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Wiener Morgenzeitung · 1920-01-14 · Heft 352 (14.1.1920) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 352 (14.1.1920)
Date
1920-01-14
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 38S Men, Murwocy Wiener Ätorgenzettun /14.'Jänner 192S , Vereinsnachrichten. (NachrichtenvonVereinenerscheinenausnahmSlosnuramTagederVeranstaltung.) Heute: Jugendgruppe der Zionistischen SB c- 11 r l § ] t f t \ o n XX. Heute um Va6 Ubr Distussionsabend über den Antisemitismus, geleitet von Herrn S ch wertst na e r., Hierauf Rezitationen und wichtige Mitteilungen. — Palästinasektion desjüdischen M ed izin erde r e i n^e s. Alle Kollegen und Kolleginnen, die ein Interesse für Palästina, insbesondrrs für die scmilmen Verhältnisse dieses Landes haben, mögen sich zwecks Bildung einer solchen Sektion in den Amtsstunden melden. Die Aerztegruppe des Palästina^ amtes hat sich bereit erklärt, uns Vortragende wie auch Kursleiter gratis zur Verfügung zu stellen. — ZronistrscheSektionLandstraße. 6 Uhr abends Vereinsabend im Heim, Ul.. Untere Viaduktgasse 13. Dr. Auerbach: Die jüdische Kultusgemeinde — die jüdische Volksgemcinde. — Der JüdischakademischeIuristenverern eröffnetBorbcreitungskurse für die erste und zweite Staatsprüfung. Reflektanten wollen Samstag den 17. d. M. um 3 Uhr nachmittags im Lokale des Iuristenv er eines, IX., Alserstrafie 28, zwecks Besprechung ericheinem — Z i o n r st i s ch e B e z i r k s s e k t i o n D 8 bl i n g. 6 Uhr abends im Cafs Döbling Diskussionsabend. Thema: Das Organnationsstatut des zivinsstschrn Landesverbandes und die Bezirkssektion. Reterent: Alfred W e iß hat. — Zionistische B e z i r k s s e k t i o n Währing. ' 7 Uhr' abends Zusammenkunft im Cafö Währingerhof. Briefkasten der Redaktion. Echleln Bernh. Das Schillerdmkmal befindet sich auf dem Schillerplatz, Ringstraße.— Baden. Ganz Sicheres läßt sich noch nicht sagen. Ein Teil dürfte inbegriffen sein. — Ein eifriger Leser. Sonntag wird keine Post ausgetragen. Die Ernährung. Der Marktbericht. .■ / Die meisten Marktgebiete blicbeit auch heute ohne Be- «Hlckung. Geflügel war überhaupt nichts, an Fischen nur geräucherter Seelachs zu X 42.— das Kilogramm zu haben. Das Angebot des Zentralfleischmarktes m der Großmarklhalle bestand rus kleinen Mengen Wülsten und Corned-Beef. ,Die Grümvaremnärkte waren etwas bester versehen. Begünstigt durch die warme Witterung, kam etwas mehr Gärtnervare zu Markte, doch muß selbstverständlich der weitaus größere Bedarf mit Rüben und Kraut gedeckt werden. Aepfel. gab es rn'Ueberfluß. Auch die billigeren steirischen Achsel waren auf dem Naschmarkte mehr als ausreichend vertreten. Keine Freigabe des FleisMandels. Ein gestriges Morgenblatt hat die Nachricht gebracht, daß die amtliche Bewirtschaftung von Vieh und Fleisch ihrem nahen Ende.entgegengeht. Wie wir aus Fachkreisen erfahren, entspricht diese Meldung nicht den Tatsachen, Wie .wir bereits sor längerer Zeit in einem Versammlungsbericht der Fleischhauer- und. Fleischselchergenossenschaft gemeldet haben,,Meben stese Genossenschaften, welche sich zu