Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 341 (3.1.1920)
- Date
- 1920-01-03
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Serie 4 Wien, SamstaF Wiener Morgenzettung Tagesbericht. Das neue jüdische Bataillon in Jerusalem/ Ein« Ehrung Zabottnskls. Me jüdischen Bataillone Nr. 38, 39 und 40, die cm der Eroberung Palästinas so hervorragenden Anteil halten, wurden, wie „Haarez" (früher „Chadschoth yaarez") berichten, aufgelöst und ihre überlebenden Mitglieder der bürgerlichen Arbeit tviederae geben. Ein Teil der Mannschaft und Offiziere sowie neuhinzügek-ommene jüdische Freiwillige haben sich an das englische Oberkommando mit deni Antrag gewendet, als neues jüdisches Bataillon in den englischen Militärverhand eintreten und als palästinensische Schutztruppen im Lande Dienst inachen zu wollen. Das Anerbieten wurde angenommen und das neue Bataillon unter dem Namen „First In de an 2" gebildet und -feierlich installirrt. Die Feierlichkeit wurde in Sera send bei Rischon Legion abgehalten und durch ein Gebet des Feldrabbiners Doktor Volk eröffnet. Nach ihr hielt Oberst P a t t €x f o n eine Rehe> in welcher et unter anderem sagte: ' „Als die glücklichste Zeit meines Lebens .werden die Jahre in meiner Erinnerung 'fortleben, die ich als Offizier der jüdischen Legion verbrachte. Die jüdischen Soldaten waren nicht nur von rührender Liebe für das Land-erfüllt, sondern zeichneten sich auch durch persönlichen-Mut und außerordentliche Tapferkeit aus. In ihnen Haben sich die seltenen Tugenden des treuen Juden und hingebungsvollen Soldaten in. schöner Harmonie vereinigt. Niemals wurde von ihnen oder.gegen sie eine Klage laut. Als Muster dieser herrlichen Tugenden gilt für uns Leutnant Z ab otinsiki, der Schöpfer der jüdischen Legionen, von dem wir heute-.herzlichen Abschied nehmen." - * ' Nach ihm sprach Major Ne.al, vorauf Zabot i n s k.i,' in , einer' innigen - Ansprache ganz' besonders die herzlichen Beziehungen schilderte, die zwischen ven englischen Offizieren und" den Juden stets bestanden haben. Diese schufen eine Atmosphäre vom Freund-, schaft und -Liebe, weil sie ein gemeinsamer' Gedanke miteinander' verband und ein heiliger Gedanke schließt jede Unterscheidung nach Glaubensbekenntnis aus. Die Feier schloß mit der Ueberreichung eii'er künstlerisch ausgesührten - Adresse an Leutnant > Zabotinski. die folgenden Wortlaut-, hat: -; „Die. Unterzeichneten Offiziere und Soldaten -der, ersten (Nr. 38) jüdischen Bataillons in Palästina, die die Ehre hätten, mit Ihnen gemeinsam an der heiligen Arbeit der Wiederbelebung des jüdischen Volles im Lande seiner Väter teilzunehmen, gele r aus tiefstem Herzen , den Gefühlen der höchsten Achtung für Ihre wichtige Arbeit auf dem Gebiete der jüdischen-nationalen ' Renaissance feierlichen Ausdruck. - •' , Mutig und , unerschrocken haben Sie, gekämpft und teilgenömmen an all den Gefahren, mitgelitten unter all den Fährlichkeiten und Leiden, denen unsere Bataillone, so oft ausgesetzt waren. In Ihnen kam-der wahre Geist! der heldenmütigen Makkabäer in seiner ganzen Erhabenheit zu bewunderungswürdigem Ausdruck, wenn Sie. an der Seite Ihrer Brüder in den Schützengraben der Berge vom Ephraim oder der Täler des Jordans mit Todesverachtung kämpften. So wuchsen Sie in unseren Augen zum Symbol des jüdischen nationalen Geistes heran, der nur bei treuen, ihiem Volke ergebenen Juden zu finden ist. Ihr großer vegetarisch^ Speisehaus 311 gehen und dort zusammen eine Taffe Tee zu trinken, ging er bereitwillig und gerne ein. Selbstredend stand Menachem Mendel in eifriger Karre» spondenz mit Luzatti. In diesem sah