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Wiener Morgenzeitung · 1920-01-12 · Heft 350 (12.1.1920) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 350 (12.1.1920)
Date
1920-01-12
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Ar. 850 feien, Montag Telegramme. AmMkrmkscher LeberrsmMelKredtt für Ossterreich. , Parks» 11. Jänner. Ans Washington wird eine *0» Erklärung beS SchatzselretärS Glaß vor dem Konzreß gemeldet. Glaß sagte, zur Hilfe von Polen, Lesterreich und Armenien genüge eine Summe von 150 Millionen Dollar bis zum Herbst. Er fügte hinzu: Die Vereinigten Staaten sind verpflichtet, ihren Teil beizutragen» um die Leiden dieser Länder zu mildern. Dem Wheat Guarantee Fond wird eine Mitlarde Dollar entliehen werden zur Eröffnung von Krediten in den Vereinigten Staate« für «eitere Bedürfnisse der europäischen Länder» abgesehen mt bet erwähnte», Oesterreich. Polen und Armenien za gewährenden Nahrungsmittelaushilfe. Der Friede mit Deutschland. Paris. 10. Jänner: (Meldung der Agencr Havas.) Das Schreiben, das Ministerpräsident ClemeneeaU heute nachmittag nach Austausch der Ratisikationsurkunden dem Freiherrn von LerSner übergab, bestätigt die Er« llärungen. die der Generalsekretär der Friedenskonferenz un 23. Dezember dem Präsidenten der deutschen Delegation mündlich abgegeben hat. Diese Erklärungen besagen u. a.r ' In der Erwägung» daß ein Teil der Erhebungen» ms die die Sachverständigen der alliierten und assoziierten Nächte ihre Forderungen von 400.000 Tonnen Schwimmdocks, schwimmenden Kranen, Schleppern und Baggern gestützt haben, in gewissen Einzelheiten ungenau sein könnte, sind sie der Ansicht, daß ihnen bezüglich der ltt Hamburg befindlichen 80.000 Tonnen Schwimmdocks ei« Irrtum unterlaufen sein könnte. Wenn die Untersuchungen, zu denen die interalliierte Kontrollkommission schreiten wird, »wiesen haben, daß wirtlich eia Irrtum vorgekommen ist, so sind die alliierten und assoziierten Mächte bereit, die Forderungen entsprechend herabzusetzen, derart, daß sie ruf die 300.000 Tonnen in runder Kahl, oder sogar weiter heruntergehen werden, wenn vre Notwendigkeit der Herabsetzung durch dringende Gründe bewiesen wird. Paris, 10. Jänner. (Meldung der Agence Havatz.) Das Begleitschreiben zu der Ratifikationsurkunde hat folgenden Wortlaut: Die alliierten und assoziierten Regierungen sind, indem' sie sich aus den letzten Para« graphen des FriedensvertrageS beziehen, nicht der Meinung, daß die Versenkung der veutschen'Schiffe in Seapaflow an sich ein Äriegsverbrechrn sei, das nach Artikel 228 des Friedensvertrages politische Strafen vor« sieht. Andererseits bemerken die alliierten und assoziierten Mächte, daß» wenn sie die wirtschMichr« Lebensinteressen nicht außeracht lasse, eine Forderung von 400.000 Tonnen gestellt habe«, diese Förderung aus einem vön ihnen ausgestellten Inventar beruht. Die Sachverständigen haben ein Verzeichnis abgeliefert, das eine kleinere Ziffer enthält und das nochmals überprüft werden wird. Demgemäß werden von den 400.000 Tonnen schwimmenden Kränen, Schleppern und Baggern, deren Ablieferung die Alliierten verlangen, alle Schwimmdocks abgezogen, die nach der Ueberprüfung irrtümlich in den Verzeichnissen der Alliierten stehen und die daher nicht bestehen. Immerhin soll diese Herabsetzung 126.000 Tonnen nicht überschreiten. Die alliierten und asivztierten Mächte sind überzeugt, daß dre 192.000 Tonnen, deren Ablieferung von der deutschen Regierung vorgeschlagen wurde, sofort abzuliefern sind, .Für den Nest der abzuliefernden Tontienzahl, wie sie von der Wiedergututächungskymmission bestimmt werben wird» wird der deutschen Negierung eine Frist gewährt, die für die Ablieferung der gesamten Tounenzahl 30 Monate .nicht überschreiten wird. Die Auslieserungeu. Parks, 11. Jänner. (Funkipruch des Tel.