Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 349 (11.1.1920)
- Date
- 1920-01-11
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2979076-2979416-2979427--03077-2988666- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 8 Wien. Sonntag Wiener Morgerizeltuirg Li. ILnner 1926 Nr. 349 heit, die in der verhaltenen Glut die unendliche Liebe-zu dein Volk, den großen lebendigen Hintergrund ahnen läßt. Töne innigster Zartheit fand Deutsch für Beer-Hofmakms „Schtaflied für Mirjam", diesem schönsten jüdischen Gedicht in deutscher Sprache; väterlich, versonnen,. Endlich, in fester Zuversicht sang er dieses Lied des ewigen Blutzusammenhanges, der die Sinnlosigkeit des kurzen Einzellebens besiegt. Dann Gedichte von Else Lasker-Schülev, stärkster Ausdruck jüdisch-gläubiger Bejahung, Persönlichste Anschmiegung an Gott- Gedichte, die tiefer für.das Judentum zeugen, als gereimte Agitationsreden. Eine Gabe von besonderem Wert brachte der Abend: B i a l i k s „Das letzte SBort", in neuer Uebertragung aus dem Jiddischen von Ludwig Strauß. Di« vorzügliche Uebersetzung hat den Gehaltder Dichtung in seiner prophetischen Gewalt voll bewahrt; mit einer Erhabenheit ohnegleichen prasselt der zerschmetternde Hluch auf das verworfene Volk nieder, das vor der ausgegebenen Tat in die Welt der Lüge geflohen ist. Ernst Deutsch gibt den Worten, des. Unheilspropheten Fanfaventöne, die atembeklemmend sind. Trotzdem schien es manchmal,, als ab hier dev Geist des Werkes nicht immer voll zur Geltung käme; eine kleine Nuance prophetisch-göttlicher Uebrrlegenheit hatte den Ernst dieser grandiosen Rede noch steigern können. Vielleicht sind gerade damit die Grenzen expressionistischer Sprechkunst angedeutet. In der zweiten Abteilung las Deutsch die Engel-Szene «us „Jaakobs Traum". Das ist eine Aufgabe; der ein einzelner Mensch nicht mehr gerecht werben kann; trotzdem ist auch dieses Unternehmen gelungen. Deutsch war beides, der höhnisch-grausam Wirklichkeit erkennende, Unheil verkündende, zu Abfall und Trotz verlockende Semael, und der up.c die Einheit ringende, zu einer tieferen als der erkennbaren. Wirklichkeit vordringende, in allen Zweifeln und Leiden selig vertrauende Jaakob, der Gott liebt, wie er ist: grausam und gnädig, und von ihm nicht lassen kann. Der Kampf zwischen den beiden göttlich-menschlichen Urwesen, die zentrale Idee; beB Dramas, wurde so in plastischer Anschaulichkeit, ohne Theater, nur durch das gestaltete Wort, erschütternde Gegenwart. , . , ' Sie Hörerschaft stand im Banne dieser außerordentlichen ' Darbietung, bis.der letzte Ton verklungen war. Dann erzwang sie eine „Zugabe", Stephan Zweigs „-Das Gericht", das nochmals die ganze Glut dieser Stimme raketenartig Mlslydern ließ. R. W. Carltheater. „Grotzftadtrncirchen." Bruno Hardt und Erwin Wcil.l, die Textdichter der neuen Carltheater-Öperett', zeichnen sich durch etwas kultuvierten Geschmack vor ihrer Kollegenschaft aus. Sie haben diesmal ein ganz nettes Bohemestück geschrieben, das ein ziemlich aktuelles Thema verarbeitet; Dir Wohnungsnot! Ein vazierender Maler Mernachtet im Mädchenzimmer eines anscheinend leerstehenden Palais. Das führt