er gewissermaßen den Stolz der Familie und erlaubte sich ihm gegenüber ganz intime Ergüsse. In langen Briefen unterhielt er sich mit dem italienischen Staatsmann, ganz herzlich, einfach, wie sich ein Jude mit einem anderen Juden unterhält. Zuweilen verstieg sich Menachem Mendel zu Schroffheiten. Er drang in Luzatti, forderte von ihm. energischere pazifistische Taten. Eine Antwort, bekam er von Luzatti, von ein paar Dankzeilen des -Sekretärs abgesehen, nie, aber das irritierte ihn rächt im, geringsten. Eine Zeitlang trug er sich mit dem Gedanken, überhaupt nach Italien zu übersiedtzln. Denn in bezug aufdieses Land war er ganz ruhig. Italien wird nicht in den Krieg eingreifen! Ueber den Grund seines Optimismus befragt, lächelte er herablassend, wie einer, der etwas Bestimmtes weiß. Die Wolken ballten sich bedrohlich immer rnehr zusammen, unstreitbar ging alles anders, als es das gute pazifistische Herz Menachem Mendels wünschte, ober in bezug'^uft Italien blieb er dennoch ruhig. Dort saß ja einer, auf'dem man sich verlassen konnte: Luzatti. Als .ich'diel später Menachem Mendel in Zürich auf der Straße traf, erkannte ich ihn fast nicht. Die durchgemachten Enttäuschungen verwischten in seinem Gesicht alle Spüren der Sicherheit und des Optimismus. Er sah gedrückt und schuldbewußt ausals könnten dze andern ihn dafür verantwortlich machen, daß Europa noch immer keinen Frieden habe. Er sprach nicht-mehr mit heißem Pathos von der unbesiegbaren Macht der öffentlichen Meinung. Seine Energie hatte in bedeutendem-Maße abgenommen. Auf die Frage, wann denn seiner Meinung nach der Friede zu erwarten sein dürfte, antwortete er achselzuckend und verlegen lächelnd: „Ich weiß nicht, ich weiß nichts mehr." Und eine wunde Stelle gab es in Menachem Mendels Seele, die zu berühren grausam gewesen wäre, besonders, da er selbst die Wunde vor allen verheimlichte.:/Luzatti. Ja', dieser Mann hatte die . Hoffnungen, die Menachem Mendel auf ihn gesetzt hatte, nicht erfüllt schöpferischer Geist wird nach wie vor in uns beben und wir senden unsere Gebete zum Gotte Zions empor, daß es Ihnen 'vergönnt sei, Ihre Hoffnungen, die auch die Hoffnungen des jüdischen Volkes sind, erfüllt zu sehen. Bei Ihrem notgedrungenen Abschied von der aktiven Arbeit für das jüdische Bataillon begleiten Sie die innigsten, herzlichsten Gefühle ihrer "dankb aren Brüder, der Offiziere und Unteroffiziere des ersten jüdischen Bataillons (38)." Die Adresse ist umrahmt mit Abbildungen von den Fronten, an denen das. Bataillon gekämpft hat: Etnek Hajarden, Gilpal, Ephraimitischen Gebirge usw. , Die LawineAkataslroyhe in Davos. Ueber die von uns bereits in der Vorwoche gemeldete Lawinenkatastrophe in Davos berichten Schweizer Blätter nachstehende Einzelheiten: Dienstag nachmittags, 3 Uhr, erklangen in Davvs'Dorf und Davos-Platz plötzlich die Sturmglocken. An den Hängen des Schrahorns hatten sich mehrere Staublawinen gelöst.' Am Bergabhange oberhalb des SüdendeZ des Daboser» sees ging die e r st e Lawine nieder. Ungefähr 1 Uhr, nachmittags stürzte sie aus den dortigen Privatbesitz ttamenS Chateau' Bruxelles nieder, wo sie zwei Ställknechte begrub. Weiter talabwärts stürzte eine Lawine von Schiawowg'herunter auf das Sanatorium Davos- D 0 r f, Hie 'Pension Germania und das Bergsanatorium in Davos- Dorf, ferner von dort bis herunter auf die Landstraße. Die Krankenschwester Berta S i l b e r e r von Zürich, geboren 1891, und Kurgast Frau Rebekka Wachsmann aus Kischinew (Rußland) wurden getötet, die Hotelsekretarin ist schwer verletzt, ebenso das Kind des Pachters der Pension Germania und die Frau.