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Wiener Morgenzeitung · 1920-01-12 · Heft 350 (12.1.1920) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 350 (12.1.1920)
Date
1920-01-12
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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t » / s. «8KT iÄM, Wöniar fWienerMorgenzerkung p'.T*Tf>i‘i fü' französischen Mission zu besorgen; er selbst bekomme Frcs. 10.000 umgewechselt und wolle Herrn Mantel gerne davon Frcs. 7000 Massen. Dafür seien K. 90.000 nötig. Hbrr Mantel übergab ihm ohne Bedenken diesen Betrag' Bald danach kam de Ragney und brachte 20.000 Kranen mit der Erklärung zurück, er könne nur für 70.000 Kronen Francs verschaffen, da er weniger bekommr. Natürlich mußte dieser seinberechnete Trick das vertrauen in den Mann stärken. Dann kam der Dreikönigstag. an dem die Banken geschlossen waren. Am 7. d. M. wüte M. de Ragney das Geld bringen. Als er um 5 Uhr nachmittags ins Hotel kam, teilte er freudig mit, er habe schon die Francs in -er Tasche. Gleichzeitig lud er Herrn Mantel und seine Damen in die Loge der französischen Mission in der Over ein, bat aber, die Damen möchten gestatten, Gatz auch zwei französische Generale in der Loge seien. Herr Mantel gab für die Damen die Erlaubnis. Während all dieser Szenen hatte Kapitän de Ragney ein Automobil vor dem Hotel warten lassen. Er ließ iemen großen Koster mit alten Kleidern im Hotel zurück und ließ auch einen alten Zivilanzug hängen, so daß kein Mensch an eine Flucht gedacht hätte. Mit einem kleinen Päckchen kam er gegen halb 6 Uhr aus seinem Zimmer und teilte der Familie Mantel mit, daß er sie um 6 Uhr in die Oper abholen werde. Gleich darnach sauste der Franzose im Auw fort und ließ sich nicht mehr blicken. Die rumänische Familie hatte es zu spät erkannt, daß sie einem Gauner aufgesessen war. Letzte Nachrichten. Außerordentliche Maßnahmen in den Rheinlanden. Berlin» 12. Immer. Der Reichspräsident hat eine Verordnung betreffend die Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit in den NegieiungOczirken Düsseldorf, Münster und Minden erlassen. Durch die Verordnung wird eine Reihe von Artikeln der Rekchsverfasffmg außer Kraft ge setzt, welche die freie Meinungsäußerung, die Preßfreiheit, das Berems- und Versammlungsrecht sowie Eingriffe m das Postgeheimnis betreffen. Die vollziehende Gewalt geht auf den R e l ch s w e h r m l n i st e r über. Auf dem Gebier der Zivilverwaltung wird btc vollziehende Gewalt, von dem Militärbefehlshaber unter Mitwirkung eines Reglerungskornmissärs ausgeübt^ Die Forderungen der deutschen Eisenbahner bewilligt. Berlin, 12. Jänner. Die Reichsregierung und die vreußische Staatsregierung -erlaffen gemeinsam eine Kundmachung, worin die Elsenbahnarbeiter im Interesse des Volkes dringend aufgefordert werden. ihren-D i e n st s o f o r t w i e d e r a u f-, s u n ehme n. Der von ihnen verlangte Tarifvertrag solle mit Rückwirkung vom 1. Jänner 1920 an gelten. Ein Personendampfer gesunken. 700 Menschen ertrunken. Zürich» 12. Jänner. (Trl.-Komv.) Wie aus Genua gemeldet wird, ist der italienische Dampfer „Prinzessin Mafalda" auf der Heimreise von Buenos Aires gesunken. 700 P e rsonensindumsLebengekommen. 