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Wiener Morgenzeitung · 1920-01-11 · Heft 349 (11.1.1920) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 349 (11.1.1920)
Date
1920-01-11
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 349 Wim. SonntaF Leynung für K.ie^heLvorrag-eWen VeistMgsn des IM-' fthen Natwn-alraLes Ausdrucks Dr/Felix Winterst e in (Mährisch-Ostrau) verlangte in Angelegenheit-des ischecho-slvwakischen StaatsLürgerrechtes die Intervention des Natiionalrates. Eine gegen die Pogrorne in Ungarn gerichtete' ResotnLton wurde zuin Beschluß erhoben. Der zweite Verhandlungstag war-der Stellungnahme zu den Lommendeü Parlame?tswahlen gewidmet und wurde durch ein' Referat des Sekretärs .Dr.. Angela Gold st e i n eingeleitet.' An dieses Re'e'-at und an: die von Dr. Käznelson gemach len Vorschläge zur .Aus-' arbeitüng eines wirtschaftlichen' Prögrammesschloß sich eine eingehende Diskussion, an 'der ‘ E Ta egie.rten Dr. Winter stein (Mährisch Osträü),'P^ofessörWe,rt- Helmer (Kamcn'tz), Dr. Fe.ix'Seidema»n '(Teplitz- Schönau), Rudolf Kohn, Dr. Emil Margu.lies (Leitmeritz), Dr. Josef Steiner (Märienbad), Emil W a l dstein, Dr. Ludwig Singer, Markus Ungar und Dr. Gold stein teilnahmen. Es wurde schließlich-eine Kommission zur Ausarbeitung eines Wahlprogrammes geivählt, für die am Nachmittag Dr. Max Brod berichtete. Es wurde die aktive Teilnahyre an den Wahlen beschlossen und mit der Leitung der Arbeiten und Vertretung nach außen, eine Reichsexekutive lei r aut, in die die verschiedenen Parteien, welche gemeinsam in die Dahlen eintreten, Vertreter entsenden. Ueber das Programm, die Konstituierung der Wählleitung usw. wird demnächst, ein ausführlicher Bericht.veröffentlicht werben. Nach einer kurzen Debatte/ an der sich die Herren Ernst B'eche rt, Dr. Karl Sönnenfeld (Brünn), Dr. Kaznelson, Dri Emil Selkgmann(Kvmolau)', Dp, Seidemann und Dr.' Galdstein beteiligten, wurden die Anträge Dr. Brods und Dr/ Goldste ins über die Beschickung der gemeinsamen Reichsrxekutive angenommen. Den Beratungen wohnte als Hast auch ein Delegierter des Volksverbandes t er Juden für die Slowakei bei. . ' . Deutschland vor Äeuwahlen? > Von unserem Berliner Berichterstatter. nBerlin. 7. Jänner. Vor kurzem Wurde halboffiziös angedeutet, daß die Neu Wahle n<für den Reichstag etwa für April -in Aussicht genommen sind. Die. „konstituierende Nationalversammlung" hat nach Verabschiedung- .der Verfassung eigentlich Mrew Zweck' erfüllt und -der-^grosse Eifer--- mit dem fte.;fidj; selbst immer - neue >,unaufschiebbare" ' .gesetzgeberische Aufgaben stellt) legt die Vermutung nahe, daß-die Regierung, mit. sehr gemischten Gefühlendem Ausgang der Neuwahlen entgegensteht und lieber gar nicht daran denkt. - Bis heute sind laüch wirklich micht' die geringsten Vorbereitimgen zmmerken.. 'Die Parteienzwar; suchen nach neuen' JdeolögieN'.und neuen Programmen- Ml Leipzigsind' indiesem-Mönat hie Parteitage der Demokraten' und -her Unabhängigen Msammengetreten Und^berde haben eine, gewisse Neuorientierung:vollzögen/ öhue daß man einen wirklich zielbewuhten Aufbauwillcn und nicht Nur parteipolitische Absichten herausspürte. Die' Regierung oder scheintsich hilflos oder -'resigniert' mit dem Umstand', abzüfinden, daß auch Lin Jcitzrnach'der Revolutton die Militärkaste regiert unddie unteren' Verwaltüngsörgane -rrnver» ändert nationalistisch und alldeutsch: sind, was besondersam flachen Land kraß hervortritt, wo dir kleinen' Beamtendie Machthaber geblieben sind. -Die^ Gesinnung des-Landes ist womöglich noch nationalistischer unb reaktionärer geworden, Jta ja die reaknonäre Agirrtiou die günstige Konstellation AZsetterMorgenzerLünft -jeder- Opposition für sich hat, die sich in. Gesellchast und Wirtschaft -manifestierenden Folgen des Wilhelminis.hen. Abenteuers' der jetzigen Negierung zur Last zu legen. Soweit es möglich ist, eine Prognose" gtt stellen,- so läßt sich erwarten, daß ausden Wahlen hie sozialistischen Parteien, besonders aber ibie' Mehrheitssozialisten, sehr geschwächt ''-''-Vorgehen werden, so daß die Alldeutschen zwar nicht allein, wohl aber mit dem Zentrum gemeinsam dir Majorität haben dürsten. &'§ ist zwar •— schon" .aus außenpolitischen. -Gründen — nngesia-ts des vom Zentrum, stets bewiesenen politischen Instinktes unwahrscheinlich, , daß eine Koalition -zwischen Alldeutschen und. Zentrum zustande kommt,, wohl aber werden die beiden Parteien zumindest in Kmtirrfragen einen konser^ vativen- Flügel bildem . Dazu kommt noch.'die heikle Frage der Präsidentenwahl, an die vorderhand lieber nicht gerührt wird. Es ist aber kein Witz, wenn man Hindenburg für den aussichtsreichsten Kandidaten erklärt hat. Die außenpolitischen Ereignisse des Tages losen kaum mehr allzu große Spannungen aus. Die Scharmützel der verschiedenen Notenwechsel werden auch vorzugsweise .. zum Anlaß gehässiger Parteikämpfe genommen. Die Konservativen, die ja heute noch das Prinzip der Gewalt als oberste Ratio anerkennen, zetern trotzdem über die Gewalttätigkeit der Entente gegenüber Deutschland, brüllen nach Revanche und schreien dreimal Wehe über Sozialdemokraten und Juden, die das Vaterland an diesen Abgrund geführt haben. In Wahrheit muß sich Deutschland natürlich jedem Diktat fügen- und hat nicht einmal ein moralisches Gewicht für sich einzusehen. . Die bedeutungsvollste Frage, die der Erledigung harrt, ist die. Volksabstimmung in Oberschlesien. Ern Verlust des oberschlesischen. Kohlengebietes würde das deutsche Wirrschaftsleben sehr, empfindlich treffen und von nachhaltigstem Einfluß sein. Der. Staatskommrs'är Hörsing.' hat allerdings alles getan, um der Landbevölkei-ung die Sympathie für Deutschland zu vertreiben .und man zweifelt'kaum mehr/ daß die Abstimmungzugunsten Polens aüsfallen wird, 'wenn nicht ein unvorhergesehener Umschwung eintritt. Die deutsche Wirtschaft ist infolge der sich nur langsam erholenden Pro. duktion, die durch die großen Steuern und dre Vermögensabgabe behindert ist, vor allem aber wegen der gesunkenen Valuta, in der kritischesten Situation. Ter Ausverkauf, der sich hier vollziehtist -ein. ungeheurer Verschiebungsprozeß, die Verschleppung der Waren n-rch dem Ausland wird vor allem durch das. »L o ch i m W e si e u" ermöglicht. Dieses „Loch" ist dadurch entstanden, daß-Deutschland sich nicht entschließen kann,'das besetzte Gebiet am Nhem durch wirtschaftspolitische Schranken vondem Reich ,u trennen, um nicht ein auch politisch relevantes Präjupiz-zu schaffen; so gelangen die.Waren -auf dem Umweg .über das besetzte .Gebiet -mit Leichtigkeit -ins Ausland. Natürlich hat sich -dieses Gebiet zu -einem- Anziehungspunkt für ausländische Agenten und, Schieber entwickelt, die ander Valuta Riesenbeträge verdienen... Es gibt bald keine Mre inehr, die nicht ein .will-? komwenes Objekt dieser SchiMmg wäre. Das, vollzieht sich : täglich und?-stündlich,---jederirMensch 'steht- und. weiß es, und -doch geschieht - gar nichts, um dem Uebel.zu steuern. .. Eine Konferenz Mischer Gememderäte in Warschau. ' Die ziemlich weitgehende Verwaliungsautonomie der Stadtgemeinden in Polen verleiht ihnen eine verhältnismäßig große politische Bedeutung. 