zum üblichen Bruch einer .Verlobung, ohne den es bei einem zweiten Akt nun einmal nicht abgeht, während der dritte die liebenden Herzen wunschgemäß vereinigt. Der Banalität wurde bei der neuen Operette, zu der Richard Falll.die . Musik lieferte, nicht gär so unbedenklich freien Lauf gelassen. Es gibt wirklich lustspielmüßige Situationen und ein paar wohlgeratene Theatertypen. Auch der Dialog ist munter uns witzig, kurz, man scheidet nicht mit dem gewissen Uebelkeitsempfinden von diesen drei Akten. Von der Musik ist zu sagen, daß sie wenig originell ist, aber anscheinend auch nicht die Ambition, hat, es zu sein. Sie verteilt sich auf einige sentimentals Walzer älterer Art, ig Foxtrotts umgedeutete Märsche und Polkas. Manches klingt sogar wirklich empfunden. , Die Darstellung hat in Franz Felix, seine Hauptstütze, der in der Rolle, des Malers auch auf der Sprechbühne bestehen ßnn^. Ihm zunächst ist der Drollige Ernst Arnold zu nennen, der mit Pylty Kost ein Pülcherduo aufs lustigste darstellt. Fehl Ferard zeigt schönere Toiletten als Stimmittel. Herr Rvllö und Frau Wlezek bewähren sich, Die Operette hatte starten Premierenerfolg. M. Die nächsten Wiener Neuaufführungen. I« Burgtheater wird für den 28. d. M. eine völlig neu inszenierte Vorstellung des „Macbeth" vorbereitet. Diese Woche begmncn bte Proben zum Schauspiel „Frau Grippös Sühne" von Siegfried T r e b i1 f dj. Es wirken mit die Damen Marberg, Maier und Mayen sowie die Herren Treßler, Pausten und Emmerich Reimers. Das Schauspiel kommt am 5. Februar heraus. — Gleichzeitig beginnen die Proben zur „Tragödie des Eummcs" von Thaddäus Riltner. Eine Reihe interessanter Novitäten bereitet das Deutsche D o l k s t h e a t e r vor. Nach der „M ad. ame Sans G 6 ne" mit Frau Roland in der Titelrolle wirb die Shawsche Komödie „Androklus undderLöwe" aufgejührt. mit G o e tz in der Rolle des Androllus. In den Kammeispielen soll nach dm „S ch we st e r n aus der Fremde" von Bruno Frank die Uraufführung einer dreiaktigen Idylle von Paul Busso «„Winterlegen de" betitelt. stattfinden. Eine der großen Absichten ist die Uraufführung des Dramas „D i e Z e r t w i r d k o m m e n", von Romain Rolland. Dramaturg Herr Tr. GlückSmann teilte mit. daß das Stück auch iranzvfstch noch nicht ßcfmclt worden ist. Vielleicht aus diesem Grunde, oder weil sie eine Aufführung dieses, gegen die englische Art der Kriegführung gerichteten Dramas aus dem Burenkrieg auf einer deutschen Bühne überhaupt verhindern will, macht uns die „Loeiätü äs« aukeur» ärsmLtiaues" in Paris Schwierigkeiten. Romani Rolland selbst bemüht stch, die Aufführung dennoch zu ermöglichen. Als nächste Lustspielnovität ist „Exzellenz" von Heinrich Schmitt gedacht tdem Autor deS neuen Tisza« d'ramas), rin Drer-Rollen-Stück in der Art des „Teetisch" von Sloboda. . . Willi T h a l l e r wird, wie wir erfahren, schon Mitte d r e s e S M o n a t s wieder m den Bei band dSTent schen VolkStheatrrs neun. Er nnrd zunächst.»