Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 340 (2.1.1920)
- Date
- 1920-01-02
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 840 Wien, Freitag Wiener Worgenzettung ' j Adolf SLand-Vliftung. ' Für die Adolf Stand-Stiftung der «Wjmer Morgenerhielten^ wir von Herrrn Jsak Schuldenfrei L 20.—. ^' zBiSbnige Gesamtsumme K 4000.—.; Lysol und Benzin. . Kleine Grotzstadtdramen. - In größerer Zahl als sonst laben sich in der heurigen Silvestemacht Dramen abgewelt, die von LebeuZekel. sprechen. Am Abend trank auf dem Opcrnring der 23Mrige Hilfsarbeiter Alois Scholz, V., Wimmrrgasse wohnhaft, aus Unbekannter Ursache Lysol. — In der ersten Morgenstunde wurden im Prater nahe der Valerftstraße die Private Marie B r a n d st ä t t e r aus Sramnnrsdorf und dir Hausgehilfin Mina Scholz, Ul.,' Ungargaffe wohnhaft, zwei Mädchen von 17 Jahren, mit schweren Uebelkeiten nygetroffen. Sie haben in der Abstcht, sich zn töten, Hypermangan-' Kristalle genommen. — Gleichfalls/in der ersten Morgenstunde nahm die 17jährige Private Margit S ch a u d l, XlH., Avedikstraße wohnhaft, rm Cafä Helgoland, V!., Manahilferstraße, ans nnbckannter Ursache Lysol und sank bewußtlos zusammen. — Nach 3 Uhr früh nahm die 23jährige Private Auguste E h r* feld, XIV., Sechshauserstraße wohnhaft, aus Eifersucht 100 Gramm Benzin. Sie wurde in lcrcht betäubtem Zustande ausgefunden und ins Elisabrthspital gebracht. * Dupuy gestorben. Aus Paris wird gemeldet: Gestern ist der gewesene Minister Jean Dupuy, Vizepräsident deS Senates, nach längerer Krankheit gestorben. * * Der Jahrestag der Eroberung Jerusalems. Die zweite Wiederkehr des Tages der Eroberung Jerusalems wurde von allen Bevölkerungsschichten gefeiert. In den Goltzshäuscrn aller Bekenntnisse fanden Dankgottesdienste statt, denen eine Parade der allriertcn Truppen folgte, welcher die mohammedanischen, jüdiichen und christlichen No abeln beiwohnten. An der Feier nahmen auch W eiz m a n^n und U s s i s ch- ' tj, tt teil. * Aerztekinder nach Zürich. Die Gesellschaft der Aerzte! u des Kantons Zürich hat 60 Kinder von Wiener Aerztrn, und zwar 16 Knaben und 44 Mädchen m Ziiucher Aerztefamiften e>n- " geladen. Die Anmeldung und Answabl der Kmder erfolgt ander Klimk Professor Pirquet. IX.. Lamreltgaffe 14, täglich von 9 bis 11 Uhr in der Ambulanz der Klinik 111, Abfertigung. Der Transport gehl bereits'am 14. d. M. ab. : * Die Angelobung der Wiener Armenräte findet Sqnnlag vormittags im Rathause statt. Die jjidischnationalen Armenräte versammeln sich eine Viertelstunde-vor dem festgesetzten Termine im Cafö Kaiserhyf, 1., Karl Lueger-Platz 4. . * Eine Filmfabrik in der Slowakei. Wie die Prager «Republik" meldet, wird in Ncuschlössel eine Filmfabrik und eine Filmfabriksleihanstalt errichtet. Dev Erfinder der Kinematographie, L u m i ö r e, ° wurde zum Mitglied der Pariser Akademie der Wissenschaft er« z - nannt. Lumiöre führte seine wrltbcglückeude Erfindung zuerst 1900 auf der Ausstellung vor. . Ein „Zigarettenlieferant". Am 31. Dezember hat ein Z^lähligcr Mann dem Kaufmann Oskar Tand ler. ''-HE.