« des Anstaltsarztes im Bergsanatorium. ‘ v Außerhalb des SchiabachS und auf dem Gebiet von Davos-Platz sind im Zeitabstande einer Stunde noch zwei weitere ' Lawinen. niedergdgangen; beide kamen aus dem Schiatobel. ' Die erste' verließ das Bachbett oberhalb der unteren Waldgrenze und riß.'auf dem in gerader Fortsetzung liegenden Abhang einen stattlichen Jungwald mit sich.' Durch diesen gebahnten Weg stürzte sich eine Stunde später die zweite Lawine herunter auf da§ jüdische Sa na t 0 r i u m Etania, früher Hotel Excelsior, die Villa Surlava usw. Eingesendet. Mokst Dr. Nathan Sfissmann eröffoote seine Kanzlei in Eroliofoyrz» 7018 i vonCoty, Houblgant, Roger-Gallet Französische Seifen von Roger-GalEet, Houblgant Parfümerie FIORIS Wien, Graben 29. Zoo A GOLD BRILLANTEN Platin, Mtlnren Perlen, Uhren, falsche Zähne, alle Silbergegenst&nde verkaufen Sie am betten direkt dem luwelier u Goldarbeiter S. Holzapfel, Wien, Vi. Marlahllfers:ras8e 79, oder Werkstätte: I. Wollzelis 17/13. Zahlt hSohste Preise, da für eigene Verarbeitung. Zl>4 Kein Händler sondern der Erzeuger und Goidarbeite^ Juwelier Loringer I. Graben 28, 2. Stiege, I. Stook,TQr 10 (bei Anton J. Grünwald) zahlt die höchsten Preise für Brillanten Perlen, jede Art Gold, Silber und Platin etc. m 8eparlerter Eingang mit ‘Sprechzimmer — Telephon 14411 > & 3. Jänner 1920 Nr. 341 An diesen und benachbarten Gebäuden zeigten sich die» 'elben Erscheinungen wje oben geschildert... Auch diese Lawine kam herunter bis auf die Landstraße, wo sie Passanten und ©tft* 'pännerschlitten samt Insassen zu Boden warf. Nach dem Nieder» gang der ersten Lawine eilten viel Hilfsbereite und.Neugierige herbei, die dann von der zweiten Lawine erfaßt würden. Von diesen wurden zwei, die sich in das Jüdische Sanatorium hineinflüi^teten. getötet, der '32jährige Belgier Dewit, Bob» bahnkassier, und der 18jährige Laufbursche Libestri von Bormio (Italien). Alle anderen wurden gerettet. Einstellung der Straßenbahn am Sonntag. Die Koblenbebeserung der städtischen Eleklriz'tätswrrke ist auch am gestrigen und heutigen Tage eine ganz unzulängliche gewesen. Jnfolg^destm mutz mit der Abschalumg der Betriebe noch weiter iorwefobren und den nächsten Sonntag über der Straßenbahnveikehr gänzlich eingestellt weiden- Am Montag wird die Straßenbahn nn derzeitigen Umfange wieder ve'.kehren. Es wird von den Kohlenv'mlmisin bei .den. Elebrizüälsiverken abkängen. ob noch weitergehcnde Einschiankungs-' Maßnahmen durchge'übrt werden müssen. . ■ Am Montag. 10 Uhr vormittags, findet eine außerordent-» liebe Sitzung des Stadtrates statt, in .welcher ein eingehender Beucht über die derzeitige Lage in der Kohleuversörgung et* stattet wird. - Die Kohlennot und Folgen für die ' nächsten Tage.' Der befürchtete Ansturm auf die Bahnen, welche gestern für zwei Tage die Personenbeförderung in besch/änktein Maße wieder anfgenornrüen haben/ ist n'chi eingetroffen. Eine starke- Jnan'tzruchnahme war gestern nirgends zu beobachten. Wohl'hatten sich besonders . ängstliche Gemüter schon in der Nacht wieder rn deiÄ Bahnhöfen eingefunden aber trotzdem gingen die ersten Züge halb leer ab. Das dürfte wohl darauf zurück- .m'ühren sein, daß di' Züge vornehmlich von Personen , benützt würden, welche -infolge, der .Bahnsperre in Wien Zurückbleiben mußten undnun die Gelegenheit ergriffen, wi der in die Heimat zu fahren. Vergnügungs^ügler oder sonstige Reiselustige waren wenig zu sehen, sie riskierten offenbar eine Reife nicht. weil die Gewähr, daß nach dem 6. Jänner der Reiseverkehr wieder normal sich gestalten werde, nicht gegeben ist. Der Bahnverkehr vom 7. Jänner