-Korr.- Bur.) Eine Kommission unter Vorsitz des englischen Lordkanzlers Lord Birkenhead beschäftigte sich mit der Festsstllung der Liste der von Deutschland auSzuliesernden Personen. Die Kommissionarbeitete, ein Reglement über die Organisation der gemischten Gerichte und deren Verfahren aus. Ein französischer Botschafter in Warschau. Parks, 11. Jänner. (Meldung der Agence HavaS.) Dem »Journal" zufolge soll die französische Gesanvtschast in Warschau in eine Botschaft umgewandelt werden. Der gegenwärtige Gesandte in Bukarest Saint-Aulaire soll Botschafter in Warschau werden. Der gegenwärtige Gesandte m Warschau P r a l e u soll den GesündtschaflSposten in Ehristiania übernehmen, während der dortme Gesandte Do ulest zum französischen Oberkommissär in Budapest, ernannt werden soll. EisenbahnerstreiK ln Dentschtand. Berlin» 11. Jänner. Der Eisenbahnerstreik, der noch immer an Ausdehnung gewinnt, droht zu einer völligen Lahmlegung des Verkehres in den Industrie« bezirken zu führen. Im besetzten Gebiet würde nach kurzer Unterbrechung des Verkehres die Arbeit wieder ausgenommen. Versammlrmgsverbot 1» Münch?«. München» 12. Jänner« (Kvrr^-Vur.) Der Polizeiprüfident hat wegen des unruhigen Verlaufes der politischen Versammlungen der letzten Tage rin D e rb o t weiterer öffentlicher politischer Versammlungen erlassen. Wiener Mrorgenzeiru«- /i2. Jänner 1920 ^11 '.-i- ----.. Tin» ........ . ,1. T<-.. , , ...... . Die nationalen Minderheiten in Llngarn. Budapest» 12. Jänner. lUng. Tel.-Korr.»Brrr.) Das Amtsblatt veMenIltcht die Bsllmasbrsttmmuugen zu der Regierurigs- Verordnung über dre Glerchberechngung der nationalen Mrnderhertrn. . Niemand, heißt eS. dan infolge seiner Zugehörigkeit zv einer nationalen Minderheit irgendwelche Nachteile erleiden. In der Lokal- und Munizwalverwalrung wird der freie Gebrauch de? Sprache der nationalen Mindrrbriten gewährt. Ferner wird Gewicht darauf gelegt, daß die Verwaltungöbeamten in dm Ge- und MuNrppien nach Möglichkeit entsprechend der Kovf« zahl der ansüffigett nalloualm Minderheiten aus den Reihrn tzer-- frlbea gewählt werden. Polens Dorberelimrgen ^egen die Offensive Sowietrustlands» Warschau, IS. Jänner. iFunkiprnch) Die polnische Regierung hat die Initiative zur Elnbrrniung einer Konferenz von Vertretern aller Randstaaten ergriffen, welche die g emeinsame Verteidigung gegen den Bolschewismus vrganlficren soll. Für die zweite Halste dieses Monate» erwartet man die Ankunft des litauischen, estnischen, finnischen, vkraiuischeu und kaukasischen Vertreter» in Warschau. Man rechnet auch auf die Teilnahme Rumäniens, das infolge des ständigen Rückzuges DenikinS vom Bolschewismus sehr gefährdet ist. Polnischer Frontbericht. Warschau, 11. Jänner. (Pokn. Lel.-AgeM Der & r- « eralangriss bet Bolschewiken gegen unsere Stellungen entlang des DubnaflüffeS östlich von Dünaburg brach zusammen. In unseren Gegenangriffen erlitt der Femd schwere Verluste. Auf der ganzen Front lebhafte Au'- klärungstätigkeit. Ern Mörder Rosa LüKsmsturgS verhaftet. Berlin, 11. Jänner. Gestern abends wurde der Leutnant Fries auf der Straße verhaftet, Fries steht im Verdachte, an der Ermordung Rosa Luxemburgs beteiligt pewesen zu sein. Auf der Wache versuchte er. sich die Pulsader« zu durchschneide», und verletzte sich dabei erheblich. StanvK üvsr tint Audienz beim Exkaiser», Prag, U. Jänner. (Meldung der Tel.