^'"'^kt'u>ugasje23 wohnhaft. daS Anbot gemacht, ihm Zigaretten x.' . '7? .Zm größeren Mengen zu verschaffen.' Er bestimmte ibn. das Geld mltwnchm-n. und Uilntc ihn in das Gebäude der Finanzlandes- -rbirenion. Dort lies; er sich mi dritten Stockwerke von dem Kauft Y* ■ - mann die Kaussnmme von K 11.220 übergeben und verschwand > ' ,m. einer ^r.üre. Mit dem Gelds flüchtete der Gauner. ’■ , ' ' * Die Pest meldet stch. Nach einer Lembcrger Meldung , wnrde das Gesundheitsamt davon verständigt, daß in der Umgebung von K a m e n e c - P 0 d 0 l s k r j die Pest aus- > gebrochen ist. — In einem Ge'präch Mit dem Vertreter des ,-t »MMrn bezüglich der Gerüchte über ein Wiederau leben der Pest . tmMiltelmccrbcckenbestätigt Dr. D u j a r d i n - B e a u m e h. Y . Direktor der Pestabte lang be'm Pastenrinstrtut, daß tatsächlich namcnrl'.ch S h r i c n. Saloniki, Alerandrien und Konstantinopel 1,77 Lemierlze enthalten, wo bereits energische Maßnahmen namentlich Schutze, der verbündeten Truvpcn getroffen worden sind. . An Mittlere Wiener Leser.! Vom 1. Jänner an ist laut Vereinbgrilng der Wiener Tageszeitungen die.Zustellung der Vssiiter durch AcrufSansträger in die Wohnungen eingestellt morden und wir müssen nufere Abnehmer ersuchen, vom Neujahrstage an in Löten die „Wiener Morgenzertuvg" von den Verschleißstelsen (Trafiken) zu beziehen. Jede Trafik ist nach den Vereinbarungen verpflichtet, das Abonnement jedes Blattes anzunehmen.! Die Trafiken haben sich ferner verpflichtet, von ' 6 Uhr früh (beziehungsweise wann der Verkehr beginnt^ bis 7 Uhr abends, mit einer Mittagspause, offen zu halten, um den Zeitnngsvcrschleiß vom Beginn des Verkehrs an durchzuführen. Es wird geplant, dass dort, wo eine Zusielltlng inS Haus gewünscht wird, diese Zustellung von den Trafikanten in der nächsten Zeit organisiert wird. Die Veränderungen in der Zeitungszustellung werden kurze Zeit brauchen, um sich einzulebcn. Es ist aber zu erwarten, dich im Laufe des Monats Jänner ein allseits befriedigender Zustand geschaffen wird. Bis dahin bitten wir unsere Leser, die Uebergangszeit hindurch Geduld zü haben. Sämtliche Reklamationen wegen Nichtzustellung odtzr verspäteter Zustellung in den Trafiken Litten wir nach wie vor an unsere Verwaltung zu richten. Die Verwaltung der „Wiener Morgenzeitung." j MWWW^CTWmWglllg 2 Immer 1920 Seite 9 ifiafdttmi Größte Auswahl Billigste Preise 5 sw . Beaumetz ist der Ansicht, daß eine Ausbreitung der Plage unwahrscheinlich ist, ruft aber nach strenger Einhaltung der sanitären Maßnahme, vor allem nach der Vertilgung der Ratten in den französischen Häfen. * Gefälscht« MehlbezUigskarten tut Umlauf. In der letzten Zeit wurden in m hreren Mehl.rbgabcstrllcn Eintragungen in die Knndcnlisten . auf Grund nachgeahmter amtlichcr Mehlbezugskarten zu bewirken versucht. In einigen Fallen ist die Eintragung auch durchgcführt worden. Die Polizeidlrektion warnt vor dem Ankäufe dieser Fälschungen und wird in jedem Falle eines festge,stellten Mißbrauches mit denselben gegen die Belerligtcn mit den strengsten Strafen Vorgehen. - * GeschLftseinbvüche. Am 31. Dnember. nachts, wurde das Geschäft des Kleiderhändle's Samuel C 0 l l e r, II.. Obere Donaustraße 4, erbrochen. Gestohlen wurden Stoffe und fertige Anzüge im Werte von 70.000 K. Gleichfalls