren Schick al, da) Sa oniki wä'rend des letzten Jahrzehnts betroffen hat, sich seine Juden so energisch frei machen von dev Vormundschaft und dem gefährlichen Protektorat der Alliance. Es beweist einen außerordentlich hohen Grad nationaler Selbstbesinnung, wenn die Ca^oni'ier Juden der Alliance gerade jetzt den Stuhl vor die Tür setzen, wo sie von ihv wahrsche'nlich um den P.eis weiterer Assimilation e ne wirklich grvß'ügige sinan-ielle Hilfe aus den Mil iinensonds der Alliance J'raslite Universelle erwarten dürsten. Es b steht wohl kein Zwrisel darüber, daß dem Beispiel Salonikis die meisten sepha.'d'schen Gemeinden fo'g n werden. In Gebieten, die.nicht direkt dem Po'iftchen Einfluß F ank.eichs unterstehen, wird sich das ttue.st zeigen. Zwcisellos aber wird selbst in Syrien, auch wenn Frankreich dort als Mandatarrnacht austritt, die Position der Alliance gegenüber den Juden unhaltbar werden. Denn die Zeiten sind endgültig vorbei, in denm irgend welche Gruppen europäischer Juden unter dem Deckmantel der sozialen oder kulturellen Hilfe Politik für fremde Nationen in den Reihen des jüdischen Volkes treiben dürfen. Nirgends in der Welt darf es mehr Schulen geben, die irgend welche jüdi'chen Kreise zu Exponenten eines fremden politisch n oder kulturellen Willens machen wolkn. Es darf nur eine Schul„mission" unter Juden noch geben: die der nationalen jüdischen Schu'e! _ C. Z. Klötzel. Zur türkischen Frnqe. Bei den jüngst stattgesundenen Besprechungen ler Entente-Staatsmänner in London, welche der türkischen Frage galten, hat Frankreich das engAsche Programm der Verlegung der türkischen RegierungvonKonstantinopel angenommen. Es scheint jedoch, daß man diesen Schritt in Paris bedauert und einer anderen Entscheidung den Vorzug geben möch e. Man befürchtet in Paris immer mehr, daß die Vertreibung der türkischen Behörden aus Konstantinopel in der islamitischen Welt eine allzu heftige Reaktion entfesseln könnte. Insbesondere b>efurch et man ein Anwachsen der nationalistische Bewegung in Kleinasien und ein wad)jenbe2 Einverständnis zwischen Muselmanen und Bolschewiken. Auch die Möglichkeit eines Einverständnisses zwischen mohammedanischen Türken und Arabern, welche während des Krieges vielfach c e rennte Wege gingen, flößt der Pariser Negierung wachsende Besorgnis ein. Kürzlich soll in Tiflis eine Konferenz stattgefunden haben, an welcher nele t Vertretern der Mohammedaner aus dem Kaukasus auch solche der anatölischen Aufständischen und der russischen Bolschewiken teilgenommen haben. Ferner hat Nari Pascha, ein Stiefbruder von Enver Bey, sein Hauptquartier in Baku aufgesch'agen, welcher Umstand das gemeinsame Vorgshest der Jungtürlen und der aufständischen Nationalisten beweist, sowie die Wichtigkeit, die sie tem Kaukasus beilegen, der die Verbindung mit Nußland Herstellen würde. Die französische Regierung . hat inzwischen mit Emir Faisul ein Kompromiß bezüglich Syriens abgeschlossen und dieser begibt sich gegenwärtig nach Syrien, um die Bestätigung seiner Landsleute einzuholen. „Temps" versichert, daß die Vereinbarung mit dem Emir die folgen'en Punkte enthält: Faisul anerkennt das ftanzö,i che Mandat über Syrien, und Frankreich stimmt der Schaffung eines arabischen Staatezu, welcher Damaskus, Homs und Aleppo umfassen und unter Mithilfe französischer Inspektoren verwaltet werden soll. Immerhin scheinen manche Umstände darauf hinzuweifen, daß in