Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 351 (13.1.1920)
- Date
- 1920-01-13
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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NK 3SI Men» Dienstag ÄZiener Morgenzerrun- 13. ISnner 1S2S /eefiear 14 Die Sprengung des.deutschen Zentrum^. Ueber die Vorgeschichte des Beschlusses des. bayrischen Zentrums, aus der Reichstagsfraktion auszutreten und den Einheitsstaat abzulehnen, teilt der «Berliner Lokalanzeigerinteressante Stellen aus den Verhandlungen des bayrischen BauerntageZ mit, der am 4. Jänner in Nosenheim stattfand. Die Liefen wandten sich durchaus gegen die unter preußischer Führung beschlossenen Verfassungsgesetze der Weimarer NationÄversämmlung. ' Dr. H e i m (Zentrum, christlicher Bauernverein) sagte. Nttter anderem: DreseiVerfafsung macht lihi;; ■ v 0 l lständig a b h ä?st g i g v o n B'ö r l i n. Mit' 'dem - Aushau - unserer Wasserkräfte können" zwei Millionen Pferdekräste.und 16 Milliarden gewonnen werden in .Bayern. Das paßt den Oreutzen, Iyd bayrische.Abgeord- '' nete halfen deü Strrck dtehett,' an dem wir anfgehäntzt ' wetbeü sollen. W i r w o l l est" b e i Deutschland bltiben, aber andere Leüte zerstöre n und zerstückeln das Reich. Die Regierung macht .nur . DteUergesetze, aber keine Wirtschaftsgesetze. An den Segen ' der Sozialisierung glaube ich Nicht. V Die Zwangswirtschaft ist zur Blo^sinn swirt» >-»?'schuft geworden. Niemand möge sein Anwesen heute für , ötnen Haufen Papier verkaufen, und wer einen Wald her- ’ gibt, schlägt seiner Familie den Kopf ab. Waren die Bauern beim Ausbruch der Revolution einig gewdfen, däüü wäre der S a u st a l ttnicht gekommen, dann hätten fremdeBlutfauger unsere bayrischen Arbeitet nicht verführt. Mir wollen leben und leben lassen; aber einen solchen Saustall nicht länger dulden! Unter minutenlangem-Beifäll schloß Dr. Heim seine oft don stürmischem Beifall unterbrochene, kräftige, urbayrische Rede. Eisenberger, der Baüernbündler, schritt auf' ihn zu und unter dem Jubel deL Versammlung drückten l sich die beiden Führer die Hände. Dann sprach Bürger- / meister Eisenberger, der H u tz e n a u e r Bauer von- R u h p o l d i n g: Bauern i»tb Bürger müssen sich einigen Und unsere Sewstandigkeit rbtten bot der Raubgier - Preußens, unsere töten Helden würden sich im Grabe - umdrehen,, sähen sw die von Berlin aus betriebene-Politik.; . Wir Hab enes satt, uns von- B er! i-n tyrannisieren . zu lassen, die Taalöhner und.. Bettler Berlins zn. sein. Und nun zu den Arbeitern. -Sie häberr.nicht Nur Rechte, sondern auch PflichM. Me Pflicht trdr allem, zu arbeiten! (Stürmischer Beifall.) Stall- und Milch. ' Kontrolle durch die. Avbeiterräte dulden wir nicht mehr. ' Wir kontrollieren auch die. Fabriken nicht. Bauern und Bürger gehören zUsawmeü. Wir wollen Deutschland nicht ■- zertrümmern. Ich glaube an ein neues'Deutschland, aber nicht an ein neues P LLü'ß en. Mit der'Weimarer Verfassung haben wir uns selbst den Tddesstost gegeben. , Uber, lieber.bayrisch sterben, als preußisch v er- .d erben l (Stürmischer Beifall.) ES gibt einen, der uns ' nicht im. Stich läßt und. uns wieder aus dem Schlamassel - herausführt.. Fürchtet Gott, tuet Recht, scheuet niemand, auch die Preußen nicht! ■ Sgustall, fremde Blutsauger, Raubgier Preußens, preußisch verderben . . . Wo bleibt denti ha die Schuld dev Juden an Deutschlands Untergang? WeUU die Herrschaften unter einander sind, pflegen sie doch die Wahrheit zu reden. Rostow von den Bolschewiken erobert. . ' Atvskan, 13. Iönne^ (Funksprüch.) An der Nordfront »nd Westfront kleme Ge'echtr. An der Südfront würden. Orte 80 Werst nördlich von Uman und die Stadt N o w o - AI! rigor o-d besetzt. In der Rocht des 9. Jänner wurden R ö st o w n m Don und die Nachbarstadt. Nachnschewnn n ä ch b l u 11 6 c m Kampf erobert. 