-Komp.) Minister Stanek schreibt im heutigen „Benlsv" über eine interessante Audienz beim ehemalige« Kaiser Karl und berichtet: Ich wurde seinerzeit zu Kaiser Karl berufen, als er sich mit alle« Kräften bemühte, durch die Vermittlung seines Schwagers Sixtus Beziehungen zur kntenls. beziehungsweise zu PvinearS anzuknüpfsn. Der Kaiser war in der Audienz fthr schlechter Laune und seine gewöhnliche Frage lautete: „Was halten Sie. Herr Slanek, von der Situation?" Ich kannte seine Anstrengungen unb sein Bestreben, um jede« Pret» Friede« zu schließen und beschloß, sehr reserviert zu bleiben und die Neugierde des Kaisers zu erregen. Ich erklätw deshalb, baß dt« Enten;« keinen Frieden schließen werbe, solange die Verhältnisse tu Oestervrtch, besonders in Ungarn wegen der Slvwa kei nickii geändert Werdau! Ich sah an der Miene de» Kaisers, daß eS ihm sehr schwer ankam, eine Erklärung abzugeben. Schließlich entschloß er sich, stand auf und trat dicht vor mich hin, wobei er sagte; „Ihr brummt die S e l b st L n d 1 g k ei t der Länder B 6 h m e n, M ä h r e n und Schlesiens, aber unter der Beding,mg, daß Ihr Euch für das Reich und für meme Herrschaft anssprocht." Dieses Angebot Überraschte mich zwar im Augenblick, brachte mich aber nicht auö der Fassung. Ich' antwortete klipp und. klar: „Wir wollen nicht. Uebrigens haben wir den Tschecho-Slotvaken unsere tätige Mithilfe versprochen und werden sie unter keiner Bedingung verraten. Wir warten ruhig daS Ende des Krieges ab." Der Kaiser erklärte mir, daß an die Slowakei überhaupt nicht zu denken sei, baß er als König von Ungarn durch ein Zugeständnis feinen Eid verletze« würbe, da er die UnteUbarkütt der ungarischen Krönländer beschworen habe. Ue"rtgenS würde es weoer bas Deutsche Reich noch Ungarn zulasten und es würde sofort eine Revolution auSLköchen. Ich zuckt» mit de« Achseln und antwortete: „Unser Standpunkt ist unabänderlich." Darauf wurde ich sehr ungnädig entlassen. Ueber diese Audienz habe ich bisher toelts im Verband noch im Klub «in Wort gesprochen." Eingesrndet. S60LD brillanten: Müntes.P«flW, Uhren, tatifthe £flhi». «He BilbArgegenst&nd* U vtrkftufe* 81« KM fcMttft «Ifdtt «*» JtttttlMf l. ioM^tiäiter 3. Neladftit. H «--mssnA m PiM »FIORIS* Wien, l.( Graben Nn 29 Säniftlldi« ParfQitis» PUü«r etc Wolff L Süd«, Dfttli«, tioUfe, Scbtom* : ws», Mouson, ProcbaAk« »to« : M ' M8H!M«stv«M»Ate» K»»»6tte«, Kamm« li« S«hlltfferfttwttr«it fOrdtN BxpöH l«g»Md Tagesbericht. GrttS gesprengte Vevsammlung des Bllrger- und SLäuderaLs. Der Bürgsk- und SMndsroL hatte nntet den» Titel „Die Waschfrau und b^r geifilgö DrüerLer" füg gestern vormittags beim ,/Drshsr" auf der Landstraßr eine Gersanimlunz eiuberufLN, die jedoch injalge Eingreifens eines Teiles der sszialbeMokLatischen. Acbeilevschaft des dritten Bezirkes und einer gLößeren Gruppe oon revolutionären Sozialisten und ÄommunLsteu, trat unter Führung von Arbeiterräten vor dem Versammlungslokale aufumrschierten und nach einigen Zwisthe»» füllen den Saal bc setzten, nicht ab gehalten tverie.r lonnte. Der teilweise gefüllte Saal wurde von den, Belltzer des Lokales, welcher einen Zrrfamrrüerrstoß sücchbele, vor Beginn, der Versammlung abgesperrt, so daß die aninarfchierendStt Arbeiter nicht in den Saal gelangen konnten. W kam, da die Polizei den Zugang znm Saale absperets. zwischen den * Arb ekler raten und Ordnern und der Polizei zu Ausernandersetzung'.'n.' Plötzlich wurde ein Fenster des VersammlmrgskokawS zerbrochen. Personen stiegen in den Saal und nur der vernünfttgen Anordnung eines Polizeioffizieres, de« Saal zu „öffnen, war es zu danken, daß es flicht zu Ausschreitungen kam. Im Hofs selbst kam es zu derfchiedenen Handgemengen mit der Polizei. Nach Besetzung des Saales wurde ein aus Sozialdemokraten und Kommunisten bestehendes Präsidium gebildet, dessen Vorsitz Arbeiterrat Jakobi übernahm. Als erster Redner sprach Arbeiterrat Krenegger, dann die Waschfrau Pit sch, woraus der Kommmiiste»- führer