Wirtschaftsbereinigüngem -usamin engeschlossen haben, die Freigabe des Vieh- und' sslefschhandels qn und haben bereits.vor Wochen in diesem sinne-'.ein- .ausführliches Memorandum, an. das- Stäatsämt für Volkssrnährung. .gerichtet,- dris.. aber bisherk e.r^y ö E r- ^l.e d i g u.n g gefunden hat. -; - v - Inctner kürzlich im Bäckersaal ftattgefuttdenen Versammlung'..'der - Fleischhauer- und Fleischselchergenossenschaft hat,nunmehr.der derzeitige Leiter der amtlichen Üebernaymsi'tellefür . Vieh und Fleisch erklärt, daß er selbst im- Volks« rrnährüngsamte die Freigabe des Vieh- und Fleischernkaufes im UÜslande,-- und zwar sowohl in. den Nationalstaaten, als im übrigen Auslände, beantragt und ersucht habe, dies bereits bis 16? Februar des laufenden Jahres zu tun. -Nachdem der sterter der amtlichen Uebernahmsstelle selbst die Freigabe des Einkaufes un.Auslande beantragt, wäre wohl anzunehmen, das; das Staatsamt für Volksernährung,, dem die Entscheidung urheimsteht, deinen. Widerstand entgegensetzt. Wie wir aber im staatsamt für Volksernährung erfahren, ist vorderhand noch leine dreöbLzüalichc Entscheidung gefallen. Neischausgabe irr Wrsrr irr dsr Woche vom > . 15. bis 21. Jänner 1920. / , In der Woche vom 15. bis 21.!>.' M. wird an alle Haushaltungen in W-en Rindfleisch .abgegeben werden. Die Quote iuiträgt 10 Dekagramm pro Kopf, die Abgabe erfolgt gegen Abwennnng.der mit Ziffer 10 bezeichnetcn Abichrntte des' Rindfleisch- 'SlntLsfsscheines.' Der Klcinverkausspreisbetragt X 65.— pro Kilogramm Vorderes. X 69.— pro Kilogramm 'Hinteres und il.88.—Pro Kflogramm Bratenflersch. * Ab. Moniag'.den 19. b. M. dürfen die Rindflelschabgabe- Üellen das erübrigte Rindfleisch an die bei ihnen rahon>er!en '.Kunden ohne Rücksicht darauf, ob diese ihre Ration behoben -haben"oder niclu. verkanten. DirKopfquote beträgt auch in diesem Falle 10 Dekagramm. Die Abgabe gcichreht zu den oben angegebenen Preisen. Beau Bezüge der Zusatzanote wird der nick dem Buchstaben 0 bc,;i!cfni :ic Abschnitt .des Mndfleische'nkan-srchrines rbgetrennt. ' Zur 2L!r.üb^ von Kofcherfleisch. - . Gesuche um ZulasEg zum uumtMlichen. - bezrehuugLwrise Anmeldungen zrun entgeltlichen Bezüge unseres amerikanischen ko s'ch c r e n F l c i s ch e s können bis einschließlich 18. d. M. >U. unserer Abienlma für lorllauiende und Heimreijennterstützungeu Vl., Manahriferstraße 47, eingebiachl werden. Nähere Bestiminrmacn über die Be-ugsberechtigung, Form der Anulelduugen und Gesuche sowie die Ausgabestellen enthalten die rn sämchch.u Wiener jüdischen Bcthänsern angeschlagenen Verlättlbarungen. Ameriean Io>'nt Distribution Commiitee. Abteilung Wien, Zentralburcau. l.. Serlerstätte 1b. Montag den 19., von 9 bis 11 Uhr, rot, gerade Nummern; von 3 bis 5 Uhr rot, ungerade Nummern. Dienstag den 20., von 9 bis 11 Ubr, blau, gerade Nummern; von 3 bis 5 Uhr blau, ungerade Nummern. Kavtoffelabgabe. Mittwoch bis Samstag werden in dm Bezirken VI bis XU '/, Kilogramm holländische Kartoffeln zum Prelle von X 5.10 für das Kilogramm gegen Abtrennung des Abschnittes X der Kartoffclkarte abgegeben. Lebensmittelabgabestelle „Ukraina"» VHf., Strozzigaste 32 