25 Millionen Dollar für die Tschecho-Slowakei. Parlamentarisches. Aiu Mittwoch den 14. d. M. tritt die Natiönalversammiung wieder zusammen. Bis dorthin werden Ltaatskanzler Dr. Nenner und die übrigen Staatssekretäre atrs Prag wieder zurückgekehrt sein. Dr. Renner wird dann dem Hauptausschuß sowie der Nationalversammlung über das Ergebnis seiner Verhandlungen in Prag berichten. An die Prager Reise soll sich auch ein Besuch der Regierung in Belgrad schließen, um auch dort freundschaftliche Beziehungen anzuknüpfen. Die Nationalversammlung wird in dieser Woche nur kleinere Vorlagen-erledigen. Die Vermögensabgabe sowie die Wehrreform werden wohl kaum vor nächster Woche an die Ausschüsse gelangen. Ueber bic V e r s a s s u ngsreform laufen die Verhandlungen fort. __ Der Närrder mit dem Zylrnderchut. Ein Aebersall im Stiegenhaus. Die in Mödling wohnhafte * Frau Marie Ritter ist, einer am 10. d. M. beim Polizeikommiffariate. Josefftadt ermatteten Anzeige zufolge, im Hause Josefstadt, Pfeilgaffe Nr. 2, das Ovfer eines Raudanfalles geworden. Frau Ritter Manb sich int Stiegenhause dieses Hauses, als ein etwa '-^»jähriger Manu auf sie zutrat und ihr einen Schlag in die M a g e n g e g e n d v e r s e tz 1 e. Die Frau fühlte ihr Bewußtsein schwinden und stürzte zusammen. Als sie zu sich kam, vermißte sie ihren ganzen Schmuck, den sie bei sich hatte: eine goldene doppelmantelige R em o n t o i r n h r mit länglicher Goldkeile, ein Paar goldene, mit Brillanten besetzte Ohrgehänge, zwei goldene Ringe, den einen mit grünlichem Saphir und zwei Brillanten und den zweiten mit einem größeren und zwei kleineren Brillanten, dann X 600 bar. Sie beziffert ihren Schaden auf K 10.000. Frau Ritter beschreibt den Räuber als dick, mittelgroß, mit einer Narbe an der linken Gesichtsseite, englisch gestutzten Schnurrbart. Er trug B, v l i n d r r h n t, s ch w a r z e n S 1 a d t p e l z mit Pelzfragen, schwarz-weißgenreiste Modrhose, lichtgraue Gamaschen und l rannen Spazierstock. Der Strolch war gestüchtet, ehe die Frau zu sich kam. Seine Verfolgung ist eingeleitet. Prag» 12. Jänner. Wie die „Narodni Listy" erfährt, ist es der tschecho-slowakischen Regierung gelungen, m Amerika eine neue; Anleihe von 25 Millionen Dollar zu erwirken, für die daS Ministerium desAeußern schon seinerzeit gearbeitet habe. * Wiener Börse. Der neuerliche Rückgang unserer Krone im neutralen Ausland und die' angekündigte Lebensmittelhilse von Amerika führten an der heutigen Börse zu größeren Käufen, welche zu enormen Steigerungen führten, da den Käufern gegenüber' fast gar kein Angebot gegenüberstand. Im Vordergründe des Interesses standen Südbahnwerte. Lombarden stiegen bei enorm lebhaften Umsätzen um X150.—, Südbahn-Prioritäten um X 150.—. Eine Steigerung von X 300.— wiesen Alpine- Aktien auf. Staatsbahn prosttierten K 180.—, Rima X 160.—, Ruston K 129.— und Krupp X 140.—. Lediglich Salgo-Kohlen wurden X 135.— billiger abgegeben. Jüdischnatiorrale Organisation in Arad. Aus Klausenburg wird berichtet: Dieser 8llage er» schien eine Abordnung der Araber Juden beim Stadtpräsekt Romulus Velieiuund überreichte ihm eine Denkschrift, in welcher die Beschlüffe der Araber Judenschast niedergelegt rmd begründet sind. In dieser Denkschrift erllären die Juden der Stadt Arad, daß sie sich a n f nationaler Grundlage organisiert haben und von der Behörde die Anerkennung der Juden als eigene autonome Nationalität im rumänischen Staate fordern. Es wird darauf hingewiesen, daß Araber Juden mit diesem nach reiflicher Ueberlegung gefaßten Entschlüße dem Beispiele der Juden von Temesvar, K l a u s