'Es war daher für die' jüdische Bevölkerung .Polens 'selbstverständlich, daß sie 'darnach trachte, in den Gemeinderären ent'prcchcnd vertreten zu sein, da -sie in den größeren Städten durchschnittlich mebr als 4( °/0. in den kleineren b^s über Q. Jänner'IW ywBsrij ffaaffMauaa ■■■ ■■■■■(!• wiiffVViffOrk flORUHONÜ! ZIGARETTENPAPIERE g ZIGARETTENHÜLSEN $ Sie uhrrtreffen selbst die Höi ten Erwartungen des Rauchers. j * * w*» p> n b a 0 * w a a a n ■ m *»*•«■ ’ 705 . 80% der G f nntbevölkerung b ldcn. Die GemeindwitSwahlen irk Polen haben. allcedmos den Juden nicht die ihrer B völkerungs^ zincr cntsprechmde Vertretung gebracht. Durch eine Enquete^ wclche die zionistische Oiganiiaiion Polens in den Gemcinderätett durchgcfübrt hat — wobei allerdings nur aus 97 Städten ditz genauen Daten vorlieg-m — wurde festgestellt, daß es in diesen 97 Städten 735 jüdische Gememderäte, gcge> über 2363 nichts jüdischen gibt, alfo etwa 23°/» der Gesamtzahl. Die Gegner-haben alles dawngcsctzt, die jüdische Vertretung in den Gemeinderäteu zu verringern, jüdische Majorttäten in der Gemeinde durch allerlei -Pi akiiken Einbez-ehung von Landgemeinden u. dgl.)zu reduneren; am bekauntcstcn ist die Vornahme der Gemcindewahlen in ganz Polen an einem S a m s t a g. Zu all diesen Umstinden, welcht dre Zahl dcr Juden in den Gemcmdeverlretungen gegenüber ihre« Bcvölkerunosmhl in den Städten künstlich verminderten, trat noch rin Moment: die Parteienzersvlitterunq unter den Juden und die Abne gung der einander besehdendey Par-tcren gegen Lrstenkoppelung .bis auf wenige Ausnahmen). Doch die politrsche Bedeutung dcr jüdischen Vertretung vA den Gemeinderäten fordert gebieterisch die Herstellung einet : jüdischen Einheitsfront, vor allem zur Abwehr aller antijüd.rsrhen Maßnahmen, welche angesichts der weitgehendes lokalm Autonomie der S ädte sich immer mehr fühlbar machenvor allem auf wlrtschaftlichem Gebiete, dann in der Approvision'erung der Wohlsahrtseinrichmngen und so weiter. Uw die Grundlage für diese Elnhertsfront zu schaffen, hat dii . zionistische Organisation Polens eine Konferenz der Gemcindcratr aller Parteischattierungen angeregt. Die Anregung erwies si^ angesichts äußerer Schwierigkeiten und der noch immer bestehende» inneren Zwiespältigkeit als nicht durchführbar. Dre zronrstrscht Organisation hat jedoch ihren Plan nicht aufgegeben, sondern ihrt in etwas nrodisizierter Form verwirklicht. Es wurde eine freit Konferenz jüdischer G:mrindcräte nach Warschau ernberufenj welche vom 30. Derember 1919 bis 1. Jänner 1920 in-dm Lokalitäten des „Msrachr" tagte. 87 Städte hatten 171 Vertrete« entsendet, welche 518 jüdr'che Gememderäte vertraten. Vorwiegend waren Zionisten (66 Delegierte) und Vertreter ihnen nahLstehend« Parteian erschienen ldarumer 37 Mrsrachisten, 3 Zeire-Zionisten)! Eine ziemlich ansehnliche Gruppe bildeten die Vertreter M jüdischen Handwerkerpartei. >' Die Konferenz unter dem Vorsitze deZ Abgeordnetcsi Grün bäum brachte nach den offiziellen Begrüßung^ interessante Referate aus den e i n z e l N e u Städten welche eine Menge Material für die Willkür gegen die Juden und.ihre Vertreter in den Gemeinden enthalten, unter anderes die bemerkenswerte Tatsache, daß die Gemeinderäte in einzelnen Städten die Gewohnheit haben, stets mit Pogroms n zn, drohen, wenn es gilt, den Widerstand ihrer jüdischty Kollegen gegen antijüdische Maßnahmen