der türkischen Frage zwischen den Alliierten noch leine vollständige Klärung erzielt ist. Dar einer« Grnerütstreik in Prag. Prag, 14 Jänner. (Dl -Komp? Wie d r »Vecei" erfährt» wird es wer in den nächsten Tagen zn ctnem Generalstreik der Arbeiter gegen bi: Teuerung kommen. Auf einen gegebmen Wmk der VriUaurnsmänner werden du Arbeiter die Bew ebe verlassen, um aus der Straße aearv feie Teuerurra ui fecmom'Uteutu Ruhe in Berlin. Reichskanzler Bauer gegen die Unabhängige«. Berlin, 14. Jänner. Tcl-Komp.) Heute fattftfift in Beilm Ruhe. Am Nkicbstagsgtbäude selbst finden steb noch vereinzelte "puren d-r traurigen Vorgänge vom gestregen Nackmsttag Der Ausnahmezustand ist beieitS in Wirkung getreten. Um Uhalle ftcillt gerüstet zn fein, find auck in der Umgebung Berlins Trupvrn nstammmg^ogen. Die Loge wird >m ollgemeinen für sehr ernst gehalten. WaS man noch von linksradikaler Seite m erwarten hat Mt fich momentan noch gar nicht lagen. Tie Berichte der heut gen Nachmiltagspresse laßen erkennen, daß man in den gestrigen Vorfällen uur em Vorspiel steht. Sitzung der Nationalversammlung. In der Nationalversammlung erklärte Reichskanzler Bauer in Fortsetzung der zweiten Lesung deS BetriebSrategesehcS, der versuchte Sturm auf den Reichstag fei ein schmählicher Angriff auf Parlamentarismus und Demokratie gewesen. Die Schuld falle den Unabhängigen zu. ES entstand ein großer Lärm, da die Angegriffenen den Reichskanzler nicht weiterreden lasten wollten. Schließlich konnte Bauer sich wieder verständlich machen und setzte unter fortwährenden Zwischenrufen seine Angriffe auf die Unabhängigen fort. Er dankte der Wache für den Schutz des Reichstages, der sonst eine Bartholomäusnacht erlebt hatte. Der Kanzler gedachte der Toten und gab dem B'-dauern Ausdruck, daß nie die Verführer, sondern stet» nur die Verführten die Opfer seien. (Sehr richtig!) Wir hoffen, fährt der Reichskanzler fort, daß ste nicht umsonst gefallen sind, nicht im Sinne derer, denen sie ihren Tod zu verdanken haben, sondern in dem Sinne, daß ihr Tod jenen die Augen öffnen werde, die durch abgedroschene Schlagworte in die Hetze hineingetrieben worden sind. Wenn das Volk den Abgrund erkennt, dem es entgegengeführt wird, wenn jetzt ein.Erwachen durch die Arbeiterschaft geht, daß fix das den Unabhängigen verdankt, dann ist auch dieses erste Blut nach FriedenSschlutz nicht umsonst geflosten. Die Gemeingefährlichkeit derjenigen Parteien, die die Diktatur einer Minderheit auf ihre Fahne geschrieben haben, wird der Maste deS Volkes allmählich mehr und mehr zum Bewußtsein kommen. ' Wir stehen jetzt wieder vor einem mit ungeheuren Machtmitteln, emgeleiteten Ansturm gegen unser ganzes wirtschaftliches und nationales Leben. (Stürmischer Widerspruch bei den Unabhängigen.) Die Taktik der revolutionären Betriebsräte, die ckn den Unabhängigen ihre Stühe haben, ist gegen ihr früheres Verhalten etwas anders geworden. Sie haben durch eine geheime Organisation überall die Fäden gesponnen, und jetzt sind die Emissäre allenthalben am Werke, nachdem in diesem Tagen eine geheime Konferenz der Unabhängigen ' und der Kommunisten stattgefunden hat . . . (Lärm bei den Unabhängigen) die Störung des Eisenbahnverkehres rm ganzen Reichsgebier zur Durchführung zu bringen. - Die Unzufriedenheit der Massen mit ihrem jetzigen Los, die keine Regierung, mag sie noch so radikal oder rechts» stehend fein, .