e n b u r g und den größeren Städten Siebenbürgens und des Banats folgen. Der Präfekt nahm die Erklärung der Abordnung entgegen und gab ihr die Versicherung, daß im rumänischen Staate jede Nation zur Geltung gelangen kann und daß demnach auch dem nichts im Wege stehe, daß die Juden als Nation sich mit den übrigen Nationalitäten in den politischen Rahmen des Staates emfügen. * Der »»Fränkische Kurier" bringt in seiner Nummer 556 folgende Annonce: Lebensmittelversorgung. Lehrerin in idhll. Dorf mit ideal. Schulhaus, id. Häuslichkeit, die Beruf nicht aufgeben will, sucht Lebensgef., d e r H a u sh a l 1 führen kann. Ang. mit Bild unter 123 F an d. Anz.-Abt. 42. 'SSmetTm . J * Die Matthäus-Passion als Spionage-Tod^ Das „California-Journal" berichtet in seiner Ausgabe vom 21. November 1919, daß die Partitur der Matthäus-Passion votz Bach eigentlich nichts anderes sei als ein sorgiältig ausgearbeitetot Code, zu dem Zwecke, Nachrichten über die amerikanischen Trupverü bcwegungen und den Aufenthalt von Unterseebooten zu übermitteln. Diese-staatsgefährliche Partitur befand sich in den ebenso gefährlichen Händen,des Leiters des Bostoner SymphonieorchesterSi Dr. Karl M u ck. Fast zweihundert Jahre nach ihrer Niederschrift muß so die Partitur des alten Thomaskantors als „BeweiSl für die Findigkeit der deutschen Spione herhalten. j * Kindesmord. In der Gartenanlage an der Ecke der Nafaelgaffe und Pappenhcimgaffe in der Brigittenau wurde aw 10. d. M. ein grausiger Fund gemacht. Man fand einen Sach der die Leiche eines neugebornen Mädchens rnthieltz Das Kind ist gewaltsam getötet worden und dürfte drei Tage av der Fundstelle gelegen sein. i * Diebe auf der Straßenbahn. In einem Straßes bahnzng wurde am 10. d. M. auf der Fahrt über die Ringstraße dem Johann Wetzl eine Brieftasche mit X 14.000 gestohlen. H Am 10. d. M., abends, wurde dem Josef Petrusch, XXt] Brünnerstraße 45 wohnhaft, auf der Straßenbahnfahrt von Floridsdorf bis zum Südbahnhof ein brauner Lederkoffer mH atnerikanischkn Turngeräten, Dammseidenkleidern, Dammtväsche. zusammen X 80 000 wert, entwendet. j * 140.000 Kronen in der Westentasche. Der Hoteldien« im Hotel Metropole Ludwig Schneider am Franz JosefKj Kai 33 hat am 1. d. M. in einem offenen Kasten in baj „Putzer-Office" im vierten Stock des Hotels einen fremden Anzug gefunden. Der Eigentümer, ließ sich zunächst nicht eruierm. Altz der Diener in den Taschen nachsah, holte er auS der rechts Westentasche zu seinem Erstaunen vierzehn Stück Banknoteq zu je K. 10.000 hervor! Ludwig Schneider hinterlegte daS Geld bei der Polizei. Durch die Erhebungen stellte. sich heraus, daß der Anzug dem Inhaber eines Ex- und JmporthauseS in London Abram B i e l i n k i gehörte, der daS Geld unachtsam in dÜ Westentasche gesteckt hatte. * (Sine diebische Magd. Am S. d. M. stellte bh Jndustriellengattin Margarete Schnabl. XIX., Fürfanch gaffe 1, zu ihrer Bestürzung fest, daß aus ihrem Schlafzimmer aus einer Schatulle ein P e r l e n h a l s b a n d - im Werts v o n X 100.000 verschwunden war. Das Kommissariat Döbling gewann durch die Erhebungen die Urberzeugung, daß nur dst 21jährige Magd der Bestohlenen, Beatrix HudeceLden Diebstahl begangen habe könne. Nun trat ein seltsamer Zwischenfall ein: Am9.o.M.abends wurde das verschwundene Perlen^ Halsband hinter der D a m p f h e i z u n g S a n l a g t versteckt aufgesunden. Die Hndecek stellte mit Entschiedenheit