lg M 12 und '/-8 bis 5 Uhr). Zur Abgabe gelangen täglich: Bohnen, ukrainische Erbsen, Buren-, Knack- und Dürrewürste, portugiestsche, spanische und amerikanische Sardinen, Herrnge ckrorweglschc^ und andere Frschkonserven; Kaffee. Kakao l», .Schokolade, Tee, Kunsthonig (statt Zucker), tschechische Marmelade, Feigen, Paradeismark (in Dösen), Seifen» Kerzen, Damenstrapazjackcn usw. Neue Speisegemeiuschaft für StaaLsbedienstete. Der Wiener Lebensmittellagerbetrieb für österreichische Staatsbedienstcte eröffnet am 19. d. M. eine weitere Speisegemcinschaft im VM. Bezirk, Josesstädterstraße 43. Die Küche wird in der ersten Woche nur für eine kleine Anzahl von Teilnehmern zugänglich sein, mit 26. d.M. jedoch den vollen Betrieb aufnebmen. Das Recht der Teilnahme haben nur Mitglieder der „Mlttella". Einschreibungen finden, wie bisher, Fleischmarkt 19. I!l. Stock, statt. Mttzubringen ist eine Bestätigung der Dienstbehörde. Die Köche ist auch tür Familienangehörige, vorläufig aber nicht für Pensionisten zugänglich. Das Abholen der Speisen ist gestattet. Bühne und Kunst. Renaiffanee-Bühne. (Zum ersten Male: „Die Perlen der Kleopatra.". Lustspiel in drei Aufzügen von Franz H e r e z e g.) Herr Direktor Waiden hat, wie er sich dieser Tage äußert, den löblichen Ehrgeiz, aus seinem Theater eine richtige Konversationsbühne zu. machen. Die gestrige Premiere ist bestiinmt kein Meilenzeiger auf diesem Wege. Es war wirklich nicht nötig, diese Sherlok-Holmes-Geschichte für die deutsche Bühne zu erobern, auch wenn sie vom Verfassen des „Blaufuchs" ist. Siegehört, ins Kino. Im ersten Akt gibt es noch einzelne witzige Dialogstellen, aber dann wird es trostlos. Und trostlos —. man muß es endlich sagen — ist das Spiel einzelner Mitglieder dieser Bühne, Käthe Ehren ist auf der Sprechbühne einfach unmöglich. Hans Karl hat sich die Schablone des ostelbischen Junkers zurecht gelegt und die Regie gestattet ihm die Schneidigkeit des preußischen Assessors auch dann, wenn er zufällig, einen amerikanischen Konsul zu mimen hat. Hanna Fässer, die m dem Stück auf den Namen „Carmen" hört, wird niemand das Mädchen aus dem Westen glauben. Bon anderen Unzulänglichkeiten nicht zu reden. Eine erfreuliche Begegnung das anmutige, begabte Fräulein Nora Gregor. Nun zu Harry Wald en selbst. Macht es ihm wirklich Vergnügen, eine Art Treumann ohne Operettenmusik zu werden? Er gibt diesmal mit bewundernswerter Hingabe einen süßen Strolch, näselt berückend, zielst mit unübertrefflicher Gelassenheit den Revolver und sieht als Wildwest-Abenteurer mit Monokel entzückend aus. Im „Weiten Land", in „Don Juans letztem Abenteuer" und in „Jaakobs Traum" war er uns lieber. Der Beifall blieb nicht unwidersprochen. 