> c n m Restroy» Stück spielen. SOEBEN ERSCHIENEN Nu*. £ der „Jüdischen Zeitung“ AUS »El« INHALT» IZur Wiedereröffnung der Friedenskonferenz. — . Die Leitung über den palästinensischen Arbeitsplan. — Der neue Kurs in Palästina. — Der Friedensvertrajy mit Rumänien und die jüdische Frage, — Die jüdische Wanderbewegun^. — Ost- Jüdisch eArbeitei* fördert Wiederaufbau Nordfrankreichs. — Palästinanachrichten. — Rundschau. Vereinsnachrichten etc. Preis der Nummer K 1.—. In allen Trafjfcen, Buchhandlung Ä. Lörtni, I., Rotenturmstrasse 22, und in der Administration der „Jüdischen Zeitung“, XL, Taborslrasso 1—8. es? . MBWISB UliP'tlllliWWPHWIjltBfBWIWKfKnOTarSMWaBacaMMMia^SMBU^illWBWIWWBi JiN Wiener Stadttbeater wird als nächste E'.stausiührung Arnold B e n n e 11 s Vitftftml „D e r g r o ß e Kunst l e r" mit Hanse R i es e und IosefI a r n o in den Hauptrollen vorbereitet. - . '* -D:e R e n a i s s a n 1e■* B sth n e bringt am Dienstag das neuck'- Lust'piel von Fianz H e r c z e g „D i e P-e r -l-e n der K t e o v a t r a" zum erstem Malt m drut'ckier Ucbersetzung.. Gleichzeitig wird jedoch bekannt, daß- Harry W a l ö e n amt s m ü d e istFNddle>Drrekteon der Renaissance- .Bühne nie d e r leg e n w i l l. Wie man nfährt, ist er i nicht abgeyecgt,. ,w i e d.e r l n den Verband des B lk r g t h e a t e r s zu t r c t e y., ES scheint doch, daß •ö c i.n c s Rücktritt von der.Direktion des BurglhealeiZ bcvorsteht und daß hre „Heimkehr" Treßlers und Walhrns damit zu-- sammenhärigt. : . Spielplan des B u rgtheaters. Montag „Anna Karenina" (h Uhr); -D.enstag „Ein idealer Gälte" (5 Uhr); Mittwoch zum erstenmal „D r e Reise in die M ä b ch e n z e i t" (5 Uhr); Donnerstag „Die Reife in die Mädchenzelt" P/,6 Uhr); Fierraa „Kinder der Freuds 'V-6 Uhr); Sams'.ag ..Die Reise m die MadchcnZelt" \‘/3ö Uhr); Sonntag „Flesko" lL Uhr . Spielplan des O p e r n t h e a t e r s. Montag „Tosca" (^/,5Uhr);- DlknStag ..SoffmannS Erzählungen" (V-ö Uhr); Mittwoch „Othello" (5 Uhr); Douneislag „Ariadne aut RaxoS" Uhr); Fie tag „Tosca" OlS Uhr); Samstag „Rheingold" P/,6 Uhr; Sonntag „Die Walküre" (*l,i Uhr'. Wotan: Kammer- . sänger Theodorr L a l r e r in a n n aus Dresden als Gast. - S v r e l P l a n' d e r HI olksov^e Montag den 12. h. M. WggnerzykluS, „D r Mclstkislngcr von Nürnberg", Uhr. Dient-tag »Troubadour". Nckuwoch „Maria von Magdala“, '/,i> Uhr. Donncr-:-lag, Wacinerzyllus, „Das Nbeingold", 3!S Uhr. Freitag „Ma>aaicte" Faust), 5 Uhr. Samslag, Wagneizyklus,- „Die Ä'astkü'e",/ l/A Uhr. Sonntag den 18., V«2 Uhr nachmittags. s,Düs EneewiUchkri im Donautal", 6 Uhr abends, Gastsviel Wrllram Miller in ..Caruren". Spielplan d e s W ie n e r S ta d'tt h eai ers: Montag den-12/ d.- M., Uhr abends. „D>e lustigen Werber von Windsor". Dienstag, V«6 abends, „Die lustigen Weiber von Wndsov". Mittwoch.- */»6. Uhr abends, „Der Biberpelz". Donneistag, *!<£ Uhr abcuds, „Der Vater". Frertag, ll9ß Uhr abends, „Die lustigen Weiber von Windsor". Saulsiag. */*6 Uhr abknW, »um )> Ms: »Der große Künstler". Sonntag den '18. d. M-, 2 Uhr ' nachmntaas. „Die lustigen Weiber von ^Windsor", V-6 Uhr.abends, „De-: große Künstler".. ^Konzerte. '' P -o l d y' S v e r X i n g ^'pielt m-tzech am 11. .d. M. irn Konzerthause stalch'ittendcn populären Orchesterkonzette dre Burleske von Richard Strauß. Ein U r i e t B i r n b cr u -m - A b