11.000 Gefangene, B30 Geschütze. 160 Maschinengewehre und 7 britische Tanks fielen nebst sehr großen Vorräten in'unsere Hand. Deutschland «nd Amerika. Washington, 12. Jänner. Die Regierung der Per-, einigten Staaten hat Deutschland formell mitgeteilt, daß die Bedingungen des Waffenstillstandes für die Beziehungen zwischen den Bereinigten Staaten und Deutschland Inaßgebend sind. W, .II III ‘ * I.” I1 >> » i- I i. I III, -■ Äus dem Leben eines jüdischen Grenzers. Mitte Dezember ist im Kraulenhause ist Sased Icchiel M icha e l H e i l p e r i U, der erste jüdische GreNztzr in Palästina, gestorben. Dem Andenken dieses aNßerordönrlichen Mcüschen widmet Mordechai ben Hillel H a k o h en im Feuilleton des Jerusalemer „Haarez" einen Nachrüs, dem wir die folgenden Stellen entnehmen: Wir schnell vergessen wir doch unsere guten Männer und die w ü h r e n Helden uftb wirklichen Pioniere! Dtün Nicht jeder FÜnglmg, der sich seiner Heldentaten brüstet, ist ein Held und nicht jeder, der zeitlich zuerst gekommen ist, ist ein.Pionier. Oft ist ein solcher nur deshalb als erster an den neuen Ort gekommenweil rr zufällig als erster aus dem«alten Aufenthaltsorte vertrieben wurde. Jechiel Michael H e i l v e r i n zählte zu den Weuigm, die wußten, was es heiße. sich für ein. Her-zeasideal zu opfern. In seiner Jugend von Kraft strotzend, aus einer Familie ernster, guter Männer hervorgegangen, lebte er in außerordentlich guteU wirtschafilichen Berhäl'.niffcn. Großer Reichtum winkte ihm für die Zukunft. Das Leben lachte ihm mit schillernder Farbenpracht entgegen, in einer gesellschaftlich und Materiell sicher-gestellten Position in der russischen Stadt Smolensk. Stzm Großvater mütterlicherseits war der berühmte Gaon Malbim; seist Vater zahlte zu den Reichen der Stadt Mita. Seist Vater starb und sein Stiefvater, Josua Salikin, in dessen Hause rr erzogen wurde, war ein angesehener, reicher Kaufmann in Smolensk. Eine glänzende Zukunft staub diesem Jüngling bevor. Er aber knüpfte seine Zukunft an die Zukunft seines. Bottes und die Wiedererstehung des jüdischen Volkes war das Ideal, das sein jugendliches Herz ausfüllte. Ende dek Bitrzigerjahre unserer Zeitrechnung ging Heilpebin »ach Odesia und erklärte kurz entschlosien dem damaligen Präsidenten der «Chowewe Zion",. Dr. Pinsker, daß er den Entschluß befaßt habe, fein ganzes Vermögen und feine ganze Energie dem »Jischub Erzez Israel" zu widmen. Und Heilperin gekörte zu fenen, deren Streben die Tat folgte. PinSkei sah sofort, mit wem jc.ift.rn Um batte. Leilverm bmdite üÜcJDtoiec. die -on ibm Inland. Nrmnz- «nd BudMaiWschutz. Der Finanz- und Vudgetausschuß trat gestern nachmittags ist öle Beratung des Kapitels, IX des Staats" .voränschläges, .