am 81. Dezember, Mittags, wurde das Geschäft des Kaufmannes Karl S t e p a n, I.. Sonnenfelsaaffe 1, erbrochen. Gestohlen wurden Kammgarn- und Cheviolstoffe im Werte von 100.000 X. , BereLnsnachrichten. lNachrichtenvonPereinenerscheinenauS« nahmslosnuratnTagederBeranstaltung.) Heute: H a v 0 e l H a z a r r. Das Lokal des Hapoel Hazair befindet sich II.. Pratei straße 9/4. Sekretariat täglich von 6 bis 7 Uhr, außer SamZtag und Sonntag. Bühne mch Knust. Aus den Theatern. Im Bürgtheoter gelangt heute Freitag »Gin idealer Gatte" von Oskar Wilde zur Aufführung. Die Rolle des Caversham spielt zum erstenmal Herr Herterich, den Lord Goring Herr Pranger. Anfang 5 Uhr. —-- Morgen wird das Drama «Die Sterne", von Hans Müller aufgeführt unter Mitwirkung der Damen Helm, Littitz. Medelsky. Anfang halb 6 Uhr. — Die für die am 4. d. M. stattfindende Vorstellung „Der lebende Leichnam" um den Normalpreis behobenen Stammsitze , werden, da diese Vorstellung zu erhöhten Preisen stattfindet, von den Stamrnsihabonnenten gegen Karten mit' den richtigen Preisen umgetauscht werden. Leopold Stcinhart, Wien, Biberstraße 9. --— .. 4073/8 Mp,-Umtausch findet an der Stammsitzkaffe, 1. Bez,, Brstuner, straße 14, von heute ab statt. Im Op e t nt 1) i (U c 1 gc langt am -6d, M. ..L>-'l)eugvin" Ml! den Damen Ieeitzn, Windbänser und dtn Herren Leurr; Zec, Engel, Krenn, Weinrk, Stehmann, Madin und Gallos AuMmmq. Beonm 4 Ubr Sonntag den 4. d. M. findet in der Volksoper die Wiederholung der Oper «Maria von Magdala" in der Be' setzung der Uraufführung' -unter Leitung Direktor Weingartnerß statt, ' ' . Im C a r l - T h e a t e-r sind die Proben zu der demnächst^ zur Uraufführung gelangenden Operette «Gr ofir st a d t m ä r ch e n" . von Bruno Hardt und Erwin - Weit! Musik von Richard Fall, äm Gange, Die Hauptrollen werden y]f»on den Damen Fcdi Fcrard und Polly Iotz sowie den Herren , Franz Felix, Ernst Arnold-und Ernst Rolle da«- gestellt.' y Im Wiener Stadtthea 1"er gelangt heute nach längerer Pause, das Schauspiel' «Der Vater" von August Strindberg m,t Josef Jarno als Rittmeister zur A'.rfführung. . ' Für die , beiden Gastvorstellungen «Der bingebildetc Kranke" und- „Komödie cher Liebe", welche das Neue Theater am 3. und 4. d. M. unter der künstlerischen Leitung von Alexander Jarah im Akädemie-Theater (Konzert Haus, Eingang. Lisztstrahe M. 3) zugunsten der Rettunasgesellschaft veranstaltet, gibt sich großes Interesse kund. In den Hauptrollen wirken mit: die Damen Emmering, Löhr, Rrdegg, Angerer und Träger-Matscheko und die Herren Dr. Bergauer, Dr. Gerhard, Jaray, Kopas. Ozory, Duschinsky und Halban. Karten bei Kehlendorfer, 1. Bez.7 Krugerstraße Nr. 3, und bei Glück,, 1. Bez., Rotenturmstraße Nr.' 19, und an der Abendkasse. Sport. Wafserball. ' Zu den schwierigsten, ebensoviel Ausdauer wie Geschicklichkeit forderliden Körperübungen zählt daS Wasserballspiel, welches gleich dem Fußball aus England, dem Mutterland« des Sportes, stammt und von dort, ähnlich wie letzteres, über die ganze Welt Verbreitung gefunden hat. Daß die breite Masse davon nicht im selben Ausmaße wie vom Fußballsport ergriffen würde, ist einesteils schuld der großen Anforderungen, die