zu brechen. Ein grund« legendes Referat über die Richtlinien der jüdischen Politil in den.Gemeindevertretungen (Abg. Hartglas) leitete die polrs tischen Beratungen ein, in welchen auf die Bedeutung der Stadt^ räte für die Approvisiomerung, für dieSchufiragen, Spitalslnlse usw^ hingewiescn wurde. Ingenieur R u s s a k wies auf das sveziellr Hebräische Motive in der attDenLschen -DichtrrM. In sehr ergötzlicher Weise schildert Heinrich'Heine - einen Hamburger Christen, der sich nie damit zufriedensgeben konnte, daß sein Heiland von Geburt ein Jude war,- -„Ein tteser Unmut ergriff ihn jedesmal, wenn er sich ' Lingeftehen Mutzte, daß der Mann, der, ein Musternder Vollkommenheit, die höchste Verehrung verdient, dennoch - zu dev Sippschaft jener Laügnasen gehörte, die er so gründlich verachtet, -und die ihm noch fataler sind, wenn sie -gar, wie er selber--sich dem Großhandel mit Gewürzen und 'Farbstoffen zuwenden, und ' seine' eigenen Interessen beeinträchtigen . .-Dieser gute Mann ist ein Symbol jenes, streitbaren Christentums, das vom AntisemitismüS profitieren will und.-deshalb-feine eigene Abstammung "vom 'Judentum als ' eine . peinliche Geschäftsstsirung empfindet. -Dieser Verlegenheit entspxang die künstliche Konstruierungeines 'sittlichen- 'Gegensatzes «wischen jenen -Teilen der Heiligen Schrift, die. Judeni unb Christen gemeinsam ist und dem „Neuen Testärnent'^ das. religiöser Alleinücsitz des letzteren ist. Die Blütezeit'der christlichen Theologie, das 'Mittelalterj .hat einen solchen Kontrast zwischen dem Buches welches die gehn Gehote und die Vorschrift der 'Nächftenliebei zuerst verkündete, und dem neuen,-das sich als die Paraphrase - dieser altjüdischen Lehren darstellt, nicht empfunden ' Die . altdeutschen Dichter— gleichgültig ob geistlichen oder weltlichen Standes — haben ebenso gern'Motive aus dem'Men-Testament wie ans dem Neuen Testament bearbeitet. Charakteristisch in dieser Hinsicht ist' es, daß derselbe Msachse, der im 9. Jahrhundert den „Heliand" (Heiland) Lichtete, um über Auftrag der Karolinger die-christliche Gesinnung bei den Sachsen zu vertiefen, auch das erste Buch Mosis in altsächsische Verse gebracht hat. Neben dieser „Altsächsischen Genesis" sind auS dem Mittelalter noch drei andere deutsche. Bearbeitungen - desselben Stoffes erhalten': Die -Wiener", die ..Millstätter" und die «Vorauer Genesis".' An die'erstgenannte schließt sich ein „Exodus"-Fragment in deut- Den Versen zan, haZ aber, wie man au§ der stilistischen Verschiedenheit schließt, .von einem anderen Autor herrührt,- wie die Genesis. - - - - Diese verrät niel epische Kunst, sm. churakteristischcst^n' j in der-Darstellung des Schwankens und endlichen Entschlusses - der Eva, alssie den: Apfel bricht, aber auch. lyrische- Schöne heiten. So. in der ergreifenden Klage über Rachels, Tod . - und'bei der ganz im mittelalterlichen Geiste gehalLenen Ius- * malung der Liebesverhältnisse zwischen . Isaak und . .seiner! Braut, zwischen Jakob und Rachel, Sichem und Dina. Ueberall.! steht der Dichter, wie alle altdeutschen Sckiriftsteller, unter dem 'Einflüsse heimischer- Anschauung und Sitte. So wird , das Gastmähl zu'Ehren der Boten Isaaks ganz nach deutscher Art "geschildert. Sogar -politische Tagesfräg'en spielen in . das' Epos hinein, z. B. die Laleninbestitür der Bischöfe durch, den Ring. Da diese durch den Papst Gregor den Siebenten im Jahre 1078 verboten wurde,., mutz. das Werk. früher entstanden sein. Das ist das einzige, was wir über sein Alter mit Bestimmtheit