„Justiz", eist. Staatssekretär für Justiz, Dr. Ramirt, verweist zunächst auf di? außerordentlich schwierigeri Berhalt-- nisse, unter.denen die Gerichte., heute zu arbeiten ge-!nöttgt sind. Wie seht die,.Gekichte Mute tzeläftet sind, geht. Unter anhemm däraH hervör,^ dH zuist Beispiel 'd« Landesgericht in HkMtvchLMchMist Wien, das im Jahre 1913 11.614 Klagest hatte, im Jahre 1919 einen Anfall von 16.727 Klagen hatte, wobei anzu- . nehmen ist, baß diese Ziffer für das Jckhr 1919 bedeutend überschritten werden wird,-weil noch.'Rechtsfälle und Streitigkeiten, die aus der Kriegyzeit zurückgeblieben sind, erst jetzt zur Austragung gelangen. Besonders ckraß liegen die VerhälttMe beim Handelsgericht in Wien. Im Jahre 1913 Mtrstg dtä Zähl der Handels" Prozesse 5357, im Jahre 1919 ist sie auf 15.380 angewachsen. Roch schlechter verhält es sich beim Landesgericht in Strafsachen ist Wien, wo int Jahre 1913 ein Anfall von 13.163 Strafsachen zu verzeichnen war, während er im.Jahve 1919 16.467 betrug. Die Zahl der Verhafteten belief - sich .itst* Fahre 1913 auf 5916,^ im Jahre 1919 auf 10.003^ Die Z*ahl der Anklagen Md Strafanträge, die im Jahre 1913 4260' betrug, ist iln Fähre 1919 auf 12.609 gestiegen. Die Justizverwaltung hat versucht, diesen Schwierigkeiten auf verschiedene Weise zu begegnen, so durch Einführung der Einzelgertchtsbarkeit sowohl in Strafsachen als auch in Zivilsachen. Es ist zwar eine momentane Erleichterung eingetreten; die gegenwärtigen Verhältnisse erbringen jedoch den Beweis 'dafür, daß für die allernächste Zukunft Pie bisherigen Maßnahmen nicht genügen, weshalb das. Staatsamt für Justiz daran geht, in allernächster Zeit, dem Hause eine* neue Gerichtsentlastungsnöpelte vorzulegen, wonach die Kompetenz der Einzelrichter bei den, Gerichtshöfen wesentlich erhöht wird. Es ist beabsichtigt, die Wertgrenze von 20.000 auf etwa 100.000 Kronen zu erweitern. ,. v Eine der notwendigsten itnb bringensten Aufgaben der Justizverwaltung bildet die M o d e rn is i e r u n g unseres veralteten Strafrechtes. Eine Novelle wird nicht zureichön, das Sträfgdfth töirö Von Grund geändert werden müssen. Wertvolle Vorärbei-rn liegen bereits vor, es wird sich , vielleicht empfehlen, mit der 'Reform Noch kürze Zsit züzütvarten, bis die Verhält^ nisse bei uns sich konsolMert haben. . Die Forderung nach der NiigleichuUg Unserer Gesetz-. ■ gebunss än die GesHgesDß'des Deutschen Reiches ist in Manchen BelanKeN sstzv gerechtfertigt; üA Nöiwendigsten ist sie aus dem Gebiete dtzs Handels- und Wechselrechtes. Du neues HünbelsgesehbUch würde UNted Anpassung an die in.Deütschländ geltenden RechtsgruNösätze aus gearbeitet, die . Arbeit wird bald abgeschlossen werden./ . Daß das moderne Minzip der bedingten Verurteilung bei uns durch geführt werben wird, ist sicher; es fragt sich Nur, ob es durch ein besonderes Gesetz oder im Zuge der großen - Strafrechtsreform bet uns eingeführt werden soll. Das Ä s y l r e ch t ist eine der Grundforderungen : des demvkraätischrn Staates. Das Asylrecht ist über ■■ri""»?-5ri■■■<■ ■"!■-■?. ',*’! ■!■. ' 'äfigg«'Jggig.! .'.a. verlangt wurden, mcht in Form von Spenden, sondern aus reinem Pflichtbewußtsein heraus, das ihm für die Ehre des Volkes und für die Besiedlung unseres Landes nicht zu schwer oder zu teuer erscheinen ließ. . Die unhaltbare und m vielen Beziehungen schmähliche Lage, in der sich die jüdische Siedlung in Palästina noch vor 12 Jahren» bevor daS jüdische Gut vom jüdlschen Schomrim bewacht wurde, befand, ist noch in aller Erinnerung. Damals übersiedelte das. Jaffaer Gymnasium" in ein neues eigenes Haus gegenüber dem amerikanischen Viertel. Da galt e8, das Haus und die Ein" richiung gegen arabische Raublust zu bewahren. Heilperin Meldete, sich freiwillig für dev Nachtdienst. Er kaufte sich eine Flmte und' besorgte sich einen Wachthund, der auf den Namen „Purischkewicz" hörte und so versah er Nacht um Nacht dcn 'Wächicrdienst vor dem Tor