ändern könnte, der Unwille über diese Zustände, die Verzweiflung der Masten sind begreiflich'. Desto verbrecherischer ist es, wenn dieses LoS deS Volkes in so demagogischer Weise ausgenützt und die unzufriedenen Masten gegen die Gesamtheit des Volkes getrieben werden. (Sehr wahr!) Was soll erreicht werden durch diele Lahmlegung des Verkehres usw.? Die Kommunisten hoffen, daß in diesem Wirrwarr, in diesem Massenst e r b e n. rn diesem Kampf aller gegen alle ihre Zeit gekommen ist, daß sie dann alles zertrümmern und auf den Trümmern die kommunistische Wirtschaft werden errichten können. Es bedarf keines Beweises, daß die Gesamtheit der Nation durch diese verbrecherische Agitation in ihrem Leben bedroht ist. und daß die Gesamtheit der Nation sich in Notwehr befindet. Mit den schärfsten Maßnahmen mutz gegen diese Treibereien vargegangen werden. (Zwischenrufe bei den Unabhängigen. Gegenrufe: Strolche!)'Die Regierung ist sich ihrer Verantwortung, gegenüber der Gesamtheit des Volkes bewußt. (Lebhafter Beifall.) Sie kann nicht eine verschwindende Minderheit gewghren lassen, die geradezu | tollwütig gegen das Leben des gesamten Volkes rast und ein Trümmerfeld schaffen will. (Zustimmung.) Wir werden also — ich nehme an, der Unterstützung dieses HauseS sicher zu sein — auch die ganze öffentliche Meinung dabei hinter uns haben. (Stürmischer Widerspruch und Lärm bei den Unabhängigen.) Me diese unabhängigen und kommunistischen Blätter. . . (Rufe bei den Unabhängigen: . . . werden verboten werden! Die nächsten Worte des Reichskanzlers gehen im Lärm ' tkdr° loren) . . . und wir werden diejenigen f hinter Schloß und Riegel. bringen, die Volksverhetzung treiben und bestrebt sind, unser Volk völlig in den Abgrund zu stürzen. (Lebhafter Beifall.) Ich bitte Sie nochmals um Ihre Unterstützung. Wir werden alles tun, was in unseren Kräften steht, um daS Volk die ganze deutsche Nation vor dem Abgrund zu bewahren! (Lebhafter Beifüll im ganzen Haüse, stürmisches Zischen bei den Unabhängigen.) Berichterstatter Schneider setzte sodann seinen vorgestern unterbrochenen Bericht über die Ausschußverhandlungen fort, doch gingen seine Ausführungen infolge fortwährenden Lärmes und beständiger Zwischenrufe durch die Abgeordneten Frau Zieh und Geyer verloren. Man Hort die Rufe: Hinaus mit Frau Zietz! Zwischen den Abgeordneten der Unabhängigen und Mehrheitssozialisten entsteht ein erregter Wortwechsel. Die allgemeine Unruhe dauert an. Inzwischen bat der Berichterstatter seine Ausführungen beendet und verläßt das Rednerpult. Präsident Fehrenbach erklärt, er halte es für aug-zeigt,- jetzt einem unabhängigen Sozialisten das Wort zur Erwiderung auf die Rede deS Reichskanzlers zu erteilen. (Widerspruch rechts.) Abgeordneter Henke (unabhängiger Sozialdemokrat) erklärt: Der Reichskanzler hat die Schuld an den gestrigen Vorgängen unserer Partei aufS Holz gekreidet. DaS Urteil der Geschichte werde der Partei mehr sein als das Urteil des Reichskanzlers, das auf falsche Informationen und auf Voreingenommenheit zurückzuführen ist. (Sehr wahr! bei den Unabhängigen.) DaS Recht auf Demonstrationen ist auf daS engste verbunden mit dem demokratischen Recht, und deshalb werden die Unabhängigen immer wiederdavon Gebrauch machen. Die Darstellung de» Reichskanzler» wird nickt dazu beitragen, die Arbcitermasten zu beruhigen. Da» geschähe auch nicht durch den B e l a g e r u n g S z u st a n d. Jetzt wird cs sich zeigen, wie die Arbeiterschaft denkt und ob sie politisch reif ist. Die klastenbewußten Arbeiter wissen nun, was sie Uv« der KokNtionöregierung zu halten haben, die aus dem Detriebsrätegesetz et« Zwang»» gefetz machen will.