e n d, veranstaltet vom Schriftstellerverern ..D r e S ch a l l e". findet Mittwoch' den 14. d. M. irn kleinen Konzrrlhausiaate unter Mitwirkung . Urtel Birnbaums, des R o d o s i - Q u a r t e 1 t s sowie von R i ch a r.d C z x it n e r , und R,r chard Lehr stark. Zur Auffühlnng gelangen unter anderem L r e d. e r von H o ch r e i t e r. nach Texten von- U r i e l Bi r n b au m, sowie ein. K l a v l e r g u i n t e r t von Hoch r e i.t ex. Karten der Heller, 1., Bauernmarkt 3. Deutsches Bolkstheater. „De t S ch l a f w aß c m f p n t x o U o r", jener fign-osische Schwank mst chem „vielversprechenden" Titel und dem harmlosen Inhalt tut im Deutschen BollStheater wieder seine Wirkung und läßt insbesondere rm zweiten Akt wahre Lachstürme aus. Die nrännlichen Rollen sind ganz ausgezeichnet besetzt, die weiblichen minder gut. Die Herren Homma und Werner-Kahle, ein töstlrches. Duett, find von erfrischender Laune und Anmut. Auch die Herren K u t sch e ra, I.w a l d und K i r sch n er vortrefflich. Dke^ mttwlrkendcn Damen 'bleiben weit zurück. Das Publikum war sehr angeregt und spendete stürmischen Beifall. ...... Konzert Edith Lorrmd. Und wieder eine Hubah' schülerin! Ter Zttstroni ungarischer Kürtstlecwncn nach Wien nimmt immer stärkere Dmiknsionen an. Zmn Glück gab es bisher noch wenig Enttäuschungen. Auch Edith L o r a n d hat uns keine bereitet, es war vielmehr ein voller Triumph ihres künstlerisch einwandsreien Spieles, dem wir beiwohnen konnten. Ihre nnt selbstverständlicher Leichtigkeit beherrschte Bogentechmk und die Sicherheit der linken Hand we-sen unverkennbar auf die Schule HubayS hin. Ihr Ton »ft reicf) und blühend, voll Zartheit und Wärme. In Tartmi-HubayD „Trii'elslrilleisonate" und dem Saint-Sabns-Konzrrt zeigte sie sowohl die edle Linie der Kanlilene als eine allen Schwierigkeiten siegreich begegnende Virtuosität. Es gab starken Beifall für die Künstlerin, ein verheißungsvoller Anfang für die Rersen, die sie auch im Ausland bekannt machen sollen. M. Wiener Autorenabend in Frankfurt. Dis Frankfurter Neue Theater brachie unter dem Gesamttitel „Wiener Autorenab nd" folgende v er E nakter zur Aiifiiilnung: „Der verwandelte K o m 8 d i a n t", von S'evhan Zweig; „Bon e w r g r r L r e b e", von F Ist- Salten; „D a S Vermächtnis", von Viktor F l e r i ch e r und .D a S Höchst e". von Hans Müller. Literatur u^Wissenschast. Der Prager Golem von seiner „Grburt" dis zn feinem „Tod". Nach einer alten Handschrift bearbeitet von Chajim Bloch. (Verlag der „Jsroölitlschen Wochenschrift", Wren.)i . Das uralte Sagenmotiv bss künstlichen Menschen Hatz innerhalb des Judentums eine späte, volkstümliche, wunder^ same Blüte erfahren; in den Geschichten wom hohen Nabbk Löw und dem „Golein". Ein eigener Duft, verwoben nur der Atmosphäre einer vom Hauche der Mystik angewehten Zeitepoche der Geschichte Prags und wieder einer innerlM spannungsvollen Zeit für - das Judentum weht aus dieserr Geschichten, welche bisnun. fast nur im Volksmunde gelebt: haben und vor kurzem durch MehrinckS Sensationsroinan „aktuell^ geworden sind, lind nun hat es ein jungerz Gelehrter unternommeiL, in einer kleinen .Santinlung, dem