des Jaffaer Gymnasiums. Es war kein leichter Dienst. Es verging in der ersten Zeit fast keine Nacht, daß er nicht durch Schüße aufgescheucht worden wäre, aber bei HülperM kam man schlecht an. Er nahm die angebotenen Kämpfe an und behauptete seinen Platz. Heilperin war der erste Schomer in Jaffa und sein Verhalten war mustergültig für alle nach ihin kommenden Schomrim. Eines Tages kack ein Tierbändiger nach Jaffa und zeigte auf dem Macktplatz einen Löwen im Käsig. Bei einet Vorstellung, in-der der Löwenbändiger seine Kunststücke zeigte, rief er in die ZufchaurrMenge, ob sich itt ihr wohl ein Mutiger fände, der sich trauen rvürde, mit ihm dev Löweukäsig zu betteten. Unter allgemeinem StaüNen trat aus der Menge Michael Heilperin mst langenr Barte und wallrndcv Haarlocken, ging auf den Käsig zü» betrat furchtlos das ..Haus des Löwen". Plötzlich, die Zuschauer verfolgten gespannt die Vorgänge auf dem Platze» wo der Käfig stand — ertönt aus dem eisernen Gitterhaus das Lied der »Tikwah" ... . ..DäMlt der Mund der Lästerer JsräclZ verstopft werde/ sagte Heilperiü, als er heil zurückkchrte, sich gewisietmaßen entschuldigend. .,R<chr sollen die Araber sägen, daß wir alle feige sind." Und das Äufchcn Heilvcrins unter dcü Arabern dev ganzen Umgebung wuchs bis zür Ehrfurcht vor ihm. Heilperin hatte die türkische Staatsbürgerschaft noch vor der ANre Berits Ernymmep, die.Me.ruMe.Juden in Palästina, . nicht ein Recht der beschuldigten Person, sondern ein Recht des Staates, die Auslieferung zu verweigern. Wir halten uns bei .Gewährung des Asylrechtes ganz! av die Normen des internationalen Rechtes, die in ihrer schönsten Vollkommenheit in den Auslieferungs- Mrlrägen der'Schweiz iettthalten sind. Nach diesen! Gründsähen ist die Justizverwaltung auch in dem Fälle Lewin und in den Fallen Bela Kun und Genossen, vorgegangen.; Was den Fall Lewin awtangt, so hat' das UerW erster, und zweiter Instanz ngch dem mitgeteilten Tatbestände in die Auslieferung eingewiüigt. Der Staatssekretär habe jedoch das vorliegende Material in gewisser Hinsicht nicht für genügend erachtet. Es würde genügen, wenn nicht die Frage des politischen Dchi liktes mitentschreden werden Müßte. Diese Frage haben aber die Gerichte, wenigstens expressis verbrs, gati'i nicht'berührt. Der Sachverhalt erscheint daher zu Wenigs, geklärt, weshalb der Akt-im Einvernehmen mit dem Staatskanzler als Leiter des Staatsamtes für AeüßereK zur Ergänzung cm des Münchner Gericht zurückgele.iteF wurde. ' ' ' 'ij Im Falle Bela Kun und Genossen liegen bishier formelle Auslieferungsakten dem Staatsamte für Justiz nicht vor. Bor Wochen wurden atterding^ im telegraphischen Wege Auslieferungsanträge seitens der ungarischen Regierung gestellt,'ohne nähere .PrKzifierüNg des Sachverhaltes, nur Unter Anführung der allgemeinen Beschuldigung, jedenfalls aber in einer Form, die weder den internationalen Vorschriften des Auslieferuttgsderfahrens, noch unseren anderen innerstaatlichen gesetzlichen Bestimmungen entsprechen würde. Die Akten wurden zur. Ergänzung zurückgeschickt; bisher ist ein in aller Form gestellter Antrag betreffs Belass Kün Und der anderen Internierten aus Ungarn beim Staätsämt für Justiz nicht eingelangt. ' - i Der Staatssekretär kommt schließlich auf die Frage der Besoldung der Advokatursangestellten zurück uttd erklärt, Laß auch diese Angestellten einem Anspruch-aus die Fürsorge der Staatsregierung haben; für dM 15. d. Mist eine Tagung der Delegierten ber-'- einze'lneU AbvokatenkaMmern