« Der neue Militarismus arbeitet völlig rm Geiste des alten. Das MeichstagSgebäude war i« eine Festung verwandelt. Wären die Maschinengewehre nicht da gewesen, so wären die Masten friedlich abgezogen. (Gelächter bei der Mehrheit. Lärm lmks. Rufe: Heuchler!) Der Nationalversammlung wäre nicht» geschehen. (Lachen.) M< Darstellungen deS Reichskanzlers, die uns die Blutschuld zuweisen wollten, sind eine Provokation sondergleichen, zumal der Reichskanzler lediglich den Truppen Anerkennung aus» gesprochen hat. Wenn eS sich darum handelt, den Kapitalismus z u f e st i g e n, scheut die Regierung nich vor Blut» vergießen zrnück. Demgegenüber müssen wir selbstverständlich die Arbeiter auffordern, von allen ihren politischen Rechter» Gebrauch zu machen. Jetzt heißt e» für uns: Sie» oder Tod! (Großer Lärm bei der Mehrheit. Pftrirufe, anhaltende Erregung.) Die Erzählungen von geheimen Konferenzen der Unabhängigen und der Kommunisten ziehen nicht mehr. Wir pfeifen auf die Maßnahmen der Regierung und auf de» Belagerungszustand! Minister Noskc ruft: Kommen Sie nur heranaus dem Haus! lBrausendrr Beifall.) Wir sind überzeugt, daß der Sozialismus trotz alledem siege« wird. (Beifall bci den Unabhängigen, Zischen rechts.) Der preußische Minister deS Innern, Heine, erklärt, die Verantwortung dafür, daß er da» HauS durch Mann- . schäften der SicherbertSwehr beseht habe, übernehme er gerne. Denn das, WaS geschehen wäre wenn er da» HauS nichtgeschützt hätte, würde kein Mensch haben verantworten'können. Ma« dürfe nicht glauben, daß die von Stunde zu Stunde wachsende Menge von Anfang an friedlich gewesen sei. Der Abgeordnete Hei mann sei auf seinem Wege zum Reichstage fortgesetzt beschimpf» bespuckt und bedroht worden. Mehrere Abgeordete hätten vom Fenster aus gesehen, wie die Menge auf dem Königsplatz durch Winke von oer Rampe aus immer wieder aufgefordert wurde/ die Sicherheitskette zu durchbrechen Dabei fer festgestellt worden, daß die Mannschaften der Sicherheitswehr mit einer geradezu übermenschlichen Geduld' die Beschimpfungen und Bedrängungen über sich ergehen ließen, bis sie sich schließlich nicht mehr anders als mit der Waffe wehren konnten. Der Minister gibt sodann eine Darstellung der gestrige»^ Vorgänge und stellt fest, daß die ersten Schüsse von vraußen gegen daS Reichstagsgebäude abgegeben worden seien. Der erste Schutz habe einen Mann verwundet, der neben dem Minister in der Vorhalle gestanden sei. Ein zuverlässiger Zeuge habe mit angesehen, daß ein Mann, auf der Rampe stehend, da» Gewehr angdlegt und geschossen habe, worauf er daS Gewehr einem anderen reichte. Das Märchen vom zufällig loSgegangene« Schuß glaube kein Mensch. (Widerspruch bei oen Unabhängigen.) Kaum war, sagt der Minister, der Schuß gefallen, kaum ahnten die Herren, daß nun ihre Saat Früchte trage« würde (stürmischer Widerspruch bci den Unabhängigen. StB» geordneter Henke und Frau Zietz erheben schreientz ihre Fäuste gegen den Minister) Präsident Fehrenbach: Frau Zietz. Sie haben de« preußischen Minister de» Innern mit einer schweren Beschimpfung belegt. (Zuruf: Aber mit Recht!) Ich rufe Sie deshalb zur Ordnung. Herrn Abgeordneten Düwe rufe ich ebenfalls zur