den Diebstahl in Abrede. Bei einer Durchsuchung ihrer Hab^ seligkeitm fand man eine' ganzeReihevon Sache»j die sie schon früher ihrer Dimstgeberin gestohlen hatte, Dinge von geringem Wert. Am 10. d. M. neuerlich einvernommen, gestand sie dm Diebstahl auch des Perlenhalsbandes ein. Sie wurde de« Landesgerichte eingeliefert. i ■* »Revolutionäres Recht«. Aus D 1111 n wird gemeldet: Prinz Hermann von Sachsen-Weimar, der wegm vev schiedmer Affären vor elf Jahren auf Rang und Rechte verzichtm mußte und seither den Namen Graf von Osiherm führte, hat aus „revolutionärem Recht" wieder den Namen Prinz vod Sachsen-Weimar und Herzog von Sachsen angenommen. * Eine neue Kvankhett. Wie den Blättern aus BervNcö gemeldet wird, wurde die dortselbst beobachtete influenzvk artige Krankheit Nona auch in Rom und in Süditalien festgestellt. Die Krankheit beginnt mit Schlafsucht, ergreift sodann das gesamte Nervensystem und endet meist tödsW Die Ernährung. Der Marktbericht. Neuzufuhrrn waren gestem nicht zu verzeichnen, so daß sich der Verkehr auf den Märkten ausschließlich auf den Verkauf do> Samstag erübrigten Reste beschränkte. Diese umfaßten feldmaßig gebaute Gemüse, Wurzelwerk, Zwiebeln, und an Obst Me testen Tiroler Aepsel. Was erhält man diese Woche? Mehl: '/« Kilogramm Verschleißmehl pro Kopf; Fettstoff: 12 Dekagramm Margarine pro Person zum Preise von X 7.68, organisierte Verbraucher 12 Dekagramm Schweinefett zuw Preise, von X 10.08!Kartosfel:JmL Bezirk holländische Kartoffeln V, Kilogramm pro Kopf. KilogrammpreiS X 6.10. öurgrdrLter. Aurr.. n. Bestellbureou: Tri 8096 Anna Karenina. iftfflin« 6 Uhr Ende 8 Uhr Operntbeater. v. u. Bestellbureaur Lei.LS2.l7S Tvsca. */;ß Uhr End« 8 Uhr vonrzoper Tie Meisterfinger von Nürnberg. Beginn V»4 Uhr Ende 8 Uhr Deutsches Uois$tfteater. Teirvtzon Nr» 31037 Und Pippa cauzt. Wciliuu V*6 Uhr Ende 8 Uhr Wiener Karataerspieie. I.. Nvlenturmstraße “0. Nachtasyl. tjigiim Uhr ’inbc i lUr. losefstüdter Cheater. Die Taute au4 Housteur S Uhr Snd» S Uhr Theater. Reue Wiener Biitne. Raimuml-CSeater. IX.. Wasagaffe 33. Kaflen-Telephon Nr. 8520, 18804 Geldzanber. Beginn V,6 Uhr Ende H Uhr Was Mädchen träumen. Beginn *lfi Uhr Ende 8 Uhr »lener staÄitftearcr. Hpollo-Cheater. Die lustigen Weiber von Windsor. Beginn 6 Uhr Ende S Uhr Zenalrrance-Lüdne. VII., Nenbaugasie 3«. Mizzr Zwerenz - Joses König Die Dame vom Zirkuö und der neue Jänner« BariÄiteil Beginn %7 Uhr. Uflcner Bürgertheater, Geschlossen. wiener Hctaoaienhaus, IX., Nußdorferstraß« 4—8. Ter LiebeSteusel. Beginn ‘/*6 Uhr Ende 8 Uhr Carl^Cheater. Hasard. Beginn '/»« Uhr Sude 8 Uhr üohannStratiss-theater Drei alte Schachteln. Beginn ty,6 Uhr Ende 8 Uhr Groststadtmärcheu. Beguui '/,« Uhr Ende 8 Uhr Ödester an 6er Olten. Torfmusi kauten, »«ginn '/,S Uhr Ende 8 Uhr Trete jüa. UolKshfihne im wiener Börgertbeater eamStade« 17. Jänner Lr. G. Emesch a. <8. 3218 gu» 1. Male in jiddischer Eprgche Dar Stlmer Drama iit 4 Akten von 2l. Weiter Beginn 4 Uhr. Ende 5.Uhr. Mfibel-Geiegenheitskauf in grosser Auswahl. Billigste Preise.480 II.» Praterstr. 33 und II.» Weintraubeng. 2, Jewlsh Advertlsfng Agency > Jüdische Annoncenagentur, London, 3, Granrülo ChnmFers, Bary Stre«t,W. 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Buchdrucker: u. V.-A. Isnaz Steiumann» Wien. lX t (verantwortlicher Leiter Hans Folter), G. m. b.H. 7

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