Inhalte einer uralten Handschrift: ,„Niflaoth Mal) ral (Wunder des Nabbi Löw) folgend, auf schlichteste Weise all. die einzelnen Züge dieses Gewebes aus Leben und Legende! wtederzuerzählen. . . Zunächst interessiert uns oer historische Hrntergrund: . die Gestalt des großen Gelehrten, des Rabbi Jehnda Löwe chin Bezalel/ dessen machtvolle Persönlichkeit bis an derr Hof des Kaisers ihre Wirkung übt und dessen sagenumwobene 'Erinnerung vor wenigen Jahren in Prag durch ein Denkmal verewigt wurde. Und immer wieder Jubenbedrängnisse' unb ^-versolgn.ng:^^, der düstere Refrain in dem gleichtönigen Gange -der jüdischen Leidensgeschichte.' Die Blutbeschuldigung wirst gespensterhaste Schatten in die jüdische Gasse und kündet sich jedesmal in seltsamen Vorahnungen an, so wenn sie der' Rabbi oder sein Diener beim Gebete aus eigentümliche Werse „verspricht. Ja/ die Gestalt des Golem selber, ursprünglich^ wohl, metaphysischer MenschensLhusucht entsprungen, erhält - in diesem Rahmen die Rolle eines Werkzeuges, ausersehen^ um die Juden vor 'Versolgungen zu' schützen^ Zu solchem Zwecke war dem gelehrten Rabbi auf Grund einer „Trcurm-- frage" der '"himmlische Auftrag geworden, mittels magischer 'BuchstabenverknüpsNttgen/ dem Buche „Jesirah" entsprechend^ aus Lehm, einen Menschen,zu forme.;, was denn auch unter feierlichen Prozeduren geschieht. Und nun wird /„Josef Golem" zu einer seltsam volkstümlichen,' gewissermaßen zur populärsten Gestalt iir den Straßen Prags. Jetzt geben mannigfache Züge dem Kerne einer Legende,^ welche nach den tiefschürfenden Untersuchnngen Hans Ludwig Held8, ^dev auch vorliegendes Büchlein eingeleitet hat, an die tiefsten Probleme der Menschennatnr rührt, Farbe und Konkrckheir^ Zunächst das historisch-lokale Moment, wie denn der Hradschm und der „Fünserpalast" ebenso Wirklichkeit^ find-, wie^ der judensresserische Geistlicye T h a d ä u s, der reiche Jude'Michael ^Berger oder der Klosterdiener Waclaw. Manche Motive werden rornanhaft ausgesponneu» wie in der Geschichte von der durch die geistige Tat des Rabbi Löw und die physische,'seines zauberhaften Dieners bewirkte Rettung des JudennttidchenS'aus denr Kloster. Hie und da klingen kabbalistische Vorsiellung'en 'und' Erinnerungen an, die sich namentlich in der Erfchassüng des Golem verdichten und wieder in seiner ganz symmetrisch Zn jener erdachten Vernichtung, welche der Rabbi-'darm' vollzieht, als der 'Golem durch das Aushören der Versölgungew überflüssig geworbeir ist. Und wieder- Züge eines köstlichen .Humors, so-wenn der Golem aus Aerger über den schweren Fisch, der ihm einen Schlag versetzt hat, denselbeic ins Wasser wirst, um ihn zu ertränken, und dann in mehrfacher Varratton das Motiv des Goetheschen „Zauberlehrlings".' Eine stumpfe Klotzigkeit hastet immer dem Wesen des Golem an, der ohne den ihm künstlich eingehauchlen „Schem", den göttlichen Namen, nur ein Lehinklmnpen tväre und dem von den drei Seelenglied-ern, welche nach kabbalistischer Anschauung der Mensch « vereinigt, gerade die „Neschamah", der göttliche Odem, und mit diesein auch die Fähigkeit der Sprache versagt ist. Einige in der Legende überlieferte Aussprüche des heiligen Rabbi selbst über die -Natur des Golem können zur tieferen Eharakteristik der Legendengestalt beitragen, wie zahlreiche Noten und Ergänzungen den Nahmen der Legende zusammenschließen. ... Möge die Unscheinbarkeit seiner äußeren Gewandung dem Büchlein nicht im Wege stehen in . Hinsicht auf eine Verbreitung, welche es in reichem. Maße verdient.