Ordnung. Der Minister fortfahrend: Kaum war der Schutz ge» fallen, da lief em Unabhängiger draußen herum und riefr ».Spitzelarbeit." Nach diesem Schuß sind etwa noch 1l) Minuten vergangen, bis die Sicherheitswehr von der Waffe Gebrauch machte. Die Mannschaft, die auf den Königsplatz gesandt wurde, kam zum Teil verwundet, zum Teil ihrer Waffen!eraubt, zurück. Die Maste nämlich, die sich vor dem Porta! Nr. 2 staute und von Minute zu Minute gefährlicher wurde, ist aufgereizt durch die Abgeordneten Zubeil und Frau Zietz worden. (Stürmischer Widerspruch bei den Unabhängigen. Rufe: »Lüge! Unerhört!") Ich habe gehört, daß Abgeordneter Brdtz auch dort gewesen wäre. Ich habe sicheren Bericht von Augenzeugen, daß Abgeordneter Zubeil und Frau Zieh der Maste zugerufen haben: »Das R eich Stag Sgebäude gehört dem Volke und nicht der Sicherheitspolizei, ihr wißt, wa» ihr zu tun habt!" lStürmische Zurufe bei den Unabhängigen. Rufe links: Das glauben Sie selber nicht! Der Präsident fordert die Abgeordneten, die sich in der Nähe des Rednerpultes angesammelt haben, auf, sich auf ihre Plätze zu begeben.) Al» diese Zurufe seitens der Abgeordneten erfolgten, drängte die Melle immer mehr und mehr an die Sicherheitspolizei heran. In diesem Augenblick, als solche Zurufe von seiten deS Abgeordneten Zubeil speziell fielen, standen bereits verwundete Mitglieder der Sicherheitspolizei am Portal und kamen zum Teil blutüberströmt zurück. Der Abgeordnete Zubeil ..hat fick an den Offizier gewendet und gesagt, es solle nicht geschossen werben, worauf ihm der Offizier antwortete: Sollen sich unsere Leute die Augen ausstechen lasten? Die Situation spitzte sich von Minute zu Minute zu. Die Mannschaft stand der HauSfront entlang mit dem Rücken zur Mauer. In diesem Augenblick forderte der diensthabende Offizier die Menge auf, zurüazugehen. (Zurufs links: ES ist keine Aufforderung erfolgt.) Die Aufforderung wird von zahlreichen Personen bestätigt. Die Demonstranten machten kerne Miene, zurückzugehen. Wäre in diesem Augenblick nicht geschossen worden, es Handelte sich hier um Sekunden, so wäre die Sicherheitspolizei überwälttgt worden und die Maste In baS NeichStagSgeSäude elugedrunge«. Der Minister sprach hierauf der pflichtbewußten Sicher» heitSwehr den Dank für ihr Verhalten aus. Sie habe dadurch» daß sie daS Unerträgliche solange ausgehalten habe, dazu beigetragen, daß jeder Schein, den man gegen die Regierung erwecken wollte, als ob sie eine Provokation beabsichtigt habe, verhindert wurde. Der Minister verlas sodann die Berichte, die heute in der »Freiheit" und in der »Roten Fahne" üb^r die gestrigen Vorgänge hätten erscheinen sollen» und bemerkte» e» sei ein großes Glück, daß die beiden kommunistischen Schandblättor unterdrückt worden seien. (Zwischenrufe dev Frau Z i e tzr Gemeiner. Kerl! Sie wird dafür zur Ordnung gerufen, ebenso der Abgeordnete Laukant.) In der Verurteilung derjenigen, die den Tod der armen Verführten und der Sicherheitswehrleute verschuldet haben, werde da» ganze deutsche Volk einig sein. (Beifall.) Abgeordneter Henke (Unabhängiger) sprach sein Bedauern darüber aus, daß der Abgeordnete Hermann gestern von Leuten, die sich außerhalb de» Hauses befinden, angespien und belästigt wurde. DaS seien aber keine klaffenbewußten Arbeiter gewesen. ReichSarbeitsminister Schlicke erklärte: DaS Gesetz über die obligatorischen Schiedsgerichte konnte dem Hause noch