7" ■ -■ .. -T;"' : V-- - O. A. ... Edwin Fischer. Im vierten Abonnementkonzert der Tonkünstler, bas neben einer vom besten musikalischen Geiste erfüllten Wiedergabe der vierten Schumann-Symphonie die dritte Leonor-en-Ouvertüre unter Furtwängler brachte — eine glänzende Leistung, die aufs neue einen deutlichen Beweis für den Ernst und die Größe dieseZ Dirigenten erbrachte — hörte.man Edwin Fischer, den hochgeschätzten Berliner Pianisten, der in der Folge für einige Abende das' Interesse des musikalischen Publikiuns festhielt. Der erfreuliche Eindruck, den man von seiner Wiedergabe des Brahms sch en B-Dur-Konzertes gewann, hatte seine Gründe in einer ganz' subtilen Anschlagstechnik, die das Charakteristische des Klavierklanges. durch aus betont und ihm oelestaartige Wirkungen abgewinnt, in der ernsten, keuschen, jeder Gefühlsschwelgerei abholden Art seines Bortrages, der auch deu virtuosen Effekt ab lehnt, wenn ihm der Geist des Musikstückes wertvoller erscheint, und in der sympathischen Diskretion des Spieles. Auch sein zweibes Konzert ließ die erwähnten Eigenschaften deutlich hervortreten.- Das D-Moll-Konzert von. Brahms ließ er in gewaltigem Aufbau als eine Nachgeburt Beethovenschen Geistes erstehen, dem er im folgenden Es-Dur-Konzert Mozarts ein lieblicheres Gegengewicht gegenüberstellte. Hier überraschte ein gewollt preziöser Spinetton, der mit seiner etwas vutrierten Stakkatotechnik an die Mozartauffassung Mahlers erinnerte. Jedenfalls schwebte, wie der seelenvolle Gesang des Mittelsatzes erwies, dem Künstler kein Rokoko- Mozart von Zuckerbäckers Gnaden vor. Vom Es-Dur- Konzert Beethovens hörte man nur den ersten Satz. Der unerbittliche 8-Uhr-Schluß schnitt dem Musikstück den Lebensfaden ab. Da man aber auch mit Zweieindrittel-Konzerten sein A"^langen finden kann, fühlte sich nie.r.and zu einem Protest veranlaßt. Dr. K. M. Er.'sLsr Wiener Konsumverem. . Die A! gäbe der emgeteilten Artikel eckolpt in d-ceser Woche iiir bic/eiit: Gruppe der Äitgliever am Mittwoch, für die zweite Gruppe am Dounctstäg und für die inrtu Gruppe am Freitag uM Samstag. Zur Abgabe gcln21p.cn: % Kckogiamm M e h l, 1‘J Dekanrnium Schmalz pio Kopf, Zünder, ferner Fortsetznug ge: Abgabe von Zwieback, Heringen" und Kerzen auf Grund der Rammeln 96, 92. respektive 91 der vonünsercm Ber-iii nnsr iLbene» wü» B-zug^karte. In allen Vcrschleißstcllen Corncd» B cf; Salzgurken, Backereien, Rosinen. Feigen, Rum, Kognak, ternc. Giichlöiper und Metalldrahtlampen. W. I. W. Obne Buch keine Ware. Gefäße für Schmicu>.>fe und ''<> rjiocnair raithvmgen. Donnerstag den 15. d. M»..von 9. bis li üiu, Fiesich litt die Rayomciten. Freuap den 16.. von 9 b>8 11 U'.n. fivmi, Rmnmern; von 3 bis 5 Uw. grün, nn- H'i .ü.c '.liummcu!. Smustag den 17., von 9 bis 1l 1%, gelb, icui-c Nummern: von 11 bis 1 Uhr gelb, ungerade Nummern. TartZrrraLirree EteNa Krarrrrisch. Tanzmatinee — das Wort ist neu und offenbar ein Produkt drr allgemeinen Saalnot. Es bedeutet, sich am'hellen Vormittag für'Genüsse empfänglich zu halten, die sonst den verführerischen Abendstunden Vorbehalten sind. Nichtsdestoweniger fand sich am letzten Feiertag ein voller Saal bereit, die neuen Tanzoffenbarungen der Stella Kramrisch entgegenzunehmen. Die große Attraktion bestand da in Tänzen ohne Musik. Man war neugierig, diese controdictio in adjecto kennen zu lernen. Die Tänzerin läßt sich von einer primitivm Melodie, die zu 'Anfang des Tanzes ertönt, infp.iri.'ren, dann, verstummt da? Instrument und man verfolgt mit einer gewissen Spannuug — ein Erfahrener neben mir