- . . Ernst Miller, i ’(Bitte neue hebröische ZeMckrift in Wien/' „Haawodah", Halbmonatsschrift, htzraüsgegeb?n von - der Organisation „Hapoel Hazäir" itt Wien. " Das Erscheinen dieser in hebräischer Sprache' ge«, schriebenen Zeitschrift hat für die zionistische Arbeit ttn Wien eine doppelte Bedeutung, und jebjt wichtig genug, um diese Neuerscheinung freudig zu begrüßen. Bedeutungsvoll ist .zunächst, patz die „Poel-Zair"-Bewegung in Wien sich berei-S .stark genug fühlt, um sich eine eigene Tribüne zu schaffen. Nicht minder erfreulich urzd von Bedeutung ist aber auch die \ Tatsache, daßvon dieser Tribüne aus zur Jugend in hebrm- - scher und wie vorweg mit Genugtuung festgestellt werden soll, in moderner und demnach in leicht flüssiger hebräischer Sprache gesprochen wird. In dieser Richtung füllt „Haäwodah"-eine stark .empfundene Lücke aus, denn sie ist gegenwärtig die einzige m-Wien erscheinende hebräische Zeitschrift. Dem Titel entspricht das Programm der Halbmonatsschrift. Sie will unter der jüdischen Jugend den Abscheu vor dom „Luft"-Lebert und die Sehnsucht und Liebe zur produktiven, schöpferischen und vor allem „reinen" Arbeit erwecken. Jnr ersten, noch schmächtigen Heftchen sind die zwei Hauptartikel von I. Leder und SalBlotii Der t;» Verbindung mit der zionistischen Jahreskonferenz in Aussicht genommenen Weltkonfercnz des „Hapoel Hazair" und der „Zeire Zion" gewidmet. Dr. Eh. Tartakower, der auch für die Redaktion der Zeitschrift verantwortlich ist, widmet Adolf Stand einen innigen, von Freundschaft für den Verstorbenen diktierten Nachruf. Sehr lesenswert ist ein Schreiben „des Zenträlrates der ,.Pael-Zair"-Organisatn.-'l'. in Palästina an den Wiener Zweigverein, aus dem hervorgehl, daß diese Jugendorganisation all dein Aufbau unseres Landes rührigen Anteil ninrrnt. In einer flott geschriebenen Glosse beklagt Meir Henisch mit Recht den Tiefstand der Kenntnis der neuhebräischen Spräche in der Galulh. Eine von Doktor Tartakower besorgte Uebersetzung von Josef R. Ehrl i ch ö „Erinnerungen eitles ehemaligen Chassid" und ein Gedicht von M. Frostig Men anzeigen, das; in der „Abowah" auch für schöngeistige Kost gesorgt werden soll.. Die Mitteilungen aus der Bewegung enthalten instruktive Daten über die Fortschritte, die die Propaganda für praktische Arbeit unter der jüdischen Intelligenz zusehend'8 inacht, .Mitteilungen, die die /meiste Verbreitung verdienen. I. Kr. Hedwig Caspari; Glohim» WclttVtt'l.ig. Berlm. Illtll.- ' - In dreier Sammlung von Gedichten, die den tiieflex einer dichttrüchen EmfiwllMg m das > große Leben der Bibel, bilden» syuckit.uns w rll'chc Dichtcrgabl' an. Nicht alles ist da vollwertig, manches weist allzu stark auf Vorbllder hin, aber viclcs nt von elmr herben, schönen Krast, die günstige Prognosen grstatlet.