einüeruftn, auf der die Besprechuttg dieser Frage' einen breiten Raum einsnehmen wird. Hoffentlich wird es dem Staatsamt für Justiz gelingen, die Frage im Einvernehmen LeidG Teile so zu lösen, daß die Advokatursangestelltön zUj ihrem Rechte kommen. '; Der Voranschlag für Justiz wird' unverändert zum Beschluß erhoben. NaLionalvorsammlrrng und Bunbesverfaffung. Die Nationalversammlung wird in dieser Woche nur kleinere Vorlagen erledigen. Die Vermögensabgabe sowie die Wehrreform werden wohl kaum vor nächster Woche an die Ausschüsse gelangen. Üeber die Vevfassungsrefvrm laufen die Verhandlungen fort. Staatssekretär Dr. Mayr hat eine große Vorarbeit bei den Ländern zju leisten. Vorläufig handelt es sich darum, die in den Ländern liegenden Hauptischwierigkeiten zu beseitigen. Prof. Mahr wird, nach)- dem er Steiermark erledigt haben wird, im Laufe der nächsten Tage nach Wiest zürückkehren. In Steiermark dürfte er weniger Schwierigkeiten haben alss in Tirol Und Salzburg, da die steirischM Parteien sichst nicht so ablehnend verhalten, wie beispielsweise Tirol. In einer Unterredung Mit einem Mitarbeiter der „Mvniags'eitunn/-' teilt- Staatssekretär Dr. Mayr . - ■ ' ■ HiiWni ~ iii mm.m. m, , ■... ■ , , ■ il„ „ veranlaßt hatte, aus dem russischen Staatsverbande auszutreten. Während der russische Konsul den anderen „Abtrünnigen" mit allen möglichen Verfokgungsmitteln Schwierigkeiten bereitete, nahm er Len Schritt Heilperins ruhig zur Kenntnis. Gegen Heilperin kämpft man nicht. Mit Menschen seines Schlages sucht jeder in Frieden zu leben, denn er ist von dem, was er für richtig erkannt hat, durch kein Gewaltmittel abzübringen. > Anläßlich des ttipölitattischen Krieges der Türkei mit Italien würde bei einer Volksdewonstration in Jaffa für die türklschi Flotte gesammelt. Auch Heilperin befand sich unter den Demonstranten. Die Spenden flosien recht spärlich. Da zog Heilperiv seine Schuhe von den Füßen und reichte sie als Spende für dsi Flotte. Die Araber, die Heilperin kannten, wußten, daß sie beschäm! bleiben, wenn sie zurückstehen. Unter allgemeinem Jubel wurde« die Schuhe Heilperins an Ort und Stelle öffentlich versteigert ürö brachten mehrere hundert Franken zugunsten der türkischen Flotte Während des Kriegeging eS Heilperin wirtschaftlich fehl schlecht. Seine Frau und Kinder waren aus Rußland nach Palästina gekommen und er wußte das unruhige Schomerlebeu das seinem Wesen und seinem Hang zu freiem, wagemutigen Leben entsprach, aber nicht einträglich genug war, um eineganz, Famüie zu erhalten, aufgeben. In normalen Friedensjahrc» erhielt die Familie noch Zuschüffe aus den ir Smolensk verbliebenen Vermögensresten. Im Kriege abe, war jede Verbindung mit Rußland Unterbrochen und Heilperin war mit seiner Fäwilie deü größten Entbehrungen ausgesetzt Dann kam eine Katastrophe nach der aüderen. Sein älteste, i Sohn? kämpfte als Ossizier im türkischen Heer und siel in Schützeügraben von Asah einer feindlichen Kugel zum Opfev Die Vertreibung der Juden auS Jaffa trieb auch ihn fort n die Einsamkeit, fern von seinen Kindern und aÜem» was ihn lieb und heilig war. DaS Kriegsende traf ihn all gebrochenen, im Herzen verwundeten Mann, der sich, ©Icidf vielen Gleichgesinnten, votr den erlittenen, schwerett Schläge^ n.emals mehr erholen konnte. Wie rin Schatten wandelte er ii den Bergen von Galiläa umher, mit der Sehnsucht nach Nuhi und der Hoffnung auf ein freies, glückliches Judenlaüd. Nun Hai er die ersehnte Ruhe im heimatlichen Boden gefunden!