meinte, wie im Kino, iuvuii bu‘ Muslc aufhört — die stummen Bewe- Schreib Leopold Steinhart.Wien, l., Biberstraße 9. Mllslhllltlll Größte Auswahl? Billigste Preise! m gung?n des koftümi"rten Mädchens. Stella Krcunrisch! . holt i>) •?. mit Vorliebe ans dem Orient, gleich sie eines stark modernisrischLn Einschlages, der aus der neueren Malerei stan-.mt, nicht -entbehrt. Das" ergibt ein Schwanken zwische,: indischen Plastitrn und' Bildern, etwa^ von Schiele oder Kokoschka, all« auf' keinen Fall Kunst, der man heute schon große Volkstümlichkeit prophezeien kann- Ihr Tanz ist desyalb auchnicht freies, ungezwungenes Gliederspiel, das sinnliches. Vergnügen auslöst, sondern scheint einem Denkbro^ß zu entspringen, dessen ErgebnissL wieder nur den In- - tellekt beschäftigen können. So löst ihr Tanzen bei einem Teil des Publikums die gewisse Heiterkeit der Verständnislosigkeit aus, wie alles Neue übrigens. Ihre munklosen Tänze, der „mit dem Spiegel" und jener, „mit den Lichtern" sind int Grunde nicht unmusikalisch, sondern vielleicht nur Pantomimen, für die bisher der Komponist gefehlt hat. Neben diesen Tänzeu. dir in stilgerechten Kostümen und mit fast akrobaii'cher Beherrschung des Körpers vorgcführt wurden, gab ess etwas Neues auf dem Gebiete musikalischer .Unkunst: Ein Künstlerquartett, bestehend aus Geige, Harmonium, Cello und« Guitarre, das „beliebte" Stücke in dieser neuartigen Besetzung vortrug und naturgemäß stark beklatscht wurde. Dr. A. M. „Streichst du deine« Shtzlock — streich ich meinen Macbeth." -Zwei sogenannte Shakespeare-Assären erregen jetzt dis amerikanischen Gemüter. Mitte Dezember hatte der <Si> zichungsrat von Newa rk im Staate New-Jersey den Beschluß gefaßt, Shakespeares „Kaufmann von Venedig", vom Lehrplan der Schulen zu streichen, mit der Begründung, daß die Rolle des Shylock die jüdische Rasse verletze und dissamiere. Eine Woche später beschloß nun die Liga der schottischen Veteranen in New - Do r k nach langen Beratungen eine Resolution, in welcher gefordert wird, di« Shakefpearesche Tragödie „Macbeth" gleichfalls vom Lebrplane aller amerikanischen Schulen zu streichen. Die braven Schotten von New-Dörk wünschen nicht, daß in der Person des Macbeth alle Schotten in den Bürgen der studierenden Jugend als Mörder und Verräter erscheinen. „Wir sind der Meinung," so schließt die Resolution, „daß, wenn die amerikanll scheu Erziehnngsräte den - jüdischen Kaftan reinwaschen, siv die Pflicht haben, auch den schottischen „Kilt" (der schottische Kittel) blank zu erhalten." ' .Joses Gal.tiers der diese zwei seltsamen Beschlüsse W" Pariser „Demps" bespricht befürchtet mit Recht, dah! wenn', die Rassenempfindsämkeit in dieser Richtung writerschreitet, H um DrDüng ünEUDiWs' unk das historische Drama bald geschehen sein und^Mß .keine' Bibliothek mehr: vor solcher Sensibilität sicher sein werde. Galtier nebenbei die^ Schotten sowohl wie die Juden, daß der unsterbliche englische Dichter nicht daran gedacht habe, iu Shylock die Juden und in Macbeth die Schotten im allgemeinen zu treffen und zu charakterisieren. Nebenbei gesagt, sei die Figur Shylock bei weitem nicht so