Dr. Friedländer das Wort ergriff und unte- * anderem sagte: Die heutige Versammlung hat gezeigt daß wir die Herren der Situation sind. Wir wisse«»; daß wir stark genug sind und brauchen keine Polizei» welche draußen unsere Arbeiterräte verprügelte. Dm Bürger- und Wucherräte sollen sich hüten, die Sache auf die Spitze zu treiben! Aber auch Herrn Eldersch» bm Herrn der Polizei sei es gesagt! (Stürmische Rufe: Abzug Eldersch!) Die Waschfrau hat die .Konsequenzen gezogen und sich zum Klasftnkampfe bekannt, dev geistige Arbeiter jedoch nicht. Es frägt sich, wie lange daS Volk noch sich weiter die Verelendung und dis Teuerung wird gefallen lassen. Es gibt jetzt nur eines: Rücksichtslose Annullierung der Kriegsschutden, K>onfiS-> kation des Privatkapitals. Wir lassen uns nicht vom Kapital umbringen, sondern werden dieses umbringen! * Nach etlichen Reden wurde eine Resolution angenommen, die folgenden bemerkenswerten Paffus enthält: „Die heutige Versammlung, welche die Einladung des Bürger- und Ständerates durch einen Probeaufmarsch des revolutionären Proletariats beantwortete, verficht gegenüber den Uebergrifsen deS Bürger- und Ständerates die Diktatur des Proletariats. Die Arbeiterschaft wird weiter in unerbittlichem Klaffenkampfe für die Aufrichtung einer sozialen Ordnung auf dem einzig möglichen Wege der Diktatur der Proletariats, ausgeübt durch die Arbeiterräte, kämpfen. Die heutige Versammlung brandmarkt das Vorgehen der Polizei im Interesse des Bürgertums gegenüber dem Proletariat." Nach Schluß der Versammlung formierten sich die Teilnehmer und zogen unter Absingung von revolutionären Liedern gegen die Ringstraße zu, die von berittener Wache und einem Wachkordon abgesperrt war, und zerstreut'' sich sodann in voller Ruhe. Der falsche Kapitän. Ueber den geradezu grotesk unverschämten Hochstapler, der als Kapliän de Nagney im Sonderzug aus Salzburg hier ankam und einen rumänischen Großkausmann um 70.000 K. schädigte, werden jetzt Einzelheiten bekannt, die die Kvpenickiaoe des Gauners als wahre Hschflaplerhumoreske erscheinen lassen. Der Betrogene ist der Bukarester Großlaufman» Mare Mantel» einer der größten Manufakturhändler der rumänischen Hauptstadt. Er hatte zum Abschluß großer Lieferungen in Paris geweilt und war von Frau und Schwägerin begleitet. Auf der Rückreise kam er mi! den beiden Damen nach Salzburg am 2d. Dezember V.J., ohne eine Ahnung von der damals geltenden Verkehrs, sperre zu haben. Als Herr Mantel ziemlich ratlos auf dem Salzburger Bahnhof stand, trat der Hochstapler auf ihn zu und fragte ihn, ob er nicht mit seinen Damen in einem Sonderzug nach Wien reisen wolle. Er sei auf bei Reise nach Wien, um dreihundert Wiener Kinder «ach Vöülogne zu bringen und Lebensmittel für Oesterreich zu besorgen. Freudig bejahte der Kanfmann, und der fälscht Kapitän de Ragnep erwirkte auch mit seinen Papieren», die ihn alS franzöfische« Kapitän darstellen» bei de, StatiottSvorstehung einen Sondekzug nach Wien. Er lud Herr« Mantel, feine Frau und Schwägerin zue Mitfahrt ein. Wahrend der Fahrt ließ sich der Kapitän von der Familie Mantel mit den aus der Schweiz und Paris «itgebrachten Leckerbiffen glänzend traktieren. Kaum war Herr Mantel mit den beide« Dame« in Wien im Hotel Erzherzog Karl einlogiert» als sie auß einem Nachbarzimmer französisch singen hörte« — dif Stimme des Kapitäns! Ss kam zu einem lebhafte« Berkeha mit dem Kapitän, der sehr viel von seiner Freundschast Mit de« Bevollmächngten M. Allizö zu erzählen wußtnj ÄlS Herr Mantel de« Entschluß faßte, nach Bukarest zurückzukehren, rückte der Franzose mit dem Anerbieten heraus, ihm für die Reise kroMsiicke Valuta bei feg

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