ab. Obwohl die Kühlen,'irchjzbe immer noch alles zu wünschen übrig lassen, wird der Personenzugs- , verkehr am 7. Jänner wieder ausgenommen werden. So wird wenigstens heute, im Verkehrsamt versichert. Es ist aber selbstverständlich, daß bei dem furchlbaren Kohlenmangel, unter dem die Bahnen leiden, auße.or' endliche T^aüsporH, wie syf-che von Lebens-- Mitteln auf Kosten des Perionenverkehrcs durch' Einstellung von Per so n.' n; ügen -durch zeührt werden. Das Elektrizitätswerk erhält -so geringfügige Mengen Angewiesen, daß das Gespenst der Betriebseinstellung immer mehr «t greifbare Nähe rückt. Besser gestaltet sich die Laoe des Gas Werkes. Wenigstens erhalten sich die Zuschübe andauernd auf gleicher Höhe, so daß Einschränkungendes Gasbezu-ges vorlöu'ig ausgeschlossen sind. . Der Krieg zwischen den Wagons-Lits und der Mitropa. Seit mehr als drei Jahren zieht sich der Krieg zwischen den beiden Schlafwagengösellschaften: der belgischen Wagons-Lits und der von mitteleuropäischen Bankgruppen ins Leben gerufenen „Mitrop'a". Die Mitrova ist eigentlich eine deutsche Gründung -und der deutsche Einfluß hat im Jahre 1917 die Wiener und Budapester Bankenkonsortien in die Gründung mit hineingezogen. Von ungarischer Seite waren die Pester Kommerzialvank, die Kreditanstalt und die Vaterländische Sparkasse an dieser. Schöpfung beteiligt. Dieser Bankverbindung hatte es die Mitropa zu danken, daß sie, trotzdem der Vertrag der belgischen Schlafwagengesellschaft erst im Jahrs 1932 ab« läuft, in Ungarn die Abwicklung des Schlaf-- und Speisewagen-1 Verkehres allein in die Hand bekam. Die Deutschen sandten, wie „Az Est" erzählt, einfach einen preußischen Häuptmann nach Budapest, der den ganzen Wagenpark der Wagons-Lits mit Beschlag belegte. und der Mitropa auslieferte. Jetzt, nach dem Siege der Entente, ■ schreitet auch das Ententekapital zur Geltendmachung seiner Vertragsrechte in Ungarn. Zunächst erwirkte cs die Buda- . Pester französische Mission, daß zwischen Budapest und Wien wohl die Wagen der Wagons-Lits verkehren, aber nicht als eigene Unternehmung, sondern als Wagen der französischenMission. Die Mitropa antwortete bamih daß sie durch Ihre Jnteressentengruppe die italienisch« Mission bewog, die Mitropa-Wagen als Wagen der italienischen Mission verkehren zu lassen. Nach langen Verhandlungen zwischen den beiden Missionen hat die italienisch« Mission schließlich auf ihre „Missions-Schlafwagen" verzichtet. Dies hatte zur Folge, daß die ungarische Staatsbahndirektion ihre bisherige neutrale Haltung aufgab und dem nach Budapest entsandten Generalinspektor Lemaire erklärte, daß die Wagons-Lits wieder in ihre alten Rechte eingesetzt sei, und zwar dermaßen, daß der Charakter von Missionsbeiwagen aufgegeben und die Schlafwagen auch vom großen Publikum benützt werden können. Am 22. Dezember hätte als» der erste belgische Schlafwagen allein dem Nachtzuge Budapest—Wien angehängl werden sollen. Zur allgemeinen Ueberraschung fanden sich am Abend dieses Tages auch Vertreter der Mitropa am Budapester Bahnhof ein und setzten es schließlich durch, baß außer den belgischen Wagons-Lits auch die Wagen der Mitropä angehängt wurden. Man kann sich, schließt „Az Est" seinen Bericht, das verdutzte Gesicht deS Generalinspektors Lemair« vorstellen, der nach Wien vorausgefahren war und zur Begrüßung der ersten belgischen Wagen den Vertreter der französischen Mission «ingeladen hatte. Doch ist eS flar, daß die Mitropa den Krieg verloren hat. Der Wagenpark der Wagons-LitS ist übrigens noch komplett vorhanden, und wurde dem Generalinsvekto.r Lemaire mit einem Protokolle. daq! 8800