abstoßend,, wie diejenige des Barabas in Marlowes „Jude von Malta". Charles Lamb habe in seiner vergleichenden Studie über' diese Leiden Jndengestalten die folgenden wesentlichen Unterschiede sestgestellt: „Shylock bleibt trotz aller wilden Pläne ein Mensch. Seine Worte haben Kraft, sind von Höhe uM haben menschliche Tone. Barabas hingegen sei ein'einfaches Monstrum. Zieht man die Vorurteile jener Zeit in Betracht, in welcher das Drama des „Kaufmanns von Venedigs si<tt abspielt, so muß man zugeben, daß das Genie .Shakespeare? den Shylock vor Uebertreibun'gen bewahrt hat." Josef Galtier hat sicherlich recht, soweit er die Frage kritisch und literar-historisch behandelt. Er übersieht nur eines: Der Beschluß von Newark ist nicht durch eine Ueberempsindsamkeit der Juden und auch nicht dadurch zustanöe-- gekommen, daß die Juden sich. durch Shakespeare verletzt fühlen. Sie wissen, daß Shylock ebensowenig der Typus! des Inden im allgemeinen ist, wie Macbeth das schottische Volk darstellt. Die Juden sind durch die Auslegung verletzt, die gewissenlose Hetzer der Shylockfigur geben, und durch den Mißbrauch, den von geschäftsmäßigen Judenhassern bezahlte Jugendbildner einerseits mit einem dichterischen Kunstwerk, andererseits mit der ihnen anvertrauten KinderseeLk treiben. So wird auch ein klassisches Kunstwerk — und das ist, nebenbei gesagt, der „Kaufmann von Venedig" gar licht — zur öffentlichen Gefahr. Das hat der Erziehungsrar von Newark im Staate New-Jersey tatsächlich erfahren imb daraus die Konsequenzen gezogen. BsrlesunF Mauttzrrsrs rn Ko«sta?tz. (Für die Wiener Kinder.) . In Konstanz fand, dieser Tage ein Vortragsabend zugunsten der Wiener Kinder statt, zu dem Fritz M a u t h u c >; und dessen Gattin Harriet Straub zum Vorlesen aus eigenen Werken gewonnen waren. mit reichem' Beifall begrüßt, bankte zunächst in seiner bescheidenen Weise für den Ehrcnabend,. der ihm aus Anlaß seines 70. Geburts.- tages durch das Stadttheater Konstanz bereitet worden war. und bedauerte, daß er wegen der Einstellung der Dampfschiff-' fahrt dem Abend nicht beiwohnenkonnte. Um so lieber sei er heute gekommen, und weil der Abend den Wiener Kinhern gewidmet sei, wolle er aus der Kindergeschichte «Vom armen - Franischko" vorlesen — von. jenem armen kleinen Kesselflicker aus seinem engeren Vaterlande Deutschböhnren, den die. Wiener Kinder damals verspottet und verachtet, bestenfalls! bemitleidet hätten, und der nun vielleicht doch auch mitbelse,. -deren Nor zu lindern. Es folgte ein Abschnitt aus den ..Toten- -gesprächen" und zum Schluß aus dem .-.Marchenbnäi der. Wahrheit" die beiden Kapitel „Der Lövic" und „Die Dank-, barkeit". Der Abend gestaltete sich zu einer begeisterten Sun*--, gekmng für den greisen Dichterphilosophen. Heines Münchner Drrhandlnnge«. München» 13. Jänner. (Trl.-Komv.) Die Zeitung" meldet aus gut unlerricktetec Ouelle, daß LerJntt! d-.uir des NastonalrheaterS m München, Wan necke rew'-äck-'r ' definitiv zvrückneim wird, mn m :>■ Thearcr mBr-lm nny;tr:r.- - - ' - ■. . Natlouaühealt's wird i-,. .. n •. H cj n r, srngnnt.

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