es an die Spieler stellt und andererseits eine Folg« der geringen Ausübungsmöglichkeiten. Während Wien heute eine große Zahl von Fußballplätzen besitzt steht den Mcsierballern jetzt im Winter kein einziges Bad zur Verfügung. Soi ist es nicht weiter - verwunderlich, daß der Kreis der aktiv Tätigen verhältnismäßig klein ist. Um so größer ru aber die Zahl der Anhänger dieses Sports, der, was das Kampfmoment!und raschen.Wechsel der Ereignisse auf dem Spielselde betrifft, dem Fußballsport mindest gleichkommt. Auch die Regeln der beiden Spiele ähneln sich sehr. Beide kn!minieren im Erzielen von Goals, nur daß beim Wasserball die Parteien aus je sieben Spielern' besteherr und dir Spielzeit 2X7 Minuten beträgt, ein Zeitraum, der dem Fußballer als sehr kurz erscheinen mag, aber erklärlich an diK Teilnehmer gestellt werden. Vierzehn Minuten scharff wird, wenn man die Anforderungen in Betracht zieht, welche, schwimmen und daher dem steten Wechsel des Katnpfes Rechnung tragensind Leistungen, welcher nur em gesunder, ausgebildeter Körper fähig ist. - In Oesterreich hat das Wasserballspiel bald nach seinem Entstehen Eingang gefunden und sich in kurzer Zeit zu % X Eine Studentin. Von H. D. Nomberg. Ans dcm Indischen übertragen von S i e g f r i e d S ch m i tz/ ' ' ' (2. Fortsetzung.) , , Dr. Weinstein freute sich sehr,- sie zu treffen 'und fragte sie, wohin sie gehe. Als er hörte, sie gebe nach Hause, begleitet^: er, sie. . . Und eilen S'e, . -Litte, nicht so sehr; ich laufe nicht gern!" bat er Ljuba. . Wie alle jungen Leute, hatte auch*Ljuba Fiedler "vielzu fragen. Dr., Weinstein antwortete gern auf nlle ihre Fragen. Tlils seinen Neben erfuhr sie, er sei ^dec Sohn'sehr reicher Eltern, die in einem k.'einen Städtchen, des ^KÄwn-oer Gouvernements wohnten. Er Wölbst' hatte Klange im Ausland gelebt und dort das Doki'örat. der Medizin erworben. Zurzeit beschäftigte er sich aber mit der Mdizin nicht. Er lebte jetzt „so", in - Warschau. Das Wort „so" sprach er mit einem halben Lclche.'n, in dem eine Art Selbstironje lag. Ljitba sah , ihn verwundert an und fragte: ' ,; „Was .t'un'S'e als, hier?" - 1 " •: "Das ist schwer.zu sagen,' eigentlich' gar nichts." ■ 11 .,Gar n,ch :s?" > j „©au nch s," aniwiortete er mit demselben LächÄn. „Wltnüert S.e das? Ich habe reiche Eltern. Die Not treibt mich, nicht zur Arbeit, ein inneres Verlangen arich nicht. Ich bin ein etchter Boucge>ois!" witzelte er. „DaS muß aber doch, glaublich, langweilig fein?" „Ein wenig wohl." » ' Sigmaren vor Ljubas Wohnung attgelangt und - Sueben stehen., Dr. Weinstcln dachte ein we.rig nach und sagte dann: „Wissen Sie, Fräulein, ich möchte Sie gern öfters tresftm" "„Warum denn?" fragte sie, ein weinig nsugieria "und ein wenig kokett, und blickte ihm mit Hy. c*,t großen Augen gerade i>t§ Gesicht. iiinmi uijjw W „Nehmen wir an, aus Langeweile. Nein — um die Wahrheit zu sagen," unterbrach er sich, in ernstem Ton, „ich bin hier in Warschau ganz fremd, habe keine Bekannten aus dem Kreise der Intelligenz und darum wäre es mir sehr, sehr angenehm, mit Ihnen, Fräulein,' öfters zu plaudern." Dr. We.instein hatte trotz seines „gänzlichen Mangels jeglicher Begabung" (er