sagen könnest. Nicht viel mehr wissen wir^ über -die 'Oertlichkeit seiner Entstehung. Die.Sprach^ weist auf bayrisch-österreichisches Gebiet hin. Die von manchen vertretene Anschauung, daß es aus Kärnten stamme, bedarf noch, des überzeugenden - Beweises. Sicher ist bisher nur, daß die Handschrift, die sich jetzt in Wien befindet, in Kärnten gefunden und dort schon im 12 Jahrhundert bearbeitet worden ist. Diese 'Bearbeitung ist die sogenannte ..Millstätter" Genesis und Exodus. Sie erreicht das. Wiener Original -indichterischer Beziehung nicht, übertrifft es aber durch Sachlichkeit und engere Anlehnung an die Bibel. Das Verhältnis der Wiener und der Millstätter Genesis zur „Vorauer" ist noch nicht ganz geklärt. Für diese dritte Genesis, die wir aus der ' Uebergangszeft vom Althochdeutschen zum ' Mittelhochdeutschen besitzen, ist das Hervortreten theologischen. Interesses, charakteristisch. Der Verfasser erzählt nicht bloß, sonderüer deutet die Erzählung auch. So legt er die drei EngelZchöre als die drei geistigen Kräfte Ge'dächtnis, Vernunft und Liebe aus.'. - Nebst dieser Genesis enthält die Vorquer Handschrift noch 20 andere deutsche Gedichte, von denen nicht weniger alS' siebest dem Stoffgebiete des Alten Testament ^ae° hören: einen „Josef, in Aegypten", einen „Moses", auS dem' einige ein besonderes Stück, „Josua", ausscheiden, wollten, einen , Bileam", „Die drei Jünglinge-im Feuerosen'',, eine ältere (fränkische) und eine jüngere (dialektisch unbestimm'? bare) „Judith" und ein „Lob Salomos". Und von den übrigest- Gedichten verwertet gerade das berühmteste, des mittelfränki<i' scheu Priesters Lamprechts „Alexanderlied", -ein Motiv aus. d.em. Talmud: die Erzählung von dem Vordringep Alexanders des Großen zu den Pforten des Paradieses, wv etz über die Nichtigkeit aller irdischen Macht und Größe ausge« klärt wird. Auch in das „Lob Salomos", ein fränkisches Ge<« dicht, -das Salomons' Hofhaltung, sein Ansehen und seine». Ruhm im Spielmannstone preist, ist eine rabbinjsche Sage eingeschaltet: „Salomo - und der Drache." i So. ist-die - aus dem zwölften Jahrhundert stammende Vorauer Sammelhandschrift -geradezu ein -Symbol für bt« Beliebtheit, dexen. sich jüdische Motive bei den christlichets Dichtern des Mittelalters erfreuten, und die. sich nicht -ein, mal auf. .den beiden Konfessionen gemeinsamen Teil den Bibel beschränkte, sondern auch auf die poetischen Schätze der spezifisch jüdisch-theolygischen Schriften erstreckte. Nicht weniger, symbolisch . in dieser. Hinsicht ist das poetisch« Schaffen Rudolfs von,. Ems, eines Schweizer Ritters aus. dem 13. Jahrhundert... Sein Gedicht „Der .gute Gerhard" ist eine in das deutsche Kaisermilieu verlegt« Variante der rabbinischen Erzählung von dem gelehrter Rabbi, der in Ueberhebüng seiner Gottgefälligkeit' seiner künftigen Genossen im Paradiese kennen lernen will. Got! zeigt ihm im Traume den Schächter. Voll gekränkte^ Eitelkeit sucht der Rabbi am nächsten Morgen diesen Manils auf und erkundigt sich nach dessen gottgefälligen Werken. Dil erfährt'er eine Geschichte von edler Selbstaufopferung uni Selbstüberwindung, welche in den wesentlichen Zügen mil dem übereinstimmt, was der Held des Gedichtes von Rudo^ von Ems'vollbracht hat. Derselbe Autor plante eine „Weltchronik", die bis gtz seiner Zeit hätte reichen sollen. Da er aber nach damaliger Sitte mit der Erschaffung der Welt begann, kam er troß keiner 36000 Verse nur bis Salomos Tod. IM.M VoM

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