selbst sagte das und hielt sich für einen Menschen, der auf der Welt anderen nicht zum Nutzen und sich nicht zum Vergnügen lebe) eine gewisse Art, die ihn zeitweilig sehr sympathisch machte. Er war oft, wenn er es wollte^ ernst, geradezu kindlich ernst und offenherzig. In solchen Fällen sprach er in einem ganz anderen Ton, ohne jede Ironie und der Ausdruck seines Gesichtes wurde ein anderer, beinahe schön. Die letzten Worte sprach er eben mit einem,, erlisten Ausdruck im Gesicht und in der Stint me und in diesem Moment gefiel er Ljuba ÜÜetaus gut. „Es ist möglich," sagte sie, „wenn Sie wollen, besuchen Sie mich, doch, ich sage es offen, ich weiß nicht, ob Ihnen meine Wohnung gefallen wird. Sie sind, doch ein Bourgeois . . i" >,Aber Fräulein, das wäre doch lächerlich! . . ." .Als sie in Ljubas Zimmer saßen, war das Gespräch nicht so gemütlich wie früher. Weinstein erzählte von 'seiner Studentenzeit, im Auslande. Dann machte er sich über die Enge und Düsterkeit des Zimmers lustig und meinte lachend, die schiefen Wände seien überaus interessant; denn sie seien reicher ap Linien und Winkeln als die gewöhnlichen geraden. Aber -alle dirse Scherze paßten nicht recht — beide fühlten' es . und ails Kratvwa kam, empfahl er sich und ging. ,Weißt du," erzählte die Fiedler, ihrer Freundin „das ist der Doktor, den ich im Tb7at"r kennen gelernt habe; ein sehr interessant•*r'?'r? ,Sozial-N^voiu fionär?" „Nein, ich glatibe, er rst gar nichts, nur interessant. Er langweilt sich und sucht die Bekanntschaft intelligenter Leute. Was gefällt dir nicht?" / „Ist er nicht am Ende ein Spion?" „Aber^ was fällt dir ein! Da verkennst du ihn ganz." Damit brach Ljuba das Gespräch ab. Einige Tage später erhielt sie durch die Post ein Thcaterbillett mit ein paar Zeilen von Dr. Weinstein, worin er sie bat, abends ins Theater, zu einer Wagner- Oper zu kommend Im Theater begrüßten sie einander wie alte Bekannte. „Sie sind sehr liebenswürdig," sagte die Fiedler ein wenig ironisch, „ich wollte sehr gerne zu Wagner gehen, denn ich liebe Wagner überaus! Aber, um dis Wahrheit zu sagen, ich hatte kein Geld. Und da wäre» Sie der ,Retter'. Ich danke Ihnen!" Die letzten Worte „Ich danke Ihnen" waren natürlich und frei herausgekommen, daß beiden dabei wohl warb. Der Wend war für Ljuba ein Fest. Gewöhnlich saß sie im Theater auf den letzten Plätzen, wo sie, um etwas zu sehen, vorgebeugt stehen und achtgeben rnußte, baß sie nicht falle. In dieser Pose hatte sie auch Doktor Weinstein zum erstenmal bemerkt.- Sie stand damals auf einer Bank, hielt sich an einer Säule fest und ihre schlanke, biegsame Figur hatte in dieser Stellung einen besonderen Reiz. Diesmal saß sie gegenüber der Bühne, frei und ungestört. Weinstein gefiel ihr heute mähr als sonst: Er saß schtveigend. da, mit ernstem Gesicht; zum erstenmal bemerkte sje darin einen tiefen^ alten Kummer, einen Kummer, der so ° tief in dem Antlitz saß, daß es schien, er sei mit hem Manne, dem das Gesicht gehörte, geboren worden.' Nach dem Theater gingen sie in ein Kaffeehaus. Ljuba war, wie gewöhnlich, nach dem Theater.freudigerregt und im Cafö lt."rschte noch dazu so diel Licht und Glanz *. , (Fortsetzung folgt.)